{"id":55589,"date":"2019-10-14T12:00:59","date_gmt":"2019-10-14T10:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55589"},"modified":"2019-10-14T13:51:39","modified_gmt":"2019-10-14T11:51:39","slug":"israel-koenig-bibi-ist-tot-lang-lebe-koenig-bibi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55589","title":{"rendered":"Israel: K\u00f6nig Bibi ist tot, lang lebe K\u00f6nig Bibi!"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Knesset-Wahlen im April gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen und war es ungewiss, ob Benjamin Netanyahu (in Israel gemeinhin nur &bdquo;Bibi&ldquo; genannt) sein f&uuml;nftes Kabinett zusammengestellt bekommen w&uuml;rde.<br>\nHeute, f&uuml;nf Monate sp&auml;ter, befindet sich Israel nach den Neuwahlen vom 17. September in der exakt selben Situation. Bevor das Land vielleicht bald zum dritten Mal an diesem Punkt steht &ndash; &bdquo;Neuneuwahlen&ldquo; werden schon zaghaft diskutiert &ndash; hier nun ein Blick auf die Wahlen, das Ph&auml;nomen Netanyahu und das aus linker, friedensorientierter Sicht katastrophale Parteiensystem Israels. Von <strong>Jakob Reimann<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSeit Ende 2018 brodelt es in der israelischen Regierung. Im November kam es nach einer vermasselten israelischen Geheimdienstoperation in Gaza zum heftigsten Schlagabtausch seit dem letzten gro&szlig;en <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2015-02-22\/das-massaker-von-gaza\/\">Gaza-Krieg im Sommer 2014<\/a>. Aus Protest &uuml;ber den folgenden Waffenstillstand verlie&szlig; Verteidigungsminister und Ultra-Falke Avigdor Lieberman die Regierung. Der rechtsau&szlig;en angesiedelte Bildungsminister Naftali Bennet wollte dessen Amt &ndash; und bekam es nicht. Das Kabinett Netanyahu IV begann, sich zu zerfleischen, und hatte in der Konsequenz nur noch eine hauchd&uuml;nne Knesset-Mehrheit von einem Sitz (die NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47250\">berichteten<\/a>).<br>\nAusschlaggebend wurde ein <a href=\"https:\/\/www.ynetnews.com\/articles\/0,7340,L-5161067,00.html\">Streit zwischen den s&auml;kularen und religi&ouml;sen Kr&auml;ften<\/a> um das Recht orthodoxer J&uuml;dinnen und Juden, den mehrj&auml;hrigen Milit&auml;rdienst zu verweigern. Zwar schwebt &uuml;ber allen Konflikten der massive Korruptionsskandal um Netanyahu und seine <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2019-02-28\/benjamin-netanjahu-wird-wegen-korruption-und-bestechung-angeklagt\/\">bevorstehende Anklage<\/a> wegen Bestechung in mindestens drei F&auml;llen, doch zerbrach die Regierung letztendlich am Streit um die Wehrpflicht der Orthodoxen.<\/p><p>Im Dezember 2018 l&ouml;sten sich Regierung und Parlament auf und es wurden vorgezogene Wahlen f&uuml;r April 2019 ausgerufen. Diese gewann Netanyahus Likud im Nachkomma-Bereich und erhielt genau wie die neugegr&uuml;ndete Wahlgemeinschaft Blau-Wei&szlig; unter Generalleutnant Benny Gantz 35 der insgesamt 120 Knesset-Sitze. Pr&auml;sident Reuven Rivlin beauftragte Netanyahu mit der Regierungsbildung innerhalb von sechs Wochen, doch scheiterte dieser daran, die erforderlichen 61+ Sitze zusammenzubekommen. In der letzten Nacht des Ultimatums boxte die Knesset einen Likud-Vorsto&szlig; durch, das Parlament aufzul&ouml;sen &ndash; schon wieder. Nur so konnte verhindert werden, dass Pr&auml;sident Rivlin Blau-Wei&szlig; und Benny Gantz das Mandat &uuml;bertrug. Die <em>Times of Israel<\/em> spricht zu Recht von einer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/knesset-votes-for-new-elections-on-september-17-after-pm-fails-to-form-coalition\/\">schockierenden Wendung der Ereignisse<\/a>&ldquo; &ndash; nie zuvor in der israelischen Geschichte scheiterte eine Regierungsbildung.