{"id":56360,"date":"2019-11-14T12:00:08","date_gmt":"2019-11-14T11:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56360"},"modified":"2019-11-15T09:47:53","modified_gmt":"2019-11-15T08:47:53","slug":"leserbriefe-zum-hartz-iv-urteil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56360","title":{"rendered":"Leserbriefe zum Hartz-IV-Urteil"},"content":{"rendered":"<p>Das BVerfG-Urteil zu Hartz IV und der Beitrag &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56181\">Hartz-IV-Urteil: Angriffe auf das Existenzminimum sind in Ordnung<\/a>&rdquo; sowie der &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56143#h01\">Hinweise #1 vom 06. November 2019<\/a>&rdquo; dazu l&ouml;sten erwartungsgem&auml;&szlig; eine Flut von Zuschriften aus, von denen wir nachfolgend einige wiedergeben. Der letzte Leserbrief enth&auml;lt praktische Tipps zur Einklagung von Schulbuchkosten f&uuml;r Hartz-IV-Empf&auml;nger. Zusammengestellt von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebe Nachdenkseitenmacher,<br>\n&nbsp;<br>\nnun ist es also h&ouml;chsrichterlich best&auml;tigt, da&szlig; in diesem Land das materielle und soziokulturelle Existenzminimum unterschritten werden darf&hellip; und das gleich um 30 Prozent.<\/p><p>Im Urteil von 2010 hie&szlig; es noch, der ALG 2-Satz sei das absolute Existenzminmum und sei im Grunde unverf&uuml;gbar.<\/p><p>Wie verf&uuml;gbar, sieht man an diesem Urteil.<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nS. Giese<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nein erb&auml;rmlicher Tag, dass das Bundesverfassungsgericht heute Sozialdemokraten und Christdemokraten erkl&auml;ren musste was gegen die Menschenw&uuml;rde verst&ouml;&szlig;t.&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nFreundliche und nachdenkliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nVolker Kamp<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Nachdenkseiten,<\/p><p>schauen Sie sich im gestrigen Hartz IV-Urteil bitte u. A. <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2019\/11\/ls20191105_1bvl000716.html\">die Nr. 209 im Urteil an<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Anders liegt dies folglich, wenn und solange Leistungsberechtigte es selbst in der Hand haben, durch Aufnahme einer ihnen angebotenen zumutbaren Arbeit (&sect; 31 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB II) ihre menschenw&uuml;rdige Existenz tats&auml;chlich und unmittelbar durch die Erzielung von Einkommen selbst zu sichern. Ihre Situation ist dann im Ausgangspunkt derjenigen vergleichbar, in der keine Bed&uuml;rftigkeit vorliegt, weil Einkommen oder Verm&ouml;gen aktuell verf&uuml;gbar und zumutbar einsetzbar sind. <u>Wird eine solche tats&auml;chlich existenzsichernde<\/u> und im Sinne des &sect; 10 SGB II <u>zumutbare Erwerbst&auml;tigkeit ohne wichtigen Grund<\/u> im Sinne des &sect; 31 Abs. 1 Satz 2 SGB II <u>willentlich verweigert<\/u>, obwohl im Verfahren die M&ouml;glichkeit bestand, dazu auch etwaige Besonderheiten der pers&ouml;nlichen Situation vorzubringen, die einer Arbeitsaufnahme bei objektiver Betrachtung entgegenstehen k&ouml;nnten, <u>ist daher ein vollst&auml;ndiger Leistungsentzug zu rechtfertigen<\/u>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das hei&szlig;t im Klartext, nicht mehr 30-60-100%, sondern gleich sofort auf 0.<\/p><p>Weiterhin sagt das BVerfG: <em>&ldquo;K&uuml;rzung bis zu 30 Prozent sind nicht zu beanstanden&rdquo;<\/em><\/p><p>Damit hat das BVerfG unser Grundgesetz verraten und eine der vielf&auml;ltigen Formen von Faschismus zementiert!<\/p><p><u>Das BVerfG hat nicht die Menschenw&uuml;rde gesch&uuml;tzt, sondern das Hartz IV-Terrorsystem vor dem Kollabieren durch die eigenen Kosten der Sanktionswut.<\/u><\/p><p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/GawainOf_Orkney\/status\/1191728654881087488\">Hier beschreibt es auch jemand recht passend<\/a>:<\/p><blockquote><p>\nDas Urteil ist nicht nur kein partieller Sieg f&uuml;r die Menschenw&uuml;rde, als die es hier teils akzeptiert wird. Es ist eine entsetzliche Niederlage f&uuml;r den Sozialstaat, f&uuml;r das Solidarprinzip, f&uuml;r unsere Gesellschaft.\n<\/p><\/blockquote><p><u>Das ist kein Quantensprung auf den Weg zu sozialen Garantien!!!<\/u><\/p><p><strong>(Nachtrag 7.11.)