{"id":57074,"date":"2019-12-13T09:04:34","date_gmt":"2019-12-13T08:04:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57074"},"modified":"2019-12-13T16:12:39","modified_gmt":"2019-12-13T15:12:39","slug":"zerrissenes-koenigreich-grossbritannien-nach-der-wahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57074","title":{"rendered":"Zerrissenes K\u00f6nigreich &#8211; Gro\u00dfbritannien nach der Wahl"},"content":{"rendered":"<p>Die Brexit-Frage und eine selbst im historischen Vergleich einmalige Medienkampagne haben die gestrigen Unterhauswahlen in Gro&szlig;britannien entschieden. Die gro&szlig;en Gewinner sind Boris Johnson, die Brexit-Anh&auml;nger, die &auml;lteren W&auml;hler auf dem Lande, die Scottish National Party und die gro&szlig;en Medien. Die gro&szlig;en Verlierer sind Jeremy Corbyn, die Remain-Anh&auml;nger, die j&uuml;ngeren W&auml;hler in den St&auml;dten, die Liberaldemokraten und letzten Endes Gro&szlig;britannien. Labour wurde zwischen dem Brexit- und dem Remain-Lager aufgerieben. Nun hat Boris Johnson freie Hand f&uuml;r den Brexit und einen tiefgreifenden Umbau des Landes, w&auml;hrend Schottland &uuml;ber kurz oder lang das Vereinigte K&ouml;nigreich verlassen d&uuml;rfte. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8544\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-57074-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191213_Zerrissenes_Koenigreich_Grossbritannien_nach_der_Wahl_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191213_Zerrissenes_Koenigreich_Grossbritannien_nach_der_Wahl_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191213_Zerrissenes_Koenigreich_Grossbritannien_nach_der_Wahl_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191213_Zerrissenes_Koenigreich_Grossbritannien_nach_der_Wahl_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=57074-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191213_Zerrissenes_Koenigreich_Grossbritannien_nach_der_Wahl_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191213_Zerrissenes_Koenigreich_Grossbritannien_nach_der_Wahl_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wenn das britische Wahlsystem die Parlamentssitze nicht nach dem Prinzip der Mehrheits-, sondern nach dem System der Verh&auml;ltniswahl vergeben w&uuml;rde, w&uuml;rde das Land k&uuml;nftig von Jeremy Corbyn und seiner angestrebten &bdquo;Regenbogenkoalition&ldquo; aus Labour, Liberaldemokraten, Scottish National Party und den Gr&uuml;nen regiert werden &ndash; zusammen kommen diese vier Parteien auf 50,4%. Doch dies ist blo&szlig;e Theorie. Nach dem g&uuml;ltigen britischen Wahlsystem werden die konservativen Tories nach den aktuellen Prognosen (Stand 8.35 Uhr) mit 363 Sitzen &uuml;ber eine mehr als komfortable Mehrheit von 37 Sitzen verf&uuml;gen. In den letzten Monaten hatte Johnson in den eigenen Reihen eine gro&szlig;e S&auml;uberung vorgenommen und Kritiker, darunter 21 Unterhausabgeordnete, aus der Partei geworfen. Anders als bei den vergangenen Brexit-Debatten verf&uuml;gt er nun nicht nur im Unterhaus, sondern auch in der eigenen Partei &uuml;ber eine unangefochtene Mehrheit und kann sein gro&szlig;es Wahlversprechen, &bdquo;den Brexit hinzubekommen&ldquo; nun ohne Widerstand aus Parlament und den eigenen Reihen umsetzen. <\/p><p>Gemessen an der Stimmenverschiebung zwischen den Tories und Labour waren die gestrigen Wahlen einer der gr&ouml;&szlig;ten Erfolge der Tories in der j&uuml;ngeren Geschichte. Dabei muss jedoch auch ber&uuml;cksichtigt werden, dass Corbyn bei den letzten Wahlen im Jahr 2017 der Labour Partei mit 40,3% zu einem sehr hohen Ergebnis verholfen hat. Das gestrige Ergebnis ist mit 32,6% f&uuml;r Labour zwar katastrophal, aber immer noch