<\/p><p>Wiederum wurde die Frage um die Wehrpflicht zur entscheidenden Bruchlinie, <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/elections\/after-netanyahu-fails-to-form-government-israel-to-hold-new-election-1.7306156\">Netanyahu war unf&auml;hig<\/a>, beide Bl&ouml;cke zueinander zu bringen. Seine Avancen, via Postengeschacher die Sozialdemokraten mit ins Boot zu holen, scheiterten ebenso wie die Versuche, eine Einheitsregierung aus Likud und Blau-Wei&szlig; zu bilden &ndash; Benny Gantz begr&uuml;&szlig;te diese zwar, doch nur unter der Voraussetzung, dass der Likud &ldquo;K&ouml;nig Bibi&ldquo; ein f&uuml;r alle Mal versenken w&uuml;rde. Doch Netanyahu als versierter Schachspieler hat &uuml;ber die Jahre jede innerparteiliche Konkurrenz kaltgestellt oder aus der Partei hinaus- und in die Bildung ultrarechter Splitterparteien hineingetrieben &ndash; &bdquo;Likud, c&rsquo;est moi&ldquo;. Es gibt schlicht und ergreifend keine alternative F&uuml;hrung in der Partei, mit der die von Gantz favorisierte Einheitsregierung h&auml;tte realisiert werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Im Vorfeld der Neuwahl zum 17. September hat sich wenig ge&auml;ndert. Netanyahus Likud schluckte zwar im Vorfeld die rechte Kleinstpartei Kulanu samt deren vier Sitze, b&uuml;&szlig;te jedoch erheblich ein und verlor in der Summe sechs Mandate (32). Auch Benny Gantz&lsquo; Blau-Wei&szlig; verlor Stimmen, doch konnte die Partei mit einem Sitz Vorsprung (33) hauchd&uuml;nn st&auml;rkste Kraft werden. Die arabischen Parteien, die im April noch in mehreren Fraktionen antraten, b&uuml;ndelten sich f&uuml;r die September-Wahlen zur Vereinten Liste &ndash; einem Zusammenschluss aus haupts&auml;chlich Kommunisten, Gr&uuml;nen, Linksau&szlig;en und Feministen mit pan-arabischen Nationalisten und einigen Muslimisch-Konservativen &ndash; und wurden mit 13 Sitzen klar zur drittst&auml;rksten Kraft und damit eventuell gar zum neuen Oppositionsf&uuml;hrer. Obwohl Blau-Wei&szlig; gewann, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-middle-east-49833050\">beauftragte<\/a> Pr&auml;sident Rivlin erneut Netanyahu mit der Regierungsbildung, doch dr&auml;ngte er beide Spitzenkandidaten zur Bildung einer <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/back-to-square-one-new-elections-loom-after-rivlins-unity-bid-falls-short\/\">Einheitsregierung mit rotierendem Ministerpr&auml;sidenten<\/a> &ndash; vergebens. Seit jeher stand im Zentrum des Blau-Wei&szlig;-Wahlkampfs, unter keinen Umst&auml;nden mit Netanyahu einen Deal einzugehen. Gantz spielte hierbei stets die Moralkarte, schlie&szlig;lich k&ouml;nne er nicht mit Bibi verhandeln, wenn diesem in naher Zukunft drei Gerichtsverfahren wegen Bestechung drohten.<\/p><p>Wir befinden uns in der exakt selben Situation wie vor einem halben Jahr: Eine Regierungsbildung scheint unerreichbar, die Verhandlungen f&uuml;hren nirgendwohin.