{"id":57233,"date":"2019-12-19T13:42:51","date_gmt":"2019-12-19T12:42:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57233"},"modified":"2019-12-19T15:50:05","modified_gmt":"2019-12-19T14:50:05","slug":"debatte-um-bioenergie-die-energetische-nutzung-von-nachwachsenden-rohstoffen-ist-elementar-fuer-die-klimarettung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57233","title":{"rendered":"Debatte um Bioenergie: Die energetische Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen ist elementar f\u00fcr die Klimarettung"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen haben die NachDenkSeiten den Text &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57130\">Die L&uuml;ge von der nachhaltigen Bioenergie und die Zerst&ouml;rung des Waldes<\/a>&ldquo; von <strong>Walter Tauber<\/strong> ver&ouml;ffentlicht &ndash; in dem Wissen, dass Taubers Debattenbeitrag auch Widerspruch hervorrufen kann. Diesen Widerspruch meldet nun unser Leser <strong>Hans-Peter Zepf<\/strong> an. Wir geben seinen Antworttext hier wieder, darunter folgen Anmerkungen von Walter Tauber. Von <strong>Redaktion<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>&Uuml;ber den Autor: <strong>Hans-Peter Zepf<\/strong> ist Diplom-Physiker, war beruflich nie im Bereich Umweltschutz oder Energietechnik t&auml;tig, ist aber seit den sp&auml;ten 70er-Jahren in Umweltschutz und Umweltverb&auml;nden wie Greenpeace, BUND und &Ouml;koinstitut engagiert. Er war insbesondere auch zu keiner Zeit wirtschaftlich mit der Holzindustrie oder Forstwirtschaft verbunden, hatte aber als im Schwarzwald t&auml;tiger freiberuflicher Redakteur reichlich kritisch mit ihr zu tun.<\/em><\/p><p>Wann habe Sie den letzten Kahlschlag gesehen? Gut, bei mir ist das erst wenige Jahre her, aber es ging um Wald, der dem Fl&auml;chenhunger der Industrieansiedlungen geopfert wurde. Dort wo Forstwirtschaft zum Zweck der Holznutzung betrieben wird, gibt es Kahlschl&auml;ge in Deutschland schon lange nicht mehr und in Europa fast nicht und dort wo sie, wie in den Karpaten, meist illegal stattfinden, wird durchaus intensiv dagegen angek&auml;mpft.<\/p><p>Wenn es Bereiche gibt, in denen die EU-Politik auf dem richtigen Wege ist, dann ist es gewiss die Waldwirtschaft. Der Waldbestand in der EU w&auml;chst trotz der Holznutzung und der bedauerlichen anhaltenden Zersiedlung und Fl&auml;chenversiegelung seit Jahrzehnten, auch in in j&uuml;ngster Zeit (Quelle: WWF-Waldbericht 2018). Er w&auml;chst &uuml;brigens au&szlig;erdem und zwar massiv im von Klimasch&uuml;tzern zu Unrecht vielgescholtenen China. Die Aufforstung in der EU und China zusammen kompensiert in den letzten Jahren nahezu den Waldverlust im Rest der Welt. Was kein Trost ist. Denn in den Tropen wird nicht wiederherstellbarer Urwald gerodet, hier werden Plantagen aufgeforstet, die den Verlust des Urwaldes nicht ann&auml;hernd ersetzen k&ouml;nnen. Abgesehen vom Verlust an zahllosen Tier- und Pflanzenarten bildet der aufgeforstete Nutzwald auch klimatisch keinen Ersatz f&uuml;r den Verlust des Urwalds, denn tropischer Regenwald speichert pro Fl&auml;che mehr als viermal soviel Energie wie  europ&auml;ischer Nutzwald, selbst wenn dieser &ouml;kologisch vorbildlich bewirtschaftet wird.