besser als die Ergebnisse unter Gordon Brown (2010: 29,4%) und Ed Miliband (2015: 30,8%). Auch in absoluten Zahlen war das gestrige Ergebnis kein Tiefpunkt. Labour holte gestern rund 10,3 Millionen Stimmen. Das ist nicht nur mehr als 2015 (8,1 Millionen Stimmen) und 2010 (8,6 Millionen Stimmen), sondern auch mehr als unter Tony Blair im Jahr 2005, als Labour 9,5 Millionen Stimmen bekam. Wenn nun in den Medien vom &bdquo;schlechtesten Ergebnis f&uuml;r Labour seit 1935&ldquo; gesprochen wird, ist dies daher nur teilweise richtig. Richtig, wenn man sich die Sitzverteilung anschaut; falsch, wenn man die abgegebenen Stimmen betrachtet. <\/p><p><strong>Die Brexit-Frage war wahlentscheidend<\/strong><\/p><p>Im Wahlkampf hatte Labour sich voll auf die Themen Gesundheits-, Bildungs- und Sozialpolitik konzentriert. Vor allem die Verhinderung der Privatisierung des britischen Gesundheitssystems NHS wurde von Jeremy Corbyn ins Zentrum des Wahlkampfs ger&uuml;ckt. Die Brexit-Frage war dabei der Elefant im Raum &ndash; das offensichtliche und alles &uuml;berragende Problem, &uuml;ber das man lieber nicht sprechen wollte. Taktisch ist dies verst&auml;ndlich, da Labour bei diesem Thema nur verlieren konnte. Jede Positionierung pro Brexit h&auml;tte das Remain-Lager zu den Brexit-kritischen Liberaldemokraten getrieben. Jede Positionierung kontra Brexit h&auml;tte das Brexit-Lager zu den Tories getrieben. Im Nachhinein muss man nun feststellen, dass Labour an genau dieser unm&ouml;glichen Aufgabe gescheitert ist. Das kann man beispielhaft an zwei Wahlkreisen verdeutlichen.<\/p><p>Im wohlhabenden Londoner Vorort-Wahlkreis Finchley and Golders Green trat f&uuml;r die Liberaldemokraten die ehemalige Labour-Abgeordnete Luciana Berger an. Berger geh&ouml;rte zu den Labour-Politikern, die eine Schl&uuml;sselrolle in der Antisemitismus-Kampagne gegen Jeremy Corbyn gespielt haben und sich im aktuellen Wahlkampf als liberale und moderate Alternative zur linken Labour-Partei und als kompromisslose Brexit-Gegner positionieren. Finchley and Golders Green hatte beim EU-Referendum mit 68,9% f&uuml;r Remain abgestimmt. Damit <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/politics\/constituencies\/E14000703\">nahm Berger vor allem<\/a> dem Labour-Kandidaten Stimmen ab. Am Ende holten Bergers Liberaldemokraten 31,9% (+25,3%) und Labour 24,2% (-19,6%). Den Wahlkreis konnte so der Kandidat der Tories mit 43,8% (-3,1%) von Labour &uuml;bernehmen.<\/p><p>Doch die Wahlkreise, in denen sich die Liberaldemokraten und Labour gegenseitig ma&szlig;geblich blockiert haben, sind eher Ausnahmen. Repr&auml;sentativer f&uuml;r den Tory-Sieg ist der Wahlkreis Stoke-on-Trent City in den Midlands. In diesem l&auml;ndlich gepr&auml;gten Wahlkreis hatten fast 70% der W&auml;hler 2016 f&uuml;r den Brexit gestimmt. Bei den gestrigen Wahlen verlor Labour 8,2 Prozentpunkte und erzielte nur noch 43,3% der Stimmen. Die Tories gewannen 5,6 Prozentpunkte und konnten den Wahlkreis mit 45,4% der Stimmen gewinnen. Die Brexit-Party (5,3%) und die Liberaldemokraten (3,5%) spielten hier keine gro&szlig;e Rolle. Das war im letzten Jahr noch ganz anders. Bei den &ndash; jedoch nicht direkt vergleichbaren &ndash; Europawahlen holte die Brexit-Party in Stoke-on-Trent 45,5%. Labour konnte 20,2% der Stimmen holen. Die Liberaldemokraten holten mit 9,2% sogar mehr Stimmen als die Tories, die mit 7,7% komplett untergingen. Boris Johnson hat es mit seinem Slogan &bdquo;Let&acute;s get Brexit done&ldquo; geschafft, die Brexit-Party in den zahlreichen l&auml;ndlichen Wahlkreisen, die mehrheitlich f&uuml;r den Brexit gestimmt haben, zu marginalisieren und Labour wichtige Stimmen abzunehmen. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191213_brexit.