<\/strong><\/p><p>laut <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/hartz-iv-urteil-sanktionen-gegen-arbeitslose-vorerst.1939.de.html?drn:news_id=1067433\">Deutschlandfunk<\/a> sind Sanktionen bundesweit vorerst ausgesetzt.<\/p><blockquote><p>\nHartz IV-Urteil Sanktionen gegen Arbeitslose vorerst ausgesetzt<br>\n&nbsp;<br>\nNach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Hartz-IV wird es vorerst keine Sanktionen gegen Arbeitslose geben.<br>\nDer Chef der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, Scheele, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ba-chef-scheele-zu-hartz-iv-wir-haben-unser-ermessen-immer.694.de.html?dram:article_id=462829\">sagte im Deutschlandfunk<\/a>, man habe am Tag des Urteils gemeinsam mit Bund und L&auml;ndern vereinbart, in den n&auml;chsten Wochen keine Sanktionen auszusprechen. Das gelte auch f&uuml;r Jugendliche. Man brauche Zeit, um ein rechtskonformes Vorgehen zu schaffen. Scheele betonte, auch in der Vergangenheit habe man lediglich bei drei Prozent der Empf&auml;nger Sanktionen verh&auml;ngt &ndash; die meisten davon nur in geringer H&ouml;he. Bei den Jobcentern stehe das F&ouml;rdern im Vordergrund.<\/p>\n<p>Das Verfassungsgericht hatte entschieden, dass Leistungen h&ouml;chstens noch um 30 Prozent gek&uuml;rzt werden d&uuml;rfen und nicht wie bisher um 60 oder sogar 100 Prozent. Grunds&auml;tzlich bleiben Sanktionen aber m&ouml;glich.\n<\/p><\/blockquote><p>&nbsp;<br>\nZitat Ende.<br>\n&nbsp;<br>\nSicher auch auf der Homepage der Presseagentur.<br>\n&nbsp;<br>\nIm Elo Forum best&auml;tigte das jemand nach einem Besuch im JC.<br>\n&nbsp;<br>\n<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ba-chef-scheele-zu-hartz-iv-wir-haben-unser-ermessen-immer.694.de.html?dram:article_id=462829\">zu einem Interview mit Herrn Scheele von heute<\/a><\/p><p>mfg. Tigranes <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Reimann,<\/p><p>so richtig kann ich Ihre Freude nicht teilen. Das Urteil sagt doch nur das Teile der bisherigen Praxis nicht ganz konform mit dem GG gingen.<\/p><p>30% Abz&uuml;ge sind jedoch ok. Die Miete wird zwar gezahlt, doch an der Nahrung kann gespart werden. Die Wurst bleibt dann dem Butterbrot fern.<\/p><p>Abgezogen werden die 30% vom Existenzminimum, also dem, was der Mensch einfach braucht um zu existieren &ndash; nicht zu leben.<\/p><p>F&uuml;r einen Erwachsenen mag dies vielleicht irgendwie gehen, jedoch wenn Kinder im Haushalt sind, wird es schwierig. Diese leiden nach wie vor unter den Sanktionen. Diese werden auch weiterhin in Sippenhaft genommen.<\/p><p>Nein, ein Grund zur Freude besteht nicht. Auch weil das BVerfG die Realit&auml;t am so genannten Arbeitsmarkt nicht ber&uuml;cksichtigt hat. Das Verh&auml;ltnis von &ldquo;offenen Stellen&rdquo; und den Menschen die Lohnarbeit suchen, ist nach wie vor erschreckend. Hinzu kommt, dass die Politik weiterhin nach Arbeitskr&auml;ften im Ausland sucht, anstatt von den Fabrikanten zu fordern die Lohnarbeitsuchenden entsprechend auszubilden.<\/p><p>Hinzu kommt, dass Menschen &uuml;ber 40 es immer schwerer haben einen Lohnarbeitsplatz zu finden. Menschen die &uuml;ber 50 sind, haben &uuml;berhaupt keine Chance mehr. All dies wird ausgeblendet vom BVferG.<\/p><p>&mdash; Mit dem Grundgesetz kann das dennoch vereinbar sein, wenn diese Sanktion darauf ausgerichtet ist, dass Mitwirkungspflichten erf&uuml;llt werden, die gerade dazu dienen, die existenzielle Bed&uuml;rftigkeit zu vermeiden oder zu &uuml;berwinden. &mdash;<br>\n<a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2019\/bvg19-074.html\">bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2019\/bvg19-074.html<\/a><\/p><p>Mit diesem Satz ist auch die bisherige Praxis abgesichert. Die Politik hat halt ein wenig &uuml;berzogen.<\/p><p>&mdash; Dar&uuml;ber hinaus ist nicht erkennbar, dass eine der in &sect; 31 Abs. 1 SGB II benannten Mitwirkungspflichten gegen das Verbot der Zwangsarbeit (Art. 12 Abs. 2 GG) versto&szlig;en w&uuml;rde. &mdash;<br>\n[ebd]<\/p><p>Art. 12 GG<br>\n(2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, au&szlig;er im Rahmen einer herk&ouml;mmlichen allgemeinen, f&uuml;r alle gleichen &ouml;ffentlichen Dienstleistungspflicht.<\/p><p>Ist sinnloses schreiben von Bewerbungen nun Arbeit oder nicht? Sind nutzlose Bewerbertrainigs Arbeit oder nicht?