{"id":55879,"date":"2019-10-25T13:00:14","date_gmt":"2019-10-25T11:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55879"},"modified":"2019-11-01T16:51:35","modified_gmt":"2019-11-01T15:51:35","slug":"eindruecke-aus-wolgograd-den-schleier-lueften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55879","title":{"rendered":"Eindr\u00fccke aus Wolgograd: Den Schleier l\u00fcften!"},"content":{"rendered":"<p>In Deutschland ist die russische Stadt Wolgograd vor allem als Ort bekannt, an dem die Wehrmacht eine Niederlage erlitt. Aber wie sieht das Leben heute in der Stadt und dem Gebiet Wolgograd aus? Womit verdienen die zweieinhalb Millionen Einwohner ihr Geld? Dazu hat <strong>Ulrich Heyden<\/strong> eine Reportage-Reihe verfasst. Der hier vorliegende <strong>erste Teil<\/strong> beschreibt einen Besuch in Industrieanlagen in jener russischen Provinz, &uuml;ber die deutsche Medien meist einen Schleier legen.<br>\n<!--more--><br>\nHoch &uuml;ber der Stadt Wolgograd auf dem Mamajew-H&uuml;gel steht die gro&szlig;e Skulptur &bdquo;Mutter Heimat&ldquo;. Man sieht eine Frau mit Schwert und wehendem Haar. Ihr Kopf und der ausgestreckte linke Arme ist zu Seite gewandt und sie scheint etwas zu rufen. <\/p><p>Das Denkmal erinnert an die Schlacht im Februar 1943, als die Stadt Stalingrad hie&szlig; und es der Roten Armee gelang, die deutsche 6. Armee zu umzingeln und zur Aufgabe zu zwingen. Das 108 Meter hohe Denkmal wird zu den Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Befreiung der Sowjetunion von der Hitler-Wehrmacht gerade renoviert und ist komplett einger&uuml;stet.<\/p><p><strong>Export ins Ausland w&auml;chst<\/strong><\/p><p>Das Gebiet Wolgograd ist ein wichtiges russisches Industrie- und Verkehrszentrum. Das hat die Region vor allem seiner g&uuml;nstigen Lage zu verdanken. Durch die Wolga und den Wolga-Don-Kanal ist die Region mit Zentralrussland, dem Kaspischen Meer, dem Schwarzen Meer und dem Atlantik verbunden. <\/p><p>In der Stadt, die fr&uuml;her Stalingrad hie&szlig; und auf der rechten Seite der Wolga liegt, gibt es gro&szlig;e Betriebe zur Weiterverarbeitung von &Ouml;l und Gas. Es gibt Metallurgie, Nahrungsmittelbetriebe und Maschinenbau. Nach Angaben der Gebietsverwaltung exportierte Wolgograd 2018 Waren im Wert von 1,9 Milliarden Dollar. Das war im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 25 Prozent. <\/p><p>Das gr&ouml;&szlig;te Unternehmen in der Region ist die R&ouml;hrenfabrik im St&auml;dtchen Wolschski. Der Ort liegt auf der linken Seite der Wolga. Die Fabrik geh&ouml;rt der &bdquo;R&ouml;hren-Metallurgie-Gesellschaft&ldquo; TMK. Das Unternehmen &ndash; mit mehreren Standorten in Russland und im Ausland &ndash; geh&ouml;rt zu den drei weltweit gr&ouml;&szlig;ten R&ouml;hrenproduzenten.<\/p><p>Der Ort Wolschski liegt 25 Kilometer von Wolgograd entfernt. Der vom russischen Au&szlig;enministerium f&uuml;r unsere Journalistengruppe gecharterte Bus braucht wegen einiger Staus zwei Stunden f&uuml;r die Strecke. Unser Weg f&uuml;hrt uns &uuml;ber eine zwei Kilometer lange Br&uuml;cke &uuml;ber die Wolga und weiter durch eine flache Landschaft mit gr&uuml;nen Feldern. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191025-Bild-1-Eingangsgebaeude-der-Roehrenfabrik-in-Wolschsk-Foto-Ulrich-Heyden-2019-.