{"id":57913,"date":"2020-01-23T11:50:31","date_gmt":"2020-01-23T10:50:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57913"},"modified":"2020-01-23T15:03:22","modified_gmt":"2020-01-23T14:03:22","slug":"andreas-temme-mehr-nsu-netzwerk-als-verfassungsschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57913","title":{"rendered":"Andreas Temme \u2013 mehr NSU-Netzwerk als Verfassungsschutz?"},"content":{"rendered":"<p>Andreas Temme &ndash; V-Mann-F&uuml;hrer eines Neonazis, der zum NSU-Netzwerk geh&ouml;rte, ein Geheimdienstmitarbeiter, der dabei war, als Halit Yozgat in seinem Internetcaf&eacute; in Kassel 2006 ermordet wurde &ndash; wird bis heute von sehr vielen Medien als &bdquo;<em>Mann am falschen Ort und zur falschen Zeit<\/em>&ldquo; skizziert und als tragische Figur in Schutz genommen. Diese Darstellung ist irref&uuml;hrend und eine &ouml;ffentliche Untersuchung der Verbindungen Temmes ist &uuml;berf&auml;llig. Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSeit dem Mord an Walter L&uuml;bcke 2019 taucht Andreas Temme immer wieder auf &ndash; wieder am falschen Ort, zur falschen Zeit? Die drei bereits erschienenen Texte zum Mordfall Kassel 2006 finden sich hier:<\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32915\">Der Mord in Kassel 2006 &ndash; &bdquo;betreutes Morden&ldquo;? Zum zehnj&auml;hrigen Gedenken an Halit Yozgat<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37786\">Kassel 2006 &ndash; Der Mord an Halit Yozgat und der Zufallsgenerator<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43313\">Der Mord in Kassel 2006 ist nicht aufgekl&auml;rt &ndash; weder juristisch, noch politisch<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Ein aktueller Artikel &uuml;ber Andreas Temme k&ouml;nnte mit einem fiktiven Dialog beginnen &ndash; folgenderma&szlig;en w&uuml;rde es wohl klingen, wenn sich ein informierter und ein weniger informierter B&uuml;rger &uuml;ber die Vorg&auml;nge austauschen w&uuml;rden:<\/p><p><em>&bdquo;Kennst Du J&uuml;rgen S.?&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;Nein, sollte ich?&ldquo;<\/p><p><em>&bdquo;J&uuml;rgen S. ist ein langj&auml;hriger Freund von Andreas Temme. Sie waren zusammen als Sportsch&uuml;tzen unterwegs und im selben Rockerclub aktiv.&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;Na ja, das ist ja noch nicht verboten, oder?&ldquo;<\/p><p><em>&bdquo;Das ist aber noch nicht alles: J&uuml;rgen S. war Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma. Der Geldtransporter wurde in unmittelbarer N&auml;he zweier NSU-Mordtaten registriert, einmal in N&uuml;rnberg am 9. Juni 2005, als Ismail Yasar ermordet wurde, und das zweite Mal in M&uuml;nchen, sechs Tage sp&auml;ter, als Theodoros Boulgarides erschossen wurde.&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;Moment einmal, woher wei&szlig; man das jetzt auf einmal?&ldquo;<\/p><p><em>&bdquo;Der erste Teil der Frage ist leicht zu beantworten: Das Diensthandy von J&uuml;rgen S. war fest mit dem Geldtransporter verbunden und dieses hat sich jeweils in eine Funkzelle nahe der Tatorte eingeloggt. Aufgrund einer Funkzellenabfrage sind diese Daten ins Schleppnetz geraten. Der zweite Teil deiner Frage bleibt im Dunklen. Das geht aus den Ermittlungsakten hervor, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) &sbquo;vorliegen&lsquo;. Normalerweise bekommt man keine Ermittlungsakten zu Gesicht, nur wenn es irgendwelche &sbquo;Beteiligten&lsquo; wollen, wenn Du verstehst, was ich meine.