{"id":57765,"date":"2020-01-17T13:00:51","date_gmt":"2020-01-17T12:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57765"},"modified":"2020-01-20T07:31:29","modified_gmt":"2020-01-20T06:31:29","slug":"lehrer-null-problemo-die-beschulung-unserer-kinder-besorgt-jetzt-jeder-hans-und-franz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57765","title":{"rendered":"Lehrer? Null Problemo! Die Beschulung unserer Kinder besorgt jetzt jeder Hans und Franz"},"content":{"rendered":"<p>An Deutschlands Lehranstalten grassiert ein Personalmangel mit historischen Ausma&szlig;en. Statt echter Lehrer erledigen inzwischen haufenweise Aushilfskr&auml;fte ohne p&auml;dagogisches R&uuml;stzeug die Ausbildung und Erziehung der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler &ndash; und es werden immer mehr. Dabei kam die Not nicht aus dem Nichts und die &bdquo;Fl&uuml;chtlingskrise&ldquo; taugt allenfalls als halbe Ausrede. &Uuml;ber Jahre haben die Kultusminister die Zeichen der Zeit ignoriert und die Bedarfszahlen so hingebogen, wie es ihnen haush&auml;lterisch in den Kram passte. Es ist h&ouml;chste Zeit, die Fehlsteuerung im System zu beenden. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8991\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-57765-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200117_Lehrer_Null_Problemo_Jetzt_mit_Hans_und_Franz_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200117_Lehrer_Null_Problemo_Jetzt_mit_Hans_und_Franz_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200117_Lehrer_Null_Problemo_Jetzt_mit_Hans_und_Franz_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200117_Lehrer_Null_Problemo_Jetzt_mit_Hans_und_Franz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=57765-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200117_Lehrer_Null_Problemo_Jetzt_mit_Hans_und_Franz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200117_Lehrer_Null_Problemo_Jetzt_mit_Hans_und_Franz_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Lehrermangel ist &uuml;berall in Deutschland. Selbst in Bayern, dort, wo man sich bildungspolitisch im Garten Eden w&auml;hnt. In der zweiten Januarwoche lie&szlig; Kultusminister Michael Piazolo von den Freien W&auml;hlern die Katze aus dem Sack. Im kommenden Schuljahr k&ouml;nnten bis zu 1.400 P&auml;dagogenstellen unbesetzt bleiben, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/bayern-lehrermangel-kultusministerium-piazolo-1.4746984\">verk&uuml;ndete er<\/a>. Nat&uuml;rlich will der Minister der Misere nicht tatenlos zusehen und pr&auml;sentierte gleich ein ganzes Ma&szlig;nahmenpaket. Einziger Adressat: Die Lehrerschaft. Zum Beispiel sollen im Primarbereich demn&auml;chst 29 statt 28 Stunden pro Woche unterrichtet werden. Grund-, Mittel- und F&ouml;rderschullehrer d&uuml;rfen k&uuml;nftig erst mit 65 vorzeitig in den Ruhestand gehen, ein Jahr sp&auml;ter als bisher. Au&szlig;erdem werde das Sabbatjahr gestrichen und die Mindestarbeitszeit f&uuml;r Lehrkr&auml;fte in Teilzeit um drei Stunden auf 23 Stunden an F&ouml;rder- und 24 Stunden an Volksschulen angehoben.<\/p><p>Der &Auml;rger lie&szlig; nicht lange auf sich warten. Die Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrverb&auml;nde (ABL) z&uuml;rnte &uuml;ber einen &bdquo;S&uuml;ndenfall&ldquo; und &bdquo;enormen Sprengstoff&ldquo;, der zu einem gro&szlig;en Vertrauensverlust in den Dienstherrn f&uuml;hre und f&uuml;r Verunsicherung in den Kollegien aller Schularten sorge. Auf Dauer w&uuml;rden sich die Eingriffe als &bdquo;kontraproduktiv&ldquo; erweisen, warnte ABL-Pr&auml;sidentin Walburga Krefting. Die Attraktivit&auml;t des Lehrberufs an Grund-, Mittel- und F&ouml;rderschulen <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/mehrarbeit-fuer-lehrer-verbaende-und-opposition-empoert,RmznYNw\">drohe weiter zu schwinden<\/a>. &bdquo;Wir werden uns wehren&ldquo;, versprach Bernhard Baudler von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der &bdquo;eine rote Linie &uuml;berschritten&ldquo; sieht. Die &bdquo;schon jetzt grenzwertige Belastung&ldquo; des Lehrpersonals werde durch die Arbeitszeiterh&ouml;hung ins &bdquo;Unertr&auml;gliche gesteigert&ldquo;. Ein erh&ouml;hter Krankenstand und weitere Ausf&auml;lle w&auml;ren ausgemachte Sache.