{"id":5653,"date":"2010-05-25T10:07:04","date_gmt":"2010-05-25T08:07:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5653"},"modified":"2019-03-02T17:09:21","modified_gmt":"2019-03-02T16:09:21","slug":"fortsetzung-des-disputs-flassbeck-vs-hickel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5653","title":{"rendered":"Fortsetzung des Disputs Flassbeck vs. Hickel"},"content":{"rendered":"<p>Rudolf Hickel hat auf den <a href=\"?p=5562\">Offenen Brief von Heiner Flassbeck<\/a> geantwortet. Siehe unten. Wir setzen damit den Disput zwischen den beiden &Ouml;konomen fort. Vielleicht wird dabei z.B. klar, ob eine Umschuldung in einem Fall wie Griechenland m&ouml;glich und sinnvoll ist, oder ob Staatsbankrotte im Euroraum m&ouml;glich sind, oder was kurzfristig zu tun w&auml;re. Wir w&uuml;rden uns w&uuml;nschen, die verbale Sch&auml;rfe unterbliebe &hellip; Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n&hellip; und auch Unterstellungen wie jene im ersten Absatz der Antwort Rudolf Hickels, dass Heiner Flassbeck die zeitgleiche Antwort nicht gewollt h&auml;tte, sollten besser unterbleiben. Dieser Vorwurf trifft n&auml;mlich nicht Flassbeck sondern die NachDenkSeiten, genauer: mich. Ich habe vers&auml;umt, Hickel um eine gleichzeitige Antwort zu bitten. Ich hatte das unterlassen, weil Flassbecks Offener Brief eine Antwort auf Kritik an Flassbeck im von uns wiedergegebenen Beitrag von Hickel war.<\/p><p>Hier nun der Brief Hickels an Flassbeck: <\/p><p>Prof. Dr. Rudolf Hickel<br>\nInstitut Arbeit und Wirtschaft (IAW)<br>\nBremen, Pfingsten 2010<\/p><p><strong>Griechenland- und Eurokrise: Rettungspakete, Schuldenschnitt, Wirtschaftsunion<\/strong><\/p><p><em>Antwort auf den offenen Brief von Heiner Flassbeck an Rudolf Hickel<\/em><\/p><p>Sehr geehrter Herr Flassbeck, <\/p><p>mit Datum vom 17.5. 2010 haben Sie unter Ber&uuml;cksichtigung meines Beitrags &bdquo;Drakonische Diszipli&shy;nierung und Hilfspakete: Keine nachhaltige L&ouml;sung f&uuml;r Griechenland &ndash; Eine Umschuldung wird un&shy;vermeidbar&ldquo; einen offenen Brief an mich geschickt. Dieses Schreiben haben Sie ebenfalls an die &bdquo;Nachdenkseiten&ldquo; versandt. Die &bdquo;Nachdenkseiten&ldquo; haben Ihre Belehrung gedruckt. Dass Sie offensichtlich mir keine Zeit geben wollten, mich zu Ihren massiven Vorw&uuml;rfen erst einmal zu &auml;u&szlig;ern, kann ich nach diesem Brief verstehen. Offensichtlich wollten Sie den zeitgleich publizierten Dialog nicht. <\/p><p>Nicht nur, dass Sie einen in vielen Punkten nicht nachvollziehbaren Verriss meiner begr&uuml;ndeten Ausf&uuml;hrungen zur Rettung Griechen&shy;lands wie &uuml;berhaupt des Eurolandes pr&auml;sentieren, Sie fordern mich auf, mich &bdquo;besser der Stimme in einer Frage zu enthalten, die nicht nur wissenschaftlich anspruchsvoll ist, sondern auch eine lange Geschichte hat und zudem politisch &auml;u&szlig;erst delikat ist.