{"id":58180,"date":"2020-02-03T10:00:13","date_gmt":"2020-02-03T09:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58180"},"modified":"2020-02-03T11:57:06","modified_gmt":"2020-02-03T10:57:06","slug":"das-ende-der-staatsraeson-von-gerhard-fulda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58180","title":{"rendered":"Das Ende der Staatsr\u00e4son. Von Gerhard Fulda."},"content":{"rendered":"<p>Die NachDenkSeiten geben hier eine Rede wieder, die der ehemalige Diplomat <strong>Gerhard Fulda<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58180#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] auf einer Konferenz des KOPI, des Deutschen Koordinationskreises Pal&auml;stina\/Israel, am 1.2.2020 in Berlin-Neuk&ouml;lln gehalten hat. Die Konferenz wurde von mehr als 200 Teilnehmern besucht. KOPI umfasst zur Zeit 28 bundesweite und regionale NGOs, die sich f&uuml;r ein friedliches Zusammenleben in Israel und Pal&auml;stina einsetzen, vor allem mit Vortr&auml;gen, Ver&ouml;ffentlichungen und Reisen nach Israel und in die besetzten Gebiete. <a href=\"https:\/\/www.kopi-online.de\">N&auml;heres hier<\/a>.<br>\nAlbrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das Ende der Staatsr&auml;son<\/strong><\/p><ol type=\"I\">\n<li><strong>Einf&uuml;hrung<\/strong>\n<p>Als ich vor mehr als 10 Jahren einen kritischen Text zu der Staatsr&auml;son der Bundeskanzlerin ver&ouml;ffentlicht habe, hat sich Bundespr&auml;sident Gauck kurz danach von Frau Merkel distanziert. Ausgerechnet vor der Presse in Israel und mit Worten, die meinen Formulierungen sehr &auml;hnlich waren.<\/p>\n<p>Ich werde heute &uuml;ber die Frage sprechen, warum Frau Merkels Staatsr&auml;son mit ihrer Kanzlerschaft enden sollte und enden k&ouml;nnte.<br>\nDaf&uuml;r suche ich mir unter all den Themen, an die man im Zusammenhang mit der Staatsr&auml;son denken kann, dasjenige heraus, welches ich als das politisch gewichtigste ansehe &ndash; die U-Boot-Lieferungen.<\/p>\n<p>Und obwohl das schon recht spezifisch ist, will ich das Thema noch weiter einengen. Ich habe nicht die Absicht, der Bundesregierung das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz vorzulesen.<br>\nDas Gesetz verbietet die Herstellung von Atomwaffen in Deutschland.<br>\nAuch U-Boote sind Waffen, genauer: Waffen-Tr&auml;gersysteme. Wenn sie in ihrer Bauweise spezifisch darauf ausgelegt sind, Raketen mit Atomsprengk&ouml;pfen abschie&szlig;en zu k&ouml;nnen, dann sind U-Boote Atomwaffensysteme. <\/p>\n<p>Ich vermute zwar, dass mit den U-Booten gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz versto&szlig;en wird. Aber ich verzichte hier auf eine juristische Pr&uuml;fung nach deutschem Recht. Wenn ich mich in meinem Berufsleben mit Rechtsfragen besch&auml;ftigt habe, dann ging es f&uuml;r mich fast immer nur um das V&ouml;lkerrecht. Spezialfragen unseres nationalen R&uuml;stungskontrollrechts &uuml;berlasse ich deshalb lieber den Experten, die davon mehr verstehen als ich.<\/p>\n<p>Dar&uuml;ber hinaus behindert die Geheimhaltung ein eigenst&auml;ndiges substantiiertes Urteil. Ich bleibe also beschr&auml;nkt auf Informationen, die ich aus &ouml;ffentlich zug&auml;nglichen Quellen gewonnen habe oder aus Gespr&auml;chen mit mir als vertrauensw&uuml;rdig erscheinenden Pers&ouml;nlichkeiten. Mir ist sehr bewusst, dass ich dabei Irrt&uuml;mer nicht vermeiden kann. Aber dies ist Teil des Problems, auf das ich hinweisen m&ouml;chte: Wenn die deutsche Bev&ouml;lkerung in Unkenntnis gehalten wird, dann bleibt sie letztlich von der Bew&auml;ltigung der deutschen Vergangenheit ausgeschlossen. <\/p>\n<p>Mit diesen Einschr&auml;nkungen will ich mich meinem Hauptthema widmen, n&auml;mlich der Frage, ob die bisher aus Deutschland gelieferten U-Boote das politische Ziel erreicht haben, um dessentwillen sie im Namen der Staatsr&auml;son geliefert worden sind.