<\/p><p><strong>Massenhaft L&uuml;ckenf&uuml;ller<\/strong><\/p><p>Ortswechsel: In Berlin trat dieser Tage Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) aufs B&uuml;&szlig;erb&auml;nkchen. Eigentlich hatte sie vor einem Jahr beteuert, eine faire Verteilung von Quer- und Seiteneinsteigern &uuml;ber alle Schulen und Bezirke vorzunehmen. Damals wurden Klagen laut, dass die Vielzahl der auf Umwegen ins Klassenzimmer gelangten Kr&auml;fte ohne echte p&auml;dagogische Ausbildung unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig h&auml;ufig in Lehranstalten in sozialen Brennpunkten landen. Nun kam heraus: Die Lage hat sich weiter versch&auml;rft. W&auml;hrend es im Vorjahr noch 22 Einrichtungen gab, an denen &uuml;ber 20 Prozent Quereinsteiger unterrichteten, sind es <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/lehrermangel-in-berlin-senat-schafft-es-nicht-quereinsteiger-besser-zu-verteilen\/25424874.html\">heute schon 45<\/a>. In sieben F&auml;llen liegt ihr Anteil schon bei &uuml;ber 30 Prozent. Nicht ber&uuml;cksichtigt sind dabei die Seiteneinsteiger. Das sind &bdquo;Lehrer&ldquo;, die weder eine professionelle didaktische Schulung genossen noch den Vorbereitungsdienst (Referendariat) durchlaufen haben, sondern in der Regel direkt aus einem anderen Beruf an die Schule sto&szlig;en. Davon sind allein in der Bundeshauptstadt rund 1.000 im Einsatz.<\/p><p>Gro&szlig; sind die N&ouml;te auch in Sachsen-Anhalt. So gro&szlig;, dass jetzt Betroffene das Heft des Handelns an sich gerissen haben. In der Vorwoche starteten Gewerkschaften, Sch&uuml;ler- und Elternvertreter das Volksbegehren <a href=\"https:\/\/www.denmangelbeenden.de\/\">&bdquo;Den Mangel beenden &ndash; Unseren Kindern Zukunft geben!&ldquo;<\/a>. Mit ihm soll die Regierung gen&ouml;tigt werden, Personalschl&uuml;ssel im Schulgesetz zu verankern, die eine verbindliche Sch&uuml;ler-Lehrer-Relation f&uuml;r die einzelnen Schulformen vorsehen. Angestrebt wird eine Unterrichtsversorgung von 105 Prozent, um Fehlzeiten infolge von Krankheit und gestiegenen Anforderungen etwa durch Inklusion, Migration und Ganztagsbetreuung Rechnung zu tragen. Derzeit liegt die Ausstattung im Schnitt bei 96 Prozent, in den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen bei gerade einmal 90 Prozent. In der Konsequenz f&auml;llt seit Jahren massenhaft Unterricht aus. CDU-Bildungsminister Marco Tullner streitet die Probleme nicht ab, meint aber, mit besseren Schl&uuml;sseln st&uuml;nden nicht pl&ouml;tzlich mehr Bewerber auf der Matte. Ganz unrecht hat er damit nicht.<\/p><p><strong>Bedarf nach Kassenlage<\/strong><\/p><p>Die Bundesrepublik erlebte immer mal wieder Phasen, in denen das Angebot an P&auml;dagogen mit dem &bdquo;Bedarf&ldquo; nicht mithalten konnte. Wobei &bdquo;Bedarf&ldquo; eine schwammige Gr&ouml;&szlig;e ist, die sich entsprechend gesellschaftlicher, politischer und vor allem haush&auml;lterischer Erfordernisse beliebig zurechtbiegen l&auml;sst. Dagegen spielten und spielen bis heute die schulischen Erfordernisse, also die Frage, was der Nachwuchs f&uuml;r ein gedeihliches Aufwachsen wirklich an Lehre und Betreuung braucht, eine nachrangige Rolle. Tats&auml;chlich d&uuml;rften die Vorgaben f&uuml;r eine &bdquo;ausk&ouml;mmliche Unterrichtsversorgung&ldquo; noch niemals und nirgendwo, in der alten wie der neuen BRD, darauf abgestellt gewesen sein, was wahrhaftig und gem&auml;&szlig; wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Besten des Kindeswohls ist. Das ist auch ein, wenn nicht der Hauptgrund daf&uuml;r, dass die Situation aktuell so ernst ist wie nie.