{"id":56916,"date":"2019-12-08T11:45:34","date_gmt":"2019-12-08T10:45:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56916"},"modified":"2019-12-10T07:29:20","modified_gmt":"2019-12-10T06:29:20","slug":"tier-cafes-kuschelroboter-klimawandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56916","title":{"rendered":"Tier-Caf\u00e9s &#8211; Kuschelroboter &#8211; Klimawandel"},"content":{"rendered":"<p>Immer mehr Japaner suchen zum Stress-Abbau oder zur Bek&auml;mpfung ihrer Einsamkeit ein Tier-Caf&eacute; auf, um f&uuml;r 30 Minuten ein Mini-Schwein zu knuddeln. Daf&uuml;r m&uuml;ssen sie umgerechnet 25 Euro hinlegen. Man kann w&auml;hlen, ob man einen Otter, einen Igel, ein Ferkel, eine Katze, einen Hund oder eine Eule streicheln m&ouml;chte. Die Tiere arbeiten rund um die Uhr im Schichtdienst. Nach stundenlangem Dienst am Kunden d&uuml;rfen die Tiere sich in einem Ruheraum erholen, w&auml;hrend ihre Kollegen ranm&uuml;ssen. Tiersch&uuml;tzer sehen in diesem Gesch&auml;ft eine grobe Tierqu&auml;lerei und einen Missbrauch. Die Branche boomt und setzt pro Jahr circa 25 Millionen Euro um. Deswegen ist damit zu rechnen, dass die guten Argumente der Tiersch&uuml;tzer nicht verfangen. Notizen und Beobachtungen von <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8527\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-56916-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191209_Tier_Cafes_Kuschelroboter_Klimawandel_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191209_Tier_Cafes_Kuschelroboter_Klimawandel_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191209_Tier_Cafes_Kuschelroboter_Klimawandel_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191209_Tier_Cafes_Kuschelroboter_Klimawandel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=56916-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191209_Tier_Cafes_Kuschelroboter_Klimawandel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191209_Tier_Cafes_Kuschelroboter_Klimawandel_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In Japan sorgt derzeit noch eine andere Entwicklung f&uuml;r Schlagzeilen. Das Ph&auml;nomen der &bdquo;Hikikomori&ldquo; entwickelt sich zu einer Massenbewegung, wobei der Begriff Bewegung in diesem Fall unangemessen ist. Denn &bdquo;Hikikomori&ldquo; ziehen sich aus der Gesellschaft zur&uuml;ck und schlie&szlig;en sich zu Hause ein. Eine Bewegung von lauter anomisch Vereinsamten ist schwer vorstellbar. Ihre Zahl wird auf mehr als eine Million gesch&auml;tzt. Wir haben es mit einer extremen Zuspitzung einer Vereinsamungstendenz zu tun, die dieser Gesellschaft innewohnt und die durch &bdquo;Hikikomori&ldquo; zur Kenntlichkeit gebracht wird. Der Markt zerlegt die Gesellschaft in soziale Atome. Am Ende besteht die b&uuml;rgerliche Gesellschaft aus lauter &bdquo;vereinzelten Einzelnen&ldquo; (Karl Marx), die sich in ihre Wohnschachteln zur&uuml;ckziehen. Die sogenannte Digitalisierung wird diese Tendenz eher noch forcieren. Alle sind gut vernetzt, aber einsam.