{"id":55679,"date":"2019-10-18T09:15:33","date_gmt":"2019-10-18T07:15:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55679"},"modified":"2019-10-25T11:16:16","modified_gmt":"2019-10-25T09:16:16","slug":"beraten-und-verkauft-scheuers-mautdebakel-ist-der-musterfall-eines-ferngesteuerten-politikbetriebs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55679","title":{"rendered":"Beraten und verkauft: Scheuers Mautdebakel ist der Musterfall eines ferngesteuerten Politikbetriebs."},"content":{"rendered":"<p>Die Opposition im Bundestag setzt einen Untersuchungsausschuss zur gescheiterten &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo; ein. Neben dem amtierenden Verkehrsminister soll auch dessen Amtsvorg&auml;nger sowie der Ex-CSU-Chef ins Visier genommen werden. Man darf gespannt sein, welche Rolle bei der Aufarbeitung der Privatisierungseifer der Verantwortlichen spielen wird. Auch FDP, Gr&uuml;ne und Linkspartei k&ouml;nnen hierbei nicht mit wei&szlig;er Weste gl&auml;nzen. Eigentlich hat ihre &bdquo;Realpolitik&ldquo; die Aff&auml;re &uuml;berhaupt erst m&ouml;glich gemacht. Und den Finger zum Ausverkauf der deutschen Fernstra&szlig;en haben sie auch gehoben. Autofahrer und Steuerzahler wird das bald teuer zu stehen kommen. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEndlich! Gr&uuml;ne, FDP und Die Linke haben die Weichen f&uuml;r die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur gescheiterten Pkw-Maut von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gestellt. Darauf legten sich am Dienstag die Bundestagsfraktionen der drei Oppositionsparteien fest, womit es nur noch des abschlie&szlig;enden Votums durch das Plenum bedarf. Damit ist in der kommenden Woche zur rechnen. Weil die Antragsteller zusammen deutlich &uuml;ber  25 Prozent der Abgeordneten stellen &ndash; so viele braucht es f&uuml;r einen erfolgreichen Einsetzungsbeschluss &ndash; gilt die Sache als ausgemacht. Gibt es gr&uuml;nes Licht, wird das Gremium seine Arbeit fr&uuml;hestens im Dezember aufnehmen. <\/p><p>Eine eingehende Untersuchung der Vorg&auml;nge rund um das geplatzte Projekt ist &uuml;berf&auml;llig. Der Europ&auml;ische Gerichtshof (EuGH) hatte den deutschen &bdquo;Sonderweg&ldquo;, einzig ausl&auml;ndische Autofahrer f&uuml;r die Nutzung hiesiger Fernstra&szlig;en zur Kasse zu bitten und einheimische zu schonen, Mitte Juni gestoppt. Damit waren s&auml;mtliche in f&uuml;nf Jahren eingeleiteten Ma&szlig;nahmen zur Umsetzung der Pl&auml;ne mit einem Mal obsolet. F&uuml;r die Katz sind auch die &uuml;ber 50 Millionen Euro, die bei der Irrfahrt allein f&uuml;r Berater- und Gutachterhonorare verpulvert wurden. Alles schon viel rausgeschmissenes Geld f&uuml;r etwas, das medial weiterhin hartn&auml;ckig als &bdquo;Schnapsidee&ldquo; aus CSU-Bierzelten gehandelt wird. Aber doch nur ein Trinkgeld verglichen mit dem, was noch kommt. Sch&auml;tzungen zu den m&ouml;glichen Regressforderungen der verhinderten Betreiber samt weiterer Folgekosten gehen hoch bis auf 700 Millionen Euro.  <\/p><p><strong>Berg an Vorw&uuml;rfen <\/strong><\/p><p>&Uuml;berf&auml;llig ist deshalb auch der R&uuml;cktritt von Scheuer, samt Aufhebung seiner Immunit&auml;t und einer Anklage wegen Untreue. Der Berg an Vorw&uuml;rfen, der sich in vier Monaten nur in der Causa Maut aufget&uuml;rmt hat, ist jetzt schon monstr&ouml;s. Vor 20 Jahren h&auml;tte ein Amtstr&auml;ger schon bei weit weniger seinen Hut nehmen m&uuml;ssen. Die NachDenkSeiten hatten am 11. September die bis dahin bekannten Verfehlungen, Ungereimtheiten und Widerspr&uuml;che seiner Version der Abl&auml;ufe <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54733\">aufgezeigt<\/a>. Hier noch einmal in K&uuml;rze die wesentlichen Anschuldigungen: <\/p><ul>\n<li>Gemauschelt wurde wohl schon bei der Vergabeentscheidung zugunsten des Betreiberkonsortiums aus Kapsch Traffic-Com und CTS Eventim. Im entscheidenden Wirtschaftlichkeitsgutachten kam es zu merkw&uuml;rdigen &bdquo;Kostenexplosionen&ldquo; bei der Veranschlagung staatlicher Ausgabenposten, weshalb etwa die Gr&uuml;nen-Fraktion von &bdquo;gesch&ouml;nten&ldquo; Zahlen ausgeht. H&auml;tten die Pr&uuml;fer nur den g&auml;ngigen Rabatt der Deutschen Post f&uuml;r Gro&szlig;kunden eingepreist, w&auml;re die staatliche Beschaffungsvariante g&uuml;nstiger ausgefallen. <\/li>\n<li>Dazu fielen in der Kalkulation m&ouml;gliche Synergien durch Einbeziehung der derzeit im Bundesbesitz befindlichen Toll Collect GmbH, die die Lkw-Maut eintreibt, unter den Tisch. Im Falle der Mitber&uuml;cksichtigung w&auml;re ein Privatbetrieb mit h&ouml;heren Kosten zu Buche geschlagen und h&auml;tte sich die Mauterhebung in staatlicher Regie mit Abstand als wirtschaftlicher erwiesen. Stattdessen ermittelten die Pr&uuml;fer einen Kostennachteil von 3,8 Prozent. <\/li>\n<li>Um im vom Bundestag bewilligten Kostenrahmen zu bleiben, wurde das erste Gebot des Konsortiums auf undurchsichtige Weise und hinter dem R&uuml;cken des Parlaments auf den letzten Dr&uuml;cker von &uuml;ber drei auf knapp &uuml;ber zwei Milliarden Euro geschrumpft. Dabei kamen auch die &ndash; bei der Vergabeentscheidung noch ignorierten &ndash; Synergien durch Toll Collect ins Spiel. Der Vertragsabschluss erging am 30. Dezember 2018 kurz vor Toresschluss. Zwei Tage sp&auml;ter h&auml;tte es einer erneuten Zustimmung des Bundestages bedurft. <\/li>\n<li>Im Falle eines Scheiterns des Projekts aus ordnungspolitischen Gr&uuml;nden (Absage durch EuGH) wurden den Investoren vertragsgem&auml;&szlig; Entsch&auml;digungen im Umfang des entgangenen Gewinns &uuml;ber die Laufzeit von zw&ouml;lf Jahren garantiert. Das hei&szlig;t: Maximaler Profit bei null Leistung.  <\/li>\n<li>Damit verbindet sich der Hauptvorwurf gegen Scheuer, den Deal ohne Rechtssicherheit fix gemacht zu haben, wohl wissend, dass die Luxemburger Richter das Projekt noch platzen lassen k&ouml;nnen. Der Minister begr&uuml;ndet dies mit einer vermeintlichen Eilbed&uuml;rftigkeit, weil andernfalls der Starttermin, Oktober 2020, gef&auml;hrdet gewesen w&auml;re und staatliche Einnahmeverluste gedroht h&auml;tten. Aufgetauchte interne Dokumente legen dagegen den Schluss nahe, dass mindestens auch parteitaktische Erw&auml;gungen eine Rolle gespielt haben. Demnach sollte das Thema aus dem Bundestagswahlkampf 2021 herausgehalten werden.  <\/li>\n<li>Die Opposition bezichtigt Scheuer der L&uuml;ge, der Vertuschung und der T&auml;uschung des Parlaments. Die von ihm versprochene &bdquo;maximale Transparenz&ldquo; entpuppt sich sp&auml;testens mit Bekanntwerden mehrerer au&szlig;er Protokoll stattgefundener Geheimtreffen mit den Betreibern als kl&auml;gliches Ablenkungsman&ouml;ver. Wie erst j&uuml;ngst publik wurde, sollen die Gesch&auml;ftspartner bei einer dieser Zusammenk&uuml;nfte sogar den Vorschlag gemacht haben, die Vertr&auml;ge erst nach dem EuGH-Spruch festzumachen. Scheuer soll das Angebot <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/andreas-scheuer-treffen-mit-mautfirmen-verstoss-gegen-vergaberecht-a-1291200.html\">verworfen haben<\/a>.