{"id":55289,"date":"2019-10-01T09:41:44","date_gmt":"2019-10-01T07:41:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55289"},"modified":"2026-01-27T11:33:17","modified_gmt":"2026-01-27T10:33:17","slug":"das-ende-des-ddr-pressefruehlings-wie-dem-osten-die-stimmen-genommen-wurden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55289","title":{"rendered":"Das Ende des DDR-Pressefr\u00fchlings: Wie dem Osten die Stimmen genommen wurden"},"content":{"rendered":"<p>Den B&uuml;rgern im Osten Deutschlands wird immer wieder vorgeworfen, dass sie die Demokratie nicht richtig verstehen und diese erstmal lernen m&uuml;ssten. <strong><a href=\"http:\/\/www.mandytroeger.com\/\">Mandy Tr&ouml;ger<\/a><\/strong>, Kommunikationswissenschaftlerin und Ost-Berlinerin, sieht das anders. Im NachDenkSeiten-Interview spricht Tr&ouml;ger vielmehr von einer &bdquo;demokratischen Desillusionierung&ldquo;, die in den 1990er Jahren  im Osten stattfand und die Gr&uuml;nde hat, die mit allzu gef&auml;lligen Erkl&auml;rungen wenig zu tun haben. Eine &bdquo;marktgetriebene &Uuml;bernahme&ldquo; des Ostens habe stattgefunden &ndash; mit weitreichenden Auswirkungen bis heute. Tr&ouml;ger, die sich in ihrer Doktorarbeit mit dem &bdquo;Pressefr&uuml;hling&ldquo; in der DDR auseinandersetzt, zeigt im Interview, was sich in der Wende- und Nachwendezeit im Hinblick auf die Medienlandschaft <a href=\"https:\/\/medienerbe-ddr.de\/\">abgespielt hat<\/a>.  Profitinteressen haben Entwicklungen hin zu einer wirklich freien, vielf&auml;ltigen Presse schnell zunichte gemacht. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Frau Tr&ouml;ger, Sie haben sich gerade in Ihrer Doktorarbeit mit dem sogenannten &bdquo;Pressefr&uuml;hling&ldquo; in der DDR auseinandergesetzt. Was ist mit Pressefr&uuml;hling gemeint?<\/strong><\/p><p>Pressefr&uuml;hling bezieht sich zeitlich auf die kurze Phase vom Januar 1990 bis ungef&auml;hr Juni\/Juli 1990. Mit dem Zusammenbruch ehemaliger DDR-Pressemonopole wurden in k&uuml;rzester Zeit ungef&auml;hr 100 neue Zeitungen neu gegr&uuml;ndet und alte Zeitungen waren im Prozess der inneren Reform. Man muss sich das vorstellen, in einem Land von gerade mal 17 Millionen Menschen sprossen Zeitungen wie Pilze aus dem Boden. Es war auch die Zeit der inneren Reform. In den Redaktionen, den Zeitungen und Leserbriefen wurde viel dar&uuml;ber diskutiert, was eine freie Presse ist. Zeitungen standen f&uuml;r Teilhabe, Vielfalt und Meinungsfreiheit. Dieses Zeitfenster war mit viel Optimismus und Innovation verbunden. Medial war es wahrscheinlich der demokratische H&ouml;hepunkt der Wendezeit.<\/p><p><strong>Worum genau geht es nun in Ihrer Doktorarbeit?<\/strong><\/p><p>Es geht um die politischen und wirtschaftlichen Interessen der BRD, die bei der Transformation der DDR-Presse 1989\/1990 ganz aktiv mitwirkten. Ich frage, wessen Interessen sich hier durchgesetzt haben und wessen nicht und warum. Das Ergebnis ist klar. Die Interessen der DDR-Presse, ob alt oder neu, fielen komplett durchs Raster. Der Pressefr&uuml;hling wurde zum Pressesterben.<\/p><p><strong>Ihre Arbeit umfasst mehrere hundert Seiten, das Thema ist sehr verzweigt. Lassen Sie uns auf den Kern fokussieren: Ist es richtig, dass Sie sich darauf konzentrieren, die Lobbyarbeit, die damals geleistet wurde, zu analysieren?