{"id":58171,"date":"2020-02-03T08:22:44","date_gmt":"2020-02-03T07:22:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58171"},"modified":"2020-02-03T17:14:32","modified_gmt":"2020-02-03T16:14:32","slug":"die-500-montagsdemo-gegen-das-monsterprojekt-stgt21-am-3-februar-und-die-fuenf-luegen-in-der-sueddeutschen-zeitung-von-winfried-wolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58171","title":{"rendered":"Die 500. Montagsdemo gegen das Monsterprojekt Stgt21 am 3. Februar und die f\u00fcnf L\u00fcgen in der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c. Von Winfried Wolf."},"content":{"rendered":"<p>Das Projekt Stuttgart 21 r&uuml;ckt in diesen Tagen neu in die Schlagzeilen. Ein Grund ist die Tatsache, dass am 3. Februar 2020 in Stuttgart die 500. Montagsdemo stattfindet.  Gleichzeitig j&auml;hrt sich in diesem Jahr zum zehnten Mal der H&ouml;hepunkt der Proteste gegen Stuttgart 21. Unser Anlass, das Thema hier aufzugreifen, ist ein ganzseitiger Artikel in der &bdquo;S&uuml;ddeutschen Zeitung&ldquo;, der typisch ist f&uuml;r unsere Medienlandschaft. In ihm wird das zerst&ouml;rerische Projekt ein weiteres Mal gerechtfertigt &ndash; und dies unter anderem, in dem f&uuml;nf Mal faustdick die Unwahrheit gesagt wird.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4022\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-58171-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200203_Die_500_Montagsdemo_gegen_das_Monsterprojekt_Stgt21_am_3_Februar_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200203_Die_500_Montagsdemo_gegen_das_Monsterprojekt_Stgt21_am_3_Februar_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200203_Die_500_Montagsdemo_gegen_das_Monsterprojekt_Stgt21_am_3_Februar_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200203_Die_500_Montagsdemo_gegen_das_Monsterprojekt_Stgt21_am_3_Februar_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=58171-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200203_Die_500_Montagsdemo_gegen_das_Monsterprojekt_Stgt21_am_3_Februar_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200203_Die_500_Montagsdemo_gegen_das_Monsterprojekt_Stgt21_am_3_Februar_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es war einer dieser Tage, an denen mir das Wort &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo; durch den Kopf schoss. Das ich mir dann nat&uuml;rlich verbiete. Blo&szlig; kein Pegida-AfD-Jargon! Wie bezeichnen wir es dann? Zumindest ist &uuml;ber eine massive Medien-Manipulation zu berichten &ndash; in der gr&ouml;&szlig;ten deutschen Tageszeitung. &Uuml;ber das gr&ouml;&szlig;te Infrastrukturprojekt in Deutschland.<\/p><p>Am 31. Januar hatte sich &bdquo;meine&ldquo; Bahnexpertengruppe B&uuml;rgerbahn statt B&ouml;rsenbahn (BsB) in Fulda getroffen &ndash; unter anderem, um anl&auml;sslich von &bdquo;10 Jahre Widerstand gegen Stuttgart 21&ldquo; und &bdquo;500. Montagsdemo gegen S21&ldquo; &ndash; auf der u.a.  