{"id":55701,"date":"2019-10-19T11:00:18","date_gmt":"2019-10-19T09:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55701"},"modified":"2019-10-21T08:57:37","modified_gmt":"2019-10-21T06:57:37","slug":"zur-wahl-des-spd-vorsitzenden-scholz-das-geht-nicht-vielleicht-zwei-andere-paarungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55701","title":{"rendered":"Zur Wahl des SPD-Vorsitzenden: Scholz? Das geht nicht. Vielleicht zwei andere Paarungen."},"content":{"rendered":"<p>Vorweg: Falls Sie die weitere Entwicklung bei der SPD nicht interessiert, was man verstehen kann, dann verzichten Sie einfach auf die Lekt&uuml;re dieses Textes. &ndash; Nun zur Sache: Niels Annen und Carsten Schneider haben eine Wahlempfehlung abgegeben. Sie empfehlen <a href=\"https:\/\/www.nielsannen.de\/de\/article\/427309.warum-wir-klara-geywitz-und-olaf-scholz-w%C3%A4hlen.html\">hier<\/a> die Wahl von Klara Geywitz und Olaf Scholz. Die Wahl von Olaf Scholz w&auml;re die Best&auml;tigung des weiteren Niedergangs der SPD. Ihm ist als Bundesfinanzminister und Vizekanzler nichts eingefallen, um die sozialdemokratische Programmatik zu st&auml;rken. Er hat die Schwarze-Null-Politik Sch&auml;ubles einfach weitergemacht. Sind irgendwo Initiativen von Scholz z. B. zu mehr Steuergerechtigkeit und zum Austrocknen der Steueroasen zu erkennen? &nbsp;Er war als SPD-Generalsekret&auml;r von Oktober 2002 bis M&auml;rz 2004 mitverantwortlich f&uuml;r die Agenda 2010 und hat dann als Bundesminister f&uuml;r Arbeit und Soziales den sozialen Schrumpfkurs der SPD mitbetrieben. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Als SPD-Mitglied f&uuml;r Olaf Scholz zu votieren, kommt einem politischen Selbstmord gleich. Deshalb die Anregung, das nicht zu tun und auch bei anderen SPD-Mitgliedern daf&uuml;r zu werben, auf jeden Fall Scholz ihre Stimme nicht zu geben.<\/strong><\/p><p>Eine positive Empfehlung auszusprechen, ist ausgesprochen schwierig. Und es gibt ein gro&szlig;es Problem: Es gibt ein paar einigerma&szlig;en progressiv erscheinende Gespanne. Sie nehmen sich gegenseitig die Stimmen weg. Deshalb will ich nach Pr&uuml;fung der Positionen bekennen, dass aus meiner Sicht und auch aus der Sicht einiger Freundinnen und Freunde, mit denen ich im Austausch stehe, zwei der Doppel infrage kommen: Schwan\/Stegner und Walter-Borjans\/Esken.<\/p><p><strong>Bei beiden Gespannen muss man allerdings einiges kritisch hinterfragen:<\/strong><\/p><p><strong>Zu Schwan\/Stegner:<\/strong><\/p><p>Ralf Stegner ist seit 2014, also schon f&uuml;nf Jahre lang Stellvertretender Vorsitzender der SPD.<\/p><p>Gesine Schwan ist seit 2014 Vorsitzende der Grundwertekommission der SPD.<\/p><p>Was haben die beiden in diesen wichtigen Funktionen getan, um den rasanten Abstieg der SPD zu stoppen? Was haben sie getan, um das Profil der SPD zu st&auml;rken?