<\/strong><\/p><p>Ja, im deutschen Buch ist das so. In meiner Doktorarbeit, die ich in den USA geschrieben habe, zeige ich drei Marktstrategien, durch die der DDR-Pressemarkt damals &uuml;bernommen wurde. Das war, erstens, der Import westdeutscher Presse und der schnell einsetzende Preiskrieg, zweitens, der Kauf ostdeutscher Zeitungen durch westdeutsche Verlage und, drittens, die Lobbyarbeit im Pressevertrieb. Der Vertrieb wurde der Schl&uuml;ssel zur Marktreform. Gruner+ Jahr beispielsweise lobbyierte hier schon im November 1989, Springer folgte im Dezember. Ziel beider war eine quasi Monopolstellung im DDR-Pressewesen. Das hie&szlig;, es ging nicht nur um den Vertrieb, sondern um Exklusivrechte im Zeitungswesen, Fernsehen bis hin zur Werbung. Als daraus nichts wurde, taten sich die beiden mit Burda und Bauer zusammen. Sie verhandelten als die &bdquo;Gro&szlig;en Vier&ldquo; mit der DDR-Regierung &uuml;ber ein Vertriebs-Joint-Venture. Als auch daraus nichts wurde, teilten die Gro&szlig;verlage die DDR Anfang M&auml;rz 1990 in vier Vertriebsgebiete auf. Ab dann vertrieben sie systematisch vor allem ihre eigenen Produkte. Das hie&szlig; Marktvorsprung im Kampf um k&uuml;nftige Leser. Dieser verlagsabh&auml;ngige Vertrieb w&auml;re in der BRD undenkbar gewesen, alle Versuche der DDR, dagegen vorzugehen, blieben erfolglos. Nach der Einheit zerschlug das Kartellamt dann das Verlagskartell. Die Akten &uuml;ber diesen Prozess lesen sich wie ein Wirtschaftskrimi, deshalb konzentriere ich mich im deutschen Buch darauf. <\/p><p><strong>Gehen wir zur&uuml;ck in die Wendezeit. Es ist 1989, 1990. Die B&uuml;rger der DDR haben ein gro&szlig;es Interesse an der &bdquo;freien&ldquo; Westpresse. Die Verlage wittern ein gro&szlig;es Gesch&auml;ft. Die Politik hat, was die Etablierung der Westpresse im Osten angeht, gewiss auch ihre Interessen. Stimmt das soweit?<\/strong><\/p><p>Die DDR-Markterschlie&szlig;ung durch westdeutsche Verlage brauchte politische Rahmenbedingungen. Das hei&szlig;t, ohne die Bundesregierung, beispielsweise das Bundesinnenministerium (BMI), w&auml;re sie so nicht m&ouml;glich gewesen. Das BMI hatte zwei Ziele. Erstens wollte es den Informationsfluss f&uuml;r die Wahl am 18. M&auml;rz sichern, die stark durch parteipolitische Interessen der BRD beeinflusst wurde. Daf&uuml;r gab das Ministerium den BRD-Verlagen im Februar 1990 gr&uuml;nes Licht zur Nutzung rechtlicher Grauzonen in der DDR. Zu dem Zeitpunkt wusste niemand, wer welche und wie viele Presseprodukte in die DDR einf&uuml;hrte. Es wurden weder Steuern gezahlt, noch gab es feststehende Preise. Das ging auf Kosten der DDR, wurde aber zum Erreichen eigener Interessen in Kauf genommen. Das zweite Ziel des BMI war sicherzustellen, dass nichts, was in der DDR entstand, etablierte Strukturen in der BRD gef&auml;hrdete. Der Aufbau des DDR-Pressevertriebs sollte, so hie&szlig; es, zu keinen &bdquo;sch&auml;digenden Ver&auml;nderungen des Vertriebssystems in der BRD f&uuml;hren&ldquo;. Ziel war also der Systemtransfer. Daf&uuml;r brauchte es eine Art &Uuml;bergangsl&ouml;sung, gut genug f&uuml;r die DDR. So setzte das BMI den ordnungspolitischen Rahmen, weniger fu&#776;r eine freie Presse in der DDR als fu&#776;r ku&#776;nftige Interessen der BRD. <\/p><p><strong>Was ist weiter abgelaufen?