{"id":57214,"date":"2019-12-19T09:00:39","date_gmt":"2019-12-19T08:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57214"},"modified":"2026-01-27T12:00:54","modified_gmt":"2026-01-27T11:00:54","slug":"cdu-spendenaffaere-es-bot-sich-damals-die-gelegenheit-dieses-geld-durch-luftbuchungen-auf-vier-anderkonten-ins-ausland-zu-verschieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57214","title":{"rendered":"CDU-Spendenaff\u00e4re: \u201eEs bot sich damals die Gelegenheit, dieses Geld durch Luftbuchungen auf vier Anderkonten ins Ausland zu verschieben\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Woher stammen die Millionen aus den schwarzen Kassen der CDU? Seit der CDU-Spendenaff&auml;re Ende der 90er Jahre wurde diese Frage unz&auml;hlige Male gestellt &ndash; aber nicht definitiv beantwortet. <strong>Karl-Heinz Ebert<\/strong>, dessen, wie er selbst sagt, Vater in den 60er Jahren in dubiose Vorg&auml;nge im Zusammenhang mit dem &bdquo;Adenauer-Fernsehen&ldquo; verwickelt war, k&ouml;nnte Licht ins Dunkel bringen. Das sagt er im NachDenkSeiten-Interview. Das Geld stammt demnach aus Bundesmitteln, also vom Steuerzahler. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4314\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-57214-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191219_CDU_Spendenaffaere_Luftbuchungen_auf_vier_Anderkonten_ins_Ausland_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191219_CDU_Spendenaffaere_Luftbuchungen_auf_vier_Anderkonten_ins_Ausland_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191219_CDU_Spendenaffaere_Luftbuchungen_auf_vier_Anderkonten_ins_Ausland_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191219_CDU_Spendenaffaere_Luftbuchungen_auf_vier_Anderkonten_ins_Ausland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=57214-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191219_CDU_Spendenaffaere_Luftbuchungen_auf_vier_Anderkonten_ins_Ausland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191219_CDU_Spendenaffaere_Luftbuchungen_auf_vier_Anderkonten_ins_Ausland_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Kann die Herkunft des &bdquo;Bimbes&ldquo;, wie Helmut Kohl das Geld aus den schwarzen Kassen zu nennen pflegte, mit Eberts Wissen gekl&auml;rt werden? In dem gerade erschienenen Buch &bdquo;Die Beichte meines Vaters &uuml;ber die Herkunft des Bimbes. Die schwarzen Kassen der CDU&ldquo; setzt sich Ebert akribisch mit dem auseinander, was sein Vater ihm erz&auml;hlt hat. <\/p><p>Ein Interview, das einen Blick zur&uuml;ckwirft in die Fr&uuml;hphase der Bundesrepublik, die Spendenaff&auml;re beleuchtet und eine neue Erz&auml;hlung zur Herkunft der Millionen bietet.<\/p><p><strong>Herr Ebert, Sie &bdquo;kennen und sehen einen Zusammenhang, bei dem selbst Der Spiegel im Dunkeln tappte.&ldquo; Das schreiben Sie in Ihrem Buch. Um welchen Zusammenhang geht es? <\/strong><\/p><p>Der Zusammenhang, den ich begriffen habe, betrifft die bis heute ungekl&auml;rte Herkunft von &uuml;ber 20 Millionen Mark, &uuml;ber die Helmut Kohl w&auml;hrend seiner politischen Karriere verf&uuml;gen konnte und einer dubiosen Geschichte, die mir mein Vater vor fast 30 Jahren anvertraut hat. Ich lese im Dezember 2017 diesen Bericht des Spiegels. Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Das Ehrenwort&ldquo; wird detailliert &uuml;ber die &bdquo;schwarzen Kassen der CDU&ldquo; und die versteckten Konten im Ausland berichtet. Noch bevor ich den Artikel zu Ende gelesen habe, wird in meinem Kopf ein Schalter umgelegt, der gleich mehrere gro&szlig;e Scheinwerfer einschaltet.<\/p><p><strong>Wie kommt es, dass Sie Licht ins Dunkel bringen k&ouml;nnen? <\/strong><\/p><p>Weil mein Vater mir vor circa 30 Jahren, schon im hohen Alter, einen Vorgang aus seinem Berufsleben anvertraut hat, der ihn schwer zu belasten schien. Auch an dem Abend, als er mir von der Geschichte berichtete, war er in einer &uuml;blen seelischen Verfassung, in der so mancher Mensch nach dem Sinn des Lebens fragt und dem Warum. Meine Mutter, also seine Frau, war ernsthaft erkrankt und die Diagnose war eindeutig. Au&szlig;erdem war seine geplante Urlaubsreise, von der er sich Ablenkung erhofft hatte, kurzfristig abgesagt worden.<\/p><p><strong>Zum Verst&auml;ndnis:  Wer war Ihr Vater? <\/strong><\/p><p>Mein Vater war 1904 geboren und w&auml;re heute also 115 Jahre alt. Von Beruf war er Buchhalter und zwar Buchhalter der alten Schule. Korrekt bis mindestens drei Stellen hinter dem Komma und jede Bilanz musste am Jahresende mit Null aufgehen. Ich bezweifle, dass dies ein Beruf war, den er als junger Mann im Sinne einer Berufung gew&auml;hlt hat. Sein ganzes Leben war immer von einem gewissen Pragmatismus gepr&auml;gt. Ich denke, so ist er auch zu seinem Beruf gekommen. Zur Zeit der von ihm geschilderten dubiosen Vorg&auml;nge arbeitete er bei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Freies_Fernsehen_Gesellschaft\">Freien Fernsehen GmbH in Eschborn<\/a> und sp&auml;ter beim ZDF in Mainz.<\/p><p><strong>Was hatte er mit den schwarzen Kassen zu tun? <\/strong><\/p><p>Er ist w&auml;hrend seiner beruflichen T&auml;tigkeit in der Aufbauphase unserer noch jungen Bundesrepublik mehr oder weniger zuf&auml;llig in Vorg&auml;nge verstrickt worden, die bis heute nicht an die &Ouml;ffentlichkeit gekommen sind. Es ging Anfang der 60er Jahre, nach der Schilderung meines Vaters, um fast 24 Millionen Mark. Es bot sich damals die einmalige Gelegenheit, dieses Geld durch Luftbuchungen auf vier Anderkonten ins Ausland zu verschieben.<\/p><p><strong>Lassen Sie uns bitte kurz auf die Spendenaff&auml;re der CDU eingehen. Was ist damals 1999 passiert? <\/strong><\/p><p>Im Jahr 1999 spitzte sich die Schwarzgeldaff&auml;re um Helmut Kohl immer dramatischer zu. Walter Leisler Kiep, damals Schatzmeister der Bundes- CDU, war im November 1999 von der Staatsanwaltschaft Augsburg wegen Steuerhinterziehung verhaftet worden. Um sich zu retten, musste Kiep mit der Wahrheit herausr&uuml;cken und bald wusste die &Ouml;ffentlichkeit, es gab schwarze Kassen der CDU auf verdeckten Konten im Ausland.<\/p><p><strong>Und dann? <\/strong><\/p><p>Dann kam das, was man das moralische Ende des Helmut Kohl nennen kann. Am 16. Dezember 1999, zur besten Sendezeit, gab er im ZDF sein Interview &bdquo;Was nun Herr Kohl&ldquo;. Er berief sich dabei auf vier bis f&uuml;nf anonyme Spender, denen er sein Ehrenwort gegeben habe. Der Wortlaut im Spiegel: &ldquo;Das Geld habe man ihm anvertraut unter der Voraussetzung, dass die Spender nicht genannt werden.&ldquo; Zerpfl&uuml;ckt man diesen Satz, so stellen sich gleich zwei Fragen: Wer ist &bdquo;man&ldquo;, also der- oder diejenige, die ihm das Geld anvertraut haben? Wer sind die anonymen Spender, die ja wohl mit dem oder den &Uuml;bergeber(n) nicht unbedingt identisch sein m&uuml;ssen?