{"id":56435,"date":"2019-11-18T07:42:56","date_gmt":"2019-11-18T06:42:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56435"},"modified":"2019-11-18T14:57:57","modified_gmt":"2019-11-18T13:57:57","slug":"no-one-in-israel-knew-they-were-committing-a-massacre-and-they-didnt-care","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56435","title":{"rendered":"No One in Israel Knew They Were Committing a Massacre, and They Didn&#8217;t Care"},"content":{"rendered":"<p>Die israelische Zeitung Haaretz <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/opinion\/.premium-no-one-in-the-israel-knew-they-were-committing-a-massacre-and-they-didn-t-care-1.8133763\">berichtet hier<\/a> von einem der typischen Massaker im Gazastreifen. Auch wenn das in englischer Sprache geschrieben ist, geben wir das unseren Leserinnen und Lesern zur Kenntnis. Es ist eine eindrucksvolle Beschreibung und Kommentierung &ndash; geschrieben von einem israelischen Publizisten, von Gideon Levy. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSo beginnt der Bericht:<\/p><blockquote><p>\nThe bomber pilot didn&rsquo;t know. His commanders who gave him the orders also didn&rsquo;t know. The defense minister and the commander in chief didn&rsquo;t know. Nor did the commander of the air force. The intelligence officers who aimed at the target didn&rsquo;t know. The army spokesman who lied without a qualm also didn&rsquo;t know.<\/p>\n<p>None of our heroes knew. The ones who always know everything suddenly didn&rsquo;t know. The ones who can track down the son of a wanted man in a Damascus suburb didn&rsquo;t know that sleeping inside their miserable hovel in Dir al-Balah was&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/middle-east-news\/palestinians\/.premium-israeli-army-admits-strike-that-killed-palestinian-family-intended-for-empty-house-1.8129435\">an impoverished family<\/a>.<\/p>\n<p>They, who serve in the most moral army and the most advanced intelligence services in the world, didn&rsquo;t know that the flimsy tin shack had long since stopped being part of the &ldquo;Islamic Jihad infrastructure,&rdquo; and it&rsquo;s doubtful that it ever was. They didn&rsquo;t know and they didn&rsquo;t bother to check &mdash; after all, what&rsquo;s the worst that could happen?\n<\/p><\/blockquote><p>Bitte weitergeben.<\/p><p><strong>Nachtrag: &Uuml;bersetzung ins Deutsche von Bernd Kammerer (<a href=\"http:\/\/www.textonaut.de\">textonaut.de<\/a>), 18.11.2019<\/strong><\/p><p><strong>Keiner in Israel wusste, dass sie ein Massaker ver&uuml;bten &ndash; und es ihnen egal war<\/strong><br>\nVon Gideon Levy, 17. November 2019<\/p><p><em>Bildunterschrift: Pal&auml;stinenser beklagen die Leichen der Familie, deren Mitglieder in der Nacht durch einen israelischen Milit&auml;rschlag am 14. November 2019 get&ouml;tet wurden.<\/em><\/p><p>Der Bomberpilot wusste es nicht. Seine Kommandeure, die ihm den Befehl gaben, wussten es auch nicht. Der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber wussten es nicht, ebenso wenig der Kommandeur der Luftwaffe. Die Geheimdienstoffiziere, die das Ziel ins Visier nahmen, wussten es nicht. Der Armeesprecher, der ohne Bedenken gelogen hatte, wusste es auch nicht.<\/p><p>Keiner unserer Helden wusste es. Diejenigen, die immer alles wissen, wussten es pl&ouml;tzlich nicht mehr. Diejenigen, die in der Lage sind, den Sohn eines gesuchten Mannes in einem Vorort von Damaskus ausfindig zu machen, wussten nicht, dass es sich bei den in ihrer elenden H&uuml;tte in Dir al-Balah Schlafenden um eine verarmte Familie handelte.<\/p><p>Sie, die in der moralischsten Armee dienen und f&uuml;r die fortschrittlichsten Geheimdienste der Welt arbeiten, wussten nicht, dass die d&uuml;rftige Blechh&uuml;tte l&auml;ngst nicht mehr Teil der &raquo;Infrastruktur des Islamischen Dschihad&laquo; war, und es ist fragw&uuml;rdig, ob dies jemals der Fall war. Sie wussten es nicht und bem&uuml;hten sich auch nicht darum, dies zu pr&uuml;fen &ndash; denn was konnte ihnen denn schlimmstenfalls passieren?<\/p><p>Am Freitag hat Berichterstatter Yaniv Kubovich auf der Haaretz-Website die schockierende Wahrheit enth&uuml;llt: Das Ziel wurde mindestens ein Jahr vor dem Milit&auml;rschlag nicht erneut untersucht, die Person, die angeblich das Ziel war, existierte nie und die Information beruhte auf Ger&uuml;chten. Die Bombe wurde trotzdem abgeworfen. Das Ergebnis: acht Leichen in bunten Leichent&uuml;chern, von denen einige schrecklich klein sind, alle nebeneinander; Mitglieder einer einzigen Gro&szlig;familie, die Asoarkas, f&uuml;nf von ihnen Kinder &ndash; darunter zwei S&auml;uglinge.