{"id":57339,"date":"2019-12-24T12:00:10","date_gmt":"2019-12-24T11:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57339"},"modified":"2019-12-26T12:00:42","modified_gmt":"2019-12-26T11:00:42","slug":"die-nzz-konzediert-das-problem-der-krim-sind-die-sanktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57339","title":{"rendered":"Die NZZ konzediert: Das Problem der Krim sind die Sanktionen"},"content":{"rendered":"<p>Regelm&auml;&szlig;ig berichten viele Medien &uuml;ber wirtschaftliche Probleme der Krim. Dass die westlichen Sanktionen der Grund f&uuml;r diese Probleme sind, wird jedoch meist verschwiegen. Nach einem ersten tendenzi&ouml;sen Bericht &uuml;ber die Krim muss die NZZ nun zur&uuml;ckbuchstabieren: &laquo;Die Sanktionen der EU lasten schwer.&raquo; Von <strong>Christian M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<em>Dieser Artikel ist zuerst auf <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/NZZ-Krim-Sanktionen-Wirtschaft\">Infosperber erschienen<\/a><\/em> <\/p><p>Zur Erinnerung: Die Wirtschaftssanktionen gegen die Krim sind im Jahr 2014 in der UNO mit 100 von m&ouml;glichen 193 Stimmen beschlossen worden, also mit 3 Stimmen &uuml;ber dem absoluten Mehr. Zu den Ja-Sagern geh&ouml;rten die vier europ&auml;ischen Miniaturstaaten Liechtenstein, San Marino, Andorra und Monaco mit zusammen nicht einmal 200&rsquo;000 Einwohnern, w&auml;hrend China und Indien mit zusammen 2,8 Milliarden Einwohnern sich der Stimme enthalten haben. &laquo;Demokratie&raquo; der besonderen Art.<\/p><p>In einem Bericht von NZZ-Korrespondent Ulrich Schmid am 5. Dezember &ndash;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/krim-die-russische-vormundschaft-hat-ihren-preis-ld.1517519\">hier vollumf&auml;nglich nachlesbar<\/a>&nbsp;&ndash; war zu lesen, dass die Wirtschaft auf der Krim nicht gut laufe und dass die dortigen Einwohner ihre Freude an der Wiedervereinigung der Krim mit Russland nach anf&auml;nglicher Begeisterung nun gegen Ern&uuml;chterung und Entt&auml;uschung eintauschten. Dabei wurde mit keinem Wort erw&auml;hnt, dass die wirtschaftliche Situation auf der Krim in erster Linie wegen genau diesen westlichen Sanktionen noch unbefriedigend ist. &laquo;Schuld&raquo; an der wirtschaftlich unbefriedigenden Situation auf der Krim sei, so die NZZ den eigenen Klischee-Vorstellungen folgend, nat&uuml;rlich Russland.<\/p><p>Infosperber hat sich darauf erlaubt, diesen Bericht als Verzerrung der dortigen Realit&auml;t zu kritisieren:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Medien\/NZZ-Russland-Kiev-Krim-Ulrich-Schmid-Anti-Russland-Klischees\">&laquo;So greift die NZZ in die Anti-Russland-Klischee-Kiste&raquo;<\/a>.<\/p><p>Nun ist in der NZZ&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/die-krim-braucht-ein-wirtschaftswunder-ld.1517529\">ein zweiter Bericht<\/a>&nbsp;von Ulrich Schmid &uuml;ber die Krim erschienen, und siehe da, jetzt steht da w&ouml;rtlich:<\/p><blockquote><p><strong>Dr&uuml;ckende Sanktionen<\/strong><\/p>\n<p>Trotz dem Boom im staatlich befeuerten Baugewerbe ist die Krim noch immer eine arme Region. Es ist nicht einfach, die Halbinsel in Fahrt zu bringen. Rund 700&#8197;000 Menschen und damit &uuml;ber 30 Prozent der Bev&ouml;lkerung sind Pension&auml;re. Von ihnen hat die produktive Wirtschaft wenig. Die Sanktionen der EU lasten schwer.<\/p><\/blockquote><p>Ein gro&szlig;er Teil des neuen Berichts beschreibt die Probleme mit dem Wasser auf der Krim, seit die Ukraine den zu Sowjetzeiten gebauten Kanal vom Dnepr in die relativ trockene Nordkrim nach der Abtrennung der Krim von der Ukraine mit einem Damm verschlossen hat, um die dortige Landwirtschaft auszutrocknen.