{"id":57624,"date":"2020-01-13T12:00:40","date_gmt":"2020-01-13T11:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57624"},"modified":"2026-01-27T11:35:08","modified_gmt":"2026-01-27T10:35:08","slug":"marco-henrichs-ein-krieg-mit-russland-wird-sich-in-europa-abspielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57624","title":{"rendered":"Marco Henrichs: \u201eEin Krieg mit Russland wird sich in Europa abspielen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Mit scharfen Worten kritisiert der Sportler Marco Henrichs Politik und Medien aufgrund ihres Verhaltens gegen&uuml;ber Russland. Henrichs ist Schwimmer und hat viele Erfolge unter anderem als Triathlet erzielt, heute arbeitet er auch in der russischen F&ouml;deration. Sein Engagement f&uuml;r Verst&auml;ndigung mit Russland hat er jedoch mit dem Verlust von Sponsoren bezahlt. Henrichs beobachtet Medien, die &bdquo;spalten&ldquo; und &bdquo;hetzen&ldquo;, aber auch eine Politik der &bdquo;Konfrontation&ldquo;, wenn es um Russland geht. Ein Krieg mit Russland, so Henrichs, werde in Europa stattfinden: &bdquo;Also vor unserer Haust&uuml;r und nicht in Washington! Wenn das passiert, sitzen alle unsere Kriegstreiber aus Politik und Medienlandschaft in Sicherheit ! Aber wir werden, wie vor 75 Jahren, wieder &uuml;ber unsere toten Kinder und Lieben trauern.&ldquo; Im NachDenkSeiten-Interview schildert er, warum er sich f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47783\">Verst&auml;ndigung zwischen Deutschen und Russen<\/a> einsetzt, wie er &uuml;ber die Dopingberichterstattung hierzulande denkt und wo er eine Doppelmoral am Werk sieht. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6749\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-57624-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200113_Marco_Henrichs_Ein_Krieg_mit_Russland_wird_sich_in_Europa_abspielen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200113_Marco_Henrichs_Ein_Krieg_mit_Russland_wird_sich_in_Europa_abspielen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200113_Marco_Henrichs_Ein_Krieg_mit_Russland_wird_sich_in_Europa_abspielen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200113_Marco_Henrichs_Ein_Krieg_mit_Russland_wird_sich_in_Europa_abspielen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=57624-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200113_Marco_Henrichs_Ein_Krieg_mit_Russland_wird_sich_in_Europa_abspielen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200113_Marco_Henrichs_Ein_Krieg_mit_Russland_wird_sich_in_Europa_abspielen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;width: 200px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200113-Bild-Marco-Henrichs_.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"200\"><\/div><p><em><strong>Zur Person:<\/strong> Der geb&uuml;rtige Rheinl&auml;nder Marco Henrichs (Wohnhaft im Allg&auml;u) hat Erfahrung aus 24 Jahren Triathlon (u.a. vielfacher Ironman Finisher) und ist 2015 vom Triathlon zum Langstreckenschwimmen gewechselt. Er hat zudem die Schwimmtrainerausbildung in der Russischen F&ouml;deration absolviert und ist Repr&auml;sentant des Wolgast&uuml;tzpunktes bzw. der Wolgaliga. Weitere Informationen finden sich <a href=\"https:\/\/h2o-bloxx.com\/trainerteam\">unter diesem Link<\/a>. <\/em><\/p><p><strong>Herr Henrichs, Sie sind seit vielen Jahren Sportler, aber irgendwann in Ihrem Leben hat sich das Politische bemerkbar gemacht. Was ist vorgefallen?