<\/p><p>W&auml;ren sie israelische Staatsb&uuml;rger gewesen, h&auml;tte der Staat Himmel und H&ouml;lle aufgeboten, um das Blut seines ber&uuml;hmten kleinen Jungen zu r&auml;chen, und die Welt w&auml;re geschockt &uuml;ber die Grausamkeit des pal&auml;stinensischen Terrors. Aber Moad Mohamed Asoarka war nur ein siebenj&auml;hriger pal&auml;stinensischer Junge, der in einer Blechh&uuml;tte lebte und starb, ohne Gegenwart und ohne Zukunft, dessen Leben so billig und so kurz war wie das eines Schmetterlings. Sein M&ouml;rder war ein gefeierter Pilot.<\/p><p>Es war ein Massaker. Niemand wird daf&uuml;r bestraft werden. &raquo;Die Zieldaten waren nicht aktualisiert worden&laquo;, sagten Armeebeamte. (Nachdem die Untersuchung von Yaniv Kubovich ver&ouml;ffentlicht worden war, gab der IDF-Sprecher eine andere Erkl&auml;rung heraus: &raquo;Das Geb&auml;ude wurde einige Tage vor dem Angriff als Ziel best&auml;tigt&laquo;). Dieses Massaker war jedoch schlimmer als die gezielte T&ouml;tung von Salah Shehada und wurde in Israel mit einer immer abscheulicheren Gleichg&uuml;ltigkeit bejubelt.<\/p><p>Am 22. Juli 2002 warf ein Pilot der israelischen Luftwaffe eine 1-Tonnen-Bombe auf eine Wohngegend, wobei 16 Menschen get&ouml;tet wurden, darunter ein tats&auml;chlich gesuchter Mann. Im Morgengrauen des Donnerstag warf nun ein Pilot eine viel raffiniertere Bombe, eine JDAM, auf eine Blechh&uuml;tte, in der sich kein gesuchter Mann versteckt hielt.<\/p><p>Es stellte sich heraus, dass selbst der gesuchte Mann, den ein Armeesprecher benannte, das Produkt seiner Einbildungskraft war. Die einzigen, die es gab, waren Frauen, Kinder und unschuldige M&auml;nner, die im Schrecken der Gaza-Nacht schliefen. In beiden F&auml;llen benutzten die israelischen Streitkr&auml;fte dieselbe L&uuml;ge: Wir dachten, das Geb&auml;ude sei leer. &raquo;Die IDF versucht immer noch zu verstehen, was die Familie vor Ort getan hat&laquo;, war die dreiste, unterk&uuml;hlt-lakonische Reaktion, die darauf hindeutete, dass die Familie schuld war. Nun, was taten sie wohl dort, Wasim (13), Mohand (12) und die beiden Babys, deren Namen nicht bekannt gegeben wurden?<\/p><p>Am Tag nach den Morden an Shehada und 15 seiner Nachbarn &ndash; und nachdem die IDF weiterhin behauptete, ihre H&auml;user seien &raquo;unbesetzte H&uuml;tten&laquo; &ndash; begab ich mich zum Ort des Bombenanschlags, dem Stadtteil Daraj in Gaza-Stadt: keine H&uuml;tten, sondern ein paar Stockwerke hohe Wohnh&auml;user, die alle dicht besiedelt waren, wie jedes Haus in Gaza. Mohammed Matar, der 30 Jahre lang in Israel gearbeitet hatte, lag ersch&ouml;pft, mit verbundenem Arm und verbundenen Augen am Boden, inmitten der Ruinen, neben dem riesigen Krater, der durch die Explosion entstanden war. Seine Tochter, seine Schwiegertochter und vier seiner Enkelkinder starben bei der Explosion; drei seiner Kinder wurden verletzt. &raquo;Warum haben sie uns das angetan?&laquo;, fragte er mich geschockt. &ndash; Damals hatten 27 der mutigsten Piloten der IAF den sogenannten &raquo;Pilotenbrief&laquo; unterschrieben und weigerten sich, an Eins&auml;tzen im Westjordanland und im Gazastreifen teilzunehmen. Dieses Mal hat sich kein einziger Pilot geweigert, daran teilzunehmen, und es ist fraglich, ob dies in Zukunft der Fall sein wird.<\/p><p>&raquo;Menschen. Es sind Menschen. Hier gab es einen Kampf: Krankenschwestern und &Auml;rzte gegen den Tod&laquo;, schrieb der mutige norwegische Arzt Dr. Mads Gilbert, der den Bewohnern des Gazastreifens bei Bombenanschl&auml;gen zu Hilfe eilt und die Verwundeten mit grenzenloser Hingabe behandelt. Gilbert f&uuml;gte ein Foto des Operationssaals im Shifa-Krankenhaus von Gaza-Stadt bei: Blut auf dem Tisch, Blut auf dem Boden und &uuml;berall blutgetr&auml;nkte Bettw&auml;sche. Am Donnerstag kam das Blut der Asoarka-Familie hinzu, das nun zu Ohren schreit, die nicht zuh&ouml;ren werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die israelische Zeitung Haaretz <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/opinion\/.premium-no-one-in-the-israel-knew-they-were-committing-a-massacre-and-they-didn-t-care-1.8133763\">berichtet hier<\/a> von einem der typischen Massaker im Gazastreifen. Auch wenn das in englischer Sprache geschrieben ist, geben wir das unseren Leserinnen und Lesern zur Kenntnis. 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