{"id":549,"date":"2005-05-04T13:33:04","date_gmt":"2005-05-04T11:33:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=549"},"modified":"2016-03-14T17:09:14","modified_gmt":"2016-03-14T16:09:14","slug":"uber-methoden-mit-denen-neoliberale-die-sauberung-des-diw-von-nachfrageorientierten-okonomen-rechtfertigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=549","title":{"rendered":"\u00dcber Methoden, mit denen Neoliberale die S\u00e4uberung des DIW von nachfrageorientierten \u00d6konomen rechtfertigen"},"content":{"rendered":"<p>Am 16. April 2005 berichtet die Berliner Zeitung &uuml;ber die Evaluation des DIW durch die Leibniz-Gesellschaft. Hohes Lob erf&auml;hrt der neue Chef des Instituts, Klaus F. Zimmermann. Er hat es geschafft, das fr&uuml;her schon mal vom Mainstream der Wirtschaftsforschungsinstitute abweichende DIW inzwischen in die neoliberale Phalanx einzureihen. Geradezu niedergemacht wird in dem Beitrag der von Zimmermann unter massiver &ouml;ffentlicher Kritik gefeuerte fr&uuml;here Chef der Konjunkturabteilung, Gustav Horn, ein eher nachfrageorientierter Wirtschaftsforscher. Erstaunlich ist, dass der Pr&uuml;fbericht nebst einer Abqualifizierung von Horn durch Zimmermann der Berliner Zeitung offenbar schon vorlag, bevor ihn die Mitarbeiter des DIW einsehen oder gar dazu Stellung nehmen konnten. Die NachDenkSeiten sind diesem Wissenschaftler-Mobbing einmal nachgegangen.<br>\n<!--more--><br>\nDas Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) &ndash; eines der sechs sog. &bdquo;f&uuml;hrenden&ldquo; deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute &ndash; ist &ndash; wie auch das Institut f&uuml;r Weltwirtschaft in Kiel &ndash; im vergangenen Herbst von externen Wissenschaftlern, die von der Wissenschaftsgemeinschaft Johann Gottfried Leibnitz (WGL) beauftragt worden waren, evaluiert worden. Der erste vertrauliche Berichtsentwurf, zu dem die Institutspr&auml;sidenten Stellung beziehen k&ouml;nnen, liegt nunmehr vor. Im Unterschied zum Kieler Institut wurde dieser Bericht im DIW Berlin den eigenen Mitarbeitern vorenthalten. Nur die Abteilungsleiter durften jene kurzen Passagen einsehen, die ihre eigene Abteilung betrafen, nicht aber den Rest des Pr&uuml;fberichts.<br>\nUm so erstaunlicher ist, dass die Berliner Zeitung, offenbar schon vorher und als einzige in den Genuss des Berichtes kam und einen Artikel publizierte, in dem dem DIW &bdquo;bemerkenswerte Fortschritte&ldquo; attestiert wurden. Hohes Lob erf&auml;hrt in dem Beitrag von Hendrik Munsberg der seit 2000 amtierende Pr&auml;sident des Instituts, Klaus F. Zimmermann daf&uuml;r, dass er das Institut gr&uuml;ndlich &bdquo;umkrempelte&ldquo;. Zwar habe ihm vor allem die Neubesetzung der Abteilungsleiterstellen &bdquo;&uuml;ber das eigene Haus hinaus jede Menge &Auml;rger und Widersacher&ldquo; eingebracht, doch, so meint der Autor des Beitrags, das Leibniz-Gutachten m&uuml;sse f&uuml;r Zimmermann &bdquo;wirken wie ein G&uuml;tesiegel f&uuml;r die eigene Arbeit der letzten fast f&uuml;nfeinhalb Jahre&ldquo;. Der Pr&uuml;fbericht w&uuml;rdige, dass die interne Organisation im Sinne h&ouml;herer wissenschaftlicher Qualit&auml;t &bdquo;betr&auml;chtlich&ldquo; verbessert worden sei. Ausgerechnet die Leistung der Konjunkturabteilung, f&uuml;r die der, gefeuerte, eher nachfrageorientierte Konjunkturforscher Gustav Horn seinerzeit verantwortlich war, wird in dem Artikel &auml;u&szlig;erst kritisch beurteilt wurde. Als Beleg wird das Urteil des Pr&auml;sidenten selbst und ein Zitat aus dem Leibniz-Gutachten angef&uuml;hrt, nach dem die Abteilung mit Routineaufgaben &uuml;berlastet sei und zu wenig Forschung betreibe und nicht ausreichend Zeit f&uuml;r Fachpublikationen habe. Zu dieser Bewertung ist zun&auml;chst anzumerken, dass Horn seine Abteilung w&auml;hrend der Begehung durch die Kommission auf Anweisung des DIW Pr&auml;sidenten Zimmermann nicht selbst vertreten konnte und damit daran gehindert wurde, deren