{"id":5611,"date":"2010-05-21T09:02:10","date_gmt":"2010-05-21T07:02:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5611"},"modified":"2014-03-05T12:13:17","modified_gmt":"2014-03-05T11:13:17","slug":"politikwechsel-in-nrw-gescheitert-alles-laeuft-auf-eine-grosse-koalition-hinaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5611","title":{"rendered":"Politikwechsel in NRW gescheitert \u2013 Alles l\u00e4uft auf eine Gro\u00dfe Koalition hinaus"},"content":{"rendered":"<p>Der Ausgang der Sondierungsgespr&auml;che zwischen SPD und Gr&uuml;nen mit der Linken war absehbar. Hannelore Kraft ging es um die Best&auml;tigung ihrer Wahlkampfparole, dass die Linke &bdquo;weder koalitions- noch regierungsf&auml;hig&ldquo; sei. Die SPD f&auml;llt damit endg&uuml;ltig in die Rolle des Arztes am Krankenbett der CDU. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><\/p><p>Um die zuk&uuml;nftige Politik f&uuml;r das Land NRW ging es bei diesen Sondierungsgespr&auml;chen nur am Rande. Es ging vor allem um die Vergangenheitsbew&auml;ltigung der seit &uuml;ber 20 Jahren untergegangenen DDR. Man muss sich einmal diese Groteske vorstellen: Da sa&szlig;en nordrhein-westf&auml;lische Politiker zusammen, von denen keiner in der DDR gelebt hat und von denen wohl die meisten nie die DDR mit eigenen Augen gesehen haben, und diese Historiker-Laienschar spielte die Aufarbeitung der DDR-Geschichte. <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/landtagswahl\/nachrichten\/Rot-Rot-Gruen-in-NRW-ist-gescheitert_aid_859853.html\">Angeblich<\/a> soll das zeitgeschichtliche &bdquo;Seminar&ldquo; auf der Basis einer von den Gr&uuml;nen im letzten Jahr zu den dortigen Landtagswahlen entwickelten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bejm-online.de\/gfz\/dokumente\/aktuelle-dokumente\/aufarbeitung-ddr-geschichte\/\">Th&uuml;ringer Erkl&auml;rung<\/a>&ldquo; abgearbeitet worden sein. Dort hei&szlig;t es bezogen auf Ostdeutschland: <em>&bdquo;Vor einer Aufarbeitung in die Gesellschaft hinein muss das Bekenntnis zur DDR als einem Staat stehen, der eine Diktatur war, der nicht nur kein Rechtsstaat war, sondern ein Willk&uuml;rstaat, der in der Konsequenz Unrechtsstaat genannt werden muss.&ldquo;<\/em> <\/p><p>Bis zur Verurteilung der DDR als &bdquo;Diktatur&ldquo; sollen die Verhandlungspartner der Linken nach eigenem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,696045,00.html\">bekunden noch mitgegangen sein<\/a>, auch dabei dass die DDR &bdquo;kein Rechtsstaat&ldquo; war, haben sie wohl noch mitgezogen. Bei der durchaus subtilen Frage, ob die DDR nun ein &bdquo;Unrechtsstaat&ldquo; war, habe es laut Kraft &bdquo;relativierende &Auml;u&szlig;erungen&ldquo; gegeben. <\/p><p>An diesem &ndash; nebenbei bemerkt &ndash; vor allem von der CDU in ihrer Abgrenzungskampagne (&uuml;brigens auch zur SPD) ins Feld gef&uuml;hrten Schlagwort des &bdquo;Unrechtsstaats&ldquo;, womit es den Konservativen vor allem um die &bdquo;verlogene&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/unrechtsstaat-buergerrechtler-nennt-merkels-ddr-kritik-verlogen_aid_398663.html\">Schorlemmer<\/a>) Gleichsetzung der DDR mit dem Nazi-Regime ging, machten die nordrhein-westf&auml;lische SPD und die Gr&uuml;nen also die mangelnde &bdquo;Koalitions- und Regierungsf&auml;higkeit&ldquo; der 11 Parlamentarier\/innen der Linken fest. <\/p><p>W&uuml;rde die SPD diese Elle anlegen, m&uuml;sste sie bei ihren f&uuml;r Dienstag angek&uuml;ndigten Sondierungsgespr&auml;chen mit der CDU zuerst die Einrichtung einer historischen Kommission fordern, die die NS-Vergangenheit von CDU- und FDP-Abgeordneten <a href=\"\/?p=4299#h21\">im Landtag nach 1945 aufarbeitete<\/a>. Denn damals und &uuml;ber Jahrzehnte sp&auml;ter sa&szlig;en mehr als mehr als 40 Abgeordnete der b&uuml;rgerlichen Parteien im Landtag, die in der NSDAP oder parteinahen Organisationen wie der SS oder der SA waren. Mehrere Nazis wurden sogar Minister.