{"id":54182,"date":"2019-08-16T09:00:46","date_gmt":"2019-08-16T07:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54182"},"modified":"2019-08-30T10:49:26","modified_gmt":"2019-08-30T08:49:26","slug":"elliott-ante-portas-der-hedgefonds-des-us-investors-paul-singer-treibt-jetzt-in-deutschland-sein-unwesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54182","title":{"rendered":"Elliott ante portas \u2013 der Hedgefonds des US-Investors Paul Singer treibt jetzt in Deutschland sein Unwesen"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Elliott steht vor der T&uuml;r und m&ouml;chte Ihnen ein Angebot machen, das Sie nicht ablehnen k&ouml;nnen!&ldquo; Dieser Satz, angelehnt an das ber&uuml;hmte Zitat aus dem Mafia-Film &bdquo;Der Pate&ldquo;, ist freilich frei erfunden. Gut m&ouml;glich ist aber, dass sich Tobias Hartmann, Vorstandschef des Kleinanzeigen-Portals Scout24, derzeit tats&auml;chlich vorkommt wie im Film &bdquo;Der Pate&ldquo;. Denn Elliott steht tats&auml;chlich vor seiner T&uuml;r und hat ihm auch ein eindeutiges Angebot gemacht, und zwar in Form eines <a href=\"https:\/\/www.scoutingforvalue.com\/de\">Offenen Briefes<\/a>, den er in der vergangenen Woche im Internet ver&ouml;ffentlicht hat. Elliott fordert Hartmann darin auf, die Plattform Autoscout24 abzuspalten, ein umfangreicheres Aktienr&uuml;ckkaufprogramm aufzulegen und mit den Aktion&auml;ren des Unternehmens &bdquo;sinnvoll zusammenzuarbeiten&ldquo;. Von <strong>Thomas Trares<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nElliott ist n&auml;mlich der Meinung, dass der wahre Wert von Scout24 nicht wie derzeit bei etwa 50 Euro pro Aktie liegt, sondern bei 65 Euro. Und Elliott ist auch nicht irgendwer, sondern der Hedgefonds des US-Investors Paul Elliott Singer, der diesen 1977 gegr&uuml;ndet und nach seinem zweiten Vornamen benannt hat. &Uuml;ber Elliott verwaltet Singer heute knapp 35 Milliarden Dollar. Dem US-Milliard&auml;r eilt zudem der Ruf voraus, bei der Durchsetzung seiner Gesch&auml;ftsinteressen nicht gerade zimperlich vorzugehen. In der Presse wird er mal als &bdquo;Aasgeier&ldquo;, mal als &bdquo;Wall-Street-Hai&ldquo;, mal als &bdquo;Finanzheuschrecke&ldquo; oder auch als &bdquo;gr&ouml;&szlig;ter und rabiatester aktivistischer Investor der Welt&ldquo; bezeichnet.<\/p><p><strong>Offener Brief an Hartmann<\/strong><\/p><p>Entsprechend ist auch der Brief an Hartmann in einem klaren und unmissverst&auml;ndlichen Ton gehalten. Elliott spricht darin von &bdquo;verpassten Chancen&ldquo;, einer &bdquo;weiteren Entt&auml;uschung&ldquo; und einem &bdquo;F&uuml;hrungsteam, dem es an Ambition mangelt&ldquo;. Ferner schreibt Elliott, dass sein Plan, n&auml;mlich Abspaltung von AutoScout24, Initiierung eines umfassenderen Aktienr&uuml;ckkaufprogramms und Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit den Aktion&auml;ren, &bdquo;unverz&uuml;glich&ldquo; verfolgt werden m&uuml;sse. Der Brief endet schlie&szlig;lich mit folgender Botschaft an Hartmann: &bdquo;Um die skeptischen Aktion&auml;re zu beruhigen, m&uuml;ssen Sie mehr Ambition und Weitsicht zeigen. Die Pr&auml;sentation der Quartalsergebnisse am 13. August bietet eine ideale Gelegenheit, Ihre Pl&auml;ne zu verdeutlichen.