{"id":56023,"date":"2019-10-30T11:11:00","date_gmt":"2019-10-30T10:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56023"},"modified":"2019-10-30T14:15:48","modified_gmt":"2019-10-30T13:15:48","slug":"spezielle-ost-soziologie-oder-der-neue-trick-des-neoliberalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56023","title":{"rendered":"Spezielle Ost-Soziologie oder der neue Trick des Neoliberalismus"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem starken Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Th&uuml;ringen herrscht die weitverbreitete Meinung vor, dass der Osten ein massives Nazi-Problem habe. Nach der j&uuml;ngsten Landtagswahl werden die W&auml;hler der AfD selbst zu T&auml;tern gemacht. Sogar mit Hilfe von Soziologen, obwohl deren Disziplin als physique sociale im revolution&auml;ren Frankreich des 19. Jahrhunderts einst das Licht der Welt erblickte. Sie war damals n&ouml;tig geworden, um die ungeordneten Verh&auml;ltnisse zu durchdringen und aus der Erkenntnis &uuml;ber die Funktionsweise der Gesellschaft ein Herrschaftswissen zu formen, das brauchbare Empfehlungen f&uuml;r ein vern&uuml;nftiges politisches Handeln bietet. Heute ist es umgekehrt. Die professionalisierte Sozialwissenschaft ordnet sich den herrschenden Verh&auml;ltnissen unter, l&auml;sst sich von ihnen instrumentalisieren und leistet damit einen Beitrag zur weiteren Spaltung der Gesellschaft. Von <strong>Andr&eacute; Tautenhahn<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8372\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-56023-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191030_Spezielle_Ost_Soziologie_oder_der_neue_Trick_des_Neoliberalismus_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191030_Spezielle_Ost_Soziologie_oder_der_neue_Trick_des_Neoliberalismus_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191030_Spezielle_Ost_Soziologie_oder_der_neue_Trick_des_Neoliberalismus_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191030_Spezielle_Ost_Soziologie_oder_der_neue_Trick_des_Neoliberalismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=56023-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191030_Spezielle_Ost_Soziologie_oder_der_neue_Trick_des_Neoliberalismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191030_Spezielle_Ost_Soziologie_oder_der_neue_Trick_des_Neoliberalismus_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Soziologe Alexander Yendell kommt im <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/thueringen-wirtschaftliche-benachteiligung-erklaert-nicht-den-erfolg-der-afd-a-1293756.html\">Interview auf Spiegel Online<\/a> zu dem Ergebnis, dass der Erfolg der AfD gerade nicht von den &ouml;konomischen Verh&auml;ltnissen im Osten der Republik abh&auml;ngig sei, also von niedrigen Einkommen und prek&auml;ren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen, sondern in einer grunds&auml;tzlich vorherrschenden Fremdenfeindlichkeit begr&uuml;ndet liege.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir haben durch repr&auml;sentative Umfragen eine ziemlich genaue Vorstellung von den Lebensumst&auml;nden der AfD-W&auml;hler und k&ouml;nnen berechnen, welche Faktoren es am wahrscheinlichsten machen, ob jemand rechts w&auml;hlt oder nicht. Das Ergebnis: Arbeitslosigkeit und niedrige Einkommen spielen &uuml;berhaupt keine Rolle. Wirtschaftliche Benachteiligung erkl&auml;rt nicht den Erfolg der AfD. [&hellip;] Die Diskussion &uuml;ber wirtschaftliche Gr&uuml;nde f&uuml;r den Erfolg der Rechten f&uuml;hrt also in die Irre. Das verbindende Element der AfD-W&auml;hler ist Fremdenfeindlichkeit.