<\/p><p><strong>Verschiedene Unm&ouml;glichkeiten<\/strong><\/p><p>Es gibt nun eine Handvoll Szenarien, wie es weitergehen kann, die alle nur funktionieren k&ouml;nnen, wenn jeweils eine Partei eine ihrer heiligen K&uuml;he schlachten w&uuml;rde; eine Auswahl: Eine Einheitsregierung aus Likud und Blau-Wei&szlig;, was <a href=\"https:\/\/www.israelhayom.com\/2019\/09\/27\/poll-most-israelis-want-a-unity-government-dont-want-an-election\/\">die Mehrheit der Israelis<\/a> bevorzugt; Bedingung f&uuml;r Gantz: Netanyahus R&uuml;cktritt (was <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/poll-shows-most-israelis-prefer-parties-to-compromise-rather-than-go-to-3rd-vote\/\">52 Prozent der Israelis<\/a> wollen, doch dieser h&ouml;chstwahrscheinlich nicht tun wird). Zwar bringen sich bereits einige lebensm&uuml;de Likudniks zaghaft in Stellung, um mit einer stumpfen Feile am Throne K&ouml;nig Bibis zu s&auml;gen, doch hat dieser den Likud in eine <a href=\"https:\/\/www.al-monitor.com\/pulse\/originals\/2019\/10\/israel-benjamin-netanyahu-gideon-saar-likud-elections.html\">innerparteiliche Diktatur<\/a> verwandelt und wird jeden von ihnen politisch vernichten. Gantz k&ouml;nnte sich die Vereinte Liste in seinen Block holen und so mit einer arabischen Regierungsbeteiligung etwas wahrhaft Historisches schaffen (was er jedoch bereits ausgeschlossen hat). Auch k&ouml;nnte Gantz sich Netanyahu unterwerfen und doch mit diesem eine Einheitsregierung bilden: Doch auch das wird Gantz niemals tun, will er sich nicht &ndash; wie etwa die SPD nach ihrem wochenlangen No-GroKo-Get&ouml;se und anschlie&szlig;ender Unterwerfung &ndash; seinen eigenen politischen Sarg nageln. Bleibt immer noch die Neuneuwahl &ndash; die dritte in einem Jahr, die buchst&auml;blich niemand will, doch die von Tag zu Tag realistischer wird.<\/p><p>Eine dieser Optionen ist so unwahrscheinlich wie die andere. Auch internationale Kommentatoren halten sich diesmal sehr zur&uuml;ck &ndash; wollen sie doch nicht wie nach den April-Wahlen mit &bdquo;todsicheren&ldquo; Prognosen ihr journalistisches Kapital weiter verbrennen. Auch ich verweigere mich der Kaffeesatzleserei, doch beschleicht mich langsam das schaurige Gef&uuml;hl, dass Netanyahu &ndash; ob seiner &uuml;berw&auml;ltigenden Politfinten wird er der &bdquo;Magier&ldquo; genannt &ndash; noch einen letzten fetten Hasen aus dem Hut zieht und es irgendwie schafft, im Amt zu bleiben. Trotz Korruptionsskandal, trotz drohenden Anklagen, trotz Wahlniederlage.<\/p><p>K&ouml;nig Bibi ist tot, lang lebe K&ouml;nig Bibi&hellip;<\/p><p><strong>Die Schreckgespenste der israelischen Rechten<\/strong><\/p><p>Zur Wahl 2015 verbreitete Netanyahu in einem Video noch die <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/elections\/.premium-a-day-before-election-netanyahu-already-knows-arabs-are-voting-in-large-numbers-1.7845664\">Verschw&ouml;rungstheorie<\/a>: &bdquo;Arabische W&auml;hler str&ouml;men in Scharen zur Wahl, linke NGOs bringen sie in Bussen hin.&ldquo; Das war zwar glatt gelogen, doch funktionierte das T&auml;uschungsman&ouml;ver und Netanyahus Wahlkampf der Angst sicherte ihm die n&auml;chste Amtszeit. Schlie&szlig;lich kann Bibis Basis durch nichts derart aufgescheucht werden wie durch die zwei liebsten Feindbilder der israelischen Rechten: &bdquo;Araber&ldquo; und &bdquo;Linke&ldquo;. Zum Wahltag im September besuchte Bibi mit Frau Sara eine Mall in Jerusalem und <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-596143.html\">verk&uuml;ndete<\/a> der jubelnden Masse, &bdquo;die Medien versuchen vor euch zu verbergen, dass ein &uuml;berraschend hoher Anteil der arabischen Bev&ouml;lkerung zur Wahl geht&ldquo;, ebenso die Linken.