<\/strong><\/p><p>Die DDR-Presse k&auml;mpfte fr&uuml;h gleich auf mehreren Ebenen auf einem schon vereinten Pressemarkt. Es setzte fr&uuml;h eine &bdquo;Presseflut&ldquo; ein und BRD-Verlage verkauften ab M&auml;rz 1990 ihre Produkte zum einem 1:1-W&auml;hrungsverh&auml;ltnis, nicht zum Umtauschkurs von 1:3. Das hie&szlig;, sie verkauften unter den Produktionskosten, um einander auszustechen. Zudem waren sie wirtschaftlich flexibel und den DDR-Zeitungen in Druck- und Papierqualit&auml;t weit &uuml;berlegen. Neue DDR-Zeitungen fingen von vorn an, w&auml;hrend alte Zeitungen erst wirtschaftlich, rechtlich und politisch unabh&auml;ngig werden mussten. Ihnen wurden am 1. April 1990 die Subventionen gestrichen. Sie mussten ihre Preise erh&ouml;hen und von heute auf morgen andere Finanzierungswege finden. Auf der Suche nach schnellen Alternativen blieben Werbung und westdeutsches Kapitel. F&uuml;r Werbung brauchte es aber eine ganze Infrastruktur, die es bis dahin nicht gab und Expertise, die wieder aus dem Westen kommen musste. BRD-Verlage rannten also offene T&uuml;ren ein. Welcher Westverlag welchen Ostverlag &uuml;bernehmen w&uuml;rde, war im Gro&szlig;en und Ganzen schon im Sommer 1990 beschlossene Sache. Als die Treuhand auf der Bildfl&auml;che erschien, waren Kooperationen gar nicht oder nur schwer r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen. Besonders die hochauflagigen ehemaligen SED-Bezirkszeitungen gingen an kapitalstarke BRD-Verlage. So wurden ehemalige politische Monopole an Wirtschaftsmonopole aus dem Westen &uuml;bergeben.<\/p><p><strong>Sie zitieren den damaligen DDR-Chef der &bdquo;taz&ldquo; mit der Bemerkung, deutsche Verlage w&uuml;rden sich in der ehemaligen DDR auff&uuml;hren, als seien sie im Wilden Westen.<\/strong><\/p><p>Von DDR-Seite gab es vehemente Kritik. Der Runde Tisch, der Medienkontrollrat, Gewerkschaften und die DDR-Regierung haben wiederholt gegen unlautere Marktstrategien westdeutscher Verlage in der DDR protestiert. Vergleiche zum &bdquo;Wilden Westen&ldquo;, in dem keine Gesetze gelten und nur der St&auml;rkere &uuml;berlebt, kamen hier h&auml;ufig. Auch beliebt waren Analogien zu &bdquo;fr&uuml;hkapitalistischen Zeiten&ldquo; oder der &bdquo;Kolonialisierung&ldquo; der DDR. Verlage hatten dem kaum etwas entgegenzusetzen. Sie nutzten ihre Zeitungen, um auf Missst&auml;nde aufmerksam zu machen, deshalb findet man hier ein F&uuml;lle an Protesten.<\/p><p><strong>In Ihrem Buch hei&szlig;t es als Fazit: &bdquo;Die unvollendete (Medien-)Revolution ging letztlich zulasten der Presse und der Demokratie selbst &ndash; eine verpasste Chance f&uuml;r ein vereintes Deutschland.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Mit der &Uuml;bernahme gingen Wendeerfahrungen, -ideen und -initiativen unter, wie eine &bdquo;freie Presse&ldquo; neu gedacht werden kann. Beispielsweise Konzepte der Pressefreiheit, in denen Journalisten fu&#776;r ihre Arbeit Verantwortung u&#776;bernehmen. Alternative Finanzierungskonzepte, damit Zeitungen weder politisch noch wirtschaftlich abh&auml;ngig sind. Ein Mediengesetz, das das rechtlich einbettet, oder einen Beirat, der basisdemokratisch Medien ber&auml;t und kritisiert. Die N&auml;he zum Bu&#776;rger, der aktiv am Kommunikationsprozess teilnimmt und in diesen integriert ist. Alles wurde neu ausdiskutiert und definiert. Die Suche galt neuen Wegen fu&#776;r eine bessere Presse. Aktuell werden &auml;hnliche Ideen zur Reform der Medien und des Journalismus diskutiert. Das h&auml;tte man damals schon haben k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>L&auml;sst sich die Kritik auch vieler Ostdeutscher an den Medien unter anderem aus diesen Erfahrungen heraus erkl&auml;ren?