{"id":54173,"date":"2019-08-15T13:00:26","date_gmt":"2019-08-15T11:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54173"},"modified":"2026-01-27T11:33:27","modified_gmt":"2026-01-27T10:33:27","slug":"die-dienstwagenbesteuerung-muesste-so-wie-in-anderen-eu-staaten-eine-oekologische-komponente-beinhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54173","title":{"rendered":"\u201eDie Dienstwagenbesteuerung m\u00fcsste, so wie in anderen EU-Staaten, eine \u00f6kologische Komponente beinhalten\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Seit geraumer Zeit fordern Politiker eine Besteuerung von CO2. Gerade aber erst ist der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages zu der Auffassung gelangt, eine Steuer auf Kohlendioxidemissionen <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/my\/politik\/deutschland\/suche-nach-alternativen-beginnt-co2-steuer-umstritten-und-verfassungswidrig\/24881230.html\">versto&szlig;e gegen das Grundgesetz<\/a>. Unabh&auml;ngig von der rechtlichen Situation wollten die NachDenkSeiten wissen, wie es mit dem CO2-Aussto&szlig; von jenen Fahrzeugen aussieht, die Spitzenpolitiker nutzen. Im NachDenkSeiten-Interview kl&auml;rt <strong>Dorothee Saar<\/strong> auf. Die Bereichsleiterin Verkehr &amp; Luftreinhaltung bei der Deutschen Umwelthilfe verdeutlicht, dass Top-Politiker in der Sache alles andere als vorbildlich agieren. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2464\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-54173-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190815_Die_Dienstwagenbesteuerung_muesste_eine_oekologische_Komponente_beinhalten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190815_Die_Dienstwagenbesteuerung_muesste_eine_oekologische_Komponente_beinhalten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190815_Die_Dienstwagenbesteuerung_muesste_eine_oekologische_Komponente_beinhalten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190815_Die_Dienstwagenbesteuerung_muesste_eine_oekologische_Komponente_beinhalten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=54173-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190815_Die_Dienstwagenbesteuerung_muesste_eine_oekologische_Komponente_beinhalten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190815_Die_Dienstwagenbesteuerung_muesste_eine_oekologische_Komponente_beinhalten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frau Saar, derzeit wird viel &uuml;ber CO2 geredet. Politiker denken dar&uuml;ber nach, CO2 zu besteuern. Wie sieht es eigentlich mit dem CO2-Aussto&szlig; der Dienstwagen von Politikern aus?<\/strong><\/p><p>Der CO2-Aussto&szlig; der Dienstwagen von Spitzenpolitikern ist noch immer viel zu hoch und l&auml;sst nicht wirklich eine Vorbildfunktion der Politiker erkennen. Im letzten Jahr hielt kein einziger Dienstwagen den EU-Flottengrenzwert f&uuml;r Pkw auf der Stra&szlig;e ein. Auch in diesem Jahr sieht es nicht viel besser aus, Genaueres hierzu folgt in den kommenden Monaten mit der Ver&ouml;ffentlichung der diesj&auml;hrigen Dienstwagenumfrage der Politiker.<\/p><p><strong>Haben Sie genauere Daten?<\/strong><\/p><p>Auf Basis des Umweltinformationsrechtes erfragen wir von den jeweiligen Ministerien die relevanten Angaben der jeweiligen Fahrzeuge. Unter Ber&uuml;cksichtigung der realen Verbrauchswerte hielt im Jahr 2018 kein einziger der 236 befragten Politiker den CO2-Grenzwert der EU von 130 g CO2\/km ein. Die Werte schwankten zwischen 154 g CO2\/km und reichten bis zu 408 g CO2\/km (Weitere Informationen <a href=\"https:\/\/www.duh.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung\/12-dienstwagen-check-unter-deutschen-regierungspolitikern-180814\/\">sind hier zu finden<\/a>).<\/p><p><strong>Die Probleme, die mit einem hohen CO2-Aussto&szlig; verbunden sind, sind schon lange bekannt. Warum nutzen Politiker diese Art von Dienstwagen noch immer?