&ldquo;<\/p><p>Die Vorgehensweise von Finanzinvestoren vom Schlage Singers folgt einem ganz bestimmten Muster. Sie kaufen sich in meist angeschlagene, unterbewertete oder vermeintlich schlecht gef&uuml;hrte Unternehmen ein und machen anschlie&szlig;end Rabatz. Es wird auf die Unternehmensstrategie Einfluss genommen, Manager unter Druck gesetzt, sie sollen Unternehmensteile abspalten, h&ouml;here Dividenden zahlen und in gro&szlig;em Stile Aktien zur&uuml;ckkaufen, oft finanziert mit Krediten, die das Unternehmen gar nicht ben&ouml;tigt. Eine Langfriststrategie, die das Unternehmen weiterbringt, ist dahinter in der Regel nicht zu erkennen. Ziel ist vielmehr, den Aktienkurs kurzfristig in die H&ouml;he zu treiben und anschlie&szlig;end Kasse zu machen.<\/p><p><strong>Singer und die Argentinienkrise<\/strong><\/p><p>Singer ist in der internationalen Finanzwelt freilich kein Unbekannter. Seine Methoden bekam eine breite Welt&ouml;ffentlichkeit sp&auml;testens im Zuge der Argentinienkrise, die 2001 ausbrach, vor Augen gef&uuml;hrt. In deren Verlauf kaufte der US-Milliard&auml;r argentinische Staatsanleihen zum &bdquo;Schleuderpreis&ldquo; auf. Als einer der wenigen Gl&auml;ubiger weigerte er sich dann, das Umschuldungsabkommen mit dem argentinischen Staat zu unterzeichnen und klagte bei einem New Yorker Bundesgericht dann auch noch die Auszahlung des Nennwerts in voller H&ouml;he ein, zuz&uuml;glich Zinsen und Zinseszinsen, Schadensersatzanspr&uuml;chen sowie Erstattung der Rechtskosten f&uuml;r die rund 900 Versuche, &uuml;berall auf der Welt argentinische Verm&ouml;genswerte zu pf&auml;nden. Dabei lie&szlig; Singer im Oktober 2012 &ndash; besonders spektakul&auml;r &ndash; auch den Dreimaster &bdquo;Libertad&ldquo;, das Segelschulschiff der argentinischen Marine, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/finanzen\/article110108963\/Wie-Hedgefonds-Pleitestaaten-bedraengen.html\">an der K&uuml;ste Ghanas festsetzen<\/a>.<\/p><p>Alles in allem kam der Milliard&auml;r am Ende auf Forderungen gegen den argentinischen Staat von rund 1,3 Milliarden Dollar, ein Vielfaches von dem, was er urspr&uuml;nglich f&uuml;r den Kauf der Anleihen ausgegeben hatte. Die argentinische Regierung indes schaltete im Zuge der Auseinandersetzung in mehreren internationalen Zeitungen <a href=\"https:\/\/detektor.fm\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Anzeige-der-Republik-Argentinien-24.06.2014.pdf\">Anzeigen<\/a>, um f&uuml;r Unterst&uuml;tzung gegen &bdquo;gierige Spekulanten&ldquo; zu werben. Erschienen sind diese unter anderem in der &bdquo;Frankfurter Allgemeine Zeitung&ldquo;, in der spanischen &bdquo;El Pa&iacute;s&ldquo; sowie in den britischen &bdquo;Financial Times&ldquo; und &bdquo;Times&ldquo;.<\/p><p><strong>Singer entdeckt Europa<\/strong><\/p><p>Offenbar ist f&uuml;r Singer inzwischen aber der Boden jenseits des Atlantiks abgegrast, denn seit etwa zwei Jahren ist er verst&auml;rkt in Europa aktiv. So ist er etwa bei dem franz&ouml;sischen Spirituosenkonzern Pernod Ricard, dem italienischen Fu&szlig;ballclub AC Mailand und k&uuml;rzlich erst bei dem britischen Reise- und Versicherungsspezialisten Saga eingestiegen. In Deutschland ist der Hedgefonds au&szlig;er an Scout24 auch an dem Energiekonzern Uniper, dem Stahlkonzern Thyssenkrupp, dem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, dem Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori, dem Industriekonzern Gea, dem 3D-Druckspezialisten SLM Solutions und neuerdings auch an dem Pharma-und Chemiekonzern Bayer beteiligt.