<\/p><p>Nach einer im September 2019 <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/de\/themen\/aktuelle-meldungen\/2019\/september\/lehrermangel-in-grundschulen-bis-2030-groesser-als-bislang-erwartet\">von der Bertelsmann-Stiftung vorgelegten Analyse<\/a> fehlen allein an den Grundschulen bis zum Jahr 2025 mindestens 26.300 nachr&uuml;ckende Lehramtsabsolventen und damit 10.600 mehr, als die Kultusministerkonferenz (KMK) quantifiziert hat. Schulpolitische Ambitionen wie der Ganztagsschulausbau w&auml;ren dabei noch gar nicht ber&uuml;cksichtigt. Nur daf&uuml;r w&auml;ren Tausende zus&auml;tzlicher Kr&auml;fte wie p&auml;dagogische Mitarbeiter, Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen vonn&ouml;ten. Nun m&ouml;gen die Motive der Denkfabrik aus G&uuml;tersloh durchsichtig sein: Als Konzernanh&auml;ngsel bedient sie die Interessen der Bertelsmann AG, darunter das, auf dem kommerziellen Bildungsmarkt zu re&uuml;ssieren. Und als neoliberaler &bdquo;Reformmotor&ldquo; treibt die Stiftung die Vermarktwirtschaftlichung aller Lebensbereiche voran. Dazu geh&ouml;rt auch, dass Kinder ihren Erzeugern beim Geldverdienen nicht zu viel Erziehungs- und Betreuungsarbeit abverlangen. Weswegen Kita- und Ganztagsschulausbau bei den Bertelsm&auml;nnern ganz oben auf der Agenda stehen.<\/p><p><strong>Der Notnagel regiert<\/strong><\/p><p>Sei es drum, miserabel sind die Verh&auml;ltnisse auch im regul&auml;ren Schulbetrieb zwischen 8 und 13 Uhr. Dazu zeichnen mit den Bildungsforschern Klaus Klemm und Dirk Zorn zwei profilierte Experten f&uuml;r besagte Studie verantwortlich, die nicht bekannt daf&uuml;r sind, zu Dramatisierungen zu neigen. Und historisch schlecht sieht es auch bei fast allen anderen Schularten aus. Landaus, landein regiert bei der Einstellungspolitik schon seit langem der Notnagel, aber mit jedem Jahr wird der Kreis der an die Tafel beorderten &bdquo;Amateure&ldquo; illustrer. Neben Pension&auml;ren tummeln sich da unfertige Lehramtsstudierende, Referendare mit erweitertem Lehrauftrag oder &bdquo;Lovls&ldquo;. Diese &bdquo;Lehrer ohne volle Lehrbef&auml;higung&ldquo; sind nominell ein Berliner Ph&auml;nomen, aber in der Form auch im Rest der Republik anzutreffen. Anders als beim Quer- und Seiteneinstieg m&uuml;ssen sie nichts studiert haben, was mit einem Schulfach auch nur entfernt verwandt ist. Und so lehrt zum Beispiel ein Architekt Geschichte und ein Arch&auml;ologe Kunst. Es sind selbst F&auml;lle &uuml;berliefert, in denen Eltern oder der Schulhausmeister den Vertretungslehrer markiert haben sollen.<\/p><p>Keine Frage: Auch Lehrer auf dem zweiten Bildungsweg sind mitunter hervorragende P&auml;dagogen. Der Garant f&uuml;r Qualit&auml;t in der Breite kann gleichwohl nur eine professionelle Lehramtsbildung mit einem H&ouml;chstma&szlig; an p&auml;dagogischer Expertise sein. Schlie&szlig;lich geht es hier um Kinder, darum, was und wie man ihnen etwas beibringt und wohin ihr Weg in der Zukunft f&uuml;hrt. Die politisch Verantwortlichen tun dagegen so, als k&ouml;nnte man deren Ausbildung und Erziehung jedem &bdquo;Hansel&ldquo; &uuml;berlassen, sofern der sich nur dazu berufen f&uuml;hlt und einen Crashkurs in Didaktik vorweisen kann. Man stelle sich vor, Airlines heuerten aus Mangel an Profis reihenweise &bdquo;Piloten&ldquo; mit Autof&uuml;hrerschein an. Das g&auml;be Katastrophen in Serie und einen Riesenaufschrei. Aber den Nachwuchs vertraut man jedem Ungelernten an. Die gro&szlig;e &Ouml;ffentlichkeit kriegt es eh nicht mit und f&uuml;r den Schaden der Betroffenen und die gesellschaftlichen Langzeitsch&auml;den werden die Urheber auch nicht einstehen m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>&bdquo;Verbrechen an Kindern&ldquo;<\/strong><\/p><p>Man muss kein Fan des konservativen Deutschen Lehrerverbands (DL) sein, unter dessen Dach unter anderem der Deutsche Philologenverband (DPhV) firmiert. Wenn der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger es <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/lehrerverband-quereinsteiger-101.html\">&bdquo;ein Verbrechen an den Kindern&ldquo;<\/a> nennt, p&auml;dagogische Laien ohne ausreichende Vorbereitung und ohne qualit&auml;tssichernde Vorgaben auf Sch&uuml;ler loszulassen, dann ist ihm beizupflichten. Das zeige, so Meidinger weiter, wie gering die notwendige Berufsprofessionalit&auml;t von der Politik gesch&auml;tzt werde. Dazu komme, dass es f&uuml;r die Quereinsteiger &bdquo;keine ausreichende Zahl von Ausbildungslehrern&ldquo; gebe. In den L&auml;ndern mit dem gr&ouml;&szlig;ten Mangel h&auml;tten die Ministerien oft gar kein Interesse, die Betroffenen zu schulen, weil sie dann nicht gleich voll in die Unterrichtsversorgung gesteckt werden k&ouml;nnten.