<\/p><p>Team Netanyahu produzierte gar halbmin&uuml;tige Audiobotschaften, die &bdquo;am Wahltag auf die Telefone Hunderttausender W&auml;hler&ldquo; &uuml;bertragen wurden: &bdquo;Nach unseren Daten ist die Wahlbeteiligung in der arabischen Gemeinschaft sehr hoch, genau wie in den linken Hochburgen, die die rechte Herrschaft st&uuml;rzen wollen. &hellip; Ich bitte Sie, [zur Wahl] zu gehen und f&uuml;r die rechten Parteien zu stimmen.&ldquo; Ein pikantes &ndash; und m&ouml;glicherweise strafrechtlich relevantes &ndash; Detail: Die Botschaften wurden bereits vor der Wahl aufgenommen, Bibis &bdquo;Daten&ldquo; waren Fake News, Haaretz ver&ouml;ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/elections\/.premium-a-day-before-election-netanyahu-already-knows-arabs-are-voting-in-large-numbers-1.7845664\">die Audios<\/a> bereits am Vortag der Wahl. Die arabische W&auml;hlerschaft quittierte ihm seine L&uuml;gen und Spaltung vor der Wahl mit tats&auml;chlich historischer Wahlbeteiligung &ndash; ein klassisches Eigentor.<\/p><p>Doch abgesehen von dieser verzweifelt-l&auml;cherlichen Anekdote selbst ist ein weiterer Satz des Audios bedeutend, weil er f&uuml;r so viel mehr steht: &bdquo;Wir k&ouml;nnten mit einer linken Regierung aufwachen, die Jerusalem spalten und Teile des Landes an den Feind &uuml;bergeben k&ouml;nnte.&ldquo; Wenn wir &uuml;ber die martialische Rhetorik hinwegsehen &ndash; und dar&uuml;ber, dass das Team Bibi Pal&auml;stina als &bdquo;der Feind&ldquo; tituliert &ndash;, bleibt die Worth&uuml;lse &bdquo;linke Regierung&ldquo;. Gemeint ist Benny Gantz und seine als Mitte-Links wahrgenommene Blau-Wei&szlig;. Eine Betrachtung des &ndash; vermeintlichen &ndash; Netanyahu-Gantz-Konflikts verr&auml;t uns viel &uuml;ber den katastrophalen Zustand des israelischen Parteiensystems.<\/p><p><strong>Rechts vs. Rechts &ndash; die Tragik israelischer Parteien<\/strong><\/p><p>Blau-Wei&szlig; ist keine Partei, sondern eine f&uuml;r die Wahl im April 2019 neugegr&uuml;ndete Wahlliste, ein Sammelbecken, dessen gemeinsamer Nenner und einziger Selling-Point ist: &bdquo;Wir sind nicht Netanyahu&ldquo;. Zumindest nicht wortw&ouml;rtlich, denn: Sie setzt sich zusammen aus der neoliberalen &bdquo;Es gibt eine Zukunft&ldquo; des TV-Stars Jair Lapid (Finanzminister unter Netanyahu), aus der 2019 vom Likudnik Moshe Ya&rsquo;alon (Stabschef, Vize-Premier und Verteidigungsminister unter Netanyahu) gegr&uuml;ndeten militaristischen, rechtsnationalistischen Telem und der &bdquo;Widerstandskraft f&uuml;r Israel&ldquo; von Benny Gantz (unter anderem Oberbefehlshaber unter Netanyahu) sowie dem Parteilosen Gabi Ashkenazi (Generalstabschef unter Netanyahu). Auch die meisten weiteren Blau-Wei&szlig;-F&uuml;hrungspersonen hielten Ministerposten oder andere hochrangige Positionen in Milit&auml;r und Regierung unter Netanyahu. Allein dieser Blick aufs Personal dekonstruiert den Politzirkus, die Farce, irgendwelche politischen Unterschiede oder gar ideologischen Konflikte zwischen Blau-Wei&szlig; und dem Likud konstruieren zu wollen. W&uuml;rden alle Personen, die in Netanyahus Kabinett dienten, von der Blau-Wei&szlig;-Liste gestrichen, bliebe niemand &uuml;brig. Blau-Wei&szlig; ist Netanyahu durch und durch, rechtsau&szlig;en &ndash; es als &bdquo;links&ldquo; zu bezeichnen, ist einfach absurd.