<\/p><p>Auch der folgende Absatz sollte einmal auf seine Bedeutung hin &uuml;berpr&uuml;ft werden.<\/p><p>&mdash; Auch die Einsch&auml;tzung des Gesetzgebers, dass eine solche Sanktion zur Durchsetzung von Mitwirkungspflichten erforderlich ist, h&auml;lt sich noch in seinem Einsch&auml;tzungsspielraum. Die gesetzgeberische Annahme, dass mildere, aber gleich wirksame Mittel nicht zur Verf&uuml;gung stehen, ist hinreichend tragf&auml;hig. Es erscheint jedenfalls plausibel, dass eine sp&uuml;rbar belastende Reaktion die Betroffenen dazu motivieren kann, ihren Pflichten nachzukommen, und eine geringere Sanktion oder positive Anreize keine generell gleicherma&szlig;en wirksame Alternative darstellen. &mdash;<br>\n[ebd]<\/p><p>Hei&szlig;t wohl: Dass ein bisserl mit der Peitsche durchaus seine Rechtfertigung hat. Willst du nicht freiwillig, so brauch ich Gewalt.<\/p><p>Freude ruft dies alles bei mir nicht hervor.<\/p><p>Ich danke Ihnen f&uuml;r Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Geduld.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nJan Skalla<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrtes NDS-Team,<\/p><p>wie kann es sein, dass der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordneter Herr Harbarth, der selbst Hartz IV samt Sanktionen politisch aktiv bef&uuml;rwortete , an einem solchen Urteil mitwirkt? Sind unsere Gerichte wirklich unabh&auml;ngig?<\/p><p>Hartz IV einschlie&szlig;lich der damit vebundenen menschenunw&uuml;rdigen Sanktionen wurde unter der Rot-Gr&uuml;nen-Koalition eingef&uuml;hrt. Das scheinen sowohl die Sozialdemokraten als auch die Gr&uuml;nen gerne zu vergessen.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nGerhard Edelmann<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;gibt der Vorsitzende des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts, Herr Harbarth, damit nicht implizit zu, dass er als CDU-Bundestagsabgeordneter mit seinem Stimmverhalten f&uuml;r Sanktionen &ndash; zumindest teilweise &ndash; verfassungswidrig entschieden ha.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wer selbst an der gesetzlichen Regelung der Sanktionen als Bundestagsabgeordneter mitgewirkt hat, ist in der Sache selbst befangen und h&auml;tte sich aus Verfahren zur&uuml;ckziehen m&uuml;ssen.<\/p><p>Das Urteil des Verfassungsgerichts ist damit nichtig. Nur gibt es keine bundesdeutsche Instanz mehr, die diese Nichtigkeit auch geltend machen k&ouml;nnte.<\/p><p>Rechtsstaat wo bist du geblieben?<\/p><p>WJK<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sanktionen f&uuml;hren zu Leid und dazu, dass Menschen sich zur&uuml;ckziehen,&ldquo; sagt Dr. Ulrich Schneider, Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Parit&auml;tischen Gesamtverbandes. &bdquo;Sie entspringen einer l&auml;ngst &uuml;berwundenen Rohrstockp&auml;dagogik des vergangenen Jahrhunderts. Sie sind deshalb komplett und ersatzlos zu streichen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Liebe NDS-Redaktion,<\/p><p>mir ist eigentlich nicht ganz klar, welche Leistungen der Parit&auml;tische Wohlfahrtsverband in dem Fall (oder &uuml;berhaupt) erbringt. Der Verband hat im letzten Jahr allein an Bundeszusch&uuml;ssen mehr als 35 Mio. &euro; eingenommen. Wof&uuml;r? Damit sich Herr Dr. Ulrich Schneider immer durch &ldquo;Armuts-PR&rdquo; in Szene setzt? Laut Tageszeitung hat der Kl&auml;ger eine ihm zumutbare Arbeit abgelehnt und ist daraufhin in dem Fall (meiner Meinung nach) v&ouml;llig zurecht sanktioniert worden. Der Kl&auml;ger wusste, dass er damit rechnen musste. Auch Marx und Engels haben sich im Kommunistischen Manifest durchaus f&uuml;r eine Arbeitspflicht ausgesprochen. (Der Zwang, sich seinen Lebensunterhalt in der Regel selbst verdienen zu m&uuml;ssen, wird nicht nur von politisch rechtsau&szlig;en stehenden Menschen vertreten). Richtig ist, dass Schikanen seitens der &Auml;mter unterbleiben m&uuml;ssen und das Job-Center die F&auml;lle differenzierter betrachten m&uuml;ssen, als sie das bisher gemacht haben. Zumindest verstehe ich das Karlsruher Urteil in diesem Sinne, und das geht auch in Ordnung so.