{"id":55851,"date":"2019-10-24T15:15:30","date_gmt":"2019-10-24T13:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55851"},"modified":"2019-11-08T10:31:35","modified_gmt":"2019-11-08T09:31:35","slug":"die-energiewende-stockt-dies-ist-ein-politisches-versagen-und-oekologisches-sowie-oekonomisches-desaster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55851","title":{"rendered":"Die Energiewende stockt \u2013 dies ist ein politisches Versagen und \u00f6kologisches sowie \u00f6konomisches Desaster"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland hat sich verpflichtet, den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis 2050 auf 80% zu erh&ouml;hen. Ein ehernes Ziel, das jedoch so gar nicht zu den aktuellen Zahlen passt. Im ersten Halbjahr 2019 gingen <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/gipfel-windkraft-101.html\">so wenig Windkraftanlagen ans Netz<\/a> wie noch nie seit Einf&uuml;hrung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahre 2000. Und auch der Photovoltaik-Ausbau betr&auml;gt zur Zeit nur ein Viertel des Wertes aus 2012. Das ist nicht nur ein &ouml;kologisches, sondern auch ein &ouml;konomisches Desaster. Alleine in der Photovoltaik sind bereits 80.000 Jobs vernichtet worden; ein Szenario, das sich bei der Windkraft wiederholen k&ouml;nnte. Die Politik &ndash; allen voran von CDU und SPD &ndash; vernichtet mit Vorsatz zwei Zukunftsbranchen und macht sich zum Vollstrecker von Lobbyinteressen, die den Interessen der Menschen zuwiderlaufen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8596\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-55851-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_Die_Energiewende_stockt_dies_ist_ein_politisches_Versagen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_Die_Energiewende_stockt_dies_ist_ein_politisches_Versagen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_Die_Energiewende_stockt_dies_ist_ein_politisches_Versagen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_Die_Energiewende_stockt_dies_ist_ein_politisches_Versagen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=55851-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191024_Die_Energiewende_stockt_dies_ist_ein_politisches_Versagen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191024_Die_Energiewende_stockt_dies_ist_ein_politisches_Versagen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Erst vor wenigen Wochen bilanzierte der Bundesrechnungshof <a href=\"http:\/\/www.sfv.de\/artikel\/bundesrechnungshof_kritisiert_-_bundeswirtschaftsministerium_versagt_bei_der_ene.htm\">in deutlichen Worten<\/a>, dass &bdquo;die Bundesregierung mit ihrem Generationenprojekt der Energiewende zu scheitern droht&ldquo;. Das ist noch zur&uuml;ckhaltend ausgedr&uuml;ckt und umso trauriger, da 2000 und 2004 mit den ersten beiden Versionen des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erneuerbare-Energien-Gesetz\">Erneuerbare-Energien-Gesetzes<\/a> (EEG) ein hoffnungsvoller und vielversprechender Weg eingeschlagen wurde. Doch dieser Weg wurde verlassen und verstellt. Die <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/comedy\/die-anstalt\/die-anstalt-vom-1-oktober-2019-100.html\">letzte Folge der Anstalt<\/a> dokumentierte bereits vortrefflich das politische Versagen, das eigentlich nur noch als Sabotage bezeichnet werden kann. &Uuml;ber die negativen klimapolitischen Folgen eines Scheiterns der Energiewende wurde bereits viel geschrieben. Wenig beachtet wird jedoch, dass das vors&auml;tzliche Scheitern auch ein wirtschaftspolitisches Desaster darstellt. Eine Branche, die zu einer zukunftsfesten technologischen Schl&uuml;sselbranche des Wirtschaftsstandorts Deutschland h&auml;tte werden und dabei die negativen Folgen des n&ouml;tigen Strukturwandels in anderen Bereichen m&uuml;helos h&auml;tte abfedern k&ouml;nnen, wurde ohne Not und mit Vorsatz dem Abschuss freigegeben. Schon heute sind in den Bereichen Solar und Wind mehr als f&uuml;nfmal so viele Arbeitspl&auml;tze vernichtet worden, wie es im Bereich Kohle &uuml;berhaupt gibt. Der gesellschaftliche Aufschrei blieb aus und auch die Medien berichten nur am Rande von diesem wirtschaftspolitischen Skandal.