{"id":56509,"date":"2019-11-20T08:41:15","date_gmt":"2019-11-20T07:41:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56509"},"modified":"2019-11-20T16:44:04","modified_gmt":"2019-11-20T15:44:04","slug":"das-flaggschiff-des-liberalismus-laeuft-amok-zeit-gemaess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56509","title":{"rendered":"Das Flaggschiff des Liberalismus l\u00e4uft Amok \u2013 ZEIT-gem\u00e4\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Der Putsch in Bolivien wurde von zahlreichen Medien <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56297\">geleugnet oder verteidigt<\/a> &ndash; anschlie&szlig;end wurde auffallend wenig berichtet. Eine Ausnahme vom &bdquo;Schweigekartell&ldquo; macht die &bdquo;Zeit&ldquo;: Sie versucht noch immer, den Umsturz als Akt der Demokratie darzustellen. Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2509\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-56509-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191120_Das_Flaggschiff_des_Liberalismus_laeuft_Amok_ZEIT_gemaess_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191120_Das_Flaggschiff_des_Liberalismus_laeuft_Amok_ZEIT_gemaess_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191120_Das_Flaggschiff_des_Liberalismus_laeuft_Amok_ZEIT_gemaess_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191120_Das_Flaggschiff_des_Liberalismus_laeuft_Amok_ZEIT_gemaess_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=56509-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191120_Das_Flaggschiff_des_Liberalismus_laeuft_Amok_ZEIT_gemaess_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191120_Das_Flaggschiff_des_Liberalismus_laeuft_Amok_ZEIT_gemaess_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nachdem der Putsch in Bolivien, der in Deutschland von &bdquo;FAZ&ldquo; bis &bdquo;taz&ldquo; als demokratische, zivilgesellschaftliche Sternstunde gehandelt wird, erfolgreich abgespult wurde, kehrt Ruhe in den kapital-gedeckten Bl&auml;tterwald ein. Man berichtet auffallend kurz, so als m&uuml;sste man sich dabei die Augen zuhalten, wenn man noch einigerma&szlig;en bei Trost ist.<\/p><p>Keine Frage, wenn sich die zweite Vizepr&auml;sidentin des bolivianischen Senats Jeanine &Aacute;&ntilde;ez zum &Uuml;bergangspr&auml;sidenten erkl&auml;rt und dabei auf dieselbe Bibel schw&ouml;rt, die der gl&uuml;hende Putschist und Million&auml;r Luis Fernando Camacho vor sich aufschl&auml;gt, als er den Boden des Pr&auml;sidentenpalastes k&uuml;sste, dann ist es besser, abzuschalten. Die meisten Medien wissen nat&uuml;rlich, was kommen wird, was man nach ein paar Stunden Recherche herausbekommen k&ouml;nnte. Also &uuml;berlassen sie das Erwartbare bis Erw&uuml;nschte dem Lauf der Dinge. <\/p><p>Und den hat die Selbsternannte ganz christlich so skizziert: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir kommen aus einer der dunkelsten Episoden unserer demokratischen Geschichte (&hellip;) An diejenigen, die Schaden angerichtet oder ein Verbrechen begangen haben: Gott und Gerechtigkeit werden euch richten.