{"id":57049,"date":"2019-12-14T11:45:55","date_gmt":"2019-12-14T10:45:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57049"},"modified":"2022-03-06T10:33:20","modified_gmt":"2022-03-06T09:33:20","slug":"ein-blick-hinter-den-eisernen-vorhang-einblicke-in-ein-anderes-nordkorea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57049","title":{"rendered":"Ein Blick hinter den Eisernen Vorhang \u2013 Einblicke in ein anderes Nordkorea"},"content":{"rendered":"<p>Nordkorea ist ein Land, das seit Jahrzehnten vom Rest der Welt abgeschottet ist, der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West ist zwischen S&uuml;d- und Nordkorea noch traurige Realit&auml;t. Was wirklich im Land vorgeht, wei&szlig; man nicht. Folgt man den g&auml;ngigen Narrativen der westlichen Medien, ist es eine Milit&auml;r-Diktatur, die die eigenen Landsleute verhungern l&auml;sst und dem jeweiligen F&uuml;hrer blindlings huldigt. Dass diese Darstellung zumindest unvollst&auml;ndig ist, macht die 2016 erstmals im Kino ausgestrahlte Dokumentation der s&uuml;dkoreanischen Filmemacherin  <strong>Sung Hyung Cho<\/strong> &bdquo;Meine Br&uuml;der und Schwestern in Norden&ldquo; deutlich, der 2017 unter dem Titel &bdquo;Meine Br&uuml;der und Schwestern in Nordkorea&ldquo; auch auf ARD, WDR und im HR zu sehen war. Sung Hyung Cho erhielt als erste S&uuml;dkoreanerin eine Dreherlaubnis, da sie &uuml;ber einen deutschen Pass verf&uuml;gt.  Von 2012 bis heute hat sie das Land insgesamt neun Mal bereist und besitzt daher ein deutlich differenzierteres Bild als viele Journalisten, deren Berichte oft au&szlig;erhalb des Landes und ohne Kenntnis der Landessprache entstehen. <strong>Andrea Drescher<\/strong> hatte die Gelegenheit, die Filmemacherin und Professorin an der Hochschule der Bildenden K&uuml;nste Saar f&uuml;r die NachDenkSeiten zu interviewen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3212\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-57049-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191112-Ein-Blick-hinter-den-eisernen-Vorhang-Einblicke-in-ein-anderes-Nordkorea-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191112-Ein-Blick-hinter-den-eisernen-Vorhang-Einblicke-in-ein-anderes-Nordkorea-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191112-Ein-Blick-hinter-den-eisernen-Vorhang-Einblicke-in-ein-anderes-Nordkorea-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191112-Ein-Blick-hinter-den-eisernen-Vorhang-Einblicke-in-ein-anderes-Nordkorea-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=57049-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191112-Ein-Blick-hinter-den-eisernen-Vorhang-Einblicke-in-ein-anderes-Nordkorea-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191112-Ein-Blick-hinter-den-eisernen-Vorhang-Einblicke-in-ein-anderes-Nordkorea-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Ganz aktuell berichten die Medien ja wieder &uuml;ber Nordkorea. Dort soll die neue Stadt Samjiyon von Kinderh&auml;nden errichtet worden sein. <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/inbegriff-der-modernen-zivilisation-von-kinderhaenden-errichtet-machthaber-kim-jong-un-eroeffnet-neue-stadt-in-nordkorea_id_11420884.html\">So liest man