<\/p><p><strong>Es begann mit Tamtam und gro&szlig;en Tr&auml;umen<\/strong><\/p><p>Sinnbildlich f&uuml;r das wirtschaftspolitische Scheitern der Energiewende ist der heute gar nicht mehr bekannte &Ouml;ko-Dax. 2007 wurde dieser Aktienindex mit viel Tamtam von der Deutschen B&ouml;rse eingef&uuml;hrt und sollte die erneuerbaren Energien als Zukunftstechnologie f&uuml;r den Standort Deutschland auch auf dem B&ouml;rsenparkett Bedeutung verleihen. Was folgte, war ein j&auml;her Absturz des Index im Laufe der zwei Jahre sp&auml;ter einsetzenden Finanzkrise und der Exitus ab dem Jahr 2012. Die Unternehmen, die den &Ouml;ko-Dax bildeten, gingen reihenweise pleite. Von den Gr&uuml;ndungsmitgliedern existiert heute nur noch der Biokraftstoffhersteller CropEnergies und der Windenergiekonzern Nordex. Neue Unternehmen wurden aufgenommen und auch die gingen wieder pleite. Seit 2012 wurde der Index auf den Seiten der Deutschen B&ouml;rse gar nicht mehr aktualisiert, mittlerweile ist er sogar ganz verschwunden. Erneuerbare Energien sind zumindest in Deutschland kein Wirtschaftszweig mehr, dem im gro&szlig;en Gesch&auml;ft noch sonderliche Bedeutung zugemessen wird.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191124-Energiewende-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191124-Energiewende-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><em>Quelle: Ariva.de<\/em><\/p><p>Verantwortlich f&uuml;r den Niedergang der Branche ist die Politik. Angetrieben wurde sie jedoch von Kampagnen der Industrie- und Wirtschaftsverb&auml;nde BDI und BdEW, die von der Gewerkschaft IGBCE unterst&uuml;tzt und von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft massiv angefeuert wurden. <a href=\"https:\/\/www.sonnenseite.com\/de\/wirtschaft\/solarindustrie-in-china-wird-immer-riesiger-deutschland-fast-voellig-abgehaengt.html\">Publizistisch fand<\/a> die Kampagne gegen die erneuerbaren Energien vor allem in Medien wie der BILD, der FAZ, dem SPIEGEL und der WELT statt. Tina Ternus hatte die Kampagne vor wenigen Wochen auf den NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54646\">ausf&uuml;hrlich analysiert<\/a>. Dem B&uuml;rger wurde der Teufel in Form von steigenden Energiepreisen an die Wand gemalt. Wie man an den Strompreisen an der Energieb&ouml;rse sehen kann, f&uuml;hrte der Ausbau der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19286\">erneuerbaren Energien<\/a> jedoch zu sinkenden Preisen &ndash; die jedoch &bdquo;dank&ldquo; der &ndash; wahrscheinlich von den Lobbyinteressen der Energiewirtschaft verankerten &ndash; gesetzlichen Regulierungen nicht dem Endkunden, sondern den gro&szlig;en Energieabnehmern aus der Industrie zugute kamen. Weiterf&uuml;hrende Ma&szlig;nahmen, wie beispielsweise der Wegfall der Stromsteuer auf regenerativen Strom, wurden bereits im Keim erstickt, bevor sie &uuml;berhaupt politisch formuliert wurden. <\/p><p>Neben den offensichtlichen Interessen der gro&szlig;en Energiekonzerne und der Industrie spielte bei der Kampagne im Hintergrund noch ein ganz anderes Motiv eine Rolle. Windparks und Photovoltaik-Anlagen waren bis zum Beginn der Kampagne meist in der Hand von Privatpersonen, kleinen Unternehmen und vor allem Energiegenossenschaften. Die