{"id":54318,"date":"2019-08-23T13:49:48","date_gmt":"2019-08-23T11:49:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54318"},"modified":"2019-08-23T14:31:27","modified_gmt":"2019-08-23T12:31:27","slug":"amazonien-der-kahlschlag-und-der-info-krieg-des-bolsonaro-regimes-gegen-den-globalen-klimaschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54318","title":{"rendered":"Amazonien \u2013 Der Kahlschlag und der Info-Krieg des Bolsonaro-Regimes gegen den globalen Klimaschutz"},"content":{"rendered":"<p>Ein blinder Ameisenb&auml;r mit angebranntem Fell entsteigt den Flammen. Doch er wittert auch Gefahr in n&auml;chster N&auml;he vor sich und erhebt sich zur Abwehrstellung. Fotograf Araqu&eacute;m Alc&acirc;ntara, seit Wochen im brasilianischen Amazonien Waldbrandstiftern und Waldrodern auf der Spur, gelingt der Schnappschuss nur mit &auml;u&szlig;erster Disziplin. Mit unz&auml;hmbarer Wut im Bauch und zu Tr&auml;nen ger&uuml;hrt, h&auml;lt er die Szene fest und bricht zusammen. Tage sp&auml;ter l&auml;dt er seine ersch&uuml;tternden Bilder vom Inferno auf seine Facebook-Seite und ruft <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GqbEGuK0uk8\">in einem Video<\/a> zum Widerstand auf. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Dieses Foto widerspiegelt nur zu gut mein Gef&uuml;hl der Emp&ouml;rung &uuml;ber die Geschehnisse der vergangenen Tage in Amazonien&rdquo;, erz&auml;hlt Alc&acirc;ntara im Video. &bdquo;Dennoch &uuml;berraschte mich die Entr&uuml;stung der Menschen &uuml;ber die Vorg&auml;nge, denn je mehr sie dar&uuml;ber reden und dagegen protestieren, umso mehr k&ouml;nnte Amazonien gerettet werden &hellip; Mich hat die Abwehrstellung des Ameisenb&auml;ren &auml;u&szlig;erst ger&uuml;hrt, weil ich darin seinen Widerstand, seinen Kampf ums &Uuml;berleben erkannte. Ich glaube n&auml;mlich, dass der Wald um sein &Uuml;berleben k&auml;mpft. Nicht weit davon entfernt gestand mir und meinen Begleitern einer dieser Miet-Killer (der Landlords): &acute;Hier, in dieser Gegend, junger Mann, halten M&auml;nner nicht ihr Wort, sind Frauen ehrlos, besitzt das Land keinen Herren und hat der Baum keine Wurzel!&acute;. Das sind die Zust&auml;nde, die wir &auml;ndern m&uuml;ssen, um uns zu (ehrw&uuml;rdigen) Brasilianern zu machen&rdquo;, warnt der Fotograf. Alc&acirc;ntaras Bilder l&ouml;sten St&uuml;rme des Aufschreis aus und trugen dazu bei, dass in den sozialen Netzwerken das Hashtag #PrayForAmazonia als <a href=\"https:\/\/www.commondreams.org\/news\/2019\/08\/20\/prayforamazonia-goes-viral-twitter-users-call-attention-international-emergency\">internationaler trending topic<\/a> rangierte.<\/p><p>Die Br&auml;nde w&uuml;ten nicht nur in Brasilien, im benachbarten Bolivien zerst&ouml;rten sie in wenigen Tagen nahezu 500.000 Hektar Wald, niedere Vegetation und veranlassten einen Notbesuch von Pr&auml;sident Evo Morales mit der <a href=\"https:\/\/www.antena3.com\/noticias\/mundo\/mas-de-400-mil-hectareas-quemadas-en-bolivia-por-varios-incendios_201908205d5b93670cf2548816ef887e.html\">Ausrufung des humanit&auml;ren Notstands<\/a> in der Provinz Santa Cruz. In Bolivien &ldquo;Chaqueos&rdquo;, in Brasilien &ldquo;Queimadas&rdquo; genannt, haben die Waldbr&auml;nde einen gemeinsamen Ursprung. Es handelt sich um die seit Jahrhunderten angewandte, arbeitssparende, jedoch merklich hirnrissige Praxis der Brandstiftung zur Gewinnung von Acker- und Weideland. Wie bereits unz&auml;hlige Male zuvor passiert, trieben Regenmangel, ausgetrocknete Vegetation und starke Winde das Feuer ins Uferlose.