{"id":57324,"date":"2019-12-23T14:30:48","date_gmt":"2019-12-23T13:30:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57324"},"modified":"2019-12-23T14:44:57","modified_gmt":"2019-12-23T13:44:57","slug":"frankreich-im-streik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57324","title":{"rendered":"Frankreich im Streik"},"content":{"rendered":"<p>Die Streiks gegen die von der Regierung Macron geplante Rentenreform gehen bald in die vierte Woche. Die Zustimmung der Franz&ouml;sInnen zu den Aktionen aber bleibt trotz Beschwernissen ungebrochen hoch bei etwa zwei Dritteln. Und je l&auml;nger die Streiks dauern, desto h&ouml;her wird die Zustimmung. Von <strong>Marco Wenzel<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nIm Raum steht nun, wie es &uuml;ber die Weihnachtsfeiertage weitergehen soll. Die Regierung setzt alles daran, einen &bdquo;Waffenstillstand&ldquo; bis Neujahr durchzusetzen. Die Gewerkschaften lehnen dies ab. Denn die Regierung hat ihre Pl&auml;ne weder zur&uuml;ckgezogen, noch hat sie annehmbare Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine Rentenreform gemacht, die nicht zu Rentenk&uuml;rzungen und zu einem h&ouml;heren Renteneintrittsalter f&uuml;hren w&uuml;rden. Zudem bef&uuml;rchten die Gewerkschaften, dass eine Unterbrechung der Streiks es erschweren w&uuml;rde, die Bewegung nach dem ersten Januar wieder neu anzufachen.<\/p><p><strong>Philippe erz&uuml;rnt die Gewerkschaften<\/strong><\/p><p>Wohin die Reise bei der anvisierten Rentenreform gehen soll, ist klar. Premier Philippe will, dass die Franzosen mehr arbeiten, und betont, das Rentensystem sei zu teuer. Die Zulagen des Staates bei den Rentenkassen liegen in der Tat bei derzeit 8 Milliarden &euro; pro Jahr. Dieses m&uuml;sste ausgeglichen werden, so Philippe. Beitragserh&ouml;hungen kommen jedoch nicht in Frage, die Arbeitgeber s&auml;hen das als &bdquo;rote Linie&ldquo; an. Ein Ausgleich des Systems durch Beitragserh&ouml;hungen oder durch die Inanspruchnahme von Reservefonds sei mit ihnen nicht zu machen. Also k&ouml;nnen logischerweise nur die Ausgaben zu Lasten der Rentenempf&auml;nger gesenkt werden.<\/p><p>Premierminister Philippe pr&auml;sentierte am vergangenen Mittwoch den Gewerkschaften seine Reformvorschl&auml;ge. Bis dahin waren die Absichten der Regierung nur scheibchenweise durchgedrungen, hatten aber bereits ausreichend f&uuml;r Emp&ouml;rung gesorgt und erste Streiks und Demonstrationen ausgel&ouml;st. Tags vorher, am Dienstag, hatten die Gewerkschaften nochmals zu Streiks und Demonstrationen als Warnung an Macron und Philippe aufgerufen.<\/p><p>Philippe versuchte, die Gewerkschaften von seinen Pl&auml;nen zu &uuml;berzeugen. F&uuml;r ihn w&uuml;rden bei der Rentenreform alle gewinnen. Wie aber soll das gehen, wenn die Ausgaben gek&uuml;rzt werden? Philippe pr&auml;sentierte ein paar F&auml;lle, in denen einzelne Rentner besser wegkommen w&uuml;rden, jedoch nur theoretische Einzelf&auml;lle, die auf kaum eine Franz&ouml;sIn zutreffen d&uuml;rften. Man mag es sch&ouml;nreden, wie man will, geplant sind Rentenk&uuml;rzungen und keine Verbesserungen. Das ist und bleibt die Quintessenz der geplanten Reform.<\/p><p>Um die Defizite der Rentenkassen auszugleichen, soll nun ein &bdquo;Gleichgewichtsalter&ldquo; von 64 Jahren f&uuml;r den Renteneintritt eingef&uuml;hrt werden. Daran, so Philippe, sei nicht zu r&uuml;tteln. Dieser Punkt sorgte am meisten f&uuml;r Emp&ouml;rung bei den Gewerkschaften. Gerade die CFDT hatte sich genau bei diesem Punkt Entgegenkommen erwartet.<\/p><p><strong>Reaktion der Gewerkschaften und Mobilisierung nach der Pr&auml;sentation von Philippe<\/strong><\/p><p>Philippe konnte die Gewerkschaften nicht &uuml;berzeugen. Sie beschlossen, den Streik und die Proteste auszuweiten. Die gr&ouml;&szlig;te Bahn-Gewerkschaft CGT-Cheminots rief dazu auf, &bdquo;den Streik zu versch&auml;rfen&ldquo;, die vorgestellten Pl&auml;ne entspr&auml;chen nicht den Erwartungen der Bahn-Mitarbeiter.<\/p><p>Auch die meisten anderen Gewerkschaften riefen zu einer verst&auml;rkten Mobilisierung auf. &bdquo;Alle werden l&auml;nger arbeiten, das ist inakzeptabel&ldquo;, sagte Philippe Martinez, Generalsekret&auml;r der CGT, am Mittwoch. Laurent Berger, Chef der CFDT, sprach von einer roten Linie, die &uuml;berschritten worden sei, und beteiligte sich an einem neuen Streikaufruf.