{"id":57024,"date":"2019-12-11T12:38:19","date_gmt":"2019-12-11T11:38:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57024"},"modified":"2019-12-12T07:26:45","modified_gmt":"2019-12-12T06:26:45","slug":"finanztransaktionssteuer-a-la-scholz-kapitulation-vor-der-finanzlobby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57024","title":{"rendered":"Finanztransaktionssteuer \u00e1 la Scholz \u2013 Kapitulation vor der Finanzlobby"},"content":{"rendered":"<p>Nach achtj&auml;hriger Planung pr&auml;sentierte Bundesfinanzminister Olaf Scholz gestern stolz seinen Entwurf f&uuml;r eine Finanztransaktionssteuer, die k&uuml;nftig f&uuml;r zehn EU-Staaten gelten soll. Scholz&acute; Modell hat jedoch weder etwas mit der Idee noch dem Sinn einer Finanztransaktionssteuer zu tun und d&uuml;rfte die Finanzm&auml;rkte nicht sicherer, sondern sogar unsicherer machen. Der gro&szlig;e Gewinner ist die Finanzlobby, die dem Minister bei der Ausformulierung offenbar die Hand f&uuml;hrte. Ein gro&szlig;er Teil der Kritik am Scholz-Modell ist jedoch mindestens genauso fehlgeleitet wie die Steuer selbst. Wieder einmal wird der &bdquo;Kleinsparer&ldquo; instrumentalisiert, um die Interessen der Finanzkonzerne durchzusetzen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9201\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-57024-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191211_Finanztransaktionssteuer_a_la_Scholz_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191211_Finanztransaktionssteuer_a_la_Scholz_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191211_Finanztransaktionssteuer_a_la_Scholz_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191211_Finanztransaktionssteuer_a_la_Scholz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=57024-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191211_Finanztransaktionssteuer_a_la_Scholz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191211_Finanztransaktionssteuer_a_la_Scholz_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Ein Name f&uuml;r viele Modelle<\/strong><\/p><p>Es wird zwar viel &uuml;ber die Finanztransaktionssteuer gesprochen und geschrieben; eine klare Definition, was im Rahmen einer solchen Steuer wo und von wem besteuert werden soll und wof&uuml;r die Einnahmen verwendet werden sollen, gibt es jedoch nicht. Als geistiger Vater der Finanztransaktionssteuer gilt der britische &Ouml;konom John Maynard Keynes, der diese Steuer in seiner ber&uuml;hmten &bdquo;General Theory&ldquo; als Instrument zur Eind&auml;mmung der Spekulation an den Finanzm&auml;rkten vorschlug. Eine neue Bedeutung bekam die Steuer 1972, als der amerikanische &Ouml;konom James Tobin sie als globale Steuer auf Devisentransaktionen vorschlug &ndash; eine auch noch so kleine Transaktionssteuer w&uuml;rde es, so Tobins Idee, den Spekulanten ein wenig schwerer machen und die W&auml;hrungswechselkurse st&auml;rker an der Realwirtschaft ausrichten.<\/p><p>Aus Tobins Idee einer Devisentransaktionssteuer machten die Aktiven von Attac &ndash; mit vollem Namen Association pour une taxe Tobin pour l&rsquo;aide aux citoyens (auf Deutsch: &bdquo;Vereinigung f&uuml;r eine Tobin-Steuer zum Nutzen der B&uuml;rger&ldquo;) &ndash; sp&auml;ter die Idee einer globalen allgemeinen Finanztransaktionssteuer, aus deren Einnahmen die globale Ungleichheit abgemildert werden sollte. Attac ging es dabei nicht prim&auml;r, wie Keynes oder Tobin, um die Stabilit&auml;t und die Funktion der Finanzm&auml;rkte, sondern um eine Umverteilung von oben nach unten. Diese Idee einer &bdquo;Robin-Hood-Steuer&ldquo; spukt