{"id":54860,"date":"2019-09-16T16:30:18","date_gmt":"2019-09-16T14:30:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54860"},"modified":"2019-09-17T13:59:42","modified_gmt":"2019-09-17T11:59:42","slug":"schertz-kanzlei-soll-toennies-kritik-unterbinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54860","title":{"rendered":"Schertz-Kanzlei soll T\u00f6nnies-Kritik unterbinden"},"content":{"rendered":"<p>Agenda-Cutting: Die Rolle der Berliner Kanzlei Schertz Bergmann als Union-Busting-Dienstleister.<br>\nDer Rechtsanwalt Christian Schertz ist der Leitwolf eines Maulkorb-Oligopols. Seine Berliner Kanzlei Schertz Bergmann, Kurf&uuml;rstendamm 53, ist eine Adresse, die unter deutschen Journalisten bekannt und gef&uuml;rchtet ist. Auch brave Gewerkschafter kriegen das Zittern, wenn sie den Namen Schertz Bergmann h&ouml;ren. Nun gehen Schertz Bergmann auch im Auftrag des Fleischproduzenten T&ouml;nnies gegen die Aktion gegen Arbeitsunrecht vor. <strong>Elmar Wigand<\/strong> von der <strong>Aktion gegen Arbeitsunrecht<\/strong> gibt einen &Uuml;berblick &uuml;ber das relativ neue Ph&auml;nomen des Agenda-Cuttings.<br>\n<!--more--><\/p><ul>\n<li>Schertz Bergmann hat durch eine einstweilige Verf&uuml;gung der Pressekammer Berlin jetzt schon daf&uuml;r gesorgt, dass der Aktionstag #FREITAG13 gegen T&ouml;nnies keine Eintagsfliege bleiben wird.<\/li>\n<li>Aktion gegen Arbeitsunrecht plant T&ouml;nnies-Tribunal<\/li>\n<li>Abstruses Vorgehen der Pressekammer Berlin unter Holger Thiel<\/li>\n<\/ul><p>Die &Ouml;ffentlichkeit kennt den Honorarprofessor Dr. Christian Schertz als Promi-Anwalt f&uuml;r G&uuml;nter Jauch, Alice Schwarzer, Herbert Gr&ouml;nemeyer, Christiano Ronaldo oder auch den Flughafen Berlin Brandenburg. Schertz und seine Leute sind an sich nicht w&auml;hlerisch, wer genug Geld hat, kann sie mieten. Manchmal sch&uuml;tzen sie &ndash; v&ouml;llig zu Recht &ndash; auch die Privatsph&auml;re von Prominenten vor Paparazzi und Boulevardpresse, manchmal vertreten sie unsympathische Figuren wie Karl-Theodor zu Guttenberg, manchmal auch widerw&auml;rtige Typen wie Thilo Sarrazin.<\/p><p>Wer Jan B&ouml;hmermanns Show Neo Magazin Royale verfolgt, kennt vielleicht die Figur des <strong>Schertz-Anwalt Dr. Witz<\/strong>, die Christian Schertz persifliert.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Weniger bekannt ist die Rolle von Christian Schertz und seiner Kanzlei Schertz Bergmann als Union Buster.<\/p><p><strong>Agenda-Cutting: Themen von der Tagesordnung streichen<\/strong><\/p><p>Die Verhinderung von Berichterstattung, das Unterdr&uuml;cken von Themen geh&ouml;rt seit jeher zum Gesch&auml;ft des Union Busting. Union Busting ist die planm&auml;&szlig;ige Bek&auml;mpfung von Gewerkschaften, Betriebsr&auml;ten und selbstbewussten Arbeiter*innen mit Hilfe professioneller Dienstleister. W&auml;hrend spezialisierte Union-Busting-Arbeitsrechtler Betriebsr&auml;te und Gewerkschafter mit K&uuml;ndigungen und Abmahnungen zerm&uuml;rben, die oft b&ouml;swillig konstruiert und fingiert sind, agiert Schertz Bergmann auf &auml;hnliche Weise im Medienrecht.<\/p><p>Eine besondere Waffe ist im Medienrecht das Mittel der einstweiligen Verf&uuml;gung. So werden Aussagen bis zu einer gerichtlichen Kl&auml;rung untersagt. Diese gerichtliche Kl&auml;rung mag irgendwann erfolgen, sie erfolgt in jedem Fall, nachdem ein Aktionstag wie etwa der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54770\">Schwarze Freitag, der 13.