{"id":56232,"date":"2019-11-09T11:45:29","date_gmt":"2019-11-09T10:45:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56232"},"modified":"2019-11-11T10:56:45","modified_gmt":"2019-11-11T09:56:45","slug":"putschversuch-in-bolivien-mit-heiligem-kreuz-schlaegertrupps-und-strassensperren-noetigen-konservative-evo-morales-zum-ruecktritt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56232","title":{"rendered":"Putschversuch in Bolivien \u2013 Mit Heiligem Kreuz, Schl\u00e4gertrupps und Stra\u00dfensperren n\u00f6tigen Konservative Evo Morales zum R\u00fccktritt"},"content":{"rendered":"<p>Kaum hat die Welt&ouml;ffentlichkeit den Volkssturm gegen das ultraliberale System mit seinen katastrophalen sozialen Auswirkungen in Chile wahrgenommen, wird das Nachbarland Bolivien von Unruhen gesch&uuml;ttelt, die umgekehrt von der konservativen bis rechtsradikalen Opposition gesch&uuml;rt werden. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6363\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-56232-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191110-Putschversuch-in-Bolivien-mit-heiligem-Kreuz-Schlaegertrupps-und-Strassensperren-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191110-Putschversuch-in-Bolivien-mit-heiligem-Kreuz-Schlaegertrupps-und-Strassensperren-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191110-Putschversuch-in-Bolivien-mit-heiligem-Kreuz-Schlaegertrupps-und-Strassensperren-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191110-Putschversuch-in-Bolivien-mit-heiligem-Kreuz-Schlaegertrupps-und-Strassensperren-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=56232-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191110-Putschversuch-in-Bolivien-mit-heiligem-Kreuz-Schlaegertrupps-und-Strassensperren-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191110-Putschversuch-in-Bolivien-mit-heiligem-Kreuz-Schlaegertrupps-und-Strassensperren-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die gewaltsamen Proteste, mit mindestens drei Toten und hunderten von Verletzten, begannen nach Bekanntgabe der offiziellen Ergebnisse der j&uuml;ngsten Pr&auml;sidentschaftswahlen vom 20. Oktober, aus denen der amtierende und zur Wiederwahl angetretene Pr&auml;sident Evo Morales mit ca. 46 Prozent gegen 36 Prozent der Stimmen seines zweitplatzierten, konservativen Herausforderers, Carlos Mesa, hervorging. Mit dem nur knapp erreichten, zehnprozentigen Vorsprung vermied Morales die gesetzlich vorgeschriebene Stichwahl, was Mesa im Handumdrehen dazu veranlasste, das Oberste Wahlgericht und Morales des &bdquo;Wahlbetrugs&ldquo; zu beschuldigen und die &Ouml;ffentlichkeit zu Protesten aufzurufen.<\/p><p>Als Geste des Entgegenkommens rief die bolivianische Regierung die in Washington ans&auml;ssige, konservative Organisation der Amerikanischen Staaten (OEA) ins Land, die seit Ende Oktober mit der akribischen Pr&uuml;fung der landesweiten Stimmenabgabe besch&auml;ftigt ist und Mitte November ihr Gutachten vorlegen will.<\/p><p>Indes st&ouml;&szlig;t Carlos Mesas Zick-Zack-Kurs auf Emp&ouml;rung. Zun&auml;chst versuchte der konservative Vorg&auml;nger von Evo Morales dessen Anrecht auf Wiederwahl zu behindern. Nachdem ihm die Verhinderung nicht gelang, forderte er nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses eine Stimmen-Neuausz&auml;hlung, lehnt jedoch jetzt &ndash; wegen angeblichem &bdquo;Vertrauensmangel&ldquo; &ndash; selbst den Wahlaudit der OEA ab und fordert Neuwahlen; eine Forderung, der sich auch die rechtsextreme Opposition im Regierungsbezirk Santa Cruz anschloss.