{"id":5512,"date":"2010-05-10T15:32:52","date_gmt":"2010-05-10T13:32:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5512"},"modified":"2014-03-05T12:28:56","modified_gmt":"2014-03-05T11:28:56","slug":"eu-endlich-auf-dem-richtigen-weg-jetzt-sollte-noch-die-subventionierung-der-taeter-beendet-werden-finanzkrise-xl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5512","title":{"rendered":"EU endlich auf dem richtigen Weg \u2013 jetzt sollte noch die Subventionierung der T\u00e4ter beendet werden (Finanzkrise XL)"},"content":{"rendered":"<p>Die Beschl&uuml;sse vom Wochenende k&ouml;nnen dazu beitragen, die Spekulation gegen einzelne L&auml;nder und gegen den Euro zu beenden. Da teile ich die Meinung von Gustav Horn vom IKM (siehe Anlage 1). Allerdings halte ich es f&uuml;r sinnvoll und notwendig, die Strategie und Beschl&uuml;sse demn&auml;chst so zu ver&auml;ndern, dass die Spekulanten nicht auch noch f&uuml;r ihr mieses Verhalten belohnt werden. Dazu unten zwei Vorschl&auml;ge. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nEs hat lange &ndash; viel zu lange &ndash; gedauert, bis sich die Spitzen Europas dazu durchgerungen haben, den Spekulanten zu begegnen. Insbesondere die deutsche Bundesregierung hat mit ihrem Abwarten und Z&ouml;gern wesentlich dazu beigetragen, die Stabilisierung sehr teuer zu machen. Auch die Europ&auml;ische Zentralbank hat in diesem Prozess keine gute Rolle gespielt. Man musste den Eindruck gewinnen, dass die Verantwortlichen den Ernst der Lage nicht erkennen, und manche innenpolitische und wahlpolitische Erw&auml;gung wichtiger war als die Pr&uuml;fung der Sache in einem sehr gef&auml;hrlichen Spiel. <\/p><p>Es sind nun schon fast drei Jahre vergangen, seit offenbar wurde, dass sich die private Industriekreditbank (IKB) ma&szlig;los mit wertlosen US-Papieren verspekuliert hat. &Uuml;ber 8 Milliarden &euro; hat uns diese private Spekulation gekostet. Schon damals schworen die verantwortlichen Politiker, die Finanzm&auml;rkte besser regulieren zu wollen. Nichts Entscheidendes ist geschehen. Die Vorg&auml;nge um Griechenland zeigten, dass die Spekulation munter weiter geht, wenn nicht deutlich signalisiert wird, dass sich die Spekulation nicht lohnt.<\/p><p>Dabei g&auml;be es zwei einfache Wege, wie man einem Gro&szlig;teil der Spekulanten das Handwerk legen k&ouml;nnte: Der erste ist der von Pr&auml;sident Obama vorgeschlagene, n&auml;mlich  die Banken aufzuspalten. Bankgesch&auml;fte w&uuml;rden danach getrennt in solche, die auf Publikumseinlagen und Liquidit&auml;tszufuhr der Notenbanken beruhen und zu normalen Krediten f&uuml;r richtige Sachinvestitionen f&uuml;hren, und solche, die auf spekulativen, f&uuml;r die Gesellschaft nutzlosen und gef&auml;hrlichen Aktivit&auml;ten beruhen oder diese f&ouml;rdern. Das Investmentbanking geh&ouml;rt weitgehend in die zweite Kategorie. W&uuml;rde man den normalen Banken dann noch untersagen, Kredite f&uuml;r reine Spekulationsgesch&auml;fte zu gew&auml;hren, w&auml;re das Kasino weitgehend ausgetrocknet. Dieser Weg ist freilich m&uuml;hsam und auf dem Gesetzgebungsweg liegen viele von den Lobbyisten errichtete Hindernisse. Ein viel eleganterer und naheliegenderer Weg zur Eind&auml;mmung der Spekulation durch Banken wird dagegen mit Argusaugen betrachtet. Ans&auml;tze dazu sind allerdings in den EU-Beschl&uuml;ssen vom Wochenende enthalten.. <\/p><p>Wir nehmen es heute klaglos hin, dass die gleichen Banken, die von den Zentralbanken einschlie&szlig;lich der Europ&auml;ischen Zentralbanken fast zum Nulltarif mit Liquidit&auml;t versorgt werden, mit genau dem Geld in die Kasinos zum Zocken gehen und sogar, wie wir es jetzt in Europa sahen, gegen die gleichen Staaten spekulieren, die sie mit dieser Liquidit&auml;t ausgestattet haben.   <\/p><p>Es ist ja schon ein schlechter Witz, dass Banken vom Staat das Geld via Zentralbank zum Nulltarif bekommen und damit Staatsanleihen dieses Staates kaufen, die weit h&ouml;here Zinsen abwerfen. Wodurch ist eine solche massive Subventionierung von Bonimachern und Zockern durch den Steuerzahler gerechtfertigt? Sie entspringt doch nur dem neoliberalen Dogma &ndash; das es allerdings auch in die Vertr&auml;ge von Maastricht geschafft hat &ndash; , wonach der Staat immer alles falsch macht und nur die Weisheit der &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; den Staat daran hindert, das Geld zu verschleudern. <\/p><p>Der schlechte Witz wurde aber zum Skandal, als die Banken nicht nur Staatsanleihen zu normalen Bedingungen kauften, sondern mit dem vom Staat bereit gestellten Geld auf einen Bankrott von befreundeten Staaten spekulieren und Horden von Investmentbankern zusammen mit anderen Spekulanten die Zinsen, wie im Falle Griechenlands offensichtlich, nach oben treiben. <\/p><p>Warum nahm bisher die Europ&auml;ische Zentralbank nicht den Staaten direkt Staatsanleihen ab, sondern nur &uuml;ber den Umweg der Refinanzierung der Banken? Gab es daf&uuml;r einen ernstzunehmenden Grund oder nur die alte Ideologie, dass das unweigerlich zur Inflation f&uuml;hre, weil die &bdquo;unverantwortlichen Staatenlenker&ldquo; nicht mit dem Geld umgehen k&ouml;nnen und des seri&ouml;sen Bankers als Warner bed&uuml;rfen? M&uuml;ssen wir uns sklavisch an das Verbot im Maastricht-Vertrag halten? In der Sache bringt das nichts. In Zeiten des Zockerbankertums ist das geradezu l&auml;cherlich. Das d&auml;mmert langsam auch den Verantwortlichen in Br&uuml;ssel und bei der Mehrheit der europ&auml;ischen Regierungen. Wenn die Finanzkrise etwas gezeigt hat, dann die Tatsache, dass die Zocker, die sich Investmentbanker nennen, nicht mit Geld umgehen k&ouml;nnen, und schon gar nicht mit billigem Zentralbankgeld. <\/p><p>Wenn die Europ&auml;ische Zentralbank damit beginnt, den Staaten &ndash; unter den gleichen quantitativen Restriktionen, wie sie von der EZB f&uuml;r richtig gehalten werden &ndash;, direkt Staatsanleihen abzunehmen (was die USA und Gro&szlig;britannien ohnehin schon vorgemacht haben), dann wird nicht nur die Spekulation gegen diese Anleihen verhindert, sondern auch den Banken eine ganz erhebliche Menge an Spielmaterial weggenommen. Ungerechtfertigte Gewinne, die in diesen Tagen wieder gefeiert werden, w&uuml;rden ebenso verschwinden wie die gro&szlig;en Boni, die nicht Ausdruck von gro&szlig;er Leistung sind, sondern lediglich von einer privilegierten Position von Institutionen, die sich Banken nennen &ndash; abgezweigte Einkommen.    <\/p><p>Wenn die Banken als Investmentbanken ausgeschaltet werden, dann bringt das &ndash; volkswirtschaftlich betrachtet &ndash;  einen gro&szlig;en Gewinn: es werden nicht mehr weiter Ressourcen verschwendet f&uuml;r einen wirklich nicht produktiven Wirtschaftszweig. Die Finanzwirtschaft war in den Hochzeiten des Kasinobetriebs stolz darauf, dass sie 5 oder &ndash; wie in Gro&szlig;britannien &ndash; sogar nahezu 10 % der Wertsch&ouml;pfung der Volkswirtschaft erbringe. Dieser Stolz ist unberechtigt. Es ist der Stolz auf die Verschwendung von Ressourcen. Die Spekulation im Finanzcasino verschlingt unn&ouml;tig Ressourcen, die wir f&uuml;r andere n&uuml;tzliche T&auml;tigkeiten gebrauchen k&ouml;nnen .  <\/p><p><strong>Anhang 1:<\/strong><\/p><p>Betreff: [Presse] Pressemitteilung Hans-B&ouml;ckler-Stiftung: Horn: EU-Beschl&uuml;sse stabilisieren W&auml;hrungsunion<\/p><p>10.05.2010<\/p><p><strong>&ldquo;Klares Signal gegen Spekulation und irrationale Ausschl&auml;ge&rdquo;<\/strong><\/p><p><strong>Horn: EU-Beschl&uuml;sse stabilisieren W&auml;hrungsunion<\/strong><\/p><p>Die EU-Finanzminister haben mit ihren Beschl&uuml;ssen vom Wochenende einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion gemacht. &ldquo;Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben genau das Richtige getan: Sie lassen keinen Zweifel offen, dass sie eine gemeinsame Verantwortung f&uuml;r den W&auml;hrungsraum tragen und spekulative Angriffe auf den Euro parieren werden&rdquo;, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung. &ldquo;Mit dem Notfallfonds hat die europ&auml;ische Politik endlich eine effektive Vorkehrung getroffen, um Attacken von Spekulanten abzuwehren und irrationale Ausschl&auml;ge der Finanzm&auml;rkte einzud&auml;mmen&rdquo;, erkl&auml;rt der &Ouml;konom. Wenn die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) bereit sei, im Notfall Staatsanleihen aufzukaufen, werde das ein Weiteres tun: &ldquo;Das Signal ist klar: Europa ist ein Riese, und der Riese ist aufgewacht. Spekulanten m&uuml;ssen sich jetzt zehnmal &uuml;berlegen, ob sie sich mit ihm anlegen.&rdquo; <\/p><p>Das entschlossene Auftreten der EU und die Nennung hoher, aber letztendlich realistischer Summen f&uuml;r den Notfallfonds reduzierten das Risiko, dass tats&auml;chlich Geld flie&szlig;en m&uuml;sse, betont Horn: &ldquo;Eine glaubhafte Abschreckung senkt die Kosten f&uuml;r die Steuerzahler. Das klingt nach Wild-West, aber es ist &uuml;berzeugend, weil es die Logik der Finanzm&auml;rkte aufgreift. Wenn die Europ&auml;er schon zu Beginn der Griechenland-Krise nach dieser Maxime gehandelt h&auml;tten, w&auml;ren die Probleme wahrscheinlich nicht so eskaliert.&rdquo;<\/p><p>Horn ist optimistisch, dass die Euro-Stabilisierungspolitik nicht zu einem Inflationsschub f&uuml;hren wird. &ldquo;Ich bin &uuml;berzeugt, dass sich alle Akteure dar&uuml;ber im Klaren sind, dass es hier um Ausnahme-Ma&szlig;nahmen f&uuml;r einen extremen Notfall geht.&rdquo; Die EZB habe im Verlauf der Bankenkrise erhebliches Geschick darin gezeigt, Schuldpapiere je nach Bedarf aufzukaufen und wieder zu verkaufen, um den Finanzm&auml;rkten Liquidit&auml;t zuzuf&uuml;hren und wieder zu entziehen. &ldquo;Die Zentralbank hat alle n&ouml;tigen Instrumente und die Erfahrung, um die Preissteigerung unter Kontrolle zu behalten&rdquo;, sagt Horn.<\/p><p>Kontakt in der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung<\/p><p>Prof. Dr. Gustav A. Horn<br>\nWissenschaftlicher Direktor IMK<br>\nTel.: 0211-7778-331<br>\nE-Mail: Gustav-Horn@boeckler.de<br>\nRainer Jung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beschl&uuml;sse vom Wochenende k&ouml;nnen dazu beitragen, die Spekulation gegen einzelne L&auml;nder und gegen den Euro zu beenden. Da teile ich die Meinung von Gustav Horn vom IKM (siehe Anlage 1). Allerdings halte ich es f&uuml;r sinnvoll und notwendig, die Strategie und Beschl&uuml;sse demn&auml;chst so zu ver&auml;ndern, dass die Spekulanten nicht auch noch f&uuml;r ihr<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5512\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,139,22,50],"tags":[507,292,283,1555,555,222,637],"class_list":["post-5512","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-euro-und-eurokrise","category-europaische-union","category-finanzkrise","tag-ezb","tag-finanzkasino","tag-finanzmaerkte","tag-griechenland","tag-horn-gustav","tag-ikb","tag-staatsanleihen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5512"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5512\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20994,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5512\/revisions\/20994"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}