<\/strong><\/p><p>2016 wurde ich zu einem Mehrkampf nach Russland eingeladen. Ich wurde vorab gefragt, ob ich mit einem russischen Athleten ein Team bilden m&ouml;chte. Wir sind als einziges internationales Mix-Team mit einem russischen Profiathleten gestartet. Am Ende haben wir Seite an Seite vor &uuml;ber 300 Teams die gesamte Silbermedaille geholt. 37 Kilometer Laufen und f&uuml;nf Kilometer Schwimmen durch insgesamt acht Seen in den W&auml;ldern n&ouml;rdlich von Sankt Petersburg. Nat&uuml;rlich war es eine gute sportliche Leistung &ndash; aber es war f&uuml;r mich auch der emotionalste Wettkampf in meinen 26 Jahren Ausdauersport.<\/p><p><strong>Und dort haben Sie Ihren Teampartner kennengelernt, der mit Ihnen in einem russisch-deutschen Team geschwommen und gelaufen ist?<\/strong><\/p><p>Ja, richtig &ndash; Alexej war ein sympathischer, talentierter, junger Triathlet. Wir hatten ca. 20 Jahre Altersunterschied. W&auml;hrend der knapp 4:30 Stunden sind wir gemeinsam durch insgesamt f&uuml;nf Seen f&uuml;nf Kilometer geschwommen und sind bei f&uuml;nf Laufetappen ausschlie&szlig;lich querfeldein 37 Kilometer gelaufen.<\/p><p><strong>Sie haben festgestellt, dass Sie beide etwas verbindet. Was war das?<\/strong><\/p><p>Dieser Wettkampf spielte sich in den W&auml;ldern Leningrads n&ouml;rdlich von Sankt Petersburg ab. An dem Ort, wo unsere Gro&szlig;v&auml;ter im Zweiten Weltkrieg gegeneinander k&auml;mpfen mussten. Wir sind gemeinsam durch die Bombenl&ouml;cher gelaufen und Seen geschwommen, wo es 76 Jahre vorher zahlreiche Tote auf der deutschen und russischen Seite gegeben hat.<\/p><p><strong>Was war das f&uuml;r Sie beide f&uuml;r ein Moment?<\/strong><\/p><p>Das Ganze habe ich eigentlich erst nach dem Wettkampf realisiert &ndash; was da passiert ist. In derselben Nacht bin ich unter Tr&auml;nen in meinem Hotelzimmer wach geworden. Weniger wegen der Wettkampfschmerzen. Nein &ndash; weil mir bewusst geworden ist, was dort passiert ist: Zwei Sportler, dessen Nationen in zwei Weltkriegen bitterlich gegeneinander gek&auml;mpft haben, waren heute im Team erfolgreich. Erfolgreich in einem russisch-deutschen Team!<\/p><p>Ich dachte in dieser Nacht aber auch an die Konfrontationspolitik gegen Russland in meiner Heimat. Eine Konfrontationspolitik, die auch noch durch Medien an Fahrt gewinnt, die in ihrer Tendenz konform mit der Politik von USA und NATO gehen und die sich selbst zensieren. Ich wurde w&uuml;tend dar&uuml;ber! W&uuml;tend dar&uuml;ber, wie das Leben von Millionen von Menschen aufs Spiel gesetzt wird. W&uuml;tend, weil Meinungsmacher und Entscheidungstr&auml;ger in den deutschen Medien und in der Politik den Wahnsinn aus zwei Weltkriegen scheinbar vergessen haben.<\/p><p><strong>Bleiben wir bei Ihren Erlebnissen. Sie sind  wieder zur&uuml;ck nach Deutschland gekehrt. Was hat sich dann zugetragen?<\/strong><\/p><p>In Deutschland und in Russland haben mir viele Menschen f&uuml;r diesen Teamerfolg und die offene Einstellung, aufeinander zuzugehen, statt gegeneinander zu k&auml;mpfen, auf die Schultern geklopft. Das russische Fernsehen und die Presse hatten ausf&uuml;hrlich &uuml;ber den &bdquo;deutschen Friedensschwimmer&ldquo; und den &bdquo;deutschen Legion&auml;r, der f&uuml;r den Frieden schwimmt&ldquo;, berichtet. Ich habe f&uuml;r meine Sichtweise vom ersten Tag an bis heute viel Dankbarkeit in Russland erfahren.