{"id":54989,"date":"2019-09-21T11:45:01","date_gmt":"2019-09-21T09:45:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54989"},"modified":"2019-09-22T16:40:05","modified_gmt":"2019-09-22T14:40:05","slug":"wenn-die-sueddeutsche-zeitung-manipuliert-dann-im-dienst-des-staatswohles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54989","title":{"rendered":"Wenn die S\u00fcddeutsche Zeitung manipuliert, dann im Dienst des Staatswohles"},"content":{"rendered":"<p>In einem niedertr&auml;chtigen &bdquo;Streiflicht&ldquo;-Kommentar der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 14.\/15. September 2019 wird den &bdquo;NachDenkSeiten&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54855\">vorgeworfen<\/a>, zu viele Fragen zu stellen. Das h&auml;lt die S&uuml;ddeutsche Zeitung f&uuml;r verd&auml;chtig. Fragen zu stellen, ist die Grundlage journalistischer Arbeit, ganz im Gegensatz zu einem Journalismus, der alles glaubt. Oft geht nicht mehr, da Fakten und Indizien, die einer offiziellen Version widersprechen k&ouml;nnten, &bdquo;unter Verschluss&ldquo; gehalten werden, wie im Mordfall Halit Yozgat in Kassel 2006 zum Beispiel. Dort muss man bis zum Jahr 2134 warten, bis man auf die gestellten Fragen m&ouml;glicherweise andere Antworten geben kann. In folgenden Fall geht es um eine gro&szlig;angelegte Manipulation, an der sich die S&uuml;ddeutsche Zeitung beteiligt hat. Das ist keine Frage; sondern ein Fakt. Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong><br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;K&ouml;nnte es sein, dass die NachDenkSeiten selber das Ergebnis einer kontrollierten Sprengung von Gedankengeb&auml;uden sind, bei der kein Stein auf dem anderen blieb?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>In diesem unschuldig-verspielten Ton versuchte die S&uuml;ddeutsche Zeitung in ihrem &bdquo;Streiflicht&ldquo; vom 14.\/15. September 2019 die NachDenkSeiten um den Verstand zu bringen.<\/p><p>K&ouml;nnte es sein, dass die S&uuml;ddeutsche Zeitung wei&szlig;, wie man Wirklichkeiten gaga-isiert und Simulationen von Wirklichkeiten zum Kerngesch&auml;ft macht?<\/p><p>K&ouml;nnte nicht nur sein &ndash; ist so.<\/p><p><strong>Ein inszeniertes Ereignis, an dem die S&uuml;ddeutsche Zeitung mitgewirkt hat &hellip; und mit Derealisierung erwidert: &bdquo;<em>Also alles gef&auml;lscht und inszeniert? Nein.<\/em>&ldquo;<\/strong><\/p><p>Am 7. Januar 2015 ereignete sich in Paris ein Anschlag auf die Satirezeitschrift <em>Charlie Hebdo<\/em>, bei dem elf Menschen ermordet wurden, in der Mehrheit Mitglieder einer Redaktionssitzung. Danach, so die Polizeiversion, fl&uuml;chteten die beiden Angreifer. Zwei Tage sp&auml;ter st&uuml;rmte ein weiterer Attent&auml;ter einen koscheren Supermarkt im Osten von Paris, t&ouml;tete einige Kunden und nahm die anderen als Geisel. In einem Telefonanruf stellte er die Tat in Verbindung mit dem Anschlag auf <em>Charlie Hebdo<\/em> und forderte: &bdquo;<em>Frankreich soll alle seine Truppen aus s&auml;mtlichen muslimischen L&auml;ndern abziehen<\/em>&ldquo;. Die Polizei umstellte wenig sp&auml;ter den Supermarkt und st&uuml;rmte ihn. Insgesamt wurden dort f&uuml;nf Personen get&ouml;tet &ndash; unter ihnen auch der mutma&szlig;liche Attent&auml;ter. Am selben Tag erschoss eine Sondereinheit der Gendarmerie die beiden anderen Attent&auml;ter, die sich in einer Druckerei in dem Ort Dammartin-en-Go&euml;le verschanzt hatten.