<br>\nDabei will ich in vier Schritten vorangehen: zun&auml;chst eine pr&auml;zisere Darlegung meines Themas, als zweites einen Blick auf israelische Quellen, dann ein kurzer Abriss zu bisherigen Ver&auml;nderungen der deutschen Haltung, um schlie&szlig;lich zu fragen, ob die Bundesregierung ihre Ziele erreicht hat oder ob die Zeit gekommen ist f&uuml;r grundlegend neue Entscheidungen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Erfolg oder Misserfolg<\/strong>\n<ol>\n<li><u>Der Sachverhalt<\/u> &ndash; <u>Wovon genau sprechen wir<\/u>\n<p>Die Bundesregierung versucht, den Eindruck zu erwecken, f&uuml;r Israel w&uuml;rden ganz normale U-Boote gebaut. Regierungsnahe Journalisten haben sich in Gespr&auml;chen mit der folgenden Argumentation ge&auml;u&szlig;ert: Geliefert haben wir normale Boote mit Torpedosch&auml;chten f&uuml;r den Seekrieg. Wenn die Israelis die Diameter dieser Sch&auml;chte bei sich so erweitert haben, dass sie f&uuml;r die gr&ouml;&szlig;eren Nuklearsprengk&ouml;pfe Verwendung finden k&ouml;nnen, dann ist das insoweit ein israelisches Produkt.<br>\nDas Presse- und Informationsamt der Bundesregierung hat 2012 auf ein an die Bundeskanzlerin gerichtetes Schreiben geantwortet:<\/p>\n<p>&bdquo;Berichte zu einer m&ouml;glichen Nuklearbewaffnung der israelischen U-Boote beziehen sich auf Spekulationen in Expertenkreisen. Die Bundesregierung beteiligt sich nicht an diesen Spekulationen.&ldquo;   Das hei&szlig;t: Die Experten k&ouml;nnten auch recht haben.<\/p>\n<p>Ich gehe mit guten Gr&uuml;nden davon aus, dass diese U-Boote tats&auml;chlich Nuklearsprengk&ouml;pfe tragen oder jedenfalls tragen k&ouml;nnen und sollen.<br>\nIch zitiere einen Abgeordneten des Bundestages aus einem Gespr&auml;ch vor einigen Jahren: &ldquo;Deshalb liefern wir doch diese mit Brennstoffzellenantrieb versehenen U-Boote, die nicht mit den Ger&auml;uschen von Dieselmotoren durch Sonar entdeckbar sind. Damit Israel &uuml;ber die nukleare Zweitschlagf&auml;higkeit verf&uuml;gt und nicht mehr angreifbar wird!&ldquo;<\/p>\n<p>Zweitschlag ist ein Begriff aus der <u>Nuklearstrategie im Verh&auml;ltnis von Atomm&auml;chten<\/u>. Wer eine Nuklearwaffe einsetzt, muss damit rechnen, vom n&auml;chsten Atomschlag selbst getroffen zu werden.<br>\nIm Nahen und Mittleren Osten verf&uuml;gt aber bisher kein einziger der Staaten, die potentiell als milit&auml;rische Gegner Israels angesehen werden, &uuml;ber Nuklearwaffen. Was kann also gemeint sein, wenn trotzdem von einem Zweitschlag gesprochen wird? Darauf gibt es nur eine verst&ouml;rende Antwort:<br>\nGegenw&auml;rtig beruht die Abschreckungswirkung der israelischen Atomwaffen lediglich auf einer <u>nuklearen Erstschlagf&auml;higkeit<\/u> gegen einen <u>konventionellen Angriff<\/u>.<\/p><\/li>\n<li><u>Stimmen aus Israel<\/u>\n<p>Angesichts der begrifflichen Unklarheiten und der fehlenden Informationsbereitschaft der Bundesregierung versuche ich, Informationen aus Israel heranzuziehen. Zwar gibt es in Deutschland mit einer Ver&ouml;ffentlichung in dem Internetportal BITS (Berliner Informationszentrum f&uuml;r Transatlantische Sicherheit) von dem Journalisten Otfried Nassauer eine mir als zuverl&auml;ssig erscheinende und detaillierte Darstellung mit umfassenden Quellennachweisen. Sie ist aber schon im Jahr 2011 erschienen und konnte sich deshalb noch nicht auf sp&auml;tere Informationen aus Israel st&uuml;tzen, &uuml;ber die ich jetzt referieren m&ouml;chte.<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li><u>Fehlende Nuklearstrategie<\/u>\n<p>Im Distrikt Tel Aviv gibt es die Universit&auml;t Bar Ilan, mit dem Begin-Sadat-Zentrum f&uuml;r strategische Studien. Dort ist 2017 ein Text von Prof. Louis Ren&eacute; Beres erschienen, einem emeritierten j&uuml;dischen Wissenschaftler aus Indiana, USA.  Beres ist Experte f&uuml;r Nuklearstrategien.<br>\nDer Autor empfiehlt, Israel solle sich von der bisherigen &bdquo;absichtlichen nuklearen Mehrdeutigkeit&ldquo; l&ouml;sen und stattdessen eine glaubw&uuml;rdige Doktrin nuklearer Abschreckung entwickeln und kommunizieren. Aggressoren m&uuml;ssten ermutigt werden zu glauben, dass Israel gewillt ist, sich nuklear zu verteidigen, und dass seine Nuklearwaffen auch von einem gegnerischen nuklearen Erstschlag nicht ausgeschaltet werden k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>F&uuml;r eine derart ver&auml;nderte Selbstdarstellung w&uuml;rden die Dolphin-U-Boote die zentrale Rolle spielen. Dass diese Boote Abschussrampen f&uuml;r nukleare Gefechtsk&ouml;pfe sind, steht f&uuml;r den Autor Beres v&ouml;llig au&szlig;er Frage. Nicht nur das. Er geht noch einen Schritt weiter mit der Feststellung &bdquo;the Dolphin-class submarine&hellip; was developed and constructed in Germany for the Israeli Navy&rsquo;s specific needs.