<\/a> gegen T&ouml;nnies l&auml;ngst beendet ist.<\/p><p><strong>Zum Beispiel Maredo<\/strong><\/p><p>Schertz Bergmann war am wohl spektakul&auml;rsten Union-Busting-Man&ouml;ver der letzten Jahrzehnte beteiligt: die systematische, &uuml;berfallartige Zerschlagung eines aktiven Betriebsrats und einer NGG-Hochburg bei Maredo in der Frankfurter Fre&szlig;gass im November 2011.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Am 12. Dezember 2011 sendete RTL in der Prime-Time-Sendung &bdquo;explosiv&ldquo; einen Beitrag, der die Vorkommnisse in der Fre&szlig;gass auf einer L&auml;nge von 5:31 Min. darstellte und aufarbeitete. Die Kanzlei Schertz Bergmann erwirkte daraufhin im Januar 2012 vor dem Landgericht K&ouml;ln eine einstweilige Verf&uuml;gung gegen den Beitrag (Az 28 O 1124\/11). In einer weiteren Sache (28 O 1\/12) ist die Klage vor Bestimmung eines Termins zur&uuml;ckgenommen worden. RTL konnte eine Gegendarstellung vermeiden. Die Sachverhalte, um die es ging, waren teils Nebens&auml;chlichkeiten. Eine Maredo-Besch&auml;ftigte hatte sich im Interview beispielsweise um 40 Cent vertan, als sie ihren Stundenlohn bezifferte. Mit diesem Erfolg von Schertz Bergmann gegen&uuml;ber RTL in der Tasche sch&uuml;chterte Maredo andere Medien wie ZDF WISO, das Handelsblatt, den Osnabr&uuml;cker B&uuml;rgerfunk ein, um Berichterstattung zu verhindern. Und zwar erfolgreich.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p><strong>Gezielter Druck auf die weiche Stelle im Apparat: die Justiziare<\/strong><\/p><p>Die Auswirkung dieser Einstweiligen-Verf&uuml;gungs- und Abmahn-Methode auf Gewerkschaftsapparate, Sender und Zeitungen ist nicht zu untersch&auml;tzen. Die Apparate pfeifen ihre Leute oft allzu bereitwillig zur&uuml;ck, wenn Figuren wie Christian Schertz ins Spiel kommen. Die Methode spricht besonders die hausinternen Justiziare an &ndash; was kein Zufall ist, denn Christian Schertz begann seine Karriere selbst einst in der Rechtsabteilung des Sender RIAS.<\/p><p>Dass Christian Schertz von dort aus ziemlich weit aufgestiegen ist, d&uuml;rfte auch daran liegen, dass sein ber&uuml;hmter Vater beste Kontakte in das juristische Milieu hatte. Georg Schertz war Vizepr&auml;sident des Amtsgerichts Berlin und wurde 1987 Berliner Polizeipr&auml;sident.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p><strong>Das Maulkorb-Oligopol: Schertz, Prinz, Gauweiler + H&ouml;cker<\/strong><\/p><p>Schertz Bergmann ist der unbestrittene Marktf&uuml;hrer im recht &uuml;berschaubaren Segment des Agenda-Cutting. Also der Verhinderung und Einsch&uuml;chterung kritischer Berichterstattung. Hier agieren bundesweit im Wesentlichen nur vier Kanzleien, deren Leitwolf bislang Christian Schertz war. Da w&auml;ren au&szlig;erdem: die Hamburger Kanzlei Prinz (bis 2018 als Prinz Neidhardt Engelschall) um den Master of Laws (LL.M.) Prof. Dr. <strong>Matthias Prinz<\/strong> , die M&uuml;nchner Kanzlei Bub Gauweiler mit Ableger in Hamburg um den ehemaligen CSU-Hardliner und f&uuml;hrenden Bundestags-Nebenverdiener <strong>Peter Gauweiler<\/strong>, sowie die aufstrebende K&ouml;lner Kanzlei H&ouml;cker, Friesenplatz 1.  Der jung-smarte Prof. Dr. Ralf H&ouml;cker, Abschluss LLM (London), verdient besonderes Augenmerk, da er sich in der Verteidigung von AFD-Figuren hervortut.