<\/p><p>Keine Frage: Es muss alles unternommen werden, damit Urwald auf der ganzen Welt von wirtschaftlicher Nutzung nicht mehr angetastet wird. Jedoch: Der Aspekt der Energieholzgewinnung spielt f&uuml;r den Verlust der Regenw&auml;lder so gut wie keine Rolle. Bei weitem dominiert der Hunger nach Fl&auml;chen f&uuml;r die wirtschaftliche Nutzung, beispielsweise f&uuml;r die Viehbeweidung. Der zu diesem Zweck zerst&ouml;rte Urwald wird, es ist ein unglaubliches Elend, nach  wie vor oft &uuml;berhaupt nicht genutzt, sondern durch Brandrodung sinnlos vernichtet. Daran ist zwar durchaus auch EU-Politik schuld, aber nicht die Energie- oder Forstpolitik, sondern ein Mercosur-Abkommen, das vollkommen ungetr&uuml;bt von jeder Klimaverantwortung entstanden ist und (von den entsprechenden Leuten beidseits des Atlantik) sehr daf&uuml;r gelobt wird, dass es den Export von s&uuml;damerikanischem Rindfleisch nach Europa erleichtert. Aber wir m&uuml;ssen nicht die Bewohner der Tropen schelten. Im Traumland der Naturfreaks, in Kanada, hat die Kahlschlagsfl&auml;che zum Zwecke der &Ouml;lsandgewinnung inzwischen die Fl&auml;che Gro&szlig;britanniens &uuml;berschritten. Auch dort geht es um den Verlust von Urwald.<\/p><p>Wenn in Nordamerika in der Tat immer noch Kahlschlag und Raubbau am Wald stattfindet, meines Wissens und nach WWF-Zahlen ist das so, so hat dies zum geringsten Teil mit der Anforderung der energetischen Holznutzung zu tun, sondern mit der Gier von Investoren, die die Fl&auml;chen zu ganz anderen Zwecken ben&ouml;tigen.<\/p><p>Holznutzung muss nat&uuml;rlich nachhaltig erfolgen, d.h. so, dass der Natur nicht mehr Biomasse entnommen wird als nachw&auml;chst. In Deutschland und in der EU sichern dies aber die geltenden Regelungen, teilweise eher b&uuml;rokratisch &uuml;berzogen. Mehr noch, die Waldfl&auml;che in Europa hat sich in den letzten 25 Jahren kontinuierlich um  drei Prozent  vergr&ouml;&szlig;ert und w&uuml;rde man die zum Teil brachiale Gier nach Fl&auml;chen f&uuml;r Siedlung und Infrastruktur z&uuml;geln, k&ouml;nnte es noch besser werden.<\/p><p>Die WWF kritisiert zwar, dass die aufgeforsteten W&auml;lder oft nicht den &ouml;kologischen Wert der Ursprungsw&auml;lder haben, zumindest in Deutschland aber gilt dies nicht. Urw&auml;lder gibt es hier (und in fast ganz Europa) schon lange nicht mehr, vielmehr ersetzen artenreiche Mischw&auml;lder viel zu dicht bestandene Fichtenholz-Monokulturen ohne jedes weitere Leben aus dem fr&uuml;hen 20. Jahrhundert. Mischw&auml;lder, die dennoch eine intensive wirtschaftliche Nutzung erlauben,  aber nicht durch Kahlschlag, sondern durch selektive Forstverj&uuml;ngung.<\/p><p>Europ&auml;ische Waldbewirtschaftung (und mehr noch die chinesische) ist deshalb nicht nur klimatisch nachhaltig, sie ist, und das ist einmalig, eine echte Senke f&uuml;r Klimagase, d.h. sie bindet mehr Kohlendioxid als sie freisetzt. Trotz zahlloser wissenschaftlicher Untersuchungen der Klimaengineering-Fantasten setzen alle anderen Bereiche menschlichen Wirkens nach wie vor mehr CO2 frei als sie binden.