{"id":54965,"date":"2019-09-20T08:54:17","date_gmt":"2019-09-20T06:54:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54965"},"modified":"2019-09-24T13:18:06","modified_gmt":"2019-09-24T11:18:06","slug":"feuilletonistisches-geschwafel-aber-keine-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54965","title":{"rendered":"Feuilletonistisches Geschwafel, aber keine Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das neue Buch des Soziologen Heinz Bude &ndash; Eine Rezension von Udo Brandes.<\/strong> Der bundesweit bekannte und viel in den Medien vertretene Soziologe Heinz Bude hat ein neues Buch vorgelegt: &bdquo;Solidarit&auml;t. Die Zukunft einer gro&szlig;en Idee&ldquo;. Unser Autor Udo Brandes hat das Buch f&uuml;r die NachDenkSeiten gelesen. &bdquo;Wenig Inhalt, viel Geschwafel&ldquo; ist sein Res&uuml;mee.<br>\n<!--more--><br>\nNach der Lekt&uuml;re von Budes neuestem Buch kann ich die tiefe Abneigung des gro&szlig;en franz&ouml;sischen Soziologen Pierre Bourdieu gegen&uuml;ber &bdquo;Essayisten&ldquo; verstehen. Bourdieus Soziologie war immer in der Empirie verankert. Und er hatte wirklich etwas zu sagen. Nach dieser Lekt&uuml;re bin ich gegen&uuml;ber soziologischen Essays auch skeptisch geworden. <\/p><p>Man darf f&uuml;r Budes Buch nat&uuml;rlich nicht die Schriften des gro&szlig;en Soziologen Pierre Bourdieu als Vergleichsma&szlig;stab w&auml;hlen. Denn Bourdieu war eine Ausnahmeerscheinung, wie es sie wahrscheinlich nur einmal alle 100 Jahre gibt. Aber man darf Bude sicherlich mit dem Bourdieu-Sch&uuml;ler Didier Eribon, den Autor des soziologischen Bestsellers &bdquo;R&uuml;ckkehr nach Reims&ldquo; vergleichen. Nur: Auch bei diesem Vergleich tut sich ein Abgrund auf.<\/p><p>Ich habe beim Lesen immer wieder gedacht: Entweder kann Heinz Bude nicht klar und verst&auml;ndlich schreiben. Oder er will nicht klar und verst&auml;ndlich schreiben. Alternativ k&ouml;nnte man nat&uuml;rlich auch annehmen, dass meine geistigen M&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Texte von Heinz Bude nicht ausreichen. Die empirische Erfahrung zeigte mir aber, dass ich dazu in der Lage bin, selbst Texte von Pierre Bourdieu zu verstehen. Und dieser ist nicht daf&uuml;r bekannt, popul&auml;r und leicht verst&auml;ndlich zu schreiben. Deshalb scheint mir folgende These plausibel: Heinz Bude hat nichts wirklich Relevantes mitzuteilen. Und versteckt dies hinter einem langatmigen, wolkigen Geschwafel. Eine lange Aneinanderreihung von Thesen, Gedanken und Ideen von Philosophen, Soziologen und anderen Denkern, die sich jemals irgendwie zum Thema &bdquo;Solidarit&auml;t&ldquo; ge&auml;u&szlig;ert haben. Dabei muss man die Stellen mit der Lupe suchen, an denen Bude mal einigerma&szlig;en eindeutig und klar sagt, was er selbst meint oder denkt. Zusammenfassend kann man sagen: Dieses Buch ist feuilletonistisches Geschwafel, aber keine Wissenschaft. Warum Bude meiner Einsch&auml;tzung nach so seltsam nebul&ouml;s und unklar schreibt, darauf komme ich noch. Zun&auml;chst einmal hier ein Anschauungsbeispiel: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nach dem zweiten Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg von 1914 bis 1945 &sbquo;preisgegeben einer Epoche voll nihilistischen Fiebers und dennoch voller Einsamkeit&rsquo; (hier zitiert Bude aus <em>Der Mensch in der Revolte<\/em> von Albert Camus; UB) findet Albert Camus im Innern der absurden Erfahrung die Revolte, die eine Solidarit&auml;t au&szlig;erhalb des Heiligen stiftet: &sbquo;Um zu sein, muss der Mensch revoltieren, doch muss seine Revolte die Grenze wahren, die sie in sich selbst findet und wo die Menschen, wenn sie sich zusammenschlie&szlig;en, zu sein beginnen.