{"id":57279,"date":"2019-12-22T11:45:00","date_gmt":"2019-12-22T10:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57279"},"modified":"2019-12-22T16:39:35","modified_gmt":"2019-12-22T15:39:35","slug":"die-domestizierung-der-friedensforschung-paradigma-fuer-die-neoliberale-gleichschaltung-der-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57279","title":{"rendered":"Die Domestizierung der Friedensforschung \u2013 Paradigma f\u00fcr die neoliberale Gleichschaltung der Wissenschaft?"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Krieg nach innen, Krieg nach au&szlig;en&ldquo; &ndash; angesichts der immer mehr ausgeweiteten Kriege und ihrer politischen Rechtfertigung fragen die Autorinnen und Autoren des gleichnamigen Buches nach der Verantwortung der Intellektuellen. Sie thematisieren die zunehmende und st&auml;rkere Beteiligung Deutschlands an Kriegseins&auml;tzen, die ausgeweitete deutsche Waffenproduktion und bieten Ans&auml;tze, diese in ihren Zusammenh&auml;ngen, ihren Ursachen und Auswirkungen zu verstehen. <strong>Werner Ruf<\/strong> untersucht in seinem Beitrag die Domestizierung der Friedensforschung.<br>\n<!--more--><br>\nIn ihrer Gr&uuml;ndungsphase definierte die Arbeitsgemeinschaft f&uuml;r Friedens- und Konfliktforschung (AFK) auf einer Tagung in Berlin-Wannsee am 24. und 25. April 1971 ihr Selbstverst&auml;ndnis folgenderma&szlig;en: <\/p><blockquote><p>\n&raquo;Kritische Friedensforscher\/innen lehnen eine am Status quo orientierte Befriedungsforschung ab. [&hellip;] Kritische Friedensforscher\/innen begreifen sich als wissenschaftliche Parteig&auml;nger von Menschen, die durch die ungleiche Verteilung sozialer und &ouml;konomischer Lebenschancen in und zwischen Nationen (d. h. durch strukturelle Gewalt) betroffen sind: von Ausgebeuteten, von sozial Diskriminierten und von unmittelbar in ihrer physischen Existenz Bedrohten.&laquo; \t(Wasmuht 1998, S. 177).\n<\/p><\/blockquote><p>Wird Friedensforschung konsequent gedacht, kann sie sich nicht auf Kriege in Form zwischenstaatlicher bewaffneter Auseinandersetzung beschr&auml;nken, sondern muss konsequenterweise die Frage nach dem Ursprung und den Ursachen von Gewalt stellen. Forschungsgegenstand werden dann alle Formen struktureller Gewalt (Johan Galtung), ebenso &ndash; als Gegenmodell zum gewaltf&ouml;rmigen Widerstand &ndash; Formen der Gewaltfreiheit, wie sie etwa von Gandhi praktiziert wurde. <\/p><p>Entscheidenden Einfluss auf das Selbstverst&auml;ndnis vieler Friedensforscherinnen und Friedensforscher in Deutschland hatte die Kritische Theorie Max Horkheimers und Theodor W. Adornos. Im Sinne der Kritik an Strukturellen Gewaltverh&auml;ltnissen erhielten zahlreiche Arbeiten eine anti-imperialistische Sto&szlig;richtung, der Vietnamkrieg wie auch der Putsch gegen die sozialistische Regierung in Chile vom 11. September 1973 wurden zu empirischen Bezugsgr&ouml;&szlig;en. Zunehmend wurde explizit der Zusammenhang zwischen Kapitalismus, Ausbeutung, Gewalt und Krieg hergestellt: in den Analysen &uuml;ber strukturelle Gewalt von Johan Galtung (1971) wie in Arbeiten etwa von Fritz Vilmar (1969 und 1970). Auch die weit verbreiteten Publikationen von Dieter Senghaas (1974) nahmen das Ausbeutungsverh&auml;ltnis zwischen kapitalistischem Norden und unterentwickeltem S&uuml;den ins Visier: Dort kamen neben Vertretern der lateinamerikanischen Dependenz-Theorie auch erkl&auml;rte Marxisten wie etwa Samir Amin zu Wort. Die als Ausformung eines ausbeuterischen strukturellen Gewaltverh&auml;ltnisses begriffenen Nord-S&uuml;d-Beziehungen wurden zu einem zentralen Strang friedensforscherischer Hypothesenbildung und empirischer Forschungen, die folgerichtig eine neue und intensive