{"id":57259,"date":"2019-12-20T10:31:05","date_gmt":"2019-12-20T09:31:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57259"},"modified":"2020-01-17T09:15:49","modified_gmt":"2020-01-17T08:15:49","slug":"die-washington-papers-muessen-auch-fuer-deutschland-ein-thema-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57259","title":{"rendered":"Die Afghanistan Papers m\u00fcssen auch f\u00fcr Deutschland ein Thema werden"},"content":{"rendered":"<p>In der vergangenen Woche ver&ouml;ffentlichte die Washington Post die sogenannten Afghanistan Papers. Obwohl die Dokumente medial eine gro&szlig;e Runde machten, blieb eine angemessene Reaktion weiterhin aus. Immerhin sind es nicht nur die USA, die die &Ouml;ffentlichkeit belogen und betrogen haben, sondern auch Verb&uuml;ndete wie Deutschland, das &bdquo;die Freiheit am Hindukusch verteidigte&ldquo;. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2221\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-57259-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191220_Die_Afghanistan_Papers_muessen_auch_fuer_Deutschland_ein_Thema_werden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191220_Die_Afghanistan_Papers_muessen_auch_fuer_Deutschland_ein_Thema_werden_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191220_Die_Afghanistan_Papers_muessen_auch_fuer_Deutschland_ein_Thema_werden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191220_Die_Afghanistan_Papers_muessen_auch_fuer_Deutschland_ein_Thema_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=57259-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/191220_Die_Afghanistan_Papers_muessen_auch_fuer_Deutschland_ein_Thema_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"191220_Die_Afghanistan_Papers_muessen_auch_fuer_Deutschland_ein_Thema_werden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie zum Thema &bdquo;Afghanistan Papers&ldquo; bitte auch Emran Feroz&rsquo; Bericht <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57061\">&ldquo;18 Jahre Krieg, 18 Jahre L&uuml;gen&rdquo;<\/a><\/em><\/p><p>Seit der Ver&ouml;ffentlichung der Afghanistan Papers scheinen sich pl&ouml;tzlich viele dar&uuml;ber einig zu sein, dass der Krieg in Afghanistan falsch l&auml;uft, und zwar schon seit langem. Man habe es lediglich nicht gewusst. Ein Mann, dem diese Schlussfolgerung nicht passt, hei&szlig;t John Sopko. Er ist in gewisser Art und Weise der Protagonist der Papers. Als Sonder-Generalinspekteur f&uuml;r den Wiederaufbau Afghanistans (kurz SIGAR) hat Sopko ebenjenen Bericht erstellt, den die US-Regierung zensieren wollte und der nun von der Washington Post ver&ouml;ffentlicht wurde. Sopko und sein Team haben &uuml;ber 400 Insider interviewt, die allesamt mehr oder weniger zugaben, dass der Krieg am Hindukusch eine Katastrophe sei. <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/opinions\/setting-the-record-straight-on-the-afghanistan-papers\/2019\/12\/17\/9721afbe-204f-11ea-bed5-880264cc91a9_story.html\">Nun hat sich Sopko selbst zu Wort gemeldet<\/a>, und zwar in einem St&uuml;ck, das er f&uuml;r ebenjene Washington Post verfasst hat. Sopko betont die Wichtigkeit der Ver&ouml;ffentlichung der Papers, allerdings kritisiert er auch den damit verbundenen Sensationalismus der Washington Post und meint, dass die meisten ver&ouml;ffentlichten Fakten eben nicht &bdquo;geheim&ldquo; gewesen seien. Wer die regelm&auml;&szlig;ig erschienenen SIGAR-Berichte aufmerksam gelesen h&auml;tte, w&auml;re zu &auml;hnlichen Schl&uuml;ssen gekommen. Hinzu kommt, dass laut Sopko die Papers (oder besser gesagt: die Journalisten, die sie aufgearbeitet haben) die Arbeit seines Teams, das teils unter extrem schwierigen und gef&auml;hrlichen Bedingungen in Afghanistan vor Ort recherchierte, ignorieren oder geringsch&auml;tzen w&uuml;rden.<\/p><p>Sopkos Kritik ist richtig und wichtig. Man muss sich n&auml;mlich gewiss etwas bl&ouml;d vorkommen, wenn man jahrelang die eigene Regierung sowie die &Ouml;ffentlichkeit auf die Misere in Afghanistan aufmerksam macht &ndash; und zwar mit knallharten Zahlen und Fakten durch aufwendige Recherche &ndash; und dann am Ende von ein paar Journalisten hochgenommen wird, die meinen, sie h&auml;tten eine vermeintlich geheime Story enth&uuml;llt und w&uuml;rden nun Geschichte schreiben. All dies macht nur abermals deutlich, inwiefern gewisse Medien eine enorme Deutungshoheit haben und Realit&auml;ten schaffen oder neu erfinden k&ouml;nnen. Diese Feststellung soll keineswegs als Relativierung der Afghanistan Papers aufgenommen werden. Im Vergleich zu vielen Medien, vor allem im deutschsprachigen Raum, leisten Washington Post, New York Times und Co. oftmals hervorragende Arbeit zum Krieg in Afghanistan. In diesem Fall wollte das betroffene Medium allerdings die erlangten Daten besonders ausschlachten, und das, obwohl es sich eben bei vielen der genannten Fakten keineswegs um neue Erkenntnisse gehandelt hat.