<\/p><p>Energieholzbewirtschaftung ist klug gemacht und durchaus so machbar, dass sie vollkommen nachhaltig ist, also dass das bei der Energiegewinnung freigesetzte CO2 durch das Nachwachsen des Waldes wieder gebunden wird. Und, wie gesagt, hier funktioniert tats&auml;chlich etwas brauchbar in Europa, wenn auch l&auml;ngst nicht optimal. Wenn, wie Walter Tauber schreibt, der NABU eine &Uuml;berpr&uuml;fung der EU-Ziele f&uuml;r die Energiegewinnung aus Biomasse fordert, ist dies nat&uuml;rlich allemal gerechtfertigt. Zumal weitaus mehr Energie aus Biomasse gewonnen werden m&uuml;sste.<\/p><p><strong>Perspektiven f&uuml;r die Energiewende ohne nachwachsende Rohstoffe?<\/strong><\/p><p>Wer in Anspruch nimmt, eine K&uuml;hltruhe, eine Klimaanlage, ein Fernsehger&auml;t (alles im Gegensatz zum Autor) zu betreiben, wird auch nach einer perfekt vollendeten Energiewende und sparsamster Technologie k&uuml;nftig elektrische Energie ben&ouml;tigen. Wer dar&uuml;ber hinaus elektromotorische Mobilit&auml;t (im Gegensatz zum Autor) und Strom zur Geb&auml;udeheizung (W&auml;rmepumpe) ben&ouml;tigt, wird sogar wesentlich mehr brauchen als heute.<\/p><p>Dabei wird es wohl darauf hinaus laufen, dass auf absehbare Zeit zwei gro&szlig;e Energiequellen f&uuml;r die nachhaltige Elektrizit&auml;tsversorgung zur Verf&uuml;gung stehen: Erstens die Photovoltaik und zweitens die Windenergie. Von der Photovoltaik wissen wir sicher, dass sie erstens nachts gar keine und zweitens im Winterhalbjahr fast keine Energie liefert, von der Windenergie wissen wir das nicht so genau, aber doch sicher, dass sie zu gewissen Zeiten und diese sind mitunter nachts und im Winter ebenfalls keine nennenswerte Energiemenge liefert. <\/p><p>Die Folge ist, dass jeglicher Traum von einer CO2-freien Energiewirtschaft nach 2050 Makulatur ist. Es gibt kein Konzept f&uuml;r eine Energiewende ohne Elektrizit&auml;tsgewinnung aus Gas. Und dieses Gas wird ein fossiles sein, wenn wir es nicht schaffen eine nachhaltige Bewirtschaftung mit Energiepflanzen zu erreichen, die in der Lage ist, die bleibenden gro&szlig;en Energiemengen zu liefern, wenn Flaute und Nacht ist. Man bedenke immer: Die Anlagenauslegung sieht vor, dass Photovoltaikanlagen nur ein Achtel, Windkraftanlagen an Land ein Viertel und Offshore ein Drittel des Jahres Strom liefern.<br>\nWeder die Stromvernetzung noch die Energiespeicherung zeigen Perspektiven, dass tage- bis wochenlanger  oder gar saisonaler (Solarenergie) weitgehender Ausfall von Wind- plus Solarenergie kompensiert werden kann. <\/p><p>Es gibt eine weitere nachhaltige Energiequelle, die exzellent speicherbar ist, perfekt serienreif entwickelt, geeignet f&uuml;r sehr gro&szlig;e Energiemengen, preiswert und mit herausragendem Wirkungsgrad (gegen&uuml;ber Power-to-gas oder Batterien weit &uuml;berlegen), das ist die Wasserkraft. Doch genau diese perfekte Energiequelle steht wie keine andere in der gesellschaftlichen Kritik des Naturschutzes auf Grund der gro&szlig;en Zerst&ouml;rung von &Ouml;kosystemen. Wir reden nicht vom idyllischen Teich am Waldrand sondern von f&uuml;r die globale Energieversorgung relevanten Gr&ouml;&szlig;en im Gigawattbereich. Weitere nachhaltige Energiesysteme stehen nicht zur Debatte. Au&szlig;er nachwachsenden Rohstoffen.