{"id":54577,"date":"2019-09-05T09:00:46","date_gmt":"2019-09-05T07:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54577"},"modified":"2019-09-10T15:05:58","modified_gmt":"2019-09-10T13:05:58","slug":"das-geplante-desaster-der-deutschen-bahn-beratervertraege-fuer-ex-politiker-und-gewerkschafter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54577","title":{"rendered":"Das geplante Desaster der Deutschen Bahn \u2013 Beratervertr\u00e4ge f\u00fcr Ex-Politiker und Gewerkschafter"},"content":{"rendered":"<p>Das Desaster der Deutschen Bahn ist kein Versehen. Es gibt T&auml;ter. Sie sitzen in der Bundesregierung, im Bundestag und seit Jahren im Tower der Deutschen Bahn. Arno Luik, langj&auml;hriger Stern-Autor und profilierter Bahn-Kenner, zeigt in seinem Buch &bdquo;Schaden in der Oberleitung&ldquo; das komplette Desaster detailliert auf. Er nennt Ross und Reiter, er nennt die T&auml;ter. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nBei der Lekt&uuml;re dieses Buches wird so richtig klar, wie Politiker und Wirtschaftsf&uuml;hrer mit unserem gemeinsamen Verm&ouml;gen umgehen. Die Deutsche Bahn war unser gemeinsames Verm&ouml;gen. Sie ist nicht zuallererst von Beamten, sondern von Politikern und den von ihnen berufenen Spitzenmanagern der Deutschen Bahn AG ruiniert worden. Ich habe als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt immer wieder miterlebt, wie vergleichsweise sorgf&auml;ltig damals die Aufsicht &uuml;ber die Deutsche Bahn gehandhabt worden ist. So etwas wie der Missbrauch dieser Einrichtung im &ouml;ffentlichen Eigentum, wie wir das dann unter der gr&ouml;&szlig;enwahnsinnigen Leitung von Hartmut Mehdorn erlebt haben, h&auml;tte es bei der viel beschimpften Beamten-Bahn nicht gegeben. Dies nur nebenbei. <\/p><p>Autor Luik beschreibt die Hintergr&uuml;nde des heutigen Desasters. &Uuml;ber 10 Milliarden j&auml;hrlich pumpen wir Steuerzahler in die Deutsche Bahn AG &ndash; daf&uuml;r ist sie dann in 140 L&auml;ndern der Welt im Big Business t&auml;tig. Aber hierzulande ist die Bahn eine echte Zumutung: Die Z&uuml;ge fahren immer unp&uuml;nktlicher, oft fahren sie gar nicht und manchmal sind sie ein Risiko f&uuml;r unser Leben. <\/p><p><strong>Hier ein Auszug aus dem Buch von Arno Luik: <\/strong><\/p><p>Wer herrscht hier eigentlich &uuml;ber wen, wer kontrolliert wen? Die Bahn AG die Politik? Oder die Politik die Bahn AG? Kontrolliert der Kontrollierte die Kontrolleure? <\/p><p>&raquo;Die Bahnpolitik wird de facto nicht im Verkehrsministerium gemacht, sondern im Bahn-Tower&laquo;, klagte einmal der Gr&uuml;nen-Fraktionschef Anton Hofreiter.<\/p><p>Dieser Konzern hat ein nahezu unwiderstehliches Verf&uuml;hrungspotenzial: lukrative Jobs, attraktive Aufsichtsratsposten, gut dotierte Beratervertr&auml;ge. So wie Br&uuml;ssel fr&uuml;her ein gut dotiertes Endlager f&uuml;r abservierte oder wenig erfolgreiche Politiker war, ist die Bahn seit Mehdorn eine wunderbare und ganz spezielle Versorgungseinrichtung, die man gerne aufsucht. Und so sicher(te)n nun Ex-Politiker, Landes- und Bundesminister, Oberb&uuml;rgermeister und Staatsbeamte, Gewerkschafter, gut zwei Dutzend Lobbyisten, ihren Einfluss ab, sie arbeiten an allen Fronten f&uuml;r den Konzern, sind politische Bahnbrecher. <\/p><p>Ein paar Namen: Georg Brunnhuber, CDU, lange Mitglied im Verkehrsausschuss, gleichzeitig Aufsichtsrat der DB AG. St&auml;ndiger Strippenzieher f&uuml;r S21, Agitator f&uuml;r die Privatisierung der Bahn. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag dankte ihm Grube: Er wurde politischer Berater des Bahnchefs. Bis vor Kurzem agierte er f&uuml;r das Gro&szlig;projekt S21.<\/p><p>Otto Wiesheu: Lange Zeit bayerischer Verkehrsminister, kam noch w&auml;hrend seiner Amtszeit in den Bahnvorstand: War das der Dank daf&uuml;r, dass er die 3,6 Milliarden teure Neubaustrecke N&uuml;rnberg&#8197;&ndash;&#8197;Ingolstadt mit durchgesetzt hat? Dass er die Alternativorschl&auml;ge, die um ein Drittel bis zur H&auml;lfte billiger waren, ignoriert hat? Der Dank daf&uuml;r, dass er einen f&uuml;r die Bahn lukrativen Regionalverkehrsvertrag eingef&auml;delt hat? <\/p><p>Monet&auml;r hat sich Wiesheus Bahneinsatz zumindest f&uuml;r ihn gelohnt: Als Mehdorn wegen seines Spitzelskandals gehen musste, musste auch Wiesheu gehen. Mehdorn erhielt eine Abfindung in H&ouml;he von 4,8 Millionen Euro. Wiesheu, sein getreuer Hiwi, die H&auml;lfte.