beispielsweise im Focus<\/a>:<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Inbegriff der modernen Zivilisation&ldquo;: Von Kinderh&auml;nden errichtet: Machthaber Kim Jong Un er&ouml;ffnet neue Stadt in Nordkorea. In&nbsp;Samjiyon&nbsp;wurden ein Museum, ein Wintersportgebiet, rund 10.000 Wohnungen und Gew&auml;chsh&auml;user f&uuml;r Heidelbeeren und Kartoffeln errichtet. Tausende Arbeiter waren daf&uuml;r nach AFP-Informationen im Einsatz, viele davon Soldaten. Laut KCNA mussten auch Studenten in den Semesterferien dort arbeiten. Diplomaten berichteten dar&uuml;ber hinaus von Kinderarbeit.\n<\/p><\/blockquote><p>Das ist mal wieder eine dieser typischen Meldungen, durch die sich unsere Medien auszeichnen. Diese &bdquo;neue Stadt&ldquo;, die in der N&auml;he des heiligen Berges, dem Geburtsort von  Kim-Jong Il, liegt, hat einen Flughafen, der 1980 er&ouml;ffnet wurde. Die Stadt gibt es also schon etwas l&auml;nger. Ich war selbst schon dort. <\/p><p>Richtig ist, dass man dort sehr viel investiert hat, um die Gegend zu einer Vorzeigestadt und einem Tourismus-Zentrum auszubauen. Dass Kinder dort mitgearbeitet haben sollen, halte ich f&uuml;r kompletten Bl&ouml;dsinn. Nordkorea hat mehr als genug Soldaten und alle wichtigen Bauarbeiten werden vom Milit&auml;r durchgef&uuml;hrt. Man ist sehr ehrgeizig, will die neuen Geb&auml;ude in Rekordzeit hochziehen. Kinder auf der Baustelle w&uuml;rden die Arbeiten nur unn&ouml;tig belasten. Man arbeitet an diesen Prestige-Objekten Tag und Nacht. Bei dem Tempo, das die Soldaten vorlegen, kommen nicht mal &bdquo;normale&ldquo; M&auml;nner mit, geschweige denn Kinder. Das ist meines Erachtens nur eine der &uuml;blichen Standarddiffamierungen. Mit irgendetwas muss man die Sanktionen &ndash; unter denen das Land schwer leidet &ndash; ja rechtfertigen. <\/p><p>Es ist einfach haarstr&auml;ubend, was alles &uuml;ber Nordkorea geschrieben wird. Ich verstehe nicht, wie solche &bdquo;Informationen&ldquo; zustande kommen. Aber der durchschnittliche Leser oder Zuschauer der Nachrichten glaubt es. Man kann alles M&ouml;gliche und Unm&ouml;gliche &uuml;ber Nordkorea erz&auml;hlen, da es ja kaum neutrale Berichte gibt. Das war mit ein Grund, dass ich meinen Film gemacht habe.<\/p><p><strong>Ich gestehe, bis zu Ihrem Film wusste ich nichts &uuml;ber Nordkorea, au&szlig;er dass irgendein b&ouml;ser &bdquo;Kim&ldquo; sein Volk unterdr&uuml;ckt, hungern l&auml;sst und in Armut h&auml;lt. Mein Bild im Kopf war &bdquo;braun, grau und waffenstarrend&ldquo;. Ihr Film &bdquo;Meine Br&uuml;der und Schwestern in Nordkorea&ldquo; hat mir ein anderes Bild von Nordkorea vermittelt. Es war teilweise sehr modern, auch richtig &bdquo;bunt&ldquo; &ndash; von den Kindern angefangen. Wurden Sie hier f&uuml;r ein Propaganda-Machwerk bezahlt?