<\/p><p>Die Opposition ist jedoch gespalten zwischen Mesa und Luis Fernando Camacho. Der Anwalt und Unternehmer aus dem bolivianischen Nordosten befahl seinen rechtsradikalen Comit&eacute;s C&iacute;vicos (B&uuml;rgerkomitees) die vollst&auml;ndige Abriegelung nicht nur der Stadt Santa Cruz, sondern auch der Staatsgrenzen zu Brasilien und Paraguay, womit Camacho die Hochburg des ultrarechten Agrobusiness hinter Barrikaden vom &uuml;brigen Bolivien isolierte und notfalls auch vom restlichen Land als &bdquo;selbstst&auml;ndige Republik&ldquo; abzuspalten droht.<\/p><p>Allerdings gingen den anhaltenden Auseinandersetzungen bereits im Dezember 2018 <a href=\"https:\/\/www.msn.com\/es-cl\/video\/noticias\/bolivianos-se-enfrentan-a-polic%C3%ADa-en-protestas-contra-morales\/vp-BBQChLH\">brutale Angriffe rechtsradikaler Schl&auml;gertrupps auf Polizeikr&auml;fte<\/a> voraus, die nun &ndash; anders als im Nachbarland Chile &ndash; von der Regierung zur disziplinierten M&auml;&szlig;igung im Umgang mit oppositionellen Demonstranten aufgerufen wurde. Zur Vermeidung von Konfrontationen und blutigen Stra&szlig;enschlachten hielt sich die Administration Evo Morales auch mit der Mobilisierung ihrer eigenen, breiten sozialen und politischen Basis zun&auml;chst zur&uuml;ck.<\/p><p>Der gewerkschaftliche Dachverband COB, Massenorganisationen der indigenen V&ouml;lker, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/telesurenglish\/status\/1192116936022167554\">Frauenbewegungen<\/a> und progressive Parteien &ndash; allen voran die amtierende Bewegung f&uuml;r den Sozialismus (MAS) &ndash; brachen erst am Dienstag, dem 5. November, zu einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7P1ZjS6MDbk\">beeindruckenden Aufmarsch<\/a> in der Innenstadt von La Paz auf, nachdem Camacho die Hauptstadt angeflogen hatte, um Morales zur Unterschrift seiner &bdquo;R&uuml;cktrittserkl&auml;rung&ldquo; zu zwingen und der Pr&auml;sident vor dem eskalierenden Putsch gewarnt hatte. Der Rechtsradikale wurde jedoch von Morales-Anh&auml;ngern <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0X9_VCe-qCE\">am Verlassen des Flughafens gehindert<\/a> und musste unerledigter Dinge nach Santa Cruz zur&uuml;ckfliegen.<\/p><p><strong>Lithium-Projekt mit deutschem Unternehmen annulliert<\/strong><\/p><p>Als dritter widerst&auml;ndiger Richtung stie&szlig; die Regierung Morales auf den Widerstand indianischer Gemeinden gegen das bolivianisch-deutsche Projekt der Lithium-Gewinnung und Aufbereitung am Uyuni, dem gr&ouml;&szlig;ten Salzsee der Erde. Der Uyuni erfreut sich seit Jahren eines internationalen Touristen-Booms, wurde 2019 mit dem World Travel Awards als &bdquo;beste nat&uuml;rliche Touristenattraktion in S&uuml;damerika&ldquo; ausgezeichnet, gilt aber auch als pr&auml;historischer Salzsee mit den weltgr&ouml;&szlig;ten Lithium-Vorkommen.