<\/p><p>Die Ukraine hat seit 1991 alles getan, um der Bev&ouml;lkerung auf der Krim ihre Identit&auml;t als zu Russland und zur russischen Kultur geh&ouml;rig zu zerst&ouml;ren. Von der im Jahr 1991 der Krim via Abstimmung zugestandenen Autonomie wollte &laquo;Kiew&raquo; l&auml;ngst nichts mehr wissen und versuchte &uuml;ber 20 Jahre lang alles, den Krimeern sogar ihre Muttersprache, das Russische, auszutreiben und ihnen die ukrainische Sprache aufzuzwingen &ndash; &auml;hnlich wie der Bev&ouml;lkerung in Luhansk und Donezk. Doch w&auml;hrend diese erzwungene &laquo;Nationalisierung&raquo; in Luhansk und Donezk zu einem B&uuml;rgerkrieg f&uuml;hrte mit bisher bereits &uuml;ber 13&rsquo;000 Toten &ndash; darunter auch viele Kinder als Opfer der Bombardierungen &ndash;, f&uuml;hrte der Versuch, die Krim zu &laquo;entrussifizieren&raquo; im Fr&uuml;hling 2014 zu einem Referendum, bei dem die grosse Mehrheit einer Abtrennung von der Ukraine und einer Wiedervereinigung der Krim mit Russland zustimmte, die dann in k&uuml;rzester Zeit auch vollzogen wurde.<\/p><p>Und wie reagierte die Ukraine? Sie h&auml;ngte die Krim von der ukrainischen Stromversorgung ab und schloss den Kanal, der Wasser vom Dnepr &uuml;ber 400 km in den trockenen Norden der Krim brachte. Dadurch ist die dortige Landwirtschaft massiv betroffen, der Hunger ist nicht mehr fern.<\/p><p>Die Frage sei erlaubt: Ist das Abschneiden von der Wasserzufuhr v&ouml;lkerrechtlich und moralisch erlaubt, um ehemalige B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger gef&uuml;gig zu machen? Und das von einem Staat, der seinerseits &ouml;ffentlich behauptet, die Hungersnot &laquo;Holodomor&raquo; von 1932\/33 sei bewusst von Stalin erzeugt worden und m&uuml;sse international als Genozid eingestuft werden? Ist Abschneiden der Wasserzufuhr nicht ebenso die bewusste Erzeugung von Hunger?<\/p><p>Christian M&uuml;ller, der Autor dieser Zeilen, hat im Fr&uuml;hling fast drei Wochen lang auf der Krim recherchiert und mit allen Bev&ouml;lkerungsschichten das Gespr&auml;ch gesucht. Seine sieben ausf&uuml;hrlichen Berichte und seine Widerrede auf die verzerrte Darstellung im ersten NZZ-Bericht &uuml;ber die Krim k&ouml;nnen hier nachgelesen werden.<br>\n<strong><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Medien\/NZZ-Russland-Kiev-Krim-Ulrich-Schmid-Anti-Russland-Klischees\">&laquo;So greift die NZZ in die Anti-Russland-Klischee-Kiste&raquo;<\/a><\/strong><\/p><p><strong>Zur Situation auf der Krim heute siehe<\/strong><\/p><ul>\n<li>den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Crimea-Sanktionen-Russland-Ukraine-Recherchen-vor-Ort\">ersten Teil der Serie &uuml;ber die Krim<\/a>&nbsp;(ein allgemeiner historischer und politischer &Uuml;berblick)<\/li>\n<li>den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Sewastopol-Krimkrieg-Sanktionen\">zweiten Teil der Serie &uuml;ber die Krim<\/a>&nbsp;(zu Sewastopol)<\/li>\n<li>den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Crimea-Kertsch-Brucke-Katakomben\">dritten Teil der Serie &uuml;ber die Krim<\/a>&nbsp;(zu Kertsch mit den Katakomben und zur neuen Br&uuml;cke auf das russische Festland)<\/li>\n<li>den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Gesellschaft\/Krim-Crimea-Tataren-Russland\">vierten Teil der Serie &uuml;ber die Krim<\/a>&nbsp;(&uuml;ber die vielen jungen Tataren, die die ihnen gebotene berufliche Chance packen)<\/li>\n<li>den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Crimea-Reisen-Tourismus-Sanktionen\">f&uuml;nften Teil der Serie &uuml;ber die Krim<\/a>&nbsp;(&uuml;ber das Reisen auf der Krim als &laquo;normaler&raquo; Tourist)<\/li>\n<li>den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Crimea-Forum-Russische-Sprache-Jalta-Puschkin\">sechsten Teil der Serie &uuml;ber die Krim<\/a>&nbsp;(&uuml;ber einen Kongress auf Jalta zur F&ouml;rderung der russischen Sprache au&szlig;erhalb Russlands)<\/li>\n<li>Zum Infosperber-Dossier&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Dossier\/Krim-Annexion-oder-Selbstbestimmung\">Krim-Sanktionen<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Titelbild: Kylosova Maria\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regelm&auml;&szlig;ig berichten viele Medien &uuml;ber wirtschaftliche Probleme der Krim. 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