<\/li>\n<\/ul><p>Linke, Gr&uuml;ne und FDP wollen in allen diesen Punkten nachbohren. Der Untersuchungsausschuss solle das Verhalten der Bundesregierung &bdquo;seit Unterzeichnung des Koalitionsvertrages zwischen CDU, CSU und SPD f&uuml;r die 18. Legislaturperiode&ldquo; insbesondere des Verkehrsministeriums und seiner nachgeordneten Beh&ouml;rden, &bdquo;im Zusammenhang mit der Vorbereitung und Einf&uuml;hrung der Infrastrukturabgabe, einschlie&szlig;lich der Vergabe sowie K&uuml;ndigung der Vertr&auml;ge zur Erhebung und Kontrolle und die daraus resultierenden Folgen inklusive den Prozessen der Abwicklung des Projektes, umfassend aufkl&auml;ren&ldquo;, hei&szlig;t es dazu in der vorl&auml;ufigen Fassung des Untersuchungsauftrags. <\/p><p>Der Text, der den NachDenkSeiten vorliegt, zeugt von einem erfreulichen Ermittlungseifer. Demnach soll nicht nur Scheuer, sondern auch dessen Amtsvorg&auml;nger und Parteifreund Alexander Dobrindt ins Visier genommen werden. Der hatte das Projekt mit intensiver R&uuml;ckendeckung seines damaligen Parteichefs Horst Seehofer angeschoben und schlie&szlig;lich gegen alle Widerst&auml;nde, auch seitens des SPD-Koalitionspartners, durchgesetzt. Die Zeitung &bdquo;Die Welt&ldquo; schrieb dazu am Mittwoch, dass neben Scheuer auch der heutige Innenminister sowie der amtierende CSU-Landgruppenchef im Bundestag, mithin die ganze CSU, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/debatte\/article201953296\/Platz-der-Republik-Eine-Schnapsidee-der-CSU.html\">auf der &bdquo;Zeugen- und Anklagebank&ldquo; landen w&uuml;rden<\/a>. Schlie&szlig;lich sei die Maut ja ein &bdquo;reines CSU-Projekt&ldquo; und dazu &bdquo;schon immer&ldquo; eine &bdquo;Schnapsidee&ldquo; gewesen. <\/p><p><strong>Autobahn-GmbH <\/strong><\/p><p>Wie die NachDenkSeiten schon einmal im Juni <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52667\">dargelegt haben<\/a>, geht diese Zuschreibung an der Wahrheit vorbei. Tats&auml;chlich war die &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo; nur als Aufgalopp f&uuml;r das weitergehende Vorhaben einer allgemeinen Maut gedacht. Diese wiederum ist selbst nur eine unerl&auml;ssliche Voraussetzung f&uuml;r das Gelingen eines noch umfassenderen Masterplans, der auf eine (funktionale) Privatisierung des Fernstra&szlig;enbaus abzielt. Die Vorarbeiten dazu wurden im Sommer 2017 durch die Beschl&uuml;sse zur Schaffung einer in Bundeshoheit stehenden &bdquo;Infrastrukturgesellschaft Verkehr&ldquo; erledigt. In einer privatrechtlich verfassten GmbH sollen demnach ab 2021 Planung, Bau und Betrieb geb&uuml;ndelt und bei der Realisierung der Projekte in gro&szlig;em Stil private Investoren eingebunden werden, insbesondere auf dem Wege &ouml;ffentlich-privater Partnerschaften (&Ouml;PP). <\/p><p>Erdacht hat das Modell einst die von Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bestellte sogenannte Fratzscher-Kommission. Der Zirkel aus marktliberalen &Ouml;konomen und Vertretern der Finanzbranche wurde 2014 mit dem Auftrag betraut, hochprofitable Anlagem&ouml;glichkeiten f&uuml;r von Niedrigzinsen gebeutelte Banken und Versicherungen &bdquo;zur St&auml;rkung von