<\/p><p>Ist die Emp&ouml;rung nicht m&uuml;&szlig;ig? Schlie&szlig;lich ist die Lage, wie sie ist. Blo&szlig; wie kam es dazu? Tats&auml;chlich gibt es allerhand Gr&uuml;nde daf&uuml;r, dass viel zu wenige Junglehrer verf&uuml;gbar sind, w&auml;hrend in der Diskussion vor allem die Ausreden dominieren. Oft ist zu h&ouml;ren, dass die sogenannte Fl&uuml;chtlingskrise ab 2015 und in den Folgejahren nicht abzusehen und das Schulsystem dem starken Zustrom an Migranten nicht gewachsen war. Da ist zweifellos etwas dran. Die Schulplaner hatten aber allerhand mehr nicht auf dem Zettel, was zu ber&uuml;cksichtigen w&auml;re: wieder steigende Geburtenraten, den Einbruch bei den Lehramtsabsolventen infolge der Umstellung auf die Bachelor-Master-Studienstruktur, eine verschleppte Reform der Lehrerausbildung, den Ganztagsschulausbau, die Inklusion, die nachhaltige Entwertung des P&auml;dagogenberufs durch politische Stimmungsmache (&bdquo;faule S&auml;cke&ldquo; und &bdquo;&uuml;berbezahlt&ldquo;) bei zugleich steigenden Belastungen und vergleichsweise schlechter Bezahlung.<\/p><p><strong>Pensionierungswelle verpennt<\/strong><\/p><p>Vor allem war der Politik seit einer halben Ewigkeit bewusst, dass die Schulen von einer gewaltigen Pensionierungswelle &uuml;berrollt werden. Schon 2003 hatte die KMK auf Altersabg&auml;nge in &bdquo;betr&auml;chtlicher&ldquo; Gr&ouml;&szlig;enordnung von mehreren Hunderttausend hingewiesen. Aber trotz ihrer fortan mehrmalig wiederholten Warnungen blieb zielgerichtetes Handeln aus, dahingehend etwa, die Kapazit&auml;ten an den Hochschulen auszubauen und Ausbildung wie Berufsbild attraktiver zu machen. Im Gegenteil rechneten die Kultusminister die Einstellungsbedarfe sogar immer wieder klein oder operierten mit l&auml;ngst &uuml;berholten Zahlen.<\/p><p>Zum Beispiel hantierten sie bis ins Jahr 2018 hinein mit ihrer Prognose zum &bdquo;Lehrereinstellungsbedarf und -angebot&ldquo; aus dem Jahr 2015, die sich der Datenlage von 2013 bediente. F&uuml;r 2017 bis 2025 wurde dabei im Primarbereich mit einem &Uuml;berschuss an Lehrkr&auml;ften kalkuliert, in der Gr&ouml;&szlig;enordnung zwischen 1.190 und 1.990. Erst im Herbst 2018, als schon &uuml;berall die Alarmglocken schrillten, und zuletzt im Dezember 2019 <a href=\"https:\/\/www.kmk.org\/fileadmin\/Dateien\/pdf\/Statistik\/Dokumentationen\/Dok_221_Bericht_LEB_LEA_2019.pdf\">wurde die Prognose aufgefrischt<\/a>. Die neuerdings im Jahresturnus vorgenommene Aktualisierung ist dabei so etwas wie das Eingest&auml;ndnis, dass man in der Vergangenheit regelm&auml;&szlig;ig und voll danebenlag. Nun stellt sich die KMK immerhin auf eine L&uuml;cke von knapp &uuml;ber 12.400 Kr&auml;ften an den Grundschulen bis 2023 ein. Auch sei f&uuml;r die Haupt-, Real- und Berufsschulen bis 2030 fast durchg&auml;ngig mit Engp&auml;ssen zu rechnen. Lediglich f&uuml;r den Sekundarbereich II in den allgemeinbildenden F&auml;chern und f&uuml;r die Gymnasien werde weiter von einem &bdquo;deutlichen Bewerber&uuml;berhang&ldquo; ausgegangen.<\/p><p><strong>Blick in die Glaskugel<\/strong><\/p><p>Das neue Zahlenwerk markiert jedoch bestenfalls eine Ann&auml;herung an die Realit&auml;t. So besteht eine gewaltige Diskrepanz zu den Befunden von Klemm und Zorn, die f&uuml;r die Primarstufe ein mehr als <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/BSt\/Publikationen\/GrauePublikationen\/BST-19-024_Policy_Brief_Schu__lerzahlen-Impulse_die_Schule_machen__6__002_.pdf\">doppelt so gro&szlig;es Minderangebot<\/a> ausgemacht haben. Gelinge es nicht, diese L&uuml;cke kurzfristig zu schlie&szlig;en, &bdquo;w&auml;re dann auch f&uuml;r die Folgeperiode bis zum Schuljahr 2030\/2031 mit einem fortgesetzten Mangel&ldquo; im Umfang von knapp 4.000 Lehrpersonen zu rechnen&ldquo;, konstatieren die beiden Wissenschaftler.