<\/p><p>In Brasilien erreichten die Br&auml;nde jedoch Rekordausma&szlig;e. Bereits im vergangenen Juli hatte das Institut f&uuml;r Weltraumforschung (INPE) <a href=\"https:\/\/www.brasil247.com\/brasil\/ja-sao-73-843-focos-de-incendio-de-janeiro-ate-aqui-pais-arde-em-chamas\">72.843 Waldbr&auml;nde<\/a> &ndash; den h&ouml;chsten Stand seit Beginn der Messungen im Jahr 2013 &ndash; registriert. Die Flammen blieben nicht auf die Farmen der Gro&szlig;grundbesitzer begrenzt, sie erfassten nicht weniger als <a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/ambiente\/2019\/08\/onda-de-queimadas-ja-atinge-68-areas-protegidas-somente-nesta-semana.shtml\">68 offizielle Schutzgebiete und Regenwald-Parks<\/a>.<\/p><p>Mit einem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/WMO\/status\/1163853178749825024\">Tweet vom 20. August<\/a> erl&auml;uterte die Weltorganisation f&uuml;r Meteorologie (WMO) der Vereinten Nationen Ausma&szlig; und Folgen der Brandrodungen f&uuml;r die Erhitzung und Verseuchung der Atmosph&auml;re. Eine grafische Darstellung zeigte, dass die massive Rauchfahne sich vom 2.000 km weit entfernten Regenwald &uuml;ber Brasilien und den K&uuml;stenbereich ausgebreitet und die 13-Millionen-Metropole S&atilde;o Paulo mitten am Nachmittag in gespenstische Verdunkelung geh&uuml;llt hatte.<\/p><p><strong>Der &ldquo;Tag des Feuers&rdquo; und Bolsonaros perverse Verschw&ouml;rungstheorien<\/strong><\/p><p>Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles zeigte sich unbeeindruckt. Die Br&auml;nde, die apokalyptische Szenerie seien nichts anderes als &ndash; w&ouml;rtlich! &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.terra.com.br\/noticias\/ciencia\/sustentabilidade\/meio-ambiente\/ministro-compara-nuvem-que-encobriu-sao-paulo-a-fake-news,a167a2c88d4459574aff66ca980c92dddx6zwzzz.html\">fake news<\/a>&rdquo;. Sein Chef, der im Oktober 2018 zum Pr&auml;sidenten gew&auml;hlte, ehemalige Heereshauptmann Jair Bolsonaro, hatte auch bald die Urheber der kriminellen Br&auml;nde ausgemacht. In einem <a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/meio-ambiente\/ultimas-noticias\/redacao\/2019\/08\/21\/bolsonaro-diz-que-ongs-podem-estar-por-tras-de-queimadas-na-amazonia.htm\">Fernsehinterview<\/a> verd&auml;chtigte er ausgerechnet die ihn kritisierenden Umweltsch&uuml;tzer als Brandstifter. Sie h&auml;tten sich wahrscheinlich an ihm r&auml;chen wollen, weil seine Regierung ihnen den Hahn der Finanzierung zugedreht habe.<\/p><p>Zum Hintergrund: Die Finanzierung von NGOs der Zivilgesellschaft und f&uuml;r den Umweltschutz war seit der Unterzeichnung des <a href=\"https:\/\/www.giz.de\/de\/weltweit\/12550.html\">Amazonienfonds f&uuml;r Wald- und Klimaschutz<\/a> im Jahr 2010, w&auml;hrend der Regierung Luis In&aacute;cio Lula da Silva, gesichert, aber wegen der politischen Intoleranz des Bolsonaro-Regimes und der Ank&uuml;ndigung von Verfolgungen ebendieser Vertretungen der Zivilgesellschaft vor wenigen Wochen von Deutschland und Norwegen storniert worden.<\/p><p>Doch Bolsonaro kennt keine Grenzen bei der Verbreitung von Verschw&ouml;rungstheorien und infamen L&uuml;gen. Selbstverst&auml;ndlich war ihm bekannt, dass ein Teil der Feuerherde von Gro&szlig;grundbesitzern entlang der Fernstra&szlig;e BR-163 im S&uuml;dwesten des Bundesstaates Par&aacute; mit kriminellen Absichten gez&uuml;ndet worden war. &bdquo;Wir m&uuml;ssen dem Pr&auml;sidenten zeigen, dass wir wirtschaften wollen. Der einzige Weg ist die Rodung der W&auml;lder, und zwar mit Feuer, damit wir unsere Weiden ausbreiten k&ouml;nnen&rdquo;, <a href=\"https:\/\/correiodaamazonia.com\/efeito-bolsonaro-fazendeiros-promovem-o-dia-do-fogo-na-amazonia\/\">erkl&auml;rte tats&auml;chlich einer der Organisatoren<\/a> eines makabren &ldquo;Tages des Feuers&rdquo;.