<\/strong><\/p><p>Es gibt Menschen, die das so sehen. Einige Medien haben den Film als Propagandafilm verrissen. Aber das mache ich nicht zu meinem Problem. Wer Dinge nicht objektiv betrachten m&ouml;chte, mit Ambiguit&auml;t nichts anzufangen wei&szlig; oder nicht offen ist, f&uuml;r den habe ich den Film nicht gemacht. Er richtet sich an Menschen, die &ndash; so wie Sie &ndash; erst einmal nur neugierig und vorurteilsfrei sind und Dinge von verschiedenen Seiten betrachten wollen. Ich hatte nat&uuml;rlich auch Vorurteile, als ich das erste Mal nach Nordkorea flog. Aber ich bin dort voller Neugier und mit menschlichem Respekt auf die Menschen zugegangen und habe meine Vorurteile dann sehr schnell begraben. Die Menschen sind &auml;u&szlig;erst liebensw&uuml;rdig, fast m&ouml;chte ich sagen unschuldig, auf jeden Fall nicht so korrumpiert und verdorben durch den Kapitalismus wie bei uns. <\/p><p>Propaganda l&auml;sst keine Ambiguit&auml;t zu. Dass es positive Aspekte in diesem Land gibt, ist f&uuml;r manche schier unertr&auml;glich. Mein Film ist vielschichtig, mehrdeutig und versucht, alle Seiten und damit ein differenziertes Bild &uuml;ber das Land zu zeigen. Daher wurde er wohl auch von allen namhaften Festivals weltweit abgelehnt. Die Institutionen wollen nichts Positives sehen. <\/p><p>Nat&uuml;rlich leidet Nordkorea auch an Hunger und Unterdr&uuml;ckung. Der Westen sieht das Land aber als gro&szlig;es KZ und f&uuml;hlt sich moralisch &uuml;berlegen. Dass die Menschen dort lachen und gl&uuml;cklich sind, ist f&uuml;r die meisten unvorstellbar. Die totale Verteufelung und Isolierung schadet den Menschen. Gerade deshalb macht es mich w&uuml;tend, dass die Menschen im Westen ein so einseitiges Bild haben. <\/p><p><strong>Wie frei waren Sie bei der Gestaltung des Filmes, inwieweit waren Sie mit Zensur konfrontiert?<\/strong><\/p><p>Man kann sich in Nordkorea nicht frei bewegen, weder als Journalist noch als Tourist. Man hat immer Begleiter dabei. Das war bei mir auch so, aber das wusste ich vorher. Ich wusste auch, dass sie mir die passenden Protagonisten f&uuml;r den Film aussuchen. Wir haben eine lange Liste eingereicht, welche Menschen wir treffen und welche Orte wir sehen wollen. Bei den vorbereitenden Reisen f&uuml;r die Recherche wurden uns verschiedene Protagonisten pr&auml;sentiert, und wir durften ausw&auml;hlen. Es war aber auch m&ouml;glich, vor Ort spontan auszutauschen, wenn man merkte, dass etwas nicht passte. Die Frau in der Kleiderfabrik, die wir zuerst interviewen wollten, war so scheu und ohne Ausstrahlung, das ging garnicht. Da durfte ich mir dann unter den Arbeiterinnen einfach selbst jemanden als Gespr&auml;chspartner ausw&auml;hlen. Im beschr&auml;nkten Rahmen hatten wir Freir&auml;ume, solange wir uns innerhalb des Rahmens bewegten. Auch unsere Begleiter, die normalerweise immer beim Dreh dabei waren, sahen nach einigen Diskussionen ein, dass ihre Anwesenheit die Gespr&auml;chspartner unter Druck setzte. Also blieben sie au&szlig;er H&ouml;rweite. So konnten wir relativ entspannt drehen. Das Material wurde komplett kontrolliert. Aber die Korrekturw&uuml;nsche waren harmlos, meist waren es verwackelte Darstellungen des F&uuml;hrers, die wir sowieso nicht benutzt h&auml;tten. Nur einmal kam die deutliche Bitte, bestimmte Aufnahmen nicht zu nutzen. In der Kleiderfabrik konnte man erkennen, f&uuml;r welche US-amerikanische Mode-Firma mit dem Label &bdquo;Made in China&ldquo; gefertigt wurde. Aufgrund der Sanktionen h&auml;tte das f&uuml;r alle Beteiligten &Auml;rger bedeuten k&ouml;nnen. Das haben wir nat&uuml;rlich respektiert. Rohschnitt und fertiger Film wurden ebenfalls kontrolliert, aber es gab keine Probleme mit der Freigabe. <\/p><p><strong>Manche Passagen im Film wirken schon sehr propagandistisch. Der F&uuml;hrerkult, die Lobeshymnen und Liebesbezeugungen auf den gro&szlig;en F&uuml;hrer waren f&uuml;r mich fast peinlich. Glauben die Menschen wirklich, was sie sagen? War das authentisch?