{"id":56874,"date":"2019-12-05T11:30:44","date_gmt":"2019-12-05T10:30:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56874"},"modified":"2019-12-06T11:58:56","modified_gmt":"2019-12-06T10:58:56","slug":"chile-sebastian-piera-die-ein-prozent-elite-und-die-militaers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56874","title":{"rendered":"Chile \u2013 Sebasti\u00e1n Pi&ntilde;era, die Ein-Prozent-Elite und die Milit\u00e4rs"},"content":{"rendered":"<p><strong>Teil 2: Der Raubzug des Establishments.<\/strong> Mit Umfragewerten von 4,6 Prozent auf dem <a href=\"https:\/\/cambio21.cl\/politica\/para-no-creerlo-encuesta-independiente-que-no-es-cadem-seala-que-la-aprobacin-de-piera-llega-a-slo-al-4-6-5de4fe56cd49b076dc335f55\">niedrigsten Stand seiner Popularit&auml;t<\/a> &ndash; die jeden realistischen Staatschef zur Einsicht seines Scheiterns und zum freiwilligen R&uuml;cktritt bewegen w&uuml;rden &ndash; versucht der chilenische Pr&auml;sident Sebastian Pi&ntilde;era aus der Niederschlagung und Kriminalisierung der seit dem 18. Oktober anhaltenden Proteste und dem Schrei nach &ldquo;Wiederherstellung der &ouml;ffentlichen Ordnung&rdquo; ein konservatives B&uuml;ndnis mit der Spaltung der parlamentarischen Mitte-Links-Opposition zu schmieden. Mit medial inszenierten sozialen, jedoch nur kosmetischen Zugest&auml;ndnissen wettet der schwer angeschlagene Staatschef auf die R&uuml;ckeroberung seines politischen Kapitals und die Verhinderung seines Absturzes. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7758\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-56874-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191205-Chile-Sebastian-Piera-die-Ein-Prozent-Elite-und-die-Militaers-Teil2-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191205-Chile-Sebastian-Piera-die-Ein-Prozent-Elite-und-die-Militaers-Teil2-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191205-Chile-Sebastian-Piera-die-Ein-Prozent-Elite-und-die-Militaers-Teil2-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191205-Chile-Sebastian-Piera-die-Ein-Prozent-Elite-und-die-Militaers-Teil2-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=56874-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191205-Chile-Sebastian-Piera-die-Ein-Prozent-Elite-und-die-Militaers-Teil2-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191205-Chile-Sebastian-Piera-die-Ein-Prozent-Elite-und-die-Militaers-Teil2-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Den ersten Teil aus dieser Serie k&ouml;nnen Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56761\">hier noch einmal lesen<\/a>.<\/em><\/p><p>Mit h&auml;rteren Strafma&szlig;nahmen f&uuml;r Vermummte gelang Pi&ntilde;era ein Abkommen mit der Mitte-Links-Opposition. Der zu ihnen geh&ouml;rende, ehemalige sozialdemokratische Pr&auml;sident, Ricardo Lagos, ging so weit, Pi&ntilde;era nicht etwa wegen dem geplanten Wiedereinsatz des Milit&auml;rs zu kritisieren, sondern weil der Pr&auml;sident es noch nicht befohlen hat; eine Ermutigung, der sich auch der ehemalige Au&szlig;enminister der Sozialistischen Partei, Jos&eacute; Miguel Insulza, angeschlossen hat. Die Staatsanwaltschaft erhob bisher Anklage gegen mehr als 20.000 Personen wegen unterschiedlicher Gewalt- und Eigentumsdelikte.