&ldquo;<\/p><\/li>\n<li><u>Israelische Vorgaben<\/u>\n<p> Diese &bdquo;specific needs&ldquo; sind von einer &bdquo;Dolphin Israel Submariners Association&ldquo; unter dem Titel &bdquo;The Dolphin Project&ldquo; im Internet relativ detailliert ver&ouml;ffentlicht worden. (<a href=\"http:\/\/www.submarines.dotan.net\/dolphins\/project.htm\">submarines.dotan.net\/dolphins\/project.htm<\/a>).<br>\nDies geh&ouml;rt offenbar zur &Ouml;ffentlichkeitsarbeit der israelischen Seestreitkr&auml;fte. Zitat aus dem Text: (eigene &Uuml;bersetzung)<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;F&uuml;r die ganze Laufzeit des Projekts war ein Stab der &lt;israelischen&gt; Marine, zusammengesetzt aus erfahrenen U-Boot-Experten und U-Boot-Ingenieuren als Inspektionsteam auf alle wichtigen Baustellen entsandt worden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Das hei&szlig;t f&uuml;r die Werften in Deutschland in Kiel und in Emden: Die technologischen Vorgaben und die wichtigsten elektronischen Programme kamen aus Israel. Das betrifft die Sensoren, die Ortung, die Einbindung in das milit&auml;rische Kommunikationssystem Israels, die Zielerfassung, das F&uuml;hrungs- und Waffeneinsatzsystem, die komplexe Systemkoordination &ndash; das sind nur ausschnittweise begriffliche Anhaltspunkte aus der genannten Ver&ouml;ffentlichung. Wir k&ouml;nnen sicher sein, dass noch viel hinzugedacht werden muss, was aber geheimgehalten werden soll.<\/p><\/li>\n<li><u>Made in Germany oder Made by Israel<\/u>\n<p>Eine dritte, in diesem Zusammenhang wichtige Ver&ouml;ffentlichung ist Ende Dezember 2018 auf der Internet-Plattform JNS (Jewish Newa Syndicate) (<a href=\"https:\/\/www.jns.org\">jns.org<\/a>) unter dem Titel <strong>Germany&rsquo;s role in the Israeli Navy&rsquo;s developing submarine fleet<\/strong> erschienen; der Autor ist Yaakov Lappin. <\/p>\n<p>Lappin f&uuml;hrt ein Interview mit dem Leiter des Forschungszentrums f&uuml;r maritime und politische Strategien an der Universit&auml;t Haifa, Prof. Shaul Chorev, Flottenadmiral (a.D.).  Chorev wird dabei bezeichnet als <u>der erste Projektmanager der Dolphin-U-Boote an deutschen Werften<\/u> &ndash; ich betone noch einmal: &bdquo;Projektmanager&ldquo;; nicht etwa nur &bdquo;Inspektor&ldquo;.<\/p>\n<p>F&uuml;gt man diese drei Texte zusammen, dann kann man kaum noch glauben, dass es sich bei den U-Booten der Dolphin-Klasse um <u>deutsche<\/u> Technologie-Entwicklungen gehandelt habe, abgesehen von dem Wasserstoffzellenantrieb. F&uuml;r alles andere, f&uuml;r das Wesentliche eines hochkomplexen Waffensystems f&uuml;r die nukleare Kriegf&uuml;hrung, r&uuml;hmen diese israelischen Ver&ouml;ffentlichungen die Kooperation mit der Bundesregierung und den deutschen Werften quasi als ein eigenes israelisches Projekt in deutschen Werkst&auml;tten. <\/p>\n<p>Aus israelischer Sicht macht es Sinn, solche Produktionen ins Ausland zu dislozieren. In Kiel und in Emden ist das Risiko, w&auml;hrend der Bauzeit von feindlichen Raketen getroffen zu werden, deutlich geringer als in Haifa. Und es macht Sinn, jemand Anderen daf&uuml;r bezahlen zu lassen.<\/p>\n<p>Aus deutscher Sicht r&auml;umen diese Ver&ouml;ffentlichungen mit zwei Legenden auf:<\/p>\n<ul>\n<li>Es ist nicht so, dass in Deutschland vergleichsweise harmlose Schiffe gebaut werden, in die sp&auml;ter in Israel vergr&ouml;&szlig;erte und nuklearf&auml;hige Torpedosch&auml;chte gebohrt w&uuml;rden. <\/li>\n<li>Die Bundesregierung kann nicht mehr so tun, als wisse sie von nichts. Vielmehr wissen wir jetzt, dass dieses komplizierte Kooperationsprojekt von den beiden beteiligten Regierungen zusammen mit den Industriepartnern auf beiden Seiten bis ins Detail sorgf&auml;ltig austariert worden ist.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><u>Ver&auml;nderungen der deutschen Politik: Die Staatsr&auml;son schw&auml;chelt<\/u>\n<p>Die offizielle Begr&uuml;ndung f&uuml;r die deutsche Israelpolitik ist immer von zwei Begriffen getragen worden: der Existenz Israels und der Sicherheit Israels.<br>\nR&uuml;stungsgeschenke, R&uuml;stungsexporte von Deutschland nach Israel hat es &ndash; auch ohne &bdquo;Staatsr&auml;son&ldquo; &ndash; schon lange vor der Rede der Kanzlerin vor der Knesset gegeben. <\/p>\n<p>Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der hatte in den letzten Monaten seiner Amtszeit diktiert: &bdquo;Was Israel f&uuml;r seine Sicherheit braucht, bekommt es.