&ldquo; (spiegel.de vom 13.11.2019)\n<\/p><\/blockquote><p>Doch das Magazin &bdquo;Die Zeit&ldquo; macht in diesem Still-Schweigekartell eine bemerkenswerte Ausnahme, wof&uuml;r man dankbar sein sollte. Als h&auml;tte der Journalist Michael Ebmeyer zu viel Koka-Bl&auml;tter konsumiert, l&auml;sst er seine liberale Leserschaft wissen, dass die &bdquo;bolivianische Demokratie lebt&ldquo;, dass &bdquo;Evo Morales&rsquo; erzwungener R&uuml;cktritt (&hellip;) der gr&ouml;&szlig;te Erfolg einer Politik (ist), die er selbst eingef&uuml;hrt hat&ldquo;, was <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2019-11\/evo-morales-ruecktritt-bolivien-protest-chapare-demokratie\">laut &ldquo;zeit.de&rdquo; vom 12. November<\/a> zusammengefasst bedeuten soll:<\/p><p><strong>&bdquo;Es ist kein Putsch&ldquo;<\/strong><\/p><p>Er f&uuml;hrt aus, dass die &bdquo;Zivilgesellschaft&ldquo;, die die bolivianische Regierung ins Leben gerufen hat, dieselbe sei, die diese nun zum Teufel gejagt habe, was zusammengefasst hei&szlig;en soll, dass die Regierung selbst an ihrem &bdquo;R&uuml;cktritt&ldquo; schuld sei.<\/p><p>Und dann besteht die &bdquo;Zeit&ldquo; im selben Artikel noch einmal ausdr&uuml;cklich darauf, dass es eine &bdquo;Rechte&ldquo;, die diesen Putsch eingef&auml;delt und schon lange geplant hat, gar nicht gibt, sondern einzig und alleine als Erfindung einer nachtragenden Regierung existiert: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Kaum f&auml;llt das Wort &ldquo;Wahlbetrug&rdquo;, beginnt der Pr&auml;sident vom Putsch zu reden. Dass die von ihm selbst eingeladenen Beobachter von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ihr Befremden &uuml;ber die Zahlen &auml;u&szlig;ern, ficht ihn nicht an: La derecha, &ldquo;die Rechte&rdquo;, wolle ihm den verdienten Sieg streitig machen. &ldquo;Die Rechte&rdquo; sind f&uuml;r Evo alle, die ihn nicht hofieren.&ldquo; (zeit.de vom 12. November 2019)\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend also der ZEIT-Journalist nur &bdquo;Zivilgesellschaft&ldquo; sieht, wenn H&auml;user von Regierungsmitgliedern angesteckt, Regierungsgeb&auml;ude besetzt werden und MAS-Mitglieder entf&uuml;hrt und gedem&uuml;tigt werden, wei&szlig; er um den &bdquo;Terror&ldquo;, der von der Regierungspartei ausgeht: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zur Einsch&uuml;chterung der Demonstrierenden sendet die Regierung Schl&auml;gertrupps aus, <a href=\"https:\/\/www.lostiempos.com\/actualidad\/pais\/20191030\/civicos-apuntan-salida-evo-masistas-vigilan-palacio\">die mit St&ouml;cken, Steinen, Macheten und Dynamit die Posten des Generalstreiks angreifen<\/a>. Sieben Tage nach der Wahl <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QEq6yLdAahI\">ruft Morales seine Leute zur &ldquo;Belagerung&rdquo; unbotm&auml;&szlig;iger St&auml;dte auf.<\/a>&ldquo;  (s.o.)\n<\/p><\/blockquote><p>Am Ende seines Artikels fasst er seine Grundgedanken noch einmal zusammen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Einen Putsch gegen ihn hat es nicht gegeben, so verlockend einfach diese bew&auml;hrte Diagnose auch w&auml;re. Evo Morales ist gest&uuml;rzt, weil die Demokratisierung der bolivianischen Gesellschaft, die er selbst vor Jahren eingeleitet hat, st&auml;rker war als seine autokratischen Ambitionen. Wir d&uuml;rfen seinen R&uuml;cktritt zu den gr&ouml;&szlig;ten Erfolgen seiner Politik z&auml;hlen.&ldquo; (s.o.)