{"id":58321,"date":"2020-02-08T11:45:53","date_gmt":"2020-02-08T10:45:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58321"},"modified":"2020-02-08T12:13:01","modified_gmt":"2020-02-08T11:13:01","slug":"luksic-oder-die-kabale-von-chiles-reichstem-familien-clan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58321","title":{"rendered":"Luksic oder: Die Kabale von Chiles reichstem Familien-Clan"},"content":{"rendered":"<p>Wie kroatische Emigranten die politische und wirtschaftliche Landschaft der Anden verwandelten &ndash; Teil 2<\/p><p>&bdquo;Stille Wasser tragen Berge ab.&ldquo; Wenn das gefl&uuml;gelte Wort kroatischen Ursprungs einen Sinn macht, dann in Bolivien als Allegorie der faschistischen Pionierrolle kroatischer Emigranten und in Chile als Metapher r&uuml;cksichtsloser Vernichtung der Anden und der Wasserverknappung durch den internationalen Bergbau, in dem die reichste Familie des Landes, kroatischer Abstammung, eine f&uuml;hrende, wenn nicht die zentrale Rolle spielt. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWie von den Nachdenkseiten im Januar 2020 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57596\">&uuml;ber Bolivien berichtet<\/a>, kontrolliert eine zahlenm&auml;&szlig;ig kleine, jedoch sehr m&auml;chtige Gruppe von Familien-Clans unter den ann&auml;hernd 10.000 Nachkommen kroatischer Emigranten nicht nur die relevantesten Industrie- und Finanzunternehmen im Osten des Landes, sondern sie diente ebenfalls als Wiege des bolivianischen Rechtsextremismus und Faschismus europ&auml;ischen Ursprungs und Triebfeder eines wei&szlig;en Separatismus.<\/p><p>Mit unterschiedlichen Sch&auml;tzungen, die die <a href=\"https:\/\/glashrvatske.hrt.hr\/es\/noticias\/del-mundo\/la-serie-comunidad-croata-en-chile-presentada-en-zagreb\/\">Zahl der Nachkommen<\/a> mit 200.000 bis 400.000 beziffern, &uuml;bertrifft die kroatische Emigranten-Szene in Chile diejenige Boliviens allerdings um das Zwanzig- bis Vierzigfache. Nach Angaben der kroatischen Regierung bilden vor allem die Chilenen dalmatischen Ursprungs nach den USA und Bosnien-Herzegowina die drittgr&ouml;&szlig;te kroatische Diaspora in der Welt.<\/p><p>Vom Jahrhunderte dauernden Joch unter dem Osmanischen Reich bis zur Beherrschung durch die Monarchie &Ouml;sterreichs war die Verweigerung ihrer Unabh&auml;ngigkeit als Nation der Hauptgrund f&uuml;r die massive Abwanderung der Kroaten nach S&uuml;damerika. Ein entscheidender Ausl&ouml;ser f&uuml;r die Bildung der kroatischen Diaspora in Bolivien und Chile soll jedoch eine Pest in den Weinbergen auf der dalmatischen Insel Bra&#269; gewesen sein. Sch&auml;tzungsweise 90 Prozent der Chilenen kroatischen Ursprungs entstammen Vorfahren auf der Insel Bra&#269;.<\/p><p>Ihre Diaspora wird &ouml;ffentlich vertreten durch grenz&uuml;bergreifende, renommierte Familien wie der des Antonio Sk&aacute;rmeta Vranicics &ndash; von 2000 bis Anfang 2003 ehemaliger chilenischer Botschafter in Deutschland &ndash; der vor allem jedoch als herausragender lateinamerikanischer Schriftsteller, Tr&auml;ger des chilenischen Literaturpreises 2014 und viel&uuml;bersetzter Autor der Romanvorlage des weltber&uuml;hmten Spielfilms <a href=\"https:\/\/www.meinkinoguide.com\/il-postino.html\">Der Postmann (1994)<\/a> bekannt ist.<\/p><p>Doch bereits 40 Jahre zuvor schrieb Lenka Franulic als erste Journalistin Chiles ein wichtiges Kapitel s&uuml;damerikanischer Mediengeschichte. Eine weiterf&uuml;hrende Berufsschule sowie der nationale Journalistenpreis f&uuml;r Frauen sind ihrer Person gewidmet. Im privaten chilenischen Fernsehen der Gegenwart brillieren Models und Vormittagsprogramm-Animatorinnen kroatischer Herkunft wie Tonka Tomi&#269;i&#263; Petri&#263; &ndash; Ex-Miss Chile 1995 &ndash; und Savka Pollak Tomasevich.