<\/p><p>F&uuml;r die beiden darauffolgenden Tage wurden neue Verhandlungen einberufen. Erst traf sich die Regierung am Donnerstag mit den Gewerkschaften einzeln, f&uuml;r Freitag war dann ein gemeinsames Treffen mit allen Beteiligten einberufen. Auch diese Gespr&auml;che verliefen ergebnislos, da die Regierung in den entscheidenden Punkten nicht nachgeben wollte.<\/p><p>Die Regierung versuchte in den Verhandlungen einen Cocktail aus vielen verschiedenen Ma&szlig;nahmen ihrer Reform zu mixen, um ihre Reformpl&auml;ne doch noch durchzubringen. Ein Cocktail, der zwar keinem richtig schmecken w&uuml;rde, den aber alle trinken m&uuml;ssten, wenn sie nicht alleine dastehen wollen. Das Wichtigste f&uuml;r die Regierung ist, dass Rentenk&uuml;rzungen am Ende dabei herauskommen und dass erst einmal wieder Ruhe auf Frankreichs Stra&szlig;en einkehrt. Dann kann man ja die n&auml;chsten Schritte planen, um das Projekt doch noch zu vollenden.<\/p><p>Philippe Martinez dagegen sagte nach dem Treffen: &bdquo;Nichts Konkretes (&hellip;) Der Premierminister hat die Stra&szlig;e nicht verstanden.&ldquo; Insgesamt war die Antwort auf die Anliegen der Gewerkschaften ein klares Nein: Die Reform wird beibehalten und die Arbeitnehmer m&uuml;ssen ab 2022 mehr arbeiten, um eine volle Rente zu erhalten. Trotzdem erkl&auml;rte die Unsa-SNCF, die zweitst&auml;rkste Gewerkschaft bei den Eisenbahnern, nach den Gespr&auml;chen einen &bdquo;Waffenstillstand&ldquo; bis nach den Ferien.<\/p><p><strong>Das Gleichgewichtsalter und die Rentenpunkte<\/strong><\/p><p>Die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters soll mit einem Trick erfolgen: Die Rentenpl&auml;ne sehen vor, dass die Franz&ouml;sInnen k&uuml;nftig erst mit 64 Jahren (gepaart mit einer Erh&ouml;hung der Beitragsjahre von 41,5 auf 43 Jahre) Anspruch auf volle Bez&uuml;ge haben werden. Das legale Renteneintrittsalter von 62 Jahren soll aber bestehen bleiben, die volle Rente sollen Arbeitnehmer aber erst mit 64 Jahren erhalten. Wer schon mit 62 in Rente gehen will, muss Abschl&auml;ge in Kauf nehmen. Wer sp&auml;ter als mit 64 in Rente geht, erh&auml;lt daf&uuml;r Bonuspunkte und eine h&ouml;here Rente als die Gleichgewichtsrente.<\/p><p>Minimale Abstriche von den urspr&uuml;nglichen Pl&auml;nen machte Philippe nur, indem er zugestand, das neue System werde erst sp&auml;ter als geplant in Kraft treten, n&auml;mlich f&uuml;r Arbeitnehmer, die ab 1975 geboren wurden, statt wie urspr&uuml;nglich vorgesehen ab 1963.<\/p><p>In Wahrheit jedoch gehen die Franz&ouml;sInnen bereits jetzt von selber immer sp&auml;ter in Rente. Infolge der vergangenen &bdquo;Reformen&ldquo; ist das Leben f&uuml;r die normalen ArbeiterInnen teurer geworden. Viele h&auml;ngen noch ein paar Monate oder Jahre dran, weil sie sich sonst von ihrer Rente nicht den gew&uuml;nschten Lebensstandard leisten k&ouml;nnten. Jetzt soll das Renteneintrittsalter zus&auml;tzlich noch mit einem Trick f&uuml;r alle heraufgesetzt werden.<\/p><p>Aber das Gleichgewichtsalter ist bei Weitem nicht der einzige Streitpunkt, wie die NachDenkSeiten bereits <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56947\">hier<\/a> berichteten, auch wenn es oft in den deutschen Medien so dargestellt wird. F&uuml;r Unmut sorgt vor allem noch der Plan, den Auszahlungsbetrag der Renten an ein Punktesystem zu binden. Die Besch&auml;ftigten sollen dann in ihrer Berufslaufbahn Punkte sammeln, deren Wert jedes Jahr erneut von einer Kommission festgelegt wird. Der monet&auml;re Wert dieser Punkte ist demnach nicht festgelegt und kann sich im Laufe der Zeit beliebig &auml;ndern. Das System erlaubt es somit, jedes Jahr den Wert der Punkte zu verringern und damit das Rentenniveau zu senken.<\/p><p><strong>Gewinner &hellip;<\/strong><\/p><p>Der Finanzsektor w&uuml;rde von Rentenk&uuml;rzungen am meisten profitieren. Denn wenn die Menschen wissen, dass ihre sp&auml;tere Rente nicht zu einem ausk&ouml;mmlichen Lebensabend reicht, werden viele versucht sein, eine zus&auml;tzliche private Rentenversicherung abzuschlie&szlig;en. Wenn dann sp&auml;ter, wie in Deutschland, noch staatliche Zusch&uuml;sse und Steuerverg&uuml;nstigungen f&uuml;r die abgeschlossenen privaten Rentenvertr&auml;ge hinzukommen, ist die Umverteilung perfekt. Die Versicherungskonzerne und andere Spieler im Casino des Finanzkapitals k&ouml;nnen sich auf frisches Geld und neue Profite freuen. Durch die Rentenk&uuml;rzungen w&uuml;rden Milliarden Euro in den Finanzsektor und an die Banken flie&szlig;en.