<\/strong><\/p><p>Ich denke ja. In der Forschung wird gern unterstrichen, dass die Ostdeutschen aufgrund der DDR-Diktaturerfahrung die Demokratie nicht erlernen konnten. Deshalb der heutige Rechtsruck im Osten. Das ist eine  Perspektive, die an der historischen Wirklichkeit vorbeigeht. Das Jahr 1989 war ein zutiefst demokratischer Moment. Landesweit lehnten sich Menschen gegen eine Staatsmacht auf, ohne zu wissen, was kommt. Der Verleger Christoph Links nennt es &bdquo;das wunderbare Jahr der Anarchie&ldquo;. Menschen gingen auf die Stra&szlig;e, protestierten f&uuml;r Meinungs- und Pressefreiheit. Eine Folge waren Zeitungsneugr&uuml;ndungen mit viel Eigeninitiative und Optimismus. Dazu brauchte es Mut und den Glauben an demokratische Ziele. Diese Zeitungen sind aufgrund von Wirtschaftsinteressen letztlich plattgemacht oder &uuml;bernommen worden. Damit ist auch ein St&uuml;ck des demokratischen Traums untergegangen. Das war keine &Uuml;berraschung. Damals schon gab es mahnende Stimmen, auch aus der BRD. Die sagten klar, der politische Kurs der Bundesregierung &ndash; wie die fr&uuml;he Wirtschafts-,  W&auml;hrungs- und Sozialunion am 1. Juli 1990 &ndash; w&uuml;rden einen kompletten Zusammenbruch der Wirtschafts- und Sozialstrukturen in der DDR und eine Abh&auml;ngigkeit des Ostens mit sich bringen. Das ist dann ja auch passiert. Das daraus entstehende gesellschaftspolitische Vakuum w&uuml;rde dann von der Rechten genutzt. Auch das ist in den 1990er Jahren passiert. Was wir heute sehen, hat seine Wurzeln nicht zuletzt in der marktgetriebenen &Uuml;bernahme des Ostens, die in einer demokratischen Desillusionierung endete.<\/p><p><strong>Welche Defizite sehen Sie heute in der Presse?<\/strong><\/p><p>Im Osten wie im Westen ist die Lokalpresse schwach aufgestellt. Mantelzeitungen, Ein-Zeitungsregionen und standardisierte Vielfalt. Das hat vor allem mit wirtschaftlichem Kalk&uuml;l zu tun, ist aber f&uuml;r die Menschen in der Region verheerend. Lokalzeitungen, ob Print oder digital, binden Menschen an ihre Region, geben ihnen eine Plattform und Identifikation. Wirtschaftlicher Standard kann das nicht in dem Ma&szlig;e bieten, wie es gerade heutzutage n&ouml;tig ist.<\/p><p><strong>Medienkritik schallt durch das ganze Land. Viele Mediennutzer sehen schwere Defizite in der Berichterstattung. K&ouml;nnen Sie die Medienkritik nachvollziehen?<\/strong><\/p><p>Ich kann vieles an der Medienkritik, die im Kern ja eine Kritik tieferer gesellschaftlicher Probleme ist, nachvollziehen, in Deutschland wie den USA. Allerdings sind die Antworten, gerade wenn sie durch die Rechte instrumentalisiert werden, zutiefst beunruhigend und schlichtweg falsch. Ein L&ouml;sungsweg w&auml;re, nicht so zu tun, als g&auml;be es keinen perspektivischen Blick im Journalismus. Journalismus muss neu gedacht werden. Ich denke, hier kann man einiges aus der Wendezeit lernen. Es braucht strukturelle Fragen, den Mut zur Ver&auml;nderung &ndash; und nicht die Aufrechterhaltung des Status quo, um etablierte Strukturen und eigene Interessen nicht zu gef&auml;hrden.