&rsquo; Die absurde Existenz wird zur solidarischen Existenz&ldquo; (S. 33).\n<\/p><\/blockquote><p>In diesem Stil referiert Bude nicht enden wollend zig Autoren, ohne dass richtig klar wird, warum. Und was er nun sagen will. An manchen Stellen schreibt er dann S&auml;tze, die schlicht falsche Aussagen enthalten. Zum Beispiel diesen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Solidarit&auml;t der Frauen &uuml;berwindet St&auml;nde, Klassen, Nationen und Kulturen, ber&uuml;hrt sich mit der Arbeiterbewegung, kreuzt die B&uuml;rgerrechtsbewegung, streift die &Ouml;kologiebewegung und verb&uuml;ndet sich mit antirassistischen Bewegungen (S. 145).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dass die Solidarit&auml;t der Frauen Nationen und Kulturen &uuml;berwinden <em>kann<\/em> (nicht zwangsl&auml;ufig aber immer tut), will ich gerne gelten lassen. Aber dass die Solidarit&auml;t der Frauen Klassenunterschiede aufhebt, ist nat&uuml;rlich kompletter Unsinn. Das wird sofort deutlich, wenn man sich die typischen Diskussionen in den Medien oder auf sonstigen Veranstaltungen &uuml;ber die Benachteiligung von Frauen anschaut. Es dauert in der Regel keine f&uuml;nf Minuten, bis eine engagierte Feministin, die im Regelfall eine hoch privilegierte Frau aus der Bourgeoisie ist, darauf verweist, dass es in den Vorst&auml;nden von Dax-30-Unternehmen gar keine oder nur ganz wenige Frauen gibt. Dazu kann man nur sarkastisch feststellen: Genau das ist ja auch das zentrale Problem praktisch aller Frauen. Insbesondere von denen, die gezwungen sind, in einer Putzkolonne zum Niedriglohn zu arbeiten. Sie haben keine Chance, in den Vorstand eines Dax-30-Unternehmens vorzudringen und Millionengeh&auml;lter zu kassieren. Und diese Benachteiligung und Ausbeutung w&auml;re nat&uuml;rlich sofort behoben, wenn nur erst gen&uuml;gend Frauen in den Vorst&auml;nden der Dax-Unternehmen s&auml;&szlig;en. <\/p><p>Mit anderen Worten: Klassengegens&auml;tze &uuml;berlagern die Wahrnehmung der Welt erheblich und f&uuml;hren nicht selten dazu, dass privilegierte b&uuml;rgerliche Frauen keinerlei Antennen f&uuml;r die Probleme von Frauen aus anderen Klassen haben. Genau deshalb sind privilegierte b&uuml;rgerliche Frauen mitnichten notwendigerweise solidarisch mit Frauen aus der Arbeiterklasse. Im Gegenteil: In vielen b&uuml;rgerlichen Familien, die f&uuml;r ihren Privathaushalt eine Putzfrau zum Niedriglohn und ohne Sozialversicherung besch&auml;ftigen, ist auch keine klassen&uuml;bergreifende Solidarit&auml;t zwischen Frauen zu erkennen, die diese Ausbeutung von Frauen in prek&auml;ren Lagen verhinderte.<\/p><p>Genau diese Klassenunterschiede f&uuml;hren auch dazu, dass die privilegierten b&uuml;rgerlichen Schichten nicht begreifen, dass Einwanderung von benachteiligten sozialen Klassen, die Globalisierung nur als immer schlimmer werdende Armut, Obdachlosigkeit, Gewaltkriminalit&auml;t und Verwahrlosung ihres Stadtteils kennengelernt haben, nicht freudig begr&uuml;&szlig;t wird. Auch Bude scheint den materiellen Hintergrund dieses Konfliktes nicht verstanden zu haben. Oder er will ihn nicht wahrhaben. Denn er schreibt in seinem Vorwort: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die gl&uuml;henden Verfechter der Solidarit&auml;t kommen heute zumeist nicht mehr von links, sondern von rechts. Sie meinen eine exklusive Solidarit&auml;t, die mit Mauern gesch&uuml;tzt und durch Kultur behauptet wird. Solidarit&auml;t zuerst f&uuml;r uns und unter uns, dann f&uuml;r die und jene da drau&szlig;en. Ist das, was rettet, zugleich die Gefahr?