&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;Zugangsberechtigte, also Personen, die Akteneinsicht haben, sind Rechtsanw&auml;lte und alle, die mit den Ermittlungen zu tun haben. Aber warum tauchten diese Indizien nicht im Prozess in M&uuml;nchen auf?&ldquo;<\/p><p><em>&bdquo;Das kann ich Dir nicht sagen. Aber ich kann noch einen Knaller draufsetzen: J&uuml;rgen S. hat Andreas Temme ein Alibi f&uuml;r den 9. September 2000 gegeben. Das war der Tag, an dem der Blumenh&auml;ndler Enver &#350;im&#351;ek in N&uuml;rnberg-Langwasser mit f&uuml;nf Sch&uuml;ssen ermordet wurde. J&uuml;rgen S. gab an, Andreas Temme w&auml;re zur fraglichen Zeit bei ihm gewesen. Na, was sagst Du dazu?&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;Zuerst w&uuml;rde ich sagen, dass du dir diese Geschichte aus den Finger gesaugt hast, um mich zu testen &hellip;&ldquo;<\/p><p><em>&bdquo;Dann lege ich noch etwas drauf: Die beiden machten zusammen Schie&szlig;&uuml;bungen und benutzten dabei einen Revolver der Marke &sbquo;Rossi&lsquo;, Modell 27, Kaliber 38 Spezial.&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;Das sagt mir gar nichts.&ldquo;<\/p><p><em>&bdquo;Jetzt vielleicht: Mit einer Waffe dieses Typs wurde in Kassel am 2. Juni 2019 der Regierungspr&auml;sident Walter L&uuml;bcke erschossen. Macht es jetzt &sbquo;klick&lsquo;?&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;Na ja, ich versuche es mal: Der Neonazi Stephan Ernst wurde sehr schnell als Haupt- und Einzelt&auml;ter verhaftet, auch aufgrund eines Gest&auml;ndnisses, das er jedoch sp&auml;ter widerrief. Seit Kurzem liegt von ihm eine zweite Version dieser Mordtat vor. Demnach wollten er und Markus H. dem Regierungspr&auml;sidenten &sbquo;eine Abreibung&lsquo; verpassen. Dabei l&ouml;ste sich versehentlich der t&ouml;dliche Schuss, den Markus H. abgegeben haben soll.&ldquo;<\/p><p><em>&bdquo;Soweit alles richtig.&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;Und bei alledem taucht &uuml;berall der Geheimdienstmann Andreas Temme auf, ein V-Mann-F&uuml;hrer in Kassel, Beiname &sbquo;Kleiner Adolf&lsquo;, dem bis heute alle Besch&uuml;tzer das Label verpasst haben: &sbquo;Ein Mann, zur falschen Zeit, am falschen Ort&lsquo;. Nun steht fest, dass er auch mit dem Neonazi Stephan Ernst &sbquo;dienstlich&lsquo; besch&auml;ftigt war. Und jetzt kommt noch J&uuml;rgen H. dazu, mit dem er den Rockerclub und die Dienstwaffe Marke &sbquo;Rossi&lsquo; teilte. Das Ganze hat Format f&uuml;r eine dick aufgetragene Verschw&ouml;rungstheorie.&ldquo;<\/p><p><em>&bdquo;Genau davor wird jetzt auch mit Sicherheit gewarnt. Mit diesem &sbquo;Desinfektionsmittel&lsquo; hatte der hessische Innenminister Beuth (CDU) hantiert, als herauskam, dass Andreas Temme mit dem Hauptverd&auml;chtigen Stephan Ernst &lsquo;dienstlich besch&auml;ftigt&rsquo; war. Anstatt die Fakten, die unter Verschluss gehaltenen Akten, auf den Tisch zu legen, warnte er davor, durch haltlose Thesen Verschw&ouml;rungstheorien zu bedienen&rsquo;.