<\/p><p>Das erst im Oktober 2018 zwischen dem bolivianischen Staat und der baden-w&uuml;rttembergischen Firma <a href=\"https:\/\/www.acisa.de\/de\/\">ACISA<\/a> mit je 51:49 Prozent Anteilen feierlich unterschriebene Projekt, mit einer Startinvestition von 300 Millionen, wurde in den vergangenen Tagen <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/bolivien-stoppt-lithium-projekt-mit-deutscher-firma\/a-51100927\">kommentarlos von der Regierung storniert<\/a>, bevor die Anlage Mitte 2020 &uuml;berhaupt in Betrieb genommen werden sollte.<\/p><p>Juan Carlos Cejas &ndash; Landesgouverneur des historischen Regierungsbezirks Potos&iacute; und Mitglied der linken Regierungspartei MAS &ndash; beklagte die Entscheidung und machte &bdquo;lokale und fremde Agitatoren&ldquo; f&uuml;r die Stimmung und <a href=\"https:\/\/mundo.sputniknews.com\/economia\/201911041089201789-bolivia-anula-contrato-con-firma-alemana-aci-para-industrializar-litio\/\">Gesch&auml;ftsannullierung verantwortlich<\/a>, die tausende Arbeitspl&auml;tze vernichte und die Zukunft der Region bedrohen w&uuml;rde.<\/p><p>Indigene B&uuml;rgerinitiativen unterstellten dem Projekt Umweltsch&auml;digungen, mangelnde Transparenz und die Missbilligung ihrer Rechte; ein Vorwurf, den die von ACISA zu Hilfe gerufenen kirchlichen Hilfsorganisationen Brot f&uuml;r die Welt und Misereor weitgehend teilten. Von Anbeginn war das Projekt jedoch auch von der umstrittenen Kompetenz von ACISA &uuml;berschattet, da der Hersteller von Solarzellen keinerlei Erfahrung in der Lithium-Verarbeitung besitzt und auf die Beratung und Mitarbeit fremder Unternehmen angewiesen war.<\/p><p>Nach der F&ouml;rderung des Agrobusiness und den damit zusammenh&auml;ngenden <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55661\">Amazonas-Br&auml;nden<\/a> geriet der &bdquo;harte entwicklungspolitische Kurs&ldquo; Evo Morales&lsquo; mit der Lithium-Gewinnung erneut in die Kritik der indigenen V&ouml;lker, er machte deshalb auch hier einen R&uuml;ckzieher. Vielfache Stimmen &ndash; darunter namhafter Intellektueller indigenen Ursprungs wie <a href=\"https:\/\/www.alainet.org\/es\/articulo\/202972\">Rafael Bautista S.<\/a> &ndash; empfehlen daher Regierung und Opposition den zur Zeit schwierigsten Schritt in Richtung Entspannung: den Dialog.<\/p><p><strong>Der Vorwurf des &bdquo;Wahlbetrugs&ldquo; und die Pr&uuml;fung durch die OEA<\/strong><\/p><p>Den Anlass f&uuml;r die Anschuldigung des Wahlbetrugs bildete zwischen dem 20. und dem 21. Oktober eine 20-st&uuml;ndige technische Unterbrechung der Stimmenausz&auml;hlung durch das Oberste Wahlgericht (TSE). Es habe keinen Betrug gegeben, kontert <a href=\"https:\/\/mundo.sputniknews.com\/america-latina\/201911021089189972-el-fraude-detras-de-la-idea-de-fraude-en-las-elecciones-de-bolivia\/\">Justizminister H&eacute;ctor Arce in einem Interview<\/a>. Carlos Mesa wisse dies und lehne deshalb die internationale Wahlpr&uuml;fung durch die OEA ab.<\/p><p>Dass nach der Z&auml;hlung von 83 Prozent der Stimmen die Weiterf&uuml;hrung ausgesetzt und erst am n&auml;chsten Tag reaktiviert wurde, war ein offensichtlicher Fehler des TSE und es sei Sache des Gerichts, das zu erkl&auml;ren, kritisiert der Minister, doch dieser Umstand d&uuml;rfe nicht einfach umgedeutet und damit behauptet werden, dass es einen Betrug gegeben habe. &bdquo;Was hier passiert, ist eine inakzeptable Ungerechtigkeit, eine unn&ouml;tige Mobilisierung der Bev&ouml;lkerung, L&auml;hmung ganzer St&auml;dte und Regierungsbezirke, eine Ersch&uuml;tterung der Nation. Um eine L&uuml;ge aufrechtzuerhalten, wird gegen das Leben der Bolivianer getrachtet. Wo ist der Betrug? Wo ein einziger Hinweis?