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/100521_hdg_schlussstrich_drunter.png\" alt=\"Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland - \" schlu drunter><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.hdg.de\/lemo\/objekte\/pict\/Nachkriegsjahre_plakatFDPSchlussMitEntnazifizierung\/index.html%20\">Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland<\/a><\/p><p>Dieser Rekurs, ist selbstverst&auml;ndlich unhistorisch und absurd, aber er mag verdeutlichen, wie wenig ernsthaft das gestrige Sondierungsgespr&auml;ch war. Es war der Versuch eines Ablenkungsman&ouml;vers der SPD-Verhandlungsseite gegen&uuml;ber denjenigen W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern, die die Sozialdemokraten gew&auml;hlt haben, weil sie einen Politikwechsel in NRW erhofften. Hannelore Kraft war klar: H&auml;tte sie ein solches Gespr&auml;ch mit der Linken von vorneherein abgelehnt und w&auml;re direkt auf eine Gro&szlig;e Koalition mit der CDU zumaschiert, dann h&auml;tte sie einen Gro&szlig;teil ihrer Anh&auml;ngerinnen und Anh&auml;nger komplett vor den Kopf gesto&szlig;en. <\/p><p>Nun soll also das Verh&auml;ltnis zur DDR die Basis f&uuml;r eine Gro&szlig;e Koalition im Westen Deutschlands liefern, &uuml;ber den Rest, der an Politik f&uuml;r NRW &uuml;brig bleibt, wird man sich dann schon verst&auml;ndigen.<\/p><p>Diese Vorgehensweise der SPD und der Gr&uuml;nen belegt, wie sehr diese beiden Parteien noch Gefangene der mit der Abwahl von Schwarz-Gelb eigentlich schon gescheiterten Roten-Socken-Kampagne sind. Die angeblich einstimmige Ablehnungsentscheidung beider Parteien ist ein weiterer Beweis daf&uuml;r, wie au&szlig;engesteuert durch die Medien die Politik auch in NRW ist. Gab es doch seit der Wahl kaum einen <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/nicht-regierungsfaehig-was-die-nrw-linken-so-gefaehrlich-macht;2584745#bgStart\">Medienbericht<\/a>, in dem nicht erw&auml;hnt wurde, dass die Linke vom Verfassungsschutz &uuml;berwacht werde und dass Mitglieder deren Fraktion mit angeblich undemokratischen links-radikalen Organisationen in Verbindung gebracht w&uuml;rden. Dar&uuml;ber, welche Inhalte des politischen Programms der Linken, denn verfassungswidrig oder verfassungsgef&auml;hrdend sein k&ouml;nnten, wurde nie geredet. Aber schon diese Drohkulisse reichte aus, um die Politik f&uuml;r das Land v&ouml;llig in den Hintergrund zu dr&auml;ngen. <\/p><p>Da ist die Politik in Deutschland in einer der schwierigsten Krisen und die Meinungsmacher haben kein wichtigeres Thema, als dass ein Abgeordneter z.B. einer Gefangenenhilfsorganisation angeh&ouml;rt.<\/p><p>Dass es sich bei den Verhandlungen nur um ein taktische Man&ouml;ver handelte, belegt die Ungeschicklichkeit, dass Hannelore Kraft gleichzeitig mit dem Scheitern des Sondierungsgespr&auml;chs bekannt gab, dass sie schon eine Gespr&auml;chseinladung an die CDU und <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/landtagswahl\/nachrichten\/Rot-Rot-Gruen-in-NRW-ist-gescheitert_aid_859853.html\">Ministerpr&auml;sident R&uuml;ttgers geschickt habe<\/a>.