<\/p><p>Ganz anders erscheint die Welt in der KMK-Glaskugel. Darin brechen nach 2023 an den Grundschulen wie aus dem Nichts geradezu goldene Zeiten an, beginnend mit einem &Uuml;berangebot an Lehrern von 270 im Jahr 2024 bis hin zu 3.590 im Jahr 2029. Die Vorg&auml;ngeruntersuchung von 2018 signalisierte dagegen erst ab 2026 Entspannung, aber bei weitem keine so durchgreifende. Bis 2030 hatte man einen &Uuml;berschuss von 6.750 Lehrkr&auml;ften ermittelt, in der Neuberechnung sind es mit einem Mal &uuml;ber 16.000. Man wundert sich: Wo kommen die Leute pl&ouml;tzlich alle her? Laut Deutschem Lehrerverband gibt es im Grundschullehramt &bdquo;dramatisch gestiegene Anf&auml;ngerzahlen&ldquo;. Das kann ja sein, allerdings hat die KMK auch den Bedarf bis 2025 um &uuml;ber 8.000 Stellen hochgeschraubt &ndash; wegen steigender Sch&uuml;lerzahlen und dem Faktor Migration.<\/p><p>Eine Erkl&auml;rung f&uuml;r die kommende &bdquo;Lehrerschwemme&ldquo; liefert Niedersachsen. Dort werden an den Gesamtschulen k&uuml;nftig nur noch Gymnasiallehrkr&auml;fte eingestellt. Deshalb schl&uuml;sselt die Statistik diejenigen, die bisher f&uuml;r diese Schulform vorgesehen waren, kurzerhand als potenzielle Grundschullehrer auf. Und wie gehabt blendet die KMK politische (M&ouml;chtegern)-Gro&szlig;projekte wie die Regelbeschulung von k&ouml;rperlich und geistig beeintr&auml;chtigten Kindern (Inklusion) und den Ausbau der Ganztagsschulen, zu schweigen von einer qualitativ hochwertigen Personalausstattung derselben, konsequent aus.<\/p><p><strong>Schweinezyklus<\/strong><\/p><p>Das hatten nach Vorlage auch die Bildungsgewerkschaften moniert. &bdquo;Der Lehrkr&auml;ftebedarf wird aus dem heutigen Status quo hochgerechnet&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.vbe.de\/presse\/pressedienste-2019\/lehrkraeftebedarf-muss-neuen-herausforderungen-angepasst-werden\/\">beklagte Udo Beckmann<\/a>, Chef beim Verband Bildung und Erziehung (VBE). &bdquo;Dabei wissen wir doch jetzt schon, dass bis 2025 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbildung und -betreuung umgesetzt werden soll.&ldquo; Eben daf&uuml;r m&uuml;ssten &bdquo;deutlich mehr Lehrkr&auml;fte ausgebildet und eingestellt werden&ldquo;, gab auch die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe zu bedenken und verwies auf die weiterhin stark ausgepr&auml;gte Kopplung von Bildungserfolg und sozialer Herkunft im deutschen Bildungssystem. &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.gew.de\/presse\/pressemitteilungen\/detailseite\/neuigkeiten\/gew-bedarf-ist-deutlich-hoeher\/\">Der Lehrkr&auml;ftemangel versch&auml;rft das Problem.<\/a>&ldquo; <\/p><p>Dass es Schwierigkeiten bereiten kann, heute so viel Lehrer auszubilden, wie in f&uuml;nf bis sieben Jahren gebraucht werden, soll hier nicht bestritten werden. Es kann durchaus mal etwas dazwischenkommen, wie eben die &bdquo;Fl&uuml;chtlingskrise&ldquo; oder ein pl&ouml;tzlicher Kinderboom. F&uuml;r Unwuchten auf dem Lehrerarbeitsmarkt sorgt immer wieder auch der sogenannte Schweinezyklus. Der aus der Agrarwirtschaft entlehnte Begriff beschreibt eine periodische Schwankung auf der Angebotsseite, die in ziemlicher Regelm&auml;&szlig;igkeit zu Marktverwerfungen f&uuml;hren kann. Vereinfacht dargestellt: Sind die Jobaussichten f&uuml;r P&auml;dagogen gerade gut, streben mitunter viel mehr Anw&auml;rter an die Hochschulen, als Jahre sp&auml;ter an Absolventen ben&ouml;tigt werden. Umgekehrt k&ouml;nnen bei ung&uuml;nstigen Aussichten und gebremster Studienbereitschaft sp&auml;ter weniger Hochschulabg&auml;nger in den Startl&ouml;chern stehen, um kurzfristig entstandene Bedarfsl&uuml;cken zu schlie&szlig;en.