<\/p><p>Er ist Verfasser von Spiegel-Bestsellern und Ex-RTL-Moderator (&ldquo;Einspruch &ndash; Die Show der Rechtsirrt&uuml;mer&rdquo;), betreibt mit anderen Alt-Stipendiaten der <strong>Konrad Adenauer Stiftung<\/strong> die Gruppierung &ldquo;Konrads Erben &ndash; Demokratie geht anders&rdquo;. Der Zusammenschluss kritisiert die ihrer Ansicht nah allzu lasche CDU von rechts.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p><strong>Pressekammer Hamburg bekommt Konkurrenz aus Berlin<\/strong><\/p><p>Noch kleiner als dieses Maulkorb-Oligopol ist die Szene der Pressekammern, die zur Erlangung von Maulkorb-Verf&uuml;gungen angerufen werden. Hier war die Pressekammer des Landgerichts Hamburg lange f&uuml;hrend. Der Vorsitzende Richter der Hamburger Pressekammer <strong>Andreas Buske<\/strong> &ndash; inzwischen zum Oberlandesgericht Hamburg aufgestiegen &ndash; erarbeitete sich im Unternehmerlager einen hervorragenden Ruf als zuverl&auml;ssiger Ansprechpartner, der verl&auml;sslich urteilt. Sein sch&auml;rfster Kritiker, der Hamburger Gerichtsreporter Rolf Sch&auml;like, pr&auml;gte f&uuml;r die Zust&auml;nde um die Pressekammer Hamburg den Begriff &ldquo;Buskeismus&rdquo;.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>In den letzten Monaten versucht die Pressekammer Berlin offenbar aufzuholen, genauer seit <strong>Holger Thiel<\/strong> den Vorsitz &uuml;bernahm. Wesentlich seltener bem&uuml;ht die Szene der Abmahn- und Maulkorbanw&auml;lte die Pressekammer des Landgerichts K&ouml;ln. Hier konnte die Aktion gegen Arbeitsunrecht einen wichtigen Sieg gegen <strong>Bub Gauweiler<\/strong> erringen. Wir hatten eine Personalverantwortliche des Duftmittelherstellers Firmenich als kriminell bezeichnet, weil sie den Firmenich-Betriebsrat in Kerpen systematisch fertiggemacht hatte. Die K&ouml;lner Pressekammer bewertete das als zul&auml;ssige freie Meinungs&auml;u&szlig;erung (Landgericht K&ouml;ln Az 28 O 263\/15 vom 9.3.2016).<\/p><p><strong>Der fliegende Gerichtsstand<\/strong><\/p><p>Diese Konkurrenz der Pressekammern mag den Laien erstaunen. Im Medienrecht gibt es n&auml;mlich eine Besonderheit: den fliegenden Gerichtsstand. Ich kann beispielsweise eine Zeitung &uuml;berall dort verklagen, wo sie &ndash; etwa an Kiosken &ndash; verkauft wird. Selbstverst&auml;ndlich kann auch eine Webseite wie https:\/\/arbeitsunrecht.de dementsprechend &uuml;berall verklagt werden. So musste der K&ouml;lner Vereinsvorsitzende der Aktion gegen Arbeitsunrecht, Werner R&uuml;gemer, mit dem K&ouml;lner Presserechtsanwalt Eberhard Reinecke mehrmals zur Pressekammer Hamburg fahren, um dort auf Anw&auml;lte der Promi-Kanzlei <strong>Redeker Sellner Dahs<\/strong> zu treffen, die aus der Nachbarstadt Bonn kamen und die einen Bonner Mandanten vertraten &ndash; den Pseudo-Wissenschaftler und Wirtschaftslobbyisten Klaus Zimmermann (Leiter des Think-tanks &ldquo;Institut f&uuml;r die Zukunft der Arbeit&rdquo;, IZA).[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Der Grund f&uuml;r diese absurde Konstellation: Die Medienverhinderungsanw&auml;lte rechneten sich in Hamburg bessere Chancen aus.<\/p><p><strong>Schertz-Kanzlei f&uuml;r T&ouml;nnies aktiv<\/strong><\/p><p>Als die Aktion gegen Arbeitsunrecht sich mit T&ouml;nnies anlegte, war uns klar, dass wir Post von Schertz Bergmann bekommen w&uuml;rden.