&ldquo;<br>\nW&auml;hrend der Regierungszeit von Angela Merkel hat sich die deutsche Haltung in mehreren Einzelaspekten dieser Politik ver&auml;ndert.<\/p>\n<p>Einerseits wurde die &Uuml;bernahme der Kosten durch Deutschland heruntergefahren. Die ersten Boote wurden ganz von uns bezahlt, die Boote 4, 5 und 6 nur noch zur H&auml;lfte und f&uuml;r drei nach 2027 geplante Boote ist f&uuml;r uns ein H&ouml;chstbetrag vorgesehen, der den Anteil auf ungef&auml;hr ein Drittel des Preises herunterfahren soll. <\/p>\n<p>Zum andern hat Deutschland begonnen, f&uuml;r unsere Beziehungen zu Israel zwar israelische Bedrohungsanalysen zur Kenntnis zu nehmen &ndash; aber unseren politischen Entscheidungen dann doch die eigenen deutschen Einsch&auml;tzungen der Sicherheitslage Israels zu Grunde zu legen. <\/p>\n<p>Das kann man deutlich mit der Entwicklung der Beziehungen zu Iran in der Nuklearfrage nachzeichnen. Israel hat mehrfach versucht, Unterst&uuml;tzung f&uuml;r einen Milit&auml;rschlag gegen das iranische Nuklearprogramm zu finden. Die Bedrohung der eigenen Sicherheit sei so akut, die roten Linien seien bereits klar &uuml;berschritten, jetzt m&uuml;sse gehandelt werden.<\/p>\n<p>Und wo stand da die Bundesregierung? Arm in Arm mit ihrer Staatsr&auml;son? K&uuml;hl abwehrend konnten wir feststellen, dass wir die Bedrohungslage anders einsch&auml;tzen. Es sei immer noch die Stunde der Diplomatie. Als dann die USA auf Dr&auml;ngen Israels aus dem Abkommen ausstiegen, weil von Iran ausgehende Bedrohungen gegen Israels Sicherheit von dem Abkommen nicht erfasst w&uuml;rden, f&uuml;hlte sich in Berlin niemand durch eine Staatsr&auml;son daran gehindert, wiederum auf Distanz zu gehen. <\/p>\n<p>Und schlie&szlig;lich hat die Bundeskanzlerin f&uuml;r die Lieferung des 6. U-Boots eine R&uuml;cktrittsklausel f&uuml;r den Fall eingef&uuml;gt, dass in diesem Zusammenhang Korruption in Israel eine Rolle gespielt haben sollte.<br>\nWas hatte Frau Merkel im Jahre 2008 vor der Knesset als Erl&auml;uterung gesagt: &bdquo;Die Sicherheit Israels ist f&uuml;r mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar.&ldquo;     10 Jahre sp&auml;ter wurde dieser Beitrag zur Sicherheit Israels pl&ouml;tzlich verhandelbar. <\/p>\n<p>Diese Sicherheit konnte jetzt sogar f&uuml;r verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig kleine M&uuml;nze hergegeben werden, f&uuml;r die eine oder andere Million Bestechungsgeld. <\/p>\n<p>Hei&szlig;t das mit anderen Worten: Israels Sicherheit sei f&uuml;r uns nur noch dann relevant, wenn es dort mit rechten Dingen zugehe?<br>\nSo allgemein hat sie das offenbar nicht sagen wollen. Denn Deutschland und Israel haben 2017 ein memorandum of understanding ausgehandelt, mit dem die Absicht bekundet wurde, ab 2027 noch drei weitere U-Boote liefern zu wollen.<\/p>\n<p>Ich habe den Verdacht, dass diese Vereinbarung vor allem das Ziel hat, die Lebensdauer der Staatsr&auml;son &uuml;ber die Amtszeit Merkels hinaus zu retten.<\/p>\n<p>Die ver&ouml;ffentlichte Begr&uuml;ndung f&uuml;r diese Verl&auml;ngerung ist &auml;rmlich: die drei ersten der gelieferten Boote seien &bdquo;in die Jahre gekommen&ldquo;. Gemeint ist etwas anderes: Die ersten drei Boote verf&uuml;gten nur &uuml;ber Dieselmotoren. Sie k&ouml;nnen also durch Sensoren geortet werden. Trotzdem wird man diese Boote nun nicht gleich verschrotten. <\/p>\n<p>Wenn die Bundesregierung sagt, die fr&uuml;her gelieferten Boote sollten &bdquo;ersetzt&ldquo; werden, dann vermeidet sie zu sagen, dass das Arsenal vergr&ouml;&szlig;ert wird. N&auml;mlich durch die <u>moderneren<\/u> Dolphin-Boote, die vom Dieselantrieb jederzeit in den zus&auml;tzlich vorhandenen und nicht h&ouml;rbaren Brennstoffzellenantrieb umgeschaltet werden k&ouml;nnen.<br>\nAlso: <u>Nicht an die Stelle, sondern an die Seite<\/u> der zuerst gelieferten drei U-Boote sollen nuklear zweitschlagf&auml;hige Boote treten.<\/p>\n<p>Parallel l&auml;uft ein weiteres Programm zur Seekriegsf&uuml;hrung: 4 Korvetten der Sa&rsquo;ar-6-Klasse sollen ebenfalls zu einem Drittel von Deutschland finanziert werden. Diese Schiffe erhalten sogenannte Tarnkappenoberfl&auml;chen, mit denen die Radarortung erschwert wird. Diese Schiffe sollen dem Schutz israelischer &Ouml;lplattformen im Mittelmeer dienen. <\/p>\n<p>Die gleiche Funktion wird allerdings auch den als Dolphin 7, 8 und 9 bezeichneten U-Booten zugeschrieben. Von der Sicherung der Existenz Israels soll sich die Aufgabe der Staatsr&auml;son also weiterentwickeln hin zur Sicherung wirtschaftlicher Interessen Israels auch au&szlig;erhalb der Hoheitsgew&auml;sser des Landes.