<\/p><p><strong>Wenn man sagen w&uuml;rde, dass das Verh&auml;ltnis vieler Ostdeutscher zu den Medien &bdquo;angespannt&ldquo; ist, w&auml;re das untertrieben. Oder?<\/strong><\/p><p>Ich denke, dieses Verh&auml;ltnis ist in Ost und West angespannt. Man liest ja viel &uuml;ber die &bdquo;Krise des Journalismus&ldquo;. Es wird immer betont, Onlineangebote gef&auml;hrden das werbebasierte Finanzierungsmodell der Privaten und die Deutungshoheit etablierter Leitmedien. Das stimmt auch. Allerdings werden bei diesen Debatten weder das Modell noch die Deutungshoheit grunds&auml;tzlich in Frage gestellt. Ich denke, was wir derzeit im Osten sehen, sind Symptome tieferliegender gesellschaftspolitischer Probleme. Die lassen sich nicht auf den Osten oder die Medien allein reduzieren. Sie finden hier nur ihren Ausdruck. <\/p><p><strong>Sie selbst sind Ostdeutsche &ndash; und Wissenschaftlerin. F&uuml;r alle, die sich vielleicht nicht so mit der Thematik auseinandergesetzt haben: Woher kommt dieses Spannungsverh&auml;ltnis zu den Medien?<\/strong><\/p><p>Ich komme zwar aus dem Osten, habe aber lange Zeit im Ausland gelebt. Da bekommt man automatisch einen Blick von au&szlig;en. Wir reden in Deutschland gern von den &bdquo;freien Medien&ldquo; im Dienst der demokratischen Ordnung und vergessen dabei oft, dass Medien, ob privatwirtschaftlich oder &ouml;ffentlich-rechtlich, an klare wirtschaftliche und politische Interessen gebunden sind. Das liegt in der Natur der Sache. <\/p><p><strong>Das hei&szlig;t?<\/strong><\/p><p>Die Presse und die kommerziellen Rundfunkanbieter finanzieren sich durch Werbeeinnahmen. Das hei&szlig;t, sie unterliegen den Zw&auml;ngen des Marktes, wie Profitmaximierung durch Vertrieb und Werbung. Bei den &Ouml;ffentlich-Rechtlichen sind es parteipolitische Interessen. Das schl&auml;gt sich auch in den Informationen nieder, die wir als Medienkonsumenten bekommen. Denn Medienprodukte der Privaten m&uuml;ssen an so viele K&auml;ufer wie m&ouml;glich kommen, also massentauglich sein und kosteng&uuml;nstig produziert werden. Die Rolle der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen ist, die demokratische Ordnung, wie wir sie haben, zu festigen. Schon damit kommt eine Reihe von Zw&auml;ngen, die den Rahmen f&uuml;r das t&auml;gliche Nachrichten- und Mediengesch&auml;ft setzen. Also, welche Quellen werden herangezogen, welche Nachrichten werden gebracht oder welche Formate produziert? Dabei f&auml;llt eine Reihe anderer Perspektiven und M&ouml;glichkeiten aus dem Rahmen des wirtschaftlich Machbaren oder politisch Gewollten.<\/p><p><strong>Halten wir mal fest: Sowohl wirtschaftliche als auch politische Faktoren beeinflussen das &bdquo;Informationsangebot&ldquo; der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen.<\/strong><\/p><p>Ja, nat&uuml;rlich. Fr&uuml;her, das hei&szlig;t noch vor dem Internet,  gab es daher auch schon Alternativmedien, beispielsweise kleine Zeitungen linker radikaler Gruppen. Die brachten andere Perspektiven, hatten aber geringe Auflagenh&ouml;hen oder einen begrenzten Umfang. Heute erm&ouml;glichen Onlinetechnologie jedem den Zugang. Das hei&szlig;t, wir haben potenziell mehr Perspektiven und mehr Informationsfluss, auch wenn die sogenannten &bdquo;Sozialen Medien&ldquo; als profitorientierte Unternehmen kritisch betrachtet werden m&uuml;ssen. Trotzdem, das &bdquo;Deutungsmonopol&ldquo; etablierter Leitmedien wird in dem Ma&szlig;e untergraben, in dem heute die Selektion und Ausrichtung von Fakten durch etablierte Journalisten sichtbar wird. <\/p><p><strong>Mediennutzer haben es heute also leichter, die Produkte der Journalisten zu hinterfragen?