{"id":57298,"date":"2019-12-21T17:06:42","date_gmt":"2019-12-21T16:06:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57298"},"modified":"2019-12-22T16:50:58","modified_gmt":"2019-12-22T15:50:58","slug":"klimawandel-lenins-bombe-und-der-verrat-der-westmaechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57298","title":{"rendered":"Klimawandel, \u201eLenins Bombe\u201c und der Verrat der Westm\u00e4chte"},"content":{"rendered":"<p>Wie Wladimir Putin auf der 15. Jahrespressekonferenz f&uuml;r Journalisten aus dem In- und Ausland die Lage im Land und der Welt erkl&auml;rte. Was war am Donnerstag blo&szlig; in Moskau los? Gab es da nicht die allj&auml;hrliche Jahrespressekonferenz des russischen Pr&auml;sidenten f&uuml;r in- und ausl&auml;ndische Journalisten? Nahmen an der Veranstaltung nicht &uuml;ber 1.000 Journalisten teil? Beantwortete Putin nicht &uuml;ber vier Stunden Fragen? Von <strong>Ulrich Heyden<\/strong>, Moskau<br>\n<!--more--><br>\nDie &bdquo;Tagesschau&ldquo; berichtet nur &uuml;ber eine Schie&szlig;erei vor dem Geb&auml;ude des Geheimdienstes FSB. Au&szlig;erdem berichtet die Nachrichtensendung, dass Putin auf einer Pressekonferenz in Moskau &bdquo;eingestanden&ldquo; habe, dass Russland keinen Antrag auf Auslieferung des Georgiers Zelimkhan Khangoshvili gestellt habe. Beide Meldungen war nur 30 Sekunden lang. Die gro&szlig;e Pressekonferenz hat die &bdquo;Tagesschau&ldquo; einfach weggedr&uuml;ckt. Denn was bringt die an Plus-Punkten gegen den autorit&auml;ren russischen Herrscher?<\/p><p>Stattdessen berichtet man lieber &uuml;ber kleinliches Gezanke &uuml;ber einen Mord, der angeblich von russischen Geheimdiensten in Auftrag gegeben wurde. <\/p><p>Khangoshvili, ein Georgier tschetschenischer Herkunft, war am 23. August 2019 im Berliner Tiergarten erschossen worden. Nach Meinung der deutschen Beh&ouml;rden hat ein Russe mit dem Namen Wadim Sokolow die Sch&uuml;sse auf Khangoshvili abgegeben. Der Russe wurde nicht weit vom Tatort festgenommen und ist in Haft. <\/p><p>Der Georgier ist tschetschenischer Abstammung und hat w&auml;hrend des Tschetschenienkrieges gegen Russland gek&auml;mpft. Dass dieser Georgier auch f&uuml;r den georgischen und amerikanischen Geheimdienst arbeitete, berichten die gro&szlig;en deutschen Medien nicht. <\/p><p>Das deutsche Au&szlig;enministerium warf Russland mangelnde Zusammenarbeit bei der Aufkl&auml;rung des Mordes vor und <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/russische-diplomaten-ausgewiesen-tiergarten-mord-reaktionen-101.html\">wies deshalb am 4. Dezember 2019 zwei russische Diplomaten aus<\/a>. <\/p><p><strong>Spiegel-Online wirft Putin &bdquo;Falschbehauptung&ldquo; vor<\/strong><\/p><p>Am Donnerstag <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/tiergarten-mord-wladimir-putin-gibt-falschbehauptung-zum-mord-an-zelimkhan-khangoshvili-zu-a-1302091.html\">berichtete Spiegel-Online<\/a> noch w&auml;hrend der viereinhalbst&uuml;ndigen Pressekonferenz in Moskau triumphierend, &bdquo;Putin gibt Falschbehauptung zu&ldquo;. <\/p><p>Wer habe nun Recht, der deutsche Au&szlig;enminister oder Russland?, fragte der Korrespondent des &bdquo;Spiegel&ldquo; auf der allj&auml;hrlichen gro&szlig;en Jahrespressekonferenz des russischen Pr&auml;sidenten, die in Moskau am Donnerstag das 15. Mal stattfand. <\/p><p>Der Kreml-Chef antwortete: &bdquo;Er und ich, weil diese Fragen mehrmals auf der Ebene der Geheimdienste besprochen wurden. Eine offizielle Anfrage &uuml;ber die Staatsanwaltschaft gab es tats&auml;chlich nicht, weil unsere Machtorgane es f&uuml;r sinnlos hielten, weil sie im Grunde eine negative Antwort erhielten.