<\/p><p>VG Michael Wrazidlo<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.bremer-montagsdemo.de\/708\/reden708.htm#708-GDB\">bremer-montagsdemo.de\/708\/reden708.htm#708-GDB<\/a><\/p><p>Dem Staat die Menschenfeindlichkeit ausgetrieben<\/p><p>Wenn Menschen nicht weiterwissen, greifen sie zur&uuml;ck auf knappe Glaubenss&auml;tze. Damit st&uuml;tzen sie ganze Denkgeb&auml;ude. Die Architekten von Hartz IV beispielsweise, voran Sozialdemokraten wie Schr&ouml;der, M&uuml;ntefering oder Clement, konnten sich zur Begr&uuml;ndung, warum Arbeitslose unter existenziellen Druck gesetzt werden m&uuml;ssten, mit den Christdemokraten auf einen besonders mageren Glaubenssatz einigen, der sogar noch aus der Bibel stammt: &bdquo;Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.&ldquo; Es gebe kein Recht auf Faulheit, glaubte der Kanzler. Die Wettbewerbsf&auml;higkeit m&uuml;sse gest&auml;rkt werden, glaubt die Kanzlerin.<\/p><p>Dem sonst so wortreichen und -m&auml;chtigen Ex-Bundesrichter und Neu-Kolumnisten Thomas Fischer wiederum fiel zum Hartz-IV-Regelsatz bisher allein die karge Feststellung ein, ob dieser hoch genug ist, sei eine philosophische Frage. Solch entr&uuml;ckter Glaube ist erstaunlich, schlie&szlig;lich haben Wohlfahrtsverb&auml;nde ausf&uuml;hrliche Untersuchungen dar&uuml;ber vorgelegt, welche tats&auml;chlichen, weitaus h&ouml;heren Ausgaben f&uuml;r allt&auml;gliche Lebensbedarfe entstehen. Dass diese in gro&szlig;em Umfang aus Brottafeln, Suppenk&uuml;chen und Kleiderkammern gedeckt werden m&uuml;ssen, widerlegt doch den Glauben an ausreichend Sozialstaatlichkeit. Linke glauben ja, am Niedriglohn wolle sich jemand bereichern.<\/p><p>Die <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2019\/bvg19-074.html\">Verfassungsrichter<\/a> hingegen, die jetzt mit knapp 15 Jahren Versp&auml;tung die <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2019\/11\/ls20191105_1bvl000716.html\">zentrale St&uuml;tze des Hartz-IV-Unrechtsbauwerks wegbaggerten<\/a>, lie&szlig;en es bei der Frage, ob es nicht verbotene Zwangsarbeit ist, wenn das Nichtantreten zu amtlich vermittelter Niedriglohnarbeit oder verordneter Zeitvertreibsma&szlig;nahme mit Entzug s&auml;mtlicher Leistungen zum Lebensunterhalt sanktioniert wird, mit der d&uuml;rren Feststellung bewenden, ein solcher Versto&szlig; sei nicht erkennbar. Das ist kaum zu glauben, hat doch der Sozialrechtler Harald Thom&eacute; f&uuml;r sie entsprechende Schicksale zuhauf gesammelt und die Herkunft der Sanktionsparagraphen &uuml;ber die alte Sozialhilfe aus dem Armenrecht und der Arbeitspflicht in Nationalsozialismus und Kaiserzeit in einer Expertise dargelegt.<\/p><p>Zu verstehen ist diese unbegr&uuml;ndete richterliche Feststellung nur als jene eine Folgerung, die eben nicht gezogen werden darf. Das Ph&auml;nomen der Zwangsarbeit, bis zur Existenzvernichtung durchgesetzt, muss der faschistischen Vergangenheit vorbehalten bleiben. Heute w&uuml;rde es mit dem h&ouml;chsten der sch&ouml;nen Glaubenss&auml;tze kollidieren, wonach die W&uuml;rde des Menschen unantastbar ist. So taten die Richter das N&ouml;tige und untersagten mit Sofortwirkung den &uuml;berwiegenden oder gar vollst&auml;ndigen Leistungsentzug. Der Glaube des Gesetzgebers an eine helfende Wirkung solcher Sanktionen sei wissenschaftlich unbelegt. Erst mit diesem Urteilsspruch hat das Verfassungsgericht dem bundesdeutschen Staat endlich die auf die Gruppe der Arbeitslosen bezogene Menschenfeindlichkeit ausgetrieben.<\/p><p>Es bleibt die Ungeheuerlichkeit, dass Sozialdemokraten einen solchen Verfassungsbruch ver&uuml;bt haben. Uwe Schmidt von der Bremer SPD sprach sich 2017 vor seiner Direktwahl in den Bundestag gegen Sanktionen aus und stimmte anschlie&szlig;end <em>daf&uuml;r<\/em>. Sanktionierte wurden traumatisiert durch Obdachlosigkeit und Verlust aller sozialen Bez&uuml;ge. Hartz IV macht krank. Millionen Menschen wurden durch die Hartz-IV-Tretm&uuml;hle gedreht, weitere Millionen, eine ganze Generation, zu st&auml;ndigem Lohnverzicht gedr&auml;ngt. Hartz IV macht Angst. Ob sie die Wahlstimmen der Betroffenen jemals wiedergewinnen kann, entscheidet sich wesentlich daran, ob die SPD den obrigkeitsstaatlichen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/komplette-abschaffung-juso-chef-kuehnert-will-spd-ueber-hartz-iv-sanktionen-abstimmen-lassen\/25194286.html\">Sanktionen jetzt ein Ende bereitet<\/a>. Das muss sie ihren christdemokratischen Kumpanen abfordern als Preis f&uuml;r ein Fortsetzen der Koalition.