{"id":56571,"date":"2019-11-23T11:45:46","date_gmt":"2019-11-23T10:45:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56571"},"modified":"2019-11-25T07:31:51","modified_gmt":"2019-11-25T06:31:51","slug":"sozialer-wohnungsbau-der-riese-schwankte-und-fiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56571","title":{"rendered":"Sozialer Wohnungsbau &#8211; Der Riese schwankte und fiel"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man verstehen will, warum Gewerkschaften heute nicht das Gewicht und den Einfluss haben, die sie vor 50 Jahren hatten, dann ist es gut, Aufstieg und Fall der Neuen Heimat zu studieren. Man lernt dabei auch etwas dar&uuml;ber, warum der soziale Wohnungsbau in den letzten 30 Jahren str&auml;flich missachtet wurde, und letztlich auch etwas &uuml;ber den Niedergang des linken Lagers insgesamt. <strong>Hermann Kaienburg<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56571#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>] beschreibt im Folgenden diesen Vorgang. Danke vielmals. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Neue Heimat schaffte bezahlbaren Wohnraum &ndash; Aufstieg und Niedergang einer sozialdemokratischen Utopie. Von Hermann Kaienburg<\/strong><\/p><p>Wenn die Wohnkosten explodieren wie gegenw&auml;rtig, gelten gemeinn&uuml;tzige Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften oft als wichtige Alternative zum ungesteuerten kapitalistischen Wohnungsmarkt. Fr&uuml;her waren solche Organisationsformen nicht nur im Wohnungs- und Finanzwesen (z.B. Sparkassen), sondern auch in anderen wirtschaftlichen Bereichen, etwa als Konsumgenossenschaften, weiter verbreitet als heute. <\/p><p>Eine gro&szlig;e, von den Gewerkschaften gegr&uuml;ndete gemeinn&uuml;tzige Wohnungsgesellschaft war die Neue Heimat (NH). Sie entstand unter anderem Namen in der Weimarer Republik, wurde in der NS-Zeit der Deutschen Arbeitsfront unterstellt und nach dem Krieg von der britischen Treuhandverwaltung den Gewerkschaften zur&uuml;ckgegeben. Das wichtigste Ziel war zun&auml;chst, zur Behebung der gro&szlig;en Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg beizutragen. Von Hamburg ausgehend, breitete sie sich durch &Uuml;bernahme gleichartiger Unternehmen in den 1950er Jahren auf viele Bundesl&auml;nder aus. Innerhalb weniger Jahre baute sie tausende von Wohnungen wieder auf und errichtete in gro&szlig;em Umfang neue. In den folgenden Jahrzehnten wuchs sie zum gr&ouml;&szlig;ten nichtstaatlichen Wohnungskonzern Europas an. In den 1970er Jahren verwaltete sie &uuml;ber 400.000 Wohnungen. Anfang der 1980er Jahre brach sie zusammen. Wie konnte das geschehen?<\/p><p>Die Ausstellung &bdquo;Die Neue Heimat [1950-1982]. Eine sozialdemokratische Utopie und ihre Bauten&ldquo;, die von Ende Juni bis Anfang Oktober 2019 im Museum f&uuml;r Hamburgische Geschichte zu sehen war (demn&auml;chst auch in Frankfurt\/M. und Berlin), hat viel Material dazu zusammengetragen &ndash; Informationstexte, Fotos, Organisationsschemata, Modelle, Filmaufnahmen und anderes. Gezeigt wird die Geschichte des Konzerns von den Anf&auml;ngen bis zum Zusammenbruch. Im Mittelpunkt stehen aber die Bauten, die die NH entwarf und errichtete, vom sozialen Wohnungsbau bis hin zu Kongresszentren und ganzen Stadtvierteln. Sie besch&auml;ftigt sich vor allem mit der Frage, wie moderner Wohnungs- und St&auml;dtebau gestaltet werden kann und sollte.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191123-Osdorfer-Born-Achtern-Born-Stadtteiltourismus-Osdorf.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191123-Osdorfer-Born-Achtern-Born-Stadtteiltourismus-Osdorf.