&ldquo; <\/p><p>Die im Ton sehr diplomatische Antwort von Putin ist auf Englisch <a href=\"http:\/\/kremlin.ru\/events\/president\/news\/62366\">nachzulesen im offiziellen Protokoll<\/a>.<\/p><p>Dass Putin &bdquo;eine Falschbehauptung zugab&ldquo;, wie Spiegel Online rei&szlig;erisch berichtete, davon kann keine Rede sein. In Ermangelung von Fakten behauptet Spiegel-Online jetzt, der mutma&szlig;liche M&ouml;rder Wadim Sokolow habe ein Tattoo, welches typisch sei f&uuml;r russische Spezialkr&auml;fte. Das Tattoo wird jedoch nicht gezeigt.<\/p><p><strong>Ein Opfer Russlands oder einfach nur ein Terrorist?<\/strong><\/p><p>Auf der Pressekonferenz in Moskau wies Putin &ndash; wie schon in Paris &ndash; noch einmal darauf hin, dass Zelimkhan Khangoshvili &bdquo;ein absolut blutiger M&ouml;rder&ldquo; war. F&uuml;r Spiegel-Online war Khangoshvili nur der &bdquo;Anf&uuml;hrer einer Miliz gegen die russischen Streitkr&auml;fte im Tschetschenienkrieg&ldquo;. <\/p><p>Doch auf der Pressekonferenz in Moskau untermauert Putin seine Behauptung zu Khangoshvili mit Fakten. &bdquo;Allein bei einer Aktion im Kaukasus t&ouml;tete er 98 Menschen&ldquo;, sagte der Pr&auml;sident. <\/p><p>Khangoshvili war nach Angaben russischer Sicherheitsorgane am 21. und 22. Juni 2004 an einem <a href=\"https:\/\/ria.ru\/20190621\/1555690246.html\">&Uuml;berfall<\/a> von 300 tschetschenischen Islamisten auf die zu Russland geh&ouml;rende Kaukasusrepublik Inguschetien beteiligt. Die Islamisten t&ouml;teten damals gezielt fast alle im Dienst befindlichen Polizisten. <\/p><p>Die von dem Terroristen Schamil Basajew geleitete Aktion sollte der Bildung eines &bdquo;Islamischen Emirates&ldquo; im gesamten zu Russland geh&ouml;renden Nordkaukasus dienen.  <\/p><p>Der russische Pr&auml;sident erkl&auml;rte am Donnerstag, Khangoshvili sei auch an den Bombenanschl&auml;gen auf die Moskauer Metro beteiligt gewesen. &bdquo;Wir haben diese Frage mehrere Male auf der Ebene der Geheimdienste angesprochen&ldquo;, sagte Putin. <\/p><p>Putin erinnerte auf der Pressekonferenz am Donnerstag <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Tschetschenen-gehen-auf-Distanz-zu-angeblichen-Boston-Attentaetern-3398532.html\">auch an den Anschlag<\/a> zweier tschetschenischer Br&uuml;der &ndash; Dschochar und Tamerlan Tsarnajew. Bei dem Anschlag w&auml;hrend eines Marathon-Laufes in Boston im April 2013 waren drei Menschen get&ouml;tet und 282 Menschen verletzt worden. Man habe die US-Beh&ouml;rden darauf hingewiesen, dass die Tsarnajew-Br&uuml;der gef&auml;hrlich seien und dass man sie an Russland ausliefern solle. Aber die Warnung sei von den US-Beh&ouml;rden ignoriert worden. <\/p><p>Der russische Pr&auml;sident stellte am Donnerstag auch eine Frage an den Spiegel-Korrespondenten Christian Esch, die aber in den deutschen Medien nicht wiedergegeben wurde. Die Frage lautete: &bdquo; Und wenn zu Ihnen die Leute kommen, die in den Lagern (in Syrien, U.H. ) sitzen &ndash; gef&auml;llt Ihnen das? Werden Sie ihnen auch erlauben, frei in Ihren St&auml;dten spazieren zu gehen? Damit das nicht passiert, brauchen wir eine gemeinsame, beiderseitig hocheffektive Arbeit. Eben dazu rufen wir auf. Das hei&szlig;t nicht, dass es diese Arbeit nicht gibt. Aber ihr Niveau und ihr Charakter ist bisher nicht ausreichend.