<\/p><p><strong>Wie hat sich Kohl verhalten? <\/strong><\/p><p>Aus damaliger Sicht war das Verhalten Helmut Kohls total unverst&auml;ndlich und inakzeptabel. Stellte er doch sein Ehrenwort &uuml;ber Gesetz und Recht eines Landes, das er einmal als eine der obersten Instanzen repr&auml;sentiert hatte. Folgt man der Schilderung meines Vaters &uuml;ber die Herkunft der &bdquo;schwarzen Kassen&ldquo;, erscheint das Verhalten Kohls heute in einem ganz anderen Licht und ergibt endlich eine hinreichende Logik, von der ausgehend ich hoffe, dass daraus eine vollst&auml;ndige Aufkl&auml;rung wird.<\/p><p><strong>Die Aufkl&auml;rung durch die Justiz gestaltete sich als &bdquo;schwierig&ldquo;. Ein besonders engagierter Ermittler, der Augsburger Oberstaatsanwalt J&ouml;rg Hillinger, der, wie Sie schreiben, gegen den Willen seiner Beh&ouml;rde aktiv war, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-16358461.html\">verungl&uuml;ckte t&ouml;dlich<\/a> bei einem Autounfall. Was geschah dann? <\/strong><\/p><p>Soweit bekannt, wurden seine Aktennotizen auf Anordnung seines Nachfolgers geschw&auml;rzt. Ob schon zu dieser Zeit eine T&uuml;r aufgegangen w&auml;re, die Licht ins Dunkel gebracht h&auml;tte, wenn der Tod Hillingers nicht dazwischengekommen w&auml;re? Wer wei&szlig;. <\/p><p><strong>Wieder zu Ihrem Vater und den 20 Millionen. Sie haben es bereits angef&uuml;hrt: Die Zusammenh&auml;nge, die Sie in Ihrem Buch darlegen, gehen weit zur&uuml;ck in die Zeit Adenauers und sind einigerma&szlig;en komplex. Konkret geht es um das &bdquo;Adenauer-Fernsehen&ldquo;. K&ouml;nnen Sie bitte zusammengefasst erkl&auml;ren, wo Sie die Anf&auml;nge dieser 20 Millionen verorten. <\/strong><\/p><p>Das Freie Fernsehen, bei dem mein Vater als Buchhalter arbeitete, wurde durch eine einstweilige Verf&uuml;gung des Bundesverfassungsgerichts im Dezember 1960 verboten. Kurz danach begann man, noch auf dem Gel&auml;nde in Eschborn mit den Entlassungen der Mitarbeiter und den Abwicklungsarbeiten der FFG. Mein Vater schildert hierzu: &bdquo;Unmittelbar nach dem Gerichtsbeschluss wurden nach einem Anruf aus Bonn durch einen Kurierfahrer in mehreren Kisten ge&auml;nderte  Unterlagen nach Eschborn verbracht. Gem&auml;&szlig; diesen Unterlagen mussten von der Buchhaltung R&uuml;ckstellungen in Millionenh&ouml;he angefordert werden, die man auch anstandslos erhielt. Die Bearbeitung der Vorg&auml;nge erfolgte nur von den wenigen eingeweihten Mitarbeitern in Eschborn, die sp&auml;ter ins Allianzhaus nach Mainz umzogen und dort als Mitarbeiter des ZDF ihre Arbeit zu Ende f&uuml;hrten. In einem Bericht des Liquidators Seeger von 1962, der heute im Bundesarchiv in Koblenz liegt, hei&szlig;t es dazu &bdquo;einige Leute aus Eschborn, wie zum Beispiel der Herr Ebert von der Personalabteilung und der Herr Seek von der Kasse, arbeiten schon jetzt einige Tage bei ihrer zuk&uuml;nftigen Stelle in Mainz. Ich wei&szlig; nicht, ob das mit Ihnen abgesprochen ist.&ldquo; <\/p><p>Als die letzten Buchungen f&uuml;r das FFG get&auml;tigt waren, wurde im Allianzhaus in Mainz alles wieder in Kisten verstaut und von mehreren Personen, die angeblich von der Mainzer Staatskanzlei kamen, zur Aufbewahrung abgeholt. Der Ursprung der &bdquo;schwarzen Kassen&ldquo; ist somit auf die Jahre 1961 und 1962 zu datieren.