<\/p><p>Chilenen mit kroatischer Abstammung sind indes seit Jahrzehnten als Frontfrauen und Frontm&auml;nner der chilenischen Politik t&auml;tig. Eine nahezu legend&auml;re Figur war der im Jahr 1992 verstorbene Christdemokrat Radomiro Tomi&#263;. Als Abgeordneter der nordchilenischen Provinzen Arica, Pisagua und Iquique und als sp&auml;terer Senator f&uuml;r Tarapac&aacute; und Antofagasta trat er 1970 als aussichtsloser Pr&auml;sidentschaftskandidat gegen Salvador Allende an, verb&uuml;ndete sich jedoch mit dem gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten der Sozialistischen Partei, insbesondere als energischer Verfechter der &ldquo;Chilenisierung&ldquo; (Verstaatlichung) der Kupfervorkommen, weshalb der staatliche Kupfer-Konzern Codelco im Jahr 1992 eine seiner Minen <a href=\"https:\/\/www.codelco.com\/division-radomiro-tomic\/prontus_codelco\/2016-02-25\/163906.html\">mit Tomics Namen ehrte<\/a>.<\/p><p>Als Anf&uuml;hrer des progressiven Fl&uuml;gels der Christdemokraten verfocht Tomi&#263; eine Vision, die Jahrzehnte sp&auml;ter, insbesondere inmitten der gegenw&auml;rtigen sozialpolitischen Umw&auml;lzungen, ihre Aktualit&auml;t nicht eingeb&uuml;&szlig;t hat und nach Umsetzung verlangt. Er sagte: &bdquo;Meine Stimme zaudert nicht, es auszusprechen: Entweder dient die volksdemokratische Revolution dazu, der immensen Anstrengung des teilnehmenden Volkes im Kampf f&uuml;r einen neuen Horizont und ein neues Schicksal Form zu geben, oder der institutionelle Kollaps wird die Chilenen schwer untereinander spalten&ldquo;.<\/p><p>Drei&szlig;ig Jahre nach Tomi&#263;s Tod nehmen Chileninnen und Chilenen kroatischer Herkunft in nahezu allen politischen Parteien F&uuml;hrungspositionen ein. So der rechtsliberale Vlado Mirosevic als Vertreter von Chiles rohstoffreicher Atacama-Region, die ehemalige Generalsekret&auml;rin der Christlich-Demokratischen Partei und amtierende Senatorin Carolina Goic sowie der ehemalige Studentenf&uuml;hrer und amtierende Abgeordnete der linken Frente Amplio <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PexWNDVtoBs\">Gabriel Boric<\/a> als Parlamentarier des Feuerlandes.<\/p><p><strong>Salpeter, Kupfer und List: die Rohstoffe der urspr&uuml;nglichen Akkumulation der Luksics<\/strong><\/p><p>In den 1930er Jahren hatten bereits Salpeter-Tagebau und -Verarbeitung den Kroaten Pascual Baburica Soleti&#263; zu einem der reichsten M&auml;nner Chiles gemacht.<\/p><p>Ein besonderer kroatischer Nachname hat jedoch seit Ende der Pinochet-Diktatur im heutigen Chile das Sagen: Es ist der des reichsten Clans des Landes, des Luksic-Clans. Sein zwischen 15 und 17 Milliarden US-Dollar schwankendes Verm&ouml;gen (Forbes, 2019) resultiert aus der Gewinnsch&ouml;pfung mit einem undurchsichtigen Geflecht von nahezu 40 Einzelunternehmen, die im Inland sich unter dem Schirm der <a href=\"https:\/\/quinenco.cl\/en\/\">Grupo Qui&ntilde;enco SA<\/a> befinden und im Ausland haupts&auml;chlich durch den Bergbaukonzern <a href=\"https:\/\/www.antofagasta.co.uk\/\">Antofagasta PLC<\/a> vertreten werden. Dar&uuml;ber thronend und mit Sitz im Steuerparadies Liechtenstein dirigiert seit Anfang des neuen Millenniums die Matriarchin des Luksic-Clans und achtreichste Frau des Planeten, Iris Fontbona, ein halbes Dutzend Einzelstiftungen unter der Schirmherrschaft einer gewissen <a href=\"http:\/\/www.fundacionesfamilialuksic.cl\/\">&bdquo;Luksburg Foundation&ldquo;<\/a>, die das un&uuml;berschaubare Geldverm&ouml;gen und die weltweiten Beteiligungen des Familien-Imperiums &uuml;berwacht und tarnt.