<\/p><p>Wie jetzt bekannt wurde, hatte zudem der US-Finanzgigant Black Rock der Regierung &bdquo;Reformen&ldquo; f&uuml;r das Rentensystem nahegelegt und dazu auch schon eine Brosch&uuml;re verfasst. F&uuml;r solche Pl&auml;ne d&uuml;rfte der ehemalige Investmentbanker Macron leicht zu gewinnen gewesen sein. Und auch sein Hochkommissar f&uuml;r die Rentenreform, der inzwischen geschasste Delevoye bezog ein Gehalt als Vorsitzender im Versicherungswesen, davon weiter unten mehr.<\/p><p><strong>&hellip; und Verlierer der Reform<\/strong><\/p><p>Verlierer sind die Besch&auml;ftigten und die Realwirtschaft, denn die der Realwirtschaft entzogene Kaufkraft wird die Binnennachfrage schw&auml;chen.<\/p><p>Besonders hart treffen wird es wahrscheinlich die LehrerInnen, ihrer Ansicht nach versucht die Regierung &uuml;ber die Rentenreform auch eine Totalrevision des Lehrerberufes durchzusetzen. Aber auch die Besch&auml;ftigten des &ouml;ffentlichen Dienstes, Feuerwehrleute, Krankenhauspersonal usw.: Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters, Rente nach Entgeltpunkten, alle Besch&auml;ftigten werden verlieren. Wer wegen Pflege, Arbeitslosigkeit oder Geburt weniger Punkte sammelt, bekommt auch weniger Rente, besonders schlimm f&uuml;r Besch&auml;ftigte im Niedriglohnsektor, ihre Punkte bringen am wenigsten ein.<\/p><p>Zu den Hauptverliererinnen der &bdquo;Reform&ldquo; werden auch die Frauen z&auml;hlen, dies aufgrund von gr&ouml;&szlig;eren L&uuml;cken in den Erwerbsbiographien infolge h&auml;ufigeren Unterbrechungszeiten, meist nach der Geburt von Kindern, sowie durch schlecht entlohnte Teilzeitarbeit und wenige qualifizierte Arbeitspl&auml;tze.<\/p><p>Ein &bdquo;sexistisches, ungerechtes und diskriminierendes&ldquo; Regierungsprojekt, so ein Abgeordneter der Opposition. Deswegen gibt es auch eine gemeinsame Kampagne von Frauenrechtsgruppen zu den geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Reform.<\/p><p>Die bestehenden Ungleichheiten zwischen Frauen und M&auml;nnern werden mit der Reform noch zunehmen. Laut Caroline De Haas vom Kollektiv &bdquo;Nous Toutes&ldquo; erhalten bereits jetzt 37% der Rentnerinnen weniger als 900 Euro. &bdquo;Diese Reform wird die finanzielle Unsicherheit erh&ouml;hen und die Autonomie der Frauen verringern, mit all der damit verbundenen Abh&auml;ngigkeit vom Ehemann oder Partner&ldquo;, betonte sie.<\/p><p><strong>Die Architekten des Gesetzes<\/strong><\/p><p>Am 3. September 2019, fast zwei Jahre nach seiner Ernennung zum Hochkommissar f&uuml;r die Rentenreform, wurde Jean-Paul Delevoye Mitglied der Regierung und der Gesundheitsministerin unterstellt.<\/p><p>Angesichts der Kontroverse &uuml;ber die Unvereinbarkeit zwischen seiner Regierungsbeteiligung und seiner privaten Berufst&auml;tigkeit sowie der Tatsache, dass er der Hohen Beh&ouml;rde f&uuml;r Transparenz im &ouml;ffentlichen Leben (<a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Haute_Autorit%C3%A9_pour_la_transparence_de_la_vie_publique\">HATVP<\/a>) zehn von dreizehn Mandaten, die er inne hatte, verheimlicht hat, reichte Delevoye am 16. Dezember 2019 seinen R&uuml;cktritt ein. Es besteht der Verdacht auf Interessenkonflikte mit privaten Versicherungsgesellschaften, die ja ein direktes Interesse an Rentenk&uuml;rzungen haben, wo er als &bdquo;Ehrenvorsitzender&ldquo; ein Gehalt von monatlich 5.300 &euro; erhielt. Einem Regierungsmitglied ist das verboten und er h&auml;tte es der HATVP melden m&uuml;ssen. Aber es bestand noch ein weiterer von ihm verschwiegener Interessenkonflikt mit der SNCF, wo er ehrenamtlich in einer Stiftung der Eisenbahngesellschaft t&auml;tig war. Gewerkschaften und Opposition warfen Delevoye daher auch illegale &Auml;mterh&auml;ufung und Interessenkonflikte vor.<\/p><p>Die HATVP hat inzwischen die Staatsanwaltschaft mit dem Fall betraut. Die HATVP &bdquo;ist der Ansicht, dass die Auslassungen in der urspr&uuml;nglichen Erkl&auml;rung von Delevoye aufgrund ihrer Anzahl, der Art bestimmter ausgelassener Interessen und des Potenzials f&uuml;r einen Interessenkonflikt mit seinen Regierungsaufgaben geeignet sind, die wesentliche Auslassung einiger seiner Interessen als Straftat zu charakterisieren&ldquo;.