Branchenriesen, deren Arme bis in die meisten Stadtwerke reichen, sind nicht nur extrem renditestark, sondern haben &uuml;ber unz&auml;hlige Tochterfirmen auch ein weltweit wohl einmaliges Versorgungswerk f&uuml;r aktive Politiker und Sammelbecken zur &bdquo;Anschlussverwendung&ldquo; ausgedienter Politiker geschaffen. Alleine mit den Lobbyt&auml;tigkeiten der Branchenriesen <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/E.ON\">EON<\/a>, <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/RWE\">RWE<\/a> und <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/Vattenfall\">Vattenfall<\/a> k&ouml;nnte man ganze B&auml;nde f&uuml;llen und viele Stadtwerke, Verb&auml;nde und branchennahe Institute z&auml;hlen zu diesem Versorgungsnetzwerk, das die Politik fest im Griff hat. Liegt es an der &bdquo;Verspargelung&ldquo; der Landschaft, dass die Politik in den j&uuml;ngeren Jahren Onshore-Windanlagen gegen&uuml;ber Offshore-Windparks derart massiv benachteiligt? Oder liegt es daran, dass Onshore-Anlagen vor allem von kleineren Genossenschaften und Offshore-Windparks fast ausschlie&szlig;lich von den gro&szlig;en Energiekonzernen betrieben werden? <\/p><p><strong>Der Tod der deutschen Photovoltaik-Branche<\/strong><\/p><p>Angeheizt durch ambitionierte F&ouml;rderprogramme wie das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/100.000-D%C3%A4cher-Programm\">100.000-D&auml;cher-Programm<\/a> und attraktive Einspeiseverg&uuml;tungen im Rahmen der EEG 2000 und 2004 entstand in Deutschland eine international f&uuml;hrende Photovoltaikbranche, die in diesen Jahren weltweit technologischer Spitzenreiter war. Photovoltaik war nicht nur ein energiepolitisch sinnvolles, sondern auch ein lukratives und vor allem anscheinend planbares Gesch&auml;ft. Die Branche boomte und expandierte. Zahlreiche Firmen entwarfen und bauten Solarmodule, andere spezialisierten sich auf Wechselrichter oder die Trageger&uuml;ste f&uuml;r die Anlagen. Hinzu kamen unz&auml;hlige spezialisierte Zulieferer, Anlagenbauer und nat&uuml;rlich Berater- und Handwerksfirmen, die die Anlagen beim Kunden realisierten. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191124-Energiewende-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191124-Energiewende-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Im Laufe der Jahre explodierte der Zubau von Photovoltaik-Anlagen. Im Rekordjahr 2012 wurden binnen eines Jahres so viele neue Solaranlagen in Betrieb genommen, dass deren H&ouml;chstleistung bei vollem Sonnenschein <a href=\"http:\/\/www.sfv.de\/artikel\/bundesrechnungshof_kritisiert_-_bundeswirtschaftsministerium_versagt_bei_der_ene.htm\">der Leistung von acht Atomkraftwerken entspricht<\/a>.  Doch der Boom trug bereits die Vorzeichen des kommenden j&auml;hen Niedergangs in sich. Durch die Finanzkrise platzten bei vielen Unternehmen, die auf Expansion ausgerichtet waren und sich dabei hoch verschuldet hatten, die Kreditlinien. Es gab zwar einen Rettungsschirm f&uuml;r Banken und eine Abwrackpr&auml;mie f&uuml;r die Automobilindustrie. Der Solarbranche wurde durch die politischen Reaktionen, die der Finanzkrise folgten, stattdessen noch mehr Steine in den Weg gelegt. Der &ndash; alleine schon von wegen des Lichtdargebots attraktive &ndash; anvisierte s&uuml;deurop&auml;ische Markt brach durch die folgende &bdquo;Eurokrise&ldquo; fast vollkommen weg &ndash; die Staaten S&uuml;deuropas standen unter dem Kuratel der EU-Kommission und mussten die geplanten Investitionen in Solarkraftwerke der schwarzen Null opfern. Und auch in Deutschland brachen zahlreiche Finanzierungspl&auml;ne f&uuml;r projektierte Anlagen weg, da die Banken dank der neuen Richtlinien Risiken neu bewerten mussten. Die Planungssicherheit f&uuml;r Photovoltaik-Anlagen wurde durch eine erstaunlich kontraproduktive Politik den M&auml;rkten zum Abschuss freigegeben. Unternehmerische Fehlentscheidungen und aggressive Konkurrenz aus Fernost erledigten den Rest.