{"id":5467,"date":"2010-05-07T09:27:24","date_gmt":"2010-05-07T07:27:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5467"},"modified":"2014-03-05T12:44:42","modified_gmt":"2014-03-05T11:44:42","slug":"der-wahlausgang-in-nrw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5467","title":{"rendered":"Der Wahlausgang in NRW"},"content":{"rendered":"<p>Es widerspr&auml;che unserer Wertsch&auml;tzung unserer nordrhein-westf&auml;lischen Leserinnen und Leser, Ihnen als m&uuml;ndige und kritische B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger eine Wahlempfehlung f&uuml;r den kommenden Sonntag zu geben. Wir konnten Ihnen mit unseren Eintr&auml;gen auf den NachDenkSeiten bestenfalls Argumente f&uuml;r Ihr pers&ouml;nliches F&uuml;r und Wider bei Ihrer Stimmabgabe anbieten.<br>\nWir bitten Sie allerdings, dass Sie zur Wahl gehen, damit nicht wie bei der <a href=\"http:\/\/www.wahlergebnisse.nrw.de\/landtagswahlen\/1950\/index.html\">letzten Wahl 2005<\/a> weniger als zwei Drittel der Wahlberechtigten die Zusammensetzung des D&uuml;sseldorfer Landtages bestimmen und nicht wieder weniger als vier Prozent &ndash; soviel Prozent der Wahlberechtigten haben FDP gew&auml;hlt &ndash;  &uuml;ber die Politik im gr&ouml;&szlig;ten Bundesland wesentlich entscheiden k&ouml;nnen.<br>\nWas wir allerdings tun wollen, das ist, Ihnen unsere Einsch&auml;tzung &uuml;ber den Wahlausgang zu geben. Sie haben es dann mit Ihrer Stimme selbst in der Hand, unsere Voraussage zu widerlegen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Es wird ein langer Wahlabend<\/strong><\/p><p>F&uuml;r alle, die am Ergebnis der Landtagswahl interessiert sind, d&uuml;rfte es am Sonntag ein langer Abend werden, bis die tats&auml;chliche Zahl der Parlamentssitze feststeht und ob eine und vor allem welche regierungsf&auml;hige Mehrheit zustande kommt, d&uuml;rfte auch am Ende noch v&ouml;llig offen sein.<\/p><p>Die Unsicherheit &uuml;ber die Zahl der Parlamentssitze, die sich aus dem Wahlergebnis f&uuml;r die einzelnen Parteien ergeben, ist im NRW-Wahlrecht begr&uuml;ndet. Dieses sieht einen h&ouml;heren  Wahlkreissitzanteil als in jedem anderen Bundesland vor, n&auml;mlich mehr als 70 Prozent. Dieser hohe Prozentsatz an Direktmandaten macht &Uuml;berhangmandate zur Regel. Zwar ist die Mindestzahl der Parlamentssitze auf 181 reduziert worden, davon werden 128 Mandate in Einerwahlkreisen nach relativer Mehrheitswahl und die restlichen je nach dem Stimmenanteil der Parteien nach Listen vergeben. Erstmals bei einer Landtagswahl in NRW gibt es zwei Stimmen, eine Erststimme f&uuml;r den Direktkandidaten und eine Zweitstimme f&uuml;r eine Partei. <\/p><p>Die Zahl der &Uuml;berhangmandate erh&ouml;ht sich vor allem deshalb, weil die gro&szlig;en Parteien in den letzten Jahren immer weniger Stimmen erhalten, aber mit relativer (kleiner) Mehrheit ein Direktmandat erringen. So kann ein Kandidat oder eine Kandidatin schon mit 30 Prozent einen Parlamentsitz erringen. Die Zahl der Ausgleichsmandate kann also erst errechnet werden, wenn in allen Wahlkreisen klar ist, wer die relative Mehrheit erreicht hat. Dann erst steht fest wie viele Aussgleichsmandate anfallen, damit der Stimmenanteil der einzelnen Parteien sich mathematisch in der Zahl der Sitze abgebildet wird. Die Zahl von 181 Sitzen im D&uuml;sseldorfer Landtag kann also weit &uuml;berschritten werden.