<\/p><p>Der R&uuml;cktritt des Hauptarchitekten der Rentenreform, inmitten der Proteste gegen eben diese, ist ein schwerer Schlag f&uuml;r die Regierung und f&uuml;r ihre Reformabsichten. Dies umso mehr, als Macron zu Beginn seiner Amtszeit mehr Transparenz und die Bek&auml;mpfung der Korruption angesagt hatte.<\/p><p>So musste angesichts der aktuellen Ereignisse schnell Ersatz gefunden werden und der wurde auch gefunden: eine weitere illustre Gestalt namens Laurent Pietraszewski, neuer Staatssekret&auml;r f&uuml;r die Renten. Als &bdquo;Macronist&ldquo; der ersten Stunde wurde Pietraszewski im Juni 2017 zum Abgeordneten gew&auml;hlt. Er war Berichterstatter im Parlament f&uuml;r den Gesetzentwurf zur Reform des Arbeitsgesetzes, Sprecher der LREM-Fraktion und Koordinator der LREM-Gruppe im Sozialausschuss. Am 17. Dezember 2019 wurde er zum Staatssekret&auml;r ernannt, um das Projekt der Rentenreform zu leiten und Delevoye zu ersetzen.<\/p><p>Bis zu seiner Wahl ins Parlament war Pietraszewski Personalchef bei Auchan. Die Supermarktkette genie&szlig;t unter franz&ouml;sischen Gewerkschaftlern einen &auml;hnlich zweifelhaften Ruf wie Lidl in Deutschland. Nach Berichten der Zeitung &bdquo;L&lsquo;Humanit&eacute;&ldquo; wurde im Jahr 2002 auf Pietraszewskis Veranlassung hin eine CFDT-Kollegin, damals verantwortlich f&uuml;r die Personalabteilung des Hypermarktes B&eacute;thune im Pas-de-Calais, von der Unternehmensleitung wegen &bdquo;eines Bestellfehlers von 80 Cent und eines verbrannten Schokoladenbrotes, das einer Person gegeben wurde&ldquo; entlassen. Die Frau war gewerkschaftlich sehr aktiv. Da gegen sie Anzeige erstattet worden war, wurde sie wegen des Vorfalls von der Polizei verh&ouml;rt und in Gewahrsam genommen. Die KollegInnen vor Ort organisierten Proteste gegen die Entlassung der Vertrauensfrau, sie sprachen von einer Hexenjagd und nannten Pietraszewski einen &bdquo;Karrieristen&ldquo; und einen &bdquo;Heuchler&ldquo;, der Mann, der &bdquo;um jeden Preis feuerte&ldquo;. Pietraszewski zeichnete sich jedenfalls stets als zuverl&auml;ssiger Diener seines Herrn aus, ein Mann, der skrupellos die Interessen der Arbeitgeber verteidigte. Die CFDT jedenfalls hat noch eine Rechnung mit ihm offenstehen. Seinen Dienst im Interesse der franz&ouml;sischen Bourgeoisie setzt er jetzt als Staatssekret&auml;r unter Macron fort. Wetten, dass der n&auml;chste Skandal schon vor der T&uuml;r steht?<\/p><p><strong>Das Ausscheren der Unsa<\/strong><\/p><p>Die Unsa ist ein Zusammenschluss verschiedener autonomer Gewerkschaften in Frankreich. Deren Generalsekret&auml;r ist zurzeit Laurent Escure. Die Unsa-Eisenbahner vertritt etwa 7,5% der Fahrer und Kontrolleure. Sie ist nach der CGT die zweitst&auml;rkste Gewerkschaft bei der SNCF.<\/p><p>Am Donnerstag, nach Ende der Verhandlungen, rief Escure, ohne die Basis zu konsultieren und ohne eine Abstimmung zu organisieren, die streikenden Eisenbahner zur R&uuml;ckkehr an ihren Arbeitsplatz auf und beschwor damit einen &bdquo;Waffenstillstand&ldquo; w&auml;hrend der Feiertage herauf. Escure erkl&auml;rte, dass er sich zu dieser Pause entschlossen habe, nachdem die Regierung &bdquo;zum ersten Mal bemerkenswerte Fortschritte vorschl&auml;gt&ldquo;. Das sehen die anderen Gewerkschaften nicht so, von Fortschritten kann keine Rede sein. Die CGT meinte sogar, das einzig konkrete Ergebnis sei die Feststellung, der Premier habe &bdquo;die Stra&szlig;e nicht verstanden&ldquo;. Philippe hatte als &bdquo;Kompromiss&ldquo; eine &bdquo;Gro&szlig;vater-Regelung&ldquo; angeboten, nach der die Rentenreform f&uuml;r verschiedene Berufsgruppen, darunter die Eisenbahner, nur f&uuml;r Besch&auml;ftigte angewendet werden sollte, die nach 1975 geboren sind.<\/p><p>Die Basis der Unsa rebelliert gegen diese Entscheidung ihres Vorsitzenden. Trotz des Aufrufs ihrer F&uuml;hrung zu einem Waffenstillstand fordern mehr als 15 Unsa-Sektionen die Fortsetzung der Bewegung. Die meisten betrachten es als Verrat, denn das Mandat von der Stra&szlig;e und den Streikenden ist klar: &bdquo;Streiken, bis sie das Gesetz zur&uuml;ckziehen!&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Unsa-cheminots repr&auml;sentiert nicht viele unter den Eisenbahnern, sie sind meistens Manager. Deshalb war es in ihrem Interesse, eine Einigung zu erzielen&ldquo;, so die Meinung von vielen.