BsB-Mitglied und Freund Heiner Monheim sprechen wird &ndash; &uuml;ber den Stand des gr&ouml;&szlig;ten Infrastrukturprojekts in Deutschland, &uuml;ber Stuttgart 21, zu diskutieren. Ein anderes BsB-Mitglied, der IT-Experte Dr. Christoph Engelhardt aus M&uuml;nchen, hatte auf unserem Treffen (und zuvor auf einer Veranstaltung im Stuttgarter Rathaus) beeindruckendes neues Material vorgelegt, das belegt: der neue S21-Tiefbahnhof bringt einen massiven Kapazit&auml;tsabbau mit sich. Er dokumentierte dies mit Vergleichen der Fahrpl&auml;ne f&uuml;r bestehende Bahnh&ouml;fe wie K&ouml;ln und Hamburg (die wesentlich &bdquo;lockerer&ldquo; gestaltet sind als der geplante Fahrplan f&uuml;r den S21-Bahnhof), wo es dennoch best&auml;ndig zu Versp&auml;tungen kommt. Seine und unser aller Bilanz: Ein &bdquo;Deutschlandtakt&ldquo; kann in dem S21-Bahnhof nie und nimmer umgesetzt werden; der Kapazit&auml;tsabbau, der mit Stuttgart 21 gebaut wird, bedeutet, dass der gesamte S&uuml;dwesten  von diesem sinnvollen integrierten Taktfahrplan, den es in Deutschland ab Mitte der 2020er Jahre geben soll, abgeh&auml;ngt wird.<\/p><p>Dann: In der &bdquo;S&uuml;ddeutschen Zeitung&ldquo; vom 1. Februar ein Artikel &uuml;ber die gesamte Seite 2 hinweg, der mit dem Satz endet: &bdquo;Selbst das Ministerium des S21-Kritiker Winfried Hermann macht die Aussage: &acute;Die mit Stuttgart 21 geplante Infrastruktur [&hellip;] verf&uuml;gt &uuml;ber ausreichende Kapazit&auml;ten f&uuml;r die [&hellip;] absehbare Verkehrsentwicklung sowie f&uuml;r den Deutschlandtakt.&acute;&ldquo; Allerdings werbe der Verkehrsminister &bdquo;f&uuml;r einen kleinen Kopfbahnhof als &bdquo;Erg&auml;nzungsstation&ldquo; f&uuml;r den Regionalverkehr. Die SZ-Autorin Claudia Henzler verschweigt, dass es Dutzende konkrete Belege daf&uuml;r gibt, dass rein physikalisch, objektiv, fahrplantechnisch usw. acht Durchfahrgleise in Tunnellage nie und nimmer einen solchen Taktfahrplan in Stuttgart leisten k&ouml;nnen und  dass auch der doch eher recht regierungsfromme TV-Sender swr in Analysen eben dies dokumentierte. Siehe z.B. <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/Stuttgart-21-nicht-fuer-Deutschlandtakt-geeignet,s21-nicht-fuer-deutschlandtakt-geeignet-100.html\">hier<\/a>. <\/p><p>Sie verschweigt des Weiteren, dass der sich windende Verkehrsminister dies nat&uuml;rlich wei&szlig;, und genau deshalb einen neuen (!), &bdquo;zus&auml;tzlichen Kopfbahnhof&ldquo; vorschl&auml;gt, um die fehlende Kapazit&auml;t zu mildern&hellip; Sie verschweigt, dass dies &ndash; da die Gr&uuml;nen sich sklavisch an die Vorgabe, alles bisherige Gel&auml;nde der Gleisanlagen m&uuml;sse freigemacht werden f&uuml;r eine neue Bebauung, sprich f&uuml;r Immobilienhaie &ndash; ein neuer UNTERIRDISCHER Kopfbahnhof sein soll, was erstens absurd, zweitens  v&ouml;llig unrealistisch und eine Nebelkerze ist, weswegen drittens Hermann davon l&auml;ngst nicht mehr spricht. <\/p><p>Das ist aber nur eine <em><strong>erste L&uuml;ge<\/strong><\/em> in diesem Artikel. <\/p><p><em><strong>L&uuml;ge Nr. 2<\/strong><\/em> lautet: Am &bdquo;Schwarzen Donnerstag&ldquo;, dem 30. September 2010, h&auml;tten &bdquo;mehr als tausend Demonstranten&ldquo; im Schlossgarten gegen die geplante Aktion zur F&auml;llung hunderter sehr alter B&auml;ume demonstriert, worauf ein Polizeieinsatz &bdquo;aus dem Ruder gelaufen&ldquo; und &bdquo;etliche Menschen verletzt&ldquo; worden seien. Tats&auml;chlich demonstrierten an diesem Tag mehr als zehntausend, &uuml;brigens &uuml;berwiegend sehr junge Menschen. Rein gar