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Erschreckend ist, dass der Soziologe andeutet, die ostdeutsche Gesellschaft sei quasi von Natur aus rassistisch (&bdquo;grunds&auml;tzlich fremdenfeindliche Einstellung&ldquo;). Worin unterscheidet sich solch eine Bewertung eigentlich noch von den Behauptungen des Bj&ouml;rn H&ouml;cke, der eine Klassifizierung von Menschen nach Ausbreitungs- und Platzhaltertypen vornimmt? Ist der Soziologe, den der Spiegel da interviewt hat, etwa selbst ein Rassist? Nat&uuml;rlich nicht. Er arbeitet nur sehr oberfl&auml;chlich, um nicht zu sagen, interessengeleitet. So vertritt Yendell eine g&auml;ngige Sprachregelung, wonach es den Menschen im Osten wirtschaftlich gut ginge. Das zeigten seine Untersuchungen. Unterschlagen wird aber, dass gerade in den ostdeutschen Bundesl&auml;ndern jeder Dritte f&uuml;r einen Niedriglohn arbeiten muss und die L&ouml;hne im Schnitt 33 Prozent unter denen des Westens liegen, wie Sahra Wagenknecht am Sonntag bei <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lcYfsWBFQ4g\">Anne Will<\/a> noch einmal unterstrich. Die Ergebnisse der Landtagswahl in Th&uuml;ringen widersprechen zudem der Einsch&auml;tzung des Soziologen. Demnach gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss und der Wahlentscheidung. <\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191030-Neoliberalismus-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Wenn man nun den naheliegenden Schluss z&ouml;ge, dass der formale Bildungsabschluss auch etwas mit der sozio&ouml;konomischen Situation des Einzelnen zu tun hat, ist die Aussage, dass es AfD-W&auml;hlern gut gehe, schlicht falsch. <\/p><p><strong>Die Sozialwissenschaft war schon mal viel weiter<\/strong><\/p><p>Die Sozialwissenschaft war schon mal viel weiter. Sie kennt die beiden ehemaligen Staaten auf deutschem Boden und die zwei Gesellschaften, die sich in ihnen entwickelten. Kritische Soziologen wissen daher um eine gesellschaftliche Differenz, die auch nach 30 Jahren deutscher Einheit immer noch von Bedeutung ist. Noch heute wird Fremdenfeindlichkeit im Osten anders wahrgenommen als im Westen. Das hat Gr&uuml;nde, die l&auml;ngst analysiert sind. Eins ist aber wichtig. Im Osten wird Fremdenfeindlichkeit als ein unberechtigter Vorwurf aus dem Westen verstanden. Menschen aus dem Westen sind wiederum h&auml;ufig entsetzt dar&uuml;ber, wie abwertend Ostdeutsche &uuml;ber Ausl&auml;nder und Migranten reden. Dieses Unverst&auml;ndnis wird durch Pauschalurteile wie des Soziologen auf Spiegel Online weiter verst&auml;rkt. Man werde per se als rechtsradikal abgestempelt, hei&szlig;t es oft. Dieser Satz wird von den Ostdeutschen h&auml;ufig auch dann nachgeschoben, wenn man sie nach ihrer Haltung zur AfD oder zur Migration befragt. Dieses Verhalten hat viel mit einer spezifischen Perspektive des Westens zu tun, die &uuml;ber die Herstellung von &Ouml;ffentlichkeit in beiden Teilen des Landes sehr einheitlich verbreitet wird.<br>\nDer Prozess der deutschen Einheit ist f&uuml;r die Menschen im Osten mit tiefgreifenden, ja traumatischen Umw&auml;lzungen, in jedem Fall aber mit einer beispiellosen Deindustrialisierung und Entwertung ihrer Biografien verbunden. Ein Gro&szlig;teil der kulturellen Strukturen, wie Verlage, wurden ebenso abgewickelt oder durch Westfirmen &uuml;bernommen. Der Kabarettist Volker Pispers hat dies in einer seiner letzten Pointen vor dem B&uuml;hnenruhestand einmal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BTatAjd4I5A\">angedeutet<\/a>. Die Zeitung mit den meisten Abonnenten in der DDR, die Chemnitzer Freie Presse, wurde von Kanzler Kohl an der Treuhand vorbei der Familie Schaub in Ludwigshafen zugeschlagen, analysierte Pispers. &bdquo;<em>Ludwigshafen, Oggersheim, muss ein Zufall sein, ist eine Verschw&ouml;rungstheorie<\/em>&ldquo;, spottete er in seinem St&uuml;ck &uuml;ber die Struktur der westdeutschen Medien. Er sprach auch von den reichen Familien, die weder Schie&szlig;befehl noch Mauer br&auml;uchten. Sie h&auml;tten den Stacheldraht mit ihren Medien erfolgreich durch die K&ouml;pfe der Menschen gezogen.