<\/p><p>Gesine Schwan war Mitbegr&uuml;nderin der Seeheimer. Einen solchen Verein kann man ja gr&uuml;nden, obwohl das damals eindeutig gegen Willy Brandt gerichtet war und damit den Niedergang der SPD einleitete. Den Seeheimern und auch dem Ehepaar Schwan passte der Br&uuml;ckenbau Brandts zur Jugend und insbesondere zu den Achtundsechzigern nicht. Das fand ich damals unertr&auml;glich. Aber das ist Vergangenheit. <\/p><p>Zur Gegenwart aber die Frage: Was hat Gesine Schwan getan, um die f&uuml;r die SPD t&ouml;dliche Vormachtstellung der Seeheimer zu relativieren und Pluralit&auml;t von rechts bis links m&ouml;glich zu machen? Ohne Pluralit&auml;t bleibt eine Volkspartei keine Volkspartei. Was die SPD jetzt mit ihren ca. 15 % erreicht, ist das Potenzial der Seeheimer. Alles andere fehlt.<\/p><p>Trotz aller kritischen Anmerkungen: Die beiden haben wenigstens in der friedenspolitischen Frage ein ziemlich deutliches Profil. Und sie w&auml;ren trotz aller Kritik noch um vieles besser als Olaf Scholz und seine Partnerin.<\/p><p><strong>Zu Walter-Borjans\/Esken:<\/strong><\/p><p>Eigentlich wollte ich f&uuml;r die beiden votieren und &uuml;berlege das auch noch. Norbert Walter-Borjans hat seine Funktion als Finanzminister in Nordrhein-Westfalen genutzt, um die Nutzung von Steueroasen  einzud&auml;mmen. Er hat gegen gro&szlig;en Widerstand die notwendigen CDs mit den Daten aufkaufen lassen. Auch sonst traue ich ihm in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik die dringend notwendige neue Profilierung der SPD zu. Eine etwas deutlichere Erkl&auml;rung der Beiden zur Frage, ob wir und wie wir den Faden der Entspannungs- und Friedenspolitik wieder aufnehmen und die Konfrontation mit Russland beenden k&ouml;nnen. (Siehe dazu auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55674\">diesen, gestern ver&ouml;ffentlichten Artikel von Uwe Thomas<\/a>).<\/p><p>Walter-Borjans hat in diesem Zusammenhang auf ein Interview verwiesen, das er und Saskia Esken dem <a href=\"https:\/\/www.blog-der-republik.de\/die-spd-ist-unverzichtbar\/\">&bdquo;Blog-der-Republik&ldquo; gegeben haben<\/a>. Was dort gesagt wurde, reicht mir nicht. Ich zitiere die Passagen zur Au&szlig;enpolitik vollst&auml;ndig, damit Sie sich ein Bild machen k&ouml;nnen:<\/p><blockquote><p>\n<strong>Frage:<\/strong> Ein Wort zur Au&szlig;enpolitik, nein, aber nicht zu Trump, sondern zu Russland und Putin. M&uuml;ssen wir nicht wegkommen von den Sanktionen gegen Moskau? Sie helfen niemandem, auch nicht der deutschen Wirtschaft, sie bringen uns nicht weiter. Und was den Grund daf&uuml;r angeht: Hat der Westen nicht selber viel Schuld daran, dass Putin die Krim annektiert hat? Einer wie Fritz Pleitgen, langj&auml;hriger Russland-Korrespondent und Kenner des Landes, spricht sich schon l&auml;nger gegen diese Politik aus.<\/p>\n<p><strong>NWB:<\/strong> In einem Punkt widerspreche ich Fritz Pleitgen, den ich sehr sch&auml;tze und mit dem ich mich intensiv &uuml;ber diese Frage ausgetauscht habe: Die Annexion der Krim ist v&ouml;lkerrechtswidrig. Der R&uuml;ckgriff auf historisch begr&uuml;ndete Besitzanspr&uuml;che war schon immer Ausl&ouml;ser von Krisen und Kriegen. Wir w&uuml;rden in Mitteleuropa nicht seit 75 Jahren in Frieden leben, wenn Willy Brandt mit seiner Ostpolitik den Teufelskreis nicht durchbrochen und stattdessen Grenzen als unver&auml;nderlich anerkannt h&auml;tte. Aber wie Pleitgen und viele andere halte ich die Wirtschaftssanktionen f&uuml;r falsch.