<\/p><p>Inzwischen hat die international t&auml;tige NGO Avaaz stolze <a href=\"https:\/\/secure.avaaz.org\/campaign\/po\/amazon_apocalypse_loc\/\">1,5 Millionen Unterschriften<\/a> &bdquo;Gegen die Apokalypse im Amazonas!&rdquo; beim brasilianischen Oberhaus und bei den Justizbeh&ouml;rden mit der Forderung der sofortigen Beendigung der Br&auml;nde eingereicht &ndash; bisher jedoch ohne Erfolg.<\/p><p><strong>Zukunftsszenario: F&uuml;r Klimaschutz &bdquo;Einsatz von Gewalt unvermeidlich&rdquo;?<\/strong><\/p><p>War Amazonien Anfang August noch kein Thema f&uuml;r den medialen Mainstream in deutscher Sprache, r&uuml;ckte allerdings die alarmierende Waldvernichtung bereits auf die Titelseiten einflussreicher, englischsprachiger Publikationen, wie dem liberalen <em>The Economist<\/em> und dem US-Magazin f&uuml;r internationale Beziehungen <em>Foreign Policy<\/em>.<\/p><p>Mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/leaders\/2019\/08\/01\/deathwatch-for-the-amazon\">&bdquo;Totenwache f&uuml;r Amazonien&ldquo;<\/a> alarmierte The Economist in seiner Ausgabe vom 1. August: &bdquo;Nirgendwo steht mehr auf dem Spiel als im Amazonas-Becken &ndash; und das nicht nur, weil es 40 Prozent der Regenw&auml;lder der Erde und 10-15 Prozent der terrestrischen Artenvielfalt beherbergt. S&uuml;damerikas Naturwunder mag auf gef&auml;hrliche Weise nahe am Wendepunkt sein, ab dem seine allm&auml;hliche Umwandlung in etwas, das eher der Steppe gleicht, nicht mehr gestoppt oder r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden kann; selbst wenn die Menschen ihre &Auml;xte ablegen. Brasiliens Pr&auml;sident Jair Bolsonaro beschleunigt den Prozess &ndash; im Namen der Entwicklung, behauptet er. Der &ouml;kologische Zusammenbruch, den seine Politik m&ouml;glicherweise herbeif&uuml;hren k&ouml;nnte, w&uuml;rde am deutlichsten innerhalb der Landesgrenzen zu sp&uuml;ren sein, die 80 Prozent des Amazonas-Beckens einschlie&szlig;en &ndash; w&uuml;rde aber auch weit dar&uuml;ber hinausgehen&rdquo;. &bdquo;Es muss abgewendet werden&rdquo;, appellierte die britische Wochenzeitung der M&auml;rkte.<\/p><p><a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2019\/08\/05\/who-will-invade-brazil-to-save-the-amazon\/\">In Foreign Policy vom 5. August<\/a> spielte Stephen M. Walt &ndash; Professor f&uuml;r Internationale Beziehungen an der Harvard University &ndash; mit dem Szenario eines internationalen bewaffneten &Uuml;berfalls auf Brasilien, falls dessen Regierung bis 2025 der Zerst&ouml;rung Amazoniens kein Ende setzt. &bdquo;Das ist alles ziemlich spekulativ und ich habe gerade erst begonnen, &uuml;ber die Auswirkungen dieser Dilemmata nachzudenken. Ich glaube jedoch, dass ich Folgendes wei&szlig;: In einer Welt souver&auml;ner Staaten wird jeder das tun, was er muss, um seine Interessen zu sch&uuml;tzen. Wenn die Handlungen einiger Staaten die Zukunft aller anderen gef&auml;hrden, wird die M&ouml;glichkeit schwerwiegender Konfrontationen und m&ouml;glicherweise schwerwiegender Konflikte zunehmen&rdquo;, wagte Walt zu prognostizieren, zog es jedoch vor, auf friedfertige Verhandlungspotenziale zu setzen: &bdquo;Das macht den Einsatz von Gewalt nicht unvermeidlich, aber es sind nachhaltigere, energischere und einfallsreichere Anstrengungen erforderlich, um dies zu verhindern.