<\/p><p><strong>Verrechnen nach Plan<\/strong><\/p><p>Als Erkl&auml;rung f&uuml;r den schon sehr lang anhaltenden und zunehmend gr&ouml;&szlig;er gewordenen Lehrerschwund taugt der Schweinezyklus indes nicht. Schuld ist vielmehr ein gravierender Systemfehler, den GEW-Chefin Tepe sehr treffend in diese Bemerkung fasste: Man d&uuml;rfe nicht aus den Augen verlieren, dass der von den L&auml;ndern gemeldete Bedarf &bdquo;letztlich nichts anderes ist als die addierte Personalplanung der 16 L&auml;nder&ldquo;. Weil diese vor allem durch haush&auml;lterische Zw&auml;nge gepr&auml;gt ist, also dadurch, die Kosten zu dr&uuml;cken, geraten wie von Geisterhand auch die Prognosen zum Lehrerarbeitsmarkt optimistischer als geboten. <\/p><p>Daf&uuml;r gibt es jetzt handfeste Anhaltspunkte. Wie der Hessische Rundfunk (HR) am Donnerstag berichtete, soll die KMK bei den Bedarfszahlen &bdquo;getrickst&ldquo; und die tats&auml;chliche Geburtenentwicklung grob untersch&auml;tzt haben. So l&auml;gen die Kultusminister mit ihren Zahlen &bdquo;immer noch um 36.000 Schulkinder selbst unter der vorsichtigsten Sch&auml;tzung des Statistischen Bundesamtes&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/lehrermangel-prognosen-geschoent-101.html\">zitierte der Sender Bildungsforscher Zorn<\/a>. &Uuml;berdies pr&auml;sentiere die KMK, anders als bisher, keine Berechnung &uuml;ber alle Schulformen hinweg. Laut Zorn habe sie die Vergleichbarkeit damit unm&ouml;glich gemacht.  <\/p><p>Dass ihre Fernsicht durch kurzfristige Erw&auml;gungen getr&uuml;bt ist, r&auml;umt die KMK in den Ausf&uuml;hrungen ihrer Vorausberechnungen sehr freim&uuml;tig ein: &bdquo;Politische Entwicklungen beeinflussen ma&szlig;geblich die beiden Gr&ouml;&szlig;en Angebot und Bedarf.&ldquo; Noch tiefer l&auml;sst diese Aussage blicken: &bdquo;Auch die Rahmenbedingungen der Modelle befinden sich oft in einem Wandel, der sich durch unterschiedliche, jeweils landeseigene Beschl&uuml;sse oder Entwicklungen im Bereich Bildung (wie z. B. Senkung der Klassenh&ouml;chstst&auml;rke, Inanspruchnahme von Altersteilzeiten, vorzeitiges Ausscheiden der Lehrkr&auml;fte vor Erreichen der Regelaltersgrenze aus dem Schuldienst, Befristung von Arbeitsvertr&auml;gen, Entwicklung des Anteils von Teilzeitbesch&auml;ftigung, Ver&auml;nderung des Regelstundenma&szlig;es der Lehrkr&auml;fte, Ausbau der Ganztagsschulangebote oder Einf&uuml;hrung des achtj&auml;hrigen Gymnasiums bzw. die R&uuml;ckumstellung auf das neunj&auml;hrige Gymnasium) manifestieren kann.&ldquo;<\/p><p><strong>Geld vor Qualit&auml;t<\/strong><\/p><p>Dieser Satz hat es in sich. Im Grunde besagt er nichts weniger, als dass man auf die sogenannte Bedarfsprognose nichts geben sollte, weil jedes Land seine Zahlen unter jeweils spezifischen Umst&auml;nden und nach politischem Gusto ganz exklusiv eruiert. Wegen der daraus folgenden fehlenden Vergleichbarkeit m&uuml;sste es sich eigentlich verbieten, sie in einen Topf zu werfen und in einer bundesweiten Statistik zu verwursten. Wo von Land zu Land differierende und beliebig ver&auml;nderbare Festlegungen &uuml;ber eine &bdquo;ausk&ouml;mmliche Unterrichtsversorgung&ldquo; existieren, leiten sich immer auch unterschiedliche Erforderlichkeiten in puncto Personalausstattung ab. Und wenn etwas mal nicht passt, wird es halt passend gemacht. Wie jetzt in Bayern, das seine Lehrer an die Kandare nimmt, um so den Bedarf an Neueinstellungen zu schm&auml;lern. W&auml;re hingegen ein H&ouml;chstma&szlig; an Qualit&auml;t handlungsweisend bei der Ausstattung der Schulen &ndash; etwa in Gestalt kleinerer Klassengr&ouml;&szlig;en und reduzierter Pflichtstunden &ndash; und g&auml;be es dazu verbindliche bundeseinheitliche Standards, erg&auml;be sich unabdingbar ein viel h&ouml;herer Personalbedarf, als er derzeit in irgendeinem der 16 Bundesl&auml;nder beziffert ist.<\/p><p>Unter den Bedingungen des Bildungsf&ouml;deralismus bleibt das ein frommer Wunsch. Statt Einheitlichkeit und Regulierung herrschen Chaos, Zwietracht und das Recht des St&auml;rkeren. Im Kampf um die rar gewordenen und kommende P&auml;dagogen liefern sich die Kultusminister seit Jahren einen grotesken &Uuml;berbietungswettbewerb an aktionistischen Schnell- und Fehlsch&uuml;ssen.