<\/p><p>Da w&auml;re noch Norbert Hansen, Boss der gr&ouml;&szlig;ten Bahngewerkschaft Transnet. Im Mai 2005 wechselte der Gewerkschafter pl&ouml;tzlich die Fronten und ging, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, als Arbeitsdirektor in den Bahnvorstand. <\/p><p>War das der Dank der Bahnspitze daf&uuml;r, dass Hansen sich vorher so vehement gegen die offizielle Linie der Gewerkschaften in Sachen Bahnprivatisierung gestellt hatte? Weshalb er sich in den Jahren zuvor in seiner Gewerkschaft, in seiner SPD so heftig f&uuml;r den B&ouml;rsengang der Bahn eingesetzt hatte? Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung, dass sich ein Arbeiterf&uuml;hrer so schnell, so wahrhaft schamlos f&uuml;r seine Hilfsdienste hat einkaufen lassen.<\/p><p>Da w&auml;re zum Beispiel der schon erw&auml;hnte Ronald Pofalla, der wohl wichtigste Lobbyist der Bahn. Anfang 2014 zog der Ex-Kanzleramtschef in sein B&uuml;ro im 15. Stock der DB-Zentrale am Potsdamer Platz, nun prangte auf seiner Visitenkarte eine beeindruckende Jobbeschreibung: &raquo;Generalbevollm&auml;chtigter f&uuml;r politische und internationale Beziehungen&laquo;. <\/p><p>War diese Bef&ouml;rderung an die Bahnspitze f&uuml;r den Bahn-Azubi Pofalla der Dank daf&uuml;r, dass er seine politische Macht als Kanzleramtschef in einem f&uuml;r die Bahn wichtigen Moment eingesetzt, sie wom&ouml;glich missbraucht hat? N&auml;mlich um S21 zu retten? Das war 2013, das Stuttgarter Projekt stand auf der Kippe, eine gewaltige Kostenexplosion ver&auml;rgerte einige Aufsichtsr&auml;te. Er bearbeitete die widerborstigen Aufsichtsr&auml;te damals, wohl im Auftrag der Kanzlerin, brachte sie auf Linie &ndash; und so winkten sie brav eine ungeheuerliche, fast 50-prozentige Kostensteigerung von S21 durch, von 4,5 auf 6,8 Milliarden Euro.<\/p><p>Gut m&ouml;glich, dass es mit Ronald Pofalla noch weiter nach oben geht, gut m&ouml;glich, dass er bald Bahnchef wird. <\/p><p>In einem ungew&ouml;hnlichen Anfall von Kampfjournalismus zeigte die Wirtschaftswoche 2014 in einer Grafik, was dieser Ex-Politiker, der &raquo;aus einfachen Verh&auml;ltnissen&laquo; stammt, pl&ouml;tzlich verdiente: 1,2 Millionen Euro, so viel wie die Jahresl&ouml;hne von 36 Lokf&uuml;hrern oder 39 Zugbegleitern oder 40 Stellwerkern. <\/p><p>Ist er so viel Geld wert? <\/p><p><em>Arno Luik: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/schaden-in-der-oberleitung\/\">Schaden in der Oberleitung. Das geplante Desaster der Deutschen Bahn<\/a>&ldquo;, 296 Seiten, 20 Euro, Westend Verlag, 2.9.2019<\/em><\/p><p><strong>F&uuml;r interessierte hier auch noch der Link auf <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7ZHuGDKrlvM&amp;feature=youtu.be\">die Buchvorstellung in Stuttgart<\/a>, aufgezeichnet von Michael K&ouml;ster.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Desaster der Deutschen Bahn ist kein Versehen. Es gibt T&auml;ter. Sie sitzen in der Bundesregierung, im Bundestag und seit Jahren im Tower der Deutschen Bahn. Arno Luik, langj&auml;hriger Stern-Autor und profilierter Bahn-Kenner, zeigt in seinem Buch &bdquo;Schaden in der Oberleitung&ldquo; das komplette Desaster detailliert auf. Er nennt Ross und Reiter, er nennt die T&auml;ter.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54577\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":54578,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[130,127,208,73],"tags":[268,1234,2719,596,1463],"class_list":["post-54577","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-drehtuer-politik-und-wirtschaft","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-rezensionen","category-verkehrspolitik","tag-deutsche-bahn","tag-hansen-norbert","tag-luik-arno","tag-mehdorn-hartmut","tag-pofalla-ronald"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/190904-Luik_Auszug.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54577","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=54577"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54577\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54712,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54577\/revisions\/54712"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/54578"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=54577"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=54577"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=54577"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}