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Die Fragen liegen auf der Hand<\/strong><\/p><p>Die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner verlangt angesichts dieser Zust&auml;nde Aufkl&auml;rung. &bdquo;&sbquo;Es ist genau dieser Punkt, zu dem sowohl in der NSU-Aufkl&auml;rung als auch im Zusammenhang mit dem Mord an Walter L&uuml;bcke hessische wie Bundesbeh&ouml;rden zur Aufkl&auml;rung beitragen k&ouml;nnen: Welche Verbindungen gibt es &uuml;ber V-Leute, den Schie&szlig;sport und die Rockerszene zwischen dem Verfassungssch&uuml;tzer Temme und den M&ouml;rdern?&lsquo;, sagte sie dem RND.&ldquo; (fr.de vom 10.01.2020)<\/p><p>Man kann es auch konkreter machen. Die sich daraus ergebenden Fragen liegen auf der Hand und die Antworten k&ouml;nnten sehr schnell gefunden werden, wenn es ein Interesse an Aufkl&auml;rung g&auml;be:<\/p><p>J&uuml;rgen S. lieferte seinem Freund Andreas Temme ein Alibi, das sich auf den 9. September 2000 bezieht, an dem Enver Simsek in N&uuml;rnberg laut Ermittlern von NSU-Mitgliedern ermordet wurde. Wann hat also J&uuml;rgen S. dieses Alibi gegeben und was war der Grund f&uuml;r Andreas Temme, sich um ein Alibi zu k&uuml;mmern?<\/p><p>Wenn das Diensthandy des Geldtransporters am 9. Juni 2005 in N&uuml;rnberg und am 15. Juni 2005 in M&uuml;nchen in Tatortn&auml;he eingeloggt war, dann ist doch l&auml;ngst gekl&auml;rt, ob der Geldtransporter dienstlich unterwegs war bzw. welche Kunden er wann und wo beliefert hatte. Was haben diesbez&uuml;glich die Ermittlungen ergeben? Decken sich Einloggdaten mit der Lieferantenroute? J&uuml;rgen H. wurde sicherlich dazu befragt: Was haben seine Aussagen ergeben?<\/p><p>Seit 1999 ist J&uuml;rgen H. mit Andreas Temme befreundet. F&uuml;r den Mordtag in N&uuml;rnberg 2000 gibt er ihm ein Alibi, ein besonderer Vertrauensbeweis. Was wissen die Ermittler &uuml;ber J&uuml;rgen H., als sie Andreas Temme als Tatverd&auml;chtigen &uuml;berwachten und observierten? Aufschluss dar&uuml;ber k&ouml;nnte der Untersuchungsbericht geben, der den Mordfall in Kassel 2006 zum Gegenstand hatte und f&uuml;r 120 Jahre geheim bleiben sollte. Anstatt m&ouml;gliche Beweismittel aus dem Verkehr zu ziehen, w&auml;re es h&ouml;chste Zeit, diese zug&auml;nglich zu machen. Dazu geh&ouml;ren auch zahlreiche Akten, die immer noch unter Verschluss gehalten werden. Alles andere dient nicht dem &bdquo;Wohl des Staates&ldquo;, sondern der Strafvereitelung und Vertuschung.<\/p><p>Wurde J&uuml;rgen S. im parlamentarischen Untersuchungsausschuss\/PUA Hessen als Zeuge vernommen? Warum wurde das nicht gemacht?<\/p><p><strong>Alles nach Plan<\/strong><\/p><p>Ich m&ouml;chte auf einen weiteren &bdquo;Schatz&ldquo; aufmerksam machen, der dabei helfen kann, herauszubekommen, was Andreas Temme, Stephan Ernst, das NSU-Netzwerk, J&uuml;rgen S., was die &bdquo;Kasseler Problematik&ldquo; (2006) und der Mord an Walter L&uuml;bcke (2019) miteinander zu tun haben.