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Hierzulande kann man sich neuerdings Menschen zum Kuscheln mieten. Eine Stunde kostet 70 Euro. Angebote kann man auf der Website <em>Die Kuschel Kiste<\/em> finden. &bdquo;Kuscheln tut Seele und K&ouml;rper gut. Aus diesem Grund bieten wir unseren Kuschelservice an&ldquo;, erf&auml;hrt man dort. Die Betreiber k&ouml;nnen sich auf die Wissenschaft berufen, die nachgewiesen hat, dass Kuscheln den Menschen guttut. Wer viel kuschelt, hat ein gutes Immunsystem. Warum also &uuml;bernehmen die Krankenkassen nicht die Kosten f&uuml;r ein w&ouml;chentliches Kuscheln, die gemessen an den Folgekosten von chronischem Ber&uuml;hrungsmangel relativ gering sind?<\/p><p>Man wei&szlig; seit langem, dass Kinder, die in Waisenh&auml;usern aufwachsen, Gefahr laufen, in den ersten Lebensjahren zu sterben. Sie sterben trotz ausreichender Versorgung mit Essen und Trinken &ndash; an emotionaler Unterern&auml;hrung und einem Mangel an Ber&uuml;hrung. Wenn sie dennoch &uuml;berleben, haben sie oft ihr Leben lang k&ouml;rperliche und geistige Beeintr&auml;chtigungen zu ertragen. Erwachsene, die keinen K&ouml;rperkontakt haben, leiden h&auml;ufiger unter psychosomatischen und psychischen Krankheiten, zum Beispiel unter Depressionen. Einsamkeit macht krank, manche halten sie selbst f&uuml;r eine Krankheit.<\/p><p>Wie wichtig K&ouml;rperkontakt ist, versuchte der amerikanische Psychologe Harlow bereits in den 1950er Jahren in einer ganzen Serie von Experimenten mit Rhesus-Affen nachzuweisen. Er trennte die &Auml;ffchen unmittelbar nach der Geburt von ihren M&uuml;ttern. Als Ersatz bekamen sie eine Milch spendende &bdquo;Drahtmutter&ldquo; &ndash; ein Drahtgestell mit einer Milchflasche &ndash; und eine &bdquo;Handtuchmutter&ldquo; &ndash; ein mit Frottee-Stoff &uuml;berzogenes Drahtgestell &ndash; das dar&uuml;ber hinaus einen gesichts&auml;hnlichen Kopf besa&szlig;. Harlow beobachtete das Verhalten der Rhesus&auml;ffchen und stellte fest, dass diese sich fast ausschlie&szlig;lich bei der &bdquo;Handtuchmutter&ldquo; aufhielten und nur zum Trinken zur Drahtmutter wechselten. Offenbar war ihnen der K&ouml;rperkontakt zumindest gleich wichtig, wenn nicht wichtiger als die blanke k&ouml;rperliche Ern&auml;hrung.<\/p><p>Immer wieder frage ich mich, warum man Experimente ben&ouml;tigt, um etwas zu &bdquo;beweisen&ldquo;, auf das man auch durch mit Empathie angereichertes Denken kommen kann. Aber so funktioniert nun mal die Wissenschaft: Was nicht durch beliebig reproduzierbare Experimente nachgewiesen und messbar ist, findet keine Anerkennung.<\/p><p>Ber&uuml;hrung und K&ouml;rperkontakt ist ein menschliches Grundbed&uuml;rfnis und, wie wir gesehen haben, f&uuml;r die Aufrechterhaltung der leib-seelischen Gesundheit mindestens so wichtig wie eine halbwegs vern&uuml;nftige Ern&auml;hrung und Bewegung. Bleibt nat&uuml;rlich die Frage: Was ist das f&uuml;r eine Gesellschaft, die das N&auml;hebed&uuml;rfnis zur Ware macht und durch bezahlte Dienstleister befriedigen m&ouml;chte? Und: Lassen sich N&auml;he und Ber&uuml;hrung in bezahlte Dienstleistungen verwandeln, ohne sie in ihrer Substanz zu besch&auml;digen? F&uuml;r Ber&uuml;hrung gilt, was Theodor W. Adorno in seinem Vortrag <em>Erziehung nach Auschwitz<\/em> &uuml;ber Liebe und W&auml;rme gesagt hat:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Aufforderung, den Kindern mehr W&auml;rme zu geben, dreht die W&auml;rme k&uuml;nstlich an und negiert sie dadurch. &Uuml;berdies l&auml;sst sich in beruflich vermittelten Verh&auml;ltnissen wie dem von Lehrer und Sch&uuml;ler, von Arzt und Patient, von Anwalt und Klient Liebe nicht fordern. Sie ist ein Unmittelbares und widerspricht wesentlich vermittelten Beziehungen. Der Zuspruch zur Liebe &ndash; wom&ouml;glich in der imperativischen Form, dass man es soll &ndash; ist selbst Bestandst&uuml;ck der Ideologie, welche die K&auml;lte verewigt. Ihm eignet das Zwanghafte, Unterdr&uuml;ckende, das der Liebesf&auml;higkeit entgegenwirkt. Das erste w&auml;re darum, der K&auml;lte zum Bewusstsein ihrer selbst zu verhelfen, der Gr&uuml;nde, warum sie wurde.