<\/p><p>&bdquo;In Israel gibt es keine Linke. Es gibt einzig eine Rechte in verschiedener Gestalt&ldquo;, beschreibt Gideon Levy, der wohl bekannteste inner-israelische Kritiker, <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/opinion\/in-israel-there-s-no-left-there-s-only-a-right-in-different-forms-1.6805651\">Anfang des Jahres in Haaretz<\/a> das Dilemma, dass im Grunde &ndash; bis auf die Kommunisten und die Vereinigte Arabische Liste &ndash; alle Parteien nur schlechter Abklatsch des Likud sind und von Likudniks gegr&uuml;ndet wurden, um sich dem allesfressenden schwarzen Loch namens Bibi zu entziehen. Es ist unm&ouml;glich, sich im Likud-Schatten vom K&ouml;nig zu profilieren und so sind all die rechten Kleinstparteien blo&szlig;e Likud-Iterationen, die jeweils vollst&auml;ndig auf ein, zwei charismatische, ambitionierte Rechtsau&szlig;en wie Lieberman, Shaked, Bennet oder Kahlon zugeschnitten sind. Blau-Wei&szlig; &ndash; die Levy der &bdquo;nationalistischen Rechten&ldquo; zuordnet &ndash; ist so erfolgreich, weil dort mehrere dieser Likud-Verschnitte geb&uuml;ndelt wurden. Es geht einzig um Gesichter, nicht um Inhalte: &bdquo;Die Parteien laufen alle demselben Ziel entgegen, nur unter verschiedenen Namen. Alle glauben sie an das Gleiche&ldquo;, so Levy weiter. &bdquo;Ein Einparteienregime wie in Kuba, Iran und Nordkorea &ndash; nur freiwillig&ldquo;.<\/p><p>Als Beleg f&uuml;r seine Einsch&auml;tzung nennt Levy allen voran die parteien&uuml;bergreifende Bef&uuml;rwortung der v&ouml;lkerrechtswidrigen Besatzung Pal&auml;stinas, zu der es Null Dissens gibt, sowie die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r das hochumstrittene <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalstaatsgesetz_(Israel)\">Nationalstaatsgesetz von 2018<\/a>, welches festschreibt, dass in Israel &bdquo;das Recht auf nationale Selbstbestimmung&ldquo; einzig dem &bdquo;j&uuml;dischen Volke&ldquo; vorbehalten ist. Auch wird dem Arabischen seine Stellung als Amtssprache aberkannt und der voranschreitende illegale &bdquo;j&uuml;dische Siedlungsbau&ldquo; im besetzten Westjordanland zum &bdquo;nationalen Wert&ldquo; erhoben, wodurch Israels tragische Entwicklung hin zum Apartheidstaat nun in die Verfassung aufgenommen wurde, wie Menschenrechts-NGOs <a href=\"https:\/\/www.adalah.org\/uploads\/uploads\/Adalah%2520Position%2520Paper%2520-%2520Basic%2520Law%2520Jewish%2520Nation%2520State%2520-%2520ENGLISH%2520-%252015072018%2520-%2520FINAL.pdf\">aufs Sch&auml;rfste verurteilen<\/a>.<br>\n&bdquo;Israel ist nicht der Staat all seiner B&uuml;rger&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2019\/18\/israel-rechtspopulismus-benjamin-netanjahu-regierung\">kommentiert<\/a> Netanyahu das  Nationalstaatsgesetz auf Instagram: &bdquo;Israel ist der Nationalstaat allein des j&uuml;dischen Volkes!&ldquo; (Warum bek&auml;mpfen einige Teile der vermeintlichen Linken in Deutschland noch immer mit Schaum vorm Mund die These, &ldquo;<a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2017-03-23\/israel-ist-ein-apartheidstaat\/\">Israel ist ein Apartheidstaat<\/a>&ldquo;, wenn Netanyahu selbst es hier doch mit Stolz verk&uuml;ndet?) Auch Netanyahus &bdquo;Kontrahent&ldquo; Benny Gantz hat kein Problem mit der ethnokratischen Agenda des Gesetzes.