<\/p><\/li>\n<li><u>Hat die Bundesregierung ihre Ziele erreicht? Ist Israel unangreifbar?<\/u>\n<p>Die deutsch-israelischen Beziehungen werden einen besonderen Charakter behalten. Wie der aussehen wird, wird auch davon abh&auml;ngen, wie wir die bisher vergangene Zeit betrachten und beurteilen, in der wir U-Boote geliefert haben; mit der Staatsr&auml;son als spezifischer sicherheitspolitischer Richtlinie.<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li><u>Haben die U-Boote ihren beabsichtigten Zweck der Abschreckung erf&uuml;llt?<\/u>\n<p>Die ersten drei U-Boote wurden vor 20 Jahren geliefert. Weil dies historisch nur ein vergleichsweise kurzer Zeitraum ist, gehe ich zun&auml;chst der allgemeineren Frage nach, welche Abschreckungswirkung den israelischen Nuklearwaffen im Ganzen zugesprochen werden kann, seit diese Kapazit&auml;t &uuml;berhaupt bekannt ist, das hei&szlig;t etwa seit dem Ende der sechziger Jahre.<\/p>\n<p>In dieser Periode hat es zweimal aus den umgebenden L&auml;ndern milit&auml;rische Angriffe gegeben, mit dem Jom-Kippur-Krieg 1973 und im Golfkrieg 1991.<br>\nIm Jom-Kippur-Krieg hat &Auml;gypten sogar ein erstes und f&uuml;r die ganze Geschichte der Existenz Israels einziges Mal die Schlacht eines Tages gewonnen.<br>\nIn ZEIT online hat der Journalist Rolf Steininger dies sp&auml;ter mit den Worten kommentiert: &bdquo;Der Jom-Kippur-Krieg im Herbst 1973 brachte Israel f&uuml;r einen Moment an den Rand des Untergangs.&ldquo;<\/p>\n<p>Trotzdem hat dies <u>keine<\/u> nukleare Antwort aus Israel erhalten. Auch nach den irakischen Raketenangriffen auf Tel Aviv 1991 (bei denen anfangs der Verdacht bestand, Saddam Hussein werde chemische Waffen einsetzen), hat Israel &ndash; wie schon 1973 &ndash; mit Atomwaffen nicht einmal gedroht.<\/p>\n<p>Bei der Beantwortung der Frage, ob eine nukleare Abschreckung funktioniert hat, k&ouml;nnte schon ein einziger tats&auml;chlicher Angriff zu der Schlussfolgerung f&uuml;hren, dass Israel sich auf diese Abschreckung <u>nicht<\/u> habe verlassen k&ouml;nnen. Und ein einziges Mal h&auml;tte f&uuml;r die Existenz Israels schon zu viel sein k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Allerdings war 1973 f&uuml;r die jetzt gestellte Frage nur zum Teil wirklich relevant.<br>\nEinmal gab es damals nur Ger&uuml;chte &uuml;ber eine atomare Bewaffnung Israels und &uuml;ber das Vorhandensein der notwendigen Tr&auml;gertechnologien.<\/p>\n<p>Zweitens: Der Angriff aus &Auml;gypten f&uuml;hrte &uuml;ber den Suezkanal in ein von israelischen Truppen besetztes Gebiet auf dem Sinai, also auf &auml;gyptisches Territorium. Ich konnte das Schlachtfeld 6 Monate sp&auml;ter besuchen und habe den begleitenden Offizier gefragt, ob die &auml;gyptischen Milit&auml;rstrategen nicht mit einem Nuklearschlag gerechnet h&auml;tten. Seine Antwort: Er wisse nicht, ob solche Fragen &uuml;berhaupt gestellt wurden. Gegebenenfalls sei die Armeef&uuml;hrung der &Uuml;berzeugung gewesen, Israel w&uuml;rde in einer solchen Situation nicht gewagt haben, gleich zur Massenvernichtung mit ungewissem nuklearen fall out zu greifen. <\/p>\n<p>Auch Syrien hat sich bei seinem gleichzeitigen Vormarsch von den Golanh&ouml;hen in das Jordantal nicht von israelischen Atomwaffen abschrecken lassen.<\/p>\n<p>Es hat danach nur noch einen nennenswerten professionell milit&auml;risch gef&uuml;hrten <u>Angriff<\/u> gegen Israel gegeben &ndash; im Golfkrieg 1991.  <\/p>\n<p>Auch dies war ein Sonderfall. 1991 waren die Raketen aus dem Irak gegen Israel ganz offenbar mit dem politischen Ziel abgefeuert worden, Israel zu einem Gegenschlag zu provozieren. Damit h&auml;tte sich Israel in das von den USA gef&uuml;hrte Milit&auml;rb&uuml;ndnis zur Befreiung Kuwaits eingereiht, mit der von Saddam Hussein erw&uuml;nschten Folge, es w&uuml;rden sich dann deshalb andere arabische L&auml;nder aus diesem B&uuml;ndnis zur&uuml;ckziehen. Also lieferten die USA schnell Patriot-Abwehrraketen und bombardierten irakische Abschussvorrichtungen.