&ldquo;, emp&ouml;rt sich Arce.<\/p><p>Zwei zentrale Elemente entkr&auml;ften von vornherein den Vorwurf der Opposition. Erstens haben Mesa und seine Partei bisher keine Beweise f&uuml;r Betrug, kein Ersuchen vor einer Gerichts- oder Verwaltungsinstanz eingereicht, beklagt der Justizminister. Zweitens hat die sogenannte Comunidad Ciudadana &ndash; die parteipolitisch unabh&auml;ngige B&uuml;rgergemeinschaft, die den gesamten Wahlvorgang, also Abstimmung, Ausz&auml;hlung und Protokolle &uuml;berwacht &ndash; die Redlichkeit der Pr&auml;sidentschaftswahlen best&auml;tigt.<\/p><p>&Uuml;ber 30.000 freiwillige Delegierte der Comunidad Ciudadana haben fast 100 Prozent der Protokolle der 34.555 Wahllokale unterzeichnet. W&auml;hrend der gesetzlichen Einspruchsfrist wurden von ihnen keine Beschwerden oder Einspr&uuml;che registriert, s&auml;mtliche amtliche Wahlunterlagen wurden von ihnen als g&uuml;ltig bezeichnet. Sobald diese Protokolle genehmigt sind, werden davon 12 Kopien angefertigt, von denen wiederum die Delegierten &uuml;ber eine Kopie verf&uuml;gen. Das Hauptprotokoll wird sodann mit einem Sicherheitsschl&uuml;ssel zum Sitz des Obersten Wahlgerichts geschickt, wo es in Anwesenheit der konkurrierenden Parteien ge&ouml;ffnet wird. S&auml;mtliche Protokolle werden in Minutenabst&auml;nden validiert, bis die Gesamtsumme der Stimmen an das nationale Rechenzentrum gesendet wird. Wie kann es da sein, dass Carlos Mesa Betrug meldet? Das sei eine L&uuml;ge und aus diesem Grund lehnt Mesa den OEA-Audit durch 30 internationale Gesandte ab, kritisiert Boliviens Justizminister.<\/p><p><strong>Mit Heiligem Kreuz, Milit&auml;rs, der extremen Rechten der USA und Bolsonaro<\/strong><\/p><p>Zwei Wochen vor den Parlamentswahlen erwachte Bolivien mit der Ank&uuml;ndigung einer &bdquo;Farbrevolution&ldquo;. Luis Fernando Camacho, ehemaliger Vorsitzender des Pro-Santa-Cruz-Komitees, predigte die Notwendigkeit, den Traum der wei&szlig;en Gro&szlig;grundbesitzer, Sojapflanzer und Viehz&uuml;chter von ihrer ersehnten Sezession &ndash; einer Abspaltung von Bolivien &ndash; zu verwirklichen. Mit einer an den Haaren herbeigezogenen Prophezeiung eines &bdquo;Wahlbetrugs&ldquo; rief Camacho zum Ungehorsam auf und sch&uuml;rte eindeutig einen Aufstand.<\/p><p>Camacho und seine Anh&auml;nger tragen als Emblem ihrer Bewegung das Heilige Kreuz, entweder an einer Halskette oder auf ihre Hemden gestickt. Ikone, Sprache und Gewaltbereitschaft stellen spontane Assoziationen zum Ku-Klux-Klan her; es fehlt nur die wei&szlig;e Kapuze.<\/p><p>Der Separatismus im Regierungsbezirk Santa Cruz besitzt indes eine nahezu 60-j&auml;hrige Geschichte. Doch wie der aus Santa Cruz stammende Publizist Juan Carlos Zambrana Marchetti in seinem 2010 herausgegebenen Buch <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Secretos-Estado-archivos-antiimperialismo-Boliviano\/dp\/1453696059\">&bdquo;Secretos de Estado: Una guerra interna de la CIA, por sus archivos sobre el antiimperialismo Boliviano&ldquo;<\/a> dokumentierte, hatten die USA von Anbeginn die Finger im Spiel. In einem vor wenigen Tagen <a href=\"http:\/\/www.resumenlatinoamericano.org\/2019\/11\/02\/bolivia-un-cristo-contra-el-indio\/\">ver&ouml;ffentlichten