<\/p><p>Parallel dazu zerf&auml;llt jedoch das <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56761\">Narrativ vom angeblichen Zusammenspiel<\/a> von politischen Aktivisten der &bdquo;Primera L&iacute;nea&ldquo; mit Einbrechern und Drogendealern. In den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft h&auml;ufen sich n&auml;mlich auch Beweise f&uuml;r Pl&uuml;nderungen und kriminelle Brandstiftungen sowohl durch aktive und pensionierte Beamte der Carabineros als auch durch Vertreter der ultrarechten Partei Renovaci&oacute;n Nacional, wie der <a href=\"https:\/\/www.theclinic.cl\/2019\/12\/03\/coordinaba-todo-con-su-celular-desde-el-municipio-fiscalia-revela-que-concejal-chahuan-era-el-lider-de-una-banda-de-saqueadores\/\">Fall des Stadtverordneten Karim Chahu&aacute;n Cerna<\/a> deutlich macht.<\/p><p>Pi&ntilde;era wird jedoch in vielf&auml;ltiger Hinsicht vom chilenischen Parlament gedr&auml;ngt, das auf die Dringlichkeit f&uuml;r die Verabschiedung einer &ldquo;Agenda Corta&rdquo;, also einer Agenda f&uuml;r soziale Sofortma&szlig;nahmen besteht. So beschloss die Abgeordnetenkammer am Montag, dem 2. Dezember, mit 78:71 Stimmen eine umgehende 50-prozentige Zulage f&uuml;r die sogenannte &ldquo;Solidarische Grundrente&rdquo;, deren Wert seit Juli 2018 umgerechnet etwa 120,50 Euro (107.304 Chile-Pesos) betr&auml;gt. Sollte der Senat dem Beschluss zustimmen, k&ouml;nnte die Mehrheit der Chileninnen und Chilenen ab Januar 2020 mit einer Grundrente von umgerechnet 180 Euro rechnen &ndash; genaugenommen nach wie vor eine Hungerrente, die nach Angaben der Rentenaufsichtsbeh&ouml;rde an 2,3 Millionen Rentnerinnen und Rentner &ndash; mit rund 68 Prozent mehr als zwei Drittel von Chiles Pension&auml;ren &ndash; ausgezahlt wird.<\/p><p>Die urspr&uuml;nglichen Regierungspl&auml;ne sahen einen stufenweisen 50-prozentigen Anstieg f&uuml;r Pension&auml;re &uuml;ber 80 Jahre und erst im Jahr 2021 eine je 30-prozentige und 20-prozentige Erh&ouml;hung f&uuml;r Rentner im Alter zwischen 75 und 80 Jahren vor. Die Regierung wollte offenbar eiskalt weitere Suizide der verarmten Rentner riskieren. Rentenfachmann Gino Lorenzini zufolge begeht die Regierung ein Verbrechen gegen die Rentner: 2019 beschnitt sie die Renten um 13 Prozent, nahm aber gleichzeitig Darlehen aus dem privaten AFP-Fonds auf, der 180 Milliarden US-Dollar der Einzahler &ldquo;verwaltet&rdquo;. Lorenzinis Anklage hatte Morddrohungen zur Folge, der Mann <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8cdWIORNEbI\">fl&uuml;chtetet mit seiner Familie<\/a> nach London.<\/p><p>Indes stellt sich die Frage, wessen Eigentum sichern die Milit&auml;rs mit dem geplanten Einsatz zum Schutz &ldquo;kritischer Infrastruktur&rdquo; wie Wasserversorgungsanlagen? Antwort: nicht das Eigentum, sondern die Vergabe exklusiver Wassernutzungskonzessionen an transnationale Konzerne wie den italienischen ENEL, dessen chilenische Niederlassungen wie Endesa das faktische Monopol der Trinkwasserversorgung und der Wasserkraftwerke besitzen, die ihnen das Wassergesetz aus der &Auml;ra Pinochet zusichert, wogegen sich jedoch Millionen erboste Chilenen erheben.<\/p><p><strong>Der Raubzug des Establishments<\/strong><\/p><p>Mittlerweile ist Pr&auml;sident Pi&ntilde;era nicht nur Zielscheibe scharfer Angriffe aus dem Lager der nach wie vor auf den Stra&szlig;en protestierenden sozialen Bewegungen. Selbst Politiker der eher konservativ ausgerichteten Christlich-Demokratischen Partei (PDC) wie Ximena Rinc&oacute;n &ndash; ehemalige Ministerin f&uuml;r Arbeit und Soziales in der zweiten Amtsperiode Michelle Bachelets &ndash; gingen mit der Regierung hart ins Gericht. &bdquo;Pr&auml;sident, die