<\/strong><\/p><p>Ich wei&szlig; es nicht. Die Kinder lernen schon in der KITA, den F&uuml;hrer zu lieben, sie werden mit 2 bis 3 Jahren auf diesen Menschen gepr&auml;gt. Aber meine Erziehung in S&uuml;dkorea war ziemlich &auml;hnlich. Ich wurde durch Schule und Gesellschaft sehr patriotisch erzogen. Sechs Jahre lang rezitierten wir t&auml;glich am Tor der Schule mit der Hand auf der Brust vor der koreanischen Flagge einen stillen Schwur. Den hatten wir auswendig gelernt. Ich kann mich heute noch daran erinnern. Ich schwor, dass ich mich aufopfern werde f&uuml;r den unendlichen Ruhm des Vaterlandes und der koreanischen Nation. Als w&auml;hrend einer der regelm&auml;&szlig;igen Kriegs&uuml;bungen in der Mittelschule mal au&szlig;erplanm&auml;&szlig;ig die Sirenen losgingen, habe ich aus Dankbarkeit geweint. Ich war so froh, mich endlich f&uuml;r mein Vaterland aufopfern zu d&uuml;rfen. Dieser Patriotismus ist f&uuml;r die heutige individuelle Gesellschaft Europas undenkbar, f&uuml;r die viel kollektivistischeren Gesellschaften Asiens ist das nichts Ungew&ouml;hnliches. Korea war schon immer von m&auml;chtigen Ausl&auml;ndern &ndash; China, Mongolei, Japan &ndash; bedroht. Da spielt Patriotismus eine gro&szlig;e Rolle. <\/p><p>Hinzu kommt, dass die feudalen Strukturen in der asiatischen Tradition noch sehr tief verankert sind. Als der Diktator Park Chung-hee &ndash; der von vielen geliebte langj&auml;hrige Staatschef des S&uuml;dens &ndash; starb, war meine Mutter tottraurig und hat sehr lange geweint. Darum kann ich den F&uuml;hrerkult der Nordkoreaner wohl auch viel besser nachvollziehen, als es Europ&auml;ern m&ouml;glich ist. Der Druck, der durch die Sanktionen auf dem Land herrscht, tr&auml;gt noch dazu bei.<\/p><p><strong>Haben die Wirtschaftssanktionen so gro&szlig;e Auswirkungen?<\/strong><\/p><p>Oh ja. Nordkorea darf ja nicht einmal Medikamente frei importieren. China ist das einzige Land, mit dem Nordkorea Handel treibt. Darum wird die Kleidung mit dem Label &bdquo;Made in China&ldquo; &uuml;ber China in die USA, Kanada, und noch andere L&auml;nder exportiert. Seit 2010 leidet das Land unter Wirtschaftssanktionen. Aufgrund der fehlenden landwirtschaftlichen Fl&auml;che &ndash; 80% sind Gebirge mit sehr kalten Wintern &ndash; ist das Land nicht in der Lage, sich selbst zu ern&auml;hren. Sie sind auf Import\/Export angewiesen und werden von China entsprechend ausgebeutet. Die seltenen Erden aus Nordkorea werden zu einem Spottpreis nach China exportiert, dass im Gegenzug wichtige G&uuml;ter nur extrem teuer nach Nordkorea verkauft. Computertomographen oder andere Medizintechnik, die Siemens nicht direkt nach Nordkorea liefern darf, erhalten sie aus China &ndash; allerdings zum doppelten oder dreifachen Preis.  <\/p><p><strong>Das Bild &uuml;ber Nordkorea ist durch Narrative wie tiefste Armut, Leid und Hunger, Unterdr&uuml;ckung und Ausbeutung der Menschen gepr&auml;gt. Gibt es diese unfassbare Armut, die man uns immer wieder pr&auml;sentiert? <\/strong><\/p><p>Mitte bzw. Ende der Neunziger Jahre mit dem Zusammenbruch des Ostblocks ging es Nordkorea sehr schlecht. Man bekam keine Hilfe von sozialistischen Bruderstaaten mehr, dann gab es heftige Naturkatastrophen. Es war f&uuml;rchterlich. Heute ist es definitiv nicht mehr so schlimm, Menschen verhungern nicht mehr, aber es kommt &ndash; dank der Sanktionen &ndash; immer noch zu Mangelern&auml;hrung. Ohne die Getreidelieferungen der Welthungerhilfe geht es noch nicht. Ich finde es aber bewundernswert, wie sich das Land trotz der Sanktionen konsequent weiterentwickelt. Das oberste Ziel von Kim-Jong Un ist es, den Lebensstandard der Bev&ouml;lkerung zu verbessern. Ich konnte w&auml;hrend meiner Reisen &uuml;berall und immer wieder beobachten, wie sich das Land ver&auml;ndert. Er will nat&uuml;rlich auch das System aufrechterhalten, aber die wirtschaftliche Stabilisierung hat h&ouml;chste Priorit&auml;t f&uuml;r die Staatsmacht. Darum setzt man auch auf Tourismus und investiert in Musterst&auml;dte wie das eingangs erw&auml;hnte Samjiyon. Das bringt die dringend notwendigen Devisen. Der Wille ist da &ndash; darum &auml;ndern sich viele Bereiche in der nordkoreanischen Gesellschaft. <\/p><p><strong>Von was f&uuml;r Ver&auml;nderungen sprechen Sie?<\/strong><\/p><p>Beispielsweise gibt es einerseits das Kollektiv, andererseits leistungsabh&auml;ngige Entlohnung. Man findet &uuml;berall kleine Kioske, deren Betreiber 80% vom Verdienst behalten k&ouml;nnen. Es wird versucht, die Wirtschaft nach Bedarf, Leistung und Verbrauch zu organisieren und die Menschen entsprechend zu entlohnen, was eigentlich fair ist.  Ich hoffe, dass sich dadurch der Lebensstandard der Menschen verbessern wird.  Marktwirtschaftliche Ans&auml;tze kann man &uuml;berall in Nordkorea beobachten.<\/p><p><strong>Wie oft waren Sie in Nordkorea?<\/strong><\/p><p>Ich war inzwischen neun Mal dort. Vier mal vor dem Dreh, um f&uuml;r den Film zu recherchieren, dann zwei Mal, um zu drehen. 2016 sind wir f&uuml;r ein neues Projekt hingeflogen, aus dem aber dann nichts wurde. Dieses Jahr habe ich erst eine touristische Reisegruppe organisiert und bin dann mit einer Filmdelegation zu einem Workshop gefahren.<\/p><p><strong>Sie haben 2019 eine Reise nach Nordkorea organisiert?<\/strong><\/p><p>Ja. Ich war mit 10 Facebook-Freunden &ndash; darunter Journalisten, Filmproduzenten und K&uuml;nstler &ndash; unterwegs. In einer Gruppe ist es viel kosteng&uuml;nstiger. Ich wollte wissen, wie sich das Land ohne Arbeitsdruck als Tourist anf&uuml;hlt und was sich seit 2016 ge&auml;ndert hat. Wir waren 10 Tage unterwegs, in Pj&ouml;ngjang, am Ostmeer im Diamantgebirge und im s&uuml;dlichen Teil des Landes bis zur Demarkationslinie, an der sich dann wenige Tag sp&auml;ter ganz &uuml;berraschend die Pr&auml;sidenten Trump und Kim-Jong Un trafen. Obwohl das Land wirklich sehr speziell ist, alles reglementiert wird und wir vom Ministerium streng kontrolliert wurden, w&uuml;rde jeder der Teilnehmer die Reise nochmals machen. Es war f&uuml;r alle ein ganz besonderes Erlebnis. <\/p><p><strong>Und wie verlief die Reise mit der Filmdelegation?