<\/strong><\/p><p>Das Bewusstsein, aktiv zum Klimaschutz beizutragen und dies auch in der Auswahl der Dienstfahrzeuge zu ber&uuml;cksichtigen, ist offenbar noch nicht &uuml;berall angekommen. Hinzu kommt, dass deutsche Hersteller ein gro&szlig;es Interesse daran haben, wenn ihre Premiummodelle medienwirksam als Dienstwagen hochrangiger Politikvertreter zum Einsatz kommen. Und diese Hersteller bieten nach wie vor keine Modelle an, die den Anforderungen an die Nutzung gen&uuml;gen, dennoch effizient sind und den Flottengrenzwerten auf der Stra&szlig;e entsprechen. Unsere Analyse macht deutlich, dass auch Plug-In-Fahrzeuge, die als besonders CO2-arm angepriesen werden, in der Realit&auml;t das Klima mit viel zu hohen Emissionen belasten.<\/p><p><strong>Was denken Sie, wenn Sie Politiker von einer CO2-Steuer reden h&ouml;ren, aber diese Politiker selbst Dienstwagen nutzen, die f&uuml;r die Umwelt ein Problem sind?<\/strong><\/p><p>Wir begr&uuml;&szlig;en die Debatte um die Einf&uuml;hrung einer CO2-Bepreisung, die f&uuml;r effektiven Klimaschutz unentbehrlich ist und die sozialvertr&auml;glich ausgestaltet werden muss. Aber Politiker m&uuml;ssen mit gutem Beispiel vorangehen und dies ist bei der Wahl ihrer Dienstwagen leider selten der Fall. Die bei einer h&ouml;heren Besteuerung von Kraftstoff anfallenden Mehrkosten beim Tanken zahlt im Falle der Dienstwagen von Politikern nat&uuml;rlich nicht der Nutzer, sondern der Steuerzahler.<\/p><p><strong>Die Deutsche Umwelthilfe macht seit vielen Jahren einen &bdquo;Dienstwagen-Check&ldquo;. Was ist das? Und: Wie gehen Sie dabei vor?<\/strong><\/p><p>Die Deutsche Umwelthilfe untersucht und bewertet in den &bdquo;Dienstwagen-Checks&ldquo; die Dienstwagen von Personen mit Vorbildfunktion. Hierzu z&auml;hlen wir Spitzenpolitiker in Bund und L&auml;ndern, Vorstandsvorsitzende gro&szlig;er Unternehmen sowie Kirchenoberh&auml;upter. Diese werden nach den Umweltdaten ihrer aktuellen Dienstwagen befragt, wobei wir uns bei den Politikern auf die Umweltinformationsgesetze des Bundes und der jeweiligen L&auml;nder st&uuml;tzen.<\/p><p>Unsere Bewertung st&uuml;tzen wir auf den durchschnittlichen CO2-Aussto&szlig; in Gramm pro Kilometer der Fahrzeuge bzw. Fahrzeugflotten, wobei seit 2018 die realen CO2-Werte der Fahrzeuge zur Bewertung herangezogen werden. Grundlage unserer Bewertungsmethode stellen Daten des unabh&auml;ngigen Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation (ICCT) dar, die den Mehrverbrauch auch herstellerspezifisch ermittelt haben, welcher im Durchschnitt bei 39 Prozent liegt, bei Dienstwagen sogar noch dar&uuml;ber.<\/p><p><strong>Was sind die neuesten Ergebnisse?<\/strong><\/p><p>Die Ver&ouml;ffentlichung der Ergebnisse zum diesj&auml;hrigen &bdquo;Dienstwagen-Check&ldquo; der Politiker erfolgt in der zweiten Jahresh&auml;lfte 2019. Was wir heute schon sagen k&ouml;nnen: Der Trend zu Plug-In-Hybriden als vermeintlich klimafreundliche Alternative steigt weiter. Ebenso werden wir die Auswirkungen der Umstellung des Verbrauchsmessverfahrens in der Typzulassung thematisieren: Hier wurde auf ein ver&auml;ndertes Testverfahren umgestellt, um realit&auml;tsn&auml;here Verbrauchsangaben zu erhalten.<\/p><p><strong>Also selbst die Kirchen unterhalten Dienstfahrzeuge mit einem hohen CO2-Aussto&szlig;?<\/strong><\/p><p>Unter Ber&uuml;cksichtigung des realen durchschnittlichen CO2-Aussto&szlig;es der Fahrzeuge zeigt sich, dass auch die untersuchten Pkw der Kirchenvertreter im Schnitt deutlich &uuml;ber dem EU-Flottengrenzwert von 130 g CO2\/km liegen. Lediglich drei Fahrzeuge hielten diesen Wert ein (Weitere Informationen <a href=\"https:\/\/www.duh.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung\/dienstwagen-umfrage-bischoefe-2018\/\">sind hier zu finden<\/a>).<\/p><p><strong>Sie fordern eine Dienstwagen-Steuerreform. Warum? Wo liegt das Problem?