&ldquo; (Seite 10).\n<\/p><\/blockquote><p>Das h&auml;tte so auch in der gr&uuml;n-liberalen taz stehen k&ouml;nnen. <\/p><p>Die folgende Stelle veranschaulicht noch einmal das Problem des Buches: Bude stellt viele Fragen, aber er bezieht selten klar und deutlich Position. Man legt dieses Buch nach der Lekt&uuml;re zur Seite und fragt sich: Und was willst du mir jetzt sagen, lieber Autor? <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Dann st&ouml;&szlig;t man auf das &sbquo;Gleichnis vom Gericht des Menschensohns &uuml;ber die V&ouml;lker aus Matth&auml;us 25,40. Die Gerechten fragen den Menschensohn, der f&uuml;r die V&ouml;lker der Erde gelebt hat und gestorben ist, Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich als Fremden gesehen und dich in unser Haus aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gef&auml;ngnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf antwortet der Menschensohn, der als Jesus ganz Mensch geworden ist und als Christus von den Toten wiederauferstanden und in den Himmel aufgefahren ist: &sbquo;Amen, ich sage euch: Was ihr f&uuml;r einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan.&rsquo; Schon an dieser Stelle erhebt sich die Frage, was f&uuml;r eine Verbindung zwischen der Philia des Aristoteles und der christlichen Br&uuml;derlichkeitsethik im Blick auf einen f&uuml;r uns heute angemessenen Solidarit&auml;tsbegriff besteht&ldquo; (S. 22-23).\n<\/p><\/blockquote><p>Mir allerdings hat sich diese Frage nicht gestellt. Mich h&auml;tten konkrete Fragen mehr interessiert. Auf Seite 66 zum Beispiel stellt Bude fest: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Angestellte wollen als Einzelne angesprochen werden und legen eine spontane Abneigung allem Kollektiven gegen&uuml;ber an den Tag.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Was ist Budes erhellender Gedanke?<\/strong><\/p><p>Diese Beobachtung kann ich aus eigener Erfahrung durchaus best&auml;tigen. Die Frage aber ist: Warum ist das so? Hier w&auml;re eine fundierte soziologische Erkl&auml;rung interessant gewesen. Die kommt aber nicht. Stattdessen m&auml;andert Bude seitenweise von einer Betrachtung zur n&auml;chsten. Und ich habe mich bei der Lekt&uuml;re gefragt: Worauf will er hinaus? Was will er sagen? Was ist seine Aussage? Seine Idee? Sein erhellender Gedanke? Ich konnte nur wenig finden. Zum Beispiel diese Aussage: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Zweifelsfall sind wir doch alle Trittbrettfahrer, die nicht unbedingt dazu neigen, die Kollision  zwischen der einzelnen Arbeitnehmerin und der einzelnen Unternehmerin als Kollisionen zweier Klassen mit ihren jeweiligen Klasseninteressen zu verstehen. Das Kollektive ist kein Erfahrungsgegenstand, sondern eine Hintergrundstruktur&ldquo; (S.18).\n<\/p><\/blockquote><p>Bude zitiert dann Engels und f&uuml;hrt aus, dass von unserer sozialen Existenz nur noch das &bdquo;einzelne, lumpige Individuum&ldquo; &uuml;brig bleibe. Mit anderen Worten: Es fehlt den Menschen an politischem Bewusstsein zu ihrer Lebenslage, n&auml;mlich dass ihre Lebenssituation etwas mit ihrer Klassenlage zu tun hat. Aber Bude stellt hier nicht die entscheidende Frage: Warum ist das so? Warum fehlt dieses politische Bewusstsein? Und ist dies vielleicht ein ganz entscheidender Erfolg der neoliberalen Ideologie, die uns seit Jahrzehnten eingetrichtert