{"id":57941,"date":"2020-01-24T12:36:13","date_gmt":"2020-01-24T11:36:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57941"},"modified":"2020-01-27T10:39:07","modified_gmt":"2020-01-27T09:39:07","slug":"der-druck-auf-glenn-greenwald-und-die-heuchelei-vieler-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57941","title":{"rendered":"Der Druck auf Glenn Greenwald und die Heuchelei vieler Medien"},"content":{"rendered":"<p>Der hochverdiente Enth&uuml;llungs-Journalist Glenn Greenwald ger&auml;t aktuell unter Druck der brasilianischen Justiz &ndash; doch viele gro&szlig;e deutsche Medien halten den Vorgang klein: Er wird knapp und pflichtschuldig in betont trockenen Nachrichten vermeldet, um anschlie&szlig;end mutma&szlig;lich begraben zu werden. Im Vergleich dazu erscheinen die emotionalen und wochenlangen Kampagnen f&uuml;r bedr&auml;ngte pro-westliche Journalisten als gro&szlig;e Heuchelei. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3847\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-57941-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200124_Der_Druck_auf_Glenn_Greenwald_und_die_Heuchelei_vieler_Medien_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200124_Der_Druck_auf_Glenn_Greenwald_und_die_Heuchelei_vieler_Medien_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200124_Der_Druck_auf_Glenn_Greenwald_und_die_Heuchelei_vieler_Medien_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200124_Der_Druck_auf_Glenn_Greenwald_und_die_Heuchelei_vieler_Medien_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=57941-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200124_Der_Druck_auf_Glenn_Greenwald_und_die_Heuchelei_vieler_Medien_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200124_Der_Druck_auf_Glenn_Greenwald_und_die_Heuchelei_vieler_Medien_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der in Brasilien lebende Journalist Glenn Greenwald wurde von der Bundesstaatsanwaltschaft in Bras&iacute;lia angeklagt: Ihm und weiteren Personen wird laut  Medienberichten vorgeworfen, die Handys von Staatsdienern wie Justizminister Sergio Moro und Staatsanwalt Deltan Dallagnol &bdquo;gehackt&ldquo; zu haben. Die von Greenwald gegr&uuml;ndete Enth&uuml;llungsplattform <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/brasil\/\">&bdquo;The Intercept Brasil&ldquo;<\/a> hatte private Chat-Nachrichten der Beamten ver&ouml;ffentlicht und damit auf einen mutma&szlig;lichen Justizskandal aufmerksam gemacht (weitere Hintergr&uuml;nde folgen sp&auml;ter im Text). Greenwald weist die Vorw&uuml;rfe als konstruiert zur&uuml;ck.<\/p><p><strong>Berichte zu Greenwald: Korrekt, aber unangemessen<\/strong><\/p><p>Diese Vorg&auml;nge werden auch in gro&szlig;en deutschen Medien durchaus korrekt vermeldet &ndash; allerdings &uuml;berwiegend in einer betont knappen und trocken-nachrichtlichen Form. Die &bdquo;Bild&ldquo;-Zeitung verschweigt den Vorgang, dass ein renommierter und hochverdienter Enth&uuml;llungs-Journalist von der Justiz unter Druck gesetzt wird, <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/suche.bild.html?query=Glenn+Greenwald\">laut der internen Suche<\/a> komplett. Und viele gro&szlig;e Medien, die in unangemessener K&uuml;rze &uuml;ber den Fall berichten, wiederholen in der &Uuml;berschrift die Vorw&uuml;rfe der brasilianischen Staatsanwaltschaft &ndash; so titeln etwa die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/glenn-greenwald-brasilien-anklage-1.4766684\">&bdquo;S&uuml;ddeutsche Zeitung&ldquo;<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2020-01\/glenn-greenwald-brasilien-internetkriminalitaet-snowden\">&bdquo;Zeit&ldquo;<\/a>, der <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/brasilien-glenn-greenwald-wegen-cyberkriminalitaet-angeklagt-a-4705d9ef-3b74-41f6-a396-f52693aeacb4\">&bdquo;Spiegel&ldquo;<\/a> und die Nachrichtenagentur DPA wortgleich: <\/p><p>&bdquo;Enth&uuml;llungsjournalist Glenn Greenwald wegen Cyberkriminalit&auml;t angeklagt&ldquo;<\/p><p>Der &bdquo;Deutschlandfunk&ldquo; verwendet die gleiche &Uuml;berschrift wie die Privatmedien und verlegt das Thema zudem <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/brasilien-enthuellungsjournalist-glenn-greenwald-wegen.2849.de.html?drn:news_id=1093276\">in die &bdquo;Kulturnachrichten&ldquo;<\/a>. Und das ZDF verschwieg den Vorgang <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/suche?q=Glenn+Greenwald&amp;synth=true&amp;sender=Gesamtes+Angebot&amp;from=&amp;to=&amp;attrs=&amp;abName=abtest-update-2020-03-10&amp;abGroup=gruppe-d\">laut interner Suche<\/a> bisher ganz. <\/p><p>Wohlgemerkt: Diese &Uuml;berschriften und die Artikelinhalte sind nicht falsch &ndash; aber ist der gesamte Umgang mit dem Fall Greenwald angemessen? Ist dieser Umgang vergleichbar mit den emotionalen Feuerwerken, die westliche Medien zu anderen Gelegenheiten &bdquo;f&uuml;r die Pressefreiheit&ldquo; abbrennen? Nein: Es gibt ein (etwa im Vergleich zu bedr&auml;ngten russland-kritischen Journalisten) offensichtliches Bem&uuml;hen gro&szlig;er Medien, den Vorgang um Greenwald klein und betont sachlich und unpers&ouml;nlich zu halten. <\/p><p><strong>Ein Feuerwerk f&uuml;r Y&uuml;cel &ndash; Trockene Meldungen f&uuml;r Greenwald<\/strong><\/p><p>Diese Haltung steht im Widerspruch zu den mit viel Gef&uuml;hlen und &bdquo;pers&ouml;nlichen&ldquo; Aspekten aufgepeppten Berichten (oder gar Kampagnen), wenn Journalisten bedr&auml;ngt werden, die der westlichen Politik wohler gesonnen sind als Glenn Greenwald. Hier sei etwa an die Solidarit&auml;ts-Bekundungen deutscher Medien f&uuml;r den &bdquo;Welt&ldquo;-Journalisten Denis Y&uuml;cel erinnert. Noch &uuml;bertroffen wurde <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article162306520\/Europaweite-Solidaritaet-fuer-Welt-Reporter-Deniz-Yuecel.html\">diese bemerkenswerte (und emotional befeuerte) Welle der Sympathie<\/a> etwa beim Fall des russischen Journalisten Iwan Golunow. In Anspielung auf die im Gegensatz dazu skandal&ouml;se Duldung des Schicksals Julian Assanges durch seine Journalisten-&bdquo;Kollegen&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52506\">titelten die NachDenkSeiten zum Fall Golunow<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn Julian Assange doch nur ein Russe w&auml;re: Die Medien und das Messen mit zweierlei Ma&szlig;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ganz deutlich: Die Solidarit&auml;t sowohl f&uuml;r Y&uuml;cel als auch f&uuml;r Golunow soll hier nicht diffamiert werden &ndash; im Gegenteil. Eine problematische Heuchelei entsteht aber dann, wenn mit zweierlei Ma&szlig; gemessen wird. Und diese Praxis ist schwer zu leugnen: Dem Westen gegen&uuml;ber kritische Journalisten\/Publizisten wie Julian Assange und Glenn Greenwald wird die breite und emotionale Solidarit&auml;t verweigert &ndash; sowohl inhaltlich als auch quantitativ treten gro&szlig;e Unterschiede im medialen Verhalten etwa zu &bdquo;russischen Regimekritikern&ldquo; zutage. Und das, obwohl sich sowohl Assange als auch Greenwald h&ouml;chste Verdienste um die Aufkl&auml;rung erworben haben. Und obwohl viele wichtige Storys auch westlicher Medien der letzten Jahre auf den Leistungen von Publizisten\/Journalisten wie Assange und Greenwald einerseits und Whistleblowern wie Edward Snowden andererseits beruhten. <\/p><p>Whistleblower, die westliche Defizite offenlegen, trifft ein &auml;hnliches Schicksal: Die schlimme Praxis mancher Journalisten, die Leistungen etwa von Edward Snowden erst publizistisch auszuschlachten und dann den bedr&auml;ngten Informanten fallen zu lassen, haben die NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54865\">in diesem Artikel<\/a> beschrieben. <\/p><p>Trotz den Verpflichtungen, die viele Journalisten also eigentlich gegen&uuml;ber Greenwald empfinden m&uuml;ssten, wird dessen aktuelle Bedr&auml;ngnis meist nur trocken und knapp vermeldet, mutma&szlig;lich, um auf der sicheren Seite zu sein. Ausnahmen best&auml;tigen aber auch hier die Regel. So hat sich etwa der Deutsche