&ldquo; Seien Sie gewiss, Ihre Aufforderung zum selbst verh&auml;ngten Schreibverbot mangels unterstellter Kompetenz wird mich nicht vom weiteren Analysieren abhalten, auch weil ich Ihren  saldenmechanischen makro&ouml;konomischen Reduktionismus nicht teile. &Uuml;brigens sollen die Interessierten an dieser Kontroverse diesen Streit bewerten.  <\/p><p><strong>Zu den Inhalten<\/strong><\/p><p>1. Ihre Belehrungen zu dem was eine Staatsinsolvenz ist bzw. nicht sein kann, fallen eigent&uuml;mlich ja widerspr&uuml;chlich aus. &Uuml;brigens weise ich auf die Definitionsprobleme und auf die Unvergleichbarkeit mit einer unternehmerischen Insolvenz hin. Sie liefern eine f&uuml;r Griechenland untaugliche allgemeine Definition der Zahlungsunf&auml;higkeit eines Staates. Ihre zentrale Aussage lautet: Staaten k&ouml;nnen nicht insolvent werden, solange sie Schulden in ihrer eigenen W&auml;hrung haben. Diese Definition eignet sich f&uuml;r die Beschreibung der fiskalischen Krise Griechenlands nicht. Mir ist v&ouml;llig neu, dass Griechenland &bdquo;Schulden in eigener W&auml;hrung&ldquo; hat. Vielmehr verf&uuml;gt Griechenland als Mitgliedsland der EZB nicht &uuml;ber eine eigene W&auml;hrungssouver&auml;nit&auml;t. Oder sind sie ernsthaft der Meinung, in Athen k&ouml;nne die Notenpresse &ndash; eventuell auch durch subversive Kr&auml;fte bei der EZB in Frankfurt &ndash; angeworfen werden? Es ist mir fast peinlich, Sie darauf hinzuweisen zu m&uuml;ssen, dass die EZB zust&auml;ndig ist und damit auch auf die Bedingungen der Geldpolitik &ndash; insbesondere &uuml;ber den Preis und die Menge der Liquidit&auml;tsbe&shy;sorgung in Griechenland Einfluss nimmt. H&auml;tten Sie diese schlichte Tatsache ber&uuml;cksichtigt, dann w&auml;ren Sie darauf gekommen, bei Ihren Anmerkungen die Rolle Griechenlands innerhalb der institutionellen Verfassung des Eurolandes und der Politik der EU zu verorten. Davon k&ouml;nnen Ihre an sich klugen Hinweise zu Fi&shy;nanzkrisen in Argentinien, Brasilien und viele andere L&auml;ndern nicht ablenken. <\/p><p>2. Ihre Widerlegung der These von der Zahlungsunf&auml;higkeit zeigt, dass Sie kaum Kenntnisse &uuml;ber die griechische Wirtschaft, die Politik wie &uuml;berhaupt die Gesellschaft haben. Sie sagen, Staaten, die &bdquo;ihre Zinsen vor allem an die eigenen B&uuml;rger zahlen, k&ouml;nnen sich, wenn Sie nicht Geld drucken wol&shy;len, selbst die Zinsen &uuml;ber Steuern wiederholen und sind noch lange nicht zahlungsunf&auml;hig&ldquo;. W&uuml;rden Sie sich bitte die M&uuml;he machen, diese Aussage aus dem Lehrbuch f&uuml;r Finanzwissenschaft f&uuml;r Grie&shy;chenland zu &uuml;bersetzen. Dann werden Sie schnell merken, dass Sie voll daneben liegen: Einerseits flie&szlig;t der L&ouml;wenanteil der Zinsen im Inland nicht an die B&uuml;rger, sondern an die dortigen Banken sowie privatwirtschaftlichen Clanf&uuml;hrer. Die sind verst&auml;ndlicherweise bittere Gegner eines Schulden&shy;schnitts. Andererseits zahlen genau diese Oberschichten auch durch massive Hinterziehung und kor&shy;rupte Deals mit der Politik kaum Steuern, die Sie jedoch zur Finanzierung Ihres Modells ben&ouml;tigen (vgl. die Zahlen der OECD-Zahlen, mit &uuml;ber 4% wird