{"id":56264,"date":"2019-11-11T11:00:44","date_gmt":"2019-11-11T10:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56264"},"modified":"2019-11-14T07:23:25","modified_gmt":"2019-11-14T06:23:25","slug":"lob-fuer-handke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56264","title":{"rendered":"Lob f\u00fcr Handke"},"content":{"rendered":"<p>Die Kampagnen gegen Peter Handke gehen weiter: &ldquo;Warum Peter Handke vielleicht kein &Ouml;sterreicher mehr ist&ldquo; &ndash; solche fragw&uuml;rdigen Thesen werden ganz aktuell &uuml;ber den &ouml;sterreichischen Schriftsteller und Literaturnobelpreistr&auml;ger verbreitet. Der Anlass f&uuml;r den Artikel ist der &bdquo;Fund&ldquo; eines lange bekannten Ausweisdokuments. Die Motivation ist mutma&szlig;lich die Diskreditierung eines Kriegsgegners. Von <strong>Hannes Hofbauer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7351\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-56264-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191113_Lob_fuer_Handke_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191113_Lob_fuer_Handke_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191113_Lob_fuer_Handke_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191113_Lob_fuer_Handke_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=56264-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191113_Lob_fuer_Handke_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191113_Lob_fuer_Handke_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Ich w&auml;re gerne in Serbien, wenn die Bomben auf Serbien fallen. Das ist mein Ort. Ich verspreche Ihnen, wenn die Kriminellen der Nato bombardieren, komme ich nach Serbien.&ldquo; Diese Worte sprach Peter Handke am 18. Februar 1999, als er vom serbischen Fernsehen im franz&ouml;sischen Rambouillet interviewt wurde.<\/p><p>Im Schloss Rambouillet versuchten damals die Verhandler der USA und der Europ&auml;ischen Union, Christopher Hill und Wolfgang Petritsch, die jugoslawische Seite dazu zu zwingen, die Provinz Kosovo unter internationale Kontrolle zu stellen und Serbien und Montenegro zum Aufmarschgebiet der NATO zu machen, damit sich, wie es in Artikel 8 hie&szlig;, &ldquo;NATO-Personal &hellip; innerhalb der gesamten Bundesrepublik einschlie&szlig;lich ihres Luftraumes und ihrer Territorialgew&auml;sser frei und ungehindert bewegen k&ouml;nnen.&rdquo; Eine solche Erpressung war unannehmbar, wie auch der fr&uuml;here US-Au&szlig;enminister Henry Kissinger seiner Nachfolgerin Madeleine Albright via Zeitungskommentar ausrichten lie&szlig;: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Von Jugoslawien, einem souver&auml;nen Staat, verlangt man die &Uuml;bergabe der Kontrolle und Souver&auml;nit&auml;t &uuml;ber eine Provinz mit etlichen nationalen Heiligt&uuml;mern an ausl&auml;ndisches Milit&auml;r. Analog dazu k&ouml;nnte man die Amerikaner auffordern, fremde Truppen in Alamo einmarschieren zu lassen, um die Stadt an Mexiko zur&uuml;ckzugeben, weil das ethnische Gleichgewicht sich verschoben hat&rdquo;, schrieb er am 28. Februar in der &ldquo;Welt am Sonntag&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Und der jugoslawische Delegationsleiter Milan Milutinovi&#263; erkl&auml;rte nach 17 Verhandlungstagen gegen&uuml;ber der Presseagentur &ldquo;Tanjug&rdquo;: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Es war ein Betrug passiert. Man wollte gar kein Abkommen. Das ganze Theater war zu dem Zweck arrangiert worden, dass wir Unannehmbares akzeptieren sollten oder, wenn wir es nicht akzeptierten, Bomben fielen &hellip;&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Einen Monat sp&auml;ter fielen Bomben auf Serbien und Montenegro. Am 24. M&auml;rz 1999 griff die eben erst um die drei Mitgliedsl&auml;nder Ungarn, Polen und Tschechien vergr&ouml;&szlig;erte NATO Jugoslawien an. Der v&ouml;lkerrechtswidrige &Uuml;berfall erfolgte ohne UN-Mandat. Es war eine kriminelle Tat. Und Peter Handke stand zu seinem Versprechen. Er fuhr nach Serbien. Schon 1996 war von ihm, mitten in die serbenfeindliche Stimmung der westlichen Medien und Politik hinein, sein Bericht &uuml;ber eine winterliche Reise zu den Fl&uuml;ssen Donau, Save, Morawa und Drina erschienen: &ldquo;Gerechtigkeit f&uuml;r Serbien&ldquo;, lautete der Untertitel. Und Anfang 1999 schloss er die Arbeit am Theaterst&uuml;ck &ldquo;Die Fahrt im Einbaum oder das St&uuml;ck zum Film vom Krieg&rdquo; ab, in dem er sich klar und unmissverst&auml;ndlich gegen die kolonialen Begehrlichkeiten westlicher Milit&auml;rs, Unternehmen und NGOs im bosnischen B&uuml;rgerkrieg ausspricht. Claus Peymann inszenierte die Urauff&uuml;hrung am Wiener Burgtheater am 9. Juni 1999, ausgerechnet an jenem Tag, an dem im makedonischen Kumanovo ein Vertrag zum Abzug der jugoslawischen Volksarmee aus dem Kosovo unterzeichnet wurde. <\/p><p><strong>Medien und Beh&ouml;rden: Gemeinsam gegen Handke<\/strong><\/p><p>Nach dem Krieg wurde Handke am 15. Juni 1999 ein jugoslawischer Pass ausgestellt. Obwohl dieser Pass in Form einer Kopie im Online-Archiv der &ouml;sterreichischen Nationalbibliothek seit Jahren zu bestaunen ist, erregt sich die Journaille nun erst dar&uuml;ber, um das Bild von Peter Handke als Freund einer blutr&uuml;nstigen Serbendiktatur zu zementieren. &ldquo;Das Milosevic-Regime stellte dem Literatur-Nobelpreistr&auml;ger 1999 einen Pass aus&rdquo;, hei&szlig;t es beispielsweise am 8. November in der Wiener &ldquo;Die Presse&rdquo; &ndash; noch dazu in Verdrehung der Zeitenfolge, war doch Handke im Jahr 1999 der Literaturnobelpreis noch lange nicht verliehen worden. Und der liberale &ldquo;Standard&rdquo; stichelt weiter und titelt am selben Tag: &ldquo;Warum Peter Handke vielleicht kein &Ouml;sterreicher mehr ist&rdquo;. Die Handke-feindlichen Medien treiben die Beh&ouml;rden vor sich her. Weil Doppelstaatsb&uuml;rgerschaften in &Ouml;sterreich nur in Ausnahmef&auml;llen erlaubt sind, muss nun gepr&uuml;ft werden, ob Handke vielleicht 1999 automatisch die &ouml;sterreichische verloren hat. Der sozialdemokratische Landeshauptmann von K&auml;rnten, dem Heimatbundesland des Nobelpreistr&auml;gers, hat nun offiziell ein &ldquo;staatb&uuml;rgerschaftliches Ermittlungsverfahren&rdquo; gegen Handke eingeleitet. So gehen Politik und angebliche Qualit&auml;tsmedien im Land der K&uuml;nste mit ihrem eben erst mit h&ouml;chsten Ehren ausgezeichneten Literaten um.<\/p><p>Sie k&ouml;nnen es ihm nicht verzeihen, dass Peter Handke in den 1990er Jahren nicht nur den Zerfall Jugoslawiens bedauert hat, sondern der damals vergleichsweise vern&uuml;nftigsten Kraft, Slobodan Milo&scaron;evi&#263;, nahe gestanden ist. Am Grab des nach Den Haag Verschleppten und dort ohne eine von ihm gew&uuml;nschte medizinische Behandlung zu Tode Gekommenen brachte Handke seine Sicht der Jugoslawien-Krise indirekt zum Ausdruck. Dieser 18. M&auml;rz 2006 wird noch heute skandalisiert. Damals sprach Handke auf dem Begr&auml;bnis von Milo&scaron;evi&#263; in dessen Geburtsstadt Po&#382;arevac die folgenden Worte (auf Serbo-kroatisch):<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die Welt, die sogenannte Welt, wei&szlig; alles &uuml;ber Jugoslawien, Serbien. Die Welt, die sogenannte Welt, wei&szlig; alles &uuml;ber Slobodan Milo&scaron;evi&#263;. Die sogenannte Welt wei&szlig; die Wahrheit. Deswegen ist die sogenannte Welt heute abwesend, und nicht blo&szlig; heute, und nicht blo&szlig; hier. Die sogenannte Welt ist nicht die Welt. (&hellip;) Ich wei&szlig; die Wahrheit nicht. Aber ich schaue, Ich h&ouml;re. Ich erinnere mich. Ich frage. Deswegen bin ich heute anwesend, nah an Jugoslawien, nah an Serbien, nah an Slobodan Milo&scaron;evi&#263;.