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Das maximal M&ouml;gliche gegen den Klima-Wandel tun&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der Mord im Berliner Tiergarten an dem Tschetschenen Khangoshvili war nicht das Hauptthema auf der Pressekonferenz in Moskau. Die Journalisten &ndash; viele waren aus Sibirien und anderen abgelegenen Regionen angereist &ndash; fragten den Kreml-Chef zu allen m&ouml;glichen Themen, was Putin 2024 &ndash; nach dem Ende seiner Amtszeit &ndash; vorhat, zu Problemen im Gesundheitswesen, zur sozialen Versorgung von Kriegsveteranen und zu h&auml;uslicher Gewalt. F&uuml;r russische Regionen ist die Jahrespressekonferenz des Pr&auml;sidenten eine M&ouml;glichkeit, ein brennendes Problem an Putin pers&ouml;nlich heranzutragen und ihn um Unterst&uuml;tzung zu bitten. <\/p><p>&Uuml;berraschend war, dass gleich zu Beginn der Veranstaltung ein Journalist der Radio-Station Majak wissen wollte, welche Sch&auml;den Russland in Folge des Klima-Wandels zu erwarten habe. Dass diese Frage gleich zu Anfang kam, war wohl kein Zufall. F&uuml;r Putin war es ein gutes Einstiegsthema. <\/p><p>Der Pr&auml;sident sagte, Russland sei nur f&uuml;r sechs Prozent des ausgesto&szlig;enen Kohlenstoffdioxids verantwortlich. An der Spitze l&auml;gen China und die USA mit 16 Prozent. <\/p><p>Den Grund des Klimawandels kenne niemand. Es habe in der Geschichte der Erde immer wieder dramatische Klimawandel gegeben. Wahrscheinlich h&auml;nge das mit Ver&auml;nderungen im Weltall zusammen. Schon eine kleine Ver&auml;nderung der Erdachse und eine Ver&auml;nderung der Umlaufbahn um die Sonne h&auml;tten in der Vergangenheit schon zu Klimaver&auml;nderungen auf der Erde gef&uuml;hrt. <\/p><p>Wie die Menschheit den Klimawandel beeinflusse, sei sehr schwierig zu messen. &bdquo;Aber nichts zu tun, ist auch falsch.&ldquo; Auf jeden Fall m&uuml;sse man &bdquo;maximale Anstrengungen unternehmen, damit sich das Klima nicht dramatisch ver&auml;ndert&ldquo;.<\/p><p>Die Folgen f&uuml;r Russland seien ernst. Der Temperaturanstieg sei in Russland zweieinhalb Mal h&ouml;her als im weltweiten Durchschnitt. Viele St&auml;dte im hohen Norden seien auf ewigem Eis gebaut. Wenn der Boden jetzt auftaue, habe das sehr ernste Folgen. <\/p><p>Die Waldbr&auml;nde in Sibirien hingen nicht nur mit den Holzf&auml;llern, sondern auch mit dem Klimawandel zusammen. Einige Gegenden in Russland k&ouml;nnten sich in W&uuml;sten verwandeln.<\/p><p>Eine Journalistin aus der sibirischen Region Krasnojarsk schilderte den rauen &ouml;kologischen Alltag in der Gro&szlig;stadt Krasnojarsk. Im Sommer litten die St&auml;dter wegen der st&auml;ndigen Waldbr&auml;nde am Rauch. Dazu komme als Dauerbelastung ein giftiger Smog von zahlreichen Gro&szlig;betrieben. <\/p><p>Putin erkl&auml;rte, man habe einen Plan aufgestellt, in dem 300 Betriebe festgehalten sind, die ihre Abgase und Abw&auml;sser filtern und zur&uuml;ckf&uuml;hren m&uuml;ssen. Doch welche Fristen den Unternehmen gesetzt werden und wie die Umr&uuml;stung der Fabriken finanziert werden soll, sagte der Pr&auml;sident nicht. <\/p><p><strong>Das M&uuml;llproblem<\/strong><\/p><p>Nicht verwunderlich war es, dass auf der Pressekonferenz das Problem mit dem russischen Hausm&uuml;ll zur Sprache kam. In der N&auml;he der nordrussischen Stadt Archangelsk protestieren Anwohner seit Monaten gegen eine neue M&uuml;lldeponie, auf der Abfall aus Moskau gelagert werden soll.