<\/p><p>In Deutschland gab es dagegen seitens der Presse negative Stimmen, weil ich mit einem &bdquo;Russen&ldquo; gestartet bin und in der &Ouml;ffentlichkeit eine &bdquo;pro-russische&ldquo; Haltung eingenommen habe! Eine Haltung f&uuml;r den Frieden mit Russland. Zudem habe ich zwei Sponsoren in dieser Zeit verloren, weil ich mit einem Russen gestartet bin und eine &bdquo;pro-russische&ldquo; Haltung eingenommen habe. Also eine Haltung f&uuml;r den Frieden und V&ouml;lkerverst&auml;ndigung.<\/p><p><strong>Wie lief das ab? Wie haben sich die Sponsoren verhalten?<\/strong><\/p><p>Man hat mich vor die Wahl gestellt &ndash; entweder linientreuer Sportler ohne &ouml;ffentliche Meinung oder es trennen sich die Wege. Ich habe ohne zu z&ouml;gern sofort das Verh&auml;ltnis beendet, weil mir erstens meine Meinung sehr wichtig ist und zweitens ich zu 100 Prozent wusste, dass ich nichts Falsches gemacht habe. Im Gegenteil, habe ich lediglich das offen ausgesprochen, was unz&auml;hlige Sportler sich nicht trauen, offen auszusprechen, aber hinter vorgehaltener Hand sagen.<\/p><p><strong>Warum diese Reaktion? Sie h&auml;tten doch auch sagen k&ouml;nnen, ich entscheide mich f&uuml;r Deutschland.<\/strong><\/p><p>Ich habe mich weder f&uuml;r das eine noch das andere Entschieden. Aber mir ist es wichtig, zu meiner Meinung, die auf pers&ouml;nlicher Erfahrung beruht, zu stehen und diese auch auszusprechen. Wer in Deutschland offen diskutieren m&ouml;chte und eine Meinung ausspricht, die nicht konform mit dem Mainstream ist, hat schnell ein Problem. Ich erlebe in Russland mittlerweile mehr Meinungsfreiheit auf den Stra&szlig;en als in Deutschland. Wer gegen unsere Kanzlerin ist, wird beispielsweise schnell als rechts betitelt. Wer f&uuml;r den Frieden mit Russland wirbt, ist ein Putinversteher oder rechts oder AFD-nah und &auml;hnlicher Schwachsinn. Wer die Fl&uuml;chtlingspolitik (nicht die Fl&uuml;chtlinge) kritisiert, ist ein Nazi &ndash; usw.! Ich wollte dieses Spiel nicht mehr mitspielen. Ich vertrete offen meine Meinung.<\/p><p>Ich habe zum Thema Russland oder zur Innenpolitik in Deutschland von Kritikern sehr h&auml;ufig den Satz geh&ouml;rt &bdquo;Marco, Du hast ja recht &ndash; aber &hellip;!&ldquo; Aber wenn ich doch recht habe, warum darf ich es dann nicht aussprechen oder offen zu meiner Meinung stehen? Es ist doch etwas Positives, dachte ich zumindest mit meinem Demokratieverst&auml;ndnis. Wenn dem Gegen&uuml;ber dann keine Argumente einfallen (und das passiert leider t&auml;glich in unseren Qualit&auml;tsmedien), versucht man, Kritiker mit Worten mundtot zu machen wie &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo;, &bdquo;Populist&rdquo; usw. Das ist die traurige Wahrheit.<\/p><p><strong>Was hat all das im Hinblick auf Ihr politisches Bewusstsein ausgel&ouml;st?<\/strong><\/p><p>Dass klar wurde, dass wir eigentlich nicht die &bdquo;heilige&ldquo; Demokratie sind, wie man es uns tagt&auml;glich gebetsm&uuml;hlenartig erz&auml;hlt. Wenn ich eine Haltung einnehme, die nicht unseren Leitmedien  entspricht oder nicht politikkonform ist, komme ich zwar nicht ins Gef&auml;ngnis. Aber es wird viel Energie aufgebracht, um einen mundtot zu machen. Ich kenne viele Menschen in meinem Umfeld oder in der Friedensbewegung, die einfach die Wahrheit ausgesprochen haben und entweder ihre Jobs oder Sponsoren verloren haben oder anderen Repressalien ausgesetzt waren. Dass das am Demokratieverst&auml;ndnis r&uuml;ttelt, ist, denke ich, verst&auml;ndlich.<\/p><p><strong>Sie haben also angefangen, auch die Berichterstattung kritischer zu beobachten?