Essay<\/a> zu den gegen Evo Morales gesch&uuml;rten Unruhen griff Marchetti das Thema wieder auf und erinnerte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Jahr 1961 starteten die USA in der Region eine m&auml;chtige antikommunistische Kampagne, eine Art Mix aus Propaganda, Unterdr&uuml;ckung und Aus&uuml;bung des christlichen Glaubens. Obwohl der Kommunismus in Santa Cruz politisch niemals existierte, hatte diese Kampagne die Kontrolle und Unterdr&uuml;ckung der (armen) Bauern zum Ziel; indigene Bauern, die Schwierigkeiten hatten, sich in eine Gesellschaft von Wei&szlig;en zu integrieren, die sie ablehnten. Dies l&ouml;ste eine lange Auseinandersetzung zwischen zivilen Milizen der nationalistischen revolution&auml;ren Bewegung (MNR), den Verteidigern der Revolution von 1952 und Milizen der extremen Rechten (Juvenile Cruce&ntilde;ista Union) aus, die keine politische Macht besa&szlig;en und sich als &acute;b&uuml;rgerlich&acute; neu erfunden hatten&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend dieser Auseinandersetzungen traf als internationale Ber&uuml;hmtheit in Santa Cruz Kardinal Richard James Cushing, Erzbischof von Boston, ein. Cushing stand in enger Verbindung mit der Bostoner Elite und war ein enger Freund der Familie Kennedy. Als notorischer Antikommunist bekannt, traf der Kardinal am 9. August 1961 zu einem Eucharistischen Kongress und der Einweihung des Denkmals f&uuml;r Christus, den Erl&ouml;ser, ein, das genau an einer Kreuzung mit einer Stra&szlig;e in Richtung Norden errichtet wurde, wo die Siedlungen der indigenen Colla-Bauern liegen, die als Arbeitskr&auml;fte auf den Latifundien angeheuert wurden.<\/p><p>Doch die Christus-Figur, so Marchetti, kehrte dem Norden den R&uuml;cken zu und breitete seine sch&uuml;tzenden Arme &uuml;ber die wei&szlig;en Stadtbewohner aus, die den Segen f&uuml;r sich allein beanspruchten, deren genuin weltlicher Schutz (Marchetti) jedoch rechtzeitig von den Streitkr&auml;ften sichergestellt wurde, die zuvor die Stadt Santa Cruz besetzt und zum milit&auml;rischen Sperrgebiet erkl&auml;rt hatten. General Ren&eacute; Barrientos Ortu&ntilde;o wurde zum provisorischen Abteilungsleiter der Regierungspartei MNR ernannt und ersetzte Dr. Luis Sand&oacute;val Mor&oacute;n, der nach La Paz &bdquo;berufen&ldquo;, sprich: strafversetzt worden war.<\/p><p>Die &ldquo;Unerw&uuml;nschten&rdquo;, sprich: die Collas von Sand&oacute;val, leisteten keinen Widerstand. Sie kauerten am Rande des Geschehens und unter diesen Bedingungen der Ausgrenzung und Dem&uuml;tigung wurde der Eucharistische Kongress er&ouml;ffnet und das Denkmal der Oberschicht von Santa Cruz &uuml;bergeben. Eine Woche sp&auml;ter hielt die Regierung immer noch Sand&oacute;val in La Paz fest und den &ldquo;unerw&uuml;nschten&rdquo; Teil von Santa Cruz fern des Stadtzentrums.<\/p><p>So wurde Camachos heutige &bdquo;B&uuml;rgerwehr&ldquo; gegen den &bdquo;Indio&ldquo; Evo Morales und seine Anh&auml;nger geboren, die die Mehrheit im Jahrtausende alten Andenland darstellen, doch wider Menschenw&uuml;rde und republikanischem Recht von der nordostbolivianischen wei&szlig;en Minderheit als &bdquo;unerw&uuml;nschte&ldquo; Indigene betrachtet werden &ndash; einfach so. &bdquo;Im lichten 21. Jahrhundert wird das Christentum ebenso wie im 16. Jahrhundert als Instrument sozialer Kontrolle eingesetzt, um die Massen zu unterwerfen, um denkende Individuen in entfremdete Schafherden zu verwandeln&ldquo;, kommentiert Marchetti.