{"id":55841,"date":"2019-10-24T12:41:58","date_gmt":"2019-10-24T10:41:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55841"},"modified":"2019-10-25T07:20:57","modified_gmt":"2019-10-25T05:20:57","slug":"ard-zdf-dlf-ohne-selbstkritik-keine-versoehnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55841","title":{"rendered":"ARD-ZDF-DLF: Ohne Selbstkritik keine Vers\u00f6hnung"},"content":{"rendered":"<p>Wenn die aktuell von den Ministerpr&auml;sidenten diskutierten Pl&auml;ne zum &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk Vertrauen zur&uuml;ckgewinnen sollen, so muss dieses Vorhaben scheitern: Zuvor m&uuml;ssten zahlreiche Journalisten eigenes Fehlverhalten &ouml;ffentlich aufarbeiten. Die weitgehende Verweigerung einer echten Selbstkritik bedroht das wichtige &ouml;ffentlich-rechtliche Prinzip. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7761\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-55841-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_ARD_ZDF_DLF_Ohne_Selbstkritik_keine_Versoehnung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_ARD_ZDF_DLF_Ohne_Selbstkritik_keine_Versoehnung_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_ARD_ZDF_DLF_Ohne_Selbstkritik_keine_Versoehnung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_ARD_ZDF_DLF_Ohne_Selbstkritik_keine_Versoehnung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=55841-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_ARD_ZDF_DLF_Ohne_Selbstkritik_keine_Versoehnung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191024_ARD_ZDF_DLF_Ohne_Selbstkritik_keine_Versoehnung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Schock bei zahlreichen Medienkonsumenten sitzt noch immer tief: Die Berichterstattung auch der &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und Deutschlandfunk (DLF) zum Maidan-Umsturz, zum Krieg gegen Syrien, zu den militanten Protesten in Venezuela oder Hongkong, zum deutsch-US-amerikanischen Verh&auml;ltnis, zum Thema Krieg und Frieden, zu Auslandseins&auml;tzen der Bundeswehr, zum V&ouml;lkerrecht, zu liberaler Wirtschaftsordnung, Altersvorsorge und Privatisierung, zu DDR und &bdquo;Treuhand&ldquo;, gegen die Linkspartei sowie die teils hysterisch antirussische Sto&szlig;richtung zahlreicher Artikel hat viele B&uuml;rger nachhaltig entfremdet von den &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien.<\/p><p>&Auml;hnlich wie das Personal der ebenfalls krisengesch&uuml;ttelten und aus den oben genannten Gr&uuml;nden diskreditierten Privatmedien diskutieren die Journalisten des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks schon geraume Zeit Strategien, wie das zerst&ouml;rte Vertrauen zu den verlorenen Kunden wiederhergestellt werden k&ouml;nnte &ndash; ganz aktuell befasst sich auch die Konferenz der Ministerpr&auml;sidenten mit der Rundfunkfrage. Insgesamt wird aber in der offiziellen Debatte um ARD, ZDF und DLF ein ganz zentraler Punkt ignoriert: Ohne &ouml;ffentliche Selbstkritik wird es keine Vers&ouml;hnung zwischen den Rundfunkanstalten und dem vertriebenen Publikum geben. Und mit Selbstkritik sind keine Phrasen gemeint, nach dem Motto: &bdquo;Wir wollen alles &sbquo;noch besser&lsquo; machen.&ldquo;<\/p><p><strong>Fake News verbreiten nur die Anderen<\/strong><\/p><p>Es ist bekannt: Fake News machen aus Sicht der gro&szlig;en Medien eigentlich nur die Anderen &ndash; und Kritik an der Regierung, den USA oder dem Finanzsystem steht nach dieser falschen Deutung oft unter dem Generalverdacht, &bdquo;rechts&ldquo; zu sein. Das Problem ist aber, dass zahlreiche B&uuml;rger die wochenlangen, intensiven und verzerrenden Berichte jener gro&szlig;en Medien etwa zum Maidan oder zu syrischen &bdquo;Rebellen&ldquo; als die echten Fake News empfinden. Diese mutma&szlig;lichen Fake-News-Kampagnen werden zudem als erheblich wirkungsvoller und darum relevanter und destruktiver wahrgenommen als rechtsextreme Nischen-Foren im Internet. Die Bezeichnung der Kritik an den etablierten Medien als pauschal &bdquo;rechts&ldquo; ist zudem skandal&ouml;s und muss zur&uuml;ckgewiesen werden. <\/p><p>Dieser Kontrast zwischen &uuml;berw&auml;ltigenden und gro&szlig;fl&auml;chigen Kampagnen in so manchem gro&szlig;en Medium einerseits und dem hysterischen Verweis der gleichen Medien auf Internet-Propaganda andererseits erf&uuml;llt alle Kriterien des Prinzips &bdquo;Haltet den Dieb&ldquo;. <strong>Mit dieser Feststellung wird die reale und gef&auml;hrliche rechte Propaganda weder geleugnet noch verniedlicht.