heute noch in den K&ouml;pfen vieler Akteure; es ist sicher auch kein Zufall, dass Olaf Scholz mit den Einnahmen aus dieser Steuer ausgerechnet die Grundrente finanzieren will. <\/p><p>Mit derlei sozialen Zielsetzungen hat die j&uuml;ngere Debatte &uuml;ber die Finanztransaktionssteuer jedoch &uuml;berhaupt nichts zu tun. Im Kielwasser der Finanzkrise von 2007\/2008 ging es vielmehr abermals um die Stabilit&auml;t der Finanzm&auml;rkte und zum ersten Mal in der Geschichte gab es damals sogar eine kurze Phase, in der &Ouml;konomen und Finanzpolitiker tats&auml;chlich kurz davor waren, eine solche Steuer ernsthaft in Betracht zu ziehen. Doch diese Phase w&auml;hrte nur kurz.<\/p><p>So bitter es ist: Eine allgemeing&uuml;ltige Finanztransaktionssteuer ist eine wunderbare Idee, die jedoch &ndash; wie die meisten wunderbaren Ideen &ndash; nie Realit&auml;t werden wird. Es gibt wohl kein anderes System, das derart global vernetzt ist und sich nationalen Regulierungen entzieht, wie das Finanzsystem. Eine tats&auml;chlich wirksame globale Finanztransaktionssteuer ist nur m&ouml;glich, wenn sie wirklich global umgesetzt wird. Finanz- und Steueroasen wie Hong Kong, Singapur w&uuml;rden eine solche Steuer aber nie freiwillig beschlie&szlig;en. Selbst auf europ&auml;ischer Ebene wird es keine allgemeing&uuml;ltige Finanztransaktionssteuer geben, da Staaten wie Gro&szlig;britannien, Luxemburg oder Irland diese Forderung konsequent untergraben. Und welcher Rechtsrahmen f&uuml;r die als &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dark_Pool\">Dark Pool<\/a>&ldquo;  bezeichneten unregulierten M&auml;rkte der Schattenbanken gilt, ist noch nicht einmal juristisch gekl&auml;rt. Welches Finanzamt ist daf&uuml;r zust&auml;ndig, wenn ein Fonds, der auf den Cayman Islands registriert ist, &uuml;ber eine unregulierte Handelsplattform, deren Servercloud teils in Hong Kong, teils in Singapur und teils in Irland steht, und die von einer Investmentbank, die auf den Bermudas registriert ist, betrieben wird, eine Aktie von einem Hedge-Fonds kauft, der auf der Kanalinsel Jersey registriert ist? <\/p><p>Was bleibt, sind nationale Alleing&auml;nge, die per se nicht falsch sein m&uuml;ssen. Die Komplexit&auml;t und Vernetzung des Finanzsystems erfordert es jedoch, eine solche nationale L&ouml;sung auch wirklich l&uuml;ckenlos und konsequent umzusetzen. Genau das ist jedoch beim Scholz-Modell nicht der Fall.<\/p><p><strong>Das Scholz-Modell und seine Schw&auml;chen<\/strong><\/p><p>Eine konsequente Finanztransaktionssteuer muss s&auml;mtliche Finanzinstrumente erfassen. Das Scholz-Modell umfasst jedoch nur Aktien von gro&szlig;en Unternehmen mit Sitz in den zehn Staaten, f&uuml;r die dieses Modell gelten soll. Und sogar hier greift die Steuer nur bei Transaktionen, die in diesen zehn Staaten get&auml;tigt werden. Wer also beispielsweise eine Daimler-Aktie steuerfrei kaufen will, k&ouml;nnte dies nach dem Scholz-Modell problemlos &uuml;ber die B&ouml;rse in London oder gleich abseits der regulierten M&auml;rkte in diversen &bdquo;Dark Pools&ldquo; tun. Hinzu kommt, dass nur der Aktienhandel, nicht aber der Handel mit Derivaten, die diese Aktien abbilden, k&uuml;nftig besteuert werden soll. Das freut vor allem die Banken, da sie nun ihre Derivate auch noch als Steuersparmodelle vermarkten k&ouml;nnen. Die Deutsche Bank k&ouml;nnte beispielsweise einen ganz simplen <a href=\"https:\/\/www.comdirect.de\/cms\/cfd\/grundlagen\/kapitel-1.1.html\">Differenzkontrakt<\/a> (CFD) auf die Daimler-Aktie ausgeben, bei dem Anleger wie Spekulanten die Kurs&auml;nderungen 