{"id":55047,"date":"2019-09-23T14:42:19","date_gmt":"2019-09-23T12:42:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55047"},"modified":"2019-09-25T15:31:06","modified_gmt":"2019-09-25T13:31:06","slug":"venezuela-zwischen-erratischer-innenpolitik-der-dialog-torpedierung-und-militaerischer-bedrohung-durch-die-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55047","title":{"rendered":"Venezuela \u2013 Zwischen erratischer Innenpolitik, der Dialog-Torpedierung und milit\u00e4rischer Bedrohung durch die USA"},"content":{"rendered":"<p>Im vergangenen Juli regte die Regierung Norwegens die Wiederaufnahme des seit Mitte 2018 auf Puerto Rico unterbrochenen Dialogs zwischen der Regierung Nicol&aacute;s Maduro und der venezolanischen Opposition unter F&uuml;hrung des Anfang 2019 selbsternannten &ldquo;Pr&auml;sidenten&rdquo;, des Abgeordneten Juan Guaid&oacute;, an. Nach nahezu einj&auml;hriger Unterbrechung und mit norwegischer Vermittlung trafen die Parteien zwischen dem 8. und 10. Juni auf der karibischen Commonwealth-Insel Barbados zur Ausarbeitung einer innenpolitischen Befriedungs-Agenda zusammen. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_425\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-55047-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190924-Venezuela-Zwischen-erratischer-Innenpolitik-der-Dialog-Torpedierung-und-militaerischer-Bedrohung-durch-die-USA-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190924-Venezuela-Zwischen-erratischer-Innenpolitik-der-Dialog-Torpedierung-und-militaerischer-Bedrohung-durch-die-USA-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190924-Venezuela-Zwischen-erratischer-Innenpolitik-der-Dialog-Torpedierung-und-militaerischer-Bedrohung-durch-die-USA-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190924-Venezuela-Zwischen-erratischer-Innenpolitik-der-Dialog-Torpedierung-und-militaerischer-Bedrohung-durch-die-USA-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=55047-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190924-Venezuela-Zwischen-erratischer-Innenpolitik-der-Dialog-Torpedierung-und-militaerischer-Bedrohung-durch-die-USA-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190924-Venezuela-Zwischen-erratischer-Innenpolitik-der-Dialog-Torpedierung-und-militaerischer-Bedrohung-durch-die-USA-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Auf Druck der rechten Opposition bildeten Forderungen nach Abhaltung freier Pr&auml;sidentschaftswahlen, der Freilassung von angeblich 500 politischen Gefangenen sowie der umgehenden &Uuml;berwindung der katastrophalen Versorgungslage im Ern&auml;hrungs- und Gesundheitsbereich in Form &ldquo;humanit&auml;rer Hilfe&rdquo; den Mittelpunkt des auf Barbados umrissenen Fahrplans. Indes brach die Regierung Maduro Anfang August die Gespr&auml;che einseitig ab, dem folgte einen Monat sp&auml;ter ebenfalls die Aufk&uuml;ndigung der Verhandlungen durch Guaid&oacute; als Vertreter der Opposition.