<\/p><p>Es ist zu erwarten, dass insbesondere die CDU vom Stimmensplitting der FDP-W&auml;hler profitieren wird und dass die SPD sich nicht so stark auf die Erststimmen von Zweitstimmen-W&auml;hler\/innen der Gr&uuml;nen und der LINKE verlassen kann. In NRW werden jedoch &ndash; anders als bisher beim Bund &ndash; alle &Uuml;berhangmandate (der durch relative Mehrheit direkt Gew&auml;hlten) ausgeglichen. Der tats&auml;chliche W&auml;hlerwille gegen&uuml;ber den Parteien, der sich in der Zweitstimme ausgedr&uuml;ckt wird also nicht &ndash; wie das z.B. in Schleswig-Holstein geschehen ist &ndash; verf&auml;lscht.<\/p><p><strong>Wackelpartie f&uuml;r die LINKE<\/strong><\/p><p>Der zweite Grund, warum es einen langen Wahlabend geben k&ouml;nnte, liegt in der Frage, ob die erstmals antretende LINKE &uuml;ber die F&uuml;nf-Prozent-Klausel kommt. <\/p><p>Der Trend der Umfrageergebnisse f&uuml;r die Linkspartei ist in den letzten Monaten r&uuml;ckl&auml;ufig. W&auml;hrend ihr die Umfragen im letzten Jahr noch ein zweistelliges Ergebnis zutrauten, sagen die j&uuml;ngsten Erhebungen nur noch <a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/umfragen\/landtage\/nrw.htm\">Werte um oder knapp &uuml;ber 5 Prozent voraus<\/a>. <\/p><p>Nun war es zwar bei anderen Wahlen so, dass die Linke tats&auml;chlich meist besser abgeschnitten hat, als vorher in Umfragen ermittelt wurde, aber vermutlich hat der krankheitsbedingte R&uuml;ckzug von Oskar Lafontaine vom Parteivorsitz der Linken die Strahlkraft dieser Partei gerade im Westen ein St&uuml;ck Weit eingeb&uuml;&szlig;t. Die F&ouml;rderschullehrerin B&auml;rbel Beuermann und der ver.di-Bezirksvorsitzende Wolfgang Zimmermann konnten als Spitzenkandidaten nur geringe Publizit&auml;t erreichen. Das lag nat&uuml;rlich auch an der Medienbarriere. <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/32\/32494\/1.html\">&bdquo;Muss B&auml;rbel Beuermann nackt einen Molotowcocktail auf die D&uuml;sseldorfer Staatskanzlei werfen?&ldquo;<\/a> titelte Telepolis einen Bericht &uuml;ber das Verschweigen der Kandidaten in den Medien. Au&szlig;erdem wurde etwa die Forderung nach einer Entkriminalisierung der &bdquo;weichen&ldquo; illegalen Drogen, wie in den Niederlanden, in der &Ouml;ffentlichkeit gen&uuml;sslich und polemisch ausgeschlachtet. Die Forderung im Wahlprogramm nach einer &bdquo;&Uuml;berf&uuml;hrung der Energiekonzerne RWE und E.ON in &ouml;ffentliche Hand und ihre demokratische Kontrolle&ldquo; wurde als Vorschlag von &bdquo;kommunistischen Wirrk&ouml;pfen&ldquo; (R&uuml;ttgers) abgetan. Zudem gab es innere Rangeleien in dieser Partei, die Schlagzeilen machten.<br>\nHannelore Kraft hat den DGB-Landesvorsitzenden in ihr Schattenkabinett geholt und es dadurch geschafft, entt&auml;uschte Gewerkschafter wieder st&auml;rker an die SPD zu binden. Au&szlig;erdem hat sie durch die Verweigerung einer kompletten Absage an die Linke Hoffnungen bei jenen geweckt, die sonst aus Protest diese Partei gew&auml;hlt h&auml;tten.<br>\nDer Einzug ins Parlament des gr&ouml;&szlig;ten Bundeslandes k&ouml;nnte f&uuml;r DIE LINKE also knapp werden und es k&ouml;nnte bis in den sp&auml;ten Abend dauern, bis Klarheit besteht.