Leistung ad&auml;quat darzustellen. Die Vorstellung &uuml;bernahm Zimmermann selbst und die war, nach Ausk&uuml;nften aus Gutachterkreisen, eine der schlechtesten. Zum zweiten enth&auml;lt der Gesamtbericht nach Ausk&uuml;nften von Kennern des Berichts &ndash; neben einer im Grundsatz positiven Beurteilung des DIW &ndash; den generellen Hinweis, dass die Zahl der Publikationen in akademischen Zeitschriften weiter erh&ouml;ht werden m&uuml;sse und zugleich der Anteil der Auftragsforschung insbesondere f&uuml;r die Ministerien zur&uuml;ckgedr&auml;ngt werden m&uuml;sse. Solche Hinweise werden dann in der Beurteilung der einzelnen Abteilungen immer wieder angef&uuml;hrt, so eben auch bei der Konjunkturabteilung, was dann zu dem bewertenden Zitat f&uuml;hrte. Zugleich werden der Konjunkturabteilung aber erhebliche Fortschritte in ihrer Ausrichtung auf akademische Forschung attestiert und ihre anspruchsvolle Methodik hervorgehoben. Diese Bewertung straft Zimmermanns Behauptung von der mangelnden wissenschaftlichen Leistung der Abteilung unter Horns F&uuml;hrung L&uuml;gen. Davon ist aber im Bericht der Berliner Zeitung nicht die Rede.<br>\nVieles spricht daf&uuml;r, dass hier die Berliner Zeitung einen der allzu h&auml;ufig anzutreffenden Handel mit Erstinformationen eingegangen ist. Nach dem Motto: Ich gebe Dir eine vertrauliche Information exklusiv, wenn Du mir daf&uuml;r auch einen Gefallen tust. Vieles spricht n&auml;mlich daf&uuml;r, dass der Bericht der Berliner Zeitung aus jenen Kreisen des DIW zugespielt wurde, die Zimmermann nahe stehen, und als Gegenleistung f&uuml;r die Indiskretion wird in der Zeitung Kritik an Horn ge&uuml;bt und dessen Entlassung nachtr&auml;glich als gerechtfertigt dargestellt.<\/p><p>Es geht also nicht nur um eine Fortsetzung der pers&ouml;nlichen Auseinandersetzung zwischen Zimmermann und Horn, sondern auch um die Diskreditierung von Horns kritischer Position gegen&uuml;ber dem Mainstream unter den deutschen &Ouml;konomen. Und das d&uuml;rfte wohl Hauptzweck der Indiskretion gewesen sein.<br>\nDas ist nur eines von vielen Beispielen, mit welchen Methoden die Sippe der neoliberalen &Ouml;konomen in Deutschland, die sonst immer den Wettbewerb im Munde f&uuml;hren, ihre &bdquo;wissenschaftliche&ldquo; Monopolstellung ausbauen. <\/p><p>Der Evaluationsbericht macht aber noch ein Weiteres deutlich, n&auml;mlich dass sich die Wirtschaftsforschungsinstitute, folgen sie den Ratschl&auml;gen der Evaluatoren, weitgehend aus der praktischen Politikberatung verabschieden sollen. Was das bedeutet konnte man schon beim j&uuml;ngsten Fr&uuml;hjahrsgutachten der Forschungsinstitute erkennen: Viele Computermodelle, viele Zahlenreihen, eine &bdquo;Wissenschaft&ldquo;, die sich nur noch in ihren Modellen bewegt und allenfalls noch zu abgehobenen Aussagen kommt, mit denen niemand etwas anfangen kann. Ein weiterer Verfall der Beratungsqualit&auml;t seitens der Forschungsinstitute erscheint unvermeidlich. Das einzige, was dabei tr&ouml;stet ist, dass dieser Rat offenbar selbst vom Auftraggeber, der Bundesregierung, nicht mehr ernst genommen wird. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/archiv\/.bin\/dump.fcgi\/2005\/0416\/wirtschaft\/0010\/index.html?keywords=WSI%20Wissenschaftsrat%20Gustav%20Horn;ok=OK%21;match=strict;author=;ressort=;von=;bis=;mark=gustav%20wissenschaftsrat%20horn%20wsi%20h%F6rn\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/archiv\/.bin\/dump.fcgi\/2005\/0416\/wirtschaft\/0010\/index.html?keywords=WSI%20Wissenschaftsrat%20Gustav%20Horn;ok=OK%21;match=strict;author=;ressort=;von=;bis=;mark=gustav%20wissenschaftsrat%20horn%20wsi%20h%F6rn\">berlinonline.de &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 16. April 2005 berichtet die Berliner Zeitung &uuml;ber die Evaluation des DIW durch die Leibniz-Gesellschaft. Hohes Lob erf&auml;hrt der neue Chef des Instituts, Klaus F. Zimmermann. 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