<\/p><p>Hauptverantwortlich f&uuml;r den folgenden Einbruch war eine &Auml;nderung der Einspeiseverg&uuml;tung in der 2008 von der gro&szlig;en Koalition verabschiedeten EEG-Novelle 2009. War im alten EEG von 2004 eine schrittweise Absenkung der Einspeiseverg&uuml;tung von j&auml;hrlich zun&auml;chst 5% und sp&auml;ter 6,5% vorgesehen, wurde diese Planungsgr&ouml;&szlig;e, auf die sich die gesamte Branche bei ihren Investitionen ausgerichtet und verlassen hat, im EEG 2009 radikal ver&auml;ndert. Fortan galt eine fixe Absenkung der Einspeiseverg&uuml;tung von 9% pro Jahr plus einem h&ouml;hnisch als &bdquo;atmenden Deckel&ldquo; bezeichneten Abschlag von bis zu 15%, der sich nach dem jeweiligen j&auml;hrlichen Zubau orientiere. Die h&ouml;chste Stufe galt dabei ab einem Zubau von 7.500 Megawatt und wurde in den Jahren 2011 und 2012 tats&auml;chlich f&auml;llig. Dies bedeutete einen j&auml;hrlichen R&uuml;ckgang der Einspeiseverg&uuml;tung um 9% plus 15%, also stolze 24% anstatt der in den Kalkulationen vorgesehenen 6,5% &ndash; pro Jahr wohlgemerkt. Es gab jedoch auch noch zahlreiche weitere politische Ma&szlig;nahmen zulasten der Photovoltaik, die die Hochschule f&uuml;r Technik und Wirtschaft in Berlin in einer umfangreichen <a href=\"https:\/\/pvspeicher.htw-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2019_08_HTW_Berlin_PV2City_Hemmnisse_und_Huerden_fuer_die_Photovoltaik-3.pdf\">Zusammenstellung aller &bdquo;Hemmnisse und H&uuml;rden&ldquo; zusammengestellt hat<\/a>.<\/p><p>Pl&ouml;tzlich waren die effizienten &ndash; aber auch teureren &ndash; deutschen Module nicht mehr konkurrenzf&auml;hig und sogar die stark r&uuml;ckl&auml;ufigen Neuinstallationen wurden ohne Not den preiswerteren, aber auch ineffizienteren Produkten aus China geopfert. Was folgte, war die Bruchlandung der deutschen Photovoltaik-Branche.<\/p><p><strong>Ausverkauf nach Asien<\/strong><\/p><p>Der Weltmarkt f&uuml;r Photovoltaik w&auml;chst zwar von Jahr zu Jahr &ndash; aber nicht in Deutschland, sondern vor allem in Asien. Alleine im ersten Quartal 2018 installierte China mehr als 9.650 Megawatt an neuen Solarstromanlagen. Das ist in nur einem Quartal mehr, als in Deutschland zu Rekordzeiten pro Jahr in Betrieb genommen wurde und mehr als das 12-fache der derzeitigen deutschen Zahlen. In diesem Jahr wird China mehr Photovoltaik-Kapazit&auml;ten neu ans Netz bringen, als es in Deutschland &uuml;berhaupt gibt. Deutsche Technik kommt dabei freilich auch zum Zug &ndash; allerdings fast ausschlie&szlig;lich in Patenten, die mittlerweile chinesischen Firmen geh&ouml;ren.<\/p><p>Waren vor wenigen Jahren noch deutsche Firmen wie Solarfabrik, Solarworld, Q-Cells und Conergy Weltmarktf&uuml;hrer, wird der Markt heute von chinesischen Firmen wie CGL, Sumec, Shunfeng, LONGi oder BYD beherrscht. 2011 musste Solon Insolvenz anmelden. 912 Mitarbeiter &ndash; u.a. an den Standorten Berlin und Greifswald &ndash; verloren ihren Job. Das Unternehmen wurde &uuml;bernommen und sitzt heute in den Vereinigten Arabischen Emiraten. S.A.G. Solarstrom meldet 2013 Insolvenz an, die verbliebenen Verm&ouml;genswerte &ndash; haupts&auml;chlich Patente &ndash; gingen an die chinesische Shungeng-Gruppe. Dieses chinesische Unternehmen erwarb sp&auml;ter auch die Filetst&uuml;cke des Konstanzer Solarunternehmens Sunways. Bosch k&uuml;ndigte 2013 an, aus der Solarenergie auszusteigen und alle Standorte in diesem Bereich zu schlie&szlig;en. Im gleichen Jahr meldete Conergy Insolvenz an, ein Unternehmen, das zu Spitzenzeiten 2.384 Mitarbeiter hatte und in Frankfurt\/Oder ein vollautomatische hochmoderne Wafer-, Zellen- und Modulfabrik betrieb. Die Reste des Unternehmens wurden von K&auml;ufern aus den USA und China ausgeschlachtet, der Firmenkern wurde umstrukturiert und sitzt heute unter dem Namen blueleaf energy in Singapur. 