Pl&uuml;nderungen sind nicht nur die, die in den letzten Tagen stattgefunden haben, sondern auch jene, die wir &uuml;ber viele Jahre hinweg erlebt haben und unter denen unsere Gesellschaft gelitten hat &hellip; Wir m&uuml;ssen die Pl&uuml;nderung der Renten durch die (privaten) AFP-Fonds stoppen. Lassen Sie uns die Renten JETZT f&uuml;r alle um 40 Prozent erh&ouml;hen! &ldquo;, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ximerincon\/status\/1200218000412069895\">forderte die amtierende Senatorin<\/a>. Damit nannte Rinc&oacute;n das Stichwort, das, summa summarum, die jahrzehntealten faulen Gesch&auml;ftspraktiken hinter dem Vorhang von Chiles Legalit&auml;t zusammenfasst, jedoch seit Ausbruch der sozialen Proteste von der Regierung Pi&ntilde;era bis zum Erbrechen als Reizwort gegen die Protestbewegung verwendet wird: &ldquo;Pl&uuml;nderer&rdquo;.<\/p><p>Die Netzwerke der Macht in Chile sind zwar eng gestrickt, komplex und werden verheimlicht. Das hinderte die Publizistin und Tr&auml;gerin des Nationalpreises f&uuml;r Journalismus, Mar&iacute;a Olivia M&ouml;nckeberg, nicht daran, sie zu entschl&uuml;sseln und ihr Vorgehen als Modus Operandi und Logik des seit &uuml;ber 40 Jahren herrschenden neoliberalen Systems zu erkl&auml;ren. Ihr im Jahr 2001 erschienenes und 2015 von Random House (Bertelsmann) als Taschenbuch neu herausgegebenes Forschungswerk &ldquo;El Saqueo&rdquo; (Die Pl&uuml;nderung &ndash; siehe Buchcover) rekonstruiert, wie unter dem Druck der Chicago Boys gegen Ende der Pinochet-Diktatur mindestens 37 gro&szlig;e, staatseigene Unternehmen privatisiert, zu Preisen weit unter dem Marktwert gekauft wurden und &ndash; vornehm, akademisch ausgedr&uuml;ckt &ndash; Ausgangspunkt der &ldquo;urspr&uuml;nglichen Akkumulation&rdquo; von Chiles Eliten bilden.<\/p><div style=\"float:right;margin: 0 15px 15px;width: 200px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191205-Chile-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Nach Sch&auml;tzungen des Forschungsinstituts f&uuml;r st&auml;dtische Marginalit&auml;t der Katholischen Universit&auml;t Chile summierten sich diese dubiosen Gesch&auml;fte auf <a href=\"https:\/\/www.elmostrador.cl\/destacado\/2019\/11\/28\/los-saqueos-de-la-elite\/\">nicht weniger als 23,3 Milliarden US-Dollar<\/a>. Ein Schaden am chilenischen Staat und seinen B&uuml;rgern &ndash; die mit ihren Steuerzahlungen den Aufbau dieser Betriebe jahrzehntelang finanziert hatten &ndash; den die mehrfache Autorin und heutige Hochschulprofessorin nicht zu Unrecht als skrupellose <em>Pl&uuml;nderung<\/em> bezeichnet.<\/p><p>Dazu kamen in den fr&uuml;hen Jahren der Demokratisierung neue Formen des Beutezugs gegen Staat und Bev&ouml;lkerung, wie zum Beispiel Kartellabsprachen von Gro&szlig;unternehmen in der Ern&auml;hrungs-, Papierherstellungs- und Apothekenbranche. In der Zeit von 1996 bis 2011 formierte sich zum Beispiel ein Kartell f&uuml;r H&uuml;hnerfleisch, zwischen 2000 und 2011 oktroyierte eine Handvoll von Toilettenpapier-Herstellern den Chilenen ein abgesprochenes Preisdiktat und monopolartige Apotheken-Unternehmen beuten seit 2007 die K&auml;ufer von Medikamenten &ndash; selbst im Vergleich mit Preisen in der Europ&auml;ischen Union &ndash; mit bis zu 400-prozentigen Aufpreisen aus. Nach zus&auml;tzlichen Sch&auml;tzungen des erw&auml;hnten Forschungsinstituts beliefen sich die Gewinne dieser gesetzeswidrigen Absprachen auf mindestens 1,7 Milliarden US-Dollar.