<br>\nEin Hebel ist dabei das liebe Geld. Etliche Bundesl&auml;nder bieten voll ausgebildeten Grundschulp&auml;dagogen inzwischen ein Einstiegsgehalt der Entgeltstufe A 13 oder haben diese &Auml;nderung angek&uuml;ndigt. Nat&uuml;rlich ist es erfreulich und vom Grundsatz her richtig, wenn Lehrer besser bezahlt werden. Angesichts der gestiegenen Anforderungen, gr&ouml;&szlig;eren Belastungen und der vielen neuen Aufgaben, die im Schuldienst zu leisten sind, war dieser Schritt lange &uuml;berf&auml;llig. <\/p><p><strong>Abwerbungsschlacht<\/strong><\/p><p>Gleiches gilt f&uuml;r das Vorgehen, den Beruf durch Verbeamtung aufzuwerten. Vielerorts war diese Praxis &uuml;ber Jahre wegen &bdquo;Sparzw&auml;ngen&ldquo; ausgesetzt worden. Inzwischen gibt es mit Berlin nur noch ein einziges Land, das seine P&auml;dagogen mit einer Anstellung abspeist. Weitere Instrumente im der Abwerbungsschlacht sind Sonderzahlungen f&uuml;r Referendare oder Anreize, in der Provinz zu unterrichten. Bliebe es bei der Marschrichtung, den lange unter Wert verkauften und mit &uuml;blen Kampagnen &uuml;berzogenen Berufszweig besserzustellen, w&auml;re das sicher auch ein probates Mittel, langfristig mehr junge Leute daf&uuml;r zu gewinnen. Um akute Versorgungsengp&auml;sse zu beheben, hilft dies aber bestenfalls punktuell weiter und beg&uuml;nstigt in erster Linie Wanderungsbewegungen von einem ins andere Land. Wo an einer Stelle die &auml;rgsten N&ouml;te gelindert werden, rei&szlig;en an anderer neue oder noch gr&ouml;&szlig;ere L&ouml;cher auf. <\/p><p>Vollends absurd ist es, wenn den vorhandenen P&auml;dagogen die Z&auml;hne gezeigt und sie zu Mehrarbeit verdonnert werden. Der Krankenstand und die Zahl der Burnout-Ausf&auml;lle ist unter P&auml;dagogen schon heute immens hoch. Au&szlig;erdem arbeiten nach einer <a href=\"https:\/\/www.gew.de\/presse\/pressemitteilungen\/detailseite\/neuigkeiten\/bundesweite-studie-lehrkraefte-arbeiten-laenger-als-andere-beschaeftigte\/\">GEW-Studie<\/a> von vor zwei Jahren Lehrkr&auml;fte w&auml;hrend der Schulzeiten mit im Schnitt &uuml;ber 48 Stunden pro Woche mehr als alle anderen Berufsgruppen im &ouml;ffentlichen Dienst. Die Herausforderungen im Schuldienst sind  enorm gestiegen. Immer mehr Sch&uuml;ler fallen mit sozialen, kognitiven, sprachlichen, Bewegungs- und Verhaltensst&ouml;rungen als Folge von Vernachl&auml;ssigung im Elternhaus oder &uuml;berm&auml;&szlig;igem Medienkonsum auf. Und w&auml;hrend es in gro&szlig;er Zahl an Schulsozialarbeitern und -psychologen fehlt, bekommen die Lehrkr&auml;fte immer neue Aufgaben aufgeladen, sei es die Fl&uuml;chtlingsintegration oder die Digitalisierung. Unter diesen Umst&auml;nden die Pflichtstunden zu erh&ouml;hen, ist ein Angriff auf die Gesundheit des Lehrk&ouml;rpers und eine sichere Bank, die Krise weiter zu befeuern. <\/p><p><strong>Schluss mit Fehlsteuerung<\/strong><\/p><p>Was es stattdessen br&auml;uchte, ist Steuerung. Zum Beispiel m&uuml;sste man mit der auf Schularten zugeschnittenen Lehrerausbildung Schluss machen. So setzt sich die GEW f&uuml;r eine auf Altersstufen ausgerichtete Ausbildung sowie das gleiche Einstiegsgehalt f&uuml;r alle Lehrkr&auml;fte ein, unabh&auml;ngig von der Art der Schule, an der sie unterrichten. Damit k&ouml;nnte der Trend durchbrochen werden, dass zu viele junge Menschen ins Gymnasium streben, w&auml;hrend in anderen Schulformen haufenweise Bewerber fehlen. Das Fernziel der Bildungsgewerkschaft ist die &Uuml;berwindung der Zergliederung, also ein inklusives Schulsystem im Sinne einer &bdquo;Schule f&uuml;r alle&ldquo;, womit die unterschiedliche Ausbildung und Bezahlung nach Schulformen zum &bdquo;Anachronismus&ldquo; werde und &bdquo;M&auml;ngel und &Uuml;berh&auml;nge viel besser ausgeglichen werden&ldquo; k&ouml;nnten. Der Deutsche Lehrerverband pl&auml;diert daneben f&uuml;r eine zielgerichtete Lehrerbedarfsanalyse. Studenten m&uuml;ssten schon &bdquo;zu Beginn ihres Studiums wissen, mit welcher F&auml;cherkombination sie gute Chancen auf eine Festanstellung haben&ldquo;. Nur dann k&ouml;nne man gezielt Werbung machen f&uuml;r das jeweilige Fach. <\/p><p>Kurzfristig m&uuml;ssten dringend Ma&szlig;nahmen ergriffen werden, den vielen Quer- und Seiteneinsteigern in ihrem und im Interesse der Sch&uuml;ler