2014 folgte Centrosolar, das am Standort Wismar 450 Mitarbeiter besch&auml;ftigte. Solarfabrik ging 2015 in die Insolvenz und stellte den Betrieb ein. Q-Cells, einstmals der weltgr&ouml;&szlig;te Hersteller von Solarzellen, er&ouml;ffnete bereits 2012 das Insolvenzverfahren und wurde dann vom s&uuml;dkoreanischen Unternehmen Hanwha &uuml;bernommen. 2015 wurde die ehemalige Massenfertigung in Deutschland endg&uuml;ltig eingestellt. Mit Solarworld (einst 3073 Mitarbeiter) ging im letzten Jahr der letzte gro&szlig;e deutsche Hersteller von Solarzellen pleite. Die Patente gingen an Hanwha in S&uuml;dkorea, die Maschinen an Noor Solar Technology aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191124-Energiewende-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191124-Energiewende-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><em>Quelle: Statista<\/em><\/p><p>Seit 2010 sind so mehr als 80.000 Arbeitspl&auml;tze in der deutschen Photovoltaik-Branche weggefallen. Rechnet man die indirekten Arbeitsplatzverluste im Handwerk und der Planung\/Projektierung hinzu, d&uuml;rfte die Zahl noch gr&ouml;&szlig;er sein. Zur Erinnerung &ndash; das ist viermal so viel, wie in der deutschen Braunkohleindustrie insgesamt t&auml;tig sind. Der vors&auml;tzlich herbeigef&uuml;hrte Niedergang der Photovoltaik-Branche ist somit ein wirtschafts- und industriepolitisches Desaster, das seinesgleichen sucht.<\/p><p>Was von der deutschen Solarindustrie noch &uuml;brig blieb, wurde gr&ouml;&szlig;tenteils &ndash; samt Patenten und Know-how &ndash; von asiatischen Firmen aufgekauft. Vor allem f&uuml;r strukturschwache Regionen waren die Folgen verheerend. In Frankfurt\/Oder, Bitterfeld oder Freiberg standen vor wenigen Jahren noch hochmoderne Fabriken der Solarwirtschaft. Heute gibt es dort nur noch hochmoderne Industrieruinen. <\/p><p><strong>Die Windenergie k&ouml;nnte schon bald der n&auml;chste Todeskandidat sein<\/strong><\/p><p>Einst geh&ouml;rte Deutschland neben D&auml;nemark zu den Pionieren in der Nutzung des Windes zur gr&uuml;nen Produktion von regenerativer Energie. Aus kleinen &ndash; oft ideologisch motivierten &ndash; Ingenieurb&uuml;ros wurden Weltkonzerne, die vor allem in den Nordl&auml;ndern Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige wurden. 2016 waren mehr als 160.000 Menschen in Unternehmen aus der Branche besch&auml;ftigt.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191124-Energiewende-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191124-Energiewende-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><em>Quelle: Bundesverband Windenergie<\/em><\/p><p>Doch diese Zahlen sind schon jetzt Vergangenheit. Schrittweise wurde die ohnehin knapp kalkulierte Einspeiseverg&uuml;tung f&uuml;r Strom aus Windenergie von der Bundesregierung heruntergefahren. Produzenten sind seitdem meist gezwungen, den Strom &uuml;ber den Spotmarkt an der Energieb&ouml;rse zu verkaufen. Doch der kommt seit Anfang 2013 nicht &uuml;ber einen monatlichen Durchschnittswert von 4ct\/kWh und ist in besonders angebotsstarken Zeiten &ndash; und das sind in der Regel die Zeiten, in denen der Wind weht und die Windenergie viel Strom ins Netz speist &ndash; sogar negativ. So paradox es klingt &ndash; wenn die Windenergie viel gr&uuml;nen Strom liefert, m&uuml;ssen die Betreiber h&auml;ufig Geld daf&uuml;r bezahlen, dass sie Strom ins Netz einspeisen. So macht man eine ganze Zukunftsbranche kaputt &ndash; und das mit Vorsatz. <\/p><p>2017 versch&auml;rfte sich die Situation durch eine Novelle des EEG-Gesetzes, die nun ein Ausschreibungsverfahren bei Neuinstallationen vorsieht und den j&auml;hrlichen Zubau massiv beschr&auml;nkt. Gingen 2017 noch 5.300 Megawatt ans Netz, soll der Zubau k&uuml;nftig auf maximal 2.900 Megawatt beschr&auml;nkt werden. Doch die aktuellen Zahlen lassen selbst diese &ndash; im Kontext der Klimadebatte vollkommen kontraproduktive &ndash; Obergrenze Makulatur werden.