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191213_brexit.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Quelle: Sky Data<\/small><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191213_brexit2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191213_brexit2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Quelle: Sky Data<\/small><\/p><p>Ein vergleichbares Ergebnis trat in den meisten der Wahlkreise ein, die die Tories bei den gestrigen Wahlen von Labour erobern konnten. Darunter sind neben den l&auml;ndlich gepr&auml;gten Wahlkreisen im Norden und Osten auch die ber&uuml;hmten Wahlkreise der &bdquo;Red Wall&ldquo;, dem traditionellen Industrieg&uuml;rtel zwischen Liverpool und Manchester. Hier konnte Labour traditionell stets fast alle Wahlkreise gewinnen. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/EU-Mitgliedschaftsreferendum_im_Vereinigten_K%C3%B6nigreich_2016\">Beim EU-Referendum stimmten<\/a> die meisten Kreise aus der &bdquo;Red Wall&ldquo; jedoch mehrheitlich pro Brexit. Im Wahlkreis Blyth Valley (60% Leave beim Brexit-Referendum), den noch nie ein Tory-Kandidat gewinnen konnte, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/politics\/constituencies\/E14000575\">verlor Labour<\/a> gestern ganze 15 Prozentpunkte. <\/p><p>Ein Freund von mir, der sich f&uuml;r Labour im Wahlkampf engagiert hat, erkl&auml;rte heute Nacht das Ergebnis folgenderma&szlig;en: &bdquo;Die Leute haben ganz einfach genug und wollen nun nach vier Jahren diese unselige Brexit-Debatte zu Ende bringen&ldquo;. Eben das w&auml;re bei einem Wahlsieg der Regenbogen-Koalition nicht der Fall gewesen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. <\/p><p><strong>Sieg der klassischen Medien<\/strong><\/p><p>Der Sieg der Tories ist auch und vor allem ein gro&szlig;er Sieg f&uuml;r die klassischen Medien. Eine <a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/news\/uk\/politics\/general-election-british-media-labour-tories-bias-press-polls-a9229161.html\">aktuelle Studie der Loughborough University<\/a> hat die Berichterstattung ausgew&auml;hlter Zeitungen in den letzten drei Wochen des Wahlkampfs analysiert. Kaum &uuml;berraschend schnitt dabei die Berichterstattung &uuml;ber Labour mit einem Wert von -75.70 in der letzten Woche derma&szlig;en katastrophal ab, dass selbst Zweifler nicht mehr leugnen k&ouml;nnen, dass es eine ganz massive Kampagne gegen Labour und deren Parteichef Jeremy Corbyn gibt. Die Tories kommen &uuml;brigens auf Werte zwischen +15.87 und +29.98. Auch die staatliche BBC hat sich dieser Kampagne schon l&auml;ngst angeschlossen und wirkt in ihrer Berichterstattung oft wie ein Presseorgan der Tories.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191213_medien.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191213_medien.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Titelseiten der drei gro&szlig;en Boulevardzeitungen am Wahltag<\/small><\/p><p>Die NachDenkSeiten hatten &uuml;ber die schmutzige Antisemitismuskampagne der gro&szlig;en Medien <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56712\">berichtet<\/a>. Aber selbst das war nur die Spitze des Eisbergs. Corbyn wurde von den Medien wahlweise als Antisemit, Marxist oder IRA-Unterst&uuml;tzer beschrieben, der aus Gro&szlig;britannien <a href=\"https:\/\/www.thesun.co.uk\/news\/10541901\/spared-marxist-pm-jeremy-corbyn-election\/\">ein zweites Venezuela machen w&uuml;rde<\/a>. Johnson wurde hingegen mit Glac&eacute;handschuhen angefasst. Seine L&uuml;gen wurden ignoriert und das Thema Brexit wurde &uuml;ber den gesamten Wahlkampf als das zentrale Thema gepusht. <\/p><p><strong>Verlierer: Corbyn und die Liberaldemokraten<\/strong><\/p><p>Jeremy