<\/p><p>Erst seit kurzem werden in Russland Anlagen zur M&uuml;lltrennung gebaut. Zu Sowjetzeiten wurden der M&uuml;ll getrennt. Doch in den letzten 30 Jahren ist auf diesem Gebiet nichts mehr passiert. Die M&uuml;llberge wuchsen und wuchsen und es kam zu Protesten der Bev&ouml;lkerung. <\/p><p>Ein Journalist aus dem Gebiet Leningrad fragte den Pr&auml;sidenten, was man gegen eine chaotische M&uuml;llentsorgung aus St. Petersburg ins Umland tun k&ouml;nne. Viele dieser M&uuml;lltransporte seien illegal.<\/p><p>Putin erkl&auml;rte, im Gebiet der M&uuml;llentsorgung m&uuml;sse man Ordnung schaffen. Der gesamte Prozess der M&uuml;llentsorgung m&uuml;sse f&uuml;r die B&uuml;rger transparent und nachpr&uuml;fbar werden. Wenn man modernste Technologie verwende, werde es auch keine Proteste der Anwohner wegen neuer M&uuml;llentsorgungsfabriken geben. B&uuml;rger-Organisationen m&uuml;ssten in die Frage der M&uuml;llentsorgung mit einbezogen werden. Man m&uuml;sse den Menschen aber auch erkl&auml;ren, wenn jetzt die Tarife f&uuml;r die M&uuml;llentsorgung steigen.<\/p><p><strong>Wohlstands-Fond als W&auml;hrungsstabilisator<\/strong><\/p><p>Putin hatte Antworten auf alle Fragen. Zu den Fragen, wo sich schon lange Unmut angestaut hat wie in der Gesundheitsversorgung oder der sinkenden Kaufkraft, holte der Pr&auml;sident weit aus, schilderte verschiedene positive &Auml;nderungen oder Probleme, welche die Regierung zusammen mit &ouml;rtlichen Beamten noch l&ouml;sen muss. <\/p><p>Einfache L&ouml;sungen &ndash; so die Devise von Putin &ndash; gibt es nicht. Alle Probleme m&uuml;ssen auf dem Weg des Dialogs und dem Austarieren von Interessen gefunden werden. <\/p><p>Auf die Frage, was denn mit Milliarden geschehe, die im russischen Wohlstandsfonds angespart wurden, ob man die nicht zur Stimulierung der Wirtschaft und f&uuml;r Investitionen einsetzen k&ouml;nne, meinte Putin, nein. Der Pr&auml;sident erkl&auml;rte, es sei falsch, das im Wohlstandsfonds angesparte Geld &bdquo;einfach zu verteilen&ldquo;. Im &Uuml;brigen sei ein F&uuml;nftel des Geldes aus dem Wohlstandsfonds bei einzelnen Wirtschafts- und Infrastrukturprojekten im Einsatz. <\/p><p>Der Fonds sei das Sicherheitspolster, wenn die Preise f&uuml;r &Ouml;l und Gas sinken. Die im Fonds angesparte Geldmenge habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Sie entspreche sieben Prozent des russischen Bruttoinlandproduktes.<\/p><p>Die Tatsache, dass eine gro&szlig;e Menge Geld im Wohlstandsfonds gesammelt wurde, stabilisiere den Rubel. Die Inflationsrate in Russland liege bei nur 3,5 Prozent. <\/p><p><strong>Modernisierung der Industrie<\/strong><\/p><p>Ein Journalist des russischen Fernsehkanals &bdquo;Zentr&ldquo; fragte den Pr&auml;sidenten, was er denen sage, die behaupten, dass alle russischen Industrie-Anlagen aus der Sowjetzeit stammen. <\/p><p>Putin antwortete, in der Sowjetzeit habe es viele Erfolge gegeben, den Sieg im Zweiten Weltkrieg und den Durchbruch in den Weltraum. Aber man m&uuml;sse den Menschen auch sagen, was neu gebaut