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191025-Bild-1-Eingangsgebaeude-der-Roehrenfabrik-in-Wolschsk-Foto-Ulrich-Heyden-2019-.jpg\" alt=\"Eingangsgeb&auml;ude der R&ouml;hrenfabrik Wolschsk\" title=\"Eingangsgeb&auml;ude der R&ouml;hrenfabrik Wolschsk\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Eingangsgeb&auml;ude der R&ouml;hrenfabrik Wolschsk<\/small><\/p><p><strong>&bdquo;Der Lohn reicht, um einmal im Jahr in Urlaub zu fahren&ldquo;<\/strong><\/p><p>Angekommen in der Fabrik zeigt man uns das Rohrwalzwerk. Riesige, gelb-rot-gl&uuml;hende Rohre werden von st&auml;hlernen Greifarmen angehoben und wandern so unter ohrenbet&auml;ubendem L&auml;rm von einer Bearbeitungsstufe zur n&auml;chsten. 60 Rohre in der Stunde werden in dem Walzwerk produziert. Man kann sich nur mit erhobener Stimme unterhalten.<\/p><p>Die Anlage zur Produktion nahtloser Rohre wurde 1989 von einer italienischen Firma gekauft. 1.200 Arbeiter arbeiten heute in der Walz-Abteilung im Vier-Schicht-System. Anders geht es nicht. Denn der Stahlofen, von dem die Walz-Anlage ihr Rohmaterial bekommt, kann man nur unter gro&szlig;em Zeitaufwand runter- und wiederhochfahren.<\/p><p>Der Leiter der fabrikeigenen Abteilung Technologie, Igor Aleksandrowitsch, erkl&auml;rt uns, dass die R&ouml;hren zur Bearbeitung bis auf 1.280 Grad erhitzt werden. Wegen der besonderen Belastung durch Hitze und Staub k&ouml;nnen die Arbeiter in dieser Abteilung mit 50 oder 55 Jahren in Rente gehen.<\/p><p>Ich komme mit einem 45 Jahre alten Arbeiter ins Gespr&auml;ch. Ob er genug Geld verdient, um einen Auslandsurlaub zu machen, will ich wissen. Der Mann sagt, er sei gerade in der T&uuml;rkei gewesen. Wie hoch der Lohn sei, will ich wissen. &bdquo;75.000 Rubel&ldquo;. Das sind 1.070 Euro. Der Lohn reiche, um einmal im Jahr in Urlaub zu fahren. <\/p><p><strong>Vor allem Rohre f&uuml;r den &Ouml;l- und Gassektor<\/strong><\/p><p>In dem Walzwerk werden je nach Auftrag R&ouml;hren mit einem Durchmesser von 20 Zentimeter bis 50 Zentimeter produziert. Die Wandst&auml;rke liegt zwischen sieben und 33 Millimetern. Besonders dicke W&auml;nde haben die Rohre f&uuml;r den &Ouml;l- und Gassektor. <\/p><p>Die Fabrik liefert Rohre f&uuml;r &Ouml;lleitungen und Gasbohrstationen, die im Meer stehen, bei konstanter K&auml;lte arbeiten und in gro&szlig;er Tiefe verlegt werden. <\/p><p>Dmitri, stellvertretender Leiter der Verwaltung des Werkes erkl&auml;rt, die h&ouml;chste Qualit&auml;t werde f&uuml;r Rohre gefordert, die f&uuml;r Atomkraftwerke gebraucht werden. Wegen der radioaktiven Strahlung br&auml;uchten die Rohre eine besonders feste Struktur. Die Fabrik habe sogar schon R&ouml;hren in die USA geliefert.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191025-Bild-2-Im-Roehrenwalzwerk-von-Wolschsk-Foto-Ulrich-Heyden-2019-.