&rdquo;<\/p><p>Frankreichs Pr&auml;sident Emmanuel Macron rief auf Twitter den Klima-Notstand aus. Er schrieb: &bdquo;Unser Haus brennt. Buchst&auml;blich. Der Amazonas-Regenwald &ndash; die Lunge, die 20 Prozent des Sauerstoffs unseres Planeten erzeugt &ndash; brennt. Es ist eine internationale Krise. Mitglieder des G7-Gipfels, lasst uns diese erste Notfallbestellung in zwei Tagen besprechen! #ActForTheAmazon&ldquo;. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel h&uuml;llte sich bisher in Schweigen.<\/p><p>Weltweit isoliert, wird Brasilien nach Bolsonaros Vorstellungen nun bedroht: &ldquo;Das ist der Krieg, in dem wir uns befinden&rdquo;, erkl&auml;rt er.<\/p><p><strong>Trump, Brasiliens Klimawandel-Leugnung, Demontage des Umweltschutzsystems und die Fahrl&auml;ssigkeit der Europ&auml;ischen Union<\/strong><\/p><p>Der Zerst&ouml;rungstrieb des Bolsonaro-Regimes entspringt zwei Szenarien: einem ausl&auml;ndisch motivierten und einem inl&auml;ndischen mit langer Vorgeschichte, die bis in die Sklavenhalter-Gesellschaft zur&uuml;ckreicht.<\/p><p>In weniger als 8 Monaten Regierungszeit mauserte sich die brasilianische Regierung jedenfalls zur Resonanzdose des aggressiven Kurses der US-Administration Donald Trumps gegen die Klima-Wissenschaften und die von ihr vorgewarnten Szenarien.<\/p><p>&bdquo;Pr&auml;sident Trump hat die Umweltvorschriften zur&uuml;ckgenommen, die USA sind aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten, d&uuml;stere Vorhersagen &uuml;ber die Auswirkungen des Klimawandels werden beiseitegeschoben und der Begriff &acute;globale Erw&auml;rmung&acute; wird nicht als Prognose, sondern als Pointe interpretiert, kommentierte die <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/05\/27\/us\/politics\/trump-climate-science.html\"><em>New York Times<\/em> vom 27. Mai 2019<\/a> und fasste das Szenario der Umweltschutz-Demontage des Wei&szlig;en Hauses folgenderma&szlig;en zusammen: &bdquo;Jetzt, nach zwei Jahren, in denen er die Politik seiner Vorg&auml;nger dechiffriert hat, starten Herr Trump und seine politischen Beauftragten einen neuen Angriff. In den n&auml;chsten Monaten wird das Wei&szlig;e Haus die w&auml;hrend der Obama-Regierung eingeleiteten Bem&uuml;hungen des Bundes zur Eind&auml;mmung der Treibhausgasemissionen zum Abschluss bringen. Sie wird ihre Bem&uuml;hungen ausweiten, um Trumps entschlossene Ansichten anderen Nationen aufzuzwingen, und auf seinem R&uuml;ckzug vom Pariser Abkommen und seiner j&uuml;ngsten Weigerung aufbauen, ein Kommuniqu&eacute; zum Schutz der schnell schmelzenden arktischen Region zu unterzeichnen; es sei denn, es bliebe jeglicher Bezug zum Klimawandel unerw&auml;hnt.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Das vorrangige Angriffsziel der Regierung war die Nationale Klimabewertungsstelle, die seit 2000 etwa alle vier Jahre von einer Task Force zusammenarbeitender Organisationen erstellt wurde. In ihrem j&uuml;ngsten Bericht verwendeten Regierungswissenschaftler computergenerierte Modelle, um zu prognostizieren, dass, wenn die Emissionen fossiler Brennstoffe weiterhin ungepr&uuml;ft bleiben, die Erdatmosph&auml;re beeintr&auml;chtigt werden und sich bis Ende des Jahrhunderts um bis zu 8 Grad Fahrenheit erw&auml;rmen k&ouml;nnte. Dies w&uuml;rde zu einem drastisch h&ouml;heren Meeresspiegel, verheerenden St&uuml;rmen und D&uuml;rren, Ernteausf&auml;llen, Nahrungsmittelverlusten und schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen f&uuml;hren&ldquo;, warnte die NY Times.