<\/p><p>Nachdem diese tot waren und sich eine angeblich dritte Beteiligte nicht mehr in Frankreich aufhielt, konzentrierten sich alle Medien auf den politischen und ideologischen Hintergrund der Tat. Zusammengefasst lautete das Fazit so: Der Islamische Staat\/IS f&uuml;hrt seinen Krieg im Namen des Koran und des Propheten Mohammed im Nahen Osten (Syrien, Irak) und tr&auml;gt ihn nun auch nach Europa. Dies sei die Antwort auf die &bdquo;Anti-IS-Allianz&ldquo; des Westens, die seit Monaten einen Krieg auf syrischem und irakischem Boden f&uuml;hrt, um zu &bdquo;neutralisieren&ldquo;, was sie als IS ausmacht.<\/p><p>Neben dieser au&szlig;enpolitischen Einordnung musste es auch zu einer innenpolitischen Deutung kommen. Und die war so fantastisch und sagenhaft wie die Begr&uuml;ndungen f&uuml;r einen Gottesstaat: Dieser m&ouml;rderische Angriff auf eine Satirezeitschrift sei ein gemeiner Anschlag auf die Presse- und Meinungsfreiheit, die es jetzt gemeinsam zu verteidigen gelte. Ein blutiger Anschlag auf den &bdquo;freien Westen&ldquo;, wo Satire alles d&uuml;rfe, wo alle so frei sind, dass man jede Religion verspotten, jede Gottheit l&auml;cherlich machen k&ouml;nne. <\/p><p>Als Bef&uuml;rworter dieser ungew&ouml;hnlichen Freiheit waren pl&ouml;tzlich auch Au&szlig;enseiter gefragt, die Zeit ihres Lebens mehr als Staatsfeinde verfolgt, denn als Demokratiestifter gesch&auml;tzt wurden. Besonders gerne zitiert man ausnahmsweise Kurt Tucholsky: <\/p><p><em>&bdquo;Die Satire muss &uuml;bertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht&ldquo;<\/em> oder <em>&bdquo;Was darf die Satire? Alles&ldquo;<\/em>.<\/p><p>Das sei jetzt &ndash; so h&ouml;rt man von ganz oben &ndash; unsere Freiheit, die wir alle so sch&auml;tzen, ob als Regierung oder als Volk. Deshalb st&uuml;nden wir jetzt zusammen, um dieses gemeinsame Gut zu sch&uuml;tzen &ndash; gegen die Feinde der Freiheit, die selbstverst&auml;ndlich und klar indiziert von au&szlig;en kommen: mit Bart, mit dem Koran in der Hand und mit Hass im kalten Herzen.<\/p><p>Damit wurde innenpolitisch ein nationaler Konsens imaginiert, der auch in Frankreich seit Jahren zerbrochen, zerschlissen und aufgebraucht war und ist &ndash; und gerade deshalb umso heftiger beschworen werden muss. Genau diese Chance sah auch die S&uuml;ddeutsche Zeitung: Jetzt sollte die &bdquo;<em>Gunst der schrecklichen Stunde<\/em>&ldquo; genutzt werden, um diesen nationalen Konsens zu revitalisieren.<\/p><p><strong>Die Gunst der schrecklichen Stunde und ihre B&uuml;hnenbildner<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den 11. Januar 2015 war ein Trauermarsch in Paris angek&uuml;ndigt. Man rechnete mit &uuml;ber einer Million Menschen alleine in Paris. So unterschiedlich die Motive zur Teilnahme auch waren, es sollte eine Demonstration der westlichen Wertegemeinschaft werden, die zusammenkommt, um gemeinsam die Freiheit zu verteidigen. Dazu wurden viele Regierungschefs eingeladen.<\/p><p>Tats&auml;chlich waren die Kamerabilder und -perspektiven beeindruckend, &uuml;berw&auml;ltigend und ganz speziell. Ganz vorne, an der Spitze, sieht man die ersten Reihen, die aus Regierungschefs gebildet wurden. In der Mitte der franz&ouml;sische &ndash; f&uuml;r diesen Tag gleichsam unser aller &ndash; Pr&auml;sident Fran&ccedil;ois Hollande. Um ihn herum, an seiner Seite der &bdquo;freie&ldquo; Westen und seine Freunde: Gro&szlig;britanniens Premier David Cameron, der spanische Regierungschef Mariano Rajoy, der ukrainische Oligarch und Regierungschef Petro Poroschenko, der israelische Ministerpr&auml;sident Benjamin Netanjahu, der pal&auml;stinensische Pr&auml;sident Mahmud Abbas, der t&uuml;rkische Regierungschef Ahmet Davutoglu, Jordaniens K&ouml;nig Abdullah II., die Staatschefs aus &Auml;gypten und Algerien u.v.a.m.