gegen&uuml;ber Deutschland nur die H&auml;lfte der Einkommen bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt versteuert). Wer das  &bdquo;griechische System&ldquo; nicht ber&uuml;cksichtigt, der kann zu keinen brauchbaren Erkenntnissen kommen. Die Methode erinnert mich an die vorherrschende &Ouml;konomik, die nach dem hegelianischen Motto verf&auml;hrt: Schade um die Realit&auml;t, wenn diese nicht mit dem konstruierten Modell &uuml;bereinstimmt. Dabei lohnt sich auch f&uuml;r den Makro&ouml;konomen der  Blick auf die Entstehungsgeschichte der griechischen Demokratie. Das osmanische Reich hat bis heute seine Spuren hinterlassen. Noch dominiert ein Klientelsystem auf der Basis von Favoritismus, Nepotismus und Korruption, das Politiker als Clanf&uuml;hrer missbraucht. Sagen Sie doch etwas zur Klassenspaltung im &bdquo;System Griechenland&ldquo;, das eine L&ouml;sung schwer macht. <\/p><p>Bei der Ursachenanalyse und den L&ouml;sungen der drohenden Zahlungsunf&auml;higkeit Griechenlands w&auml;re es n&uuml;tzlich, wenn Sie sich &uuml;ber die historisch erkl&auml;rbare Herausbildung einer scharfen Klassengesellschaft, die von korrupten Clans gesteuert wird, wenigstens informieren w&uuml;rden. Sollten Sie bei einem der kommenden Massen&shy;streiks in Athen anwesend sein, dann befragen sie doch mal Streikende, deren Proteste sich auch gegen die korrupten Clans richten. Ohne Ber&uuml;cksichtigung der sozial-&ouml;konomisch gewachsenen Strukturen, die die Pfadabh&auml;ngigkeit bestimmen, bleibt die Makro&ouml;konomik im schlechten Sinne abstrakt. Sie taugt genau so wenig wie eine Mikro&ouml;konomik, die den seelenlosen &bdquo;homo oeconomicus&ldquo; stilisiert. <\/p><p>3. Nach diesen Aussagen, die zeigen, dass Sie die innenpolitischen Verh&auml;ltnisse Griechenlands f&uuml;r nicht erhaben genug halten, in Ihrer makro&ouml;konomischen Analyse ber&uuml;cksichtigt zu werden, kon&shy;zentrieren Sie die Ursache der Krise monokausal auf das Lohndumping und die damit die Exportag&shy;gressivit&auml;t Deutschlands. Wenn Sie meine vielen Beitr&auml;ge ernsthaft zur Kenntnis genommen h&auml;tten, dann m&uuml;ssten Sie wissen, dass ich diese Ursache ebenfalls immer wieder, wie es auch Gustav Horn tut, benannt habe. Warum anerkennen Sie nicht diese meine Kritik? Ihnen fehlt offensichtlich die Gr&ouml;&szlig;e, zu sagen, dass hier der Kritisierte aus Ihrer Sicht mal nicht irrt. In dem Zusammen&shy;hang habe ich auch die sog. &bdquo;moderate Lohnpolitik&ldquo; der Gewerkschaften in Deutschland wegen ihrer doppelte negativen Wirkung kritisiert: Einerseits hat das Lohndumping zusammen mit der Produkti&shy;vit&auml;tsentwicklung &uuml;ber r&uuml;ckl&auml;ufige Lohnst&uuml;ckkosten auch Griechenland belastet. Andererseits stagniert deshalb seit 2003 der private Konsum in Deutschland, ja dieser in einigen Jahren absolut gesunken ist. Allerdings w&auml;re es auch f&uuml;r Sie wichtig, gegen&uuml;ber der Forderung an die deutsche Exportwirtschaft  die Exportstruktur und die binnenwirtschaftliche Struktur Griechenlands