nichts war damals &bdquo;aus dem Ruder gelaufen&ldquo;, vielmehr lie&szlig;en die Regierung Mappus, die Bahnspitze, der damalige OB und die Polizei eine massive Polizeiprovokation durchf&uuml;hren, was sp&auml;ter auch in einem Bericht in der &bdquo;Stuttgarter Zeitung&ldquo; dokumentiert wurde (siehe der Artikel von Andreas M&uuml;ller mit dem Titel &bdquo;Eklat beim Gipfeltreffen&ldquo;, in: Stuttgarter Zeitung vom 15. Mai 2014). Es wurden dabei 400 Menschen verletzt, mehr als ein Dutzend wurde schwer verletzt; der 66-j&auml;hrige Ingenieur Dieter Wagner erblindete &ndash; ihm waren die Augen durch den unverantwortlich hohen Druck des Wasserwerferstrahls und seines Einsatzes mit geringer Distanz zu den Menschen, auf die der Strahl zielte, f&ouml;rmlich herausgeschossen worden. Doch so genau m&uuml;ssen SZ-Lesende nat&uuml;rlich nicht informiert werden. <\/p><p><em><strong>L&uuml;ge Nr. 3<\/strong>:<\/em> Die Autorin lobt die &bdquo;organisch geformten Kelchst&uuml;tzen&ldquo;, die das Dach des neuen S21-Bahnhofs einmal bilden w&uuml;rden, was &bdquo;auf eine Idee&ldquo; von &bdquo;Frei Otto, der schon das M&uuml;nchner Olympiagel&auml;nde mitgeplant hat,&ldquo; zur&uuml;ckgehen w&uuml;rde. Tats&auml;chlich war der preisgekr&ouml;nte Architekt Frei Otto einer der beiden S21-Architekten. Doch er distanzierte sich bereits 2011 komplett von dem Gro&szlig;projekt. Er warnte davor, dass der Betontrog des S21-Tiefbahnhofs bei Starkregen &bdquo;aufsteigen k&ouml;nnte wie ein U-Boot&ldquo;. Im &Uuml;brigen sei ein Bahnhof im Keller menschenverachtend; der Mensch sei &bdquo;kein Maulwurf&ldquo;.<\/p><p><em><strong>L&uuml;ge Nr. 4<\/strong><\/em> betrifft den Ablauf der S21-Planungen und die Gr&uuml;nde, die zu einem zeitweisen Stopp des Projekts gef&uuml;hrt haben. In der SZ hei&szlig;t es: &bdquo;1995&ldquo; sei das Projekt S21 geboren worden. Doch dann habe &bdquo;die damalige rot-gr&uuml;ne Bundesregierung sowie der neue Bahnchef&ldquo; das &bdquo;Projekt kritisch gesehen&ldquo;, weshalb dann das Land mit einer Kofinanzierung das Projekt neu belebt habe. <\/p><p>Tats&auml;chlich wurde S21 im April 1994 &ndash; nicht 1995 &ndash; verk&uuml;ndet. Gestoppt wurde es 1998 von dem damals von Kanzler Kohl eingesetzten neuen Bahnchef Johannes Ludewig mit der Begr&uuml;ndung, es sei unwirtschaftlich. Rot-Gr&uuml;n setzte Ende 1999 den neuen Bahnchef Hartmut Mehdorn ein. Dieser war es, der S21 neu beleben und bauen lie&szlig;. Und warum erfolgte die Neubelebung des Monsterprojekts &ndash; im &Uuml;brigen ausgerechnet unter Rot-Gr&uuml;n? Mehdorn lie&szlig; am Beginn seiner Amtszeit von seinem damaligen Infrastrukturchef Thilo Sarrazin (!) f&uuml;r alle Bahn-Gro&szlig;projekte berechnen, wie wirtschaftlich oder unwirtschaftlich diese seien. Das Ergebnis lautete: Das unwirtschaftlichste Gro&szlig;projekt war Stuttgart 21. Dennoch beauftragte Mehdorn bald darauf Sarrazin, genau dieses Projekt neu zu beleben und daf&uuml;r in Stuttgart die entsprechenden Vertr&auml;ge zu unterzeichnen. Was Herr Sarrazin als damals bereits obrigkeitsh&ouml;riger Charakter sklavisch tat. Der Grund f&uuml;r die von Mehdorn und Sarrazin durchgef&uuml;hrte Reaktivierung des Monsterprojektes: Das Land Baden-W&uuml;rttemberg schloss mit der Deutschen