<\/p><p>Dann gibt Hollande ein Zeichen, das Zeichen zum Losgehen. Die erste Reihe, mit eingehakten Regierungschefs wogt wie eine Welle einen Schritt nach vorne. Die Demonstration beginnt, setzt sich in Bewegung. Mit diesen Bildern im Ged&auml;chtnis schwenken die Kameras nach oben, ver&auml;ndern die Perspektive. Nun sieht man die Zehntausende, die folgen, die Hunderttausende, die an diesem Trauermarsch teilnehmen. <\/p><p>So wurde es tagelang, auf privaten wie &ouml;ffentlichen Sendern, gezeigt. Ein eindrucksvolles Zeichen, dass oben und unten, vorne und hinten, links und rechts, schwerreich und bitterarm, Banlieues und Gated Communities keine Rolle spielen, wenn es um die Freiheit geht. Eine einzige und geeinte Gemeinschaft.<\/p><p><strong>Wenn &bdquo;freie&ldquo; Medien etwas sehen, was gar nicht stattfand<\/strong><\/p><p><strong>Die Ikonisierung einer L&uuml;ge<\/strong><\/p><p>Die Zeitungen, die sich immer und fortan der Meinungs- und Pressefreiheit verpflichtet f&uuml;hlen, schrieben auf, was sie mit eigenen Augen hautnah miterlebt haben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Seite an Seite im Gedenken an die Opfer der Anschl&auml;ge von Paris. Mehr als 40 Staats- und Regierungschefs haben heute an dem Trauermarsch teilgenommen.&ldquo; (ARD\/Tagesschau\/Jan Hofer am 11.1.2015)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;15: 31|An der Spitze des Schweigemarsches stehen die in schwarz gekleideten Regierungschefs Schulter an Schulter. Jetzt setzen sie sich in Bewegung.&ldquo; (Jana Stegemann, SZ vom 11.1.2015)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Etwa 50 Staats- und Regierungschefs kamen zu dem Trauermarsch nach Paris, darunter Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister David Cameron.&ldquo; (ZEIT vom 12.1.2015)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Staatschefs aus aller Welt vereinen sich zu riesiger Demonstration in Paris.&ldquo; (World leaders unite for massive Paris march, The Washington Post vom 11.1.2015).\n<\/p><\/blockquote><p>Manche Fernsehberichte waren mit dem Ton des Demonstrationszuges unterlegt. Alles also ganz authentisch und unter die Haut gehend.<\/p><p>Diese Szenen wurden tagelang wiederholt, zu jedem Anlass eingeblendet. Jede Talkshow, die sich den politischen Konsequenzen aus diesem m&ouml;rderischen Anschlag widmete, unterlegte ihr Anliegen mit diesen Bildsequenzen. Sie sollten und sollen sich einbrennen, ganz tief, ganz unerreichbar f&uuml;r das, was wirklich passiert(e).<\/p><p>Noch in derselben Nacht tauchten die ersten Bilder im Internet auf, die nicht ins Bild, schon gar nicht in diese Choreografie passten. Eines wurde von einem Fenster mit Blick auf die Stra&szlig;e aufgenommen. Man sieht einen Politikertross aus ca. 40 Personen. Dahinter ist die Stra&szlig;e leer, die B&uuml;rgersteige auch. Schnell machte dieses Bild die Runde. Dann kam ein weiteres Bild dazu, das wahrscheinlich von einem Dach aus aufgenommen wurde. Von dort oben blickt man in die Stra&szlig;enschlucht. Auf diesem sieht man, wie ein Tross aus Fotografen und Kamerateams vor dem Politikertross Stellung nimmt und Fotos macht. Das Bild wird mit der Anmerkung kommentiert, dass es in einer Seitenstra&szlig;e aufgenommen wurde, die f&uuml;r diesen Anlass abgesperrt worden war. Auch der Zeitpunkt dieser Aufnahme wird genannt. Es ist eine halbe Stunde vor Beginn des Trauermarsches: &bdquo;Nach kurzer Zeit seien dann alle Spitzenpolitiker wieder in ihre Autos gestiegen und davongefahren, berichtet Le Monde.&ldquo; (Der SPIEGEL vom 12.1.2015)<\/p><p>Mit diesen Bildern wird sehr schnell klar: Die Berichterstattung &uuml;ber den Trauermarsch in Paris ist manipuliert worden. An der Manipulation dieses Ereignisses waren alle Journalisten und Fernsehsender beteiligt, die diesen Akt in der Seitenstra&szlig;e fotografierten, um ihn dann mit dem sp&auml;ter beginnenden Trauermarsch zusammenzuschneiden. Sie wurden nicht betrogen. Sie waren aktiver Teil des Betrugs. Im US-Krieg gegen den Irak bekam ein solcher Journalismus den Namen: <em>embedded journalism<\/em>.