<\/p><p>Gerolf D. Brettschneider (parteilos, Webmaster Bremer Montagsdemo) <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebes Team,<\/p><p>danke f&uuml;r den Artikel s.oben.<\/p><p>Meine Meinung: Das BVG hat nichts ge&auml;ndert. Es bleibt bei Hartz 4 und bis, so las ich an anderer Stelle, die Neuregelungen erarbeitet und &ldquo;abgesegnet&rdquo; sind, darf weiter so verfahren wie bisher.<br>\n&nbsp;<br>\nVon Katja Kipping ist nichts anderes zu erwarten gewesen, denn die hat den &ldquo;Knall&rdquo; immer noch nicht geh&ouml;rt wie viele Linke und SPD-Anh&auml;nger.<\/p><p>Sehe ich mir das deutsche System insgesamt an, so fragte ich mich manchmal und derzeit immer &ouml;fter, ob die deutsche politische Klasse die Gemeinheit, Hinterh&auml;ltigkeit, kriegerisches und destruktives Verhalten und Bestrafungsfreudigkeit in ihren Genen hat? Andere EU-L&auml;nder sind doch ganz anders. Nur Deutschland ist so was von negativ und herrschs&uuml;chtig, dass ich mich mittlerweile im europ&auml;ischen Ausland f&uuml;r diese ruin&ouml;se Politik einfach nur noch sch&auml;me. Da gibt es auch nichts wirklich gar nichts sch&ouml;n zu reden! Wo man hinschaut brennt es lichterloh und keine Feuerwehr da, die l&ouml;schen k&ouml;nnte, weil das Personal fehlt!<br>\n&nbsp;<br>\nbeste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nKarola Schramm<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>10. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr Riegel!<\/p><p>Ich finde es traurig, dass Hartz IV Empf&auml;nger immer noch gern als Faulenzer abgestempelt werden. Ich vermute, die Zahl derer, die so &bdquo;faul&ldquo; sind, dass sie sich auf ein derartiges Existenzminimum beschr&auml;nken m&ouml;chten, d&uuml;rfte gering sein.<\/p><p>Nat&uuml;rlich w&auml;re es ung&uuml;nstig mitzuteilen, dass Hartz IV rigoros zur AUSBEUTUNG genutzt wird, wo doch gerade staatliche Institutionen sehr gerne Hartz IV Empf&auml;nger als 1-Euro-Jobber nutzen.<\/p><p>Welchen Zweck haben Mindestl&ouml;hne, wenn man diese mittels Hartz IV aufweichen kann? Die Menschen, die auf diese Weise gezwungen werden l&auml;cherlich bezahlte Arbeiten anzunehmen, sind zu bedauern, nicht zu beschimpfen. Sie werden schikaniert und nach Gusto eingesetzt, wo man sie grade brauchen kann. Wehrt man sich, wird einem das Wenige gek&uuml;rzt, was man hat.<\/p><p>Da wundere ich mich: Sind wir wirklich so weit von der Sklaverei entfernt?<\/p><p>Nebenbei interessant finde ich, dass ein Konzept, das von einem verurteilten Kriminellen ersonnen wurde, nach wie vor angewandt wird. W&auml;hrend unsereins sich wegen wesentlich geringerer Vergehen ernsthaft sorgen m&uuml;sste, in Hartz IV abzugleiten, besteht diese Gefahr f&uuml;r Herrn Hartz praktischerweise nicht.<\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nV. Weinand<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>12. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Leute,<\/p><p>der Tobias Riegel hat in seinem Artikel nicht hinreichend herausgearbeitet, von welchem Anteil der Hartz4-Leistungen, eine k&uuml;nftige K&uuml;rzung um 30% verfassungskonform sein soll.<\/p><p>Das Urteil ist diesbez&uuml;glich nicht schl&uuml;ssig begr&uuml;ndet.<\/p><p>Geht es um die Gesamtleistung inkl. Miete, Heizung, KV und Regelsatz, oder um den Regelsatz, in derzeitiger H&ouml;he von 425 Euro allein ? Bei Grundlage der Gesamtleistung von angenommenen 1200 Euro pro Monat f&uuml;r einen Singlehaushalt, k&ouml;nnte bei einer 30prozentigen K&uuml;rzung nahezu der komplette Regelsatz gestrichen werden; es blieben 25 Euro &uuml;brig.<\/p><p>Dies ist kein Vorwurf. Die gesamte Medienmeute hat gepennt. Angesichts dessen, war das voreilige Lob der Frau Kipping &uuml;berfl&uuml;ssig.<\/p><p>LG<br>\nKlaus Pomrehn<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>13. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Werter Herr Riegel! <\/p><p>Zu ihrem Beitrag: &ldquo;Hartz-IV-Urteil: Angriffe auf das Existenzminimum sind in Ordnung&rdquo; m&ouml;chte ich gerne folgendes anmerken. <\/p><p>Es war schon mehr als ein Schock, wie ich heute beim B&auml;cker die Schlagzeile der BILD war nahm. Der Zufolge &ldquo;Hartz IV jetzt auf dem Silbertablett serviert&rdquo; wird! Dazu gab es dann gleich noch ein Foto von Deutschlands &ldquo;Faulsten&rdquo; Hartz IV Empf&auml;nger. Toll kann ich da nur sagen! Mit so einem Weltbild bekommt der Tag gleich Struktur und man wei&szlig; wo der Feind steht. Gibt es eigentlich noch so etwas wie den Presse- oder Ethikrat in diesem Land , welcher sich bei solch rhetorisch geschliffenen Aufmachern einschalten sollte?? Aber bei der momentanen Gem&uuml;tslage, ist so etwas, wohl im Rahmen des Erlaubten? Es ist ja eh nur der unterste Auswurf dieser Gesellschaft von Gewinnern, welcher hier an den Pranger gestellt wird und dar&uuml;ber sollte und muss man sich nicht echauffieren. <\/p><p>In den Neunziger Jahren gab es viele nachmitt&auml;gliche Trashshows auf billigen Niveau (Wei&szlig; gar nicht, ob es die noch gibt?) aber bei dem Gedanken, f&auml;llt mir folgender Vorschlag f&uuml;r ein neues Format ein. Wie w&auml;re es mit einer Show, in welcher die gesamte Redaktion der BILD (Incl. Dieckmann, versteht sich!) f&uuml;r wenigstens 1 Jahr mit HARTZ IV leben mu&szlig; ohne an ihre privaten Reicht&uuml;mer zu kommen. Halt so eine Art Langzeitstudie, aber mit allen Schikanen. Denn wenn schon, dann richtig! Danach d&uuml;rfen die Teilnehmer ihre Erfahrungen, &uuml;ber das Leben vom &ldquo;Silbertablett&rdquo; Revue passieren lassen und an ihre Leserschaft weiter geben. Sie erw&auml;hnen in ihrem Beitrag das diverse andere Herausgeber von Druckerzeugnissen eine &auml;hnliche Sichtweise wie BILD haben, die kann man ja gleich mit dazu nehmen. Es kann doch nicht schaden, wenn die &ldquo;St&uuml;tzen&rdquo; unserer Gesellschaft mal das wunderbar &ldquo;faule&rdquo; und bequeme Leben auf der &ldquo;sonnigen&rdquo; Seite der Gesellschaft kennen lernen, wo sie sonst nur im Arbeitsstress f&uuml;r die Elite unsere Landes stehen. In diesem Sinne! <\/p><p>Mit frdl. Gr&uuml;&szlig;en Ralf Matthias, Hannover <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>14. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hat man da tats&auml;chlich mit einem guten Urteil gerechnet? Wie lange lag dieses wichtige Thema denn schon in Karlsruhe?<\/p><p>Dieses Gericht ist doch Teil des Problems, mit dem wir es zu tun haben.<\/p><p>Darf ich daran erinnern, welches skandal&ouml;se Urteil dort zur Rentenbesteuerung gesprochen wurde? Diese Richter waren ja noch nicht einmal in der Lage, herauszufinden, wie hoch die Renten in Deutschland sind.<\/p><p>Anzunehmen, da w&uuml;rden die Anw&auml;lte des kleinen Mannes sitzen, entbehrt doch jeder Grundlage.<br>\n&nbsp;<br>\nGru&szlig; ans Team<br>\nRoland Kuntz, Saarbr&uuml;cken<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>15. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Riegel,&nbsp;<\/p><p>auch wenn ich vehement gegen die Hartz IV-Praxis bin, schlagen doch zwei Herzen in meiner Brust. Ich m&ouml;chte dies am Beispiel meiner selbst und im unmittelbaren Umfeld mit den Lesern teilen.<\/p><p>Ihre Kritik ist angebracht. Wenn ein Existenzminimum mit Sanktionen unterschritten wird, dann ist das zu verurteilen. Als ehemals Betroffener kann ich ein Liedchen davon singen, welche Auswirkungen Sanktionen nicht nur f&uuml;r den Geldbeutel, sondern auch f&uuml;r die Psyche, die W&uuml;rde, bedeuten. Der Staatsapparat war darin unerbittlich, den Mtarbeiten in den Jobcentern wurde keine Eigenverantwortung einger&auml;umt. Der Staat m&ouml;chte demnach mit aller H&auml;rte gegen so genannte Faulenzer vorgehen, die ihm auf der Tasche liegen.<\/p><p>Die Zeit in den unerbittlichen M&uuml;hlen aggressiver Jobbeschaffungspolitik hat mich schlie&szlig;lich nachhaltig gepr&auml;gt. Allerdings nicht im guten psychologischen Sinne, sondern d&uuml;rfte eine Art Trauma platziert haben, in st&auml;ndiger Angst vor sozialem Abstieg zu leben, bis hin zur drohenden Obdachlosigkeit. Wenn betroffene Menschen gepr&auml;gt wurden, sind oder werden, dann hat sich der Staat eine Bev&ouml;lkerungsgruppe geschaffen, die zumindest traumatisiert wie ich wieder in die Schiene zur&uuml;ckfinden und Verhaltensauff&auml;lligkeiten zeigen. Selbstwert- und andere defizit&auml;re Verhaltensmuster k&ouml;nnen einen reibungslosen Wiedereingliederungsprozess hemmen oder gar verhindern. Hartz IV ist also nicht nur ein erniedrigendes System, wenn man darin gefangen ist, sondern wird auch entsprechende Nachwirkungen haben. Hier m&uuml;sste ein Inklusionsprogramm Abhilfe schaffen, weil die Defizite hemmend f&uuml;r einen reibungslosen Arbeitsalltag sein k&ouml;nnen &ndash; es wird dagegen an die Eigenverantwortung des ehemaligen &ldquo;Hartz IV&acute;ler&rdquo; appelliert bzw. ausgelagert. So viel B&uuml;rde auf sich zu nehmen empfand ich als erdr&uuml;ckend. Vielleicht hat der Staat bei mir das erreicht, was er beabsichtigte, n&auml;mlich Hartz IV als Mittel zur Erpressung zu verstehen.