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>&bdquo;Moderner Wohnungsbau&ldquo; am Osdorfer Born (Foto: ProQuartier)<\/small><\/p><p>Die NH geh&ouml;rte zu einer gro&szlig;en Gruppe von gewerkschaftseigenen Unternehmen. Ihr Grundgedanke bestand darin, einen gemeinn&uuml;tzigen Sektor der Wirtschaft aufzubauen, der unabh&auml;ngig vom Auf und Ab kapitalistischer Marktmechanismen funktionierte und f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung g&uuml;nstige Wohnungen, Waren und Dienstleistungen anbot, und zwar unter gesicherten, sozial ausgewogenen Arbeitsverh&auml;ltnissen f&uuml;r die Besch&auml;ftigten. Diese alte sozialdemokratische Utopie zerbrach mit dem Untergang des gewerkschaftseigenen Wirtschaftsbereichs in den 1980er und 1990er Jahren.<\/p><p>Die NH errichtete kosteng&uuml;nstige, einfache, aber mit modernen B&auml;dern und K&uuml;chen ausgestattete Wohnungen. Um die Baukosten niedrig zu halten, war die &auml;u&szlig;ere Gestaltung einfach und man griff immer mehr zu industriell vorgefertigten Teilen. In vielen F&auml;llen erhielt das Unternehmen von St&auml;dten und Gemeinden, die den sozialen Wohnungsbau f&ouml;rdern wollten, Auftr&auml;ge und Grundst&uuml;cke. Der Siedlungsbau orientierte sich anfangs an Leitideen der Gartenstadtbewegung mit viel Gr&uuml;n und der Trennung von Autoverkehr und Fu&szlig;g&auml;ngerbereichen. Ab den 1960er Jahren &uuml;bernahm die NH die Planung und Errichtung ganzer Stadtteile, etwa Neuperlach in M&uuml;nchen, M&uuml;mmelmannsberg und Steilshoop in Hamburg. Dazu geh&ouml;rten auch Schulen und Kinderg&auml;rten, Einkaufszentren, Krankenh&auml;user, Schwimmb&auml;der und anderes. Aus Kostengr&uuml;nden baute man hohe Wohnblocks, allerdings mit Gr&uuml;nfl&auml;chen dazwischen. Dem Zeitgeist entsprechend kamen bald auch Hochh&auml;user mit 15 und mehr Stockwerken hinzu.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191123-NH-Bauten-an-der-Holstenstra%C3%9Fe-1961-aus-Schulheft.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191123-NH-Bauten-an-der-Holstenstra%C3%9Fe-1961-aus-Schulheft.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Mit einer solchen Durchmischung war nicht zu rechnen. (NH-Bauten an der Holstenstra&szlig;e)<\/small><\/p><p>Aus heutiger Sicht war es ein Frevel, heruntergekommene Stadtteile, etwa das G&auml;nsbergviertel in F&uuml;rth, fast v&ouml;llig abzurei&szlig;en und stattdessen gro&szlig;e Betonkl&ouml;tze zu errichten, aber dies entsprach der damaligen Denkweise in Architektur und Kommunalpolitik. Heute w&uuml;rde man wahrscheinlich anders entscheiden und die Altbauten retten. Die Errichtung ganzer Stadtteile auf neu ausgewiesenen Baufl&auml;chen in Sparbauweise wirft allerdings die Frage auf, ob die Bauherren und die Baugesellschaft sich wirklich nicht dar&uuml;ber klar waren, dass dort soziale Gettos entstehen k&ouml;nnten; denn mit einer sozialen Durchmischung war dort nicht zu rechnen. Offenbar waren hier oft bereits auch Gesch&auml;ftsinteressen im Spiel, die dazu f&uuml;hrten, warnende Stimmen zu ignorieren. <\/p><p>Es gab anscheinend durchaus Lernprozesse. Als in Hameln in den 1960er Jahren die Altstadt saniert werden sollte, lagen zun&auml;chst auch Abriss- und Neuerrichtungspl&auml;ne vor. Wegen starker Proteste in der Bev&ouml;lkerung blieben dann aber viele alte Geb&auml;ude stehen. In den folgenden Jahren bem&uuml;hte sich die NH, den durch die Fehlentwicklungen entstandenen Ansehensverlust durch Baukonzepte mit gr&ouml;&szlig;erer Vielfalt und mehr Abwechslung zu verbessern. Selbstdarstellungen des Konzerns in Film und Bild aus den 1970er Jahren zeigen ein breites Spektrum von Bauweisen und Projekten, die nicht mehr nur kahle, eint&ouml;nige Fassaden besa&szlig;en, sondern oft auch lebhaft, bunt und abwechslungsreich gestaltet waren. Die NH-H&auml;user in der Lagunenstadt Port Grimaud in Frankreich sind daf&uuml;r ein gelungenes Beispiel.