<\/p><p>Gantz <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-middle-east-47737733\">leitete<\/a> die Bodenoffensive im Libanon-Krieg 2006, der von massiven Kriegsverbrechen der israelischen Truppen gekennzeichnet war. Von 2011 bis 2015 war er Generalstabschef und damit h&ouml;chster Milit&auml;r im Land. Der Gazakrieg von 2012 wurde von ihm geleitet, wie auch der Krieg 2014, in dem Gantz &ndash; genau wie sein heutiger Blau-Wei&szlig;-Kollege und damaliger Verteidigungsminister Ya&rsquo;alon &ndash; <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/elections\/.premium-despite-campaign-videos-2014-gaza-war-wasn-t-gantz-s-finest-hour-1.6895792\">eine katastrophale Rolle<\/a> spielte. Der Gaza-Krieg 2014 war ein <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2015-02-22\/das-massaker-von-gaza\/\">Massaker an der Zivilbev&ouml;lkerung<\/a>, Tausende Menschen wurden get&ouml;tet. Ein israelischer Soldat, der bei der Bodenoffensive in Gaza dabei war, erz&auml;hlte mir in einer Bar in Tel Aviv von der Order, die Soldaten sollten ohne zu &uuml;berlegen auf alles schie&szlig;en, was sich bewegt. Von den &uuml;ber einem Dutzend Menschen, die er get&ouml;tet hat, konnte er bei keinem einzigen sicher sagen, ob es sich um einen Zivilisten oder einen K&auml;mpfer handelte &ndash; der General, der diese Lehrbuch-Kriegsverbrechen befehligte, ist also ein &bdquo;Linker&ldquo;. Ein Kriegsverbrecher als &bdquo;linke&ldquo; Alternative.<\/p><p>Im Wahlkampf spielte Gantz wiederholt die Milit&auml;rkarte und versuchte, sich rechts neben Netanyahu als der gr&ouml;&szlig;ere Kriegsfalke zu pr&auml;sentieren. Seine Kampagne ver&ouml;ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PEUQId3oTNo&amp;list=PLzT23Np5hqT3hFo-6tAc-3zxLO748e1Lu&amp;index=2\">ein martialisches Video<\/a>, in dem Beerdigungen und Trauerm&auml;rsche in Gaza gezeigt werden, w&auml;hrend ein Counter die 1.364 unter Gantz Get&ouml;teten hochz&auml;hlt. <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/only-the-strong-survive-gantzs-new-campaign-videos-laud-his-idf-bona-fides\/\">Ein anderes Video<\/a> prahlt, Gantz habe &bdquo;Teile des Gazastreifens in die Steinzeit zur&uuml;ckgeschickt&ldquo;. Wiederholt warf Gantz Netanyahu <a href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20190817-israels-gantz-netanyahu-weak-on-gaza\/\">Schw&auml;che<\/a> im Umgang mit Gaza und dem Westjordanland vor und sprach sich f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/gantz-lays-into-netanyahu-over-gaza-violence-says-israel-must-ramp-up-response\/\">gezielte T&ouml;tungen<\/a> von Hamas-Kommandeuren genau wie Politikern aus. &bdquo;Jedes Ziel ist angemessen&ldquo;, so Gantz <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/gantz-lays-into-netanyahu-over-gaza-violence-says-israel-must-ramp-up-response\/\">auf Twitter<\/a>, &bdquo;[wir] m&uuml;ssen sie eliminieren&ldquo;. Wie sein ehemaliger Boss Bibi, ist auch Gantz ein Anti-Iran-Falke und will die unter Netanyahu initiierte Kooperation mit den Diktaturen in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten &ndash; die beide Israel nicht einmal als Land anerkennen &ndash; weiter ausbauen und intensivieren.