<\/p><p>Indes <a href=\"https:\/\/www.valor.com.br\/politica\/5985233\/novo-chanceler-diz-que-esquerda-criou-%3Fideologia-da-mudanca-climatica\">erkl&auml;rte Brasiliens Au&szlig;enminister Ernesto Ara&uacute;jo<\/a> in einem Blog, der Klimawandel sei zwar zuerst von Konservativen angesprochen, aber von der Linken monopolisiert worden; der Klimawandel sei also eine &bdquo;Erfindung der Linken&ldquo;. Sein Kollege, der wegen Beg&uuml;nstigung von Bergbauunternehmen vorbestrafte <a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/meio-ambiente\/ultimas-noticias\/redacao\/2018\/12\/19\/futuro-ministro-ricardo-salles-e-condenado-em-acao-de-improbidade.htm\">Umweltminister und Gro&szlig;grundbesitzer Ricardo Salles<\/a>, wurde von Bolsonaro ins Kabinett gerufen, weil er den skrupellosen Kurs des exportorientierten Agrobusiness f&auml;hrt und f&uuml;r Amazonien <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/portuguese\/brasil-49363387\">harte &ldquo;kapitalistische L&ouml;sungen&rdquo;<\/a> empfiehlt.<\/p><p>Salles erhielt den Auftrag, einen Generalangriff auf das w&auml;hrend der Regierungen der Arbeiterpartei (2003-2016) m&uuml;hevoll aufgebaute staatliche Umweltschutz-System zu starten. Die nachgewiesene Erderw&auml;rmung ist zum Beispiel ein Thema, das Salles h&auml;ufig als &bdquo;akademisch&rdquo; und &bdquo;nicht vorrangig&rdquo; beiseiteschiebt. Als eine seiner ersten Amtshandlungen nahm der Minister die Einladung Brasiliens als zugesagten Tagungsort der f&uuml;r Anfang Dezember geplanten COP-25-Konferenz zur&uuml;ck, die nun in Chile stattfinden wird. Als klimadebattenfeindliche Ma&szlig;nahme sagte Salles auch die vorbereitende Klimawoche der Vereinten Nationen in Salvador ab. &bdquo;Wof&uuml;r denn &ndash; etwa um auf unn&uuml;tzen Cocktailempf&auml;ngen anzusto&szlig;en?&ldquo;<\/p><p>Im Verlauf der ersten Regierungsmonate des Bolsonaro-Regimes beschnitt der Umweltminister sein eigenes Budget um 95 Prozent und feuerte den Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des seit Jahren erfolgreichen brasilianischen Klimaschutzforums. Die Entlassung von Alfredo Sirkis wurde zwei Wochen, nachdem er am Sitz des Industrieverbandes Rio de Janeiros (Firjan) eine Veranstaltung abgehalten hatte, bekanntgegeben. Auf dem Treffen hatten sich immerhin zw&ouml;lf Gouverneure &ouml;ffentlich gegen die globale Erw&auml;rmung ausgesprochen und den gemeinsamen Abbau der Treibhausgas-Emissionen vereinbart.<\/p><p>Andr&eacute; Trigueiro &ndash; diplomierter Umweltexperte und Kolumnist der Mediengruppe <em>O Globo<\/em> &ndash; <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/natureza\/blog\/andre-trigueiro\/post\/2019\/06\/03\/15-pontos-para-entender-os-rumos-da-desastrosa-politica-ambiental-no-governo-bolsonaro.ghtml\">verfolgte die institutionelle Demontage<\/a>, die &ndash; angefangen bei der politischen Schw&auml;chung und Degradierung des Umweltministeriums selbst &ndash; insgesamt 15 Kernbereiche der staatlichen Umweltpolitik erfasst und au&szlig;er Kraft setzt. Zum Beispiel gelang Bolsonaros Sohn &ndash; dem schwerer Korruption und der Zusammenarbeit mit der organisierten Kriminalit&auml;t verd&auml;chtigten Senator Fl&aacute;vio Bolsonaro &ndash; eine Gesetzesvorlage, die fortan die verordnete 20-prozentige Wald-Mindestreserve f&uuml;r landwirtschaftliche Betriebe au&szlig;er Kraft setzt.