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191025-Bild-2-Im-Roehrenwalzwerk-von-Wolschsk-Foto-Ulrich-Heyden-2019-.jpg\" alt=\"Die R&ouml;hrenwalzanlage\" title=\"Die R&ouml;hrenwalzanlage\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Die R&ouml;hrenwalzanlage<\/small><\/p><p><strong>&bdquo;Wir haben viel von den Italienern gelernt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ich frage einen Arbeiter, der schon zwanzig Jahre in der R&ouml;hrenfabrik arbeitet, von wem er die gr&ouml;&szlig;te Erfahrung in seinem Arbeitsleben mitgenommen hat. Er meint, von den Kollegen, die vor 30 Jahren mit einer italienischen Firma das Rohrwalzwerk aufgebaut haben. <\/p><p>Italienische Firmen war in der Sowjetunion hochwillkommen. 1970 wurde mit Hilfe von Fiat die Lada-Autofabrik in Toljatti an der Wolga gebaut. <\/p><p>Auch die R&ouml;hrenfabrik von Wolschsk nahm 1970 ihren Betrieb auf. Bereits im Oktober 1969 wurde mit Hilfe von Spezialisten aus der Tschechoslowakei die erste R&ouml;hre mit einem Durchmesser von etwas &uuml;ber einem Meter hergestellt. <\/p><p>Zwanzig Jahre sp&auml;ter, im Jahre 1989, wurde in der R&ouml;hrenfabrik die damals gr&ouml;&szlig;te Stahlgie&szlig;erei der Sowjetunion gebaut. Seitdem kann das Werk nahtlose Rohre herstellen. <\/p><p>2010 kam die n&auml;chste Modernisierung. Durch eine Umr&uuml;stung erreichte man, dass das Vorprodukt f&uuml;r die R&ouml;hren nicht mehr quadratisch, sondern rund war.  <\/p><p><strong>Eineinhalb Meter dicke Rohre f&uuml;r Gasprom<\/strong><\/p><p>Neben der Rohrwalzanlage werden in der Nachbarhalle noch gr&ouml;&szlig;ere Rohre hergestellt, allerdings nicht nahtlose, sondern geschwei&szlig;te. Sie haben einen Durchmesser von einem halben bis eineinhalb Meter. Auch in dieser Halle ist es ziemlich laut. <\/p><p>Alexej ist technischer Leiter f&uuml;r die Produktion geschwei&szlig;ter Rohre. Er erkl&auml;rt, dass man gerade 1,20 Meter dicke Rohre f&uuml;r Gasprom produziere. Diese Rohre werden f&uuml;r eine Gasleitung von Sachalin nach Chabarowsk ben&ouml;tigt. Sachalin ist eine russische Insel mit gro&szlig;en Erdgasvorkommen. Sie liegt n&ouml;rdlich von Japan. Die Stadt Chabarowsk liegt 1.000 Kilometer weiter westlich. <\/p><p>&bdquo;In einer Stunde schaffen meine M&auml;nner 13 Rohre&ldquo;, erkl&auml;rt Aleksej stolz. Weiter erkl&auml;rt er, die Abteilung habe in Russland mehrere Konkurrenten, die das gleiche Produkt herstellen. <\/p><p>Seine Abteilung k&ouml;nne bei Nachfrage auch Rohre mit spiral-geschwei&szlig;ter statt mit geschwei&szlig;ter L&auml;ngsnaht herstellen. Rohre mit geschwei&szlig;ter Spiralnaht w&uuml;rden vor allem f&uuml;r Atomkraftwerke und den &Ouml;l- und Gassektor verwendet. Zurzeit g&auml;be es aber keine derartige Bestellung. <\/p><p>Alexej erz&auml;hlt, er habe zwei S&ouml;hne. Einer sei Student, der andere wisse noch nicht, was er machen werde. Ob der Sohn im R&ouml;hrenwerk arbeiten wird? Das sei noch nicht klar. Arbeitspl&auml;tze im R&ouml;hrenwerk seien aber begehrt. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191025-Bild-3-Sergej-Tschetwerikow-Mitte-geschaeftsfuehrender-Direktor-der-Roehrenfabrik-Wolschsk-Foto-Ulrich-Heyden-2019-.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191025-Bild-3-Sergej-Tschetwerikow-Mitte-geschaeftsfuehrender-Direktor-der-Roehrenfabrik-Wolschsk-Foto-Ulrich-Heyden-2019-.jpg\" alt=\"Gespr&auml;ch mit dem Direktor Sergej Tschetwerikow\" title=\"Gespr&auml;ch mit dem Direktor Sergej Tschetwerikow\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Gespr&auml;ch mit dem Direktor Sergej Tschetwerikow<\/small><\/p><p><strong>2018 wurden keine Dividenden ausgesch&uuml;ttet<\/strong><\/p><p>Das Gel&auml;nde der R&ouml;hrenfabrik erstreckt sich &uuml;ber 450 Hektar. 