Investitionen in Deutschland&ldquo; zu erschlie&szlig;en. Am Ende stand die Idee einer zentralen Autobahn-AG, die den Ausverkauf von Deutschlands Stra&szlig;ennetz auf Kosten der Steuerzahler unter Umgehung von Schuldenbremse und EU-Stabilit&auml;tskriterien vollziehen soll. <\/p><p><strong>Kassemachen bei allen <\/strong><\/p><p>Das &bdquo;Betriebssystem&ldquo; dazu haben Wirtschaftspr&uuml;fer von Pricewaterhouse Coopers (PwC) und der Kanzlei Graf von Westphalen (GvW) in diversen Gutachten entworfen. Im Zentrum der &Uuml;berlegungen steht dabei eine Maut f&uuml;r alle, aus deren Erl&ouml;sen die Betreiber &uuml;ber Jahrzehnte zu bezahlen w&auml;ren. Beispielsweise hei&szlig;t es an einer Stelle, &bdquo;perspektivisch soll die Finanzierung der Bundesautobahnen auf Basis unmittelbar vom Nutzer bereitgestellter Finanzierungsbetr&auml;ge vollst&auml;ndig au&szlig;erhalb des Bundeshaushalts sichergestellt und abgewickelt werden k&ouml;nnen (,Stra&szlig;e finanziert Stra&szlig;e&rsquo;).&ldquo; Das ist schon heute beim Autobahnbau mit &Ouml;PPs g&auml;ngige Praxis, wobei jedoch lediglich die Einnahmen aus der Lkw-Maut von Staats wegen und zu langfristig &uuml;berbordenden Kosten als Profite weitergereicht werden.<\/p><p>Mit dem geplanten Zentralapparat, vergleichbar der Bahn-AG, gepaart mit einer Pkw-Maut f&uuml;r jede und jeden verspricht die Gesch&auml;ftemacherei auf Kosten der Steuerzahler noch einmal deutlich ger&auml;uschfreier und lukrativer vonstattenzugehen. Der Verwaltungsrechtler Holger M&uuml;hlenkamp zeigte sich schon Ende 2016 &uuml;berzeugt: &bdquo;Ich rechne fest damit, dass es auch hierzulande &uuml;ber kurz oder lang eine allgemeine Maut geben wird&ldquo;. Dobrindts &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo; w&auml;re vermutlich nur das Vorspiel dazu. &bdquo;An der Maut kommt man nicht vorbei, wenn es darum geht, Privatinvestoren f&uuml;r die Sache zu gewinnen.&ldquo; <\/p><p><strong>Gierige Investoren <\/strong><\/p><p>Ob der Gang der Dinge durch Scheuers Mautdebakel verz&ouml;gert oder am Ende gar beschleunigt wird, muss sich zeigen. Auf alle F&auml;lle sind nach dem EuGH-Richterspruch die Stimmen derer lauter geworden, die sich f&uuml;r &bdquo;europ&auml;ische Verh&auml;ltnisse&ldquo; auch in Deutschland aussprechen. R&uuml;ckenwind verhei&szlig;t ihnen dabei die an Kraft gewonnene Klimadebatte. Aber Vorsicht: Man muss genau hinsehen, wer hier wof&uuml;r das Wort ergreift. Eine Maut mit &ouml;kologischer Lenkungswirkung, die den Verkehr von der Stra&szlig;e auf die zu verbilligende Schiene bef&ouml;rdert, ist ohne Frage ein Gebot der Stunde. Aber nichts nach diesem Muster findet sich in den Konzepten der im Hause Scheuer verkehrenden Politikberater. Diese begreifen eine Maut immer nur als Teil einer Maschinerie zur Bereicherung von Investoren. <\/p><p>Wie zum Beleg: Besagte &bdquo;Experten&ldquo; von Pricewaterhouse Coopers, die Vordenker der Autobahn-AG, haben auch das mutma&szlig;lich frisierte Wirtschaftlichkeitsgutachten zur Pkw-Maut zu verantworten. Wen sollte das wundern? Auf der PwC-Kundenliste stehen Hunderte Konzerne und Unternehmen, darunter auch solche, die von Privatisierungen oder der Auslagerung staatlicher Aufgaben profitieren. PwC und andere sogenannte Wirtschaftspr&uuml;fer und Berater operieren nicht nach objektiven Ma&szlig;st&auml;ben. Sie bahnen Gesch&auml;fte an und wenn sie auf der Schwelle zwischen