{"id":566,"date":"2005-05-12T14:43:37","date_gmt":"2005-05-12T12:43:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=566"},"modified":"2016-03-14T16:41:15","modified_gmt":"2016-03-14T15:41:15","slug":"zur-diskussion-das-iat-sieht-in-der-fleischbranche-den-gesetzlichen-mindestlohn-als-wirksame-masnahme-gegen-lohndumping","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=566","title":{"rendered":"Zur Diskussion: Das IAT sieht in der Fleischbranche den gesetzlichen Mindestlohn als wirksame Ma\u00dfnahme gegen Lohndumping"},"content":{"rendered":"<p>Anders als in der Bauwirtschaft, wo es seit 1996 mit dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz eine Regelung gibt, die ausl&auml;ndische Unternehmen dazu verpflichtet, tarifliche Mindestl&ouml;hne einzuhalten, sieht eine Studie des Instituts Arbeit und Technik in der &Uuml;bertragung solcher Regelungen auf die Fleischbranche keinen gangbaren Weg. Lars Czommer und Georg Wortmann pl&auml;dieren deshalb f&uuml;r die Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns.<br>\n<!--more--><br>\nDie Zusammenfassung der Studie:<\/p><ul>\n<li>Seit der EU-Osterweiterung im Mai 2004 werden auf deutschen Schlachth&ouml;fen verst&auml;rkt osteurop&auml;ische Arbeitskr&auml;fte zu Niedrigstl&ouml;hnen eingesetzt. Dieses &ldquo;Lohndumping&rdquo; gef&auml;hrdet Arbeitspl&auml;tze in Deutschland.<\/li>\n<li>Die Besch&auml;ftigung osteurop&auml;ischer Arbeitskr&auml;fte erfolgt im Rahmen der EU- Dienstleistungsfreiheit legal zu den Arbeits- und Sozialbedingungen des jeweiligen Herkunftslandes.<\/li>\n<li>Eine &auml;hnliche Situation bestand vor ca. 15 Jahren in der deutschen Bauwirtschaft. Hier wurde 1996 mit dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz eine Regelung geschaffen, die ausl&auml;ndische Unternehmen dazu verpflichtet, tarifliche Mindestl&ouml;hne einzuhalten.<\/li>\n<li>Um Niedrigstl&ouml;hne auf deutschen Schlachth&ouml;fen zu vermeiden, wird &uuml;ber die Ausweitung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes nachgedacht.<\/li>\n<li>Zwischen der Bauwirtschaft und der Fleischbranche bestehen jedoch gro&szlig;e Unterschiede, die das Arbeitnehmer-Entsendegesetz f&uuml;r die Festschreibung von Mindeststandards als unbrauchbar erscheinen lassen.<\/li>\n<li>Eine wirksame Ma&szlig;nahme gegen Lohndumping besteht daher derzeit nur in der Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohnes.<\/li>\n<\/ul><p>Die Begr&uuml;ndung f&uuml;r dieses Pl&auml;doyer f&uuml;r die Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns ergibt sich aus Folgendem: Das Zustandekommen eines Mindestlohn-Tarifvertrages ist an f&uuml;nf Voraussetzungen gebunden:<\/p><ul>\n<li>Die Tarifparteien haben ein gemeinsames Interesse daran , die Entsendepraxis in ihrer Branche zu ver&auml;ndern.<\/li>\n<li>Die Tarifparteien k&ouml;nnen sich auf einen Mindestlohn-Tarifvertrag verst&auml;ndigen.<\/li>\n<li>Die Tarifvertragsparteien schlie&szlig;en einen m&ouml;glichst bundesweit geltenden Fl&auml;chentarifvertrag ab.<\/li>\n<li>Die Ausdehnung des Mindestlohn-Tarifvertrages auf nicht-tarifgebundene Arbeitgeber liegt im &ouml;ffentlichen Interesse.<\/li>\n<li>Die tarifgebunden Arbeitgeber besch&auml;ftigen mindesten 50% der heimischen Arbeitnehmer.<\/li>\n<\/ul><p>Eine &Uuml;bertragbarkeit auf die Fleischbranche scheitert an Folgendem:<\/p><ul>\n<li>Die Arbeitgeber dieser Branche haben kein Interesse an einer tariflichen Mindestlohnregelung.<\/li>\n<li>Den Gewerkschaften stehen aufgrund einer zersplitterten Tariflandschaft gro&szlig;teils keine Verhandlungspartner zur Verf&uuml;gung.<\/li>\n<li>Weit unter 50% der Arbeitgeber sind Mitglied in einem tarifabschlie&szlig;enden Arbeitgeberverband und der gewerkschaftliche Organisationsgrad der Arbeitnehmer ist gering.<\/li>\n<\/ul><p>Angesichts der Tatsache, dass der Anteil der tarifgebundenen Besch&auml;ftigten seit 1988 von 76 auf 70 Prozent gesunken ist und im Osten Deutschlands gar nur noch bei 54 Prozent liegt, ist die Tarifbindung heute keine Garant mehr, um vor Niedrigstl&ouml;hnen zu sch&uuml;tzen. Deshalb sieht die Studie des IAT die Gefahr, dass Deutschland aufgrund der bestehenden L&uuml;cken in der europ&auml;ischen Gesetzgebung immer mehr zu einem &bdquo;Billiglohnparadies&ldquo; f&uuml;r ausl&auml;ndische Gro&szlig;konzerne wird. Vor allem auch weil Deutschland im Hinblick auf den Einsatz der von Osteuropa entsandten Arbeitskr&auml;ften Standortvorteile gegen&uuml;ber anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern hat. Hinz kommt ein geringerer gewerkschaftlicher Organisationsgrad und deshalb m&uuml;ssten Arbeitgeber mit weniger Widerstand der Gewerkschaften, als z.B. in D&auml;nemark rechnen. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/iat-info.iatge.de\/iat-report\/2005\/report2005-03.pdf\" title=\"Externer Link [PDF - 316 KB] zu http:\/\/iat-info.iatge.de\/iat-report\/2005\/report2005-03.pdf\">IAT-Report 2005-03 [PDF &ndash; 316 KB] &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anders als in der Bauwirtschaft, wo es seit 1996 mit dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz eine Regelung gibt, die ausl&auml;ndische Unternehmen dazu verpflichtet, tarifliche Mindestl&ouml;hne einzuhalten, sieht eine Studie des Instituts Arbeit und Technik in der &Uuml;bertragung solcher Regelungen auf die Fleischbranche keinen gangbaren Weg. 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