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Unterst&uuml;tzung von Putschen ist nichts Ungew&ouml;hnliches in Deutschland<\/strong><\/p><p>Nun ist die Unterst&uuml;tzung und Begr&uuml;&szlig;ung von Putschen und Diktaturen nichts Ungew&ouml;hnliches in Deutschland, vorausgesetzt, diese Umst&uuml;rze dienen denen, die sie partout nicht als solche werten w&uuml;rden. Wenn die Umst&uuml;rze und Putsche den &bdquo;vitalen Interessen&ldquo; des Westens (also deren &bdquo;Menschenrecht&ldquo; auf freie und billige Zug&auml;nge zu Rohstoffen) entsprechen, dann war und ist jeder noch so blutige Umsturz ein Sieg f&uuml;r Demokratie und ein noch schwindelerregender Sieg f&uuml;r die Freiheit. An diesem Schwindel hat sich seit Jahrzehnten nichts, aber gar nichts ge&auml;ndert.<\/p><p>Das Besondere an dieser aktuellen putschistischen F&uuml;rsprache ist die Leserschaft der Zeitung &bdquo;Die Zeit&ldquo;. Das haben wir dem Internet zu verdanken, also dem noch nicht ganz kontrollierbaren Medium. Sehr schnell haben sich in der Kommentarleiste der Online-Version &uuml;ber 310 Zuschriften gesammelt, die es wirklich in sich haben. Sie widersprechen in gro&szlig;er Mehrheit dieser wahnsinnigen Drehung, mit der ein Putsch in eine Demokratisierungswelle verwandelt wird:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zuletzt hatte Morales neben einer kompletten &Uuml;berpr&uuml;fung der Wahl durch die OAS politische Gespr&auml;che mit der Opposition und schlie&szlig;lich Neuwahlen angeboten. &sbquo;Ich habe nichts mit Evo Morales und seiner Regierung zu verhandeln&lsquo;, antwortete Mesa in einer Videobotschaft &ndash; und lehnte damit eine politische L&ouml;sung der Krise ab. Auch der Anf&uuml;hrer des radikalen B&uuml;rgerkomitees aus Santa Cruz, Luis Fernando Camacho, wollte von einer &Uuml;berpr&uuml;fung der Ergebnisse und Neuwahlen nichts mehr wissen. Er forderte ebenso den R&uuml;cktritt von Morales und die Bildung einer &sbquo;Regierungsjunta&lsquo;. Immer noch kein Putsch?&ldquo; (Think Tank)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Ja klar, wenn das Milit&auml;r h&ouml;flich um einen R&uuml;cktritt bittet, dann ist das keine Drohung und auch kein Putsch, sondern ein gro&szlig;er Erfolg der Demokratie. Hurra!&ldquo; (breakPrism.atShell)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Na so wie es f&uuml;r die USA = H. Clinton und nat&uuml;rlich im Gefolge f&uuml;r D 2009 kein Putsch gegen den Pr&auml;sidenten in Honduras gab &ndash; und nat&uuml;rlich ist der (trotz Wahlbetrug und dank Unterst&uuml;tzung durch die Drogenmafia) 2018 gew&auml;hlte Hernandez f&uuml;r die USA und im Gefolge &hellip; ein demokratisch legitimierter Pr&auml;sident.&ldquo; (Jomai)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Und die Konrad-Adenauer-Stiftung arbeitet seit Jahren in verschiedenen L&auml;ndern S&uuml;damerikas an Rechten Parteien und Regime-Changes, da wundert einem die wohlwollende Zustimmung des Regierungssprechers zu diesem Putsch auch nicht mehr &hellip;&ldquo; (exxkoelner)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Nat&uuml;rlich war es ein Putsch von Milit&auml;r und Polizei. Die geleakten Audiodateien (Gespr&auml;chsmitschnitte) zwischen US-Senatoren, bolivianischen Oppositionellen und Milit&auml;rs erh&auml;rten auch den Verdacht, woher die Korruptionsgelder kamen.&ldquo; (easy B.)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn in den n&auml;chsten 12 &ndash; 24 Monate die Nationalisierungen r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden und globale Konzerne (und man achte dann auf die Nationalit&auml;t dieser Konzerne) wieder die Macht und Ertr&auml;ge daf&uuml;r &uuml;bernehmen, dann war es mit Sicherheit ein Putsch.