<\/p><p><strong>Neuauflage von Schwarz-Gelb unwahrscheinlich<\/strong><\/p><p>Sollte die Linke an der 5-Prozentklausel scheitern, dann w&uuml;rde es am Ende dieses Abends noch spannend. Die Koalitionsm&ouml;glichkeiten w&auml;ren dann Schwarz-Gelb, Schwarz-Gr&uuml;n oder eine gro&szlig;e Koalition unter F&uuml;hrung der CDU mit der SPD.<\/p><p>Dass es zu einer Neuauflage von Schwarz-Gelb k&auml;me, ist am unwahrscheinlichsten. R&uuml;ttgers wird erhebliche Einbu&szlig;en hinnehmen m&uuml;ssen. Das ist auf den bundesweiten Trend f&uuml;r die CDU zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, der vor allem von Berlin bestimmt wird aber auch auf die Vielzahl der Aff&auml;ren, die aus dem Inneren der NRW-CDU angezettelt worden sind.<\/p><p>Wenn die Linke au&szlig;en vor bleibt, k&ouml;nnte es zu einer ganz knappen Mehrheit mit 45 bis 46% f&uuml;r R&uuml;ttgers und Pinkwart ausreichen. Weil es weniger Ausgleichsmandate g&auml;be, wenn die Linke au&szlig;en vor bliebe, k&ouml;nnte Schwarz-Gelb eine &auml;u&szlig;erst knappen Mehrheit der Parlamentssitze schaffen.<\/p><p>Zu einer Fortsetzung von Schwarz-Gelb d&uuml;rfte es aber wohl kaum kommen. Die FDP ist in der Tendenz deutlich abgesagt. Hatte sie im letzten Jahr fast durchweg zweistellige Werte, so hat neben der CDU vor allem auch die FDP aufgrund des &bdquo;Fehlstarts&ldquo; der neuen Bundesregierung deutlich an Zustimmung verloren. Auch die unglaubw&uuml;rdige Steuersenkungskampagne und die erkennbar gewordene Klientelpolitik der FDP (Senkung der Mehrwertsteuer f&uuml;r Hoteliers) vor allem aber auch die Attacken von Westerwelle auf den Sozialstaat (&bdquo;sp&auml;tr&ouml;mische Dekadenz&ldquo;), haben die Werte f&uuml;r die FDP in kurzer Zeit fast halbiert.<\/p><p>Interessant d&uuml;rfte eigentlich nur noch sein, wie viele CDU-W&auml;hler ihre Zweitstimme der FDP &bdquo;verleihen&ldquo;, um die derzeit regierende Koalition zu sichern. Solche Stimmen gingen jedoch zu Lasten der CDU und erg&auml;ben ein Nullsummenspiel. <\/p><p>Sicher ist, dass dem derzeitigen Ministerpr&auml;sidenten J&uuml;rgen R&uuml;ttgers Schwarz-Gelb am liebsten w&auml;re, dann k&ouml;nnte er n&auml;mlich auch in Zukunft &ouml;ffentlich weiter als &bdquo;soziales Gewissen&ldquo; oder gar als &bdquo;Arbeiterf&uuml;hrer&ldquo; auftreten und am Kabinettstisch (unter Koalitionszwang) knallharte FDP-Positionen absegnen.<br>\nDieses Doppelspiel w&uuml;rde mit keiner anderen Koalition so gut gelingen, da w&uuml;rde seinen konservativen und wirtschaftsliberalen Positionen viel erkennbarer werden &ndash; was vor allem im Ruhrgebiet nicht so gut ankommt.<\/p><p><strong>Kommt die Linke ins Parlament, wird Schwarz-Gelb unm&ouml;glich<\/strong><\/p><p>Es mag paradox erscheinen, aber eine Fortsetzung von Schwarz-Gelb w&auml;re unm&ouml;glich, wenn die Partei DIE LINKE in den nordrhein-westf&auml;lischen Landtag einziehen w&uuml;rde. Dann h&auml;tten R&uuml;ttgers und Pinkwart auf keinen Fall eine Regierungsmehrheit. Der Einzug der Linken w&uuml;rde also so oder so zu einer neuen Koalitionsbildung f&uuml;hren m&uuml;ssen, sei es Schwarz-Gr&uuml;n oder sei es eine gro&szlig;e Koalition von CDU und SPD. Die FDP hat Jamaika selbst ausgeschlossen.