<\/p><p>Das zweite Herz schl&auml;gt tats&auml;chlich ein wenig daf&uuml;r, dass man die &ldquo;Gewohnheitsarbeitslosen&rdquo; wieder in die Spur bringen k&ouml;nnte\/sollte. Knackpunkte sind wie immer das Wie und Weshalb. Nur ist das System auch als nichts anderes wie ein Parkplatz f&uuml;r den &ldquo;faulen&rdquo; Teil der Bev&ouml;lkerung zu deuten. Ich wurde schon Zeuge davon, wie einer von ihnen vier Wochen in Arbeit kam, leuchtende Augen beim Blick auf sein Bankkonto bekam, als der erste Lohn &uuml;berwiesen war; diese Person tauchte nach vier Wochen nicht mehr auf der Arbeitsstelle auf, weil ihr das Aufstehen zu wider war und man mehr als zwei Stunden durcharbeiten musste, laut ihrer Aussage. Was denkt man in solchen Momenten? Das Klischee, das die BILD so gen&uuml;sslich ausbreitet, um einen S&uuml;ndenbock zu pr&auml;sentieren, wurde im Prinzip best&auml;tigt. Auch das Prinzip vom Geben und Nehmen, wie im Tagesschau-Kommentar erw&auml;hnt, halte ich f&uuml;r richtig, wenn der Sozialstaat wissentlich geschr&ouml;pft wird. Wir sollten uns also nicht nur &uuml;ber die Selbstbedienungsmentalit&auml;t der Reichen mokieren, sondern auch in den unteren Schichten &ndash; letztlich sind es Individualentscheidungen, die man treffen muss, ein &ldquo;Hartz`ler&rdquo; wird wohl weniger finanziellen Schaden anrichten als ein Steuerfl&uuml;chtling. Der entscheidende Faktor kann letztlich in Absicht und Tragik zu finden sein: sollte eine Person wissentlich im System leben wollen, hat dies mit Tragik nichts zu tun. Sollte man das einfach aushalten? Es erscheint mir diesbez&uuml;glich wie eine Doppelmoral, Menschen &ndash; egal ob arm oder reich &ndash; entweder als clever anzusehen oder sie als Dieb bei der Erschleichung von Leistungen hinstellt. Wie das durchzusetzen w&auml;re, ist eine Grundsatzentscheidung, die jeder anders sieht &ndash; f&uuml;r mich w&uuml;rde vor allem eine &Auml;nderung in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung Sinn machen, weil unsere gelebte und geliebte Leistungsgesellschaft falsche Anreize schafft und oftmals nur auf Druck basiert, was wiederum psychischen Stress und entsprechende Nachwirkungen nach sich zieht.<\/p><p>Vielleicht m&uuml;sste Hartz IV um ein Belohnungssystem erweitert werden und der Regelsatz nicht anger&uuml;hrt, doch wenn davon gesprochen wird, reden wir oftmals nur &uuml;ber Geld. Sachleistungen oder Stellenangebote mit Wiedereingliederungsprogrammen, gef&ouml;rdert und angewandt durch die Arbeitgeber &ndash; das w&uuml;rde die Lust am Arbeiten wecken, positive statt negative Stresssituationen erzeugen und eine Aufbruchstimmung beg&uuml;nstigen, die Langzeitarbeitslose langsam, aber wirksam, in den Arbeitsalltag begleiten. In den Jobcentern m&uuml;sste eine Kultur der offenen Arme vorherrschen und nicht, wie allgemein zu beobachten, die der n&uuml;chternen Abarbeitung von Bev&ouml;lkerungsgruppen.<\/p><p>Ich m&ouml;chte abschlie&szlig;end res&uuml;mieren, dass wir kritischen K&ouml;pfe das Urteil des BVG als Teilerfolg feiern und die &uuml;brigen Kritikpunkte erstmal nicht wegfordern sollten. Es ist kein &ldquo;Quantensprung&rdquo;, aber f&uuml;r mich eine Entscheidung in die richtige Richtung, an der wir weiter arbeiten sollten. Es bleibt abzuwarten, wie die Umsetzung vonstatten geht, welche Auswirkungen sich damit einstellen, doch ich h&auml;tte mir damals gew&uuml;nscht gehabt, unter w&uuml;rdigeren Bedingungen Pech gehabt zu haben. Vielleicht m&uuml;sste ich heute nicht mit dem Druck leben m&uuml;ssen, blo&szlig; nicht mehr in Hartz IV zu rutschen. Ich habe den Absprung geschafft, um meine W&uuml;rde und Stolz erhalten zu k&ouml;nnen und irgendwo in mir drin eine Bringschuld gegen&uuml;ber der Gesellschaft existiert. Andere wollen dies auch &ndash; wieder der Gesellschaft n&uuml;tzlich sein, Wohlstand zu schaffen und gleichzeitig zu erhalten. Dabei gilt f&uuml;r beide Seiten: Respekt und Anstand ist keine Einbahnstra&szlig;e, deswegen sollten Sanktionen, gleich welcher Art, nicht grunds&auml;tzlich verteufelt werden.