<\/p><p>Nachdem die Polizei herausgefunden hatte, dass es sich um Andreas Temme handelte, der sich am 6. April 2006 im Internetcaf&eacute; aufgehalten und sich nicht als Zeuge gemeldet hatte, wurden &uuml;ber Wochen seine Telefonanschl&uuml;sse &uuml;berwacht und ausgewertet. Es waren &uuml;ber 200 Telefonate. Man muss erg&auml;nzend hinzuf&uuml;gen, dass fast alle Beteiligten wussten bzw. damit rechnen mussten, dass der nun Tatverd&auml;chtige Andreas Temme abgeh&ouml;rt wird. Wenn man diesen Umstand ber&uuml;cksichtigt, erkl&auml;ren sich auch einige Redewendungen, die sp&auml;ter als flapsig oder spa&szlig;ig deklariert wurden.<\/p><p>Die &uuml;ber 200 Telefonate sind eine Fundgrube f&uuml;r jede ernsthafte Ermittlung: Denn in diesen Wochen haben alle Kontakt mit Andreas Temme aufgenommen, die in diese Angelegenheit verwickelt sind, die sich Sorgen machten, was mit der immer wieder angesprochenen &bdquo;Kasseler Problematik&ldquo; angetippt wurde: <\/p><p>Sein Vorgesetzter vom Landesamt f&uuml;r Verfassungsschutz\/LfV in Kassel, der f&uuml;rsorgliche Coach also &bdquo;Geheimschutzbeauftragter&ldquo; des LfV Hessen, der als V-Mann gef&uuml;hrte Neonazi Benjamin G&auml;rtner (GP 389), seine Ehefrau &hellip; und sehr wahrscheinlich eben auch jener langj&auml;hrige Freund J&uuml;rgen S., der mit Andreas Temme u. a. die Leidenschaft f&uuml;r Rockerclubs und Sportsch&uuml;tzenvereine teilte.<\/p><p>Einige ganz wenige Passagen aus diesen vielen Telefonaten sind bekannt und lassen erahnen, dass es hier um einiges geht, am allerwenigsten um einen Zufall. Wenn man die Bedeutung der Namen kennt, die mit Andreas Temme in Kontakt standen, dann wird schnell klar, dass es sich hierbei um einen illustren Kreis von &bdquo;Paten&ldquo; handeln k&ouml;nnte, die mutma&szlig;lich Andreas Temme (und sich selbst) sch&uuml;tzen wollen. <\/p><p>Man h&ouml;rte Gespr&auml;che mit seinem Vorgesetzten, mit Frank-Ulrich Fehling, Chef der Au&szlig;enstelle des LfV Hessen, ab. Den Inhalt eines dieser Gespr&auml;che gibt die Tageszeitung DIE WELT vom 29.1.2014 wie folgt wieder, wobei die Zeitung den Beh&ouml;rdenchef Fehling als &sbquo;Herr F&lsquo; legendierte:<\/p><p>&bdquo;Das abgeh&ouml;rte Gespr&auml;ch der beiden Verfassungssch&uuml;tzer klingt nach einer vertraulichen Plauderei unter Freunden. Herr F. spricht am 29. Mai 2006 zu seinem untergebenen V-Mann-F&uuml;hrer Andreas T. &uuml;ber den Mord an Halit Yozgat. Was die beiden nicht wissen: Die Polizei h&ouml;rt jedes Wort mit, da sie Andreas T. als Verd&auml;chtigen f&uuml;hrt. Verfassungssch&uuml;tzer F. sch&auml;rft seinem Sch&uuml;tzling Andreas T. ein, dass er zu der Situation und dem Verlauf der Ermittlungen der Polizei gegen T. nichts sagen d&uuml;rfe. Dann sagt er noch, dass es nicht um ihn oder &sbquo;<em>um alle<\/em>&lsquo; gehe. Es gehe um die &sbquo;<em>Kasseler Problematik<\/em>&lsquo; und in dieser Problematik &sbquo;<em>sitzt du ja ein bisschen drin, ne?<\/em>&lsquo;, so F. Schlie&szlig;lich spricht F. noch ein Gespr&auml;ch an, dass Andreas T. mit dem Direktor des Landesamtes f&uuml;r Verfassungsschutz Hessen, Lutz I., gef&uuml;hrt habe, und teilt T. anerkennend mit: &sbquo;<em>Und wie du das bei dem I. gemacht hast und hast dich nicht so verhalten, wie mir das gesagt wurde, so restriktiv wie bei der Polizei, also du hast denen alles dargestellt. Ich darf und will es nicht wissen. Ich hoffe, dass es f&uuml;r dich gut ausgeht&lsquo;.