wurde. Seit 2000 seien 75 Prozent der weiterverarbeitenden Industrie in Russland geschaffen worden. Das durchschnittliche Alter der Maschinen in der weiterverarbeitenden Industrie liege bei zw&ouml;lf Jahren. Drei neue Flugh&auml;fen und zw&ouml;lf neue Bahnh&ouml;fe seien gebaut worden. Die Zahl der Fernstra&szlig;en im erneuerten Zustand habe sich verdoppelt. <\/p><p>Zu Sowjetzeiten habe man noch Getreide im Ausland einkaufen m&uuml;ssen. Heute sei Russland die f&uuml;hrende Exportnation f&uuml;r Getreide, vor den USA und Kanada.<\/p><p><strong>Gesundheitsversorgung soll besser werden<\/strong><\/p><p>Eine zentrale Frage auf der Pressekonferenz war die russische Gesundheitsversorgung, die in den letzten sieben Jahren komplett reformiert wurde. Ein Journalist des Internetportals Ura.ru klagte &uuml;ber lange Wartezeiten und gro&szlig;e Lohnunterschiede bei den Besch&auml;ftigten im Gesundheitsbereich. Warum gibt es trotz zahlreicher Reformen keine positive Wirkung, fragte der Journalist. <\/p><p>Der Kreml-Chef gestand ein, dass es Probleme gibt. Aber die L&ouml;hne im Gesundheitsbereich seien h&ouml;her als in anderen Bereichen. Dass die Geh&auml;lter der Chef&auml;rzte und der Chirurgen sehr unterschiedlich seien, stimme. Dieses Problem m&uuml;sse man l&ouml;sen. <\/p><p>Putin erkl&auml;rte, geplant sei, f&uuml;r den Gesundheitsbereich 7,8 Milliarden Euro zus&auml;tzlich auszugeben. Die Regierung plane, 10.000 medizinische Einrichtungen zu modernisieren oder neu zu bauen, 37.000 neue Fahrzeuge und 20.000 neue Ger&auml;te anzuschaffen. Die B&uuml;rger w&uuml;rden diese &Auml;nderungen hoffentlich bald sp&uuml;ren. <\/p><p><strong>Putin: Polen beteiligte sich an der Aufteilung der Tschechoslowakei<\/strong><\/p><p>Auch die Geschichte Russlands spielte auf der Pressekonferenz eine Rolle. Der Kreml-Chef kritisierte die Resolution des Europa-Parlaments, in der Faschismus und Kommunismus gleichgesetzt werden. Er wies darauf hin, dass die Westm&auml;chte Hitler mit dem Abkommen von M&uuml;nchen 1938 erlaubten, die Tschechoslowakei zu besetzen, und dass sich Polen an der Aufteilung der Tschechoslowakei beteiligte und zwei Gebiete besetzte. Putin erkl&auml;rte, die Sowjetunion sei der letzte Staat in Europa gewesen, der mit Hitler-Deutschland einen Nichtangriffsvertrag schloss und dass Stalin ein Treffen mit Hitler scheute.<\/p><p>Ein Reporter des liberalen Moskauer &bdquo;Kommersant&ldquo; wollte wissen, warum Lenin nicht endlich aus dem Mausoleum herausgeholt und beerdigt werde, wo der russische Pr&auml;sident doch gerade erst wieder gesagt habe, dass Lenin mit seiner Nationalit&auml;tenpolitik &bdquo;eine Bombe&ldquo; unter den russischen Staat gelegt habe. <\/p><p>Putin erkl&auml;rte, Lenin sei kein Staatsmann, sondern ein Revolution&auml;r gewesen. Die Bildung von autonomen Gebieten und Republiken auf dem Gebiet Russlands habe den Staat geschw&auml;cht. Grenzen seien nach politischen Gesichtspunkten gezogen worden und h&auml;tten zu neuen Konflikten gef&uuml;hrt. So seien Gebiete, die urspr&uuml;nglich zu Russland geh&ouml;rten, wie die Region um Odessa und das Industriegebiet Donbass, der Ukraine zugeschlagen worden, um den Anteil des Proletariats in der ukrainischen, vorwiegend b&auml;uerlichen, Bev&ouml;lkerung zu erh&ouml;hen. <\/p><p>Ein Fehler sei es auch gewesen, den Staat an die kommunistische Ideologie und die KP zu binden. Als es Risse in der Partei gab, sei auch der Staat zerfallen. Russland brauche keine Ideologisierung, sondern &bdquo;Patriotismus im weitesten Sinne&ldquo;. Aber Lenin zu beerdigen, sei auch falsch, so lange es in Russland Menschen g&auml;be, die mit seiner Person positive Erinnerungen an die Sowjetunion verbinden.