<\/p><p>Das Paradoxe dabei w&auml;re, dass die CDU mit ihrer zentralen Wahlthema, n&auml;mlich das Sch&uuml;ren von &Auml;ngsten gegen Rot-Rot-Gr&uuml;n, die Linke selbst ins Zentrum der Wahlauseinandersetzung gestellt hat und ihr dadurch mehr Aufmerksamkeit verschaffte als es diese Partei selbst h&auml;tte schaffen k&ouml;nnen. Noch gestern hat R&uuml;ttgers in einer als pers&ouml;nlichem Brief an alle Haushalte gestaltete Postwurfsendung die &bdquo;Bedrohung&ldquo; durch die Linkspartei als wichtigstes Argument f&uuml;r eine Stimmabgabe f&uuml;r die CDU gebraucht. &bdquo;Zum ersten Mal droht unserem Land eine Regierungsbeteiligung der Linkspartei&ldquo;, hei&szlig;t es dort.<\/p><p><strong>Die Wahrscheinlichste Koalition ist Schwarz-Gr&uuml;n<\/strong><\/p><p>Unabh&auml;ngig davon, ob die Linke im D&uuml;sseldorfer Parlament vertreten sein wird oder nicht, ist die wahrscheinlichste Koalition Schwarz-Gr&uuml;n. Die Gr&uuml;nen haben im letzten halben Jahr bei den Umfragen in der Tendenz deutlich zugelegt und lagen stabil &uuml;ber 10 Prozent. Zusammen k&ouml;nnten diese beiden Parteien zumindest eine Mehrheit der Parlamentssitze erreichen.<br>\nWeder J&uuml;rgen R&uuml;ttgers, noch &bdquo;everybody`s darling&ldquo; Sylvia L&ouml;hrmann (die Spitzenkandidatin der Gr&uuml;nen) schlossen ein solches Experiment im Industrieland NRW aus. <\/p><p>Gemessen an ihren Wahlprogrammen sind CDU und Gr&uuml;ne zwar in vielen Punkten geradezu kontrovers &ndash; vor allem in der Schul- und Energiepolitik. Doch erstens ist ja J&uuml;rgen R&uuml;ttgers f&uuml;r seine Anpassungsf&auml;higkeit bekannt und zweitens hat man ja in Hamburg und im Saarland gesehen, wie kompromissf&auml;hig die Gr&uuml;nen selbst bei ihrem &bdquo;Markenkern&ldquo; sind. Und im &Uuml;brigen ist es durchaus denkbar, dass die CDU bei der Entscheidung zwischen der Beibehaltung des dreigliedrigen Schulsystems und einem m&ouml;glichen Kompromiss mit der von den Gr&uuml;nen propagierten &bdquo;Vielfaltsschule von unten&ldquo; auf eine Volksbefragung wie in Hamburg setzt. Atomkraftwerke spielen in NRW ohnehin keine Rolle, weil es keine mehr gibt, und &uuml;ber das umstrittene Kohlekraftwerk in Datteln entscheiden sowieso letztlich die Gerichte.<\/p><p>Schwarz-Gr&uuml;ne Erfahrungen gab es in NRW schon in vielen St&auml;dten und Landschaftsverb&auml;nden. Sicherlich gibt es in der Bildungs-, Sozial-, Umwelt- und Arbeitsmarktpolitik mehr programmatische Gemeinsamkeiten der Gr&uuml;nen mit der SPD. Doch im kollektiven Ged&auml;chtnis vieler Gr&uuml;nenpolitiker sitzen nach wie vor die Dem&uuml;tigungen im Nacken, die sie unter Wolfgang Clement und Peer Steinbr&uuml;ck in einer Koalition mit der SPD einstecken mussten. Widerst&auml;nde von der &bdquo;Basis&ldquo; der Gr&uuml;nen gegen ein Zusammengehen mit R&uuml;ttgers w&auml;ren sicherlich zu erwarten, aber sie w&auml;ren &ndash; wie in Hamburg und im Saarland &ndash; &uuml;berwindbar.<br>\nAuch die F&uuml;hrung in der Bundespartei der Gr&uuml;nen w&uuml;rde kaum dagegen arbeiten, er&ouml;ffnete sich doch damit f&uuml;r diese Partei auch eine neue Machtoption in Berlin.<\/p><p>Rot-Gr&uuml;n alleine w&uuml;rde bei einem Einzug der Linken ins Parlament ohnehin keine eigene Mehrheit erreichen und ohne die Linke w&auml;re eine Mehrheit von SPD und Gr&uuml;nen gegen&uuml;ber Schwarz-Gelb hauchd&uuml;nn. In vielen Fragen der Energie- und Industriepolitik k&auml;me es zudem in dieser Koalition zu tiefgreifenden Belastungsproben mit der SPD-intern nach wie vor einflussreichen und gut organisierten &bdquo;Kohlefraktion&ldquo;. Die CDU erscheint vielen Gr&uuml;nen auf diesen Politikfeldern &bdquo;flexibler&ldquo; als die SPD.