<\/strong><\/p><p>Die steuerliche Regelung der betrieblichen und privaten Nutzung von Dienstwagen sieht momentan so aus, dass &uuml;bermotorisierte Fahrzeuge mit hohem Spritverbrauch erheblich st&auml;rker subventioniert werden als sparsame Autos. Unternehmen k&ouml;nnen derzeit unabh&auml;ngig von Verbrauch und Klimagasemissionen sowohl Anschaffungs- als auch Betriebskosten in unbeschr&auml;nkter H&ouml;he steuerlich absetzen. Erlaubt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zudem, den Dienstwagen auch privat zu nutzen, muss dieser lediglich monatlich im Rahmen der Einkommenssteuer 1 Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Dadurch machen Dienst- und Firmenwagen ungef&auml;hr zwei Drittel der Neuzulassungen aus und allein durch die private Nutzung von Dienstwagen entgehen dem Staat j&auml;hrlich ungef&auml;hr drei Milliarden Euro. Weil die Dienstwagen nach ein bis zwei Jahren als Gebrauchtfahrzeuge auf den Markt kommen, dominieren diese den Trend der Nutzung &uuml;bermotorisierter Fahrzeuge.<\/p><p><strong>Was m&uuml;sste getan werden?<\/strong><\/p><p>Die Dienstwagenbesteuerung m&uuml;sste, so wie in anderen EU-Staaten, eine &ouml;kologische Komponente beinhalten. Die Anschaffungskosten sollten nicht ohne Pr&uuml;fung der Notwendigkeit subventioniert werden. Dar&uuml;ber hinaus sollte die Dienstwagenbesteuerung an den CO2-Aussto&szlig; gekoppelt werden. Fahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen sollten weder in der Anschaffung noch im Unterhalt steuerlich abzugsf&auml;hig sein. In Gro&szlig;britannien und den Niederlanden etwa haben entsprechende Anpassungen schon zu Ver&auml;nderungen gef&uuml;hrt (F&Ouml;S 2018). Wir fordern weiterhin, dass die Betriebskosten auf einen Pauschalbetrag begrenzt werden und der geldwerte Vorteil f&uuml;r die Nutzung des Fahrzeugs sich ebenfalls an den CO2-Emissionen orientiert. F&uuml;r die Automobilkonzerne m&uuml;ssen Anreize geschaffen werden, die sie dazu bewegen, in den f&uuml;r Dienstwagen relevanten Fahrzeugklassen emissionsarme PKW anzubieten.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus brauchen wir endlich ein Verfahren, dass die CO2-Emissionen in der Typzulassung anhand von Stra&szlig;enmessungen ermittelt, so wie es bei Schadstoffen heute der Fall ist. Mit unrealistischen Verbrauchsangaben ist dem Klimaschutz nicht gedient.<\/p><p>Titelbild: maradon 333\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit geraumer Zeit fordern Politiker eine Besteuerung von CO2. Gerade aber erst ist der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages zu der Auffassung gelangt, eine Steuer auf Kohlendioxidemissionen <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/my\/politik\/deutschland\/suche-nach-alternativen-beginnt-co2-steuer-umstritten-und-verfassungswidrig\/24881230.html\">versto&szlig;e gegen das Grundgesetz<\/a>. Unabh&auml;ngig von der rechtlichen Situation wollten die NachDenkSeiten wissen, wie es mit dem CO2-Aussto&szlig; von jenen Fahrzeugen aussieht, die Spitzenpolitiker nutzen. Im NachDenkSeiten-Interview kl&auml;rt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54173\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":54174,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,179,137,176,73],"tags":[1565,2649,2318,511],"class_list":["post-54173","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-schadstoffe","category-steuern-und-abgaben","category-umweltpolitik","category-verkehrspolitik","tag-automobilindustrie","tag-oekosteuer","tag-deutsche-umwelthilfe","tag-dienstwagen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/190815_shutterstock_1147560089-Kopie.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54173","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=54173"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54173\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81600,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54173\/revisions\/81600"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/54174"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=54173"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=54173"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=54173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}