<\/strong> Man kann aber feststellen, dass die fortgesetzte Verweigerung der Selbstkritik im Verbund mit dem mahnenden Hinweis auf Internet-Propaganda das wichtige &ouml;ffentlich-rechtliche Prinzip insgesamt in Gefahr bringt. Denn dieses Verhalten f&ouml;rdert erhebliche Zweifel an der Lernf&auml;higkeit des Personals. Diese Zweifel k&ouml;nnen auch Zeitgenossen ausnutzen, die den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk gerne als l&auml;stige Konkurrenz zu privaten Konzernmedien ganz abschaffen wollen. Die Zweifel best&auml;rken auch jene B&uuml;rger, die sich durch die nachvollziehbare Wut &uuml;ber die eingangs beschriebenen Defizite von ARD, ZDF und DLF zu einer vorschnellen prinzipiellen Ablehnung von &bdquo;Staatsfunk&ldquo; und &bdquo;Zwangsgeb&uuml;hr&ldquo; hinrei&szlig;en lassen. <\/p><p><strong>&Ouml;ffentlich-Rechtliche: Scharfe Kritik ja &ndash; Abschaffung nein <\/strong><\/p><p>Warum die Forderung nach einer Abschaffung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks der falsche Impuls ist, der die Probleme der deutschen Medienlandschaft eher versch&auml;rfen als entspannen w&uuml;rde, haben die NachDenkSeiten etwa <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45023\">in diesem Artikel<\/a> beschrieben. Dort hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Denn fallen die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen weg, dominieren private Medienkonzerne wie Bertelsmann und Springer &ndash; und diese Konzernmedien haben sich bei den oben erw&auml;hnten Themen ebensowenig mit journalistischem Ruhm bekleckert wie ARD, ZDF und Deutschlandfunk. (&hellip;) Im Vergleich (zu Privatmedien) haben wenigstens in der Theorie die Gremien von ARD, ZDF und Deutschlandfunk einen demokratischen Auftrag. Wenigstens in der Theorie kann man sich mit Beschwerden an sie wenden, man kann sich statt auf den zahnlosen Presserat auf konkrete Gesetzestexte berufen. Diese Vorst&ouml;&szlig;e werden fast immer abgeblockt, das ist frustrierend &ndash; bei Privatmedien gibt es aber nicht einmal die theoretische M&ouml;glichkeit\n<\/p><\/blockquote><p>Und das &bdquo;Neue Deutschland&ldquo; erg&auml;nzt zum Thema:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wer au&szlig;erhalb des Springer-Konzerns hat eigentlich den Herausgeber der &raquo;Bild&laquo;-Gruppe, Kai Diekmann, mitbestimmt? Wer k&ouml;nnte ihn wieder abberufen? (&hellip;) Die Antwort ist bekannt: Die B&uuml;rger (auch die Nicht-&raquo;Bild&laquo;-Leser) m&uuml;ssen das h&ouml;chst wirkungsvolle politische Sendungsbewusstsein des Springer-Personals ertragen, ohne auf diese Meinungsbildung demokratisch Einfluss nehmen zu k&ouml;nnen. So kann ein von der Minderheit der &raquo;Bild&laquo;-K&auml;ufer und potenten Anzeigenkunden finanziertes Produkt die Politik f&uuml;r eine von den Entscheidungsprozessen ausgeschlossene Mehrheit ver&auml;ndern. Dieses Recht steht potenziell auch allen anderen Privatmedien zu &ndash; wodurch eigentlich Meinungsvielfalt entstehen soll. Die Gremien von ARD, ZDF und Deutschlandradio sind dagegen leidlich demokratisch legitimiert.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die verpassten Chancen des Rundfunks<\/strong><\/p><p>Die Rundfunkfrage wird dieser Tage von den Ministerpr&auml;sidenten debattiert &ndash; etwa, ob das sogenannte &bdquo;Indexmodell&ldquo; zur Entwicklung des Rundfunkbeitrags herangezogen werden soll. Wie der DLF <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ministerpraesidentenkonferenz-entscheidung-zum.2907.de.html?dram:article_id=450761\">beschreibt<\/a>, beinhaltet das Modell, &bdquo;den Rundfunkbeitrag zum Beispiel an die Teuerungsrate oder den Verbraucherpreisindex zu koppeln &ndash;&nbsp;das w&uuml;rde bedeuten, dass der Rundfunkbeitrag regelm&auml;&szlig;ig automatisch steigt oder sinkt, je nachdem wie sich der jeweilige Index entwickelt&ldquo;.<\/p><p>Aus Anlass des Treffens der Ministerpr&auml;sidenten sendete der DLF am Mittwoch ein langes <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/die-debatte-um-den-rundfunkbeitrag-der-oeffentlich.1771.de.html?dram:article_id=461567\">Gespr&auml;ch<\/a> zu Fragen der Finanzierung und der zuk&uuml;nftigen Gewichtung von Inhalten, unter anderem mit Lutz Marmor, Intendant des NDR und Diemut Roether, Chefredakteurin des Medienfachdienstes epd. Wer sich jedoch die in diesem Text geforderte Einkehr und Kritik (in angemessener Sch&auml;rfe und Tiefe) erhofft hatte, wurde entt&auml;uscht. Hier hat auch die Moderation eines &ouml;ffentlich-rechtlichen Mediums einmal mehr die Chance verpasst, durch eine strenge Selbstanalyse die eigene Zukunft zu sichern. <\/p><p>Titelbild: nitpicker \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die aktuell von den Ministerpr&auml;sidenten diskutierten Pl&auml;ne zum &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk Vertrauen zur&uuml;ckgewinnen sollen, so muss dieses Vorhaben scheitern: Zuvor m&uuml;ssten zahlreiche Journalisten eigenes Fehlverhalten &ouml;ffentlich aufarbeiten. Die weitgehende Verweigerung einer echten Selbstkritik bedroht das wichtige &ouml;ffentlich-rechtliche Prinzip. 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