<\/p><p>Mit Investitionen in merklich unterschiedlichen Marktbereichen wie Bergbau, Industrie, Finanzen, Lebensmittelverarbeitung, Medien, Logistik und Luxus-Tourismus geh&ouml;ren zum Luksic-Imperium Beteiligungen an traditionsreichen Firmennamen wie der Hamburger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hapag-Lloyd\">Hapag Lloyd<\/a>, der in Pakistan t&auml;tigen <a href=\"https:\/\/www.tethyan.com\">Tethyan Copper Company<\/a> sowie hauseigene Handelsmarken wie das im kroatischen Dubrovnik angesiedelte Elite-Resort <a href=\"https:\/\/www.adriaticluxuryhotels.com\/\">Adriatic Luxury Hotels<\/a>.<\/p><p>Es haftet jedoch eine dreifache Ironie an der Luksic-Genealogie. Gro&szlig;m&uuml;tterlicherseits ist sie n&auml;mlich untrennbar verbunden mit der Geschichte von Chiles Hauptrivalen Bolivien. In Antofagast &ndash; bis Ende des 19. Jahrhunderts Landeshauptstadt Atacamas und gr&ouml;&szlig;ter Hafen Boliviens &ndash; ging Anfang des Jahres 1900 der gerade 17-j&auml;hrige und verarmte Kroate Polikarp Luksic Ljubetic, wie so viele seiner Landsleute von der Insel Bra&#269;, an Land der Neuen Welt und heiratete dort sehr bald die Bolivianerin Elena Abaroa.<\/p><p>Die Frau war ihrerseits Enkelin des Eduardo Abaroa, wohlhabender Gesch&auml;ftsmann aus San Pedro de Atacama und Nationalheld, der w&auml;hrend des Salpeterkriegs (1879-1883) mit der Waffe in der Hand Antofagasta gegen den von den Briten finanzierten und bewaffneten &Uuml;berfall der chilenischen Armee verteidigte. Die daraus resultierende Malice ist, dass das Luksic-Verm&ouml;gen seit rund 120 Jahren ausgerechnet und haupts&auml;chlich aus dem Bergbau in der Bolivien entrissenen und von Chile einverleibten 150.000 km2 gro&szlig;en Atacama-W&uuml;ste &ndash; samt 400 Kilometer usurpierter K&uuml;ste &ndash; stammt.<\/p><p>Was der Familie gleich zu Beginn zugutekam, war die Entdeckung der auch heute noch weltgr&ouml;&szlig;ten Kupferlagerst&auml;tte Chuquicamata in der Atacama. &bdquo;Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort&ldquo; agieren die Luksic-Abaroas als Hauptlieferanten von Nahrungsmitteln und Ausr&uuml;stungsg&uuml;tern f&uuml;r Chuquicamata und der Mine der US-amerikanischen Anaconda Copper Corp. An dieser Stelle beginnt der Aufstieg von Andr&oacute;nico Abaroa und seinen Br&uuml;dern, die ihre Kinder in Europa und den USA ausbilden lassen; eine elit&auml;re Haltung, die im Clan bis ins 21. Jahrhundert rigoros durchgezogen wird.<\/p><p>Ein Zeitsprung veranschaulicht jedenfalls die &bdquo;opportunen&ldquo; Gesch&auml;ftspraktiken des Clans. Die Luksic-Abaroas wussten die &ldquo;Mediterranisierung&ldquo; Boliviens &ndash; also den Verlust des Zugangs zum Pazifik &ndash; geschickt zu nutzen. Bis Mitte der 1880er Jahre betrieb die bolivianische Firma Huanchaca eine 900 Kilometer lange G&uuml;tereisenbahnstrecke, bekannt als <a href=\"https:\/\/es.wikipedia.org\/wiki\/Ferrocarril_de_Antofagasta_a_Bolivia\">Ferrocarril de Antofagasta a Bolivia<\/a>. Da Bolivien den Salpeterkrieg verloren hatte, &uuml;berredeten britische Agenten die Regierung Chiles, die Hafenanlagen Antofagastas an sie zu &bdquo;verpachten&ldquo; und den Gesch&auml;ftssitz der Eisenbahnstrecke nach London zu verlegen, wo diese im Jahr 1888 in &bdquo;Antofagasta (Chili) &amp; Bolivia Railway Company&ldquo; umgetauft wurde. Rund einhundert Jahre sp&auml;ter kaufte der Bergbau-Riese <a href=\"http:\/\/www.aminerals.cl\/\">Antofagasta Minerals<\/a> &ndash; im Besitz von Luksics Antofagasta PLC &ndash; 1980 die Eisenbahn, die diesseits und jenseits aller Spannungen zwischen beiden Andenl&auml;ndern &bdquo;keine Grenzen f&uuml;r Unternehmergeist&ldquo; kennt.