<\/p><p><strong>Kurz zum Verst&auml;ndnis: W&uuml;rden Sie bitte unseren Lesern kurz erkl&auml;ren, wie das &bdquo;Freie Fernsehen&ldquo; &uuml;berhaupt finanziell aufgestellt war? <\/strong><\/p><p>Das &bdquo;Freie Fernsehen&ldquo; war eine GmbH mit Einlagen von nur DM 20.000,-.  Der Bund stellte f&uuml;r den Aufbau des FFG Regierungsb&uuml;rgschaften in vielfacher Millionenh&ouml;he aus. Aufgrund dieser B&uuml;rgschaften stellten Banken mindestens zweimal 20 Millionen Mark an Krediten zur Verf&uuml;gung. Als das FFG aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes verboten wurde und daraufhin wieder abgewickelt wurde, bestand am Ende der Liquidation ein Fehlbetrag von 35 Millionen Mark, der durch Bundesmittel, sprich Steuergelder, ausgeglichen werden musste.<\/p><p><strong>Gut. Kn&uuml;pfen wir wieder an die Buchungen an. Wie ging es weiter?  <\/strong><\/p><p>Am Ende sammelten sich durch Luftbuchungen fast 24 Mill. Mark auf dem Konto einer Frankfurter Bank, die auf vier Anderkonten ins Ausland transferiert wurden. Und diese Konten lauteten auf die Namen der vier h&ouml;chsten CDU-Politiker. Drei Ministerpr&auml;sidenten und einer in Bonn.<\/p><p><strong>Was geschah dann? <\/strong><\/p><p>Man hatte parallel zu den Abwicklungsarbeiten mit den Entlassungen f&uuml;r das FFG in Eschborn im Mainzer Allianzhaus damit begonnen, dieselben Mitarbeiter f&uuml;r das ZDF wiedereinzustellen. Manch ehemaliger Mitarbeiter der FFG hatte den Eindruck, als sei das ZDF nur die Fortf&uuml;hrung des FFG unter anderem Namen; denn sie wurden von denselben Sachbearbeitern wiedereingestellt, von denen sie zuvor ihre Entlassungspapiere erhalten hatten. <\/p><p><strong>Wie haben Sie damals dar&uuml;ber gedacht? <\/strong><\/p><p>Aufgrund der Schilderung meines Vaters aus den Anf&auml;ngen der 60er Jahre, ohne die Nennung von Namen, sah ich keine Querverbindung zur damals aktuellen Politik von 1989. Das eine war die &Auml;ra Adenauer mit ihren Akteuren und damals war Kohl an der Macht mit einer v&ouml;llig anderen Mannschaft. Mein Vater ging ja anscheinend selbst davon aus, dass die Gelder l&auml;ngst in den Taschen von einigen Wenigen gelandet waren. Deshalb war das Gesagte zwar einpr&auml;gsam und interessant &ndash; aber doch eben nur eine Geschichte aus der Vergangenheit. Auf die Idee, dass der Trog immer noch derselbe sein k&ouml;nnte und nur die Schweine gewechselt hatten, bin ich damals nicht gekommen.<\/p><p><strong>Warum gehen Sie erst jetzt damit an die &Ouml;ffentlichkeit? <\/strong><\/p><p>Weil erst der Spiegelartikel im Dezember 2017 die Br&uuml;cke zu der Geschichte war, die mir mein Vater anvertraut hatte. Danach musste ich feststellen, dass es keine Presse gab, auch nicht den Spiegel, die sich f&uuml;r diese Geschichte zu interessieren schien. Eine andere Zeitung und auch mehrere Verlage haben abgewinkt, wenn ich nur schon das Thema offenlegte.<\/p><p><strong>Was spricht aus Ihrer Sicht denn daf&uuml;r, dass Ihre Darstellung der Wahrheit entspricht? <\/strong><\/p><p>Weil meine Darstellung die Sicht auf eine vier- bis f&uuml;nfspurige Autobahn preisgibt, die von Mainz nach Bonn f&uuml;hrt. Mit den ebenfalls im Buch sichtbar werdenden Akteuren, die diese Autobahn befahren haben, ergibt das Buch ein plausibles Bild, das in sich schl&uuml;ssig ist. So schl&uuml;ssig, dass ich mit gutem Gewissen an die &Ouml;ffentlichkeit gehen kann.