<\/p><p>Der ber&uuml;hmte Christus-Erl&ouml;ser der Santa-Cruz-Elite und ihrer Mitl&auml;ufer wird heute, wie in den sechziger Jahren, als Kriegswaffe gegen Arme, Indianer, Bauern und Linke im Allgemeinen militant eingesetzt. &bdquo;Eine Waffe des moralischen und geistigen Mordes, die im 21. Jahrhundert eine Schande ist und in der absoluten Verantwortung des Vatikans und von Papst Franziskus liegt, der mit seinem mitschuldigen Schweigen diese widerliche Prostitution des christlichen Glaubens &uuml;berlagert&ldquo;, protestiert der bolivianische Autor.<\/p><p>Indes konspirieren die Kreuzz&uuml;gler nicht allein. Mitten im Aufruhr wurden <a href=\"http:\/\/www.resumenlatinoamericano.org\/2019\/11\/03\/bolivia-surgen-16-audios-que-vinculan-a-civicos-exmilitares-y-eeuu-en-planes-de-agitacion\/\">16 brisante Tonaufnahmen<\/a> bekannt. In den geheimen Aufzeichnungen sind Gespr&auml;che zwischen &bdquo;zivilen F&uuml;hrern&ldquo;, Politikern und Milit&auml;rs &uuml;ber eine Verschw&ouml;rung zu h&ouml;ren, die politische Umw&auml;lzungen f&uuml;r die Zeit vor und nach den j&uuml;ngsten Wahlen und die Verhinderung von Evo Morales zum Ziel hatten.<\/p><p>In einem der Audios ist der ehemalige Abgeordnete Manfred Reyes Villa in einem Gespr&auml;ch mit nicht identifizierbaren Personen zu erkennen, die ihn daran erinnern, dass die US-Senatoren Marco Rubio, Bob Men&eacute;ndez und Ted Cruz sich verpflichtet haben, Wirtschaftssanktionen gegen Bolivien zu erlassen, falls Evo Morales die Wahl gewinnt. Reyes Villa spricht offen von Putschpl&auml;nen. Er erw&auml;hnt die Unterst&uuml;tzung der evangelikalen Kirche und der brasilianischen Regierung und gibt Hinweise auf einen mutma&szlig;lichen Vertrauensmann Bolsonaros, der auch einen noch nicht identifizierten bolivianischen Pr&auml;sidentschaftskandidaten ber&auml;t.<\/p><p>Audio Nummer 15 erkl&auml;rt, wie sich die Verschw&ouml;rer den Auftakt vorstellten. Privates Treffen zwischen den Oppositionspolitikern Jaime Antonio Alarc&oacute;n Daza, Iv&aacute;n Arias und anderen Mitgliedern der B&uuml;rgerkomitees. Sie vereinbaren die Anschaffung &bdquo;schneller&ldquo; Abstimmungsausr&uuml;stungen (elektronische Urnen?) f&uuml;r die Pr&auml;sidentschaftswahlen, die zur Manipulation der &ouml;ffentlichen Meinung und als &bdquo;Beweis&ldquo; f&uuml;r einen mutma&szlig;lichen &bdquo;Wahlbetrug&ldquo; verwendet werden sollten. Die Gruppe gibt Hinweise auf die Zusammenarbeit mit einer gewissen Jubil&auml;umsstiftung, der Europ&auml;ischen Union, der US-Botschaft und der evangelikalen Kirche.<\/p><p>Der Regierung waren diese Mitschnitte bekannt und sie begr&uuml;ndeten Evo Morales&lsquo; Warnung vor einem geplanten Putsch.<\/p><p>Titelbild: Devin Beaulieu\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum hat die Welt&ouml;ffentlichkeit den Volkssturm gegen das ultraliberale System mit seinen katastrophalen sozialen Auswirkungen in Chile wahrgenommen, wird das Nachbarland Bolivien von Unruhen gesch&uuml;ttelt, die umgekehrt von der konservativen bis rechtsradikalen Opposition gesch&uuml;rt werden. 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