<\/p><p>Die von der US-Regierung angeblich bef&uuml;rworteten Verhandlungen enthielten allerdings einen Januskopf und waren ausschlaggebend f&uuml;r den R&uuml;ckzug der Regierung Maduro. Zum einen unterminierte die Administration Donald Trump die Verhandlungen mit der gleichzeitigen Verh&auml;ngung neuer Sanktionen gegen Venezuela. Zum anderen entlie&szlig; Pr&auml;sident Trump den Sicherheitsberater und Sonderbeauftragten f&uuml;r Venezuela, John Bolton, per Twitter <a href=\"https:\/\/twitter.com\/realDonaldTrump\/status\/1172198767627526151\">mit den Worten<\/a>: &bdquo;Tats&auml;chlich waren meine Ansichten zu Venezuela und insbesondere zu Kuba weitaus h&auml;rter als die von John Bolton. Er hielt mich zur&uuml;ck!&rdquo;.<\/p><p>Auf den ersten Blick l&ouml;sen Trumps starke Worte Erstaunen aus und signalisieren Muskelakte, doch die &ndash; eher taktischen &ndash; Differenzen zwischen dem Pr&auml;sidenten und Bolton in der Au&szlig;enpolitik gegen&uuml;ber Venezuela und Kuba bleiben im Bereich des Nebul&ouml;sen; schlie&szlig;lich machen beide radikale Front gegen die Abhaltung von Wahlen unter einer amtierenden Regierung Nicol&aacute;s Maduro und beide rasselten wiederholt mit dem S&auml;bel eines milit&auml;rischen &Uuml;berfalls. Doch der Falke Bolton musste notgedrungen seinen Hut nehmen. Als Pate des selbsternannten &ldquo;&Uuml;bergangspr&auml;sidenten&rdquo; Juan Guaid&oacute; musste der Sicherheitsberater nicht nur dessen kl&auml;gliches Scheitern, sondern vor allem den Weiterverbleib Nicol&aacute;s Maduros an der Macht tatenlos hinnehmen.<\/p><p>In das Handlungsvakuum der venezolanischen Opposition platzten nun zwei Drohungen. Einerseits spielte Donald Trump bereits in der ersten Augusth&auml;lfte mit einer Seeblockade Venezuelas, andererseits drohte Anfang September die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) mit einem milit&auml;rischen Eingriff in Venezuela.<\/p><p>Wie das Nachrichtenportal <em>Axios<\/em> <a href=\"https:\/\/www.axios.com\/scoop-inside-trumps-naval-blockade-obsession-555166b0-06f9-494c-b9fb-9577a589e2ac.html\">von Insidern erfuhr<\/a>, schlug der US-Pr&auml;sident nationalen Sicherheitsbeamten vor, die USA sollten Kriegsschiffe entlang der venezolanischen K&uuml;ste stationieren, um zu verhindern, dass Waren nach Venezuela und von dort auf den Weltmarkt gelangen. Nach Angaben eines anonymen Beamten der Trump-Administration soll die Blockade durchgesetzt werden, bis Nicol&aacute;s Maduro zur&uuml;cktritt und Juan Guaid&oacute; an seiner Stelle die Macht &uuml;bernimmt. &bdquo;In einem Satz: Der amtierende Pr&auml;sident des Imperiums wird eine unbekannte Anzahl von Venezolanern t&ouml;ten, um die bevorzugte Regierung in Caracas zu inthronisieren&ldquo;, kommentierte Kurt Nimmow <a href=\"https:\/\/www.globalresearch.ca\/trump-ponders-deadly-blockade-venezuela\/5685529\">auf der Plattform Global Research<\/a>.<\/p><p>Auf angebliche Initiative Kolumbiens und zur eindeutigen Eskalation des Venezuela von au&szlig;en oktroyierten Konflikts beschloss der St&auml;ndige Rat der OAS am vergangenen 11. September <em>(sic!)<\/em>, den Interamerikanischen Vertrag &uuml;ber gegenseitige (milit&auml;rische) Unterst&uuml;tzung (TIAR) gegen Venezuela auszurufen.<\/p><p>Die kolumbianische Regierung behauptet, Nicol&aacute;s Maduro arbeite mit dem &bdquo;Narkoterrorismus&ldquo; zusammen und dass Venezuela bewaffneten Abtr&uuml;nnigen der ehemaligen kolumbianischen FARC und der ELN-Guerilla Schutz gew&auml;hre, sie ausbilde und finanziere, was eine &bdquo;Aggression&ldquo; gegen Kolumbien bedeute. Dass der Anlass an den Haaren herbeigezogen ist und die Behauptungen eher umgekehrt &ndash; insbesondere auf die Zusammenarbeit Juan Guaid&oacute;s mit der paramilit&auml;rischen kolumbianischen Narko-Szene &ndash; zutrifft, wurde j&uuml;ngst allerdings mit Fakten und Fotos nachgewiesen.