1:1 abgebildet bekommen, ohne die Aktie selbst zu besitzen und ohne daf&uuml;r Steuern zahlen m&uuml;ssen. <\/p><p>Die Auslassung von Derivaten aus der Finanztransaktionssteuer ist aber nicht nur aus diesem Gesichtspunkt heraus katastrophal. Wenn die Finanztransaktionssteuer die Finanzm&auml;rkte stabilisieren soll, dann muss sie gerade und vor allem auf den Handel mit Derivaten gelten. Egal ob es sich um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zertifikat_(Finanzprodukt)\">Zertifikate<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Swap_(Wirtschaft)\">Swaps<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Terminkontrakt\">Terminkontrakte<\/a> oder jede andere Form von Wetten auf die Kursentwicklung von Aktien, Zinsen, W&auml;hrungskursen und sogar anderen Derivaten selbst handelt &ndash; diese Papiere sind es, die eine Gefahr f&uuml;r die Stabilit&auml;t des Finanzsystems darstellen. Wenn man ausgerechnet diese Papiere aus der Steuer ausklammert, senkt man das Risiko eines Finanzcrashs um kein Jota, und wenn man durch eine einseitige Besteuerung regul&auml;rer Aktientransaktionen die Leute sogar noch in Derivate treibt, erreicht man sogar das genaue Gegenteil &ndash; die M&auml;rkte werden noch &bdquo;synthetischer&ldquo;, noch intransparenter und noch instabiler.<\/p><p>Aber auch in anderen Punkten weist das Scholz-Modell eklatante L&uuml;cken auf. So sind beispielsweise auch Anleihen von der Steuer ausgenommen. Warum? Mit welchem Argument soll Eigenkapital (Aktien) besteuert und damit k&uuml;nstlich verteuert werden und Fremdkapital (Anleihen) nicht? <\/p><p>Auff&auml;llig ist auch, dass die Finanzprodukte der Banken und Versicherungen explizit von der Steuer ausgenommen werden. Wer einen Fondsanteil kauft, muss keine Steuern zahlen. Eine Sonderregelung erlaubt es den Staaten sogar, Fonds und &auml;hnliche Produkte von der Versteuerungspflicht auszunehmen. Der Privatanleger, der sich eine Aktie kauft, zahlt Steuern, der Fonds, der die gleiche Aktie kauft, nicht. Auch hier werden sich die Banken und Versicherungen freuen, k&ouml;nnen sie die Kunden im Verkaufsgespr&auml;ch f&uuml;r ihre Produkte doch k&uuml;nftig darauf hinweisen, dass die Fonds ja steuerfrei Aktien kaufen k&ouml;nnen, w&auml;hrend der Kunde f&uuml;r selbstget&auml;tigte Aktienk&auml;ufe vom Fiskus zu Kasse gebeten wird. Dass die zwei bis vier Prozent Ausgabeaufschlag f&uuml;r die Fonds in keinem Verh&auml;ltnis zu den 0,2 Prozent Finanztransaktionssteuer stehen, muss der Kunde ja nicht wissen. Hauptsache, die Banken und Versicherungen verdienen weiter pr&auml;chtig Geld.<\/p><p><strong>Absurde Kritik<\/strong><\/p><p>Absurderweise setzen viele Kritiker genau an diesem Punkt an und verdrehen ihn ins genaue Gegenteil. So <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article204206346\/Finanztransaktionssteuer-Ein-Angriff-auf-jede-private-Altersvorsorge.html\">zitiert die WELT beispielsweise die FDP-Generalsekret&auml;rin Linda Teuteberg<\/a> mit dem Satz: &bdquo;Die Finanztransaktionssteuer ist ein Angriff auf jede private Altersvorsorge und die Mitte der Gesellschaft. Kleinanleger sollen zahlen, um die Grundrente zu retten. In Zeiten von Nullzinsen und drohender Rentenl&uuml;cke br&auml;uchten wir das Gegenteil: Der Staat m&uuml;sste die Menschen zu mehr Vorsorge und Aktienanlagen ermutigen und Verm&ouml;gensbildung erleichtern. Zum Beispiel, indem langfristige Anlagen in Aktien in die gef&ouml;rderte Altersvorsorge einbezogen werden.