13.000 Menschen arbeiten in den langgestreckten Hallen. Im Besprechungszimmer der Fabrik empf&auml;ngt uns der gesch&auml;ftsf&uuml;hrende Direktor des Werkes Sergej Tschetwerikow, ein ruhig sprechender, gro&szlig;er Mann mit grauen Haaren. Er hat das Kommando &uuml;ber 10.000 Mitarbeiter. <\/p><p>Der Direktor erz&auml;hlt, dass in der Elektrostahlschmelze der Fabrik im Jahr eine Million Tonnen Stahl produziert werden. F&uuml;r die Produktion nahtloser Rohre benutze man Rohstoffe aus Russland, f&uuml;r geschwei&szlig;te Rohre verwende man Stahlblech von russischen und ausl&auml;ndischen Lieferanten.<\/p><p>Nein, sagt der Direktor, man habe in letzter Zeit keine Mitarbeiter entlassen m&uuml;ssen. Man habe allerdings 3.000 Mitarbeiter der Bereiche Transport und Ern&auml;hrung in angegliederten Unternehmen untergebracht.<\/p><p>Erst nach unserem Fabrik-Besuch las ich im Gesch&auml;ftsbericht des Mutterunternehmens TMK, dass im Jahre 2018 keine Dividenden an die Aktion&auml;re gezahlt wurden. Die Presse-Abteilung von TMK erkl&auml;rt mir auf Nachfrage, 2018 sei der Gewinn des Unternehmens f&uuml;r eine Dividendenaussch&uuml;ttung zu niedrig gewesen. Und wo zahlt der TMK-Hauptaktion&auml;r und Vorsitzende des TMK-Direktorenrates, Dmitri Pumpjanski, seine Steuern?, frage ich einen Mitarbeiter der TMK-Pressestelle. Der Hauptaktion&auml;r sei als Steuerzahler in Zypern registriert, antwortet der Mitarbeiter einsilbig.<\/p><p>Bei unserem Besuch im Werk kommt der gesch&auml;ftsf&uuml;hrende Direktor, Sergej Tschetwerikow, dann noch auf die Sozialprogramme der R&ouml;hrenfabrik zu sprechen. Das Werk habe eine eigene Poliklinik und einen Sportkomplex. Au&szlig;erdem habe man in diesem Jahr 100 Kinder von Mitarbeitern zum Urlaub nach Anapa am Schwarzen Meer geschickt. <\/p><p>Ob der Staat der Fabrik in Krisenzeiten unter die Arme greife und billigeren Strom liefere, will ich wissen. Nein, meint der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer, der Staat helfe nicht. &bdquo;Es ist nicht die Aufgabe des Staates, einem konkreten Unternehmen zu helfen. Die Aufgabe des Staates ist es, die Infrastruktur zu schaffen, die es erm&ouml;glicht, dass sich die Industrie entwickelt und sich durch Sozialprogramme die Kaufkraft der B&uuml;rger erh&ouml;ht. Unser Staat erf&uuml;llt alle Aufgaben, die er erf&uuml;llen muss.&ldquo; <\/p><p>Ich frage Tschetwerikow, warum die riesige R&ouml;hrenfabrik in der Steppe, im St&auml;dtchen Wolschsk, gebaut wurde. Der Anschluss der Fabrik an das Verkehrssystem sei sehr gut, antwortet der Direktor. In der Nachbarschaft gebe es den metallurgischen Betrieb &bdquo;Roter Oktober&ldquo; als Zulieferer. Stahlplatten w&uuml;rden vom zehn Kilometer entfernten Hafen zum Werk transportiert. Wolgograd habe gute wissenschaftliche Institute. So sei die Fabrik mit Spezialisten versorgt. Man plane jedoch ein betriebseigenes Technikum einzurichten. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191025-Bild-4-In-der-Leitzentrale-der-Roehrenwalzanlage-Foto-Ulrich-Heyden-2019-.