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Dazu passt auch folgende Passage: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Und, &auml;h, es ist alles ruhig, es ist alles, &auml;h, es l&auml;uft alles nach Plan und wie es weitergeht, m&uuml;ssen wir mal sehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Oder ein Gespr&auml;ch mit dem Geheimschutzbeauftragten des LfV Gerald-Hasso Hess: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich sage ja jedem: Wenn er wei&szlig;, dass irgendwo so etwas passiert, bitte nicht vorbeifahren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Aber eben auch Gespr&auml;che mit seiner Ehefrau. Laut Telefonprotokoll hat sie ihrem Mann gesagt, &bdquo;willst du nicht mal auf mich h&ouml;ren? Ich sage noch, ne, nimm keine Plastikt&uuml;te mit!&ldquo; (tagesspiegel.de vom 8.6.2015)<\/p><p>Man kann nicht sagen, dass diese Ehefrau besonders vorsichtig war, als sie gegen&uuml;ber ihrer Schwester &auml;u&szlig;erte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Interessiert es mich denn, wen der (also ihr Ehemann, d.V.) heute wieder niedergemetzelt hat? Solange er sich die Klamotten nicht schmutzig macht!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Man kann auch sagen, dass sie kein Blatt vor den Mund nahm, was dann nicht verwundert, wenn man wei&szlig;, dass sich die beiden Ehepartner in punkto Rassismus nichts gaben, also blendend erg&auml;nzten.<\/p><p>Wie erkenntnisreich diese abgeh&ouml;rten Telefonate sind, was sie preisgeben und offenlegen k&ouml;nnen, ist durch eine Manipulation deutlich geworden, auf die Rechtsanw&auml;lte der Nebenklage gesto&szlig;en sind.<\/p><p>Es ist den Anw&auml;lten des ermordeten Halit Yozgat zu verdanken, dass sie nicht nur die verschriftlichten Telefonate auswerteten. Sie lie&szlig;en sich auch die Originalb&auml;nder aush&auml;ndigen &hellip; und stie&szlig;en auf eine Bemerkung, die der &bdquo;Kasseler Problematik&ldquo; eine klare Kontur verleiht. Dabei geht es um ein am 9. Mai 2006 gef&uuml;hrtes Telefonat zwischen Andreas Temme und Herrn Hess, dem bereits erw&auml;hnten Geheimdienstbeauftragten des LfV Hessen, gut einen Monat nach dem Mord. In diesem Gespr&auml;ch f&uuml;hrte Herr Hess, wie bereits zum Teil zitiert, aus: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich sach ja jedem, &auml;h, wenn er wei&szlig;, dass irgendwo so etwas passiert: Bitte nicht vorbeifahren! Ja, es ist sch &hellip; Ja, wie sieht es bei Ihnen aus, wie f&uuml;hlen Sie sich?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Seine Antwort war darauf schlicht: &bdquo;Mhmm&ldquo;.<\/p><p>Ganz offensichtlich wusste Andreas Temme sofort, was mit diesen Andeutungen gemeint war, die f&uuml;r Au&szlig;enstehende vage und mysteri&ouml;s klingen. Andeutungen, die nur dann verstanden werden k&ouml;nnen, wenn es ein gemeinsames Wissen gibt. Welche Brisanz diese Passage hat, welches (unterschlagene) Wissen Herr Hess damit ungewollt preisgibt, haben die Anw&auml;lte von Halit Yozgat deutlich und klar formuliert:<\/p><p>&bdquo;F&uuml;r die Anw&auml;lte Thomas Bliwier, Doris Dierbach, Alexander Kienzle und Bilsat Top ergibt sich daraus, dass der Verfassungsschutz &sbquo;<em>zumindest in der Person des Mitarbeiters Temme bereits vor dem Mord an Halit Yozgat &uuml;ber Kenntnisse zu der bevorstehenden Tat verf&uuml;gte<\/em>&lsquo;. Bei Weitergabe der Erkenntnisse h&auml;tte sowohl der Mord an Yozgat wie auch der darauf folgende an der Polizistin Mich&egrave;le Kiesewetter 2007 verhindert werden k&ouml;nnen, hei&szlig;t es in einem Beweisantrag.