<\/p><p><strong>Erneuer Kollaps des Dialogs<\/strong><\/p><p>Doch zur&uuml;ck nach Barbados. Am Ende der ersten Gespr&auml;chsrunde gab Norwegen die Einigung der Parteien bez&uuml;glich der Einrichtung eines sogenannten &bdquo;Verhandlungstisches&ldquo; bekannt, der &ldquo;kontinuierlich und z&uuml;gig&rdquo; zur L&ouml;sung der venezolanischen Krise beitragen werde. W&auml;hrend Nicol&aacute;s Maduro erkl&auml;rte, der Dialog, der ein &ldquo;friedliches Zusammenleben&rdquo; mit der Opposition anstrebe, befl&uuml;gle ihn mit Optimismus, wiederholte Juan Guaid&oacute; jedoch zur &Uuml;berraschung nicht nur Norwegens, die Ans&auml;tze seien lediglich Teil einer Strategie, um Maduro von der Macht zu entfernen.<\/p><p>Schon bald nach dem Barbados-Treffen schien die etwas aufgelockerte Polarisierung wieder festgefahren: Guaid&oacute; stotterte unentwegt seine Gebetsm&uuml;hle f&uuml;r &bdquo;freie Wahlen&ldquo; herunter, w&auml;hrend Maduro es vorzog, &uuml;ber &bdquo;Konfliktl&ouml;sungen&ldquo; zu verhandeln, jedoch der Frage nach Wahlterminen taktisch auswich. Beide Haltungen erzeugten selbstverst&auml;ndlich erneute Frustrationen, au&szlig;er bei Norwegen auch bei Papst Franziskus, der die Regierung Maduro in den vergangenen drei Jahren mehrmals zur Flexibilit&auml;t und Standhaftigkeit im Dialog ermahnt hatte.<\/p><p>Der &ldquo;Dialog&rdquo; dauerte jedoch auch diesmal kaum wenige Wochen: Am 7. August brach die Regierung Maduro die Gespr&auml;che ab und begr&uuml;ndete den Entschluss mit der Erkl&auml;rung, Guaid&oacute; habe erneute US-Wirtschaftssanktionen f&uuml;r hochrangige Beamte der venezolanischen Regierung begr&uuml;&szlig;t und unterst&uuml;tzt. Mit Hinweis an die norwegischen Beh&ouml;rden signalisierte Wochen sp&auml;ter Pr&auml;sident Maduro, er werde zum Dialog zur&uuml;ckkehren, falls Guaid&oacute; seine Absicht, das historisch umstrittene <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/mundo\/noticias-america-latina-43600074\">Esequibo-Gebiet<\/a>, zwischen Venezuela und Guyana, an die ehemalige britische Kolonie abzutreten, zur&uuml;cknehme.<\/p><p>Damit nicht genug, er&ouml;ffnete die venezolanische Staatsanwaltschaft deshalb am 7. September gegen Guaid&oacute; eine <a href=\"https:\/\/www.efe.com\/efe\/america\/politica\/la-fiscalia-investiga-a-guaido-por-desistir-de-disputa-territorial-con-guyana\/20000035-4058427\">Anklage wegen &bdquo;Hochverrats&rdquo;<\/a>. Wenige Tage sp&auml;ter beschuldigte Diosdado Cabello &ndash; Vorsitzender der Verfassunggebenden Versammlung &ndash; Guaid&oacute; der <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/es\/diosdado-cabello-acusa-a-guaid%C3%B3-de-v%C3%ADnculos-con-narcotraficantes-colombianos\/a-50410167\">Komplizenschaft mit kolumbianischen Paramilit&auml;rs und dem Drogenkartell<\/a>, genannt &ldquo;Rastrojos&rdquo; (&ldquo;Feldstoppeln&rdquo;). Cabellos Anschuldigung beruht allerdings auf einer Meldung des kolumbianischen Menschenrechts-Aktivisten Wilfredo Ca&ntilde;izares, dem am 12. September auf Twitter die Abbildung Guaid&oacute;s, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/wilcan91\/status\/1172106194695143424\">Arm in Arm mit zwei F&uuml;hrern der &ldquo;Rastrojo&rdquo;-Bande<\/a>, gelungen war. Ca&ntilde;izares enth&uuml;llte aber mehr. In seiner Bildzeile schrieb er: &ldquo;Wir haben es von Anfang an gesagt: Die Grenz&uuml;berquerung Herrn @jguaidos nach Kolumbien am 23. Februar wurde mit den Rastrojos abgestimmt&ldquo;.