<\/p><p>Der Hamburger Jourfixe der Gewerkschaftslinken hatte am 9. Januar 2019 eine gut besuchte Veranstaltung zu Wohn- und Arbeitsbedingungen von Wanderarbeitern am Schlachthof Kellinghusen sowie im Raum Rheda-Wiedenbr&uuml;ck abgehalten. Am 18. Januar erhielt die Initiative einen 27-seitigen Brief von Schertz Bergmann. Sie sollten bestimmte Behauptungen unterlassen und f&uuml;r die M&uuml;hen der Medienkanzlei gleich auch noch &uuml;ber 1.800,- Euro bezahlen.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Leider ist der jourfixe damals nicht nur inhaltlich eingeknickt, sondern hat auch noch das geforderte Honorar an Schertz Bergmann bezahlt. Wir halten das f&uuml;r einen schweren Fehler, der die Gegenseite ermutigt, ihre Methode weiter zu betreiben.<\/p><p><strong>Schalke-Boss Clemens T&ouml;nnies als Campaigner f&uuml;r #FREITAG13<\/strong><\/p><p>Am 1. August gaben wir bekannt, dass der T&ouml;nnies-Konzern &ndash; gr&ouml;&szlig;ter Schweinefleisch-Vermarkter Europas &ndash; die Online-Abstimmung zum Schwarzen Freitag, den 13. September 2019 mit gro&szlig;em Abstand gewonnen hatte. Konzernboss Clemens T&ouml;nnies befeuerte unsere Kampagne sogleich nach Kr&auml;ften, als er ebenfalls am 1. August 2019 seine ber&uuml;hmte Rede vor der Kreishandwerkerschaft Paderborn hielt.<\/p><p>T&ouml;nnies schlug vor, statt den Klimawandel mit h&ouml;heren Steuern zu bremsen &ndash; die etwa T&ouml;nnies&lsquo; &ouml;kologisch verheerende Produktionsweise bestrafen m&uuml;ssten -, solle man lieber j&auml;hrlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. T&ouml;nnies Begr&uuml;ndung daf&uuml;r: &bdquo;Dann w&uuml;rden die Afrikaner aufh&ouml;ren, B&auml;ume zu f&auml;llen, und sie h&ouml;ren auf, wenn&rsquo;s dunkel ist, Kinder zu produzieren.&ldquo;[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Wie gesagt: Alle die T&ouml;nnies kritisieren, bekommen es mit Schertz Bergmann zu tun. Wir waren darauf gefasst. Es lag wohl an dem medialen Wirbel, den Clemens T&ouml;nnies verursacht hatte, dass wir erst am 2. September Post von Schertz Bergmann erhielten. Wir hatten uns schon gewundert.<\/p><p><strong>Strategische Zone: Arbeit und Arbeitsbedingungen in der Produktion<\/strong><\/p><p>Und was dr&uuml;ckte T&ouml;nnies und Schertz Bergmann so auf der Seele?<\/p><ol>\n<li>Wir sollen seine Methoden der Ausbeutung nicht mit der freien Meinungs&auml;u&szlig;erung &ldquo;Lohnraub&rdquo; belegen. T&ouml;nnies will das Prinzip &ldquo;Pontius Pilatus&rdquo; durchsetzen. T&ouml;nnies w&auml;scht seine H&auml;nde in Unschuld. Er sei nicht verantwortlich f&uuml;r das Treiben seiner Sub-Unternehmer und Zulieferer. Schlie&szlig;lich h&auml;tten diese alle Compliance-Vorgaben unterzeichnet und eidesstattliche Versicherungen abgegeben, dass sie sich auch brav an deutsche Gesetze halten w&uuml;rden. Das ist ja prima! Alles andere w&auml;re aber auch ziemlich merkw&uuml;rdig&hellip;<\/li>\n<li>Wir sollen nicht dar&uuml;ber schreiben, wie, warum und wann Werkvertragsarbeiter gefeuert werden. Bei T&ouml;nnies wird man schnell gefeuert. Tats&auml;chlich saugt der T&ouml;nnies-Konzern Wanderarbeiter aus Bulgarien, Rum&auml;nien, Polen an und spuckt sie wie ausgelutschte Pflaumenkerne wieder aus. Wir werden verst&auml;rkt Zeugenaussagen sammeln.<\/li>\n<li>Und wir sollen nichts &uuml;ber die Expansion und Arbeitsplatzvernichtung durch den T&ouml;nnies-Konzern schreiben. Obwohl T&ouml;nnies im Stile einer Heuschrecke in Deutschland und Europa expandiert, Schlachth&ouml;fe aufkauft und seine Produktion ganz offensichtlich planm&auml;&szlig;ig zentralisiert: in die Schlachth&ouml;fe Rheda-Wiedenbr&uuml;ck im Westen und Wei&szlig;enfels, Sachsen-Anhalt im Osten.  <\/li>\n<\/ol><p><strong>Was wird juristisch angegriffen und was nicht?<\/strong><\/p><p>Rassismus durch den Oberboss, grauenhafte Wohnverh&auml;ltnisse f&uuml;r Wanderarbeiter in Ostwestfalen und Sachsen-Anhalt, Umweltverschmutzung und Tierleid? Entweder sind diese Dinge zu gut dokumentiert oder aber sie stellen kein gr&ouml;&szlig;eres Problem f&uuml;r T&ouml;nnies dar. Aber wenn es um Arbeit und Ausbeutung geht, reagiert der Konzern. Hier liegt offenbar eine strategische Zone, die es abzuschirmen gilt: Lohn und Profit, Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzung in der Produktion.<\/p><p><strong>Wenn der Feind uns bek&auml;mpft, ist das gut und nicht schlecht[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/strong><\/p><p>Wir finden es in politischer wie strategischer Hinsicht gut, dass T&ouml;nnies einen Prozess in Berlin anstrebt. Die Aktion gegen Arbeitsunrecht wird die anstehenden Verhandlungen in Berlin, zu der wir nun Zeugen und Quellen benennen m&uuml;ssen, daf&uuml;r nutzen, ein T&ouml;nnies-Tribunal zu organisieren. Wir werden unsere Recherche-Anstrengungen vergr&ouml;&szlig;ern &ndash; einerseits notgedrungen, andererseits aus eigenem Antrieb. Der Aktionstag #FREITAG13 entwickelt somit Nachhaltigkeit. Am System T&ouml;nnies lassen sich erstaunlich viele Facetten des neoliberalen Wahnsinns unserer Epoche allgemein verst&auml;ndlich illustrieren.<\/p><p>Wir wollen das anstehende Verfahren au&szlig;erdem nutzen, um eine Bresche f&uuml;r Meinungsfreiheit in der Arbeitswelt zu schlagen. Die Methode Schertz Bergmann muss jetzt von allen Gewerkschaftern erkannt und durch verst&auml;rkte Gegen&ouml;ffentlichkeit gezielt ausgehebelt werden.<\/p><p><strong>Presserechtlicher Skandal oder traurige Normalit&auml;t?<\/strong><\/p><p>Der Vereinsvorstand hat Widerspruch gegen die einstweilige Verf&uuml;gung eingelegt. Wir hegen berechtigte Zweifel daran, dass der Vorsitzende Richter der Pressekammer Berlin, <strong>Holger Thiel<\/strong>, unsere Sache unbefangen und neutral abgewogen und gepr&uuml;ft hat. Tats&auml;chlich handelt es sich bei seiner Entscheidung inhaltlich wie formell um eine Unversch&auml;mtheit.<\/p><p>Was die Formalia angeht:<\/p><p>Unser Anwalt erhielt keine M&ouml;glichkeit zur Stellungnahme.<br>\nSchertz Bergmann konnte keine Vollmacht der Gegenseite beibringen. Der T&ouml;nnies-Konzern geh&ouml;rt formal n&auml;mlich einer Gesellschaft nach d&auml;nischem Recht. Die Vollmacht des Verantwortlichen blieb die Gegenseite bis heute schuldig.  <\/p><p>&Auml;hnliches gilt f&uuml;r die inhaltliche Ebene:<\/p><p>Der Presse-Richter Holger Thiel bewertet freie Meinungs&auml;u&szlig;erung als falsche Tatsachenbehauptung.<br>\nThiel folgt allzu bereitwillig einer Argumentation, die Zitate aus dem Zusammenhang rei&szlig;t oder sogar unsauber zitiert.<br>\nSo wird aus dem von uns verwendeten Terminus &ldquo;K&uuml;ndigung bei Krankheit&rdquo; doch tats&auml;chlich &ldquo;K&uuml;ndigung wegen Krankheit&rdquo;. Ein unglaublicher Vorgang!<\/p><p>Wir sind sehr gespannt, welche Anstrengungen die Pressekammer Berlin, Schertz Bergmann und T&ouml;nnies unternehmen werden, nicht in diese juristische Grube zu fallen, die sie gemeinsam gegraben haben. Wir melden jetzt schon &ouml;ffentliches Interesse an und empfehlen dem Landgericht Berlin, vorsorglich einen gro&szlig;en Saal zu reservieren.