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die entfaltete Tauschgesellschaft betreibt einen zeitgem&auml;&szlig;en Midas-Kult. Dem antiken phrygischen K&ouml;nig Midas, dem Dionysos den Wunsch gew&auml;hrte, dass alles, was er ber&uuml;hrte, zu Gold werde, wurde seine Gier fast zum Verh&auml;ngnis, weil er buchst&auml;blich zu verhungern drohte. Die kapitalistische Gesellschaft basiert darauf, das Habenwollen als Ersatz f&uuml;r all das anzubieten, wonach noch nicht g&auml;nzlich zerst&ouml;rte und desensibilisierte Menschen sich sehnen: N&auml;he zu und einen solidarischen Umgang mit anderen Menschen, eine sinnstiftende T&auml;tigkeit und die Gelegenheit, sich als jemand zu erleben, der sich entfalten und seine noch nicht gelebten M&ouml;glichkeiten entwickeln kann. In der Gesellschaft des losgelassenen Marktes, die den Tauschwert noch zur Leitw&auml;hrung der menschlichen Intimit&auml;t erhebt und alles nach seinem &ouml;konomischen Wert und seiner N&uuml;tzlichkeit beurteilt, drohen die Menschen schlie&szlig;lich am Befriedigungsersatz des Habens zu ersticken. Alles ist Zichorie und rutscht in die Funktionale. Allenthalben herrschen ungelebtes Leben und &bdquo;wunschloses Ungl&uuml;ck&ldquo; (Peter Handke).<\/p><p>Wie gekaufte Liebe keine Liebe ist, so sind auch die von einer Servicekraft verabreichten Streicheleinheiten etwas anderes als z&auml;rtliche Ber&uuml;hrungen zwischen Liebenden. Ob K&ouml;rper sich derart &uuml;berlisten und betr&uuml;gen lassen? In Japan ist man bereits einen Schritt weitergegangen und hat einen Kuschel-Roboter entwickelt, der in Altersheimen und in der Therapie von Demenzkranken zum Einsatz kommt. Es handelt sich im Grunde um Weiterentwicklungen der mit Stoff bezogenen Drahtm&uuml;tter Harlows. Man hat herausgefunden, dass Roboter von Menschen dann eher akzeptiert werden, wenn sie m&ouml;glichst menschen&auml;hnlich aussehen und &bdquo;Gesichter&ldquo; haben, auf denen Gef&uuml;hlszust&auml;nde dargestellt werden k&ouml;nnen. Auch hierzulande wird in Kliniken und Pflegeheimen bereits mit solchen Robotern experimentiert. Hoffentlich komme ich nie in eine Lage, die mich meine W&uuml;rde verlieren l&auml;sst und mich zwingt, mich im Gruppenraum eines Altersheims von einem Roboter zu irgendwelchen M&auml;tzchen animieren zu lassen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Barbara Sch&ouml;neberger berichtete unl&auml;ngst in einer Talkshow, sie lasse sich im Flugzeug den Kaffee in einem von ihr mitgef&uuml;hrten Porzellanbecher servieren. Sie erz&auml;hlte das, um zu demonstrieren, dass auch sie am Kampf gegen den Klimawandel teilnimmt. Eine Kreuzfahrtlinie r&uuml;hmt sich, an Bord keine Trinkhalme aus Plastik mehr auszugeben und veganes Essen anzubieten. Merken diese Leute denn gar nichts mehr? Das ist ja noch nicht einmal Symbolpolitik, das ist einfach nur der peinliche Versuch, sich zum Zweck der Imagepflege an einen &ouml;kologischen Zeitgeist anzuwanzen.