<\/strong><\/p><p>So ist es. Die Idee, dass Journalisten allumfassend, objektiv und wertneutral arbeiten, kann durch Medienkonsumenten allt&auml;glich hinterfragt werden. Das passiert, wenn sie Nachrichten gar nicht oder verk&uuml;rzt finden oder wenn diese anderen Quellen widersprechen. Dann wird klar, auch Journalisten haben eigene Perspektiven und Interessen, auch wenn viele sich weiter am Ideal der Objektivit&auml;t versuchen. Wenn Menschen sich allerdings nicht in den Leitmedien wiederfinden, dann gehen sie heute in andere mediale R&auml;ume. Eine Folge ist die Zersplitterung der Medien&ouml;ffentlichkeit in mediale Teil&ouml;ffentlichkeiten. Das wird grunds&auml;tzlich als negativ bewertet und auf die neuen Technologien geschoben. Die sind aber nur Katalysator. Das Problem ist ein gesellschaftspolitisches, es f&uuml;hrt &uuml;ber strukturelle Defizite der Leitmedien zur Frage, wie Menschen im demokratischen Prozess als kritische m&uuml;ndige B&uuml;rger f&uuml;r voll genommen werden. Das gilt f&uuml;r Ost- genauso wie f&uuml;r Westdeutsche.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Lesetipp: Tr&ouml;ger, Mandy: Pressefr&uuml;hling und Profit &ndash; Wie westdeutsche Verlage 1989\/1990 den Osten eroberten. Herbert von Harlem Verlag. Oktober 2019. 360 Seiten. 25 Euro. <\/em><\/p><p>Titelbild: BrAt82 \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den B&uuml;rgern im Osten Deutschlands wird immer wieder vorgeworfen, dass sie die Demokratie nicht richtig verstehen und diese erstmal lernen m&uuml;ssten. <strong><a href=\"http:\/\/www.mandytroeger.com\/\">Mandy Tr&ouml;ger<\/a><\/strong>, Kommunikationswissenschaftlerin und Ost-Berlinerin, sieht das anders. Im NachDenkSeiten-Interview spricht Tr&ouml;ger vielmehr von einer &bdquo;demokratischen Desillusionierung&ldquo;, die in den 1990er Jahren im Osten stattfand und die Gr&uuml;nde hat, die mit allzu gef&auml;lligen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55289\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":55290,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,165,209,41,182],"tags":[277,1563,575,1415,887],"class_list":["post-55289","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-interviews","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","tag-ddr","tag-kartell","tag-ostdeutschland","tag-pressefreiheit","tag-verleger"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/shutterstock_669147430.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55289","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=55289"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55289\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81590,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55289\/revisions\/81590"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/55290"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=55289"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=55289"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=55289"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}