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Geschichtsvergessener Serbenhass<\/strong><\/p><p>Es war die &ldquo;Washington Post&rdquo;, die zum Halali auf Peter Handke blies. Noch am selben 10. Oktober 2019, als die schwedische Akademie die Verleihung des Literaturnobelpreises bekannt gab, lie&szlig; sie im Titel ihres Berichtes anklingen, dass es sich bei Handke um einen &ldquo;Apologeten des V&ouml;lkermordes&rdquo; handelt k&ouml;nnte. Und die Woche darauf &uuml;berschrieb sie den prominent platzierten Kommentar des Pr&auml;sidenten der kosovo-albanischen Kunstakademie Mehmet Kraja mit der Zeile &ldquo;Warum wurde der Nobelpreis an einen Mann vergeben, der einen Kriegsverbrecher feiert?&rdquo; Die meinungsbildenden deutschsprachigen Medien apportierten den Ruf aus Washington und stie&szlig;en in dieselbe Kerbe, wie die NachDenkSeiten etwa <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55611\">in diesem Artikel<\/a> beschrieben haben. <\/p><p>Um zu verstehen, woher dieser Hass auf Serbien, Milo&scaron;evi&#263; und &ndash; zuletzt &ndash; Handke kommt, m&uuml;ssen wir uns den Ablauf der Ereignisse im Zerfallsprozess Jugoslawiens und dessen handelnde Personen in Erinnerung rufen. Die erste vom Westen betriebene Feindortung in Bezug auf Slobodan Milo&scaron;evi&#263; fand zum Jahreswechsel 1990\/1991 statt. Der Internationale W&auml;hrungsfond (IWF) hatte das ganze Jahr 1989 dabei zugesehen, wie eine 1000-prozentige Hyperinflation s&auml;mtliche Dinar-Sparguthaben vernichtete, um im ersten Halbjahr 1990 ein rigoroses Sparpaket aufzulegen, das die bereits zuvor in Lateinamerika erprobten Eckpfeiler aufwies: restriktive Geldpolitik, Abbau von staatlichen Subventionen und Sozialleistungen, &Ouml;ffnung des heimischen Marktes f&uuml;r ausl&auml;ndische Investoren sowie eine Privatisierung von Betrieben, die sich im staatlichen und\/oder gesellschaftlichen Eigentum befanden. Die Namensgeber f&uuml;r diese Schocktherapie hie&szlig;en Jeffrey Sachs vom IWF und Ante Markovi&#263;, der letzte Ministerpr&auml;sident Jugoslawiens. Milo&scaron;evi&#263;, eben mit 65-prozentiger Zustimmung im Amt des Pr&auml;sidenten der Teilrepublik Serbien best&auml;tigt, unterlief diesen Plan, indem er f&uuml;r umgerechnet 16 Milliarden Dollar Dinar drucken lie&szlig; und damit die serbischen Staatsangestellten &ndash; Milit&auml;rs, Lehrer, Krankenhauspersonal etc. &ndash; bezahlte. Jeffrey Sachs war emp&ouml;rt, brach seine Zelte in Belgrad ab, zog nach Ljubljana und sp&auml;ter nach Warschau. Der gelernte Jurist und Banker Milo&scaron;evi&#263; hatte sich mit dem Anwerfen der Notendruckmaschine im Westen &uuml;ber Nacht unbeliebt gemacht. <\/p><p>Nun gingen vor allem Deutschland und &Ouml;sterreich daran, die nationalen Fliehkr&auml;fte Jugoslawiens zu unterst&uuml;tzen. Besonders hervor taten sich dabei die beiden Au&szlig;enminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Alois Mock (&Ouml;VP). Wer waren nun ihre Partner vor Ort? Es waren vor allem kroatische und bosnisch-muslimische Sezessionisten, auf die sie setzten; wobei die historische Parallele zu den 1940er Jahren in Serbien pr&auml;sent war und in Deutschland tot geschwiegen wurde.