&ldquo; (Ernst Bloch w&uuml;rde besser schreiben)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Durch den Artikel erh&auml;lt man den Eindruck, dass die Rechte in Bolivien ein Hirngespinst von Evo ist. Der im Artikel als &ldquo;Volkstribun&rdquo; bezeichnete Fernando Camacho ist Pr&auml;sident des &ldquo;Comite Civico pro Santa Cruz&rdquo;. Die &ldquo;Internationale Vereinigung f&uuml;r Menschenrechte&rdquo; bezeichnete diese Organisation vor einigen Jahren als &ldquo;Akteur und F&ouml;rderer von Gewalt und Rassismus&rdquo;. (Peacebuilder)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Morales-Unterst&uuml;tzer sind &ldquo;autorit&auml;re Pseudolinke&rdquo; mit &bdquo;kryptorassistischen Dogmen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Und dann mischt sich doch noch der Autor Michael Ebmeyer ein und fasst die vielen ihm vorgehaltenden Hinweise, Quellen und Auslassungen so zusammen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Hach, so viele ermunternde Zuschriften von Leuten, die sich offenbar bestens auskennen. Emocionante de verdad. Aber die Neunmalklugen auf dem Mansplaining-Portal heise.de etc. m&uuml;ssen einem ja auch leid tun &ndash; es gibt nichts Schlimmeres f&uuml;r autorit&auml;re Pseudolinke, als ihre kryptorassistischen Dogmen in Frage gestellt zu sehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>So viele verst&auml;ndliche und kryptische Beleidigungen auf engem Raum muss man erst einmal zusammenbringen! Bei anderer\/passender Gelegenheit h&auml;tte die &bdquo;ZEIT&ldquo;- Moderation diesen Beitrag mit folgender Erkl&auml;rung gel&ouml;scht:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion\/tg&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Moderation-Kriterien gelten selbstverst&auml;ndlich nicht f&uuml;r den Autor.<br>\nBeenden wir diese Rundschau mit einer bemerkenswerten Erwiderung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wer den Coup als Coup bezeichnet (&hellip;) ist also ein &sbquo;mansplainender kryptorassistischer autorit&auml;rer Pseudolinker&lsquo;, Das hat aus Ihrem Mund eine &auml;hnliche Ironie, wie Bolsonaro, der seinen Kritikern Kolonialismus vorwirft oder Clinton-Berater, die Kritik an den Verbrechen der Clintons in Haiti, zielsicher als Sexismus ausmachen. Aber wischen wir uns doch einmal den Schaum vom Mund:<\/p>\n<p>Ihre sogenannte &sbquo;Analyse&lsquo; beschr&auml;nkt sich doch, wie man sehr sch&ouml;n im ersten Kommentar von Ihnen hier sehen kann, fast ausschlie&szlig;lich auf moralische Entr&uuml;stungen &uuml;ber die Person Evo Morales. Der Lauf der Geschichte wird aber nicht wirklich von den starken M&auml;nnern und ihren Visionen oder moralischen Exzessen (Gesetzesbruch, Korruption) bestimmt &ndash; auch nicht von tapferen B&uuml;rgerlein mit integren Visionen. <\/p>\n<p>Geschichte ist nur in Wechselwirkung mit den materiellen Umst&auml;nden unter denen sie stattfindet zu verstehen. Und die sehen so aus, dass Bolivien nach wie vor und seit jeher aller nat&uuml;rlichen Reicht&uuml;mer zum Trotz (oder deswegen) ein Land frappierender Ungleichheit ist. Evos Regierung hat hier vor allem in den ersten Jahren gro&szlig;e Fortschritte erwirken k&ouml;nnen (Armutsreduktion um mindestens ein Drittel!). Trotzdem &uuml;berwog die Unf&auml;higkeit die Eigentumsstrukturen zu reformieren und Land, Ressourcen und Betriebe des Landes zu sozialisieren, wie es ja die Quintessenz des Sozialismus ist und zunehmend eine gewisse Komplizenschaft mit dem Kapital gerade in Fragen der Umwelt.