<\/p><p>Doch es blieb nicht dabei. Steuerhinterziehung brachte den Staat um weitere zig Milliarden US-Dollar. &bdquo;In Chile herrscht keine Hinterziehung, wir sind doch nicht Argentinien oder Brasilien. Hier wird das Gesetz respektiert&ldquo;, hei&szlig;t es seit Jahrzehnten im offiziellen Unternehmer-Credo. Jorge Atria vom Zentrum f&uuml;r Wirtschafts- und Sozialpolitik der Universidad Mayor (CEAS) widerlegte den Mythos <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/03906701.2019.1532653\">in einer Studie<\/a> mit dem Titel &ldquo;Legalismus und Kreativit&auml;t: Steuervergehen in den Augen der Wirtschaftselite&rdquo;. Die Nuance, die der (Schein-)&Uuml;berzeugung eine Wendung verleiht, ist die Akzeptanz der landes&uuml;blichen &ldquo;Schlauheit&rdquo; und &ldquo;Schlitzohrigkeit&rdquo; bei Umgehung der Steuerpflicht bei allen von Atria Befragten.<\/p><p>Mit dem Ziel der Steuerhinterziehung lie&szlig;en sich die chilenischen Eliten neben der Flucht nach Steueroasen den erfolgreichen Trick des Aufkaufs von Konkurs betroffenen und bankrotten Unternehmen einfallen, um damit angebliche &ldquo;Verluste&rdquo; anzumelden. So entstanden die sogenannten &ldquo;Zombie&rdquo;-Firmen. Nach Angaben der Finanzbeh&ouml;rde SII (2019) haben die Zombies von Chiles Familienunternehmen und Clans allein im Zeitraum 1996-2004 Steuern im Wert von <a href=\"https:\/\/www.elmostrador.cl\/destacado\/2019\/11\/28\/los-saqueos-de-la-elite\/\">1,45 Milliarden Dollar hinterzogen<\/a>; allen voran Staatspr&auml;sident Sebastian Pi&ntilde;era.<\/p><p><strong>Die unsaubere Weste Sebastian Pi&ntilde;eras<\/strong><\/p><p>Dass das 2019 <a href=\"https:\/\/www.forbes.com\/profile\/sebastian-pinera\/\">auf 2,8 Milliarden US-Dollar angestiegene Verm&ouml;gen<\/a> des amtierenden Staatschefs nicht auf einwandfreiem, legalem Weg erwirtschaftet wurde, dokumentiert ein weiteres, 2017 erschienenes Buch &uuml;ber die dreisten Freiheiten von Chiles Ein-Prozent-Elite mit dem Titel &ldquo;&ldquo;Empresarios Zombis&rdquo; (&ldquo;Zombie-Unternehmer). Dessen Inhalt st&ouml;rt Sebastian Pi&ntilde;era nach wie vor &uuml;ber die Ma&szlig;en, weist das Buch doch nach, dass der schlitzohrige Unternehmer allein zwischen 2000 und 2004 mit seinen Zombiefirmen Steuern in H&ouml;he von mindestens 3,5 Millionen US-Dollar hinterzog. Laut Finanzbeh&ouml;rde SII meldete Pi&ntilde;eras Kreditkarten-Unternehmen Inversiones Bancard Ltda. zwischen 2002 und 2004 Verluste in H&ouml;he von 980 Millionen chilenischer Pesos, die Beh&ouml;rde stellte jedoch dementgegen <a href=\"https:\/\/ciperchile.cl\/2017\/03\/17\/las-empresas-zombis-que-compro-pinera-para-ahorrar-millones-en-impuestos\/\">Gewinne in H&ouml;he von 547 Millionen Pesos<\/a> fest. F&uuml;r die illegale Praxis wurde Pi&ntilde;era von der satirischen Wochenzeitschrift <em>The Clinic<\/em> als der <a href=\"https:\/\/www.theclinic.cl\/2017\/11\/09\/pinera-rey-zombi\/\">&ldquo;Zombie-K&ouml;nig&rdquo;<\/a> ironisiert.<\/p><p>Selbst die Zombie-Scheinunternehmen beiseitegelassen, weist das Strafregister des ultrakonservativen Staatschefs Verstrickungen in mindestens acht weiteren F&auml;llen (Banco de Talca, Pi&ntilde;eragate, Fall Chispas, Parque Tantauco, Fluglinie LAN, Interessenkonflikte bei Minister-Ernennung, Kupfermine Isla Riesco, Devisenflucht nach karibischen Steueroasen und Verm&ouml;gensverheimlichung) nach, die von der Nutzung von Insider-Informationen, Nepotismus und illegaler Landaneignung &uuml;ber Korruption bis hin zu schwerem Bankbetrug reichen.