<\/p><p><strong>Rot-Gr&uuml;n nicht ausgeschlossen<\/strong><\/p><p>Dennoch sollte Rot-Gr&uuml;n (ohne die Linke im Parlament) die Nase vorne haben, k&ouml;nnte es zu einer Koalition vor allem deshalb kommen, weil es in der SPD gro&szlig;e Vorbehalte gegen eine gro&szlig;e Koalition mit der CDU gibt. Nach Umfragen wird auch in der Bev&ouml;lkerung eine rot-gr&uuml;nes B&uuml;ndnis favorisiert. Bei den Abgeordneten der SPD aus den l&auml;ndlichen Wahlkreisen, wo die Sozialdemokraten seit vielen Jahren in Opposition zu den &bdquo;Schwarzen&ldquo; stehen gibt es jedoch starke Abgrenzungstendenzen. Hinzu kommt, dass es viele in der SPD gibt, die die bittere Erfahrung noch in Erinnerung haben, dass eine gro&szlig;e Koalition den Sozialdemokraten das Wasser abgr&auml;bt. 23 Prozent bei der Bundestagswahl, das schlechteste Wahlergebnis nach dem Krieg, war eine Ohrfeige, die noch brennt.<\/p><p><strong>Buhlen um eine Koalition mit der CDU<\/strong><\/p><p>Trotz dieser Vorbehalte spricht Vieles daf&uuml;r, dass die SPD insgeheim gegen die Gr&uuml;nen um eine Koalition mit der CDU buhlen wird. Das st&auml;rkt &ndash; nebenbei &ndash; die Verhandlungsmacht der CDU in den zu erwartenden Koalitionsgespr&auml;chen mit SPD und Gr&uuml;nen und wird bei diesen beiden Parteien &bdquo;die Preise senken&ldquo;.<\/p><p>In der SPD k&ouml;nnte es eine Koalition zwischen dem rechten Wirtschaftsfl&uuml;gel und Gewerkschaften (DGB, IG BCE und auch IG Metall) f&uuml;r eine gro&szlig;e Koalition geben. Vor allem die Machtpragmatiker in diesen Kreisen rechnen sich dabei eine Chance aus, &uuml;ber den Bundesrat wieder am Berliner Kabinettstisch mitspielen zu k&ouml;nnen. Diese Hoffnung ist bis in die Spitze des DGB weitverbreitet. Wie weit die Kompromissbereitschaft der Gewerkschaften geht, belegt der SPD-Schattenarbeitsminister und DGB-Landesvorsitzende, Guntram Schneider, der sogar &ouml;ffentlich die innovative Arbeit des FDP-Hardliners Andreas Pinkwart <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/839\/508977\/text\/\">r&uuml;hmte<\/a>. <\/p><p>Auch in der CDU d&uuml;rfte es keine Widerst&auml;nde gegen ein Zusammengehen mit der SPD geben. Der CDU-Bundesvorsitzende Angelika Merkel d&uuml;rfte es angesichts der &bdquo;disziplinierten&ldquo; Sozialdemokraten in ihrem vorigen Kabinett ganz Recht sein, wenn das politische Gewicht der FDP ein St&uuml;ck weit abnimmt.<\/p><p><strong>Rot-Rot-Gr&uuml;n wird es nicht geben<\/strong><\/p><p>Zu einer rot-rot-gr&uuml;nen Koalition wird es nicht kommen. Da w&uuml;rde der rechte Fl&uuml;gel der SPD niemals mitmachen. Es w&uuml;rde zu &bdquo;hessischen Verh&auml;ltnissen&ldquo; kommen, nur dass in NRW die Rechte noch einflussreicher ist als im hessischen Landesverband. Hannelore Kraft d&uuml;rfte zwar besser abschneiden, als viele erwartet haben, sie wird aber nicht als strahlende Gewinnerin &ndash; wie damals Andrea Ypsilanti &ndash; wahrgenommen, die die Partei insgesamt mitziehen k&ouml;nnte. Vielleicht wird man mit der Linken sprechen, aber allenfalls als Warnschuss an die CDU.<\/p><p>Im &Uuml;brigen g&auml;be es, so wie die Presselandschaft auch in NRW gestrickt ist, geradezu ein Trommelfeuer gegen die Spitzenkandidatin Hannelore Kraft und viele Genossen bis hinein in die Spitze der Bundespartei, w&uuml;rden ihr die Unterst&uuml;tzung entziehen, im Gegenteil sie w&uuml;rden Widerstand sch&uuml;ren. <\/p><p><strong>Fazit:<\/strong> <\/p><ul>\n<li>Es wird lange dauern bis am Sonntagabend einigerma&szlig;en Klarheit &uuml;ber den Ausgang der Wahl besteht.