ein wenigstens grundlegendes p&auml;dagogisches R&uuml;stzeug in mehrw&ouml;chigen Schulungen an die Hand zu geben. Nicht selten werden die Neulinge direkt ins kalte Wasser geworfen oder nach einw&ouml;chigem Training sich selbst &uuml;berlassen. Wie es momentan l&auml;uft, produziert man heute die Burnout-Patienten von morgen. Das k&ouml;nnen sich auch die Kultus- und Landesfinanzminister nicht leisten. Denn nat&uuml;rlich setzen sie auf einen dauerhaften Verbleib der L&uuml;ckenf&uuml;ller im System, weil sich so die Nachfrage nach echten P&auml;dagogen dezimiert &ndash; und wiederum kleinerrechnen l&auml;sst.<\/p><p>Bei der KMK liest sich das so: &bdquo;Stellt man den Lehrereinstellungsbedarf (LEB) und das Lehrkr&auml;fteneuangebot (LEA) einander gegen&uuml;ber, so ist zu beachten, dass eine Saldierung keine R&uuml;ckschl&uuml;sse auf die Lehrerversorgung &ndash; insbesondere auf Lehrermangel &ndash; zul&auml;sst, da unber&uuml;cksichtigt bleibt, welche Ma&szlig;nahmen die L&auml;nder treffen, um den festgestellten Bedarf an Lehrkr&auml;ften zu decken (&hellip;).&ldquo; Nach dieser Logik best&uuml;nde selbst in Kollegien mit 100 Prozent Laienp&auml;dagogen kein Lehrermangel. Derlei Rabulistik l&auml;sst Schlimmstes f&uuml;r die Zukunft erahnen.  <\/p><p>Solange jedes einzelne Bundesland sein eigenes Ding macht, solange Schul- und Bildungspolitik L&auml;ndersache bleibt und wie praktisch s&auml;mtliche Bereiche der &ouml;ffentlichen Daseinsvorsorge unter dem K&uuml;rzungsgebot einer auf Entstaatlichung und Betriebswirtschaftlichung eingeschworenen neoliberalen Agenda mit &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; und &bdquo;schwarzer Null&ldquo; stehen, bleiben Unordnung und Konkurrenz die bestimmenden Gr&ouml;&szlig;en. K&ouml;nnte die Politik zum Beispiel nur dahin kommen, sich auf eine bundeseinheitliche Vorgabe zu einigen, was unter &bdquo;guter Unterrichtsversorgung&ldquo; zu verstehen ist oder wie viele Sch&uuml;ler eine Lehrkraft maximal betreuen sollte, w&auml;re schon vieles gewonnen. Das allerdings kostet Geld. Unsere Kinder sollten es uns wert sein. <\/p><p>Titelbild: Halfpoint\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/83462bf7bf2840a1a7e8de6596635a88\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Deutschlands Lehranstalten grassiert ein Personalmangel mit historischen Ausma&szlig;en. Statt echter Lehrer erledigen inzwischen haufenweise Aushilfskr&auml;fte ohne p&auml;dagogisches R&uuml;stzeug die Ausbildung und Erziehung der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler &ndash; und es werden immer mehr. Dabei kam die Not nicht aus dem Nichts und die &bdquo;Fl&uuml;chtlingskrise&ldquo; taugt allenfalls als halbe Ausrede. &Uuml;ber Jahre haben die Kultusminister die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57765\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":57766,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,153,151,92],"tags":[1740,803,2569,1192,232,395,1055,1680,343,2808,301,846],"class_list":["post-57765","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-berufliche-bildung","category-bildungspolitik","category-fachkraftemangel","tag-arbeitsbedingungen","tag-bayern","tag-buergerbegehren","tag-berlin","tag-bertelsmann","tag-foederalismus","tag-fluechtlinge","tag-kultusministerkonferenz","tag-luegen-mit-zahlen","tag-paedagogen","tag-rentenalter","tag-sachsen-anhalt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/200117_Lehrermangel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57765","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=57765"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57765\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57796,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57765\/revisions\/57796"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/57766"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=57765"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=57765"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=57765"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}