<br>\nEin israelischer Gegenschlag blieb aus, von einer nuklearen Antwort ganz zu schweigen. Festzuhalten bleibt aber, dass sich Saddam Hussein f&uuml;r seinen Angriff von israelischen Nuklearwaffen nicht hat abschrecken lassen!<\/p>\n<p>Die israelischen Atomwaffen schrecken auch niemanden davon ab, die eigene R&uuml;stung nuklear ausbauen zu wollen. Die Entwicklung der letzten Wochen im Verh&auml;ltnis USA\/Israel zu Iran und ebenso das Beispiel Nordkorea zeigen deutlich, dass eine nukleare Aufr&uuml;stung politisch auch als eine wirksame Absicherung gegen Regime-Change-Versuche betrachtet werden kann.<\/p>\n<p>Die Frage lautete: Haben die gelieferten U-Boote mit ihrer nuklearen Kapazit&auml;t erfolgreich vor Angriffen auf Israel abgeschreckt? Ich sehe daf&uuml;r keinerlei Anhaltspunkte und muss die Frage deshalb verneinen. Ich vermute, dass auch das israelische Milit&auml;r zu einem &auml;hnlichen Urteil gekommen ist. <\/p>\n<p>Es ist ja erstaunlich, dass in der Korruptionsdebatte in Israel von Milit&auml;rs gefragt wurde, ob Israel das U-Boot Nr. 6 wirklich ben&ouml;tige. Und: Es hat bisher keine israelischen Nuklear<u>test<\/u>s gegeben. Es ist schwer vorstellbar, dass solche Waffen ohne systematische Testerfahrung wirklich eingesetzt werden k&ouml;nnten. Tats&auml;chlich hatte es bei den Gener&auml;len von vornherein Einw&auml;nde gegen den Aufbau einer U-Bootflotte gegeben, vor allem aus budget&auml;ren Gr&uuml;nden.<br>\nDas hei&szlig;t, die Boote wurden nicht als wichtig genug betrachtet &ndash; aus dem Budget f&uuml;r Verteidigung sollten dringendere Projekte bezahlt werden.<\/p>\n<p>Die israelischen Streitkr&auml;fte sind meines Erachtens &uuml;berzeugt, mit ihrer &uuml;berlegenen <u>konventionellen<\/u> Ausr&uuml;stung, ihrer professionell ausgebildeten Truppe, ihrem High-Tech-Nachrichtensystem, ihrer milit&auml;rischen F&uuml;hrung und Taktik die n&ouml;tige Abschreckung geliefert zu haben. Dazu geh&ouml;rt offenbar auch die regelm&auml;&szlig;ige Verletzung des Grundsatzes der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit. Jeder Angreifer soll wissen: Israel schl&auml;gt sehr hart zur&uuml;ck.<\/p><\/li>\n<li><u>Schlussfolgerung<\/u>\n<p>Wenn Israel Jahrzehnte lang vor allem deshalb nicht angegriffen wurde, weil seine <u>konventionellen<\/u> Streitkr&auml;fte so &uuml;berlegen waren, dann ist dies f&uuml;r die Bewertung des Nutzens der nuklearen Abschreckung ein negativer Befund. Und wenn dies f&uuml;r die nukleare Bewaffnung Israels insgesamt gilt, also f&uuml;r alle Tr&auml;gersysteme zusammen, dann ist das historische Urteil &uuml;ber den milit&auml;rischen Wert der deutschen U-Boote f&uuml;r sich genommen sehr eindeutig: Bisher ist keine abschreckende Wirkung erkennbar! Dass Provokationen aus dem Gazastreifen oder aus dem Libanon unter der Schwelle eines &bdquo;Angriffskrieges&ldquo; geblieben sind, kann man nicht der Zweitschlagf&auml;higkeit von U-Booten zugute halten.<\/p>\n<p>Auch aus der heutigen strategischen Betrachtung Israels als Nuklearmacht m&uuml;ssen wir feststellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Israel verf&uuml;gt nicht &uuml;ber getestete Nuklearsprengk&ouml;rper.<\/li>\n<li>Israel hat keine f&uuml;r potentielle Angreifer erkennbare Nuklearstrategie.<\/li>\n<li>Israel hat bisher keine nuklear bewaffneten Gegner.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Frage nach einer erkennbaren Nuklearstrategie f&uuml;hrt zur&uuml;ck auf den eingangs angedeuteten Begriff der Erstschlagkapazit&auml;t. Von au&szlig;en gesehen kann jeder Gegner feststellen, dass Israel niemals, auch nicht in h&ouml;chster Bedr&auml;ngnis, den strategischen Sprung von der konventionellen zur nuklearen Kriegf&uuml;hrung vollzogen hat. Aber k&ouml;nnte sich z.B. Iran darauf verlassen? <\/p>\n<p>Jede Abschreckungspolitik zielt auf die Perzeption in der strategischen Analyse des Gegners. Gerade weil Israel sich fast grunds&auml;tzlich nicht an das &Uuml;berma&szlig;verbot h&auml;lt und weil auch die Eskalation in den Atomkrieg eine &Uuml;berma&szlig;reaktion w&auml;re, kann sich niemand auf Dauer auf eine entsprechende israelische Zur&uuml;ckhaltung verlassen. Vom iranischen Empf&auml;ngerhorizont aus betrachtet verst&auml;rkt jeder Ausbau der israelischen Nuklearkapazit&auml;ten den Wunsch, seinerseits eine Zweitschlagkapazit&auml;t zu besitzen.