Corbyn erkl&auml;rte noch in der Nacht seinen Verzicht auf eine k&uuml;nftige Spitzenkandidatur. Er will die Partei nun bei ihrem Neuaufbau jedoch als Parteichef begleiten. Das ist ein klares Signal an den rechten Parteifl&uuml;gel, dass er ihnen die Partei nicht kampflos &uuml;berlassen will. Dass es nun zum Hauen und Stechen kommt, ist jedoch so gut wie sicher. Bereits in der Wahlnacht gab es zahlreiche Stimmen aus dem rechten Parteifl&uuml;gel, die Corbyn f&uuml;r die Niederlage verantwortlich machen und seinen kompletten R&uuml;ckzug fordern. Dazu wird es freilich nicht kommen, hat doch Jeremy Corbyn seinen eigenen Wahlkreis Islington North mit 64,3% traditionell <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/politics\/constituencies\/E14000763\">stark verteidigt<\/a>.<\/p><p>Der zweite gro&szlig;e Verlierer sind die Liberaldemokraten, die trotz ihres kompromisslosen Anti-Brexit-Kurses und ihrem Wahlkampf als liberale, moderate Alternative zu Corbyns Labour nur 11,5% der Stimmen holen konnten und mit 11 Parlamentssitzen sogar einen Sitz verloren haben. Dieser Sitz geh&ouml;rte ausgerechnet der Spitzenkandidatin Jo Swinson, die ihren Wahlkreis knapp an die Scottish National Party abgeben musste. F&uuml;r das Remain-Lager ist dieser Verlust ein herber Schlag. Aber durch den klaren Sieg Johnsons wird das Thema &bdquo;Remain&ldquo; sich mittelfristig ohnehin erledigt haben.<\/p><p><strong>Freie Fahrt f&uuml;r Johnson<\/strong><\/p><p>Nun kann Boris Johnson ohne parlamentarischen Widerstand durchregieren. Kritiker bef&uuml;rchten bereits eine zweite &Auml;ra Thatcher. Und dies ist keinesfalls &uuml;bertrieben. Durch den Brexit fallen auf nahezu allen Ebenen k&uuml;nftig die Regulierungsrahmen weg und es ist an der britischen Regierung, einen neuen Rahmen zu definieren. In der Vergangenheit hatte Johnson bereits verk&uuml;ndet, dass sein Traum ein &bdquo;europ&auml;isches Singapur&ldquo; ist; ein riesiges, dereguliertes Freihandelsparadies in der Nordsee, das sich st&auml;rker an den USA als an der EU orientieren will. Die zu erwartende Privatisierung des nationalen Gesundheitssystems d&uuml;rfte da nur der erste Schritt sein. <\/p><p><strong>Ein zerrissenes Land<\/strong><\/p><p>Nach der Wahl ist das Vereinigte K&ouml;nigreich so geteilt wie noch nie. Die erste Teilung ist eine demographische. Bei den jungen W&auml;hlern hatten die Parteien der &bdquo;Regenbogenkoalition&ldquo; einmal mehr[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] fast 80% aller Stimmen erzielt. Die k&uuml;nftige gro&szlig;e Mehrheit im Unterhaus repr&auml;sentiert also nicht einmal jeden f&uuml;nften Jungw&auml;hler. Exakt umgekehrt sieht es bei den &auml;lteren W&auml;hlern aus &ndash; bei den &Uuml;ber-70-J&auml;hrigen k&ouml;nnen die Tories auf mehr als 60% der W&auml;hler z&auml;hlen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191128-Corbyn-03.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/191128-Corbyn-03.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Quelle: YouGov<\/small><\/p><p>Die Begeisterung der j&uuml;ngeren Menschen im Wahlkampf f&uuml;r die Labour-Party war <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56844\">bemerkenswert<\/a>. Auf der Stra&szlig;e und im Wahlkampf brachten sich zehntausende Anh&auml;nger Corbyns mit gro&szlig;em Engagement ein und vor allem in den gr&ouml;&szlig;eren St&auml;dten bilden sie auch die Mehrheit. Bei Rock-Konzerten und Fu&szlig;ballspielen skandierten die Massen ihr &bdquo;Oh, Jeremy Corbyn&ldquo;. Alles vorbei. Was passiert nun mit diesen jungen Menschen? Wie zukunftsf&auml;hig kann eine Regierung sein, die von denen, die die Zukunft sind, mit &uuml;bergro&szlig;er Mehrheit abgelehnt wird?