<\/p><p>Im Grunde vermarktet der Westen seine &Ouml;ffentlichkeit seit der Wende auch im Osten. Das ist der entscheidende Punkt. Wer beispielsweise die Bundespressekonferenz am Montag mit der AfD verfolgt hat, wird das vielleicht ein St&uuml;ck weit nachvollziehen k&ouml;nnen. Die Journalisten, einschlie&szlig;lich des leider nicht mehr so kritischen Tilo Jung, fokussierten sich darauf, dass man Bj&ouml;rn H&ouml;cke laut eines Gerichtsurteils einen Faschisten nennen d&uuml;rfe. In zahlreichen Publikationen und &Auml;u&szlig;erungen wird das nun aufgenommen und wiederholt, ohne den genauen Hintergrund zu erkl&auml;ren, wie es journalistische Pflicht gewesen w&auml;re. Die Eilentscheidung eines lokalen Verwaltungsgerichts wird benutzt, um einerseits H&ouml;cke mit einem gew&uuml;nschten Etikett zu versehen, aber auch dessen W&auml;hler im Osten gleich mit zu verurteilen. Seht her, ihr unterst&uuml;tzt einen Faschisten. Dabei hatte das Verwaltungsgericht Meiningen in der Begr&uuml;ndung zu einem Beschluss zum Versammlungsrecht <a href=\"http:\/\/www.vgme.thueringen.de\/webthfj\/webthfj.nsf\/CA8D0148CC67A0D5C125848600482F6C\/$File\/19-2E-01194-B-A.pdf?OpenElement\">ausgef&uuml;hrt<\/a>, dass es den Antragstellern, die gegen H&ouml;cke und eine Veranstaltung der AfD in Eisenach demonstrieren wollten, vor allem um die Auseinandersetzung in der Sache und nicht um die Diffamierung der Person gegangen sei. Zitat:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Auch eine &uuml;berzogene oder gar ausf&auml;llige Kritik macht eine &Auml;u&szlig;erung f&uuml;r sich genommen noch nicht zur Schm&auml;hung. Eine &Auml;u&szlig;erung nimmt diesen Charakter erst dann an, wenn nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern &ndash; jenseits auch polemischer und &uuml;berspitzter Kritik &ndash; die Diffamierung der Person im Vordergrund steht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Schaut man auf die weitere Entwicklung, so steht die Diffamierung der Person in falscher Auslegung des gerichtlichen Beschlusses nun doch im Vordergrund und damit verbunden wird auch die Stigmatisierung von W&auml;hlern, die ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben. Sie werden von Menschen, die sich f&uuml;r vollends aufgekl&auml;rt und damit f&uuml;r moralisch &uuml;berlegen halten, verurteilt. Ins gleiche Horn bl&auml;st auch der Linken-Abgeordnete Niema Movassat. Er schreibt auf seinem Twitterprofil. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sehr sehr sehr erschreckend, dass ca. jeder Vierte die H&ouml;cke-#AfD gew&auml;hlt hat. Wer eine offensichtliche Nazipartei w&auml;hlt- und das ist die AfD in #Thueringen &ndash; tr&auml;gt Mitverantwortung f&uuml;r Hetze und Hass. Mit &ldquo;ich will mal protestieren&rdquo; kann man sich da nicht rechtfertigen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191030-Neoliberalismus-02.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/NiemaMovassat\/status\/1188503706008014848\">Twitter<\/a><\/p><p>Dadurch werden aber nicht nur die W&auml;hler der AfD, sondern alle Ostdeutschen buchst&auml;blich einer erneuten Abwertung unterzogen. Die einen haben artig demokratische Parteien gew&auml;hlt, andere eben nicht. Pfui Teufel. Diese herablassende Behandlung der ostdeutschen W&auml;hlerschaft verst&auml;rkt folglich genau das Verhalten, welches die &bdquo;aufgekl&auml;rten Menschen&ldquo; mit ihren &Auml;u&szlig;erungen vorgeben, bek&auml;mpfen zu wollen. Eine funktionierende Sozialwissenschaft w&uuml;rde diesen Mechanismus erkennen und auch den Umstand, dass er durch eine &Ouml;ffentlichkeit bestimmt und transportiert wird, die ma&szlig;geblich durch den Westen und deren Medien gepr&auml;gt worden ist.