<\/p><p>Immerhin verzichtet der Hessische Rundfunk dieses Jahr auf seine Aktion <em>Christmas Shopping in New York<\/em>. Letztes Jahr hatte ich den Sender <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47854\">an dieser Stelle<\/a> daf&uuml;r kritisiert, in der Vorweihnachtszeit unter seinen H&ouml;rerinnen und H&ouml;rern eine Flugreise nach New York zu verlosen, w&auml;hrend im polnischen Katowice auf der Weltklimakonferenz dar&uuml;ber beraten wurde, welche Ma&szlig;nahmen ergriffen werden m&uuml;ssten, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. Das schien mir nachgerade pervers. Dieses Jahr hat man die Zuh&ouml;rerinnen und Zuh&ouml;rer von hr3 abstimmen lassen, und diese haben mit knapper Mehrheit gegen diesen Irrsinn votiert. Was h&auml;tte der Sender getan, wenn die Mehrheit daf&uuml;r gestimmt h&auml;tte? Ist es demokratisch, wenn man sich der Unvernunft und unaufgekl&auml;rten Dummheit der Mehrheit beugt?<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Die Fixierung der gegenw&auml;rtigen Debatten auf den durch CO2-Aussto&szlig; verursachten &bdquo;Klimawandel&ldquo; r&uuml;ckt das Problem, vor dem die Menschheit steht, in den Bereich des technisch Regel- und Machbaren. Deswegen genie&szlig;en er und die Bewegungen, die sich an ihm festmachen, gegenw&auml;rtig eine derart gro&szlig;e Aufmerksamkeit und Beliebtheit. Die jungen Leute von <em>Fridays for Future<\/em> werden von Teilen der herrschenden Klasse hofiert, ja geradezu umarmt. Sie m&uuml;ssen aufpassen, dass sie sich nicht vor ihren Karren spannen lassen. Deren Interesse besteht darin, eine Bewegung zu st&auml;rken, die sich in immanenter und realit&auml;tsgerechter Emp&ouml;rung ersch&ouml;pft: Wir m&uuml;ssen nur auf E-Mobilit&auml;t umr&uuml;sten, und schon kann alles so weitergehen wie gehabt. Wir m&uuml;ssen nichts an unserer Art zu produzieren und das Produzierte zu konsumieren &auml;ndern, wir m&uuml;ssen nichts an unserem Naturbezug &auml;ndern und vor allem m&uuml;ssen wir die Eigentumsverh&auml;ltnisse nicht antasten. Mit all dem hat der Klimawandel nichts zu tun. Jonathan Franzen hat in seiner Essay-Sammlung <em>Das Ende vom Ende der Welt<\/em> geschrieben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Klimawandel hat viel mit dem &ouml;konomischen System gemein, das ihn beschleunigt. &hellip; Er harmonisiert auch prima mit der Technologieindustrie, indem er die Vorstellung bef&ouml;rdert, dass allein die Technik, sei es durch die Effizienz des Fahrdienstvermittlers Uber, sei es durch einen Geniestreich des Geo-Engineering, das Problem der Treibhausgase l&ouml;sen kann. Als Narrativ ist der Klimawandel fast so simpel wie &sbquo;M&auml;rkte sind effizient&lsquo;. Was erz&auml;hlt wird, braucht weniger als hundertvierzig Zeichen: Wir nehmen CO2, das zuvor gebunden war, und pumpen es in die Atmosph&auml;re, und wenn wir nicht damit aufh&ouml;ren, stecken wir in der Schei&szlig;e. Naturschutz dagegen ist romanhaft.