<\/p><p>Auch regional steht das Vereinigte K&ouml;nigreich nun vor dem gro&szlig;en Riss. In Schottland <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/election-2019-50766014\">holte die Scottish National Party<\/a> 48 von 59 m&ouml;glichen Sitzen (+13), w&auml;hrend die Tories (6 Sitze\/-7) und Labour (1 Sitz\/-6) an den Rand gedr&auml;ngt wurden. Auch dies ist eine Folge der Brexit-Debatte, wollen die meisten Schotten doch in der EU bleiben und die SNP hat sich konsequent gegen den Brexit positioniert. Bereits in der Wahlnacht erkl&auml;rte Parteichefin Nicola Sturgeon, dass die Wahl ein demokratisches Votum der Schotten gegen den Brexit sei, sie nun das Mandat habe, Schottland in eine neue Zukunft zu f&uuml;hren und ein neues Unabh&auml;ngigkeitsreferendum anstrebt. Boris Johnson hatte dies stets abgelehnt, doch durch den Brexit haben sich die Grundlagen f&uuml;r ein neues Referendum ma&szlig;geblich ge&auml;ndert. Die &bdquo;schottische Frage&ldquo; wird eine Zerrei&szlig;probe f&uuml;r Gro&szlig;britannien, das vielleicht schon bald nur noch &bdquo;Kleinbritannien&ldquo; sein wird. <\/p><p>Ein weiterer neuer Brennpunkt wird Nordirland sein. Hier konnten die linke Sinn Fein und der nordirische Ableger der Labour Partei der konservativen Democratic Unionist Party sogar jeweils einen Wahlkreis abnehmen und die DUP steht Johnsons Brexit-Pl&auml;nen sehr kritisch gegen&uuml;ber. Ein Wiederaufflammen der Troubles des Nordirlandkonflikts ist m&ouml;glich, die Zukunft Nordirlands ist heute unsicherer denn je. <\/p><p>Wahrscheinlich wird man diese Wahlnacht k&uuml;nftig als Kipppunkt der britischen Geschichte sehen. Das alte Gro&szlig;britannien, wie wir es kennen, gibt es nicht mehr. <\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/eeb6b5b7301e40a285048ed4c6d7430c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] aktuelle Daten zur Unterhauswahl 2019 liegen noch nicht vor, die Angaben beziehen sich auf die j&uuml;ngsten Umfragen<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Brexit-Frage und eine selbst im historischen Vergleich einmalige Medienkampagne haben die gestrigen Unterhauswahlen in Gro&szlig;britannien entschieden. Die gro&szlig;en Gewinner sind Boris Johnson, die Brexit-Anh&auml;nger, die &auml;lteren W&auml;hler auf dem Lande, die Scottish National Party und die gro&szlig;en Medien. Die gro&szlig;en Verlierer sind Jeremy Corbyn, die Remain-Anh&auml;nger, die j&uuml;ngeren W&auml;hler in den St&auml;dten, die Liberaldemokraten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57074\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":57075,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,123,183,190],"tags":[1843,1561,284,469,2297,1544,1560,2623,1204,2103,255],"class_list":["post-57074","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-wahlen","tag-brexit","tag-corbyn-jeremy","tag-deregulierung","tag-grossbritannien","tag-johnson-boris","tag-kampagnenjournalismus","tag-labour-party","tag-nordirland","tag-schottland","tag-tories","tag-wahlanalyse"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/191213_titel.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57074","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=57074"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57074\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57109,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57074\/revisions\/57109"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/57075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=57074"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=57074"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=57074"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}