<\/p><p>Zur Erinnerung: Am 23. Februar 2019 hatten Regime-Change-Strategen in der Regierung Donald Trump mit Hilfe Kolumbiens und Brasiliens einen Lkw-Konvoi mit sogenannter &bdquo;humanit&auml;rer Hilfe&ldquo; &uuml;ber die kolumbianische Grenzstadt C&uacute;cuta <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49660\">nach Venezuela einzuschleusen versucht<\/a> und mit der falschen Einsch&auml;tzung einer Spaltung der venezolanischen Streitkr&auml;fte auf einen Staatsstreich gegen Pr&auml;sident Maduro gewettet. Die medial ausgeschlachtete &bdquo;Schlacht von C&uacute;cuta&ldquo; scheiterte jedoch als Abenteuer st&uuml;mperhafter Anf&auml;nger und bedeutete die erste politische Niederlage des von den USA zur Gallionsfigur aufgebauten Juan Guaid&oacute;, aber auch John Boltons.<\/p><p>Ca&ntilde;izares lieferte jedoch Einzelheiten &uuml;ber die Zusammenarbeit der rechtsextremen venezolanischen Opposition mit kolumbianischen Verbrecher-Syndikaten. &bdquo;Wir haben erfahren, dass Los Rastrojos einen Sicherheitskorridor f&uuml;r die Grenz&uuml;berschreitung Juan Guaid&oacute;s eingerichtet haben. &hellip; Wir haben Beweise daf&uuml;r, dass sie eine Operation ins Leben gerufen und die Gemeinden, durch die Guaid&oacute; marschiert ist, zum R&uuml;ckzug und Stillschweigen gezwungen haben. Sie zwangen Leute zum Schlafengehen und verh&auml;ngten ein Fahrverbot f&uuml;r Motorr&auml;der durch C&uacute;cuta und Norte de Santander. Wir haben jahrelang die Umtriebe der Stoppeln angeprangert. Wir wollten die Aufmerksamkeit der &ouml;ffentlichen Verwaltung und des B&uuml;rgermeisteramtes darauf richten&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.wradio.com.co\/noticias\/regionales\/rastrojos-permitieron-el-paso-de-juan-guaido-a-cucuta-el-23-de-febrerowilfredo-canizares\/20190912\/nota\/3952730.aspx\">erkl&auml;rte Ca&ntilde;izares<\/a>.<\/p><p>Nach den schweren Anschuldigungen erkl&auml;rte nun auch Guaid&oacute; am vergangenen 15. September den <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/es\/guaid%C3%B3-abandona-tambi%C3%A9n-el-di%C3%A1logo-de-barbados\/a-50442324\">Austritt des von ihm gef&uuml;hrten Oppositionsblocks<\/a> aus den Barbados-Verhandlungen.<\/p><p><strong>Trumps Androhung einer Seeblockade<\/strong><\/p><p>Doch w&auml;hrend des Dialogs hatte Trump neue Sanktionen verh&auml;ngt und gar eine Seeblockade gegen Venezuela erwogen. Der US-Pr&auml;sident regte die Idee zun&auml;chst im begrenzten Kreis seiner Sicherheitsberater an, lie&szlig; sie jedoch &ndash; mit gewohnt schr&auml;ger, medialer Abschreckungsabsicht &ndash; dann &ouml;ffentlich verbreiten. Nach Angaben von Axios soll Trump einem der Beamten w&ouml;rtlich gesagt haben, &bdquo;verhindern Sie, dass alles (nach Venezuela) hereinkommt&rdquo;. Unter US-Beamten kursiert die Annahme, die venezolanische Armee sei nicht in der Lage, einen Milit&auml;rschlag der USA erfolgreich abzuwenden.