<\/p><p><strong>Sie haben aber keine Beweise? <\/strong><\/p><p>In meinem Buch hei&szlig;t es an einer Stelle: &bdquo;Da waren Profis am Werk, die hinterlassen keine Spuren.&ldquo; Diese Erkenntnis war das Resultat unserer Recherche im Bundesarchiv in Koblenz. Dort liegen unter dem Aktenzeichen B 263 diverse Aktenmappen aus dem Nachlass des Zeitungsverlegers Heinrich G Merkel, N&uuml;rnberger Zeitung. Er war von 1957- 1961 Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Freies Fernsehen GmbH. Wir hatten erwartet, hier auch auf Buchungsunterlagen aus dieser Zeit zu treffen, und wurden entt&auml;uscht. Wirklich verwertbare Buchungen findet man dort nicht. Es bleibt also schwierig. Das ist mir bewusst. <\/p><p><strong>Was m&uuml;sste jetzt getan werden? <\/strong><\/p><p>Ich hoffe auf mutige Journalisten, die unabh&auml;ngig recherchieren k&ouml;nnen und d&uuml;rfen. Ebenso auf den einen oder anderen Mitwisser und sei es jemand wie mich, der zum Vertrauten seines Vaters wurde.<\/p><p><strong>Wenn man all das zusammennimmt, was Sie in Ihrem Buch im Hinblick auf das Verhalten von hochrangigen Akteuren der CDU darlegen, kann der Eindruck entstehen, dass hier &Auml;hnlichkeiten zu einer Bananenrepublik sichtbar werden. Wie sehen Sie das? <\/strong><\/p><p>Es w&auml;re eine b&ouml;swillige Unterstellung, wenn man den Politikern von damals heute vorwerfen w&uuml;rde, den Staat, den wir gegenw&auml;rtig haben, schon damals so geplant zu haben. Ich will das Negative, das mein Buch heute offenlegt, nicht besch&ouml;nigen, aber die Aufbauphase der Bundesrepublik war der Aufbau einer Demokratie ohne Demokraten. Das ganze Land war eine einzige vom Krieg gezeichnete Baustelle.<\/p><p>Die gr&ouml;&szlig;te Errungenschaft waren &uuml;ber 70 Jahre Frieden in Europa und die zweitgr&ouml;&szlig;te eine recht ordentlich funktionierende soziale Marktwirtschaft. Die sozialen Sicherungssysteme, u.a. die Rentenversicherungen, haben jahrzehntelang vorbildlich funktioniert. Unter Kohl ist die soziale Komponente, besonders nach der Wiedervereinigung total aus dem Ruder gelaufen. F&uuml;r den Machterhalt wurden soziale und rechtsstaatliche Werte f&uuml;r Bimbes verkauft. Ob wir jetzt schon eine Bananenrepublik sind, m&ouml;chte ich nicht bewerten. Ob wir weiter in diese Richtung absteigen und irgendwann wirklich auf diesem Niveau landen, h&auml;ngt von den Politikern ab, die unsere Gegenwart steuern. <\/p><p>Als roten Faden und Vorbild habe ich in meinem Buch unseren Philosophen Immanuel Kant gew&auml;hlt, der mit seiner Kritik an der reinen Vernunft auch heute noch seine Berechtigung hat: Es geht darum, ob es eine Wahrheit hinter dem gibt, was der Mensch sieht und physikalisch nachweisen und berechnen kann. Ein sch&ouml;nes Beispiel w&auml;re der vor kurzem gef&uuml;hrte Prozess um die Berechnung des Existenzminimums in unserem Land und die Frage &bdquo;um wieviel darf dieses errechnete Existenzminimum noch sanktioniert werden und was muss dem Bezieher auch unter dem berechneten Minimum noch verbleiben, wenn es sanktioniert ist. Tats&auml;chlich hat man auch dieses sanktionierte Existenzminimum berechnen k&ouml;nnen. Es gab zumindest ein Ergebnis. Das wirkliche Ergebnis dieser Berechnung des Existenzminimums wird nur auf einem anderen Blatt serviert, n&auml;mlich bei den n&auml;chsten Wahlen. <\/p><p><strong>Wie meinen Sie das? <\/strong><\/p><p>Wenn das Spektrum der ultrarechten W&auml;hler zugenommen hat; wenn