&ldquo; (breakPrism.atShell)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Facelifting f&uuml;r die &bdquo;demokratische&ldquo; Opposition<\/strong><\/p><p>In der Kommentarleiste bin ich auch auf einen Link zu einem Online-Portal mit dem pfiffigen Namen &bdquo;grayzone&ldquo; (Grauzone) gesto&szlig;en, das der Journalist und Autor Max Blumenthal gegr&uuml;ndet hat. Dort besch&auml;ftigen sich mehrere Beitr&auml;ge mit den Personen, die der ZEIT-Autor hinter der Maske einer &bdquo;Zivilgesellschaft&ldquo; zum Verschwinden bringen m&ouml;chte: eine Allianz aus reaktion&auml;ren, faschistischen, kriminellen und imperialen Interessen, die beste Verbindungen zu Gleichgesinnten in anderen lateinamerikanischen L&auml;ndern haben und ebenso gute Beziehungen zu US-Regierungsstellen unterhalten, die kaum verdeckte Verbindungen zum US-Geheimdienstkomplex pflegen (USAID).<\/p><p>All das liegt fast offen auf der Stra&szlig;e, wenn man nicht mit dem Facelifting der &bdquo;demokratischen&ldquo; Opposition in Bolivien besch&auml;ftigt ist. Dann st&ouml;&szlig;t man sehr schnell auf Personal und Ideologien, die seit Jahrzehnten mit ihren Ex-Kolonialherren zusammen das Land und die Menschen ausbeuten, die Bolivien in ein Eldorado f&uuml;r Million&auml;re und in ein Massengrab f&uuml;r die anderen verwandeln &ndash; und nun ihre &ouml;konomische (und milit&auml;rische) Macht wieder mit der politischen Macht kr&ouml;nen m&ouml;chten.<\/p><p><strong>Milit&auml;r Boliviens: &bdquo;Von strafrechtlicher Verantwortung befreit&ldquo;<\/strong><\/p><p>Was partout kein Putsch sein darf, macht sich seelenruhig daran, genau diesen Zug um Zug umzusetzen. Am 15. November 2019 unterzeichnete die selbsternannte Putschpr&auml;sidentin Jeanine &Aacute;&ntilde;ez ein Dekret, wonach das Milit&auml;r auf die Opposition schie&szlig;en darf. Bei Operationen &ldquo;zur Wiederherstellung der inneren Ordnung&rdquo; seien die bolivianischen Milit&auml;rs &ldquo;<em>von strafrechtlicher Verantwortung befreit<\/em>&ldquo;. Quasi im selben Atemzug bedankte sich die Putschpr&auml;sidentin bei der deutschen Bundesregierung f&uuml;r ihre De-facto-Anerkennung: Das Ausw&auml;rtige Amt hatte tags zuvor &uuml;ber Twitter erkl&auml;rt, man &ldquo;begr&uuml;&szlig;e&rdquo;, dass &Aacute;&ntilde;ez &ldquo;als Interimspr&auml;sidentin von Bolivien&rdquo; angek&uuml;ndigt habe, innerhalb von drei Monaten Wahlen anzusetzen.<\/p><p>Dankenswerter Weise r&auml;umt das Putschpersonal auch mit dem Scheinargument von &bdquo;Wahlmanipulationen&ldquo; und &bdquo;Wiederherstellung der Demokratie&ldquo; eigenh&auml;ndig auf: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Parlamentarier der &sbquo;Bewegung zum Sozialismus&lsquo; (MAS) von Morales riefen f&uuml;r Dienstag zu einer gemeinsamen Sitzung beider Kammern des Parlaments auf. Dabei sollten Abgeordnetenkammer und Senat &uuml;ber den Weg zu Neuwahlen debattieren. &sbquo;Wir k&ouml;nnen uns zusammensetzen und einen Dialog f&uuml;hren&lsquo;, sagte die Senatorin Eva Copa (MAS), die am Donnerstag zur neuen Vorsitzenden der zweiten Parlamentskammer gew&auml;hlt worden war. MAS verf&uuml;gt &uuml;ber eine breite Mehrheit im Parlament.