wird? <\/p><p>Auf Seite 21 schreibt Bude dann Folgendes:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Er (der Begriff Solidarit&auml;t; UB) kommt vielen wie eine &uuml;berkommene und ausgeleierte Begriffsschablone vor, die h&ouml;chstens sentimentale Bed&uuml;rfnisse nach einer guten alten Zeit befriedigt, aber er wird trotzdem immer wieder in Anschlag gebracht, wenn es um den Ausdruck des &Uuml;berdrusses mit dem Menschenbild des rationalen Egoisten oder gar eine Abrechnung mit dieser merkw&uuml;rdigen Periode des Neoliberalismus der letzten drei&szlig;ig bis vierzig Jahre geht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Bude l&auml;sst hier ganz leise anklingen, dass er die neoliberale Ideologie nicht unbedingt f&uuml;r eine gute Idee h&auml;lt. Man k&ouml;nnte diese &Auml;u&szlig;erung zumindest so interpretieren. Aber ich habe aus dem ganzen Buch doch eher den Eindruck, dass Bude gerne als kritischer Soziologe erscheint, aber nicht wirklich ernsthaft die neoliberale Ideologie kritisieren will. Dies wird auch in dem Kapitel &uuml;ber Achtsamkeit sehr deutlich. Einerseits scheint er dieser Bewegung kritisch gegen&uuml;berzustehen. Andererseits kritisiert er Autoren, die die Achtsamkeitslehre klar und deutlich als eine Ideologie bezeichnen, die Selbstoptimierung einfordert und als <em>achtsames Leben<\/em> verkl&auml;rt &ndash; und damit Selbstausbeutung und Selbstverleugnung f&ouml;rdert und Wut und Emp&ouml;rung &uuml;ber die Zumutungen des Systems stilllegt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Man kann es sich leicht machen und die Programme f&uuml;r Achtsamkeits&uuml;bungen als &sbquo;McMindfulnes&rsquo; brandmarken, (&hellip;.)&ldquo; (S.117).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Bude scheut vor klaren Aussagen und Positionen zur&uuml;ck<\/strong><\/p><p>Hier f&auml;llt zum wiederholten Male auf: Bude scheut vor klaren Aussagen und Positionen zur&uuml;ck. Eine gewisse &Auml;hnlichkeit zu Angela Merkel, bei der man auch die klaren, eindeutigen Positionierungen an einer Hand abz&auml;hlen kann. <\/p><p>Wo Bude wirklich steht, zeigt sich dann aber im Kapitel &bdquo;Die Quelle des Krieges&ldquo;. In diesem Kapitel zeichnet Bude die Nachkriegszeit nach in Bezug auf das Thema Solidarit&auml;t. Er sieht zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen dem Gewerkschafter Willi Bleicher, der acht Jahre im Konzentrationslager interniert war und dem Funktion&auml;r und Alt-Nazi der Kapitalseite, Hanns Martin Schleyer, der sp&auml;ter von RAF-Terroristen ermordet wurde, als eine Art von Solidarit&auml;t:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In der Solidarit&auml;t sehr unterschiedlicher, aber trotzdem gemeinsamer Betroffenheit akzeptierten die Verhandlungspartner ihre spezielle Rolle in der Wiederaufbaumoderne&ldquo; (S. 78).\n<\/p><\/blockquote><p>Abgesehen davon, ob diese Zusammenarbeit wirklich als ein Akt der Solidarit&auml;t zu bewerten ist, ist sehr aufschlussreich, was Bude hier alles nicht sagt oder &uuml;bergeht: Es fehlt zum Beispiel das aus heutiger Sicht wirklich erstaunliche Faktum, dass die CDU 1947 mit ihrem Ahlener Programm eine regelrecht sozialistische Haltung an den Tag legte. Was f&uuml;r das Thema dieses Kapitels doch wirklich ein spannender Stoff gewesen w&auml;re. Aber Bude verliert dar&uuml;ber kein Wort. In Bezug auf die Wiedervereinigung schreibt er nichts dar&uuml;ber, dass dies eher eine Okkupation und Enteignung zugunsten des westlichen Kapitals und westlicher Eliten war, als eine Wiedervereinigung