<\/p><p>In Kroatien unterst&uuml;tzte die deutsche und &ouml;sterreichische Au&szlig;enpolitik Franjo Tudjman. Er war im Mai 1990 zum Pr&auml;sidenten der Teilrepublik Kroatien gew&auml;hlt worden und galt nun als Held der Demokratie und der freien Marktwirtschaft; f&uuml;r letztere trat er heftig ein. W&auml;hrend des Titoismus musste der ausgebildete Historiker wegen nationalistischer und &ldquo;konterrevolution&auml;rer Umtriebe&rdquo; zwei Mal ins Gef&auml;ngnis.<br>\nKnapp vor dem kroatischen Unabh&auml;ngigkeitsreferendum im Mai 1991 zeigte Tudjman, was er unter kroatischem Nationalismus verstand. Am 2. M&auml;rz 1991 schickte Tudjman kroatische Nationalgardisten (eine Armee gab es noch nicht) in die mehrheitlich von Serben bewohnte slawonische Stadt Pakrac. Diese zwangen die &ouml;rtlichen serbisch-st&auml;mmigen Polizisten, auf ihrer Polizeistation die neue Fahne der noch von niemandem anerkannten &ldquo;Republik Kroatien&rdquo; zu hissen: das aus der faschistischen Usta&scaron;a-Zeit bekannte Schachbrett. <\/p><p><strong>Westliche Zusammenarbeit mit Antisemiten<\/strong><\/p><p>Im Westen stie&szlig; sich niemand daran. Auch Tudjmans antisemitische Ausf&auml;lle wurden in deutschen und &ouml;sterreichischen Medien tunlichst &uuml;bergangen. Sein 1993 ins Deutsche &uuml;bersetztes Buch &ldquo;Irrwege der Geschichtswirklichkeit&rdquo; strotzt nur so vor Verharmlosungen des faschistischen Usta&scaron;a-Regimes und schreibt die Zahl der Opfer im KZ Jasenovac klein. Die sechs Millionen ermordeter Juden w&auml;hrend des Nationalsozialismus findet Tudjman darin &ldquo;emotional &uuml;bertrieben&rdquo;. Sein Au&szlig;enminister Zvonimir Separovi&#263; lie&szlig; anl&auml;sslich eines Interviews durchblicken, warum der Antisemitismus von Tudjmans HDZ-Partei im Westen keine Thema wurde: &ldquo;Die serbische Lobby in der Welt ist gef&auml;hrlich, da sie mit j&uuml;dischen Organisationen zusammenarbeitet.&rdquo; Damals, in den fr&uuml;hen 1990er Jahren, konzentrierte sich der Westen auf seine Feindschaft zu Serbien. Mit hehren Anspr&uuml;chen wie dem vielfach postulierten Kampf gegen den Antisemitismus konnte man es dabei nicht so genau nehmen.<\/p><p>Der bosnisch-muslimische Verb&uuml;ndete des Westens, Alija Izetbegovi&#263;, war auf seine Art noch rechtsradikaler als Tudjman. Im Zweiten Weltkrieges schloss er sich den Mladi Muslimani an, einer der &auml;gyptischen Muslimbruderschaft nahe stehenden Organisation, die den deutschen Vormarsch und die Usta&scaron;a-Regierung in Kroatien nutzte, um ihrerseits eine muslimische Kraft gegen Titos Partisanen zu bilden. Im Jahr 1970 erschien dann Izetbegovi&#263;&rsquo; Hauptwerk, die &ldquo;Islamische Deklaration&rdquo;. Darin beschreibt er die zuk&uuml;nftig gew&uuml;nschte Gesellschaftsordnung unter muslimischen Vorzeichen folgenderma&szlig;en: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die erste und vorrangigste (Erkenntnis) ist sicherlich diejenige von der Unvereinbarkeit des Islams mit nicht-islamischen Systemen. Es kann keinen Frieden oder keine Koexistenz zwischen dem islamischen Glauben und den nicht-islamischen Gesellschaften und politischen Institutionen geben.