zu ber&uuml;cksichtigen. Dazu geh&ouml;rt auch die Invasion deutscher Mega-Discounter in Griechenland. Ebenfalls sollte die starke Konzentration auf die Nachfrage nach R&uuml;stungsg&uuml;tern bedacht werden &ndash; nach dem Motto sechs U-Boote T&uuml;rkei, also auch sechs U-Boote f&uuml;r Griechenland (zwei U-Boote auf der Basis der Brennstoffzellentechnik von der HDW in Kiel liegen unbezahlt in einer Werft in der N&auml;he von Athen). <\/p><p>Leider spielen die Probleme der griechischen Wirtschaftsstruktur im Rahmen Ihrer Makro&ouml;ko&shy;nomik keine Rolle. Auch ihnen w&uuml;rde das  Studium der modernen, historisch ausgerichteten Institutionen&ouml;konomik, die ja zu Recht mit dem j&uuml;ngsten Nobelpreis f&uuml;r &Ouml;konom ausgezeichnet worden ist, weiterhelfen (Elinor Ostrom \/ Oliver Williamson). <\/p><p>4. Unbestritten, Deutschland muss mit einer R&uuml;ckf&uuml;hrung der Exportaggressivit&auml;t und der St&auml;rkung seiner Binnenwirtschaft einen Beitrag zur Stabilisierung des gesamten Euroraums leisten. Allerdings braucht dieser Strategiewechsel Zeit. Es l&auml;sst sich nicht einfach ab Morgen fr&uuml;h eine Lohnexpansion am besten mit 30% ernsthaft durchsetzen. Gehandelt werden muss mit Ad hoc-Ma&szlig;nahmen, die allerdings dem Sieg des Prinzips dienen sollten. Hierzu schweigen Sie peinlich laut. Es muss jetzt gehandelt werden, um Ihr richtiges Ziel zu erreichen. Weil Sie so stark f&uuml;r die Erfolge einer W&auml;hrungsabwertung im internationalen Vergleich pl&auml;dieren, gehe ich davon aus, dass Sie die Wiedereinf&uuml;hrung der griechischen Drachme f&uuml;r sinnvoll halten. Erkl&auml;ren Sie bitte die Auswirkungen einer massiven Abwertung dieser W&auml;hrung auf die strukturell extrem schwache Export- und Binnenwirtschaft Griechenlands. Vergessen Sie dabei bitte nicht die durch eine Abwertung ausgel&ouml;ste massive Verteuerung der in Euro fakturierten Importe &ndash;  vor allem zu Lasten der einkommensschwachen Privathaushalte in Griechenland. Wenn Sie gegen Inflationsgefahren einen geldpolitischen Restriktionskurs durch die griechische Notenbank fordern, dann &uuml;bersehen Sie bitte nicht die Belastung der Produktionswirtschaft.<\/p><p>Gegen&uuml;ber Ihrem Defizit an kurzfristig wirksamen Vorschl&auml;gen habe ich eine Doppelstrategie vorgeschla&shy;gen: eine zeitlich befristete Abkoppelung Griechenlands im Zuge der Anschlussfinanzierung durch das beschlossene Hilfsprogramm der EU und des IWF zusammen mit einer Umschuldung durch Forderungsverluste der bisherigen Gl&auml;ubiger. <\/p><p>Mit dem soeben beschlossenen Hilfsprogramm (Gesamtvolumen von 750 Mrd. &euro;) wird zu Recht notwendige Zeit gekauft. Dazu ein Beispiel: Griechische Staatsanleihen werden in den n&auml;chsten Wochen f&auml;llig. Am Kapitalmarkt l&auml;sst sich, wenn &uuml;berhaupt nur eine Anschlussfinanzierung bei extrem hohen Zinss&auml;t&shy;zen und dem Einfluss der Spekulanten realisieren. Hier setzt das Hilfsprogramm an. Es be&shy;zweckt eine Umschuldung. Die bisherigen Gl&auml;ubiger &ndash; die Banken, Fonds, Privatverm&ouml;gende im In- und Ausland &ndash; werden ausbezahlt. Die Anschlussfinanzierung &uuml;bernehmen die helfenden Staaten am Ende mit ihren Steuerzahlern. Diese Umschichtung n&uuml;tzt nur den bisher profitwirtschaftlichen Anle&shy;ger zusammen mit den aggressiven Spekulanten.