<\/p><p>&bdquo;Wir, die Militanten und Mitglieder vor Ort, weigern uns, den F&uuml;hrern nachzugeben, die versuchen, uns ihre Entscheidungen aufzuzwingen.&ldquo; Und weiter: &bdquo;In einer Zeit, in der das Volk sich der Gefahr dieser Reform bewusst wird, k&ouml;nnen wir nicht aufgeben und den Kampf einstellen&ldquo;, hei&szlig;t es in einer Mitteilung der Streikenden. &bdquo;Der Streik geh&ouml;rt den Streikenden und den Generalversammlungen. Der Waffenstillstand ist die Niederlage. Wir werden erst aufh&ouml;ren, wenn wir gewonnen haben! Die Unsa Nord-Pas-de-Calais ihrerseits dr&uuml;ckt auf Facebook ihre Entschlossenheit aus, den Kampf ohne Pause fortzusetzen.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Sie mischen sich nicht unter die Basis. Wir sind die Basis, wir sind diejenigen mit der Macht. Sie werden nur wie Idioten aussehen, das ist alles&ldquo;, so ein Delegierter am Freitag auf einer Versammlung von Mitgliedern der Unsa.<\/p><p><strong>Der Wackelkandidat CFDT<\/strong><\/p><p>Der n&auml;chste Wackelkandidat in der Gewerkschaftsfront d&uuml;rfte Laurent Berger und seine CFDT sein. Aber Laurent Berger wei&szlig; auch, dass er sich und die CFDT zu sehr diskreditieren w&uuml;rde, wenn er zu schnell nachgibt.<\/p><p>Die CFDT fordert haupts&auml;chlich die R&uuml;cknahme des Gleichgewichtsalters mit 64 Jahren, w&auml;hrend der k&auml;mpferische Teil der franz&ouml;sischen Gewerkschaften (unter ihnen die CGT, die linken Basisgewerkschaften SUD bzw. ihr Zusammenschluss Solidaires sowie der Verband der Gewerkschaften im Bildungssystem) die R&uuml;cknahme der gesamten Reform fordert.<\/p><p>Seitdem die CFDT das Gleichgewichtsalter von 64 Jahren zu ihrer &bdquo;roten Linie&ldquo; gemacht hat, ist allen in der Regierung klar geworden, dass dies der Schwerpunkt der Diskussion mit CFDT-Generalsekret&auml;r Laurent Berger sein sollte. Nach der Pr&auml;sentation der Rentenpl&auml;ne von Philippe und der abweisenden Reaktion darauf von Laurent Berger wurde die Frage: &bdquo;Wie bekommen wir das CFDT zur&uuml;ck?&ldquo; zur Hauptsorge der Regierungsvertreter. Und Macron signalisiert auch schon Gespr&auml;chsbereitschaft.<\/p><p>Ein weiterer Bruch der gemeinsamen Streikfront durch einen m&ouml;glichen Frontenwechsel der CFDT steht also zu bef&uuml;rchten, jedenfalls dann, wenn das Regierungslager sich in den kommenden Verhandlungen ausreichend entgegenkommend ihr gegen&uuml;ber verh&auml;lt, damit die CFDT-Spitze sich auf einen &bdquo;Kompromiss&ldquo; einlassen kann. Wahrscheinlich plant sie l&auml;ngst ihren Ausstieg aus der gemeinsamen Streik- und Protestfront, kann es sich aber nicht leisten, ihr Gesicht zu verlieren. Die meisten der Streikenden stehen jedoch auf der Seite der CGT und der SUD-Gewerkschaften.<\/p><p><strong>Die Strategie der Regierung<\/strong><\/p><p>Die Regierung Macron steht mit dem R&uuml;cken zur Wand angesichts einer geeinten Front, die sich ihrer Reform ganz oder teilweise widersetzt. Und vielen Menschen geht um mehr als nur um die Rentenreform. Um die Streiks zu beenden, setzt die Regierung auf vier Pfeiler. Verhandlungen, Spaltung, Repression und Erpressung.<\/p><p>Macron ist dem &Eacute;lys&eacute;e-Palast zufolge zwar zu Zugest&auml;ndnissen bereit, allerdings werde er sein zentrales Reformvorhaben &bdquo;weder aufgeben noch verf&auml;lschen&ldquo;. Man k&ouml;nne aber die Pl&auml;ne noch &bdquo;nachzubessern&ldquo;. Die Verhandlungen sind bis jetzt, wie wir weiter oben gesehen haben, wenig erfolgreich geblieben. Und auch die Gewerkschaftsfront ist bis jetzt, mit Ausnahme der Unsa, nicht auseinandergebrochen. Die Regierung hofft darauf, die CFDT auf ihre Seite zu bekommen und der Autor dieser Zeilen w&uuml;rde seine Hand nicht daf&uuml;r ins Feuer legen, dass ihr das nicht bald gelingen wird.<\/p><p>Als drittes Mittel setzt die Regierung, wie immer bei Protesten, auf Polizeigewalt. Bereits gegen die Gelbwesten ist die Polizei regelm&auml;&szlig;ig mit &auml;u&szlig;erster Brutalit&auml;t vorgegangen (zur Polizeigewalt lesen Sie auch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56159\">Ein Jahr Protest der gelben Westen in Frankreich. Was nun?<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48643\">Mit brutaler Gewalt wird der Klassenkampf von oben gewonnen. Das ist absehbar.