<\/p><p>Tats&auml;chlich folgten den Politikern nicht eineinhalb Millionen Menschen, sondern ausschlie&szlig;lich Bodyguards und Sicherheitspersonal.<\/p><p>Nachdem diese Inszenierung nicht mehr zu verheimlichen war, sahen sich einige Medien dazu gezwungen, Stellung zu beziehen. Schlie&szlig;lich war dies ein Tag, an dem die Presse- und Meinungsfreiheit wortreich verteidigt werden sollte. Ganz praktisch war man gemeinsam mit einer Manipulation besch&auml;ftigt.<\/p><p>Am 14. Januar 2015 nahm die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> Stellung. Pl&ouml;tzlich hatte sie auch ein anderes Foto &ndash; aus einer anderen Perspektive &ndash; parat: Dieses zeigt die Politikerriege so, dass man auch &uuml;ber ihre K&ouml;pfe hinwegsehen konnte. Und was sieht man dort? Eine einsame Ansammlung von Politikern, gefolgt von einer gro&szlig;en (Sicherheits-)L&uuml;cke, die am Ende von Personen abgeschirmt wird, die mit Armbinden gekennzeichnet, Polizeiaufgaben wahrgenommen hatten. Links und rechts von der Stra&szlig;e stehen Absperrgitter, wieder von Securitypersonal garniert. Dieses Bild untertitelte die SZ wie folgt: &bdquo;<em>Allzu nahe kamen die Spitzenpolitiker aus aller Welt den normalen Demonstranten nicht. Das hatte wohl vor allem Sicherheitsgr&uuml;nde.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<em>Wo ist das Volk?<\/em>&ldquo; versuchte die SZ die nicht mehr zu unterdr&uuml;ckende Manipulation zum Vern&uuml;nftigen zu erkl&auml;ren: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Stimmen die Bilder? Standen die Politiker wirklich an der Spitze des Protestzuges in Paris? &Uuml;ber das Bild von den untergehakten Politikern ist jedenfalls eine heftige Zankerei im Internet entbrannt, so wie &uuml;ber vieles im Netz gern gezankt wird.&ldquo; (SZ vom 14.1.2015)\n<\/p><\/blockquote><p>Zickereien eben, N&ouml;rgler, denen nie etwas recht zu machen ist. Diese d&uuml;mmlichen Denunziationen waren notwendig, um den LeserInnen im Folgenden zu erkl&auml;ren, dass F&auml;lschungen und T&auml;uschungen keine sind, wenn sie im Namen der Sicherheit gemacht werden: <\/p><blockquote><p>\n<strong>&bdquo;Also alles gef&auml;lscht und inszeniert? Nein. Schon die Vorstellung, dass ein einziger Staatschef wenige Tage nach dem schlimmsten Terroranschlag der vergangenen Jahre in Europa durch Paris schlendert, w&uuml;rde jedem Personenw&auml;chter schlaflose N&auml;chte bereiten. Die Gefahr ist hoch. (&hellip;) So stehen die Politiker vor einem unaufl&ouml;sbaren Dilemma: Sie stehen an der Spitze &ndash; aber eben nicht an der Spitze einer Massendemonstration. Wer das als Inszenierung abtut, der hat das Problem nicht verstanden.&ldquo; (ebd.)<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>Man kann bei den journalistischen Verrenkungen fast zusehen, wie sich die Finger dabei versteifen: Die uns besch&uuml;tzenden Politiker stehen an der Spitze, so oder so. Da kommt es auf ein (falsches) Bild nicht an. Nocheinmal zum Mitschreiben: Um die Presse- und Meinungsfreiheit zu verteidigen, die angegriffen wurde, muss man diese eben auch mal mit F&uuml;ssen treten. Wer da nicht mitmacht und rumzickt, der &bdquo;hat das Problem nicht verstanden&ldquo;.<\/p><p>So unterschiedlich kann Meinungsfreiheit verstanden und gelebt werden! Gehen wir einmal davon aus, dass die Parole &bdquo;<strong>On n&rsquo;a pas peur!