<br>\nAbgeordnete der konservativen Partei Unidad Dem&oacute;crata (UD), der auch die &Uuml;bergangspr&auml;sidentin angeh&ouml;rt, lehnten die Einberufung zu einer gemeinsamen Parlamentssitzung jedoch als unrechtm&auml;&szlig;ig ab. A&ntilde;ez erkl&auml;rte am Sonntag, die Regierung werde bald Neuigkeiten &uuml;ber den Aufruf zu Neuwahlen bekanntgeben.&ldquo; (FR vom 19.11.2019)\n<\/p><\/blockquote><p>Es geht schlicht und einfach um die Ausschaltung einer parlamentarischen Mehrheit, also um die Liquidierung dessen, wof&uuml;r man angeblich die Regierung zum &bdquo;R&uuml;cktritt&ldquo; gezwungen hat.<\/p><p>Wenn es also ganz und gar nicht um Morales geht, sondern um eine politische und parlamentarische Mehrheit, die der Oligarchie im eigenen Land und den Verb&uuml;ndeten im Weg steht, dann hat man auch den eigentlichen Putschgrund, der nicht ganz so edel ist, wie die &bdquo;Wiederherstellung der Demokratie&ldquo;. Seitdem die MAS an der Regierung ist, hat sich vieles ver&auml;ndert, und einigen viel zu viel:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Tats&auml;chlich ist seit 2006 einiges geschehen: Vor allem verleiht er (Morales) der bis dahin diskriminierten indigenen Mehrheit Boliviens ein neues Selbstwertgef&uuml;hl. Armutsbek&auml;mpfung, kostenlose Gesundheitsversorgung, der Kampf gegen die Kindersterblichkeit &ndash; das alles hat die Regierung umgesetzt, wenn auch nicht optimal. Bolivien ist immer noch ein armes Land in S&uuml;damerika, aber das Pro-Kopf-Einkommen der elf Millionen Einwohner hat sich in Morales&lsquo; Amtszeit verdreifacht. Und der Umgang mit Boliviens Rohstoffen ist ein anderer geworden.<\/p>\n<p>Vom Profit bei Gas und Erd&ouml;l behielten internationale Konzerne bis dahin 82 Prozent ein, f&uuml;r die Staatskasse blieben k&uuml;mmerliche 18 Prozent &uuml;brig. Der Gewinnanteil wurde umgedreht.&ldquo; (deutschlandfunkkultur.de vom 16.10.2019)\n<\/p><\/blockquote><p>Es sind diese &bdquo;k&uuml;mmerlichen&ldquo; Profite, die diesen Putsch antreiben und jene zu Propagandisten von Putschen machen, die die Selbstverst&auml;ndlichkeit satter Gewinne f&uuml;r das Normalste der Welt halten.<\/p><p><strong>Wo ist der Protest der europ&auml;ischen Linken?<\/strong><\/p><p>Das Schlimme an diesen Putschfreunden ist nicht, dass es sie heute gibt. Das Schlimme daran ist, dass sich all das wiederholt, was in den 1960er und 1970er Jahren zu Diktaturen in Lateinamerika gef&uuml;hrt hat. Das Personal, die Begr&uuml;ndungen, die Absichten und Ziele, die damit einhergehen, sind exakt die gleichen.<\/p><p>Aber noch schwerer auszuhalten ist, dass es auf der &bdquo;anderen&ldquo; Seite wenig gibt. In den 1960er und 1970er Jahren stie&szlig;en die Diktaturen und ihre Rechtfertigungen auf eine Linke (in Europa\/in Deutschland), die diese nicht nur ablehnten, sondern mit massivem Widerspruch beantwortete. Zehntausende gingen auf die Stra&szlig;e, um zum Beispiel gegen die Diktaturen in Chile und El Salvador zu demonstrieren.<\/p><p>Und dabei war die Linke auch damals alles andere als homogen. Und dennoch waren sich sozialdemokratisch, sozialistisch, kommunistisch, autonom und antiimperialistisch gesinnte Linke einig, wenn es um den Kampf gegen koloniale und post-koloniale Verh&auml;ltnisse geht.