<\/p><p>Seit dem Beginn meiner journalistischen Arbeit befasse ich mich mit dem Krieg in Afghanistan, und seit jeher kritisiere ich ihn. Bereits vor Jahren berichtete ich &uuml;ber korrupte Warlords, die mit den Amerikanern zusammenarbeiten. Ich schrieb &uuml;ber die Taliban und deren zunehmenden Machteinfluss oder &uuml;ber den Mythos der Demokratisierung und der Frauenbefreiung. Hinzu kam die gro&szlig;e Anzahl der zivilen Opfer im Land, die eben nicht nur durch Taliban und anderweitige aufst&auml;ndische Gruppierungen zustande kommt, sondern auch durch US-Drohnen, NATO-Truppen und CIA-Milizen. So gut wie all meine Beobachtungen und Annahmen wurden von den Afghanistan Papers best&auml;tigt. Das ist gut und schlecht.<\/p><p>Einerseits f&uuml;hlt man sich best&auml;tigt und hofft, dass die &Ouml;ffentlichkeit nun gewisse Dinge endlich einsehen wird. Andererseits fragt man sich auch, wof&uuml;r man all die Jahre gearbeitet hat. Die Arbeit als Kriegsreporter ist nicht nur schwierig, sie ist auch lebensgef&auml;hrlich. Man geht an die Front, besucht abgelegene Gebiete, die von Drohnen heimgesucht werden oder trinkt Tee mit Taliban-K&auml;mpfern. In solchen Momenten blendet man alle Gefahren aus. Man versucht, zu arbeiten. Am Ende verkauft man seinen Text an den Meistbietenden, und der zahlt meistens immer noch mickrig. Wer sich einer solchen Arbeit widmet, tut dies gewiss nicht des Geldes wegen. Nat&uuml;rlich hofft man, dass die Berichterstattung irgendwann eine Auswirkung zeigt, ja, die Realit&auml;t in irgendeiner Art und Weise ver&auml;ndert. Letztendlich hat man allerdings den ganz pers&ouml;nlichen &bdquo;Sopko-Moment&ldquo;.<\/p><p>Umso wichtiger ist es nun, den Blick nicht nur auf die USA zu werfen. Dutzende von Nationen beteiligen sich an dem Krieg in Afghanistan und tragen eine gro&szlig;e Mitschuld. Dies betrifft auch Deutschland, weshalb es wichtig ist, die aktuelle Berichterstattung hierzulande etwas genauer zu betrachten. Viele Beobachter aus Politik und Medien scheinen sich einig dar&uuml;ber zu sein, dass die US-Regierung ihre eigene Bev&ouml;lkerung jahrelang belogen hat und dass das nicht in Ordnung ist. Nat&uuml;rlich haben alle Medien, einschlie&szlig;lich ZDF, ARD und Co., in irgendeiner Art und Weise &uuml;ber die Papers berichtet. Bahnbrechend war diese Berichterstattung allerdings keineswegs. Hinzu kommt, dass man den Fall isoliert betrachtet. &bdquo;Die Amerikaner haben die &Ouml;ffentlichkeit belogen? Sch&ouml;n, aber damit haben wir nichts zu tun.&ldquo; Das stimmt nat&uuml;rlich. Denn am Hindukusch wird weiterhin die deutsche Freiheit verteidigt. Deutsche Soldaten haben in den letzten Jahren lediglich Brunnen und Schulen gebaut, und keine Zivilisten ermordet. Kunduz, 150 Tote und ein mittlerweile zum General bef&ouml;rderter Georg Klein? Gibt es nicht. Tausende von Drohnen-Toten, die es ohne Ramstein nicht geben w&uuml;rde? Wir wissen nichts davon. Brutale Warlords, die aufgrund ihrer Kriegsverbrechen nicht nach Den Haag gebracht, sondern mit Millionen belohnt wurden, w&auml;hrend sie mit der Bundeswehr zusammenarbeiten? Wir kennen sie nicht.<\/p><p>Anstatt den Moment zu nutzen und mit all den bekannten Afghanistan-Mythen hierzulande aufzur&auml;umen, hat man die eigene Schuld und die damit verbundene Verantwortung einfach ignoriert und ging zum Alltag &uuml;ber. Dies ist nicht wirklich &uuml;berraschend &ndash; und dennoch bitter.<\/p><p>Titelbild: Joerg Huettenhoelscher\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der vergangenen Woche ver&ouml;ffentlichte die Washington Post die sogenannten Afghanistan Papers. Obwohl die Dokumente medial eine gro&szlig;e Runde machten, blieb eine angemessene Reaktion weiterhin aus. Immerhin sind es nicht nur die USA, die die &Ouml;ffentlichkeit belogen und betrogen haben, sondern auch Verb&uuml;ndete wie Deutschland, das &bdquo;die Freiheit am Hindukusch verteidigte&ldquo;. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57259\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":57260,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,183,171,11],"tags":[351,2782,813,304,1919,466,1556,1954,2360],"class_list":["post-57259","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-afghanistan","tag-afghanistan-papers","tag-drohnen","tag-kriegsverbrechen","tag-lueckenpresse","tag-nato","tag-usa","tag-washington-post","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/shutterstock_456829246.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57259","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=57259"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57259\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57275,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57259\/revisions\/57275"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/57260"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=57259"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=57259"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=57259"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}