<\/p><p><strong>Opposition und Internet<\/strong><\/p><p>Auff&auml;llig war, dass bei der diesj&auml;hrigen Jahrespressekonferenz keine bekannten Vertreter der liberalen Opposition, wie Ksenia Sobtschak, auftraten. Das Klima zwischen dem Kreml und der liberalen Opposition ist seit den Stra&szlig;enprotesten im Juli und zahlreichen Festnahmen und Verurteilungen von Demonstranten sehr angespannt. <\/p><p>F&uuml;r neuen &Auml;rger bei der Opposition sorgt das Gesetz zu &bdquo;ausl&auml;ndischen Agenten&ldquo;, das Wladimir Putin Anfang Dezember <a href=\"https:\/\/ria.ru\/20191202\/1561871285.html?rcmd_alg=svd\">unterschrieb<\/a>. Nach dem neuen Gesetz m&uuml;ssen sich Privatpersonen als &bdquo;ausl&auml;ndische Agenten&ldquo; registrieren, wenn sie Geld aus dem Ausland erhalten und als Blogger Informationen verbreiten. <\/p><p>Der Kreml-Chef erkl&auml;rte, mit dem neuen Gesetz wolle man &bdquo;ausl&auml;ndische Einmischung in die inneren Angelegenheiten&ldquo; Russlands verhindern. Die Einflussnahme k&ouml;nne beispielsweise so laufen, dass Privatpersonen in Russland Geld aus dem Ausland bekommen und dieses Geld dann an russische zivilgesellschaftliche Organisationen weiterleiten, ohne dass das den russischen Beh&ouml;rden mitgeteilt wird. Im Gegensatz zu den USA, wo Marina Butina als angebliche russische Agentin ins Gef&auml;ngnis kam, werde man in Russland nur eine Geldstrafe verh&auml;ngen. <\/p><p>Der Kreml-Chef erkl&auml;rte, in der juristischen Praxis m&uuml;sse man daf&uuml;r sorgen, dass das neue Gesetz &bdquo;nicht weitr&auml;umig ausgelegt wird&ldquo;. Denn &bdquo;unter innenpolitischer T&auml;tigkeit kann man alles verstehen, &ouml;kologische Arbeit und auch humanit&auml;re Arbeit im Bereich der Gesundheitsversorgung.&ldquo;<\/p><p><strong>Die T&ouml;chter des Pr&auml;sidenten<\/strong><\/p><p>Eine Journalistin des russischen Dienstes der BBC fragte, wann der Pr&auml;sident sich endlich &bdquo;zu seinen beiden T&ouml;chtern bekennt&ldquo;. Eine Tochter &ndash; Katerina Tichonowa &ndash; sei Gr&uuml;nderin einer Einrichtung an der Moskauer Universit&auml;t. Die zweite Tochter, Maria Woronzowa, baue jetzt mit dem Geld des Unternehmens &bdquo;Sogas&ldquo; eine Klinik im Leningrader Gebiet. Freunde des Pr&auml;sidenten w&uuml;rden den beiden T&ouml;chtern bei ihren Berufen helfen.<\/p><p>Die erste Frage &uuml;berging der Pr&auml;sident. Die zweite Frage beantwortete Putin, indem er die N&uuml;tzlichkeit dessen beschrieb, womit seine T&ouml;chter sich besch&auml;ftigen.