<\/p>\n<p>Deshalb m&uuml;ssen wir bef&uuml;rchten, dass die Staatsr&auml;son in der Form von Nuklearwaffenabschussplattformen politisch den Weg bereitet f&uuml;r eine nukleare Weiterverbreitung in der Region. Sie erzielt keine Abschreckung, sondern motiviert andere Staaten, sich selbst nuklear zu bewaffnen.<br>\nLetztlich wird damit die Sicherheit Israels <u>vermindert<\/u>.<\/p>\n<p>Und trotzdem gibt es den schon erw&auml;hnten Text einer Regierungsvereinbarung, die diesen Zustand f&uuml;r die n&auml;chsten 20 Jahre zementieren m&ouml;chte. Meines Erachtens m&uuml;sste deshalb, bevor die Ausfuhrgenehmigungen f&uuml;r jedes der dann geplanten Boote erteilt werden, im Plenum des Bundestages das Pro und Contra gepr&uuml;ft werden.<\/p>\n<p>Denn was bleibt von diesen U-Booten f&uuml;r die Bundesrepublik mehr als die Genugtuung der Bundeskanzlerin, durchgezogen zu haben, was sie glaubte, moralisch tun zu m&uuml;ssen? Genugtuung, auch wenn der Gewinn f&uuml;r Israels Sicherheit nicht wirklich messbar geblieben ist? Hat Frau Merkel ein Mandat, ihre eigenen moralischen Bewertungen als obligatorisch f&uuml;r alle Deutschen gelten zu lassen? Unter dem Deckmantel des Basta!-Begriffs &bdquo;Staatsr&auml;son&ldquo;?<br>\nEines Begriffes, der alles M&ouml;gliche bedeuten kann, aber nur mit einer Bedeutung eindeutig ist: &bdquo;Keine Diskussion&ldquo;. Als ginge das die Deutschen gar nichts an. Meine moralische Verpflichtung aus dem Holocaust zwingt mich jedenfalls nicht, eine nukleare Aufr&uuml;stung zu unterst&uuml;tzen!<\/p>\n<p>Unsere moralisch\/politische Verpflichtung gegen&uuml;ber Israel m&uuml;sste getragen sein von einer grundlegenden Achse:<br>\nNach dem Holocaust als der absoluten Leugnung rechtlicher Grenzen staatlichen Handelns m&uuml;ssen wir uns jetzt unabdingbar einsetzen f&uuml;r die Einhaltung rechtsstaatlicher Grunds&auml;tze im Inneren und v&ouml;lkerrechtlicher Bindungen nach au&szlig;en. Einem Land, das sich von solchen grundlegenden Bekenntnissen zur Rolle des Rechts abwendet, m&uuml;ssen wir deutlich machen, dass dadurch unsere Kooperationsm&ouml;glichkeiten eingeschr&auml;nkt werden.<\/p>\n<p>F&uuml;r die friedenserhaltende Au&szlig;enpolitik hei&szlig;t das, dass wir uns gemeinsam mit Israel auf den Weg zu konfliktvorbeugenden Vereinbarungen machen m&uuml;ssen.<\/p><\/li>\n<li><u>Mehr Transparenz<\/u>\n<p>Dieser Paradigmenwechsel kann und darf nicht ohne die &Ouml;ffentlichkeit geschehen. Wir m&uuml;ssen bei der Bundesregierung und bei den Abgeordneten auf Transparenz dr&auml;ngen. Den W&auml;hlern in der Bundesrepublik Deutschland und in Israel muss bewusst werden, dass wir nicht mehr bereit sind, Israel mit R&uuml;stungsg&uuml;tern zu unterst&uuml;tzen, wenn sich dieses Land geradezu grunds&auml;tzlich vom V&ouml;lkerrecht verabschiedet!<\/p>\n<p>Bundeskanzlerin Merkel hat sich das Konzept Staatsr&auml;son sehr pers&ouml;nlich zu eigen gemacht. Das h&auml;ngt m&ouml;glicherweise eng mit ihrer freundschaftlichen Beziehung mit Shimon Stein zusammen. Inzwischen ist das Ende ihrer Kanzlerschaft absehbar. Deshalb m&uuml;ssen <u>jetzt<\/u> die Weichen neu gestellt werden.<br>\nVor der n&auml;chsten Wahl in der Bundesrepublik, vor der n&auml;chsten Koalitionsvereinbarung sollte eine klare Botschaft in die &Ouml;ffentlichkeit gebracht werden: Unserer historischen Verpflichtung <u>m&uuml;ssen wir mit einer Politik zum Frieden<\/u> gerecht werden.<br>\nR&uuml;stungs-Geschenke m&ouml;gen Sinn gemacht haben in den ersten Jahrzehnten des Staates Israel. Zwar wusste jeder, dass deutsche Verbrechen &uuml;berhaupt nicht &bdquo;wiedergutgemacht&ldquo; werden konnten. Aber wir sollten uns nicht mehr der Illusion hingeben, man k&ouml;nne sich von einer moralischen Last freikaufen.<\/p>\n<p>Der Begriff Staatsr&auml;son hat sich im deutschen Sprachgebrauch von Politikern und Medien festgesetzt.  <\/p>\n<p>Wenn aber die Staatsr&auml;son in ihrem gewichtigsten Kern als schwach und nutzlos erkannt wird, dann sollte diese Entzauberung auch in die anderen Manifestationen dieser schillernden Denkfigur hineinwirken.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Zusammenfassung meiner Thesen<\/strong>\n<p>Zehn an der Zahl\t\t<\/p>\n<ol>\n<li>Bei den aus Deutschland nach Israel gelieferten U-Booten handelt es sich um israelische Systementwicklungen mit deutschem Antrieb, die Israel aus Sicherheits- und Finanzierungsgr&uuml;nden in Deutschland zusammenbauen l&auml;sst.