<\/strong><\/p><p>Egal, was ich an Medien konsumiere, stelle ich zun&auml;chst grunds&auml;tzlich in Frage. Da mache ich keinen Unterschied, ob es eine &bdquo;zensierte&ldquo; Tagesschau ist oder ein alternatives Medium. So genannte Quellen in den &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien haben sich beispielsweise zu h&auml;ufig schon als eine Propagandablase entpuppt.<\/p><p><strong>Was haben Sie festgestellt? Wie nehmen Sie die Berichterstattung der gro&szlig;en Medien zu Russland hierzulande wahr?<\/strong><\/p><p>Ich m&ouml;chte es mal als Sportler frei heraus aussprechen: Wie die deutschen Mainstreammedien &uuml;ber Russland <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47748\">berichten<\/a>, ist eine Riesensauerei . Ich erkenne hier einen ganz klaren Regierungsauftrag, uns von Russland zu <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49904\">spalten<\/a>. Sicher, jetzt werden einige sagen, mit solch einer Aussage lehne ich mich zu weit aus dem Fenster. Aber ich kenne sowohl die deutsche als auch die russische Seite. Meine Ansicht ist nicht aus der Luft gegriffen. Sie beruht auf vielen pers&ouml;nlichen Erfahrungen mit Medien und der Politik in beiden L&auml;ndern.<\/p><p><strong>Vor kurzem hat die Welt-Anti-Doping-Agentur gegen Russland eine Vierjahressperre verh&auml;ngt. Verbindet sich bei diesem Thema dann Sport und Politik?<\/strong><\/p><p>Sport soll eigentlich Menschen verbinden. Im Falle Russland wurde das Thema Doping instrumentalisiert, um einen politischen Skandal zu schaffen! &Auml;hnlich war es doch auch bei der Fu&szlig;ball-WM in Russland. Aber in unseren Qualit&auml;tsmedien hat man immer wieder Formulierungen wie &bdquo;Putins WM&ldquo; im negativen Zusammenhang geh&ouml;rt. Tats&auml;chlich war es jedoch eine Vorzeige-WM in Russland mit weitaus weniger Ausschreitungen und Krawallen als bei den bisherigen Fu&szlig;ball-Weltmeisterschaften. Es war ein weltoffenes Fest in Russland. &Auml;hnlich die Olympischen Spiele in Sotschi &ndash; dort waren es &bdquo;Putins Spiele&ldquo;, gespickt mit L&uuml;genm&auml;rchen.<\/p><p><strong>Als Sportler und politisch interessierter Mensch: Wie betrachten Sie die Dopingberichterstattung in unseren Medien?<\/strong><\/p><p>Die Berichterstattung ist nicht objektiv, ich sehe sie als einseitig. Beispielsweise hatte die russische Hackergruppe Fancy Bears 2016 die Datenbank der WADA gehackt. Dort kamen viele Geheimnisse ans Tageslicht, wie beispielsweise deutsche und amerikanische Athleten auf Grundlage eines Medizinpasses verbotene Substanzen offiziell nehmen durften. Diese Athleten hatten beispielsweise ADHS oder Asthma. Jetzt darf sich jeder selbst seinen Reim darauf machen, wenn ein Hochleistungssportler &bdquo;Asthma&ldquo; hat. Hier geht es um die Einnahme verbotener Substanzen, f&uuml;r die russische Athleten beispielsweise verurteilt wurden.<\/p><p>In unseren Medien war es ein Skandal, dass eine russische Hackergruppe diese Fakten und weitere brisante Inhalte ver&ouml;ffentlicht hatte. Aber &uuml;ber den eigentlichen Skandal, also &uuml;ber die Inhalte, wurde kaum bis gar nicht berichtet.<\/p><p>Ich sehe da eine Parallele zum Whistleblower Julian Assange, der Skandale aufgedeckt hatte. Die skandal&ouml;sen Inhalte mit gro&szlig;er Reichweite haben sowohl Medien als auch Politik schnell unter den Teppich gekehrt. &Uuml;ber die skandalreichen Staatsgeheimnisse mit einem Meer aus L&uuml;gen und Korruption wurde nicht der Tragweite gem&auml;&szlig; berichtet.<\/p><p><strong>Nun steht es aber au&szlig;er Frage, dass Russland ein Dopingproblem hat.