Besch&auml;ftigung mit Imperialismus-Theorien nach sich zogen. Dieser Strang der Friedensforschung pr&auml;gte in hohem Ma&szlig;e die Entwicklungsl&auml;nderforschung im Allgemeinen und wirkte zur&uuml;ck auf die politikwissenschaftliche Teildisziplin der Internationalen Beziehungen im Besonderen. Exemplarisch findet sich diese Position in den formulierten &raquo;Tutzinger Thesen&laquo; der Sektion Internationale Politik der Deutschen Vereinigung f&uuml;r Politikwissenschaft vom September 1972, die feststellten, dass &raquo;die Analyse der internationalen Gesellschaft als einer komplexen Klassengesellschaft&laquo; geleistet werden m&uuml;sse. Demzufolge (ist) &raquo;Au&szlig;enpolitik heute staatlich vermittelte Politik des Krisenmanagements von jeweils herrschenden Klassen, deren Interesse zur Systemstabilisierung ableitbar ist von ihrer Stellung im gesamtgesellschaftlichen Reproduktionsprozess, insbesondere ihrer Verflechtung im milit&auml;risch-industriellen Komplex.&laquo; (Krippendorff 1972, S. 364-368.)<\/p><p><strong>Friedensforschung und neoliberaler Paradigmenwechsel<\/strong><\/p><p>Bis gegen Ende der Achtzigerjahre verstanden sich weite Teile der Friedensforschung als wissenschaftlicher Arm der Friedensbewegung und sahen es (auch) als ihre Aufgabe, die Anliegen der Friedensbewegung durch wissenschaftliche Expertise zu unterf&uuml;ttern. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler engagierten sich selbst in der Friedensbewegung. Die AFK und ihr Vorstand bezogen regelm&auml;&szlig;ig &ouml;ffentlich politische Positionen und gaben Erkl&auml;rungen zu aktuellen Konflikten ab. Fast eine Art Relikt aus dieser kritischen Phase ist die Quartalszeitschrift Wissenschaft und Frieden, die 1983 auf Initiative des Bundes demokratischer Wissenschaftler (BdWi) gegr&uuml;ndet wurde und die 2018 den G&ouml;ttinger Friedenspreis erhielt. [&hellip;] <\/p><p>Ab Ende der Achtzigerjahre ver&auml;nderten sich die Mehrheitsverh&auml;ltnisse innerhalb der Arbeitsgemeinschaft f&uuml;r Friedens- und Konfliktforschung (AFK), dem Zusammenschluss der Friedensforscher\/innen, und die politische Ausrichtung der Organisation. Dies ist auf eine Mehrzahl von Faktoren zur&uuml;ckzuf&uuml;hren: <\/p><ul>\n<li>W&auml;hrend ihrer Konstituierung hatte sich die Friedensforschung eine eigene und selbstverwaltete Finanzierung durch die Deutsche Gesellschaft f&uuml;r Friedens- und Konfliktforschung (DGFK) erk&auml;mpft, die vom Bund und den L&auml;ndern alimentiert wurde. Der Ausstieg der L&auml;nder Bayern und Baden-W&uuml;rttemberg f&uuml;hrte schlie&szlig;lich zur &Uuml;bertragung der F&ouml;rderung an die DFG. Die Selbstbestimmung der F&ouml;rderung innerhalb der Disziplin war damit beendet.<\/li>\n<li>Folgenreich war ferner die Ver&auml;nderung der politischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse in Deutschland, markiert durch die unter konservativem und neoliberalem Vorzeichen vollzogene deutsche Vereinigung. Diese ideologische Wende hatte sich bereits angek&uuml;ndigt in der Regierungs&uuml;bernahme durch die CDU, sie kulminierte in Wandlungsprozessen innerhalb der SPD, die symbolisiert wurden durch die Kanzlerschaft Schr&ouml;ders, der gemeinsam mit dem gr&uuml;nen Au&szlig;enminister Fischer Deutschland 1999 in seinen ersten und dazu noch v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg f&uuml;hrte, wie auch im R&uuml;cktritt Oskar Lafontaines von den &Auml;mtern des Finanzministers und des Parteivorsitzenden im M&auml;rz 1999. <\/li>\n<li>Etwa zeitgleich nahm der &raquo;Mainstream&laquo; der Sozialwissenschaften Abschied von einem Selbstverst&auml;ndnis, das sich bis dahin mehrheitlich von &raquo;konservativ&laquo; bis &raquo;kritisch&laquo; stets normativ definiert hatte. Das inzwischen dominierende Paradigma des Konstruktivismus nimmt die Postulate der Positivisten wieder auf, indem es Wissenschaft als wertfrei versteht. Dass ein solcher Ansatz, der sich vordergr&uuml;ndig auf die Erkl&auml;rung empirischer Befunde beschr&auml;nkt, selbst voll in die Falle der den Sozialwissenschaften immer inh&auml;renten Normativit&auml;t ger&auml;t, ist den Vertretern dieser Richtung nicht bewusst, bzw. wird negiert. [&hellip;]<\/li>\n<li>Mit diesen Ver&auml;nderungen, die auf eine &raquo;Verwissenschaftlichung&laquo; der Friedensforschung abzielten, ging auch die Trennung der Friedensforschung von der Friedensbewegung einher: Die normativen, oft emotionalen Antriebe der friedensbewegten Menschen erreichten die sich zunehmend akademisch profilierende wissenschaftliche Community der Friedensforscherinnen und -forscher nicht mehr.<\/li>\n<\/ul><p>Ohne hier die wissenschaftstheoretische Debatte weiterf&uuml;hren zu k&ouml;nnen, sei diese Art der Politikberatung am Beispiel des neuen &raquo;friedensforscherischen&laquo; Selbstverst&auml;ndnisses exemplarisch illustriert: Ausgehend von einem modisch gewordenen Menschenrechtsdiskurs, der nicht mehr nach den Ursachen der Gef&auml;hrdung menschlichen Lebens fragt, sondern das Elend als gegebenes (und m&ouml;glicherweise bedrohliches) Gegenwartsproblem begreift, bef&uuml;rwortet die etablierte Friedensforschung beispielsweise sicherheitspolitische Konzepte wie die Zivil-Milit&auml;rische Zusammenarbeit (CIMIC) oder die sogenannte Schutzverantwortung (responsibility to protect), indem sie ihre Expertise f&uuml;r die Optimierung dieser Konzepte anbietet: Heraus kommen dabei Politikempfehlungen wie beispielsweise die des den Gr&uuml;nen nahestehenden Instituts f&uuml;r Entwicklung und Frieden (Universit&auml;t Duisburg\/Essen): <\/p><blockquote><p>\n&raquo;Das Bundesministerium f&uuml;r Verteidigung (BMVg) sollte sich st&auml;rker als bislang an diesem Austausch (&uuml;ber krisenrelevante Entwicklungen in den L&auml;ndern der ehemaligen &raquo;Dritten Welt&laquo; &ndash; WR) beteiligen und seine Erfahrungen zum Beispiel mit peace-keeping-Eins&auml;tzen einbringen, damit k&uuml;nftige Einsatzmandate realit&auml;tsn&auml;her formuliert und in besserer Abstimmung mit den Aktivit&auml;ten der Zivilgesellschaft vorbereitet werden k&ouml;nnen.&laquo; (Debiel et al. 1999, S. 7)\n<\/p><\/blockquote><p>Ein besonderes Dokument des &Uuml;bergangs der Friedensforschung zum puren Bellizismus lieferte der (damalige) Direktor der Hessischen Stiftung f&uuml;r Friedens- und Konfliktforschung Harald M&uuml;ller (2011) anl&auml;sslich des Krieges der NATO gegen Libyen, indem er unter vordergr&uuml;ndigem Verweis auf das Menschenrechtsargument mit Sch&auml;rfe die Zur&uuml;ckhaltung der Bundesregierung im Falle dieses Krieges gei&szlig;elte:<\/p><blockquote><p>\n&raquo;Die Haltung der Bundesregierung im Fall Libyen ist ein moralischer und politischer Fehler. [&hellip;] Scharf formuliert, gab es eine Allparteienkoalition gegen den Schutz der Menschen in Bengasi, gef&uuml;hrt von der Linken mit ihrer koh&auml;renten Anti-Interventions-Leitkultur, im Schlepptau die Regierungsparteien, die dem Motto des Wiener Chansonniers Georg Kreisler folgten &raquo;mir gfallts, aber i bin dagegen&laquo;, die SPD, zugleich schwammig und zerrissen, und ganz zuletzt die Gr&uuml;nen, halb protestierend und mit schlechtem Gewissen, aber durch Unt&auml;tigkeit die deutsche Politik stillschweigend tolerierend. [&hellip;] Die deutsche Reputation ist schwer besch&auml;digt.&laquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die mit Beginn der Neunzigerjahre und von der deutschen Vereinigung vielleicht nicht unbeeinflusste Verschiebung der Paradigmen innerhalb der Sozialwissenschaften hatte unmittelbare Auswirkungen auch auf die Friedensforschung, wo die (nie dominante, aber vorhandene) politische &Ouml;konomie verdr&auml;ngt wurde durch die konstruktivistischen Ans&auml;tze, die in positivistischer Tradition letztlich auch Friedens- und Konfliktforschung vom Standpunkt der Machbarkeit aus betrachten. Damit begibt sich die Friedensforschung ihres in der &raquo;Kritischen Friedensforschung&laquo; hochgehaltenen Anspruchs einer gesellschaftskritischen Analyse der strukturellen Konfliktursachen und ihrer Bek&auml;mpfung, bei der die Sozialwissenschaften selbst sich als Partei der Unterdr&uuml;ckten verstanden. So wird seit einigen Jahren auch in der AFK dar&uuml;ber debattiert, ob Friedensforschung denn &uuml;berhaupt eine normative Wissenschaft sein k&ouml;nne und d&uuml;rfe. Friedens- und Konfliktforschung wird von den Vertretern dieser Richtung eher als eine technizistische Disziplin verstanden, die gerade im Bereich der Friedenssicherung, ggf. auch der &raquo;Friedensschaffung&laquo;, den Werkzeugkasten bereitzustellen hat (und vermag), der Gewalt in den seit Ende der Bipolarit&auml;t zunehmend innerstaatlichen Konflikten zu reduzieren oder zu beenden helfen k&ouml;nne (Ruf 2009). <\/p><p>Wissenschaft zieht sich so &ndash; wie Strutynski (2002) treffend argumentiert &ndash; in jenen Elfenbeinturm zur&uuml;ck, in dem sie Wissen in erster Linie f&uuml;r andere Wissenschaftler produziert. Doch nicht nur: Zunehmend versteht auch die Friedenswissenschaft ihre Produktion als auf &raquo;den Markt&laquo; gerichtet, der f&uuml;r ihre Produkte Verwendung hat. Damit ist die Friedenswissenschaft im Begriff, dorthin zur&uuml;ckzukehren, wo die Kritiker im wissenschaftlichen Establishment (verk&ouml;rpert vor allem durch die DFG) sie schon in ihrer Gr&uuml;ndungsphase haben wollten: Die Besetzung von Professuren erfolgt nach den Kriterien der (inzwischen wieder) etablierten, scheinbar unpolitischen Wissenschaft und (re)produziert sich in den Zw&auml;ngen akademischer Karriereleitern selbst. Diese These wird belegt durch die Berufungspolitik seit der Jahrtausendwende, wo zahlreiche vakant gewordene Professuren in den Sozialwissenschaften gestrichen, viele aber mit Vertreterinnen und Vertretern des konstruktivistischen Paradigmas neu besetzt wurden.<\/p><p>Ein besonderes strukturelles Problem f&uuml;r die Friedensforschung war und ist, dass sie sich nur an wenigen Universit&auml;ten in Form von anerkannten Studieng&auml;ngen etablieren konnte (womit noch nichts &uuml;ber die Inhalte der Curricula gesagt ist!). Friedensforschung existierte an den Universit&auml;ten daher vor allem in der Rechtsform der &raquo;An-Institute&laquo;, was hei&szlig;t: Sie sind an Universit&auml;ten angegliedert, erhalten aber keine Mittel aus deren Etat, m&uuml;ssen also f&uuml;r ihre Finanzierung selbst sorgen. Der einzige Weg hierzu sind die &raquo;Drittmittel&laquo;: Zeitlich befristete und in ihrer Zielsetzung vom Auftraggeber formulierte Forschungsprojekte werden bei privaten, meist aber staatlichen Einrichtungen eingeworben. Hierf&uuml;r bieten sich die klassischen Ministerien an, die mit Fragen der Konfliktbearbeitung befasst sind: Das Bundesministerium f&uuml;r Verteidigung, das Ausw&auml;rtige Amt und das Bundesministerium f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit. <\/p><p>Die Leiter der Institute, meist bestallte Universit&auml;tsprofessor\/innen, stehen gegen&uuml;ber ihren Mitarbeiter\/innen, die in der Regel auf befristeten Projektstellen sitzen, in der sozialen Pflicht, deren materielle Existenz durch Anschlussprojekte zu