<\/a>).<\/p><p>In Paris kam es insbesondere am Dienstag wieder zu Konfrontationen zwischen DemonstrantInnen und Polizisten. Die Polizei ging mit heftiger Gewalt gegen die DemonstrantInnen vor. Vor allem um den Platz der Republik gab es Polizeikontrollen, bei denen auch JournalistInnen durchsucht wurden. Das Milit&auml;r ist ebenfalls vor Ort. Viele Menschen nehmen aus Angst nicht an den Demonstrationen teil. Berichte in den Medien und erschreckende Bilder von Menschen, die bei den Protestaktionen der Gelbwesten schwere Verletzungen durch Gummigeschosse und Blendgranaten erlitten hatten, ein Auge oder Gliedma&szlig;en verloren haben, wirken abschreckend. Manche Demonstranten und sogar unbeteiligte Zuschauer wurden grundlos mit Pfefferspray bespr&uuml;ht. Manche gingen daraufhin wieder nach Hause. &Uuml;berall trifft man auf Polizeikr&auml;fte mit Maschinenpistolen und Tr&auml;nengasgranaten. Im Vergleich zu den Ausschreitungen bei den Protesten der Gelbwesten ist es aber bisher noch relativ ruhig geblieben. Bisher gab es noch keine Schwerverletzten. Das mag daran liegen, dass der Staat die Gewerkschaften noch braucht und sie nicht allzu sehr ver&auml;rgern will. Je mehr sich die Proteste aber versch&auml;rfen und Staat und Wirtschaft lahmlegen, desto heftiger werden auch die Repressionsma&szlig;nahmen der Polizei sein.<\/p><p>Schlie&szlig;lich versucht es die Regierung noch mit Erpressung, indem sie auf die Tr&auml;nendr&uuml;se dr&uuml;ckt und &bdquo;an die Verantwortung aller Beteiligten&ldquo; appelliert, um eine Unterbrechung der Streiks bis Jahresende durchzusetzen, damit die Leute zu ihren Familien fahren k&ouml;nnten. Die meisten, die eine Zugfahrt am Jahresende gebucht haben, werden aber eher in den Ski-Urlaub oder ans Meer fahren wollen denn zu ihren Familien. Denn auch in Frankreich wird das Weihnachtsfest in aller Regel im engsten Familienkreis gefeiert und die Familienangeh&ouml;rigen wohnen meist in der N&auml;he. Die Streikenden wollen sich nicht darauf einlassen, wohlwissend, dass eine Unterbrechung jetzt der Bewegung nur schaden kann und nach einer Pause das Feuer vielleicht erloschen ist.<\/p><p><strong>Die Reaktion auf der Stra&szlig;e<\/strong><\/p><p>Die Menschen auf der Stra&szlig;e trauen den Verhandlungen nicht. Sie wollen mit einbezogen werden. Dies hier ist ihr Kampf, er wurde nur auf Druck von unten von den Gewerkschaften aufgenommen. Die Gelbwesten hatten das Terrain vorbereitet. Das Mandat von der Stra&szlig;e ist klar: Kein Weihnachtsfrieden, &bdquo;Weiter bis zum R&uuml;ckzug&ldquo;! Das Ausscheren der Unsa-SNCF wird fast einstimmig als Verrat angesehen.<\/p><p>Unter den Demonstranten w&auml;chst der Unmut gegen die Gespr&auml;che der Gewerkschaftsb&uuml;rokratie mit Philippe. Viele fordern, die Gespr&auml;che zu beenden, da gibt es f&uuml;r sie nichts mehr zu verhandeln, zumal Philippe zum wiederholten Mal erkl&auml;rt hat, dass die Regierung &bdquo;v&ouml;llig entschlossen&ldquo; sei, die Rentenk&uuml;rzungen durchzusetzen: &bdquo;Weiter verhandeln macht wenig Sinn. Es ist ausgeschlossen, dass wir hier egal welchen x-beliebigen Kompromiss aushandeln!&ldquo; Je l&auml;nger der Streik dauert, desto gr&ouml;&szlig;er wird die Wut auf die Regierung. Und desto weniger wird die Stra&szlig;e sich allein mit einem Kompromiss in der Rentenfrage zufriedengeben.<\/p><p>Zudem w&auml;chst die Beteiligung der Besch&auml;ftigten im Privatsektor. Zu den bekanntesten geh&ouml;rten die Arbeiter der Abwasserkan&auml;le, die mit ihren Schildern &bdquo;W&uuml;tende Kanalarbeiter &ndash; 17 Jahre weniger Leben&ldquo; demonstrierten. In den Demonstrationsz&uuml;gen sind auch Arbeiter der Raffinerie Total, erkennbar an ihren Outfits. &bdquo;Es ist immer schwierig, im privaten Sektor zu mobilisieren. Aber wir sind hier, um zu sagen, dass auch wir von dieser Reform betroffen sind, auch wenn die Medien nur &uuml;ber Eisenbahner und Lehrer sprechen&ldquo;, so ein Teilnehmer.<\/p><p>In Besan&ccedil;on streikte am Dienstag eine beeindruckende Anzahl privater Unternehmen, wie Mondeleze (Lu-Fabrik), Camelin D&eacute;colletage Industries, FCI Besan&ccedil;on, Maty, Derichebourg, Arc-en-ciel, Les Francas, mehrere Animationszentren, mehrere Heimhilfezentren sowie mehrere Stra&szlig;entransportunternehmen. Auch in Bayonne war der Privatsektor mit Streikenden von Dassault und Safran stark vertreten.