<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich hat es ein Dopingproblem in Russland gegeben. Aber diese Probleme gibt es in den USA, China und Deutschland auch. Es ist halt immer die Frage: Was will ich aufdecken und was darf nicht aufgedeckt werden?<\/p><p><strong>Deutsche Medien sprechen im Zusammenhang mit Russland von einem &bdquo;Staatsdoping&ldquo;. Wie kommt dieser Begriff zustande? Und: Haben Sie ein Problem mit ihm?<\/strong><\/p><p>Das Zauberwort &bdquo;Staatsdoping&ldquo; in den westlichen Medien soll aus einem Problem im Sport ein politisches Problem machen. Zun&auml;chst kann man die Struktur im russischen Sport nicht mit der in Deutschland vergleichen. In Deutschland arbeiten Sportverb&auml;nde autark. In Russland ist es jedoch staatlich. Also ein Mitarbeiter, zum Beispiel Nationaltrainer, ist dort ein Staatsdiener. Wir w&uuml;rden sagen: ein Beamter oder Angestellter im &ouml;ffentlichen Dienst. Was in anderen L&auml;ndern &auml;hnliche Gr&ouml;&szlig;enordnungen hatte, und ich bin mir sicher: auch hat, war in Russland folglich &bdquo;Staatsdoping&ldquo;. Und es gibt bis heute noch keine klaren Beweise, dass es eine Verbindung in die Staatsspitze gibt. Stattdessen gibt es in unserer Medienlandschaft eine Generalverurteilung russischer Sportler.<\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie sich diese Berichterstattung &uuml;ber Russland?<\/strong><\/p><p>Ganz einfach &ndash; ich sehe es als einen westlichen bzw. deutschen Regierungsauftrag an, uns von Russland zu spalten. Russland soll in unseren K&ouml;pfen ein Feind sein, um unter anderem NATO-R&uuml;stungsausgaben bzw. ein Aufr&uuml;sten zu rechtfertigen.<\/p><p><strong>Erkennen Sie eine Doppelmoral?<\/strong><\/p><p>Eindeutig ja. Schauen wir uns doch mal die Fu&szlig;ball-WM in Katar an. Der Rote Halbmond rechnet aktuell mit ca. 2.000 bis 2.500 toten und teils versklavten (da ihnen die Reisep&auml;sse abgenommen werden) Bauarbeitern, nur f&uuml;r den Bau der Fu&szlig;ball-WM-Stadien. Bis zur Er&ouml;ffnung der WM rechnet man mit bis zu 3.500 toten Bauarbeitern. Das sind &uuml;brigens &auml;hnlich viele Tote wie bei 9\/11.<\/p><p>Die Bauarbeiter arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen. Die FIFA hatte das Thema bisher lediglich bedauert, handelt aber nicht. Richtig w&auml;re es, Katar die WM sofort zu entziehen. Aber es passiert nichts und unsere Medien schweigen dar&uuml;ber. Die heilige Kuh Fu&szlig;ball ist nun mal ein gro&szlig;er Markt. Und schlie&szlig;lich ist Katar auch ein wichtiger Handelspartner, um unter anderem unsere Waffen dorthin zu verkaufen.<\/p><p>Eine Doppelmoral sehe ich hier beispielsweise darin, dass in Deutschland mit dem Finger auf &bdquo;Doping-Russland&ldquo; gezeigt wird, aber zeitgleich d&uuml;rften viele gr&ouml;lend auf die Fanmeilen gehen, um diese mit Blut getr&auml;nkte Fu&szlig;ball-WM zu feiern. Und Medien werden auch wieder entsprechend zur&uuml;ckhaltend berichten. Davon darf man ausgehen. Jeder Journalist, aber auch jeder Fu&szlig;ballfan oder Moralapostel sollte dar&uuml;ber nachdenken.<\/p><p><strong>Was hat es mit Katar auf sich? Was kritisieren Sie?<\/strong><\/p><p>Katar ist ein &bdquo;Schurkenstaat&ldquo;. Menschenrechte tritt er mit F&uuml;&szlig;en.  Aber Katar hat durch &Ouml;l sehr viel Geld. Und da viele Menschen in der westlichen Politik und den Medien diesem Geld nicht abgeneigt sind, wird aus einem Schurkenstaat ein Vorzeigepartner gebastelt. Aber Putin ist ein &bdquo;Diktator&ldquo;?!