<\/p><p>Der zum Skandal ausgeuferte Fall Banco de Talca f&uuml;hrte 1982 zu Pi&ntilde;eras Verhaftung und gipfelte in der politischen Erpressung der Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs, Monica Madariaga, zur Freilassung des jungen Managers, der mit Hilfe des CIA &ndash; als dessen Agent sein Vater in Chile agierte &ndash; f&uuml;r die Dauer eines Jahres au&szlig;er Landes gebracht wurde, bis das Verfahren eingestellt wurde. Seitdem galten die Gerichtsakten &uuml;ber den Fall als &ldquo;verschollen&rdquo;, wurden jedoch 2009 gezielt den Medien wieder zugespielt. Der Fall wurde 2009 von der chilenischen Niederlassung von CNN <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VIRZGvo8H5o\">wieder aufgerollt<\/a>, als die pensionierte Richterin Madariaga nach 27-j&auml;hrigem Schweigen zum ersten Mal &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde des Falls Pi&ntilde;era <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_E0nWs9OfbU\">&ouml;ffentlich auspackte<\/a>.<\/p><p>Zusammengefasst spielte Pi&ntilde;era die folgende Rolle. Im Jahr 1979 erwarb die Calaf-Danioni-Gruppe 65 Prozent der Anteile an der ehemals staatlichen Banco de Talca. Carlos Massad wurde zum Pr&auml;sidenten der Bank und Sebasti&aacute;n Pi&ntilde;era zum Generaldirektor ernannt, der im November 1980 von Emiliano Figueroa Sandoval abgel&ouml;st wurde. Die Calaf-Danioni-Gruppe bestand jedoch aus mehr als 80 Einzelunternehmen, von denen die Mehrheit hoch verschuldet war und die gesetzlich zul&auml;ssige Verschuldungsgrenze &uuml;berstieg.<\/p><p>Pi&ntilde;era t&uuml;ftelte einen gewagten Trick aus: Scheinunternehmen zu gr&uuml;nden, auf die die Schulden abgew&auml;lzt und heimlich kassiert werden konnten. Der von Pi&ntilde;era ausgeheckte Betrug umfasste 150 Scheinfirmen mit der &ldquo;Kreditvergabe&rdquo; von 200 Millionen US-Dollar, die die <a href=\"http:\/\/www.allendevive.cl\/index.php\/10-destacado\/182-el-desfalco-del-banco-de-talca-o-como-pinera-se-hizo-millonario-robando\">Eigenreserven um das F&uuml;nffache &uuml;berstiegen<\/a>. Das Kreditinstitut ging bankrott, das Finanzministerium Pinochets befehligte seine Schlie&szlig;ung.<\/p><p>Im Anschluss daran wurden mehrere Kontrolleure der Bank wegen Betrugs und Verst&ouml;&szlig;en gegen das allgemeine Bankengesetz angeklagt. Miguel Calaf und Alberto Danioni wurden im Juli 1982 festgenommen. Im darauffolgenden August wurden Sebasti&aacute;n Pi&ntilde;era, Carlos Massad und Emiliano Figueroa Sandoval verhaftet, doch ihre Haftbefehle wurden bereits am 20. September vom Obersten Gerichtshof aufgehoben und das Verfahren auf unerkl&auml;rliche Weise eingestellt.<\/p><p>Mit dem Banco-de-Talca-Betrug begann jedenfalls Sebastian Pi&ntilde;eras Aufstieg zum Milliard&auml;r.<\/p><p>Titelbild: Gabriel_Ramos\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Teil 2: Der Raubzug des Establishments.<\/strong> Mit Umfragewerten von 4,6 Prozent auf dem <a href=\"https:\/\/cambio21.cl\/politica\/para-no-creerlo-encuesta-independiente-que-no-es-cadem-seala-que-la-aprobacin-de-piera-llega-a-slo-al-4-6-5de4fe56cd49b076dc335f55\">niedrigsten Stand seiner Popularit&auml;t<\/a> &ndash; die jeden realistischen Staatschef zur Einsicht seines Scheiterns und zum freiwilligen R&uuml;cktritt bewegen w&uuml;rden &ndash; versucht der chilenische Pr&auml;sident Sebastian Pi&ntilde;era aus der Niederschlagung und Kriminalisierung der seit dem 18. 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