<\/p><p>Mit der Zeit wagte sich die NH immer h&auml;ufiger an gro&szlig;e Projekte, die nicht zum Wohnungsbau geh&ouml;rten. Um nicht in Konflikt mit gesetzlichen Bestimmungen f&uuml;r den gemeinn&uuml;tzigen Wohnungsbau zu geraten, wurde 1969 mit Gewerkschaftsmitteln die Neue Heimat St&auml;dtebau G.m.b.H. gegr&uuml;ndet, die nun, offen gewinnorientiert, auch Bauten zum Verkauf an Kommunen, Privatleute und Investoren errichtete. De jure separate Unternehmen, waren beide de facto personell und organisatorisch eng verwoben. <\/p><p>Ein gigantisches Projekt aus Wohnungen, Gewerbe- und Einkaufsfl&auml;chen, durch das der zur Sanierung vorgesehene Hamburger Stadtteil St. Georg eine an New York erinnernde Skyline erhalten h&auml;tte, fand zun&auml;chst offenbar in einigen politischen Gremien Anklang, scheiterte dann aber am Widerstand lokaler Gewerbetreibender. Es h&auml;tte der Hamburger Stadtmitte ein v&ouml;llig anderes Gesicht gegeben. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191123-Modell-St-Georg.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191123-Modell-St-Georg.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Manhatten in Hamburg: NH-Modell f&uuml;r den Stadtteil St. Georg. Vorn die Alster-Schiffsanleger<\/small><\/p><p>Ein immer gr&ouml;&szlig;erer Teil der T&auml;tigkeit der NHS spielte sich im Ausland ab. Schon in den 1960er Jahren hatte die NH begonnen, in Frankreich, Israel, Ghana und Brasilien Wohnungen zu bauen. In den 1970er Jahren expandierte sie in viele andere L&auml;nder der Welt. In Italien, Venezuela, Mexiko, Kanada, Saudi-Arabien und weiteren L&auml;ndern baute sie Wohnungen aller Art von genossenschaftlichen Siedlungen &uuml;ber Ferienwohnungen bis zu Miethochh&auml;usern, aber auch Hotels und sogar ein Schloss. Auch die Geh&auml;lter der Vorstandsmitglieder stiegen. Der Vorstandsvorsitzende Albert Vietor begr&uuml;ndete die Spitzengeh&auml;lter f&uuml;r sich und seine Vorstandskollegen von j&auml;hrlich 400.-500.000 DM &ndash; also mehr als das Doppelte des damaligen Gehalts des Bundeskanzlers &ndash; in einem Interview damit, dass dies bei einer Konzerngr&ouml;&szlig;e wie der der NH &uuml;blich sei. <\/p><p>Im Februar 1982 enth&uuml;llte die Wochenzeitschrift &lsquo;Der Spiegel&rsquo;, dass Vorstandsmitglieder sich auch durch illegale Gesch&auml;fte bereichert hatten, unter anderem durch private Beteiligung an Tochtergesellschaften, durch &uuml;berh&ouml;hte Nebenkostenabrechnungen f&uuml;r Mietwohnungen (auch das gab es damals bereits!) und durch &uuml;berteuerten Weiterverkauf von Immobilien. Au&szlig;erdem hatte Vietor, teils &uuml;ber einen Strohmann, 270 Wohnungen und eine Villa im Tessin privat erworben. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die NH durch Fehlinvestitionen finanziell in Schwierigkeiten steckte. Unter anderem hatte sie in Lateinamerika f&uuml;r 1,7 Milliarden DM mit Krediten verlustbringend Grundst&uuml;cke erworben. 