das Spektrum der ultralinken W&auml;hler zugenommen hat; wenn der Anteil der Nichtw&auml;hler zugenommen hat, weil sie in &auml;rztlicher Behandlung mit ihrem Leben nicht mehr fertig werden, hat bei der n&auml;chsten Landtags- oder Bundestagswahl wieder kein Politiker der gro&szlig;en Volksparteien mit derartigen Auswirkungen auf das Wahlergebnis gerechnet. Das schlechte Abschneiden bei der Wahl kommt wieder mal f&uuml;r alle &uuml;berraschend. Einen Zusammenhang kann oder will niemand sehen. <\/p><p><strong>Hat sich Ihr pers&ouml;nliches politisches Wirklichkeitsverst&auml;ndnis durch Ihre Einblicke ver&auml;ndert? <\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich! Die Welt ver&auml;ndert sich st&auml;ndig und der Mensch muss diese Ver&auml;nderungen fr&uuml;hzeitig erkennen und sich positiv anpassen und einbringen. Die Richtung daf&uuml;r muss aber die Politik vorgeben &ndash; nicht die Wirtschaft. Aber nur wenn man erkennt, wo in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden, kann man die Zukunft positiv gestalten. Durch mein Buch habe ich zwei Jahre in der Vergangenheit und davon &uuml;berwiegend in der Vergangenheit meines Vaters gelebt.<\/p><p>Ich habe im Moment das dringende Bed&uuml;rfnis, wieder in der Gegenwart aufzutauchen, und vielleicht darf ich erleben, dass sich durch meine Enth&uuml;llungen etwas in eine politisch positive Richtung bewegt.<\/p><p><em>Lesetipp: Ebert, Karl-Heinz: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/Alle-Buecher\/Die-Beichte-meines-Vaters-ueber-die-Herkunft-des-Bimbes.html?listtype=search&amp;searchparam=bimbes\">Die Beichte meines Vaters &uuml;ber die Herkunft des Bimbes. Die schwarzen Kassen der CDU.<\/a> Westend Verlag. Dezember 2019. S. 160. 18 Euro. Hardcover mit Schutzumschlag. <\/em><\/p><p>Titelbild: Atstock Productions\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woher stammen die Millionen aus den schwarzen Kassen der CDU? Seit der CDU-Spendenaff&auml;re Ende der 90er Jahre wurde diese Frage unz&auml;hlige Male gestellt &ndash; aber nicht definitiv beantwortet. <strong>Karl-Heinz Ebert<\/strong>, dessen, wie er selbst sagt, Vater in den 60er Jahren in dubiose Vorg&auml;nge im Zusammenhang mit dem &bdquo;Adenauer-Fernsehen&ldquo; verwickelt war, k&ouml;nnte Licht ins Dunkel bringen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57214\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":57215,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,192,126,209],"tags":[1114,295,1475,633,1495],"class_list":["post-57214","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-cducsu","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","tag-adenauer-konrad","tag-kohl-helmut","tag-parteispenden","tag-politikerverdrossenheit","tag-schwarzgeld"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/shutterstock_1100506820.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=57214"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57214\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81579,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57214\/revisions\/81579"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/57215"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=57214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=57214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=57214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}