Journalisten-Verband auf Twitter eindeutig positioniert &ndash; was allerdings in vielen gro&szlig;en Medien nicht breit zitiert wurde:<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Unfassbar. Inakzeptabel. Die Reg. Bolsonaro hebelt den Rechtsstaat aus, um <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ggreenwald?ref_src=twsrc%5Etfw\">@ggreenwald<\/a> f&uuml;r seine kritische Berichterstattung abzustrafen. <a href=\"https:\/\/t.co\/MmDgXHSlMS\">https:\/\/t.co\/MmDgXHSlMS<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Journalisten-Verband (@DJVde) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/DJVde\/status\/1219666545976266753?ref_src=twsrc%5Etfw\">January 21, 2020<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p>  <\/p><p><strong>Echte und vergiftete Solidarit&auml;t<\/strong><\/p><p>Auf der anderen Seite stellen sich aber selbst manche als &bdquo;Solidarit&auml;t&ldquo; deklarierte Beitr&auml;ge als grenzwertige Stimmungsmache &ndash; etwa gegen Julian Assange &ndash; heraus, wie Moritz M&uuml;ller auf den NachDenkSeiten gerade <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57885\">am Beispiel eines Textes von Heribert Prantl analysiert hat<\/a>. <\/p><p>Die verhaltenen Reaktionen vieler gro&szlig;er deutscher Medien auf den Druck gegen Greenwald stehen auch in Kontrast zu den Solidarit&auml;tsbekundungen in Brasilien. So haben etwa <a href=\"https:\/\/taz.de\/Anklage-gegen-Glenn-Greenwald\/!5655994\/\">laut einem Artikel der &bdquo;taz&ldquo;<\/a> zahlreiche brasilianische Organisationen die Anklage Greenwalds kritisiert, darunter die Brasilianische Gesellschaft f&uuml;r Investigativjournalismus (Abraji), der brasilianische Journalistenverband (Fenaj) und der Brasilianische Presseverband (ABI). Rodrigo Maia, Pr&auml;sident der Abgeordnetenkammer in Bras&iacute;lia, erkl&auml;rte &uuml;ber Twitter: <\/p><blockquote><p>\n<a href=\"https:\/\/twitter.com\/RodrigoMaia\/status\/1219709129499070469\">&bdquo;Journalismus ist keine Straftat.&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Medienberichte liefern weitere Hintergr&uuml;nde zum Vorgang: Die von Greenwald und <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/\">&bdquo;The Intercept&ldquo;<\/a> zitierten Nachrichten der brasilianischen Beamten scheinen zu beweisen, dass sich Richter und Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen gegen den ehemaligen Pr&auml;sidenten Lula da Silva illegal abgesprochen haben. Greenwald hatte bereits 2013 gro&szlig;e Popularit&auml;t erlangt, als er mit Edward Snowden die Abh&ouml;rpraktiken des US-Geheimdienstes NSA offengelegt hatte. Die gro&szlig;e Bedeutung, die Greenwalds Arbeit heute f&uuml;r Brasilien hat, und die daraus erwachsende Motivation, ihn zum Schweigen zu bringen, verdeutlicht <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Nach-folgenschweren-Enthuellungen-Anklage-gegen-Glenn-Greenwald-in-Brasilien-4643382.html\">dieser Absatz auf &bdquo;Telepolis&ldquo;<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Durch die Haftstrafe gegen Lula, der bis dahin in den Umfragen gef&uuml;hrt hatte, war der Weg f&uuml;r den rechten Politiker Jair Bolsonaro zum Sieg bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen 2018 in Brasilien frei geworden. Nach den Enth&uuml;llungen von &sbquo;The Intercept Brasil&lsquo; im vergangenen Jahr war der ehemalige Pr&auml;sident dann aber wieder freigekommen. Vorher waren viele Staatsbedienstete ins Visier geraten, allen voran Justizminister Sergio Moro und Staatsanwalt Deltan Dallagnol. Moro hatte als Richter das Urteil gegen Lula da Silva gesprochen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Greenwald wehrt sich<\/strong><\/p><p>Die Vorw&uuml;rfe gegen ihn wies der mit einem Brasilianer verheiratete US-Amerikaner Greenwald laut Medienberichten zur&uuml;ck. Es sei &bdquo;ein offensichtlicher Versuch, die freie Presse als Vergeltung f&uuml;r die Enth&uuml;llungen anzugreifen, die wir &uuml;ber Minister Moro und die Regierung Bolsonaro gebracht haben&ldquo;, so Greenwald in einer Erkl&auml;rung. Das von Greenwald mitbegr&uuml;ndete Medium &bdquo;The Intercept&ldquo; hat sich <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2020\/01\/21\/glenn-greenwald-brazil-denunciation\/\">in diesem Artikel<\/a> zu der Anklage positioniert. Auf Twitter schrieb Greenwald:<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">Regarding the criminal charges brought by the Bolsonaro government: it&rsquo;s a grave and obvious attack on a free press, brought by a far-right judge.