<\/p><p>F&uuml;r Rabatz hat Elliott dabei auch schon bei Thyssenkrupp gesorgt. Dort hat er sich im Mai 2018 mit knapp drei Prozent eingekauft. Der Konzern habe &bdquo;operativ erhebliches Verbesserungspotenzial&ldquo; und mit dem Vorstand wolle er in K&uuml;rze in einen &bdquo;konstruktiven Dialog&ldquo; eintreten, lie&szlig; Elliott damals verlauten. Gut zwei Monate danach nahm der damalige Vorstandschef Heinrich Hiesinger seinen Hut. Wenig sp&auml;ter ging auch Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Dieser hatte kurz zuvor noch in einem <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2018\/29\/thyssenkrupp-krise-ulrich-lehner-aktionaere\">Interview mit der Wochenzeitung &bdquo;Die Zeit&ldquo;<\/a> erkl&auml;rt, dass einzelne Investoren &bdquo;Psychoterror&ldquo; aus&uuml;bten, indem sie Unwahrheiten in der &Ouml;ffentlichkeit platzierten, unberechtigte R&uuml;cktrittsforderungen stellten sowie Nachbarn und Familienmitglieder von Managern bel&auml;stigten. Elliott warf Lehner daraufhin Verleumdung vor.<\/p><p><strong>Wird Bayer das n&auml;chste Opfer?<\/strong><\/p><p>Spannend d&uuml;rfte es bald auch bei dem Bayer-Konzern werden. Wie im Juni dieses Jahres bekannt wurde, ist Elliott nun mit 1,1 Milliarden Euro bei den Leverkusenern beteiligt. Den roten Teppich hat Bayer-Chef Werner Baumann dem Hedgefonds wohl, ohne es zu wollen, h&ouml;chstpers&ouml;nlich ausgerollt. Denn mit der missratenen Monsanto-&Uuml;bernahme ist der Kurs der Bayer-Aktie erst richtig in die Knie gegangen und hat somit den Konzern angreifbar gemacht &ndash; ein gefundenes Fressen f&uuml;r Elliott. Dieser machte inzwischen auch schon klar, dass Bayer &bdquo;mehr f&uuml;r die langfristige Wertsch&ouml;pfung&ldquo; tun m&uuml;sse.<\/p><p>Unterdessen ist auch Scout24-Chef Hartmann vor den Machenschaften des US-Investors eingeknickt. Bei der Pr&auml;sentation der Quartalszahlen am Dienstag dieser Woche sagte er: &ldquo;Mit dem Ziel, langfristigen Wert f&uuml;r alle unsere Aktion&auml;re zu schaffen, haben wir eine Pr&uuml;fung der strategischen Alternativen f&uuml;r AutoScout24 angesto&szlig;en.&ldquo; Das schlie&szlig;e einen m&ouml;glichen Verkauf oder eine Abspaltung ein. Bei seinem Kapitalmarkttag im November will Scout24 dann <a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/handel\/scout24-autohandel-schiebt-gewinne-an-a-1281653.html\">&uuml;ber die Zukunft der Plattform Auskunft geben<\/a> &ndash; ganz so, wie von Elliott gefordert.<\/p><p>Titelbild: World Economic Forum (CC BY-NC-SA 2.0)<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/405211812d6740ea9c59fcda5b327090\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Elliott steht vor der T&uuml;r und m&ouml;chte Ihnen ein Angebot machen, das Sie nicht ablehnen k&ouml;nnen!&ldquo; Dieser Satz, angelehnt an das ber&uuml;hmte Zitat aus dem Mafia-Film &bdquo;Der Pate&ldquo;, ist freilich frei erfunden. Gut m&ouml;glich ist aber, dass sich Tobias Hartmann, Vorstandschef des Kleinanzeigen-Portals Scout24, derzeit tats&auml;chlich vorkommt wie im Film &bdquo;Der Pate&ldquo;. 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