<\/p><p><strong>Sie haben es angef&uuml;hrt: Sie sind nun in Russland t&auml;tig. Was genau machen Sie dort?<\/strong><\/p><p>Ich vertrete seit 2017 eine sehr gro&szlig;e Schwimmliga und einen Schwimmst&uuml;tzpunkt in der Russischen F&ouml;deration. Als Trainer und auch als offizieller Repr&auml;sentant.<\/p><p><strong>Wie verstehen Sie Ihre Rolle?<\/strong><\/p><p>Ich sensibilisiere f&uuml;r ein Miteinander, statt wie viele westlichen Medien und Politiker zu spalten. Meine Rolle sehe ich darin, Menschen zum Miteinander zu bewegen, statt zu spalten. Aktuell nimmt mein Engagement parteiunabh&auml;ngig politischen Charakter an und ich freue mich auf neue Aufgaben.<\/p><p><strong>Wie erleben Sie Russland und die Russen?<\/strong><\/p><p>Zwischen Russland und Deutschland gibt es viele, unter anderem kulturelle, Gemeinsamkeiten. Dort leben genauso Familien bzw. Menschen, die in Frieden leben wollen, wie in Deutschland auch. Ich h&ouml;re in Russland immer wieder achselzuckend S&auml;tze wie: &bdquo;Was habt ihr in Deutschland eigentlich f&uuml;r ein Problem mit uns? Wir tun euch doch nichts!&ldquo; Ich antworte darauf immer: &bdquo;Es sind nicht die Deutschen. Es sind unsere USA-gesteuerten Medien und Politiker im Bundestag. Wir Deutschen wollen genauso Frieden wie ihr!&ldquo;<\/p><p>Innenpolitisch gibt es nat&uuml;rlich Probleme in Russland. Aber die gibt es in Deutschland auch und hier hat keiner das Recht, den anderen zu verurteilen. Geopolitisch sehe ich mit einer NATO-Osterweiterung und Aggressionspolitik gegen Russland den Aggressor im Westen &ndash; nicht im Osten!<\/p><p><strong>Haben Sie Forderungen an Politik und Medien?<\/strong><\/p><p>Von der Politik fordere ich einen sofortigen Austritt aus der NATO sowie einen Abzug der amerikanischen Streitkr&auml;fte aus Deutschland. Zudem muss ein B&uuml;ndnis mit Russland wieder gest&auml;rkt und aufgenommen werden. Wer sich intensiver mit dem L&uuml;genkonstrukt NATO auseinandersetzt, erkennt schnell: Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen, um angeblich f&uuml;r den &bdquo;Frieden und Demokratie&ldquo; zu t&ouml;ten. Letztendlich hinterl&auml;sst die NATO &uuml;berall einen Scherbenhaufen mit unz&auml;hligen toten Zivilisten. Von der Medienlandschaft in Deutschland w&uuml;nsche ich mir eine objektive Berichterstattung &uuml;ber Russland. Medien sollen aufh&ouml;ren, zu spalten, zu hetzen, stattdessen sollten sie auch ihren Teil zur deutsch-russischen Verst&auml;ndigung beitragen. Es sollte uns allen klar sein: Ein Krieg mit Russland wird sich in Europa abspielen. Also vor unserer Haust&uuml;r und nicht in Washington. Wenn das passiert, sitzen alle unsere Kriegstreiber aus Politik und Medienlandschaft in Sicherheit. Aber wir werden, wie vor 75 Jahren, wieder &uuml;ber unsere toten Kinder und Lieben trauern. Und, davon kann man ausgehen, es wird viele Millionen Tote geben. Das will ich nicht und daf&uuml;r setze ich mich ein &ndash; daf&uuml;r sollte sich jeder einsetzen!<\/p><p>Titelbild: MagMac83 \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit scharfen Worten kritisiert der Sportler Marco Henrichs Politik und Medien aufgrund ihres Verhaltens gegen&uuml;ber Russland. Henrichs ist Schwimmer und hat viele Erfolge unter anderem als Triathlet erzielt, heute arbeitet er auch in der russischen F&ouml;deration. Sein Engagement f&uuml;r Verst&auml;ndigung mit Russland hat er jedoch mit dem Verlust von Sponsoren bezahlt. 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