{"id":5695,"date":"2010-05-28T17:24:46","date_gmt":"2010-05-28T15:24:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5695"},"modified":"2014-03-05T11:49:52","modified_gmt":"2014-03-05T10:49:52","slug":"rbb-manipuliert-mit-miegels-hilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5695","title":{"rendered":"rbb manipuliert mit Miegels Hilfe"},"content":{"rendered":"<p>Bisher hatte ich geglaubt, der Wahnsinn finde irgendwo eine Grenze. Es stimmt nicht. Gestern lief im ARD Magazin Kontraste ein Beitrag, der das Ma&szlig; zugleich an Ignoranz wie auch an faktischer Manipulation noch einmal steigerte. Der Titel <a href=\"http:\/\/www.rbb-online.de\/kontraste\/archiv\/konraste_vom_27_05\/wachstum_ade___wo.html\">&ldquo;Wachstum ade &ndash; Wo und wie muss Deutschland sparen?&rdquo;<\/a> l&auml;sst ahnen, wohin der Hase l&auml;uft: Propaganda f&uuml;r die weitere Verarmung des Staates und des Volkes gepaart mit der Ignoranz f&uuml;r die Gefahr verst&auml;rkter Arbeitslosigkeit und Deflation. N&auml;heres gleich. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nZun&auml;chst: Wir sind auf diesen Beitrag im ARD Magazin Kontraste von mehreren NDS-Nutzern aufmerksam gemacht worden. Einen Leserbrief mit einigen wichtigen Anmerkungen finden Sie in Anlage 1. In Anlage 2  findet sich ein Leserbrief von Roger Strassburg an die New York Times zur Spardebatte. <\/p><p><strong>Zum Beitrag mit Meinhard Miegel in Kontraste nun einige Hinweise:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Im Beitrag wird eine Art Schrumpfkurs empfohlen. Wenn wir dies tun, dann werden wir de facto als Volkswirtschaft nicht sparen, sondern immer mehr Schulden anh&auml;ufen. Wir haben in den NachDenkSeiten schon sehr oft auf die Tatsache hingewiesen, dass in solchen Erg&uuml;ssen einzelwirtschaftliches Denken auf die Volkswirtschaft &uuml;bertragen wird. Die Sparabsicht reicht nicht, um volkswirtschaftlich einen Sparerfolg zu erzielen. Man kann heute schon mit Sicherheit voraussagen, dass ein wirtschaftspolitischer und finanzpolitischer Kurs im Sinne von RBB und Miegel nur noch mehr Schulden erzeugen wird. In diesem Zusammenhang verweise ich zum x-ten Mal auf eine Grafik:\n<p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/100528_anstieg_gesamtverschuldung.gif\" alt=\"Grafik: Anstieg der Gesamtverschuldung - 1988 - 2005\" title=\"Anstieg der Gesamtverschuldung - 1988 - 2005\"><\/p>\n<p>Daraus geht eindeutig hervor, dass in Deutschland immer nur dann angefangen werden konnte, den Schuldenzuwachs zu stoppen, wenn die Konjunktur und damit auch das Wachstum angeschoben wurde. Das ist f&uuml;r die Jahre 1988 und 89 erkennbar, dann wieder f&uuml;r die Zeit 1997-2000. Auch die geringere Zunahme der Schulden nach 2004 &ndash; Steinbr&uuml;cks angeblicher gro&szlig;er Erfolg &ndash; verdankten wir der leicht besseren konjunkturellen Entwicklung. In Deutschland sind konjunkturelle Belebungen immer wieder abgebrochen worden. Das ist das eigentliche Elend.<br>\nIm Beitrag von Kontraste wird die Standardformel &bdquo;Konjunkturprogramme auf Pump&ldquo; beziehungsweise &bdquo;Wachstum auf Pump&ldquo; in die K&ouml;pfe geh&auml;mmert. Mit den Fakten hat das nichts zu tun. Um so wichtiger ist die h&auml;ufige Wiederholung der g&auml;ngigen L&uuml;ge.<\/p><\/li>\n<li>Die Abbildung zeigt zugleich eine der g&auml;ngigen Manipulationen von Personen vom Schlage Miegels: sie zeigt n&auml;mlich, dass der Schuldenzuwachs in Zeiten der deutschen Vereinigung besonders hoch war &ndash; im Jahr 1995, als die Treuhand in den Bundeshaushalt &uuml;bernommen wurde, allein 170 Milliarden Schuldenzuwachs. Dieser Schuldenzuwachs wird von Personen wie Miegel und dem Redakteur von Kontraste den siebziger Jahren und den Konjunkturprogrammen zugeschrieben &ndash; genauso wie man heute erfolgreich mit dem Versuch begonnen hat, die Belastung der Staatshaushalte durch die Bankenrettung ebenfalls Konjunkturprogrammen und der Ausgabenwut der &ouml;ffentlichen H&auml;nde zuzuschieben.