<\/p><p>Laut &bdquo;Le Monde&ldquo; wird der Weihnachtsfrieden von den Beteiligten weitgehend abgelehnt. Die Streikenden haben die Forderung l&auml;ngst als Man&ouml;ver der Regierung entlarvt. Und nat&uuml;rlich sind auch die Rechten unter Marine Le Pen f&uuml;r eine Pause &uuml;ber die Feiertage.<\/p><p>Es gibt einen weiteren qualitativen Wandel bei den Pariser Demonstrationen: die Entstehung von &bdquo;selbstorganisierten Streikenden&rdquo;, angef&uuml;hrt von RATP-Arbeitern und Eisenbahnarbeitern und mit streikenden Lehrern, die in Massen mobilisierten. An der Spitze demonstrierten Tausende von streikenden Arbeitern mit gro&szlig;er Entschlossenheit.<\/p><p><strong>Der Zugverkehr an den Feiertagen<\/strong><\/p><p>Macrons Ziel war es, den Franzosen eine Streikpause an Weihnachten zu erm&ouml;glichen. Gefragt, ob Weihnachten wieder Z&uuml;ge fahren, antwortete Philippe Martinez von der CGT, das solle man doch besser den Premierminister fragen. F&uuml;r die Gewerkschaft ist klar, erst wenn Macron seine Reformpl&auml;ne zur&uuml;ckzieht, wird der Streik beendet. Es ist Sache der Regierung, den Pausenknopf zu dr&uuml;cken&rdquo;, sagte Force-Ouvri&egrave;re-Generalsekret&auml;r Yves Veyrier. &bdquo;K&ouml;nnen Sie sich wirklich vorstellen, dass die Streikenden nach zwanzig Tagen Lohnausfall einfach so aufh&ouml;ren werden?&ldquo;, fragte Laurent Brun im Le Monde am 15. Dezember.<\/p><p>850.000 Menschen werden &uuml;ber die Feiertage an den Bahnh&ouml;fen erwartet, von denen viele bereits vor mehreren Wochen ihre Tickets gebucht haben. Die SNCF will sie einige Tage vor ihrer Abfahrt per E-Mail oder SMS dar&uuml;ber informieren, ob die Z&uuml;ge fahren oder welche Ausweichm&ouml;glichkeiten es gibt. Am Dienstagmorgen lie&szlig; der Staatssekret&auml;r f&uuml;r Verkehr verlauten, dass &bdquo;alle Franzosen mit einer Fahrkarte einen garantierten Zug&ldquo; f&uuml;r die Weihnachtsferien bekommen werden. Das ist wohl etwas zu optimistisch, die SNCF hofft, dass die H&auml;lfte der Reisenden auch fahren k&ouml;nnen, aber selbst das ist fraglich. Und selbst wenn der Zug f&auml;hrt, wie steht es mit Verbindungen mit Anschluss und Weiterreise? Und wie ist es mit der R&uuml;ckfahrt? Vielleicht kommt man ja noch ans Ziel, aber zur&uuml;ck?<\/p><p>Der Telefondienst der SNCF hat es schwer: Einige Internetnutzer berichteten von langen Wartezeiten und &uuml;ber Stunden am Telefon, um eine Auskunft zu bekommen. Wegen der anhaltenden Streiks wird die franz&ouml;sische Bahn mit Sicherheit den Gro&szlig;teil ihrer Verbindungen an Heiligabend streichen m&uuml;ssen. Am 23. und 24. Dezember fallen sechs von zehn TGV-Schnellz&uuml;gen sowie Intercity-Z&uuml;gen aus, wie die SNCF am Donnerstag mitteilte. Demnach kann nur jeder zweite Kunde mit einem Ticket bef&ouml;rdert werden.<\/p><p><strong>Die Aussichten<\/strong><\/p><p>Wenige Tage vor Weihnachten fordert die Intersyndicale weiterhin die R&uuml;cknahme der Reform, indem sie jeden &bdquo;Waffenstillstand&ldquo; ablehnt. In der j&uuml;ngsten Pressemitteilung wird jedoch kein Aufruf zu einem dritten gro&szlig;en nationalen interprofessionellen Streiktag genannt, sondern blo&szlig; zu lokalen Aktionen am 19. Dezember und bis Ende Dezember und, je nach Entgegenkommen der Regierung, auch auf ein Datum &bdquo;nach Dezember&ldquo; aufgerufen. W&auml;re es nach der historischen Mobilisierung am 17. Dezember nicht an der Zeit, einen weiteren Nagel in den Sarg der Regierung einzuschlagen und einen Generalstreik auszurufen? Sind lokale Aktionen nach dem 17. Dezember und weiter bis Ende Dezember genug?<\/p><p>Ein n&auml;chster gro&szlig;er Aktionstag wurde von der CGT und FO f&uuml;r den 9. Januar angek&uuml;ndigt. Bis dahin flie&szlig;t noch viel Wasser die Seine hinunter. Und im Moment plant das CFDT noch keine Demonstration am 9. Januar.<\/p><p>Die Gewerkschaftsf&uuml;hrer sollten sich bis Januar nicht mit lokalen Aktionen zufriedengeben, sondern sofort zu einem Generalstreik aufrufen. Dieses Bestreben wird sowohl von der Basis geteilt wie auch von der Mehrheit der Streikenden, die am 17. Dezember die Demonstrationen angef&uuml;hrt haben. Der von den Intersyndicale vorgeschlagene Kampfplan m&uuml;sste offensiver sein, um nicht nur die Dynamik der Bewegung zu erhalten, sondern es ihr zu erm&ouml;glichen, sich auf eine h&ouml;here Ebene zu schwingen und die Regierung zum R&uuml;ckzug zu zwingen. Es sind keine wesentlichen Zugest&auml;ndnisse der Regierung durch Verhandlungen zu erwarten.