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191025-Bild-4-In-der-Leitzentrale-der-Roehrenwalzanlage-Foto-Ulrich-Heyden-2019-.jpg\" alt=\"Leitzentrale des R&ouml;hrenwalzwerkes\" title=\"Leitzentrale des R&ouml;hrenwalzwerkes\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Leitzentrale des R&ouml;hrenwalzwerkes<\/small><\/p><p><strong>&bdquo;Unsere Partner sp&uuml;rten die Sanktionen mehr&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf meine Frage, welche Auswirkungen die Sanktionen des Westens gegen Russland hatten, meint Tschetwerikow, &bdquo;die Sanktionen hatten Auswirkungen. Aber unsere europ&auml;ischen Partner sp&uuml;rten diese Sanktionen mehr. W&auml;hrend die europ&auml;ischen Firmen nachdachten, ob sie uns Ausr&uuml;stungen schicken k&ouml;nnen oder nicht, begannen wir diese Importe durch neue Lieferanten zu ersetzen. Viele Ausr&uuml;stungen, die wir fr&uuml;her aus dem Ausland bezogen haben, liefern jetzt russische Firmen. Russische &Ouml;lfirmen haben den Kauf von Rohren aus dem Ausland reduziert. Stattdessen werden jetzt R&ouml;hren in Russland gekauft.&ldquo;<\/p><p>Der Direktor erz&auml;hlt von den Auslandsb&uuml;ros seines Werkes in D&uuml;sseldorf, Dubai und Aman. In der jordanischen Hauptstadt betreibe man sogar eine eigene R&ouml;hrenproduktion f&uuml;r den &Ouml;lsektor. &Uuml;ber das Office in D&uuml;sseldorf werden Ersatzteile und andere Ausr&uuml;stungen aus Europa eingekauft. Vom Salzgitter-Konzern bekomme man Stahlblech. Es komme auch vor, dass man Teile der Fabrik-Ausr&uuml;stung zur General&uuml;berholung nach Europa schicke. <\/p><p>Sp&auml;ter, beim Gang durch die Fabrikhallen, erz&auml;hlt ein Abteilungsleiter, dass man R&ouml;hren nicht nur an die russischen Unternehmen Gasprom und Surgutneftgaz liefere, sondern auch nach S&uuml;dostasien, Indien, Saudi-Arabien, den Irak, den Iran und &Auml;gypten. <\/p><p>Als wir mit unserem Kleinbus das Fabrikgel&auml;nde verlassen und durch die flache gr&uuml;ne Landschaft fahren, kommen mir zwei Gedanken. M&uuml;sste man nicht mehr &uuml;ber die russischen Unternehmen berichten, die auf oft hohem technologischen Niveau produzieren? Wie kann man sonst verstehen, dass Russland in der Welt nicht nur als Milit&auml;rmacht, sondern auch als Wirtschaftsmacht eine Rolle spielt? Nat&uuml;rlich kann man mit dem Besuch in einer Fabrik nicht die ganze Realit&auml;t des Arbeitsalltags erfassen, aber man kann immerhin ein st&uuml;ckweit den Schleier l&uuml;ften, den die deutschen Medien &uuml;ber die russische Provinz gelegt hat. <\/p><p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> In der n&auml;chsten Folge k&ouml;nnen Sie lesen, wie es kam, dass auf dem Flughafen von Wolgograd fast ein Denkmal f&uuml;r den ehemaligen bayrischen Ministerpr&auml;sidenten Franz Josef Strau&szlig; aufgestellt wurde, was aber zum Gl&uuml;ck an Protesten der &Ouml;ffentlichkeit scheiterte.<\/em><\/p><p>Titelbild &amp; Fotos: Ulrich Heyden<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/a8d33679062241fcbd201b7ccfcd1917\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland ist die russische Stadt Wolgograd vor allem als Ort bekannt, an dem die Wehrmacht eine Niederlage erlitt. 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