Bahn einen Nahverkehrslangzeitvertrag, bei dem das Land um mehr als 50 Prozent und mehr als eine Milliarde Euro zu viel  bezahlte. Es wurden damals also faktisch Steuergelder als Schmiergeld f&uuml;r den Bau von S21 eingesetzt. Dies belegte Sarrazin im Juni 2018 als Betroffener, T&auml;ter und Sachverst&auml;ndiger im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags. Das wiederum wurde in vielen Medien ausf&uuml;hrlich dokumentiert. Sarrazins Stellungnahme ist <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/558030\/7dc606b4a946b75eecebe043028df4b7\/011_sitzung_sarrazin-data.pdf\">nachzulesen HIER<\/a>.   <\/p><p><em><strong>L&uuml;ge Nummer 5<\/strong>:<\/em> Die SZ-Autorin behauptet, mit dem Tiefbahnhof S21 und der Neubaustrecke nach Ulm w&uuml;rde sich &bdquo;im Dezember 2025 die Fahrt von Ulm nach Stuttgart von heute 56 auf dann 31 Minuten verk&uuml;rzen&ldquo;. Tats&auml;chlich hat S21 nichts mit der Neubaustrecke zu tun. Diese Neubaustrecke nach Ulm, die in Wendlingen beginnt, wird auch bereits 2023 fertig und verk&uuml;rzt dann tats&auml;chlich die Fahrtzeit wie beschrieben. Bereits daran ist zu ersehen, dass dieses Projekt rein gar nichts mit dem Tiefbahnhof zu tun hat. Wobei diese Fahrtzeitverk&uuml;rzung extrem teuer erkauft wird. Sie steht auch in Widerspruch zum Projekt Deutschlandtakt, weil damit die Anschl&uuml;sse im Knotenbahnhof  Ulm nicht gegeben sind bzw. weil damit f&uuml;r einen gro&szlig;en Teil der Fahrg&auml;ste in Ulm lange Wartezeiten erforderlich werden. Womit der 3,8 Milliarden Euro teure Zeitgewinn sich weitgehend wieder in Luft aufl&ouml;st. <\/p><p>Im &Uuml;brigen wird Stuttgart 21 auch nicht im Dezember 2025 in Betrieb gehen. Das Projekt wird nie fertig erstellt werden. Es wird eine Bauruine bleiben. Es ist ausschlie&szlig;lich die &bdquo;Staatsr&auml;son&ldquo;, die f&uuml;r das Weiterbauen verantwortlich ist. Damit ist gemeint: Die Kanzlerin und die Bahnspitze, die sich jahrelang mit dem Projekt identifizierten, wollen nicht ihr Gesicht verlieren. Beziehungsweise man wartet ab, bis alle Verantwortlichen sich in den Ruhestand oder in das Grab verabschiedet haben.<\/p><p>Zwischenbemerkung Albrecht M&uuml;ller: So ist es!! Es geht jetzt vor allem um Gesichtswahrung der Verantwortlichen. Nur deshalb wird der erkannte Wahnsinn fortgesetzt. (Weiter:)<\/p><p>Und so ist nat&uuml;rlich auch der letzte Satz in dem Artikel ein Skandal. Er lautet: &bdquo;F&uuml;r die Stadt ist das Projekt eine einmalige Chance zur Stadtentwicklung. Wenn die Gleise [&hellip;] verschwinden, werden im Talkessel fast hundert Hektar Land frei. Hier soll der neue Stadtteil Rosensteinviertel entstehen.&ldquo; <\/p><p>Welch eine Heuchelei! Welche eine Verdrehung der Wirklichkeit! Wie sehr provoziert dieser Artikel dazu, dass erneut, wie in der Hochzeit des S21-Widerstands, skandiert wird: &bdquo;L&uuml;genpack&ldquo;! Da wird ein funktionierender Bahnhof in seiner Kapazit&auml;t massiv geschw&auml;cht &ndash; was eine VERTANE Chance f&uuml;r Stadtentwicklung ist! Da wird ein Taktverkehr verhindert &ndash; was die Zerst&ouml;rung der Chance &bdquo;Deutschlandtakt&ldquo; im S&uuml;dwesten der Republik ist! Da soll ausgerechnet im Talkessel ein neues Viertel gebaut werden, womit eine Freiluftschneise