1982 machte die NH fast 270 Millionen DM Verlust. Zur Sanierung begann die Gesellschaft, Wohnungen zu verkaufen. Doch dies erwies sich als schwierig, weil durch Sozialbindung und Gemeinn&uuml;tzigkeit viele staatliche Zusch&uuml;sse zu ber&uuml;cksichtigen waren, so dass man sie nicht einfach an private Interessenten ver&auml;u&szlig;ern konnte. Schlie&szlig;lich waren es &uuml;berwiegend Kommunen und andere &ouml;ffentliche K&ouml;rperschaften, die Teile erwarben. Was wenige Jahre zuvor niemand f&uuml;r m&ouml;glich gehalten hatte, geschah: Der Riese schwankte und fiel. Der gesamte Wohnungsbestand im In- und Ausland wurde verkauft. Schlie&szlig;lich hatten die Gewerkschaften noch f&uuml;r insgesamt mindestens eine Milliarde DM Schulden aufzukommen &ndash; bezahlt von den Beitr&auml;gen der Mitglieder. Im Bundestag und mehreren Bundesl&auml;ndern wurden parlamentarische Untersuchungsaussch&uuml;sse eingesetzt, um der Zweckentfremdung gemeinn&uuml;tziger Mittel nachzugehen. Den gemeinwirtschaftlichen Unternehmen der Gewerkschaften gelang es nie, sich von diesem Zusammenbruch zu erholen. Sp&auml;ter mussten auch wichtige andere Gewerkschaftsunternehmen, darunter die Bank f&uuml;r Gemeinwirtschaft und die Volksf&uuml;rsorge, wegen finanzieller Schwierigkeiten verkauft werden. <\/p><p>Was war der Grund des Sturzes der NH? Die Ausstellung l&auml;sst die Besucher mit dieser Frage weitgehend allein. Als wichtigster Grund wird oft die Korruption im Vorstand genannt. Doch im Vergleich zum Konzernverm&ouml;gen waren die Summen, um die es dabei ging, relativ gering; sie lagen im zweistelligen Millionenbereich, also deutlich unter einem Prozent des Verm&ouml;gens.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Der Grund f&uuml;r die finanzielle Schieflage waren anscheinend vor allem Fehler im Auslandsgesch&auml;ft, unter anderem die missratenen Grundst&uuml;cksspekulationen in Lateinamerika. Man hatte dort immer wieder Auftr&auml;ge &uuml;bernommen, ohne sich gen&uuml;gend auszukennen. So wurde z.B. das Risiko von W&auml;hrungsverlusten anscheinend nicht ausreichend ber&uuml;cksichtigt. Einmal auf die schiefe Ebene geraten, gab es kein Halten mehr. Offenbar galt die NH vielen Banken nun nicht mehr als kreditw&uuml;rdig, so dass die Schwierigkeiten kumulierten, w&auml;hrend die Kosten weiterliefen. <\/p><p>Gegner gemeinwirtschaftlicher Unternehmen f&uuml;hren den Niedergang der NH gern als Beleg daf&uuml;r an, dass derartige Konstruktionen letztlich ineffektiv seien und zu Misswirtschaft f&uuml;hren. In der Tat waren es falsche wirtschaftliche Entscheidungen, die die beiden Konzerne zu Fall brachten. Durch das fortgesetzte Wachstum von den 1950er bis in die 1970er Jahre wurde ihr F&uuml;hrungspersonal wahrscheinlich zunehmend vor Aufgaben gestellt, mit denen sie keine Erfahrung besa&szlig;en, so dass sich fatale Fehler h&auml;uften. Aber Fehlentwicklungen gibt es in Konzernen der Privatwirtschaft auch. Dort h&auml;tte allerdings in solch einem Fall vermutlich der Aufsichtsrat eingegriffen und den Vorstand ausgetauscht. Dergleichen geschah beim DGB nicht bzw. viel zu sp&auml;t &ndash; erst, nachdem die Presse &uuml;ber die Missst&auml;nde berichtet hatte.<\/p><p>Eine n&uuml;chterne Bilanz der 40-j&auml;hrigen Geschichte der NH zeigt, dass der schlechte Ruf, der ihr anh&auml;ngt, nicht generell berechtigt ist. Das negative Bild in der &Ouml;ffentlichkeit steht in Zusammenhang mit der baulichen Monotonie von Stadtvierteln wie Steilshoop, vor allem aber damit, dass in solchen Quartieren nach der Errichtung oft eine sozial problematische Zusammensetzung der Bev&ouml;lkerung mit relativ hoher Armut vorherrschte. An beidem trug nicht die Gemeinn&uuml;tzigkeit der Baugesellschaft die Schuld; solche Neubauviertel wurden damals auch von privaten Baugesellschaften im Auftrag von Kommunen errichtet. Lange Jahre hindurch hat die NH mit sparsamen Mitteln in gro&szlig;em Umfang moderne Wohnungen mit sozial erschwinglichen Mieten errichtet. Die meisten