<\/p><p>In diesem Jahr gingen von Januar bis Ende September lediglich 148 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 507 Megawatt ans Netz. Dieser Wert konnte in jedem der vergangenen f&uuml;nf Jahren bereits nach dem ersten Quartal vermeldet werden. In Bayern wurden 2019 gerade einmal zwei Windr&auml;der in Betrieb genommen. In Berlin, Bremen, Hamburg und dem Saarland kein einziges. <\/p><p>Hauptverantwortlich f&uuml;r den Stillstand ist neben den viel zu geringen Einspeiseverg&uuml;tungen vor allem ein wahrer <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2019-10\/erneuerbare-energien-ausbau-windkraft\">Dschungel<\/a> an neuen Vorschriften, Auflagen und b&uuml;rokratischen Hemmnissen und endlos lange Genehmigungsverfahren. Anstatt den Dschungel zu lichten und dem Ausbau der Windenergie ein wenig R&uuml;ckenwind zu verleihen, hat die Bundesregierung die Windenergie mit ihrem &bdquo;Klimap&auml;ckchen&ldquo; abermals ausgebremst. Durch die angek&uuml;ndigte <a href=\"https:\/\/www.schwarzwaelder-bote.de\/inhalt.flaute-bei-windkraft-an-land-ausbau-von-windraedern-an-land-eingebrochen.dba0eed5-5f4d-443d-a08e-24568505770d.html\">&bdquo;pauschale Abstandsregelung&ldquo;<\/a> reduzieren sich <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/mindestabstaende-bei-windenergieanlagen-schaden-der\">laut Umweltbundesamt<\/a> die nutzbaren Fl&auml;chen um bis zu 50%. <\/p><p>Durch den Ausbaustopp und zahlreiche H&uuml;rden f&uuml;r die Modernisierung alter Windparks, die vor dem Jahr 2000 errichtet wurden, droht ab 2020 sogar ein absoluter R&uuml;ckbau der Windenergie. Nach <a href=\"https:\/\/www.duh.de\/fileadmin\/user_upload\/download\/Projektinformation\/Erneuerbare_Energien\/DUH_Weiterbetrieb_von_WEA_nach_2020.pdf\">Sch&auml;tzungen der Deutschen Umwelthilfe<\/a> werden ab 2020 jedes Jahr mehr &ndash; dann unrentable &ndash; Windanlagen abgebaut, als jeweils vor 20 Jahren gebaut wurden. Der Anteil des Windstroms am Stromverbrauch wird dann von Jahr zu Jahr sinken.<\/p><p>2017 wurden nach Auskunft der Bundesregierung in der Windenergiebranche 26.000 Arbeitspl&auml;tze abgebaut. Und das scheint nur der Anfang zu sein. Alleine das nieders&auml;chsische Unternehmen Enercon k&uuml;ndigte in den letzten eineinhalb Jahren nach Angaben der IG Metall 1.200 Arbeitnehmern. Die n&auml;chste gro&szlig;e Entlassungswelle steht dabei schon bevor. Erst im April dieses Jahres meldete der b&ouml;rsennotierte Windenergiekonzern Senvion Insolvenz an. Siemens will zwar die deutsche Dienstleistungssparte von Senvion und nat&uuml;rlich die Patente und Rechte <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/region\/hamburg\/news\/id_86655954\/teile-von-senvion-verkauft-rest-wird-abgewickelt.html\">&uuml;bernehmen<\/a>, aber die deutschen Produktionsstandorte etwa in Bremerhaven, und die Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Osterr&ouml;nfeld bei Rendsburg werden <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article202278294\/Nach-Pleite-von-Senvion-Siemens-dreht-jetzt-das-ganz-grosse-Windrad.html\">offenbar geschlossen<\/a> und mit ihnen werden rund 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland ihren Arbeitsplatz