<\/p><p>Doch Jair Bolsonaro in Person ordnete an, das staatliche Institut f&uuml;r den Umweltschutz (Ibama) &bdquo;mit einer Sichel niederzum&auml;hen&rdquo;. Sodann schrumpfte die Anzahl der Umweltbeh&ouml;rden im Amazonasgebiet zwischen Januar und April um 70 Prozent und die Bu&szlig;geld-Einnahmen des Ibama brachen ein. Die Ma&szlig;nahmen reichten von der Zerschlagung ganzer Beh&ouml;rden bis zur aggressiven Entlassung kompetenter, jedoch missliebiger Wissenschaftler und Beamter. J&uuml;ngstes Beispiel ist die Feuerung des langj&auml;hrigen Direktors des Instituts f&uuml;r Weltraumforschung (INPE) und Ratsmitglied der Europ&auml;ischen Gesellschaft f&uuml;r Physik, Ricardo Galv&atilde;o. Die Entlassung sprach Bolsonaro selbst aus.<\/p><p>R&uuml;ckblickend war Galv&atilde;os INPE der Nachweis gelungen, dass zwischen 2004 und 2012 die Abholzung Amazoniens um 83 Prozent dank der Radar-&Uuml;berwachung gesenkt werden konnte, dass 95 Prozent der Rodungen illegal waren und als Umweltkriminalit&auml;t behandelt werden mussten. Mit aktuellen Radarmessungen wies das INPE nun vor wenigen Wochen nach, dass die Waldzerst&ouml;rung Amazoniens in den ersten 7 Monaten der Administration Bolsonaro um 50 Prozent zugenommen www.ihu.unisinos.br\/78-noticias\/591459-desmatamento-subiu-50-em-2019-indicam-alertas-do-inpe hat. Die Angaben l&ouml;sten bei Bolsonaro einen Tobsuchtsanfall aus. Prompt bezeichnete er die Zahlen als &bdquo;Fake News&rdquo; und feuerte den renommierten Wissenschaftler Galv&atilde;o mit der Begr&uuml;ndung: &bdquo;Nachrichten wie diese, die nicht der Wahrheit entsprechen, verursachen gro&szlig;en Schaden f&uuml;r das Image Brasiliens&rdquo;. Experten bef&uuml;rchten nun, dass in Brasilien zum ersten Mal eine Zensur der Abholzung Amazoniens stattfinden wird.<\/p><p>Vor diesem eher perversen als traurigen Hintergrund fragt man sich, ob die Europ&auml;ische Union bei der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit dem Mercosur blau&auml;ugig handelte oder gar zynisch beide Augen vor der rotzfrechen Vernichtung jeglicher Garantien f&uuml;r den Schutz der Umwelt und der Menschenrechte sowie angesichts der eiskalten Provokation der internationalen Gemeinschaft zum Abbau des Klimawandels zudr&uuml;ckte.<\/p><p>Titelbild: Araque&#769;m Alca&#770;ntara<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein blinder Ameisenb&auml;r mit angebranntem Fell entsteigt den Flammen. Doch er wittert auch Gefahr in n&auml;chster N&auml;he vor sich und erhebt sich zur Abwehrstellung. Fotograf Araqu&eacute;m Alc&acirc;ntara, seit Wochen im brasilianischen Amazonien Waldbrandstiftern und Waldrodern auf der Spur, gelingt der Schnappschuss nur mit &auml;u&szlig;erster Disziplin. Mit unz&auml;hmbarer Wut im Bauch und zu Tr&auml;nen ger&uuml;hrt, h&auml;lt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54318\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,177,20,176],"tags":[2714,2454,1613,2175,1711,2667,1800,1556,682],"class_list":["post-54318","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-klimawandel","category-landerberichte","category-umweltpolitik","tag-amazonien","tag-bolsonaro-jair","tag-brasilien","tag-interventionspolitik","tag-klimaabkommen","tag-klimaskeptiker","tag-trump-donald","tag-usa","tag-verschwoerungstheorie"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54318","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=54318"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54318\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54322,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54318\/revisions\/54322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=54318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=54318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=54318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}