existieren bis heute. Manche stehen sogar unter Denkmalschutz. Es w&auml;re oft besser gewesen, nicht so geballt zu bauen und die Geb&auml;ude abwechslungsreicher zu gestalten. Aber solche &auml;sthetischen Fragen unterliegen starkem zeitlichen Wandel und werden auch je nach sozialem Milieu verschieden beantwortet. Dass sie auch anders bauen konnte, hat die NH in den 1970er Jahren bewiesen. Ihr grundlegender Fehler war ihr Expansionsdrang: durch immer gr&ouml;&szlig;ere und immer weiter entfernte Projekte in fremden L&auml;ndern &uuml;bernahm sich der Konzern. Und der DGB versagte dabei, die Fehlentwicklungen durch sch&auml;rfere Beaufsichtigung zu verhindern. Die NH w&auml;re besser dabei geblieben, in Deutschland Sozialwohnungen zu bauen. <\/p><p>Es gibt noch einige weitere Argumente f&uuml;r diese Unternehmensform: Die NH und ihre Tochtergesellschaften hatten ihre Besch&auml;ftigten, auch die auf den Baustellen, ordentlich entlohnt. Und die Vertreter des Konzerns wiesen immer wieder stolz darauf hin, dass sie in der Regel trotz engen Zeitplans den Kostenrahmen eingehalten hatten. Auch das ist heute keine Selbstverst&auml;ndlichkeit. <\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191123-DER-SPIEGEL-v8282.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>1982: Absturz und Ende der NH<\/small><\/p><p>Es ist schade, dass das Ansehen der gemeinn&uuml;tzigen Wirtschaftsunternehmen durch den Niedergang der Gewerkschaftsunternehmen so gelitten hat. In Krisenzeiten der Wirtschaft zeigt sich: Wir k&ouml;nnten wieder mehr davon brauchen.<\/p><p><em>Der Artikel erschien zuerst in der hlz &ndash; Zeitschrift der GEW Hamburg.<\/em><\/p><p>P.S. F&uuml;r den Politik- und PGW-Unterricht gibt es eine gute Brosch&uuml;re, die f&uuml;r 1 &euro; bei der Hamburger Landeszentrale f&uuml;r Politische Bildung erh&auml;ltlich ist (Titel: Wie die Ausstellung).<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>] Hermann Kaienburg, Jg. 1950, Lehrer und Historiker.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Die H&ouml;he des Schadens ist in etwa durch die H&ouml;he der Regressforderungen absch&auml;tzbar, die die Neue Heimat 1984 an die geschassten Vorstandsmitglieder richtete. Bei Vietor betrug diese Summe ca. 10 Millionen DM. Zum Vergleich: 1983 war die NH noch immer im Besitz von ca. 310.000 Wohnungen, deren Gesamtwert im zweistelligen Milliardenbereich gelegen haben d&uuml;rfte.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man verstehen will, warum Gewerkschaften heute nicht das Gewicht und den Einfluss haben, die sie vor 50 Jahren hatten, dann ist es gut, Aufstieg und Fall der Neuen Heimat zu studieren. Man lernt dabei auch etwas dar&uuml;ber, warum der soziale Wohnungsbau in den letzten 30 Jahren str&auml;flich missachtet wurde, und letztlich auch etwas &uuml;ber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56571\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[109,165],"tags":[2596,2770,1174,1582],"class_list":["post-56571","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gewerkschaften","category-innen-und-gesellschaftspolitik","tag-gemeinnuetzigkeit","tag-neue-heimat","tag-segregation","tag-sozialer-wohnungsbau"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=56571"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":56621,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56571\/revisions\/56621"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=56571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=56571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=56571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}