<\/p>\n<p><strong>SE:<\/strong> Wir sind uns einig: Wenn wir ein Volk guter Nachbarn sein wollen, wie es Willy Brandt ausgedr&uuml;ckt hat, dann d&uuml;rfen Sanktionen nicht die gro&szlig;e Mehrheit der Menschen treffen, die ohnehin schon vom Demokratiedefizit gebeutelt sind. Und sie d&uuml;rfen eben auch nicht immer wieder zu obskuren Umgehungsgesch&auml;ften einladen, die ganz sicher nicht zu einem ehrlicheren Umgang miteinander beitragen.\n<\/p><\/blockquote><p>Die Kritik an der sogenannten v&ouml;lkerrechtswidrigen Annexion der Krim und die Kritik an den Sanktionen &ndash; ist das alles, was zwei Kandidaten f&uuml;r den Parteivorsitz der SPD angesichts der den Frieden bedrohenden Entwicklung in Europa, die wesentlich vom Westen ausgel&ouml;st worden ist &ndash; durch die Ausdehnung der NATO bis an die russische Grenze, durch die Inszenierung eines Regime Change in der Ukraine, durch viele Kriege in der Welt &ndash; zu sagen haben?<\/p><p>Bei der Eingliederung der Krim ging es doch nicht um die Realisierung &bdquo;historisch begr&uuml;ndeter Besitzanspr&uuml;che&ldquo;. Es ging um die Abwehr des Versuchs der USA und des Westens, Zugriff auf ein Territorium zu erhalten, in dem in Sewastopol die einzige s&uuml;dliche Marinebasis Russlands liegt.<\/p><p>Zur Friedenspolitik Willy Brandts und der SPD seinerzeit geh&ouml;rte notwendigerweise die Kunst und der Wille, sich in die Lage des anderen, in diesem Fall Russlands, zu versetzen. Wenn die Krim in die H&auml;nde der zusehends rechtsorientierten Kr&auml;fte in der Ukraine gekommen w&auml;re, dann w&auml;re der Konflikt mit Russland vorprogrammiert gewesen. Dann h&auml;tte vor allem aufgrund dieser Bedrohung die innere Entwicklung Russlands einen bedrohlichen Lauf genommen. Das h&auml;tte zu einer St&auml;rkung der milit&auml;rischen und nationalistischen Kr&auml;fte Russlands gef&uuml;hrt. Das w&auml;re nicht &bdquo;Wandel zum Guten durch Ann&auml;herung&ldquo;, sondern &bdquo;Wandel zum Schlimmeren durch Konfrontation&ldquo; gewesen. Der fr&uuml;here Vorsitzende Willy Brandt und auch Egon Bahr h&auml;tten das erkannt. Warum nicht der Bewerber Walter-Borjans und die Bewerberin Esken?<\/p><p>Auch einige andere &Auml;u&szlig;erungen, vor allem jene zu Migration wegen des demographischen Problems, haben mich irritiert. Aber es gab auch viele positiv aufzunehmende Passagen. Wer sich noch orientieren will, kann das Interview ja mal ganz lesen.<\/p><p><strong>Wenn sich die Beiden in der noch verbleibenden Zeit zugunsten einer neuen friedenspolitischen Initiative gegen&uuml;ber Russland &auml;u&szlig;ern und zum Beispiel f&uuml;r den Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag votieren, dann w&auml;re f&uuml;r mich die Entscheidung positiv gefallen.<\/strong><\/p><p>Abstimmen werde ich in jedem Fall, weil nur dann die Chance besteht, Olaf Scholz und damit das weitere Siechtum der SPD zu verhindern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorweg: Falls Sie die weitere Entwicklung bei der SPD nicht interessiert, was man verstehen kann, dann verzichten Sie einfach auf die Lekt&uuml;re dieses Textes. &ndash; Nun zur Sache: Niels Annen und Carsten Schneider haben eine Wahlempfehlung abgegeben. 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