<\/li>\n<li>Am Wahlabend d&uuml;rfte es  &ndash; wie &uuml;blich &ndash; nur Sieger geben:\n<ul>\n<li>Die CDU wird trotz erheblicher Verluste st&auml;rkste Partei bleiben. Ministerpr&auml;sident R&uuml;ttgers wird f&uuml;r sich das Mandat beanspruchen Koalitionsgespr&auml;che mit allen Parteien (nat&uuml;rlich au&szlig;er der Linken) zu f&uuml;hren.<\/li>\n<li>Die SPD wird sich feiern, weil sie gegen&uuml;ber der Bundestagswahl und vorausgegangen Landtagswahlen, mehr Stimmen geholt hat, als zu bef&uuml;rchten war. Vielleicht schafft sie es sogar in die N&auml;he des Wahlergebnisses von Peer Steinbr&uuml;ck zu kommen, der 2005 mit 37,1 % das schlechteste Ergebnis f&uuml;r die SPD seit 1954 eingefahren hatte.<\/li>\n<li>Die Gr&uuml;nen werden dar&uuml;ber jubeln, dass sie ihr bestes Ergebnis &uuml;berhaupt eingefahren haben.<\/li>\n<li>Die FDP wird sich immerhin dar&uuml;ber freuen, dass sie nicht schlechter abgeschnitten hat als bei der letzten Wahl (6,2%).<\/li>\n<li>Die Linke wird am Wahlabend lange zittern m&uuml;ssen, wird aber letztlich dann doch ihren erstmaligen Einzug in das NRW-Landesparlament feiern und sich r&uuml;hmen, dass dadurch zumindest Schwarz-Gelb die Mehrheit verloren hat. Sie wird sich nat&uuml;rlich f&uuml;r Gepr&auml;che mit der SPD und den Gr&uuml;nen offen zeigen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Die wahrscheinlichste Koalition wird Schwarz-Gr&uuml;n sein.<\/li>\n<li>Auch die SPD wird um eine Koalition mit der CDU letztlich buhlen und damit den Gr&uuml;nen Konkurrenz machen. Was wiederum die Verhandlungsposition der CDU gegen&uuml;ber beiden Parteien st&auml;rkt und die Kompromissbereitschaft sowohl von Gr&uuml;nen und von SPD erh&ouml;ht.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Anmerkung:<\/strong> Wenn ich mich geirrt haben sollte, werde ich am Montag Abbitte leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es widerspr&auml;che unserer Wertsch&auml;tzung unserer nordrhein-westf&auml;lischen Leserinnen und Leser, Ihnen als m&uuml;ndige und kritische B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger eine Wahlempfehlung f&uuml;r den kommenden Sonntag zu geben. Wir konnten Ihnen mit unseren Eintr&auml;gen auf den NachDenkSeiten bestenfalls Argumente f&uuml;r Ihr pers&ouml;nliches F&uuml;r und Wider bei Ihrer Stimmabgabe anbieten.<br \/> Wir bitten Sie allerdings, dass Sie zur Wahl gehen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5467\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,191,190],"tags":[703,838,867,754,274,278,426],"class_list":["post-5467","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-linke","category-spd","category-wahlen","tag-hoteliers","tag-kraft-hannelore","tag-leihstimmen","tag-nrw","tag-ruettgers-juergen","tag-steuersenkungen","tag-wahlbeteiligung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5467","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5467"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5467\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5475,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5467\/revisions\/5475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}