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nSW<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>16. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>anbei das Urteil zu den Schulb&uuml;chern. Traurig, dass man die Kosten f&uuml;r Schulb&uuml;cher einklagen muss.<\/p><p>Harald Thom&egrave; hat mich in der Angelegenheit inspiriert und war auch so freundlich und hat das mal breitgetreten.&nbsp;Einzelheiten k&ouml;nnen Sie dem Link entnehmen.<\/p><p><a href=\"https:\/\/tacheles-sozialhilfe.de\/startseite\/aktuelles\/d\/n\/2542\/\">tacheles-sozialhilfe.de\/startseite\/aktuelles\/d\/n\/2542\/<\/a><\/p><p>Zur Zeit k&auml;mpfe ich daf&uuml;r, dass die Kosten f&uuml;r die Sch&uuml;lertickets meiner S&ouml;hne &uuml;bernommen werden.<\/p><p>Da ich in der Angelegenheit zu emotional bin &ndash; das Jobcenter m&ouml;chte das mein Sohn das Gymnasium wechselt &ndash; habe ich die Angelegenheit einem Anwalt gegeben (Sch&uuml;lerbef&ouml;rderung).<\/p><p>Anmerken m&ouml;chte ich, dass acht Mitsch&uuml;ler*innen schon seit dem Vorkindergarten und in der Grundschule ihr Leben gemeinsam verbringen. Gemeinsam haben sich die Kinder auf eins von vielen Gymnasien in M&ouml;nchengladbach geeinigt und sich f&uuml;r ein Gymnasium entschieden, dass musische, naturwissenschaftliche und sprachliche Talente besonders f&ouml;rdert. Als farbiger Junge aus einem Hartz IV Haushalt sind solche Kontakte in der Klasse eine Lebensversicherung &ndash; Armut grenzt aus! Leider ist das Jobcenter bei der Chancengleichheit f&uuml;r Kinder gnadenlos &ndash; gestern wurde in der Schule St. Martin gefeiert &ndash; das macht es dann noch unertr&auml;glicher &ndash; die Schule sammelt an diesem Tag auch Lebensmittel f&uuml;r die Tafel. <\/p><p>Wenn Sie recherchieren &ndash; Herr Thom&egrave; ist ein feiner Mann &ndash; den k&ouml;nnen Sie sicher &uuml;ber die Tacheles Wuppertal erreichen. Er war auch beim Urteil am 05.11.2019 in Karlsruhe dabei.<\/p><p>BVerfG-Urteil zu Sanktionen im Hartz IV System: Analyse u. Bewertung<br>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CRIlR3BpFbs&amp;feature=player_embedded&amp;fbclid=IwAR0y5IcXo3c6GfT5bVCrWgbo5GJI5TJMd98A5VItPyh99jkSGnozB00LFdk\">youtube.com\/watch?v=CRIlR3BpFbs&amp;feature=player_embedded&amp;fbclid=IwAR0y5IcXo3c6GfT5bVCrWgbo5GJI5TJMd98A5VItPyh99jkSGnozB00LFdk<\/a><\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nThomas Wasilewski<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden Emailadressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das BVerfG-Urteil zu Hartz IV und der Beitrag &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56181\">Hartz-IV-Urteil: Angriffe auf das Existenzminimum sind in Ordnung<\/a>&rdquo; sowie der &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56143#h01\">Hinweise #1 vom 06. November 2019<\/a>&rdquo; dazu l&ouml;sten erwartungsgem&auml;&szlig; eine Flut von Zuschriften aus, von denen wir nachfolgend einige wiedergeben. Der letzte Leserbrief enth&auml;lt praktische Tipps zur Einklagung von Schulbuchkosten f&uuml;r Hartz-IV-Empf&auml;nger. Zusammengestellt von <strong>Moritz<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56360\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[186,140,103,161],"tags":[459,308,418,2530,890,288,307,389,2704],"class_list":["post-56360","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundesverfassungsgerichtverfassungsgerichtshof","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-leserbriefe","category-wertedebatte","tag-bild","tag-existenzminimum","tag-grundgesetz","tag-harbarth-stephan","tag-menschenwuerde","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-sanktionen","tag-sozialrassismus","tag-zwangsarbeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=56360"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":56379,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56360\/revisions\/56379"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=56360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=56360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=56360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}