<\/p><p>Wir werden den Presse-Prozess in ein T&ouml;nnies-Tribunal verwandeln.<\/p><p><em>Wer die Aktion Arbeitsunrecht unterst&uuml;tzen will, findet die n&ouml;tigen Informationen <a href=\"https:\/\/aktion.arbeitsunrecht.de\/spende-meinungsfreiheit\">auf deren Internetseite<\/a>.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Elmar Wigand ist Pressesprecher der aktion .\/. arbeitsunrecht.<\/em><\/p><p><em>Er hat den Aktionstag <strong>#Freitag13 gegen Horror-Jobs und Anw&auml;lte des Schreckens<\/strong> konzipiert, der am 13. September 2018 zum achtenmal stattfand. In 35 St&auml;dten protestierten Gewerkschafter, Menschenrechtler, Tierrechtler, Umweltsch&uuml;tzer und soziale Aktivist*innen gegen das System T&ouml;nnies: Werkvertr&auml;ge, Dumping-Lohn, Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt. ( arbeitsunrecht.de, 14.9.2019, <a href=\"https:\/\/arbeitsunrecht.de\/freitag13-aktionen-gegen-system-toennies-in-35-staedten\/\">arbeitsunrecht.de\/freitag13-aktionen-gegen-system-toennies-in-35-staedten\/<\/a> )<\/em><\/p><p>Titelbild: Frans Valenta\/ aktion .\/. arbeitsunrecht.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/b1319fc0486f4c8684da0484675ca7a0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Ein besonderer Treppenwitz ist, dass Jan B&ouml;hmermann Christian Schertz anheuerte, als es ihm wegen seiner Erdogan-Schm&auml;h-Gedichte an den Kragen gehen sollte. Schertz verteidigte B&ouml;hmermann erfolgreich. Wie gesagt, man kann den Mann mieten. Wenn man genug Geld hat. Man kann es aber auch lassen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Am 26.November 2011 kam es zum Showdown in der Frankfurter Fre&szlig;gass. In der Maredo-Filiale ging pl&ouml;tzlich das Licht aus, ein Sicherheitsunternehmen besetzte die Ausg&auml;nge. Mehrere Mitarbeiter, die sp&auml;ter Anzeige wegen N&ouml;tigung und Freiheitsberaubung stellten, seien &uuml;ber eine Stunde lang im verschlossenen, abgedunkelten Restaurant festgehalten worden. Mit der Androhung von Anzeigen wegen Diebstahls soll eine Abordnung der Maredo-Gesch&auml;ftsleitung mit Unterst&uuml;tzung des Rechtsanwalts Jan Tibor Lelley (Buse Heberer Fromm, Essen) versucht haben, einen Gro&szlig;teil der Belegschaft zum Unterschreiben einer K&uuml;ndigung bzw. eines Aufhebungsvertrags zu bringen.<br>\nEine Detektei war hinter dem R&uuml;cken des BR mit intensiver Video&uuml;berwachung beauftragt worden. Es wurde offenbar, dass Maredo &uuml;ber Wochen Spitzel als Angestellte getarnt in der Filiale arbeiten lie&szlig;, um Beweise oder Indizien f&uuml;r angebliche Verst&ouml;&szlig;e der Belegschaft zu sammeln. Quelle: Werner R&uuml;gemer \/ Elmar Wigand: <strong>Union Busting in Deutschland: Gegen Mitbestimmung und Organisierung<\/strong>, September 2013, S. 70 <a href=\"https:\/\/aktion.arbeitsunrecht.de\/sites\/default\/files\/130904_obs_union-busting_05.pdf\">aktion.arbeitsunrecht.de\/sites\/default\/files\/130904_obs_union-busting_05.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] ebenda, S. 72f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Im November 1990 war Georg Schertz f&uuml;r die Organisation und Durchf&uuml;hrung der R&auml;umung der Mainzer Stra&szlig;e verantwortlich, die als einer der massivsten Polizeieins&auml;tze Berlins in der Nachkriegszeit f&uuml;r Aufsehen sorgte. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Schertz\">de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Schertz<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Die f&uuml;hrenden Mitglieder von &ldquo;Konrads Erben&rdquo; sind mehrheitlich in der CDU, einige sind aus Protest ausgetreten, viele waren in ihrer Studienzeit Mitglieder des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Rolf Sch&auml;like, Gerichtsreporter &ndash; Der Gefangene, taz, 10.5.2011, <a href=\"https:\/\/taz.de\/!293917\/\">taz.de\/!293917\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] IZA: Unr&uuml;hmlicher Abgang eines m&auml;chtigen &Ouml;konomen. Denkfabrik der Post AG feuert Klaus Zimmermann | Stolperte neoliberaler Hardliner &uuml;ber Prozess gegen R&uuml;gemer? arbeitsunrecht.de, 3.3.2016, <a href=\"https:\/\/arbeitsunrecht.de\/iza-unruehmlicher-abgang-eines-maechtigen-oekonomen\/\">arbeitsunrecht.de\/iza-unruehmlicher-abgang-eines-maechtigen-oekonomen\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Stellungnahme zum gerichtlichen Vorgehen der Gro&szlig;schlachterei T&ouml;nnies gegen Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg, jourfixe der Gewerkschaftslinken, 25.1.2019, <a href=\"https:\/\/gewerkschaftslinke.hamburg\/2019\/01\/25\/stellungnahme-zum-gerichtlichen-vorgehen-der-grossschlachterei-toennies-gegen-jour-fixe-gewerkschaftslinke-hamburg\/\">gewerkschaftslinke.hamburg\/2019\/01\/25\/stellungnahme-zum-gerichtlichen-vorgehen-der-grossschlachterei-toennies-gegen-jour-fixe-gewerkschaftslinke-hamburg\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Hans-Hermann Igges: Clemens T&ouml;nnies sorgt beim Tag des Handwerks f&uuml;r Kopfsch&uuml;tteln, Neue Westf&auml;lische, 1.8.2019, <a href=\"https:\/\/www.nw.de\/lokal\/kreis_paderborn\/paderborn\/22523960_Clemens-Toennies-sorgt-beim-Tag-des-Handwerks-fuer-Kopfschuetteln.html\">nw.de\/lokal\/kreis_paderborn\/paderborn\/22523960_Clemens-Toennies-sorgt-beim-Tag-des-Handwerks-fuer-Kopfschuetteln.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Mao Tse Tung, 26.5.1939: &ldquo;Ich bin der Meinung, dass es f&uuml;r uns &ndash; sei es f&uuml;r den Einzelnen, f&uuml;r eine Partei, eine Armee oder eine Schule &ndash; schlecht ist, wenn der Feind nicht gegen uns Front macht, denn in diesem Fall w&uuml;rde es doch bedeuten, dass wir mit dem Feind unter einer Decke steckten. Wenn wir vom Feind bek&auml;mpft werden; dann ist das gut; denn es ist ein Beweis, dass wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben. Wenn uns der Feind energisch entgegen tritt, uns in den schw&auml;rzesten Farben malt und gar nichts bei uns gelten l&auml;sst, dann ist das noch besser; denn es zeugt davon, dass wir nicht nur zwischen uns und dem Feind eine klare Trennungslinie gezogen haben, sondern dass unsere Arbeit auch gl&auml;nzende Erfolge gezeitigt hat.&rdquo; (Quelle: Worte des gro&szlig;en Vorsitzenden, 1966.)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Agenda-Cutting: Die Rolle der Berliner Kanzlei Schertz Bergmann als Union-Busting-Dienstleister.<br \/> Der Rechtsanwalt Christian Schertz ist der Leitwolf eines Maulkorb-Oligopols. Seine Berliner Kanzlei Schertz Bergmann, Kurf&uuml;rstendamm 53, ist eine Adresse, die unter deutschen Journalisten bekannt und gef&uuml;rchtet ist. 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