<\/strong><\/p><p>Wir haben das internationale Filmfestival in Pj&ouml;ngjang (PIFF) besucht. Man sieht den Wandel bereits anhand der gezeigten Filme. Gangster, Morde oder Drogen waren fr&uuml;her nicht zu sehen. Die Gesellschaft in Nordkorea wird offener und bunter. Unsere Delegation hat dort einen Workshop abgehalten. Die Tatsache, dass wir daf&uuml;r die Genehmigung bekamen, zeigt, dass sich das Land &ouml;ffnet, dass man Neues zul&auml;sst. Die Menschen wollen dazulernen und d&uuml;rfen das auch. Ausl&auml;nder sind willkommen und Koreaner k&ouml;nnen auch ausreisen, um sich weiterzuentwickeln. Sie d&uuml;rfen aber leider fast nirgendwo einreisen. <\/p><p>Das deutsche Ausw&auml;rtige Amt erteilt beispielsweise keine Visa f&uuml;r Studenten aus Nordkorea, die von der Konrad Adenauer Stiftung aus zum Studium nach Deutschland kommen sollten. Auch Filmschaffende bekommen nur noch schwer ein Visum. In der Vergangenheit hat das Goethe-Institut in Seoul zur Berlinale eingeladen und die Kosten &uuml;bernommen. Aktuell k&ouml;nnen Filmleute aus Nordkorea dieses Festival nicht mehr auf Einladung des Goethe-Instituts besuchen. Darum haben wir eine kleine Delegation eingeladen und die Kosten &uuml;bernommen. Aber so etwas als Privatperson zu organisieren und zu finanzieren, bedeutet schon eine gewaltige Belastung. Also ist es wichtig, dass wir das Land bereisen, um den Austausch zu f&ouml;rdern.<\/p><p><strong>Das hei&szlig;t, Sie planen weitere Reisen?<\/strong><\/p><p>Ja. Definitiv. Angepeilt wird der Sommer 2020! <\/p><p><strong>Dann w&uuml;nsche ich Ihnen viel Erfolg. Vielleicht sehen wir uns ja dieses Jahr!<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Der Film &bdquo;Meine Br&uuml;der und Schwestern in Nordkorea&ldquo; wurde am 21.10.2019 im HR wiederholt und <a href=\"https:\/\/www.hr-fernsehen.de\/sendungen-a-z\/meine-brueder-und-schwestern-in-nordkorea,video-105286.html\">kann aktuell noch in der Mediathek angeschaut werden<\/a>.<\/p><p><strong>Zur Person<\/strong><br>\n<strong>Sung Hyung Cho<\/strong> studierte &bdquo;Mass Communication Studies&ldquo; in Seoul (B.A.). 1990 kam sie nach Deutschland, absolvierte ihr Masterstudium in Marburg in Kunstgeschichte, Medienwissenschaft und Philosophie und studierte anschlie&szlig;end noch Elektronisches Bild an der HfG Offenbach. Sie arbeitete als Schnittassistentin und Cutterin, startete ihre Hochschulkarriere als Lehrbeauftragte f&uuml;r Schnitt, Dokumentarfilm und Dramaturgie an der SAE und leitete Schnittseminare am Filmhaus Frankfurt. Nach Lehrbeauftragung und Gastprofessuren an verschiedenen Hochschulen wurde sie an die HBK Saar als Professorin f&uuml;r K&uuml;nstlerischer Film\/Bewegtbild&nbsp; berufen. <a href=\"http:\/\/www.sung-hyung.de\">sung-hyung.de<\/a> &ndash; Media Art &amp; Design,  Film\/Bewegtbild<\/p><p>Titelbild: Media Art &amp; Design, Film\/Bewegtbild<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nordkorea ist ein Land, das seit Jahrzehnten vom Rest der Welt abgeschottet ist, der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West ist zwischen S&uuml;d- und Nordkorea noch traurige Realit&auml;t. Was wirklich im Land vorgeht, wei&szlig; man nicht. 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