<\/p><p>Eine Anekdote entlarvt die Absurdit&auml;t des herbeigeschriebenen &bdquo;Unterschieds&ldquo; zwischen Gantz und Netanyahu. Letzterer versprach wenige Tage vor der September-Wahl, er werde das pal&auml;stinensische Jordantal offiziell annektieren, wenn er gew&auml;hlt w&uuml;rde. Am Leben der Menschen w&uuml;rde dies zwar nichts &auml;ndern &ndash; schlie&szlig;lich steht ganz Pal&auml;stina seit 1967 unter israelischer Milit&auml;rherrschaft. Doch w&uuml;rde eine Annexion das Hirngespinst namens Zweistaatenl&ouml;sung, dem westliche Politiker so gerne hinterherjagen, auch ganz offiziell platzen lassen. (Ein kleiner Seitenhieb: Seit M&auml;rz 2014 wissen wir bekanntlich, dass &bdquo;Annexionen&ldquo; das Werk expansionistischer Tyrannen sind und drakonische Sanktionen des Westens nach sich ziehen &ndash; ob Israel wohl auch sanktioniert wird?) Als Netanyahu sein Annexionsversprechen bekanntmachte, hagelte es vom &bdquo;Kontrahenten&ldquo; Gantz nicht etwa Kritik f&uuml;r die dreiste Ank&uuml;ndigung, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kapitel_I_der_Charta_der_Vereinten_Nationen#Artikel_2\">Artikel 2 der UN-Charta<\/a> brechen zu werden, nein, er beanspruchte die Urheberschaft des geplanten V&ouml;lkerrechtsbruchs f&uuml;r sich: &bdquo;Wir freuen uns, dass der Ministerpr&auml;sident endlich einlenkt und den <a href=\"https:\/\/www.commondreams.org\/views\/2019\/09\/24\/netanyahu-steroids-what-gantz-led-government-means-palestine\">Plan von Blau-Wei&szlig;<\/a> zur Anerkennung des Jordantals &uuml;bernimmt.&ldquo;<\/p><p>Gazakrieg, Besatzung, Apartheid, Jordantal &ndash; im Grunde duellieren sich beide &bdquo;Kontrahenten&ldquo; um die Frage: Wer ist der gr&ouml;&szlig;ere Verbrecher?<\/p><p>Titelbild: Hadrian \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Knesset-Wahlen im April gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen und war es ungewiss, ob Benjamin Netanyahu (in Israel gemeinhin nur &bdquo;Bibi&ldquo; genannt) sein f&uuml;nftes Kabinett zusammengestellt bekommen w&uuml;rde.<br \/> Heute, f&uuml;nf Monate sp&auml;ter, befindet sich Israel nach den Neuwahlen vom 17. September in der exakt selben Situation. Bevor das Land vielleicht bald zum dritten Mal an<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55589\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":55590,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[175,189,190],"tags":[2745,302,304,2746,835,1926,2263,303,2433],"class_list":["post-55589","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-israel","category-parteien-und-verbaende","category-wahlen","tag-gantz-benny","tag-gaza","tag-kriegsverbrechen","tag-likud","tag-nationalismus","tag-netanjahu-benjamin","tag-neuwahl","tag-palaestina","tag-wehrdienst"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/shutterstock_1360601657.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55589","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=55589"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55589\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":55594,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/55589\/revisions\/55594"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/55590"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=55589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=55589"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=55589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}