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mit einem Terminus von Michel Foucault k&ouml;nnte man sagen: Das Konzept &bdquo;Klimawandel&ldquo; ist ein &bdquo;Dispositiv der Macht&ldquo;, das dem Versuch dient, die durch das Raubbauverh&auml;ltnis des Kapitals zur inneren und &auml;u&szlig;eren Natur ausgel&ouml;sten Selbstzerst&ouml;rungsprozesse des industriell-kapitalistischen Systems auf eine Weise zu stoppen, die den Fortbestand des Systems nicht gef&auml;hrdet. Deswegen ist es wesentlich, den braven, gr&uuml;nen Teil der Protestbewegung vom radikalen, antikapitalistischen Teil zu trennen, jenen zu hofieren und zu p&auml;ppeln, diesen zu bek&auml;mpfen und wenn n&ouml;tig zu kriminalisieren. Das Kapital bedient sich gelegentlich oppositioneller Bewegungen, um eine neue Stufe seiner Entwicklung zu erklimmen. Um das Ganze zu retten, m&uuml;ssen Teile geopfert werden.<\/p><p>Der Umstieg der kapitalistischen Produktionsweise von fossilen Energietr&auml;gern auf erneuerbare st&ouml;&szlig;t auf Widerst&auml;nde im eigenen Lager und kann deshalb nur durchgesetzt werden, wenn er sich auf Bewegungen und politische Kr&auml;fte st&uuml;tzen kann, die diesen Umbau propagieren, ohne die Markt- und Kapitallogik als Ganze in Frage zu stellen. Diese politische Kraft ist die Partei <em>Die Gr&uuml;nen<\/em>. Die <em>Fridays-for-Future<\/em>-Bewegung n&auml;hme ihre Zerschlagung in eigene Regie, wenn sie sich als deren au&szlig;erparlamentarischer Arm verst&uuml;nde und sich in ihren Zielsetzungen entsprechend begrenzen und verharmlosen lie&szlig;e.<\/p><p>Im Sinne Jonathan Franzens umfasst wahrhafter Naturschutz also weit mehr als &bdquo;Klimawandel&ldquo;. Er schlie&szlig;t die weltweite Abholzung der W&auml;lder und die industrialisierte Landwirtschaft, die Zerst&ouml;rung der Habitate, das Auspl&uuml;ndern der Fischgr&uuml;nde und Grundwasserleiter, den Einsatz von Pestiziden und den Plastikm&uuml;ll, die Verbreitung invasiver Arten mit ein. Das Elend der Wildv&ouml;gel und der zum Schlachtvieh und zur Ressource denaturierten Tiere schreit zum Himmel. Der Mensch steht mittels kapitalfixierter Technik, Wissenschaft und Industrie &bdquo;in der Natur wie eine Besatzungsarmee im Feindesland&ldquo;, hei&szlig;t es bei Ernst Bloch. Es ginge darum, diese Armee abzuziehen, radikal abzur&uuml;sten und unser Verh&auml;ltnis zur Natur auf eine andere, konviviale Grundlage zu stellen. Wir ben&ouml;tigen eine qualitativ andere Gesellschaft, einen Sozialismus der Verlangsamung, der Entbrutalisierung des Umgangs zwischen Mensch und Natur, der an die Stelle der wildgewordenen betriebswirtschaftlichen &Ouml;konomie eine &bdquo;&Ouml;konomie des ganzen Hauses&ldquo; (Negt) setzt. Deren Rationalit&auml;tskriterien w&auml;ren nicht l&auml;nger der Markt- und Kapitallogik entnommen, sondern sie bez&ouml;ge ihre Kriterien aus den Maximen einer sinnlichen und &ouml;kologischen Vernunft. Noch nie war es so dringlich, dass eine zur Vernunft gekommene Menschheit die Kontrolle &uuml;ber die &ouml;konomischen Prozesse zur&uuml;ckgewinnt, diese in eine lebendige Gesellschaftlichkeit einbindet und vern&uuml;nftigen Zielen unterstellt.<\/p><p>Titelbild: Vova Shevchuk\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Japaner suchen zum Stress-Abbau oder zur Bek&auml;mpfung ihrer Einsamkeit ein Tier-Caf&eacute; auf, um f&uuml;r 30 Minuten ein Mini-Schwein zu knuddeln. Daf&uuml;r m&uuml;ssen sie umgerechnet 25 Euro hinlegen. Man kann w&auml;hlen, ob man einen Otter, einen Igel, ein Ferkel, eine Katze, einen Hund oder eine Eule streicheln m&ouml;chte. 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