<\/p><p>Wenn sie sich nicht v&ouml;llig unglaubw&uuml;rdig machen wollen, bleibt den Gr&uuml;nen und der FDP eigentlich nur noch der Weg in die Opposition, hatten beide doch ausdr&uuml;cklich eine Jamaika-Koalition ausgeschlossen. Vielleicht machen sich aber manche in der SPD und auch bei den Gr&uuml;nen immer noch Hoffnung, dass nach dem eklatanten Scheitern der Gespr&auml;che mit der Linken, die FDP noch einmal umfallen k&ouml;nnte. Aber das w&uuml;rde die SPD nach den Attacken ihres Vorsitzenden Sigmar Gabriel <a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/pm\/2790\/1597063\/der_tagesspiegel\">gegen die FDP<\/a> der L&auml;cherlichkeit preisgeben und die Gr&uuml;nen gleich dazu.<\/p><p>Die SPD hat sich damit selbst zur leichten Beute der CDU gemacht. Und wenn sich Ministerpr&auml;sident R&uuml;ttgers auf den frei gehaltenen Posten des Parlamentspr&auml;sidenten abschieben l&auml;sst, d&uuml;rften die inhaltlichen Kontroversen von der Schulpolitik bis zum Mindestlohn der &bdquo;Realit&auml;t&ldquo; angepasst werden. Die SPD f&auml;llt damit endg&uuml;ltig in die Rolle des Arztes am Krankenbett der CDU. <\/p><p>Optimistische Beobachter der Landespolitik spekulieren allerdings noch auf ein Scheitern der Gespr&auml;che zwischen CDU und SPD und setzen auf Neuwahlen und sagen dazu sogar &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/meinung\/2668374_Kommentar-Unmoegliches-Trio.html\">satte Mehrheiten<\/a>&ldquo;  f&uuml;r Rot-Gr&uuml;n voraus. <\/p><p>Doch selbst, wenn dieser Weg gangbar w&auml;re, wo sollten f&uuml;r eine Selbstaufl&ouml;sung des Parlaments gegenw&auml;rtig die Mehrheiten herkommen? Weder die CDU noch die FDP k&ouml;nnten bessere Ergebnisse erwarten, im Gegenteil. Der SPD d&uuml;rften dann auch noch alle diejenigen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler weglaufen, die darauf gesetzt hatten, dass diese Partei tats&auml;chlich einen &bdquo;Neuanfang&ldquo; (Gabriel) versuchen k&ouml;nnte. Und vor allem: Wo sollten die Parteien das n&ouml;tige Geld f&uuml;r einen neuerlichen Wahlkampf herzaubern.<br>\nDie W&auml;hler d&uuml;rften sich nach all diesem Theater zum Stimmvieh degradiert f&uuml;hlen und sich vollends von ihrem letzten Teilhaberecht an der Demokratie verabschieden und in Wahlverdrossenheit verfallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ausgang der Sondierungsgespr&auml;che zwischen SPD und Gr&uuml;nen mit der Linken war absehbar. Hannelore Kraft ging es um die Best&auml;tigung ihrer Wahlkampfparole, dass die Linke &bdquo;weder koalitions- noch regierungsf&auml;hig&ldquo; sei. Die SPD f&auml;llt damit endg&uuml;ltig in die Rolle des Arztes am Krankenbett der CDU. Wolfgang Lieb.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[124,195,146,191,120,190],"tags":[277,838,416,754,274],"class_list":["post-5611","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demokratie","category-die-linke","category-soziale-gerechtigkeit","category-spd","category-videohinweise","category-wahlen","tag-ddr","tag-kraft-hannelore","tag-nationalsozialismus","tag-nrw","tag-ruettgers-juergen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5611"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5623,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5611\/revisions\/5623"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5611"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5611"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}