&ldquo; &Auml;hnlich <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/politik-inland\/aktiensteuer-das-ist-der-scholz-plan-hiobsbotschaft-fuer-sparer-66616246.bild.html\">argumentieren erwartungsgem&auml;&szlig; auch BILD und CDU<\/a>, die den Steuerplan als &bdquo;Hiobsbotschaft f&uuml;r Sparer&ldquo; bezeichnen. <\/p><p>Wenn ein Kleinanleger pro Monat 200 Euro in sein eigenes Aktienportfolio investiert, so summiert sich die Finanztransaktionssteuer auf 4,80 Euro pro Jahr. Hat der Kleinanleger jedoch einen Sparplan bei seiner Bank und kauft f&uuml;r die gleiche Summe Fonds mit einem Ausgabeaufschlag von 4% summieren sich die Kosten daf&uuml;r schon alleine auf 96 Euro pro Jahr &ndash; nur dass diese Summe nicht in das Steuers&auml;ckel, sondern in die Gewinne der Banken und Versicherungen flie&szlig;t. Hinzu kommen bei allen Fonds Verwaltungsgeb&uuml;hren in &auml;hnlicher Gr&ouml;&szlig;e und je nach Bank auch noch Verwahr- oder Depotgeb&uuml;hren. Die zus&auml;tzlichen 4,80 Euro machen den Kohl da auch nicht mehr fett. Vor diesem Zusammenhang von einem &bdquo;Angriff auf die private Altersvorsorge&ldquo; zu sprechen, ist grotesk. <\/p><p>Anders sieht es nat&uuml;rlich aus, wenn der Kleinanleger sich als aktiver Spekulant versucht und sein Portfolio nach jeder Meldung der B&ouml;rse vor Acht umschichtet. Dann kann es teurer werden. Aber dann handelt es sich ja eben nicht um eine langfristige Altersvorsorge, sondern um kurzfristige Spekulation. Es ist ja bekannt, dass die FDP nicht viel von Finanzen versteht. Aber diese krude Form der Verdrehung ist selbst f&uuml;r FDP-Verh&auml;ltnisse schon tolldreist. Hier geht es doch nicht um Kleinsparer, sondern um Gro&szlig;spekulanten, die t&auml;glich Millionenbetr&auml;ge auf dem B&ouml;rsenparkett verschieben und nun dank der Finanztransaktionssteuer auf andere Plattformen ausweichen werden, bei denen die Transaktionskosten ein wenig h&ouml;her sind. Dem Kleinsparer kann dies egal sein, auch wenn er de facto wohl tats&auml;chlich der Einzige sein wird, der diese Steuer &uuml;berhaupt entrichtet, da er in der Regel keinen Zugang zu anderen Handelsplattformen hat. Aber dennoch handelt es sich hierbei um &bdquo;Peanuts&ldquo; im Vergleich zu den Kosten, die die Banken f&uuml;r ihre Dienstleistungen beim Wertpapierhandel in Rechnung stellen. W&uuml;rden FDP, BILD und CDU ein Herz f&uuml;r den Kleinsparer haben, m&uuml;ssten sie daher vor allem die teils unanst&auml;ndigen Aufschl&auml;ge und Geb&uuml;hren solcher Altersvorsorgeprodukte sch&auml;rfer regulieren. Und sollte es ihnen tats&auml;chlich um die Altersvorsorge gehen, w&auml;re ohnehin eine Erh&ouml;hung der Renten das erste und wichtigste Instrument.<\/p><p>Kritik kommt erwartungsgem&auml;&szlig; auch von der anderen Seite. Dabei gibt es schlaue Kritik, wie die vom Linken-Abgeordneten <a href=\"https:\/\/www.fabio-de-masi.de\/de\/article\/2528.o-ton-fabio-de-masi-zu-scholz-vorsto%C3%9F-f%C3%BCr-aktiensteuer.html\">Fabio de Masi<\/a> und schlau klingende Kritik, wie die vom Gr&uuml;nen-Abgeordneten <a href=\"https:\/\/sven-giegold.de\/boersensteuer-scholz-entwurf\/\">Sven Giegold<\/a>, die jedoch bei n&auml;herer Betrachtung selbst kritikw&uuml;rdig ist. So bedauert Giegold, dass die prognostizierten Ertr&auml;ge des Scholz-Modells zu niedrig sind. &bdquo;Eine echte Finanztransaktionssteuer w&uuml;rde Deutschland j&auml;hrlich ungef&auml;hr 12 Milliarden einbringen&ldquo;, so Giegold. Nun sollte eine Finanztransaktionssteuer aber eben nicht so konstruiert sein, dass sie m&ouml;glichst hohe Einnahmen generiert &ndash; denn steuerpflichtig werden dank der Umgehungsm&ouml;glichkeiten ohnehin vor allem Kleinsparer. Eine Finanztransaktionssteuer