Politik und Wirtschaft sitzen, sind das fast ausnahmslos Gesch&auml;fte zum Nachteil des Staates und des Steuerzahlers. Praktisch s&auml;mtliche der in den zur&uuml;ckliegenden 20 Jahren angesto&szlig;enen &Ouml;PP-Deals haben sich haush&auml;lterisch als Desaster erwiesen. <\/p><p><strong>Lobbyrepublik <\/strong><\/p><p>&Uuml;berhaupt ist das Wort &bdquo;Berater&ldquo; ein an Verballhornung grenzender Euphemismus. Die riesigen Heere externer Zuarbeiter der Ministerialb&uuml;rokratie agieren wenigstens ma&szlig;geblich im Vorfeld von Entscheidungen. Immer h&auml;ufiger sind sie sogar die eigentlichen &ndash; wenngleich verdeckten &ndash; Entscheider im Regierungsbetrieb, was mithin so weit geht, dass sie ihnen gef&auml;llige Gesetze gleich selbst ausfertigen. Die Politiker fungieren dabei nur mehr als ausf&uuml;hrendes Personal und Lautsprecher ihrer Zufl&uuml;sterer. <\/p><p>Nirgendwo ist das augenf&auml;lliger als im Ministerium Scheuer, wo Lobbyisten die &bdquo;Aufarbeitung&ldquo; der Abgasaff&auml;re regeln und mit erb&auml;rmlichen &bdquo;Sanktionen&ldquo; den Absatz ihrer Klimakillerkarossen sichern. Und auf der B&uuml;hne lassen sie ihren Minister Dinge plappern wie: &bdquo;Tempolimits sind gegen jeden Menschenverstand.&ldquo;<\/p><p><strong>Ramelow macht Dobrindt froh  <\/strong><\/p><p>Apropos &bdquo;Anklagebank&ldquo;. Neben Scheuer, Dobrindt und Seehofer geh&ouml;rten dort Akteure hin, die nicht jeder auf dem Zettel hat. Zum Beispiel Th&uuml;ringens Ministerpr&auml;sident Bodo Ramelow. Der h&auml;tte die &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo; am 31. M&auml;rz 2017 durch Ablehnung in der L&auml;nderkammer in den Vermittlungsausschuss verweisen und damit die Gesetzgebung verz&ouml;gern, wom&ouml;glich gar verhindern k&ouml;nnen. Anschlie&szlig;end lie&szlig; er freim&uuml;tig durchblicken, dass er sich ein &bdquo;Nein&ldquo; wegen Dobrindts m&uuml;ndlicher Zusage f&uuml;r ein regionales Bahnprojekt verkniffen hatte. Mit &auml;hnlichen Verrenkungen winkten mehrere zuvor noch flatterhafte SPD-Regierungschefs das fragliche Gesetz durch. <\/p><p>&Auml;hnliches und an gleicher Stelle trug sich zwei Monate sp&auml;ter zu. Dem Gesamtpaket zur Neuordnung der Bund-L&auml;nder-Finanzbeziehungen, das die Quasiprivatisierung der Autobahnen beinhaltete, stimmten ausnahmslos alle L&auml;nder zu, auch die mit Regierungsbeteiligung von Gr&uuml;nen und Linkspartei. Woraus folgt: Ganz wei&szlig; ist die Weste der Ankl&auml;ger dann auch nicht. Aber dar&uuml;ber haben &ndash; sobald Deutschlands Stra&szlig;en unter den Hammer gekommen sind &ndash; die betrogenen Steuerzahler von morgen zu urteilen. <\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/c27c0854c8064a6f916670a2983b47db\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p><p>Titelbild: Juergen Faelchle \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Opposition im Bundestag setzt einen Untersuchungsausschuss zur gescheiterten &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo; ein. Neben dem amtierenden Verkehrsminister soll auch dessen Amtsvorg&auml;nger sowie der Ex-CSU-Chef ins Visier genommen werden. Man darf gespannt sein, welche Rolle bei der Aufarbeitung der Privatisierungseifer der Verantwortlichen spielen wird. Auch FDP, Gr&uuml;ne und Linkspartei k&ouml;nnen hierbei nicht mit wei&szlig;er Weste gl&auml;nzen. 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