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Sowohl f&uuml;r die Mitgliedschaft bei den &ldquo;Jungen Muslimen&rdquo; als auch f&uuml;r die Ver&ouml;ffentlichung der Islamischen Deklaration verbrachte Izetbegovi&#263; mehrere Jahre in titoistischen Gef&auml;ngnissen. Der Westen, allen voran franz&ouml;sische Medien und Intellektuelle wie die Philosophen Bernard-Henry Levy oder Andr&eacute; Glucksmann, sahen in Izetbegovi&#263; hingegen den Retter der Demokratie auf dem Balkan, mehr noch: Ihr Schlachtgesang w&auml;hrend des bosnischen B&uuml;rgerkrieges lautete: &bdquo;Wir k&ouml;nnen siegen, daher m&uuml;ssen wir siegen! Ja oder nein zur europ&auml;ischen Zivilisation!&rdquo; Deren Schutzherr vor Ort hie&szlig; Alija Izetbegovi&#263;.<\/p><p><strong>Handke: Solidarit&auml;t mit leiser Stimme<\/strong><\/p><p>So waren sie also gestrickt die Partner des Westens im zerfallenden Jugoslawien: der die Schachbrett-Fahne der Usta&scaron;i schwingende Tudjman und der Muslimbruder Izetbegovi&#263;. Und dann kam im M&auml;rz 1999 der Angriff der NATO auf die Reste Jugoslawiens. Der finale Akt der Zerst&ouml;rung, auf dass forthin kroatischer Nationalismus, bosnischer Islamismus und albanischer Nationalismus an die Stelle des ehemaligen Vielv&ouml;lkerstaates treten m&ouml;gen. In einem solchen Moment, kurz vor dem Abheben der NATO-Kampffliegerstaffeln trat Peter Handke vor die &Ouml;ffentlichkeit und lie&szlig; jeden, der es h&ouml;ren wollte, seine Verachtung f&uuml;r diese Politik und diesen Milit&auml;reinsatz wissen. Mit leiser Stimme zwar, wie gewohnt, aber mit Nachdruck. Seine Solidarit&auml;t mit dem von NATO-Bomben geschundenen Serbien n&ouml;tig Respekt ab. Nicht trotz dieser hat er den Literaturnobelpreis verdient, sondern deswegen.<\/p><p><em>Von Hannes Hofbauer ist bereits in 8. Auflage zum Thema erschienen: Balkankrieg. Zehn Jahre Zerst&ouml;rung Jugoslawiens. Promedia Verlag, Wien.<\/em><\/p><p>Titelbild: vladm \/ shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55611\">Nobelpreis f&uuml;r Peter Handke: Die zweite Rache der Meinungsmacher<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55916\">Handke-Debatte: &bdquo;Hier werden Behauptungen aufgestellt, die im Zirkelschluss bewiesen werden&ldquo;<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kampagnen gegen Peter Handke gehen weiter: &ldquo;Warum Peter Handke vielleicht kein &Ouml;sterreicher mehr ist&ldquo; &ndash; solche fragw&uuml;rdigen Thesen werden ganz aktuell &uuml;ber den &ouml;sterreichischen Schriftsteller und Literaturnobelpreistr&auml;ger verbreitet. Der Anlass f&uuml;r den Artikel ist der &bdquo;Fund&ldquo; eines lange bekannten Ausweisdokuments. Die Motivation ist mutma&szlig;lich die Diskreditierung eines Kriegsgegners. Von <strong>Hannes Hofbauer<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56264\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":56267,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,123,183,171],"tags":[771,2748,462,1544,432,1599,466,367,1203,2203,1703,1954],"class_list":["post-56264","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","tag-oesterreich","tag-handke-peter","tag-jugoslawien","tag-kampagnenjournalismus","tag-kosovo","tag-kroatien","tag-nato","tag-nobelpreis","tag-separatismus","tag-serbien","tag-voelkerrecht","tag-washington-post"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/shutterstock_1316594483.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=56264"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":56344,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56264\/revisions\/56344"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/56267"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=56264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=56264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=56264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}