<\/p><p>&bdquo;Wir haben alle gesagt, wir gehen bis Neujahr. Danach wird es finanziell zu schwer sein, es ist dann mehr als ein Monat vergangen&ldquo;, sagt ein Fahrer. Die Gewerkschaftsbosse rufen f&uuml;r den 9. Januar zu einer Demonstration auf. Zu sp&auml;t, die Streikenden werden wahrscheinlich wieder zur Arbeit zur&uuml;ckgekehrt sein. Die Streikenden bekommen in Frankreich kein Streikgeld. Jeder Streiktag bedeutet auch einen Tag Lohnausfall. Nicht alle k&ouml;nnen das lange aushalten. Die Zeit dr&auml;ngt also.<\/p><p>&bdquo;Sie haben alle mehr oder weniger ihre Basis verleugnet. Die CGT und FO riefen zu einer Demonstration auf, das n&auml;chste Mal am 9. Januar &hellip; Sie sagen offiziell nicht das Wort &bdquo;Waffenstillstand&ldquo;, aber es ist genauso gut.&ldquo; klagte ein Fahrer.<\/p><p>F&uuml;r die anderen Bev&ouml;lkerungsgruppen geht es auch darum, Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Streikenden zu zeigen. Unterst&uuml;tzung kann direkt an den Streikposten erfolgen, aber auch finanziell, durch Spenden an die Streikkassen.<\/p><p>Auch wenn es von den Gewerkschaftsf&uuml;hrern keiner offiziell sagt: Das eigentliche Mandat der Stra&szlig;e hei&szlig;t, Macron zu besiegen, ihn aus dem Amt zu jagen. Notfalls wollen viele das auch ohne die Gewerkschaftsf&uuml;hrer machen. Die Proteste der Gelbwesten haben gezeigt, dass soziale Proteste auch unabh&auml;ngig von der Gewerkschaftsb&uuml;rokratie m&ouml;glich sind. Und die Menschen an der Basis sind bereits dabei, eigene Strukturen aufzubauen. Zu oft haben sie den B&uuml;rokraten vertraut, die hinter verschlossenen T&uuml;ren gegen ihren Willen mit der Regierung und den Unternehmern faule Kompromisse abgesegnet und ihre Interessen verraten haben. Diesmal soll es anders werden.<\/p><p>&Ccedil;a va p&eacute;ter, es wird krachen, so die Meinung vieler Franzosen. Und in der Tat: Die Fronten verh&auml;rten sich mit jedem Streiktag. Auf mitgef&uuml;hrten Schildern in den Demonstrationsz&uuml;gen wird Macron als K&ouml;nig Ludwig, der XVI. dargestellt. &bdquo;Macron, wir kommen dich holen&ldquo; singen die Demonstranten in Anspielung auf die Gro&szlig;e Franz&ouml;sische Revolution. Der Sonnenk&ouml;nig wurde damals vom Volk aus seinem Palast in Versailles geholt, er endete unter der Guillotine. Einmal angefangen, werden die Menschen nicht so schnell aufh&ouml;ren, f&uuml;r ihre Rechte zu protestieren. &Ccedil;a va p&eacute;ter &hellip;<\/p><p>Titelbild: Mickael Guyot\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Streiks gegen die von der Regierung Macron geplante Rentenreform gehen bald in die vierte Woche. Die Zustimmung der Franz&ouml;sInnen zu den Aktionen aber bleibt trotz Beschwernissen ungebrochen hoch bei etwa zwei Dritteln. Und je l&auml;nger die Streiks dauern, desto h&ouml;her wird die Zustimmung. Von <strong>Marco Wenzel<\/strong><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":57325,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[109,20,127,39,73],"tags":[282,1043,2564,2066,2788,421,273,301,1609,1176],"class_list":["post-57324","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gewerkschaften","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-rente","category-verkehrspolitik","tag-buergerproteste","tag-frankreich","tag-gewalt","tag-macron-emmanuel","tag-philippe-edouard","tag-polizei","tag-privatvorsorge","tag-rentenalter","tag-rentenreform","tag-streik"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/shutterstock_1593479584.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57324","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=57324"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57324\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57327,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57324\/revisions\/57327"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/57325"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=57324"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=57324"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=57324"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}