zerst&ouml;rt, eine Fl&auml;che, die nachts f&uuml;r Abk&uuml;hlung sorgt, zus&auml;tzlich versiegelt und die Temperaturen im Talkessel, die im Sommer bereits unertr&auml;glich hoch sind, weiter angeheizt werden. <\/p><p>In der Summe wirkt der Beitrag, als w&auml;re er von der Pressestelle der Deutschen Bahn AG bestellt worden. Er f&uuml;hrt dabei nochmals vor Augen, wie zerst&ouml;rerisch f&uuml;r die Demokratie die mediale Kapitalkonzentration ist. Und die sieht hier wie folgt aus: Die &bdquo;S&uuml;ddeutsche Zeitung&ldquo; wurde 2008 von der S&uuml;dwestdeutschen Medienholding  &uuml;bernommen. Zu dieser Holding geh&ouml;ren neben der SZ auch die &bdquo;Stuttgarter Zeitung&ldquo;, die &bdquo;Stuttgarter Nachrichten&ldquo; und der &bdquo;Schwarzw&auml;lder Bote&ldquo;. Es handelt sich um eine geballte Medien-Macht mit t&auml;glich mehr als 600.000 gedruckter Tageszeitungen-Exemplare (hinzu kommen Dutzende andere Publikationen). Die S&uuml;dwestdeutsche Medienholding trommelte mehr als ein Jahrzehnt lang fast geschlossen f&uuml;r das Monsterprojekt Stuttgart 21. Enth&uuml;llungen zu dem Projekt und S21-kritische Publikationen wurden verschwiegen. Der Widerstand wurde und wird systematisch kleingeschrieben. Adrian Zielke, der ehemalige au&szlig;enpolitische Ressortleiter der &bdquo;Stuttgarter Zeitung&ldquo;, erkl&auml;rte dann auch: &bdquo;Ohne Zustimmung der Stuttgarter Zeitung zu diesem Gro&szlig;projekt w&uuml;rde Stuttgart 21 nie gebaut werden.&ldquo; (In: stern.de vom 7. Oktober 2010).<\/p><p>Der SZ-Beitrag verdeutlicht ein weiteres Mal, wie wichtig die Entwicklung einer unabh&auml;ngigen &Ouml;ffentlichkeit ist &ndash; mit unabh&auml;ngigen Medien, wie es sie im Internet und teilweise auch noch gedruckt gibt. Und wie wichtig  der Widerstand auf der Stra&szlig;e und vor dem Bahnhof gegen das stadtzerst&ouml;rerische Projekt Stuttgart 21 ist.<\/p><p>PS: Als Reaktion auf den SZ-Artikel sandte Prof. Wolfgang Hesse, M&uuml;nchen, am 2. Februar einen im Folgenden wiedergegebenen Leserbrief, auf dessen Abdruck in der SZ wir mit einem gewissen Interesse warten:  <\/p><p>&bdquo;Sehr geehrte Frau Henzler, sehr geehrte SZ-Redakteure,<\/p><p>in nur sechs Jahren hat man in Z&uuml;rich den dort bestehenden 26-gleisigen Kopfbahnhof um einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit vier Gleisen erweitert und damit 2014 seine schon vorher au&szlig;erordentliche Kapazit&auml;t nochmals erheblich gesteigert. Das kostete einschlie&szlig;lich aller Tunnel und Zul&auml;ufe knapp &uuml;ber 2 Mrd. Schweizer Franken. In Stuttgart wird dagegen f&uuml;r 8,2 Mrd. Euro (oder am Ende noch mehr?) seit nunmehr 10 Jahren der Bahnhof um die H&auml;lfte der Gleise verkleinert und dabei seine Kapazit&auml;t deutlich verringert. <\/p><p>Der weltweit einmalige Zynismus, der in diesem gigantischen Infrastruktur-R&uuml;ckbau liegt, h&auml;tte zumindest eine Erw&auml;hnung verdient &ndash; ebenso wie die von Anbeginn bis heute bestehenden k.o.