<\/p><p>Heute haben wir eine Linke, die fast nicht mehr vorkommt. Die Linke, die diesen Putsch in Bolivien ablehnt, ist marginal und als Widerspruch nur im &bdquo;Netz&ldquo; &ndash; als Ausnahme f&uuml;r diese Regel w&auml;re die Linksfraktion im Bundestag zu nennen, die den Putsch <a href=\"https:\/\/www.linksfraktion.de\/presse\/pressemitteilungen\/detail\/putsch-in-bolivien-verurteilen\/\">klar verurteilt<\/a> hat.  Auf der anderen Seite haben wir eine &bdquo;taz&ldquo; und eine Partei Die Gr&uuml;nen, die zwar h&auml;nderingend darum betteln, in der Mitte aufgenommen zu werden, aber dennoch mit ihrer linken Vergangenheit gelegentlich hausieren gehen. Und sei es dadurch, dass es einzig und alleine ihr vorbehalten bleibt, die Putsche in Brasilien und Bolivien mit einem feministischen Olivgr&uuml;n zu tarnen, weil es dort um zwei &bdquo;entbehrliche M&auml;nner&ldquo; geht.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Quellen und Hinweise:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2019-11\/evo-morales-ruecktritt-bolivien-protest-chapare-demokratie\"><em>Es war kein Putsch<\/em>, zeit.de vom 12. November 2019<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Warum-es-in-Bolivien-einen-Putsch-gab-4584644.html\"><em>Warum es in Bolivien einen Putsch gab<\/em>, Harald Neuber\/telepolis vom 12.11.2019<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/8102\/\"><em>Berlin und der Putsch<\/em>, german-foreign-policy vom 12.11.2019<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/amerika\/94338-geleakte-audiodateien-deuten-auf-vorbereitungen\/\"><em>Geleakte Audiodateien deuten auf Vorbereitungen f&uuml;r einen US-gest&uuml;tzten Putsch in Bolivien hin<\/em>, RT vom 7.11.2019<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/94547-wen-interessieren-schon-fakten-regierungssprecher-seibert-ueber-bolivien-und-oas-wahlbericht\/\"><em>Wen interessieren schon Fakten: Regierungssprecher Seibert &uuml;ber Bolivien und den OAS-Wahlbericht<\/em>, RT vom 12.11.2019<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2019\/02\/14\/die-allianz-aus-putschisten-und-putsch-willigen\/\"><em>Die Allianz aus Putschisten in Venezuela und Putsch-Willigen in den USA und in Europa<\/em><\/a><\/li>\n<\/ul><p>Ein sehr guter Beitrag von Frederico F&uuml;llgraf findet sich auf den NachDenkSeiten:<\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56333\"><em>Bolivien &ndash; Nach Staatsstreich, Exil von Evo Morales und Selbsternennung der neuen Pr&auml;sidentin erhebt sich Widerstand gegen rechtsextremen Terror<\/em><\/a><\/li>\n<\/ul><p>Und wer gut spanisch\/englisch kann, dem sei diese Recherche von Max Blumenthal, Aaron Mat&eacute; und Ben Norton (Magazin The Grayzone) ans Herz gelegt:<\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2019\/11\/14\/golpe-bolivia-cristiano-fascista-millonario-extranjero\/\"><em>Golpe en bolivia fue liderizado por dirigente cristiano paramilitar, fascista, millonario &ndash; con apoyo extranjero<\/em><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fbsKi-qibNA\"><em>Who&rsquo;s behind the Bolivia coup?<\/em> With Max Blumenthal, Aaron Mat&eacute;, Ben Norton<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Titelbild: Milan Adzic \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Putsch in Bolivien wurde von zahlreichen Medien <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56297\">geleugnet oder verteidigt<\/a> &ndash; anschlie&szlig;end wurde auffallend wenig berichtet. 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