&ldquo; (Die Welt vom 22.1.2015)<\/p><p>Dass dieser eine Satz Andreas Temme und sein ganzes Besch&uuml;tzerteam in gro&szlig;e Bedr&auml;ngnis bringen w&uuml;rde, haben auch die ermittelnden Beamten verstanden: Sie unterschlugen diesen Satz in ihrer Verschriftlichung und manipulierten damit ein Beweismittel.<\/p><p>Die Bedeutung dieser Abh&ouml;rprotokolle bzw. der Orginalb&auml;nder dieser &Uuml;berwachungsma&szlig;nahme ist schnell ersichtlich. Dass sich von Kassel 2006 bis zum Mord an Walter L&uuml;bcke 2019 eine dicke Spur der Vertuschung, der Unterschlagung, der Irref&uuml;hrung und der Sabotage von Aufkl&auml;rung zieht, kann man bis ins letzte Detail belegen.<\/p><p>W&auml;re es nicht an der Zeit, anstatt wirkungslos um Aufkl&auml;rung zu betteln, einen unabh&auml;ngigen, &ouml;ffentlichen Untersuchungsausschuss einzurichten?<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Hinweise\/Quellen:<\/strong><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nordbayern.de\/politik\/hangen-der-fall-lubcke-und-die-nsu-mordserie-zusammen-1.9717512\">H&auml;ngen der Fall L&uuml;bcke und die NSU-Mordserie zusammen?<\/a><\/p><p><em>NSU-Komplex, Zelle Kassel. Die Morde an Halit Yozgat und Walter L&uuml;bcke d&uuml;rften enger miteinander verwoben sein als bisher eingestanden, Friedrich Burschel, ND<\/em> vom 18.01.2020<\/p><p>Titelbild: Pusteflower9024 \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas Temme &ndash; V-Mann-F&uuml;hrer eines Neonazis, der zum NSU-Netzwerk geh&ouml;rte, ein Geheimdienstmitarbeiter, der dabei war, als Halit Yozgat in seinem Internetcaf&eacute; in Kassel 2006 ermordet wurde &ndash; wird bis heute von sehr vielen Medien als &bdquo;<em>Mann am falschen Ort und zur falschen Zeit<\/em>&ldquo; skizziert und als tragische Figur in Schutz genommen. Diese Darstellung ist irref&uuml;hrend<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57913\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":57914,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[60,125,166],"tags":[901,2129,2520,955,1266,2752,682],"class_list":["post-57913","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-innere-sicherheit","category-rechte-gefahr","category-terrorismus","tag-geheimdienste","tag-geheimhaltung","tag-mord","tag-neonazismus","tag-nsu","tag-untersuchungsausschuss","tag-verschwoerungstheorie"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/shutterstock_1616624701.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57913","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=57913"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57913\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57920,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/57913\/revisions\/57920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/57914"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=57913"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=57913"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=57913"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}