<\/p><p>Pr&auml;sident Maduro konterte in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WSpMUdp8mY8\">gefilmten Interview<\/a> mit der brasilianischen Tageszeitung Folha de S&atilde;o Paulo, er wolle nicht &uuml;ber Krieg sprechen, doch sei er selbstverst&auml;ndlich bereit, Venezuela zu verteidigen: &bdquo;All diese Drohungen der Regierungen Bolsonaro und Donald Trump gegen Venezuela haben die bolivarischen Streitkr&auml;fte ideologisch und institutionell nur noch st&auml;rker zusammengef&uuml;hrt&ldquo;, erkl&auml;rte er gegen&uuml;ber der Journalistin Monica Bergamo.<\/p><p>Die Provokation Trumps und die Anstiftung Kolumbiens zur l&auml;cherlichen Ausrufung des TIAR-Vertrages &uuml;ber gegenseitige Verteidigung werden indes von zwei Nebenhandlungen mitangetrieben. Zum einen wurde die Androhung der Seeblockade verk&uuml;ndet, nachdem wenige Tage zuvor Russland und Venezuela den Austausch von Kriegsschiffen zwischen ihren H&auml;fen angek&uuml;ndigt hatten; zum anderen schielt Trump damit auf seine Wiederwahl, genauer: auf die 418.366 exilierten Venezolaner, die seit 2017 in den USA leben, davon mindestens 200.000 in Florida.<\/p><p>China &ndash; Venezuelas gegenw&auml;rtiger Hauptgl&auml;ubiger und Investor &ndash; und Russland reagierten mit Aufrufen zur Einhaltung der internationalen Legalit&auml;t und mit Protesten gegen Trumps Drohung und den TIAR-Vertrag. Mit Verweis auf den OAS-Beschluss erkl&auml;rte Hua Chunying, Sprecherin des chinesischen Au&szlig;enministeriums, ihre Regierung lehne eine ausw&auml;rtige Einmischung in Venezuela ab, forderte die Einhaltung der Charta der Vereinten Nationen sowie der Grundregeln f&uuml;r internationale Beziehungen ein und empfahl die Weiterentwicklung des politischen Dialogs.<\/p><p>Die <a href=\"https:\/\/www.telam.com.ar\/notas\/201908\/382806-rusia-culpa-a-la-irracionalidad-de-washington-por-la-suspension-del-dialogo-entre-venezolanos.html\">Erkl&auml;rung des russischen Au&szlig;enministeriums<\/a> fiel sch&auml;rfer aus. Die Regierung Wladimir Putin wirft Washington eine &bdquo;irrationale Politik gegen&uuml;ber Venezuela und seinen legitimen Beh&ouml;rden&ldquo; vor. Russland verurteile &bdquo;aufs Sch&auml;rfste die offene Einmischung der USA in die Angelegenheiten eines souver&auml;nen Staates, eines strategischen Partners Russlands&rdquo; und warf der von Juan Guaid&oacute; angef&uuml;hrten Opposition die Unterst&uuml;tzung der &bdquo;aggressiven und einseitigen Ma&szlig;nahmen&rdquo; der USA vor. Guaid&oacute;s Haltung zeige, dass er bereit sei, die Normalisierung der Situation zugunsten seiner &bdquo;pers&ouml;nlichen Ambitionen&rdquo; zu opfern.<\/p><p><strong>Vorl&auml;ufiger Epilog<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wer keinen Hund hat, zieht mit einer Katze in die Jagd&ldquo;, hei&szlig;t es in einem ironischen brasilianischen Sprichwort, das Nicol&aacute;s Maduros j&uuml;ngsten Schachzug treffend umschreibt.<\/p><p>Am vergangenen 16. September zelebrierte die Regierung Maduro in Gegenwart eines Teils der diplomatischen Vertretungen im Lande ein neues Abkommen mit einer Fraktion der venezolanischen Opposition. Die <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/es\/20190917-maduro-guaido-dialogo-oposicion-barbados\">Parteien einigten sich<\/a> auf einen &bdquo;nationalen Dialogtisch&ldquo;, der die R&uuml;ckkehr der Regierungspartei PSUV mit ihren 54 Abgeordneten in das unter dem Vorsitz Guaid&oacute;s befindliche Parlament (167 Abgeordnete), die Reform und Neubesetzung der Wahlbeh&ouml;rde und die Freilassung politischer Gefangener festlegt.