<\/li>\n<li>Die Boote werden in Deutschland als nuklearwaffenf&auml;hige Abschussportale gebaut und nicht erst nach Auslieferung entsprechend ver&auml;ndert. Die Vereinbarkeit dieser Praxis mit deutschem Recht muss vorurteilslos &uuml;berpr&uuml;ft werden.<\/li>\n<li>Die sicherheitspolitische Funktion dieser Waffensysteme besteht <u>zurzeit<\/u> darin, Israel eine nukleare Erstschlagf&auml;higkeit gegen <u>konventionelle<\/u> Angriffe zu garantieren.<\/li>\n<li>Die Wirksamkeit nuklearer Abschreckung ist f&uuml;r Israel fraglich. Es ist nicht nachvollziehbar, warum trotzdem auf beiden Seiten die Absicht besteht, die U-Boot-Kooperation bis weit in die 2030er Jahre zu verl&auml;ngern &ndash; weiterhin mit deutschem finanziellem Einsatz. Und dies inzwischen auch zum Schutz von wirtschaftlichen Interessen au&szlig;erhalb seines Staatsgebiets!<\/li>\n<li>Der milit&auml;rische Wert der Boote ist in Israel seit langem umstritten. Das gibt der Bundesregierung zunehmende politische Handlungsfreiheit.<\/li>\n<li>Bundeskanzlerin Merkel ist pers&ouml;nlich stark f&uuml;r Fragen der israelischen Sicherheit sensibilisiert. Das versperrt ihr &ndash; trotz zunehmend kritischer Beurteilung der israelischen Politik &ndash; die Einsicht, dass die deutsche Nahostpolitik eines Neuanfangs bedarf. <\/li>\n<li>Dieser Neuanfang muss von der deutschen Bev&ouml;lkerung getragen werden.<br>\nEs gibt keine Vergangenheitsbew&auml;ltigung hinter verschlossenen T&uuml;ren.<\/li>\n<li>Das Ende der Regierung Merkel ist der Moment f&uuml;r einen Politikwechsel.<br>\nWir d&uuml;rfen der israelischen Regierung nicht l&auml;nger erlauben, ihre atomare Aufr&uuml;stung in Deutschland voranzutreiben!<\/li>\n<li>Unsere moralische Verpflichtung f&uuml;r Israel muss als <u>Friedenspolitik<\/u> sichtbar werden. Und zwar auch in Israel in die &Ouml;ffentlichkeit hinein.<\/li>\n<li>Wir m&uuml;ssen politische Konzepte entwickeln, die auch im Nahen Osten zu einem Paradigmenwechsel f&uuml;hren k&ouml;nnen:<br>\n<strong>Von der nuklearen Abschreckung zur diplomatischen Entspannung.<\/strong><\/li>\n<\/ol><\/li>\n<\/ol><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Gerhard Fulda<\/strong>, Jahrgang 1939, studierte in Hamburg und Freiburg Rechtswissenschaft sowie daran anschlie&szlig;end anderthalb Jahre in Kairo. Daraufhin promovierte er zum Dr. jur. Er war in mehreren arabischen L&auml;ndern als Diplomat t&auml;tig und war zuletzt von 2000 bis 2004 Botschafter in Indonesien. Fulda ist Mitgr&uuml;nder des B&uuml;ndnisses zur Beendigung der israelischen Besatzung sowie Vizepr&auml;sident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft und Mitglied im<br>\nBeirat der Deutsch-Pal&auml;stinensischen Gesellschaft.<\/p>\n<\/div><p>Titelbild: endlesssea2011 \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die NachDenkSeiten geben hier eine Rede wieder, die der ehemalige Diplomat <strong>Gerhard Fulda<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58180#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] auf einer Konferenz des KOPI, des Deutschen Koordinationskreises Pal&auml;stina\/Israel, am 1.2.2020 in Berlin-Neuk&ouml;lln gehalten hat. Die Konferenz wurde von mehr als 200 Teilnehmern besucht. KOPI umfasst zur Zeit 28 bundesweite und regionale NGOs, die sich f&uuml;r ein friedliches Zusammenleben in<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58180\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":58181,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[172,170,211],"tags":[2035,1519,2013,2129,951,1557,315,2374,1703,2377],"class_list":["post-58180","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aufruestung","category-friedenspolitik","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-abschreckungsstrategie","tag-atomwaffen","tag-entspannungspolitik","tag-geheimhaltung","tag-iran","tag-israel","tag-merkel-angela","tag-staatsraeson","tag-voelkerrecht","tag-waffenlieferungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/shutterstock_486830611.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58180"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58190,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58180\/revisions\/58190"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/58181"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58180"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}