sichern. Nur (im Sinne der Auftraggeber) erfolgreich abgeschlossene Projekte er&ouml;ffnen die Chance, ein Folgeprojekt einzuwerben. &raquo;Der Markt&laquo; &ndash; und dieser ist &uuml;berdies eng und von der Konkurrenz der Auftragnehmer gepr&auml;gt &ndash; bestimmt Art und Inhalt der wissenschaftlichen Produktion. Hier ergibt sich ein Teufelskreis, der nicht nur Wissenschaft in den Dienst der Herrschenden stellt, sondern auch das Bewusstsein der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler pr&auml;gt: Dies reicht beispielsweise im Bereich der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik von der &Uuml;bernahme der durch den offiziellen Sicherheitsdiskurs vorgegebenen Begrifflichkeiten (peace keeping, peace enforcement, securitization usw.) bis zur Nichthinterfragung beispielsweise jener &raquo;Petersberg-Prinzipien&laquo; , die in der postbipolaren Welt dem Interventionswillen der EU- und NATO-Staaten T&uuml;r und Tor &ouml;ffneten.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Die herrschende Friedensforschung hat, wie auch die Entwicklung der seit 1987 j&auml;hrlich erscheinenden &raquo;Friedensgutachten&laquo; zeigt, ganz im Gegensatz zu den Unkenrufen der Kritiker Heinemanns inzwischen sehr wohl beachtliche Bedeutung f&uuml;r die praktische Politik erlangt, wenn auch ganz anders als diese meinten: Nicht kritisch hinterfragend, sondern systemkonform optimierend geriert sich der Mainstream der heutigen Friedensforschung. So stellt sich auch in diesem Zusammenhang in eminenter Weise die Demokratiefrage: Der herrschende Diskurs in den Sozialwissenschaften fragt nicht mehr danach, wem die Produktion von Wissenschaft n&uuml;tzt, auf wessen Seite sie sich &ndash; konfliktanalysierend und -bek&auml;mpfend &ndash; engagieren muss, sondern danach, ob, wie und wo sie Anerkennung durch jene findet, die ohne demokratische Legitimation die Geschicke der Welt zu ihrem vordergr&uuml;ndigen und kurzfristigen Nutzen lenken. <\/p><p>Sicherlich konnte sich die Friedensforschung in ihren Anf&auml;ngen der feindlichen Aufmerksamkeit konservativer Kreise ebenso erfreuen wie der Gegnerschaft der R&uuml;stungsunternehmen. Ihre materiellen N&ouml;te erkl&auml;ren, weshalb hier eine inhaltliche Neuausrichtung besonders schnell und gut gelang. Dennoch steht diese &raquo;Wende&laquo; paradigmatisch f&uuml;r die unter neoliberalem Vorzeichen erfolgende Transformation der Sozialwissenschaften insgesamt: Drittmittel gelten als Ausweis von Wissenschaftlichkeit, sind entscheidende Kriterien in Berufungsverfahren. Dass solche Forschung ihre Unabh&auml;ngigkeit an den Garderoben der Auftraggeber abgibt, spielt dann oft keine Rolle mehr, sondern wird geradezu zum Brandbeschleuniger. Wissenschaftliche Auseinandersetzung verlagert sich von inhaltlicher, methodischer, auf Erkenntnisgewinn abzielender diskursiver Debatte zur Konkurrenz um Mittel, Anerkennung, Anteile am Markt. [&hellip;]<\/p><p><em>Klaus-J&uuml;rgen Bruder, Christoph Bialluch, J&uuml;rgen G&uuml;nther (Hrsg.): &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/Alle-Buecher\/Krieg-nach-innen-Krieg-nach-aussen.html?listtype=search&amp;searchparam=Klaus%20J%C3%BCrgen%20bruder%20\">Krieg nach innen, Krieg nach au&szlig;en &ndash; und die Intellektuellen als &sbquo;St&uuml;tzen der Gesellschaft&lsquo;?<\/a>&ldquo;, 350 Seiten, Westend Verlag, 2.12.2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Krieg nach innen, Krieg nach au&szlig;en&ldquo; &ndash; angesichts der immer mehr ausgeweiteten Kriege und ihrer politischen Rechtfertigung fragen die Autorinnen und Autoren des gleichnamigen Buches nach der Verantwortung der Intellektuellen. 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