<\/li>\n<li>Die Agitation wendet sich immer wieder gegen sozialstaatliche Elemente unseres Gemeinwesens. Die Siebzigerjahre mit einem beachtlichen Ausbau der Sozialleistungen (gleiches Kindergeld, flexible Altersgrenze, &Ouml;ffnung der gesetzlichen Rentenversicherung f&uuml;r Hausfrauen und Selbstst&auml;ndige, Vorsorgeuntersuchungen usw.) sind den neoliberalen Ideologen ein st&auml;ndiger Dorn im Auge. Deshalb kaprizieren sie sich in unendlichen Wiederholungsschleifen auf Attacken gegen die siebziger Jahren. In <a href=\"?page_id=4078\">&bdquo;Meinungsmache&ldquo;<\/a> ist diese Strategie wie auch die Strategie der Verarmung des Staates ausf&uuml;hrlich beschrieben und belegt.<\/li>\n<li>Die systematische Verarmung des Staates wird auch im Kontraste-Beitrag weiter betrieben. Das ist die gro&szlig;e Basisstrategie f&uuml;r die weitere Ausdehnung der Privatisierung &ouml;ffentlicher Einrichtungen und der sozialen Sicherungssysteme.<\/li>\n<li>Kontraste und Miegel machen auch in diesem St&uuml;ck den Versuch, den Menschen einzuh&auml;mmern, wir alle lebten &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse: alle Rentner, Arbeitnehmer, Menschen in Pflegeheimen und so weiter. Typisch ist folgende Passage:\n<p>Prof. Miegel:<\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Dann werden Einschnitte gemacht werden m&uuml;ssen, von denen sich die meisten heute noch keine Vorstellung machen k&ouml;nnen.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dann folgt die redaktionelle Erg&auml;nzung durch den Autor von Kontraste:<\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Massive K&uuml;rzungen der L&ouml;hne und Geh&auml;lter, etwa, K&uuml;rzungen der Renten, K&uuml;rzungen des Arbeitslosengeldes oder der Pflegeleistungen. F&uuml;r alle wird es nun hei&szlig;en: Abschied nehmen vom &bdquo;immer mehr&ldquo;, von liebgewonnenen materiellen Werten und Gewohnheiten, alle werden weniger haben.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>An dieser Passage kann man beispielhaft erkennen, dass solche so genannten Wissenschaftler und Redakteure nur in einer Welt der gestanzten Klischees leben. Der Redakteur hat mit hoher Wahrscheinlichkeit keinerlei Ahnung von der wirklichen Welt, zum Beispiel vom angeblichen &bdquo;immer mehr&ldquo; der Rentner, oder von der wirklichen Entwicklung der Reall&ouml;hne, n&auml;mlich einer Stagnation seit mindestens 15 Jahren.<br>\nIn dieser Welt, die heute meinungsbildend und damit entscheidungsbestimmend ist, kommt es nicht mehr auf Fakten an, sondern auf den nahtlosen Austausch der zitierten Klischees. Das ist eine extrem gef&auml;hrliche Entwicklung. Sie bringt uns immer weiter neue politische Fehlentscheidung und kostet uns ma&szlig;los viel Kraft.<\/p><\/li>\n<li>Miegels Wachstumskritik ist Teil einer clever ausgedachten Strategie dieses so genannten Wissenschaftlers. Dieser rechtskonservative Gr&uuml;nder von Instituten und unseri&ouml;sen Propagandaorganisationen hat sich offenbar zum Ziel gesetzt, sich in die Herzen und K&ouml;pfe wachstumskritischer, sogar linksliberaler Kreise einzuschleichen. F&uuml;r sie sind T&ouml;ne wie in dem Beitrag von Kontraste wie Balsam.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Anlage 1<\/strong><br>\nLeserbrief an Kontraste von Mario Simeunovic:<\/p><blockquote><p><strong>Meinhard Miegel ist kein Sozialwissenschaftler<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion, <\/p>\n<p>in Ihrem &ldquo;Kontraste&rdquo; Beitrag wird Herrn Meinhard Miegel gro&szlig;er Raum zu Verbreitung einiger fragw&uuml;rdiger Theorien zu Staatsverschuldung und Sozial- bzw. Lohnk&uuml;rzungen einger&auml;umt. Herr Miegel ist zun&auml;chst mal Jurist. Seine sozialwissenschaftliche Karriere verdankt er keiner eigenen Forschung sondern dem Einfluss der Politik. So ist er denn auch kein ordentlicher Professor, sondern Au&szlig;erordentlicher. Er war und ist ausnahmslos in Instituten t&auml;tig, die von privaten Geldgebern finanziert werden: beispielsweise Deutsche Bank und Axa-Versicherung, in deren Aufsichtsrat er auch sitzt. Er arbeitet weiterhin in Vereinen oder Konventen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Interessen der Finanzwirtschaft bspw. die private Altersversorgung unter dem Tarnm&auml;ntelchen einer &ldquo;B&uuml;rgerinitiative&rdquo; unter das Volk zu bringen. Wenn er bei Ihnen so vehement beklagen darf, dass &ldquo;wir&rdquo; &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse gelebt haben, dann geht es vor allem um Leute wie ihn. Er sorgt sich um die gro&szlig;en Geldverm&ouml;gen und deren Heranziehung zur Krisenbew&auml;ltigung. Deren Inhaber