auf Augenh&ouml;he. Was sich bis heute gesellschaftlich und politisch auswirkt (u. a. erkennbar an den Erfolgen der AFD im Osten). <\/p><p>In Zusammenhang mit der rot-gr&uuml;nen &Auml;ra verliert er kein Wort &uuml;ber die zerst&ouml;rerische Hartz-IV-Politik, die ganz wesentlich zu einem Klima der unsolidarischen Ellenbogengesellschaft beigetragen hat. Bei Bude liest sich das so: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Solidarit&auml;tsressource der deutschen Gesellschaft sollte sich nicht mehr aus der Bew&auml;ltigung einer Vergangenheit, sondern aus der Gewinnung einer Zukunft ergehen. Die Formel daf&uuml;r hie&szlig; &sbquo;Steigerung der Konkurrenzf&auml;higkeit&rsquo;&ldquo; (S. 88).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Mein Res&uuml;mee:<\/strong><\/p><p>Heinz Bude ist nicht das, was ein Soziologe sein sollte: Ein Wissenschaftler, der die Mythen und Ideologien der Herrschenden entlarvt und im Interesse von demokratischer Aufkl&auml;rung die Wahrheit hinter den Fassaden der Gesellschaft sichtbar macht. Bude ist aus meiner Sicht eher ein Feuilletonist, der sich mit der herrschenden Klasse und ihrer Ideologie identifiziert und deshalb mit ihr kollaboriert. Deshalb ist sein Buch auch so seltsam inhaltsleer, dass man kaum etwas davon im Kopf behalten kann. Und deshalb schreibt er auch so verschwafelt und unklar. Weil er offenbar das Bed&uuml;rfnis hat, sein Einverstandensein mit den Verh&auml;ltnissen zu kaschieren. Und dass er nicht wirklich etwas Erhellendes zum Thema Solidarit&auml;t zu sagen hat. Aber warum dann &uuml;berhaupt diese kleinen Prisen der Kritik am Neoliberalismus? Weil dies ein sehr gut funktionierendes Gesch&auml;ftsmodell ist. Der Neoliberalismus ist in Verruf geraten. Zumindest bei der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung. Da macht es sich f&uuml;r einen Intellektuellen gut, sich als jemand zu geben, der den neoliberalen Markttotalitarismus kritisch sieht. <\/p><p><strong>Warum ist Bude bei den Medien so gefragt?<\/strong><\/p><p>Eine klassische politische Propagandamethode besteht darin, jemanden, der das Image hat, gegen&uuml;ber der eigenen politischen Haltung kritisch eingestellt zu sein (aber es nicht wirklich ist), als Zeugen f&uuml;r die Legitimierung der eigenen Position zu zitieren. Mit anderen Worten: Man nehme sich einen Intellektuellen, der im Rufe steht, links zu sein, und lasse ihn bezeugen, dass neoliberal-rechte Politik, die die Interessen weniger bedient, eine Politik zum Nutzen aller ist. Also gut f&uuml;r das Allgemeinwohl. Und genau das, so meine These, ist auch das Erfolgsgeheimnis von Bude: Mit linkem Image neoliberal-rechte Politik legitimieren. Damit erzeugt man beim medialen Establishment eine gro&szlig;e Nachfrage. Weil die Medien so ein herrschaftskritisches Image pflegen k&ouml;nnen. Mein abschlie&szlig;endes Urteil: Geben Sie Ihr Geld lieber f&uuml;r andere B&uuml;cher aus. Die Lekt&uuml;re dieses Buches ist verschwendete Lebenszeit.<\/p><p><strong>Heinz Bude, Solidarit&auml;t, Die Zukunft einer gro&szlig;en Idee, Carl Hanser Verlag 2019, 19,00 Euro.<\/strong><\/p><p>Titelbild: Heike Huslage-Koch, Wikicommons CC BY-SA 4.0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Das neue Buch des Soziologen Heinz Bude &ndash; Eine Rezension von Udo Brandes.<\/strong> Der bundesweit bekannte und viel in den Medien vertretene Soziologe Heinz Bude hat ein neues Buch vorgelegt: &bdquo;Solidarit&auml;t. Die Zukunft einer gro&szlig;en Idee&ldquo;. 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