<\/p><p>Wer also nach 2050 eine CO2-freie Stromerzeugung will, also ohne Erdgas, der muss Holz und Biogas nutzen und zwar viel. Auch bei intelligentester Anwendung von Einsparm&ouml;glichkeiten, wovon angesichts von 300kW-Elektroautos nicht die Rede sein kann, werden die Kapazit&auml;ten der nachwachsenden Rohstoffe nicht ausreichen, wenn die Nahrungsmittelversorgung von 8 oder mehr Milliarden Menschen nicht beeintr&auml;chtig sein soll. Weitere Informationen gibt es etwa bei der &bdquo;<a href=\"http:\/\/plattform-wald-klima.de\">Plattform Waldklima<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Es soll nicht Ziel der Waldbewirtschaftung sein, B&auml;ume zum Verbrennen zu pflanzen. Vielmehr sollte sehr viel mehr in Holz gebaut werden. Nicht nur idyllische Blockh&auml;user, sondern auch Geschosswohnungsbau, B&uuml;roh&auml;user, Fabriken und Br&uuml;cken. Jedes St&uuml;ck Holz, das neu verbaut wird, ist eine CO2-Senke, entzieht also dem Klimakreislauf CO2, richtig gemacht f&uuml;r Jahrhunderte. Und es wirkt doppelt: Es spart den Einsatz von Zement. Die Zementindustrie ist aber ein Hauptverursacher von Klimagasen. Energetisch genutzt werden sollte nie der frisch gef&auml;llte Baum, allenfalls das Abfallholz, das chemisch unbehandelte Stammholz erst nach einer langen Nutzung als Konstruktionsholz.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkungen von Walter Tauber<\/strong><\/p><p>Mein Artikel ist keine &ldquo;Meinung&rdquo; sondern eine gr&uuml;ndliche Recherche, in der ein Dutzend Wissenschaftler zitiert werden.<\/p><p>Es mag sein, dass die europ&auml;ische Waldwirtschaft beispielhaft ist. Es mag sein, dass China es auch gut macht. Es ist wahr, dass der Amazonas f&uuml;r Viehweiden geopfert wird, da ist unsere Lust auf Fleisch schuld. Aber was hat das alles mit meinem Bericht zu tun? Ist der Verweis auf andere schlimme Beispiele nicht ablenkend? Auch der Aspekt, wie der Energiemix in Zukunft aussehen soll, d.h. wie viel Strom wir aus Sonne und Wind und anderen Quellen produzieren werden, ist eine interessante Frage, die aber nichts mit meinem Bericht zu tun hat.<\/p><p>Es geht darum, dass eine (vielleicht versehentliche) Gesetzesl&uuml;cke einen zerst&ouml;rerischen Raubbau erm&ouml;glicht hat. Es geht darum, dass Kohle durch Holz zu ersetzen, noch mehr CO2 Aussto&szlig; verursachen wird. Die Definition der EU von CO2-Neutralit&auml;t muss revidiert werden.<\/p><p>Herzlichen Gru&szlig;,<br>\nWalter Tauber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen haben die NachDenkSeiten den Text &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57130\">Die L&uuml;ge von der nachhaltigen Bioenergie und die Zerst&ouml;rung des Waldes<\/a>&ldquo; von <strong>Walter Tauber<\/strong> ver&ouml;ffentlicht &ndash; in dem Wissen, dass Taubers Debattenbeitrag auch Widerspruch hervorrufen kann. Diesen Widerspruch meldet nun unser Leser <strong>Hans-Peter Zepf<\/strong> an. 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