<\/p><p>Bleibt es jedoch nur bei dieser Umschuldung, dann &auml;ndert sich am Grund&shy;problem Griechenlands nichts. Die Staatsschulden und die Zinsbelastungen bleiben nach Beendigung der Hilfsprogramme unver&auml;ndert hoch. Das Land kann die finanzpolitische Souver&auml;nit&auml;t nicht zur&uuml;ckgewinnen. Wie l&auml;sst sich eine L&ouml;sung finden, mit der einerseits die Wirtschaft gest&auml;rkt und andererseits der strangulierend wirkende Schulden&shy;berg abgeschmolzen werden kann? Die Frage werfen Sie nicht auf, damit wird auch die wohl wichtigste Antwort verweigert. <\/p><p>Aus dieser &ouml;konomisch-fiskalischen Falle kann sich Griechenland allein nicht befreien. Dies gilt auch f&uuml;r die Hilfspakte, mit denen allerdings Zeit zur Anpassung gekauft wird. Alle Kritiker, die diese Perspektivlosigkeit beschreiben, haben Recht. Wird diese Umschuldung auch noch mit einem staatlichen Einsparprogramm und Steuererh&ouml;hungen der &ouml;ffentlichen Haushalte verkn&uuml;pft, dann ver&shy;schlechtert dieses Kaputtsparen die Chance, nach Auslaufen der Hilfsprogramme die &Ouml;konomie Griechenlands zu st&auml;rken. Das ist jedoch die Voraussetzung f&uuml;r die nachhaltige Bew&auml;ltigung der Finanzkrise. <\/p><p>Deshalb ist ein &bdquo;hair cut&ldquo; im Sinne eines Teilverzichts der bisherigen Gl&auml;ubiger griechischer Anleihen &ndash; wie bei allen gro&szlig;en Finanzkrisen von Staaten in den letzten Jahrzehnten &ndash; unvermeidbar. Ihre Sorge um daraus folgende Belastungen des &bdquo;gesamten Bankensystems&ldquo; &uuml;berrascht mich. Meinen Sie damit auch die einzelnen betroffenen Ban&shy;ken und Versicherungsunternehmen &ndash; wie die Commerzbank und die RealHypoEstate sowie den Allianz-Konzern &ndash; die geschont werden sollen? <\/p><p>Nach den j&uuml;ngsten Angaben der &bdquo;Bank f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit&ldquo; betrug Ende 2009 der Bestand an griechischen Auslandsschulden 236, 2 Mrd. US $.  Die Gl&auml;ubiger konzentrieren sich mit 79% auf Europa. Die deutschen Banken waren Ende 2009 Gl&auml;ubiger mit insgesamt 31,4 Mrd. &euro;. Auf Frankreich entfielen 52,6 Mrd. &euro;. Auch die Schweiz geh&ouml;rt zu den namhaften Gl&auml;ubigerl&auml;ndern. Von einem Teilforderungsverzicht w&auml;ren vor allem in Deutschland die HypoRealEstate, die Commerz&shy;bank, die Postbank, einige Landesbanken aber auch einige Versicherungsunternehmen (die gesamte Gruppe der ALLIANZ SE) betroffen. Wenn Sie sich schon um diese Anleger so sorgen, dann w&auml;re es ja m&ouml;glich, im begr&uuml;ndeten Fall diesen Hilfen zur Bew&auml;ltigung ihrer Forderungsverzichte zur Verf&uuml;gung zu stellen. Die mit diesem Schuldenschnitt bezweckten Forderungsverluste treffen auch Gl&auml;ubiger in Griechenland. Ein Gro&szlig;gl&auml;ubiger ist auf&shy;grund seines Besitzes von griechischen Bonds der Chef eines Finanzimperiums, der Grieche Spiros Latsis. Er m&uuml;sste mit einem Verzicht auf Forderungen gegen&uuml;ber dem griechischen Staat, mit denen er bisher hohe Renditen erzielen konnte, zu seinem Beitrag zur Rettung Griechenlands verpflichtet werden.