verlieren. Die aktuellen Meldungen weisen gro&szlig;e &Auml;hnlichkeiten zum Zusammenbruch der Solarbranche auf. Dass der Kahlschlag nicht noch weiter geht, ist wohl nur dem Umstand zu verdanken, dass die Windenergiebranche heute solider finanziert ist als damals die auf Expansion ausgerichtete und &uuml;berschuldete Solarbranche. Doch ohne nennenswerte Neuauftr&auml;ge hilft auch das nicht. Wenn sich die Zahlen dieses Jahres fortsetzen, droht schon bald der Windenergiebranche ein &auml;hnliches Schicksal wie der Photovoltaik. <\/p><p>Besonders problematisch ist bei diesen F&auml;llen, dass die Unternehmen meist in Regionen angesiedelt sind, die ohnehin als strukturschwach gelten und kaum ausreichende Alternativen f&uuml;r die in der Regel hochqualifizierten entlassenen Mitarbeiter bieten. Die sind dann gezwungen, einen Arbeitsplatz in den strukturstarken Regionen im S&uuml;den und S&uuml;dwesten der Republik anzunehmen und die strukturschwachen Regionen des Nordens ver&ouml;den vollends. Dieser Aspekt geht jedoch vor allem im Vergleich zum politischen und medialen Rummel um die Arbeitspl&auml;tze in der Braunkohle v&ouml;llig verloren. Im Vorfeld der Landtagswahlen in Brandenburg war der Ausstieg aus der Braunkohle eines der bestimmenden Themen im Wahlkampf. Das Thema Windkraft kam indes gar nicht vor. Dabei sind in Brandenburg rund 7.000 Menschen in der Windbranche besch&auml;ftigt, w&auml;hrend nur etwa 4.500 Menschen im ohnehin fr&uuml;her oder sp&auml;ter zur Disposition stehenden Kohlesektor t&auml;tig sind. In der Windkraft gingen alleine im letzten Jahr mehr Arbeitspl&auml;tze verloren, als in der Bundesrepublik im Kohlesektor <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/strom\/arbeitsplaetze-in-den-wind-geschossen\">&uuml;berhaupt noch vorhanden sind<\/a>. Die Arbeitspl&auml;tze in der Windenergie werden wortw&ouml;rtlich in den Wind geschossen.<\/p><p>Den Braunkohlejobs in der Lausitz wird bundespolitische Bedeutung zugeschrieben. Doch dies ist im Vergleich zur regionalen Bedeutung der gro&szlig;en Windkraftanlagenhersteller ein geradezu &uuml;berschaubarer Fall. Der Rostocker Windkraftanlagenbauer Nordex ist mit seinen 5.676 Mitarbeitern das umsatzst&auml;rkste Unternehmen des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie das Unternehmen mit den zweitmeisten Besch&auml;ftigten. Der Auricher Konzern Enercon ist das gr&ouml;&szlig;te Unternehmen Ostfrieslands und dort hinter dem VW-Werk in Emden auch der gr&ouml;&szlig;te Arbeitgeber. So drohen ganze Regionen zum Opfer eines Politikversagens zu werden, das in der Geschichte der Bundesrepublik wohl ohnegleichen ist. Und die Politik? Die geht in Person des zust&auml;ndigen Wirtschaftsministers Peter Altmaier auf <a href=\"https:\/\/www.sonnenseite.com\/de\/politik\/windgipfel-keine-rettung-fuer-deutsche-windenergie-in-sicht.html\">Tauchstation<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article199779068\/Energiewende-in-Gefahr-Kein-Ergebnis-bei-Krisengipfel-zur-Windkraft.html\">spricht der Branche ihr Bedauern aus<\/a>. Na, wenn das nichts ist?<\/p><p>Bild: imacoconut\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/2215dbfeed6d47ca90296f62ffa0d131\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland hat sich verpflichtet, den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis 2050 auf 80% zu erh&ouml;hen. Ein ehernes Ziel, das jedoch so gar nicht zu den aktuellen Zahlen passt. Im ersten Halbjahr 2019 gingen <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/gipfel-windkraft-101.html\">so wenig Windkraftanlagen ans Netz<\/a> wie noch nie seit Einf&uuml;hrung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahre 2000. 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