<\/p><p>Unterzeichner des Abkommens waren Vizepr&auml;sidentin Delcy Rodr&iacute;guez, der Minister f&uuml;r Information und Kommunikation, Jorge Rodr&iacute;guez, und Au&szlig;enminister Jorge Arreaza. Die Gegenseite wurde durch den Parlamentarier Timoteo Zambrano, den ehemaligen B&uuml;rgermeister Claudio Ferm&iacute;n und den Generalsekret&auml;r der Bewegung f&uuml;r Sozialismus (MAS), Felipe Mujica, vertreten. Zambrano, Ferm&iacute;n und Mujica vertreten allerdings eine politische und zahlenm&auml;&szlig;ige Minderheit in und au&szlig;erhalb des Parlaments, die das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zwischen dem amtierenden Chavismo und der Opposition vorl&auml;ufig nicht entscheidend ver&auml;ndern wird, so jedoch zweifellos einen weiteren Keil ins Getriebe des ultrakonservativen Blocks um Juan Guaid&oacute; treibt und die Regierung Nicol&aacute;s Maduro Zeit gewinnen l&auml;sst f&uuml;r die breite Debatte &uuml;ber Zeitpunkt und Protagonisten einer f&auml;lligen Pr&auml;sidentschaftswahl.<\/p><p>Juan Guaid&oacute; empfahl, er und Nicol&aacute;s Maduro sollten als Kandidatur-Anw&auml;rter zur&uuml;cktreten. Es bleibt abzuwarten, ob Guaid&oacute; nicht noch einmal falschspielt und ob sich der amtierende Chavismo auf eine breite Beteiligung seiner Basis zur Bestimmung von Maduros Nachfolger ernsthaft einl&auml;sst.<\/p><p>Titelbild: Tuangtong Soraprasert\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im vergangenen Juli regte die Regierung Norwegens die Wiederaufnahme des seit Mitte 2018 auf Puerto Rico unterbrochenen Dialogs zwischen der Regierung Nicol&aacute;s Maduro und der venezolanischen Opposition unter F&uuml;hrung des Anfang 2019 selbsternannten &ldquo;Pr&auml;sidenten&rdquo;, des Abgeordneten Juan Guaid&oacute;, an. Nach nahezu einj&auml;hriger Unterbrechung und mit norwegischer Vermittlung trafen die Parteien zwischen dem 8. und 10.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55047\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":55048,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20],"tags":[2315,379,2565,2160,2071,1418,259,1800,1556,1333,1019],"class_list":["post-55047","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","tag-bolton-john","tag-china","tag-guaido-juan","tag-kolumbien","tag-maduro-nicolas","tag-regime-change","tag-russland","tag-trump-donald","tag-usa","tag-venezuela","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/shutterstock_304079975.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55047","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=55047"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55047\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":55127,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55047\/revisions\/55127"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/55048"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=55047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=55047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=55047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}