<\/p><p>Diese Umschuldung, die auf einer Versammlung der Gl&auml;ubiger zu verabreden ist, muss durch das Verbot bzw. die Einschr&auml;nkung der &ouml;konomisch selbstzerst&ouml;rerisch wirkenden Spekulationsinstru&shy;mente erg&auml;nzt werden. Dazu geh&ouml;ren das Verbot von Leerverk&auml;ufen sowie der Einsatz von Kredit&shy;ausfallversicherungen ohne Vorliegen eines echten Kredits. Mich wundert, dass dazu der sonst so  selbstsicher daher kommende Makro&ouml;konom schweigt. <\/p><p>Schlie&szlig;lich f&auml;llt auf, dass Sie sich zu den Geburtsfehlern der Euro-W&auml;hrung nicht &auml;u&szlig;ern. Damit lassen Sie es zu, dass die Eurol&uuml;ge von Kohl\/Waigel nicht entlarvt und &uuml;berwunden wird. Es war einfach unverantwortlich, im Widerspruch zu den tragf&auml;higen Theorien mit der W&auml;hrungsunion auf die Dynamik einer Angleichung der unterschiedlichen nationalen Makro&ouml;kono&shy;mien zu setzen. Das Gegenteil ist eingetreten. Unter dem massiven Exportdruck aus Deutschland durch Lohndumping haben sich die Divergenzen zwischen den Mitgliedsl&auml;ndern vertieft. Deshalb muss die griechische Krise, die die tiefe Euro-Trag&ouml;die zum Ausdruck bringt, zur Geburtsstunde einer fiskalisch und wirtschaftspolitisch koordinierten Wirt&shy;schafts- und W&auml;hrungsunion f&uuml;hren.  In meinem Buch &bdquo;Standortwahn und Euroangst&ldquo; von 1998 (erschienen im Rowohlt-Verlag) lassen sich die absehbaren katastrophalen Folgen der einseitigen Architektur des Maastrichter Vertrags nachlesen: Binnenmarkt + Monetarismus sowie einer Reduktion der fiskalische Koordination auf die unsinnige Deckelung der<br>\nStaatsverschuldung. <\/p><p>Zum Schluss: Ich f&auml;nde es f&uuml;r die kritische &Ouml;konomik wichtig, dass wir die Bef&auml;higung zum Diskurs st&auml;rken. Mit saldenmechanischer Makro&ouml;konomik allein ist die Krise einiger L&auml;nder und am Ende der gesamten Eurozone nicht vermessbar. Holen Sie das nach, was Sie in Ihrem &ouml;ffentlichen Brief an mich nicht aufgegriffen haben: suchen Sie eine ad&auml;quate Antwort auf die Frage, was ist aktuell zu tun, um die Krise zu bew&auml;ltigen. <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nRudolf Hickel <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rudolf Hickel hat auf den <a href=\"?p=5562\">Offenen Brief von Heiner Flassbeck<\/a> geantwortet. Siehe unten. Wir setzen damit den Disput zwischen den beiden &Ouml;konomen fort. Vielleicht wird dabei z.B. klar, ob eine Umschuldung in einem Fall wie Griechenland m&ouml;glich und sinnvoll ist, oder ob Staatsbankrotte im Euroraum m&ouml;glich sind, oder was kurzfristig zu tun w&auml;re. 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