-Kriterien der 6-fach &uuml;berh&ouml;hten Gleisneigung (bei der z.B. Kinderwagen abrollen), der zu eng dimensionierten Bahnsteige und des unzureichenden Brandschutzes. Dass der viel zu eng geplante Tiefbahnhof schon immer den Prinzipien des gew&uuml;nschten und k&uuml;rzlich propagierten Deutschland-Takts diametral entgegensteht, wird auch durch Beschwichtigungen aus dem Ministerium nicht besser. <\/p><p>Gen&uuml;gend Raum f&uuml;r diese wichtigen Informationen h&auml;tte man sicher in der Spalte &uuml;ber den Juchtenk&auml;fer finden k&ouml;nnen. Als Kritik-Blitzableiter hat er wohl im Laufe der Jahre gen&uuml;gend Aufmerksamkeit erfahren. Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en (Wolfgang Hesse)<\/p><p><em>Winfried Wolf ist Verfasser des einzigen umfassenden Buchs zu Stuttgart 21: abgrundtief + bodenlos. Stuttgart 21, sein absehbares Scheitern und die Kultur des Widerstands, 380 Seiten, 20 Euro, 3. und erweiterte Auflage, K&ouml;ln (PapyRossa) M&auml;rz 2019. Die Zitate im Text sind in dem Buch alle dokumentiert. Wolf ist u.a. aktiv f&uuml;r das Projekt einer Skulptur des Bildhauers Peter Lenk (&bdquo;Imperia&ldquo;, Konstanz), mit der der Irrwitz des Stuttgart21-Projekts gegei&szlig;elt und der Widerstand gegen S21 gew&uuml;rdigt wird. Von den zur Finanzierung des Projekts erforderlichen 100.000 Euro wurden bei aktuellem Stand bereits 83.000 Euro erreicht. Im Sommer 2020 wird die Skulptur fertig sein. Siehe: <a href=\"http:\/\/www.lenk-in-stuttgart.de\">lenk-in-stuttgart.de<\/a>.<\/em><\/p><p><em>Das Spendenkonto lautet:<\/em> BFS e.V., IBAN: DE04 1605 0000 3527 0018 66 \/\/ BIC WELADED1PMB<\/p><p><em><strong>Anmerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Die NachDenkSeiten unterst&uuml;tzen den Widerstand gegen Stuttgart 21 und ausdr&uuml;cklich auch das Projekt von Peter Lenk.<\/em><\/p><p>Titelbild: Christian Wiediger \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Projekt Stuttgart 21 r&uuml;ckt in diesen Tagen neu in die Schlagzeilen. Ein Grund ist die Tatsache, dass am 3. Februar 2020 in Stuttgart die 500. Montagsdemo stattfindet. Gleichzeitig j&auml;hrt sich in diesem Jahr zum zehnten Mal der H&ouml;hepunkt der Proteste gegen Stuttgart 21. Unser Anlass, das Thema hier aufzugreifen, ist ein ganzseitiger Artikel in<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58171\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":58172,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,183,74,73],"tags":[282,268,2005,2564,1444,1919,596,694,705,460],"class_list":["post-58171","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-medienkritik","category-stuttgart-21","category-verkehrspolitik","tag-buergerproteste","tag-deutsche-bahn","tag-fake-news","tag-gewalt","tag-hermann-winfried","tag-lueckenpresse","tag-mehdorn-hartmut","tag-milliardengrab","tag-sarrazin-thilo","tag-sz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/shutterstock_1431017588.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58171","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58171"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58171\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58213,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58171\/revisions\/58213"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/58172"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58171"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58171"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58171"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}