<\/p><p><strong>Unterdr&uuml;ckung von Sozialpolitik <\/strong><\/p><p>Der Soziologe Yendell im Spiegel-Interview, aber auch der Bundestagsabgeordnete Movassat bedienen dagegen nur einen Reflex, ein bestimmtes Narrativ, statt der viel interessanteren Frage nachzugehen, welche Funktion die Stigmatisierung der AfD durch den scharfen Faschismus-Vorwurf eigentlich erf&uuml;llt. Er verdeckt ein weiteres Mal die inhaltliche N&auml;he der sogenannten Alternative f&uuml;r Deutschland zu den anderen Parteien, die sich immer noch gern in der Mitte der Gesellschaft verorten, obwohl sie in Wirklichkeit schon l&auml;ngst mehrere gro&szlig;e Schritte nach rechts unternommen haben. Was die AfD und die von ihr geschm&auml;hten &bdquo;Altparteien&ldquo; verbindet, ist die neoliberale Grundausrichtung, die durch die weitgehende Ablehnung und Schleifung des Sozialstaats gekennzeichnet ist. Diese frappierende &Auml;hnlichkeit in der politischen Ausrichtung zu benennen, ist aber ein mediales Tabu. Die NachDenkSeiten hatten sich bereits im Jahr 2017 der Herausforderung gestellt und eine inhaltliche Auseinandersetzung <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36906\">mit dem Programm der AfD vorgenommen<\/a>.<\/p><p>Ein weiteres Mal wiesen die NachDenkSeiten darauf <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53486\">hin<\/a>, als es um eine Einordnung der sozialpolitischen Ans&auml;tze in der AfD ging. Die Partei arbeitet gerade im Osten mit Konzepten, die teilweise von den Linken &uuml;bernommen worden sind und st&ouml;&szlig;t damit recht erfolgreich in ein politisches Vakuum vor, das die progressiven politischen Kr&auml;fte auf der linken Seite hinterlassen haben, weil sie eben die AfD nicht inhaltlich stellen, sondern nur mit plumpen Faschismusvorw&uuml;rfen &uuml;berziehen wollen. So kann die AfD gerade auch in den Bev&ouml;lkerungsschichten gro&szlig;e Erfolge feiern, die auf einen funktionierenden Sozialstaat dringend angewiesen sind. Der Bedarf an einer anderen Sozialpolitik ist also erkennbar hoch, wird aber durch die etablierten Parteien gar nicht ma&szlig;geblich thematisiert, weil ihnen der Ausschluss der AfD aus dem Kreis der Demokraten und, noch sch&auml;rfer, die Stigmatisierung der AfD als faschistische oder rechtsradikale Partei viel wichtiger ist.<\/p><p>F&uuml;r die Anh&auml;nger der neoliberalen Agenda ist dieser Prozess geradezu ein Geschenk, weil sie die berechtigte Forderung nach einer &Auml;nderung der Sozialpolitik in Zukunft als AfD-nah brandmarken k&ouml;nnen. So gesehen ist es nur folgerichtig, wenn eine durch den Westen dominierte &Ouml;ffentlichkeit das Wort Faschismus als Vorwurf m&ouml;glichst h&auml;ufig bem&uuml;ht, um auch weiterhin eine dringend notwendige Kehrtwende in der Sozialpolitik unterdr&uuml;cken zu k&ouml;nnen. Parteiprogramme werden unter diesen Bedingungen g&auml;nzlich &uuml;berfl&uuml;ssig, Analysen von Wahlniederlagen ebenso, denn entscheidend bleibt der Kampf &bdquo;gegen den Faschismus und f&uuml;r die Demokratie&ldquo;. Es bedarf nur noch des Aufrufs, die AfD zu verhindern, um eine gemeinsame Identifikationsgrundlage zu schaffen, der man sich eben anschlie&szlig;t oder nicht. Die Spaltung der Gesellschaft wird dadurch weiter versch&auml;rft, weil die ostdeutsche Perspektive eben eine vollkommen andere ist. Dazwischen zerrieben wird auch der zentrale Konflikt unserer Zeit, die sich immer weiter &ouml;ffnende Schere zwischen Arm und Reich. Wer darauf hinweist, hat es k&uuml;nftig noch viel schwerer, da sich ein Protest gegen die herrschenden Verh&auml;ltnisse leicht als &bdquo;rechtsradikal&ldquo; delegitimieren l&auml;sst. <\/p><p>Titelbild: Everett Historical\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem starken Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Th&uuml;ringen herrscht die weitverbreitete Meinung vor, dass der Osten ein massives Nazi-Problem habe. Nach der j&uuml;ngsten Landtagswahl werden die W&auml;hler der AfD selbst zu T&auml;tern gemacht. Sogar mit Hilfe von Soziologen, obwohl deren Disziplin als physique sociale im revolution&auml;ren Frankreich des 19. 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