haben tats&auml;chlich von den Boomjahren insbesondere an den B&ouml;rsen profitiert. <\/p>\n<p>Unsere gigantischen Staatsschulden sind ein Ergebnis von Steuergeschenken f&uuml;r Besserverdienende, Unternehmen und von Hilfspaketen f&uuml;r Banken. Herr Miegel rechnet fest mit sozialen Unruhen infolge von Sozial- und Lohnk&uuml;rzungen, die er f&uuml;r unausweichlich h&auml;lt, im Gegensatz zur finanziellen Beteiligung seiner privatwirtschaftlichen Auftraggeber. Wenn er dann gleichzeitig auch noch eine Konjunkturf&ouml;rderung anprangern darf, die mit vergleichsweise bescheidenen Mittel f&uuml;r eine fragile Stabilit&auml;t der Konjunktur sorgt, dann wird ihr Bericht vollends unsachlich, propagandistisch und letztlich unverantwortlich. Daneben treibt es mir den Zorn auf die Stirn, wenn ein Banken- und Versicherungslobbyist seine Propaganda der sozialen Spaltung mit Hilfe von &ouml;ffentlich-rechtlichen Zwangsbeitr&auml;gen den Opfern der Finanzwirtschaft nahe bringen darf. <\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nMario Simeunovic<\/p><\/blockquote><p><strong>Anlage 2 <\/strong><br>\n<strong>Leserbrief Roger Strassburg an New York Times:<\/strong><\/p><p>Zu&auml;chst die Mail an die NDS:<\/p><blockquote><p>Anbei ein Leserbrief von mir an die NYT zum <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2010\/05\/27\/opinion\/27thu1.html?ref=opinion\">folgenden Beitrag<\/a>. Mein Leserbrief gilt eigentlich nicht dem Beitrag selbst, sondern den Kommentaren dazu, die fast ausschlie&szlig;lich die Tugendhaftigkeit des Sparens betont haben &ndash; eine gro&szlig;e Anzahl der Kommentare nat&uuml;rlich aus Deutschland.<\/p>\n<p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nRoger<\/p><\/blockquote><p>Roger Strassburgs Leserbrief an die NYT:<\/p><blockquote><p>To the editor:<\/p>\n<p>Indeed, the real problem in Europe is Germany.&nbsp; I fear that many people won&rsquo;t get the point, though, as is evidenced by almost all of the readers&rsquo; comments to this editorial.<\/p>\n<p>Those who see Germany as virtuous due to its hard work and thrift, and other countries as fat, dumb and lazy, should consider this:&nbsp; Germany couldn&rsquo;t have run a trade surplus without other countries having run a deficit.<\/p>\n<p>It shouldn&rsquo;t be hard for people to understand that one country can&rsquo;t have a trade surplus unless some other country has a trade deficit, since one country can only export what another country imports.&nbsp; Spending and earning are the two sides of the same coin:&nbsp; you can&rsquo;t sell something unless somebody buys it, you can&rsquo;t earn unless someone else spends.&nbsp; In the world of macroeconomics, a penny saved is a penny not earned by someone else.&nbsp; If everyone saves, nobody earns.<\/p>\n<p>German politicians, economists and media seem to believe in a sort of &ldquo;immaculate consumption&rdquo;, where everybody produces and sells without anybody consuming.<\/p>\n<p>Germany became dominant in exports by impoverishing its workers.&nbsp; Official policy of recent German governments (both Schr&ouml;der and Merkel) has been to establish and expand a low-wage sector &ndash; a &ldquo;working poor&rdquo;.&nbsp; This has succeeded, to benefit of the export industry and at the expense of the domestic economy and imports.<\/p>\n<p>Germany has attained its current position via wage dumping, and now wants other countries to do the same.&nbsp; This is the same strategy that was employed by Heinrich Br&uuml;ning in Germany and Herbert Hoover in the U.S. in the 1930&rsquo;s, leading to the Great Depression and the rise of Hitler in Germany.<\/p>\n<p>Hoover later realized that this was the wrong policy.&nbsp; Br&uuml;ning never did.&nbsp; Most Germans didn&rsquo;t, either, and are in the process of making the same mistakes they did then &ndash; hopefully not with the same result.<\/p>\n<p>Regards,<br>\nRoger Strassburg<\/p>\n<p>About me:&nbsp; I&rsquo;m an American living in Germany.&nbsp; I came here in March, 1990, when Germany was moving toward reunification.&nbsp; I married here an 1992, my wife being from the former East Germany.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher hatte ich geglaubt, der Wahnsinn finde irgendwo eine Grenze. 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