<\/strong>&ldquo; (Wir haben keine Angst!) f&uuml;r alle x-beliebigen DemonstrantInnen gemeint war und nicht f&uuml;r Politiker von Rang. Gehen wir weiter davon aus, dass dies vern&uuml;nftig und richtig ist. Warum zeigte man dies nicht genau so? <\/p><p>Sicherlich werden einige verst&auml;ndnisvoll einwenden, dass dieser Demo-Fake nicht so wichtig ist. Schlie&szlig;lich geht es doch nur um einen symbolischen Akt. Man kann dieses Ereignis auch anders beurteilen. Man sollte es tun &ndash; wenn man die Meinungs- und Pressefreiheit wirklich verteidigen will. Wenn man bei jeder anderen Gelegenheit darauf insistiert, einer Presse zu misstrauen, die sich zum Sprachrohr des Staates, der Regierungspartei macht.<\/p><p>Wenn so viele Journalisten und Fernsehschaffende, so viele Zeitungs- und Fernsehredaktionen bei einem symbolischen Akt an Manipulationen mitwirken, an der Herstellung und Verbreitung einer L&uuml;ge beteiligt sind, dann stellt sich die Frage: Was tun sie, wenn es um wirklich ernste Angelegenheiten geht? Um die Aufkl&auml;rung der NSU-Morde, um Aufkl&auml;rung des NSA-Skandals oder um ihre eigene Rolle als KriegsberichterstatterInnen, in der Ukraine, in Syrien, in Libyen, in Afghanistan, im Irak?<\/p><p>Die Antwort haben viele Medien bereits gegeben.<\/p><p><strong>L&uuml;genpresse<\/strong><\/p><p>Die Jury, die das <strong>Unwort des Jahres<\/strong> k&uuml;rt, hatte f&uuml;r das Jahr 2014 ein N&auml;schen, fast k&ouml;nnte man sagen, eine b&ouml;se Vorahnung, um sich und ihr Publikum zu immunisieren. Sie entschied sich f&uuml;r das Un-Wort &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo;. Zur Begr&uuml;ndung fl&uuml;chtete die Jury in die Vergangenheit. Dieses Schlagwort sei &bdquo;<em>bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff<\/em>&ldquo; gewesen &bdquo;<em>und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabh&auml;ngiger Medien<\/em>&ldquo;.<\/p><p>Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) f&uuml;hlte sich angesprochen, entlastet und erkl&auml;rte sich sofort solidarisch. Das Wort werde von Menschen gebraucht, die weder mit objektiver Berichterstattung noch mit Pressefreiheit etwas anfangen k&ouml;nnten. Der Pressechor stand wieder Gewehr bei Fu&szlig;. Fast einstimmig.<\/p><p>Einen Misston leistete sich immerhin die Chefredakteurin der taz, Ines Pohl: <\/p><p><em>&bdquo;Leider belegt der Umgang mit den Bildern des Pariser Marsches der M&auml;chtigen, dass das Wort &sbquo;L&uuml;genpresse&lsquo; nicht nur ein Hirngespinst der Pegida-Anh&auml;nger ist, sondern dass die Wirkung der Bilder &ndash; &uuml;brigens auch f&uuml;r deutsche Medienmacher &ndash; manchmal wichtiger ist als die Dokumentation der Realit&auml;t.&ldquo;<\/em><\/p><p>Titelbild: Phoenix<\/p><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>So viele Fragen, Das Streiflicht, SZ vom 14.\/15. September 2019<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54855\">Die S&uuml;ddeutsche polemisiert gegen die NachDenkSeiten und ihren Herausgeber<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2015\/09\/11\/fotoshooting-fuer-einen-so-nicht-stattgefundenen-trauermarsch-in-paris-2015\/\">Fotoshooting f&uuml;r einen Trauermarsch in Paris 2015, der so nie stattfand<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem niedertr&auml;chtigen &bdquo;Streiflicht&ldquo;-Kommentar der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 14.\/15. September 2019 wird den &bdquo;NachDenkSeiten&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54855\">vorgeworfen<\/a>, zu viele Fragen zu stellen. Das h&auml;lt die S&uuml;ddeutsche Zeitung f&uuml;r verd&auml;chtig. Fragen zu stellen, ist die Grundlage journalistischer Arbeit, ganz im Gegensatz zu einem Journalismus, der alles glaubt. 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