<\/p><p>Der russische Pr&auml;sident mag es nicht, wenn seine Familie an die &Ouml;ffentlichkeit gezerrt wird. Die Fragen westlicher Korrespondenten sind nicht einfach nur Neugier. Man m&ouml;chte dem russischen Pr&auml;sidenten gerne nachweisen, dass sich seine T&ouml;chter nur wegen Beziehungen des Vaters beruflich entwickeln und Geld verdienen. <\/p><p><strong>Ein Monarchist attackiert das Geb&auml;ude des FSB<\/strong><\/p><p>Der Donnerstag begann f&uuml;r Putin erfolgreich, endete aber dramatisch. Am Donnerstagabend um 18:00 Moskauer Zeit wurde das Geb&auml;ude des russischen Geheimdienstes (FSB) am Lubjanka-Platz im Moskauer Stadtzentrum angegriffen. Zun&auml;chst hatte das Internetportal Gaseta.ru von drei Angreifern berichtet, die versuchten, in das Geb&auml;ude einzudringen. Sp&auml;ter war aber nur noch von einem Angreifer die Rede, der nach einer halben Stunde von einem Scharfsch&uuml;tzen get&ouml;tet wurde. <\/p><p>Zwei Mitarbeiter des FSB starben. F&uuml;nf Menschen &ndash; darunter ein Zivilist &ndash; wurden verletzt und liegen noch in Krankenh&auml;usern. <\/p><p>Bei dem Angreifer handelt es sich um den 38 Jahre alten Jewgeni Manjurow. Er war unverheiratet und lebte mit seiner Mutter zusammen. Der Mann hatte in einem privaten Wachdienst gearbeitet, aber seinen Job verloren.  Der Attent&auml;ter nahm regelm&auml;&szlig;ig an Sch&uuml;tzen-Wettk&auml;mpfen teil. Einer extremistischen Organisation soll er nicht angeh&ouml;rt haben. Wie der &bdquo;Kommersant&ldquo; berichtete, fand man bei dem Angreifer zuhause aber viele B&uuml;cher zum Thema Monarchismus.<\/p><p>Das Datum des Angriffs war offenbar nicht zuf&auml;llig gew&auml;hlt. Zum einen hatte in Moskau die Pressekonferenz des Pr&auml;sidenten stattgefunden. Zum anderen ist der 20. Dezember der Feiertag der Mitarbeiter des FSB. <\/p><p>Im November 2015 hatte der Performance-K&uuml;nstler Pjotr Pawlenski eine Eingangst&uuml;r des FSB-Geb&auml;udes angesteckt. Das war meiner Erinnerung nach der bisher einzige gewaltt&auml;tige Zwischenfall vor dem Geb&auml;ude seit dem Sturz des Feliks-Dserschinski-Denkmals auf dem Lubjanka-Platz im August 1991.<\/p><p>Ulrich Heyden, Moskau 20.12.19<\/p><p>Titelbild: ID1974\/shutterstock.com<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/2b469b213a1d4c8692abbc46fb5b5d59\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Wladimir Putin auf der 15. Jahrespressekonferenz f&uuml;r Journalisten aus dem In- und Ausland die Lage im Land und der Welt erkl&auml;rte. Was war am Donnerstag blo&szlig; in Moskau los? Gab es da nicht die allj&auml;hrliche Jahrespressekonferenz des russischen Pr&auml;sidenten f&uuml;r in- und ausl&auml;ndische Journalisten? Nahmen an der Veranstaltung nicht &uuml;ber 1.000 Journalisten teil? Beantwortete<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57298\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":57299,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,60,177,20],"tags":[1276,2733,2520,915,259,2061],"class_list":["post-57298","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesundheitspolitik","category-innere-sicherheit","category-klimawandel","category-landerberichte","tag-attentat","tag-erderwaermung","tag-mord","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-umweltverschmutzung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/shutterstock_550053478.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=57298"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57306,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57298\/revisions\/57306"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/57299"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=57298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=57298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=57298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}