soll stattdessen regulieren und sch&auml;dliche Finanztransaktionen im Idealfall komplett unterbinden; auch wenn dies die Steuereinnahmen dr&uuml;ckt. Der besonders volumenstarke Hochfrequenzhandel lebt beispielsweise von Kurs&auml;nderungen bei der dritten oder vierten Nachkommastelle. Hier w&uuml;rde selbst ein Steuersatz von 0,01 Prozent den kompletten Handel unterbinden. Das ist ja auch das eigentliche Ziel einer solchen Steuer. &Uuml;berfl&uuml;ssig anzumerken, dass das Scholz-Modell den Hochfrequenzhandel ebenfalls ausl&auml;sst. <\/p><p><strong>Europ&auml;ische Irrungen und Wirrungen<\/strong><\/p><p>Ob Olaf Scholz &uuml;berhaupt die Prokura hatte, dieses Modell als &bdquo;Durchbruch&ldquo; vorzustellen, ist fraglich. Das &ouml;sterreichische Finanzministerium &auml;u&szlig;erte sich zu Scholz&acute; Vorsto&szlig; <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/article227877571\/Boersensteuer-Heftiger-Widerstand-gegen-Scholz-Vorschlag.html\">verhalten bis verschnupft<\/a> &ndash; man wolle das Modell erst mal &bdquo;untersuchen&ldquo;. Und &Ouml;sterreich ist da nicht alleine. Problematisch ist vor allem, dass Scholz mit seinem Vorschlag noch weit hinter die nationalen Alleing&auml;nge zur&uuml;ckf&auml;llt, die in der EU bereits seit l&auml;ngerem &ndash; nur halt nicht in Deutschland &ndash; umgesetzt wurden.<\/p><p>So besteuert Frankreich den Handel mit Aktien franz&ouml;sischer Aktiengesellschaften mit 0,3% und schlie&szlig;t dabei &ndash; wenn auch mit riesigen L&uuml;cken &ndash; auch Derivate auf diese Aktien ein. Anders als beim Scholz-Modell gilt die Besteuerung jedoch unabh&auml;ngig vom B&ouml;rsenplatz. Wer in London Aktien von Danone kauft, wird also auch vom franz&ouml;sischen Fiskus zur Kasse gebeten. Dies w&uuml;rde durch das Scholz-Modell entfallen. Frankreich hat jedoch ebenfalls Ausnahmeregelungen f&uuml;r den Hochfrequenzhandel und die Steuerbemessung f&uuml;r Derivate (Steuersatz 0,01%) ist zwar vorhanden, greift aufgrund von Ausnahmeregelungen aber nur hom&ouml;opathisch. Man merkt, dass Macron in seinem Vorleben ein Investmentbanker war.<\/p><p>Auch das italienische Modell ist l&uuml;ckenhaft, umfasst aber Derivate und gilt unabh&auml;ngig vom B&ouml;rsenplatz. Daf&uuml;r ist der Steuersatz mit 0,1% bis 0,2% aber niedriger. Weitere Modelle, die jedoch allesamt l&ouml;chrig und unzureichend sind, gibt es auch noch in Belgien, Schweden und Finnland. In Gro&szlig;britannien werden Aktienk&auml;ufe &uuml;ber die Stempelsteuer in Form der &bdquo;stamp duty reserve tax&ldquo; mit 0,5% bis 1,5% besteuert, in der Schweiz betr&auml;gt die &bdquo;Eidgen&ouml;ssische Umsatzabgabe&ldquo; zwischen 0,15% und 0,3%. Wer h&ouml;here Steuers&auml;tze sucht, der muss in der Zeit zur&uuml;ckreisen. In der alten Bonner Republik gab es n&auml;mlich eine B&ouml;rsenumsatzsteuer, bei der der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen mit 1,5% und der Aktienhandel sogar mit 2,5% versteuert wurde. <\/p><p>Titelbild: katjen\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/ecd889a927b4424a8a319e5fddd335e5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach achtj&auml;hriger Planung pr&auml;sentierte Bundesfinanzminister Olaf Scholz gestern stolz seinen Entwurf f&uuml;r eine Finanztransaktionssteuer, die k&uuml;nftig f&uuml;r zehn EU-Staaten gelten soll. Scholz&acute; Modell hat jedoch weder etwas mit der Idee noch dem Sinn einer Finanztransaktionssteuer zu tun und d&uuml;rfte die Finanzm&auml;rkte nicht sicherer, sondern sogar unsicherer machen. 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