{"id":55337,"date":"2019-10-03T11:45:32","date_gmt":"2019-10-03T09:45:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55337"},"modified":"2026-01-27T11:33:14","modified_gmt":"2026-01-27T10:33:14","slug":"schulprivatisierung-das-ist-ein-vom-berliner-senat-verbreiteter-unsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55337","title":{"rendered":"Schulprivatisierung: \u201eDas ist ein vom Berliner Senat verbreiteter Unsinn\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Eine angestrebte Privatisierung von Schulen, Schattenhaushalte und gesch&auml;tzte 800 Millionen Mehrkosten f&uuml;r den Berliner Steuerzahler: Das kommt auf die Bev&ouml;lkerung in Berlin zu, sagt <strong>Carl Wa&szlig;muth<\/strong> von der Initiative &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/kommt-alle-23-september-runder-tisch-berliner-schulbau\/\">Gemeingut in B&uuml;rgerInnen Hand<\/a>&ldquo; im Interview mit den NachDenkSeiten. Was genau ist da los in Berlin? Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Wa&szlig;muth, in Berlin setzt die Regierung zur &bdquo;Schulbauoffensive&ldquo; an. Ist das gut oder schlecht?<\/strong><\/p><p>Vorweg: Der Name &bdquo;Schulbauoffensive&ldquo; ist ein Marketinginstrument der Berliner Landesregierung f&uuml;r ihre Politik in Bezug auf den Schulbau. Davon ist einiges weniges begr&uuml;&szlig;enswert, der Kern jedoch enth&auml;lt eine Privatisierung des Schulbaus. Das ist noch nicht umgesetzt, aber wenn die zugeh&ouml;rigen Vertr&auml;ge unterschrieben werden, kostet es die Berliner mindestens 800 Millionen Euro. Schon jetzt verz&ouml;gert die Privatisierung Investitionen dramatisch. Drei Jahre lang hat man sich nur mit Vertr&auml;gen und Rechtskonstrukten befasst, statt zu planen, zu sanieren und zu bauen.<\/p><p><strong>800 Millionen Euro Mehrkosten? Wie kommt das zustande?<\/strong><\/p><p>Die Privatisierung soll &uuml;ber eine Wohnungsbaugesellschaft erfolgen, die Howoge, eine GmbH. Dieser Gesellschaft werden die Schulen bzw. die Neubaugrundst&uuml;cke per Erbpacht f&uuml;r bis zu 37 Jahre &uuml;bertragen. Von der Howoge mieten dann die Berliner Bezirke zur&uuml;ck. Die Mehrkosten entstehen nun, weil die Howoge erkl&auml;rt hat, dass sie Schulpl&auml;tze f&uuml;r das Doppelte der bundesweiten Durchschnittskosten bauen will. <\/p><p><strong>Steht diesen Mehrkosten denn kein Mehrwert gegen&uuml;ber?<\/strong><\/p><p>Nein, keiner. Es entsteht dasselbe: Schulpl&auml;tze. Nur eben viel teurer als n&ouml;tig. Nicht besser, nicht schneller, nur teurer.<\/p><p><strong>Der Berliner Senat hat einen bestimmten Mechanismus gew&auml;hlt, um die Schulbauoffensive &uuml;berhaupt angehen zu k&ouml;nnen. K&ouml;nnen Sie uns erkl&auml;ren, wo das Problem liegt?<\/strong><\/p><p>Das Problem beginnt mit einer kaputtgesparten &ouml;ffentlichen Verwaltung und jahrelang zu geringen Investitionen in den Schulbau. Die Verwaltung tut sich schwer, den Investitionsberg schnell abzubauen. Und die Schuldenbremse verbietet angeblich eine Kreditaufnahme f&uuml;r die Finanzierung von Neueinstellungen und Schulbauma&szlig;nahmen. <\/p><p><strong>Verstehe ich das richtig: Der Bau neuer Schulen bzw. die Finanzierung ist also nur dann m&ouml;glich, wenn private Investoren &uuml;bernehmen?<\/strong><\/p><p>Nein, das ist Unsinn. Aber das ist ein von dem Berliner Senat verbreiteter Unsinn. Die Spitzen der drei an der Landesregierung beteiligten Parteien LINKE, Gr&uuml;ne und SPD beteiligen sich an der Verbreitung dieses Unsinns. Schulen sind eine in der Landesverfassung festgeschriebene Aufgabe der Daseinsvorsorge. Schulische Bildung muss &ouml;ffentlich finanziert werden, und das wird sie auch. Alle Kosten f&uuml;r den Berliner Schulbau standen und stehen in den &ouml;ffentlichen Haushalten von Berlin. Das Geld ist also da. Mit der gew&auml;hlten formellen Privatisierung will Rot-Rot-Gr&uuml;n nun diese Gelder in Schattenhaushalte verschieben. Dadurch werden im regul&auml;ren Haushalt Mittel frei &ndash; f&uuml;r Wahlgeschenke, wie ich vermute, denn das f&auml;llt nicht zuf&auml;llig in den Haushalt vor der n&auml;chsten Wahl 2021.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie von einem Staatsversagen sprechen?<\/strong><\/p><p>Nein, das ist kein Staatsversagen. Staatsversagen ist in meinen Augen, wenn die &ouml;ffentlichen Strukturen zusammenbrechen und das N&ouml;tige nicht mehr machen k&ouml;nnen. Hier ist es anders. Das N&ouml;tige kann von der &ouml;ffentlichen Hand erbracht werden, und das Geld daf&uuml;r ist auch da. Aber eine Kaste von Politikern privatisiert diesen Bereich. Sie verschafft sich damit zus&auml;tzliche finanzielle Spielr&auml;ume und versucht sich so die Wiederwahl zu sichern. Parallel dazu werden Beraterfirmen und die Gr&ouml;&szlig;ten in der Bauindustrie gem&auml;stet. Vor allem aber verdienen die Banken an diesem Modell, denn sie d&uuml;rfen f&uuml;r die Schulbau-Kredite an die Howoge viel mehr Zinsen verlangen als f&uuml;r Landesanleihen.<\/p><p>Titelbild: Ahmet Misirligul\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine angestrebte Privatisierung von Schulen, Schattenhaushalte und gesch&auml;tzte 800 Millionen Mehrkosten f&uuml;r den Berliner Steuerzahler: Das kommt auf die Bev&ouml;lkerung in Berlin zu, sagt <strong>Carl Wa&szlig;muth<\/strong> von der Initiative &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/kommt-alle-23-september-runder-tisch-berliner-schulbau\/\">Gemeingut in B&uuml;rgerInnen Hand<\/a>&ldquo; im Interview mit den NachDenkSeiten. Was genau ist da los in Berlin? 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