<\/p>\n<p>We&rsquo;re going to defend a free press, not be intimidated by authorities abusing their power. The reporting will continue. <a href=\"https:\/\/t.co\/kd9b8Kggx3\">pic.twitter.com\/kd9b8Kggx3<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Glenn Greenwald (@ggreenwald) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ggreenwald\/status\/1219688194846883848?ref_src=twsrc%5Etfw\">January 21, 2020<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p>  <\/p><p><strong>Eine &auml;hnliche Anklage in Russland w&uuml;rde emotionale Kampagnen hervorrufen<\/strong><\/p><p>Zur Ehrenrettung gro&szlig;er deutscher Medien k&ouml;nnte man ihre Zur&uuml;ckhaltung mit einem (nur bedingt nachvollziehbaren) Vertrauen in die brasilianische Gerichtsbarkeit verteidigen: Im Gegensatz etwa zu Y&uuml;cel sitzt Greenwald (noch) nicht im Gef&auml;ngnis &ndash; und m&ouml;glicherweise werden brasilianische Richter als Korrektiv die Anklagen gegen Greenwald abschmettern. Aber vielleicht eben auch nicht: Eine zentrale Frage ist laut Medienberichten, ob Greenwald die betreffenden Nachrichten nur zitiert hat oder ob er auch geholfen hat, sie zu beschaffen. Letzteres wird in vielen Artikeln als strafbar bezeichnet. <\/p><p>W&auml;re Greenwald ein russischer pro-westlicher Journalist, w&uuml;rde allerdings mutma&szlig;lich bereits die Anklage gegen ihn skandalisiert und mit Emotionen und allerlei Phrasen von der Pressefreiheit aufgeladen werden. Der mediale Aufwand w&auml;re, wie gesagt, inhaltlich und quantitativ nicht zu vergleichen: Dass die brasilianische Justiz beim Fall Greenwald von vielen deutschen Medien nicht ebenso radikal-kritisch hinterfragt wird wie die russische bei vergleichbaren F&auml;llen, ist kaum zu leugnen. Und der Fall Assange wiederum beweist auf tragische und skandal&ouml;se Weise, dass im Falle der westlichen Justiz selbst eine absolut offensichtliche Instrumentalisierung gegen unbequeme Stimmen noch l&auml;ngst keinen Aufschrei unter westlichen &bdquo;Kollegen&ldquo; ausl&ouml;st. <\/p><p>Als (weitgehend) positive Ausnahmen sind in deutschen Medien aktuelle Artikel zu Greenwald in der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Anklage-gegen-Glenn-Greenwald\/!5655994\/\">&bdquo;taz&ldquo;<\/a>, bei <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Nach-folgenschweren-Enthuellungen-Anklage-gegen-Glenn-Greenwald-in-Brasilien-4643382.html\">&bdquo;Telepolis&ldquo;<\/a>, im <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/the-guardian\/es-riecht-nach-autoritarismus\">&bdquo;Freitag&ldquo;<\/a>, bei <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/amerika\/97181-verbrechen-oder-journalismus-brasilien-klagt\/\">&bdquo;RT&ldquo;<\/a>  und auf <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2020\/brasilianische-regierung-will-glenn-greenwald-ins-gefaengnis-stecken\/\">&bdquo;netzpolitik.org&ldquo;<\/a> zu finden.  <\/p><p>Titelbild: Josep Suria \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der hochverdiente Enth&uuml;llungs-Journalist Glenn Greenwald ger&auml;t aktuell unter Druck der brasilianischen Justiz &ndash; doch viele gro&szlig;e deutsche Medien halten den Vorgang klein: Er wird knapp und pflichtschuldig in betont trockenen Nachrichten vermeldet, um anschlie&szlig;end mutma&szlig;lich begraben zu werden. Im Vergleich dazu erscheinen die emotionalen und wochenlangen Kampagnen f&uuml;r bedr&auml;ngte pro-westliche Journalisten als gro&szlig;e Heuchelei. 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