<\/p><p>Doch zur&uuml;ck zu den Anf&auml;ngen. Andr&oacute;nico Luksic Abaroa &ndash; Elena Abaroas Sohn und Gr&uuml;nder des Familien-Imperiums &ndash; soll ein eher unauff&auml;lliger Mann gewesen sein, der kein Risiko liebte; eine unausgesprochene Familien-Devise, die nach wie vor die Gesch&auml;ftsentscheidungen lenkt und bei der Aktienpolitik des Konzerns einen gewissen &ldquo;Gesellschafter-Parasitismus&ldquo; erkennen l&auml;sst, der das gesamte Qui&ntilde;enco-Aktiengeflecht pr&auml;gt. Der Clan-Gr&uuml;nder war einer der wenigen chilenischen Unternehmer, die mit Pr&auml;sident Salvador Allende zeitweilig paktierten. Zwischen 1970 und 1973 einigten sich beide auf die Verstaatlichung einiger Luksic-Betriebe, doch danach zog der sich formierende Clan sein Kapital aus Chile ab und begann in Argentinien und Brasilien zu investieren.<\/p><p>Das Verh&auml;ltnis zur Pinochet-Diktatur war kein gutes. <a href=\"https:\/\/www.theclinic.cl\/2015\/03\/11\/los-nexos-de-los-luksic-con-la-nueva-mayoria\/\">Eine Legende<\/a> erz&auml;hlt beispielsweise, die Luksics h&auml;tten dem Allende-treuen, deshalb von Diktator Pinochet angefeindeten General Carlos Prats und seiner Frau in einem Appartement von Vi&ntilde;a del Mar Unterschlupf gew&auml;hrt. Das Ehepaar wurde drei Jahre sp&auml;ter in Buenos Aires im erwiesenen Auftrag von Pinochet durch einen Bombenanschlag ermordet. Die Legende erz&auml;hlt weiter, mit der heimlichen Hilfeleistung habe der Luksic-Clan das Vertrauen der nach Ende der Pinochet-Diktatur regierenden Mitte-Links-Koalition <em>Concertaci&oacute;n<\/em> gewonnen.<\/p><p><strong>Staatsbeamte in den Vorst&auml;nden: Promiskuit&auml;t zwischen privat und Staat<\/strong><\/p><p>Gute &ndash; vornehm ausgedr&uuml;ckt: &bdquo;ge&ouml;lte&ldquo; &ndash; Beziehungen zum nahezu gesamten ideologischen Parteienspektrum Chiles werden dem Firmen-Imperium Luksic <a href=\"http:\/\/www.laizquierdadiario.cl\/Luksic-y-sus-redes-politicas-desde-la-UDI-hasta-el-PPD\">als erfolgreiches Gesch&auml;ftsprinzip nachgesagt<\/a>. Die Namen und Vitae der CEOs in Luksics <a href=\"https:\/\/quinenco.cl\/en\/\">Grupo Qui&ntilde;enco SA<\/a> best&auml;tigen den bedenklichen Firmenruf.<\/p><p>Qui&ntilde;enco ist unter anderem das Konzerndach &uuml;ber der gr&ouml;&szlig;ten Privatbank des Landes, Banco de Chile, der mit Heineken (vormals mit Paulaner Br&auml;u) geteilten Gro&szlig;brauerei CCU, der mit franz&ouml;sischer Partnerschaft betriebenen Kupferkabelfabrik Ivexans, der Verpackungsherstellung TechPach und des Treibstoff-Unternehmens Enex, das den gesamten Vertrieb der Marke Shell in Chile erworben hat. Ferner &uuml;ber der von den Luksics erworbenen Reederei CSAV, womit das Familien-Imperium nicht allein in die internationale Schifffahrt, sondern in den dazugeh&ouml;rigen Markt f&uuml;r Fracht- und Hafen-Logistik eingestiegen ist. Doch damit nicht genug. Qui&ntilde;enco geh&ouml;ren entweder alle oder hohe Anteile an den Mobiltelefon-, Internet- und Kabelfernseh-Anbietern Entel, VTR und Cabletron, am Gas-Vertriebsunternehmen Lipigas, an Hotelketten, ja, sogar an der wieder abgesto&szlig;enen Nudelmarke Luchetti.<\/p><p>Im Jahr 2017 entschied sich der Luksic-Clan auch f&uuml;r einen entschlosseneren Einstieg in den Medienmarkt mit der 100-prozentigen <a href=\"http:\/\/www.laizquierdadiario.cl\/Andronico-Luksic-se-convierte-en-dueno-total-de-Canal-13-tras-comprar-el-33-de-senal-televisiva-de\">&Uuml;bernahme der privaten Fernsehanstalt Canal 13<\/a>, die bis dahin noch zu 33 Prozent im Besitz der Katholischen Universit&auml;t (PUC Chile) war. Im Jahr 2010 hatte Qui&ntilde;enco f&uuml;r 55 Millionen US-Dollar bereits 67 Prozent des Senders erworben, dem jedoch wegen mangelnder Kreativit&auml;t, fehlendem Programm-Konzept und scharfer Konkurrenz das Aus drohte, obwohl Luksic Craigs Sohn Maximiliano seit 2015 als Intendant amtierte. Qui&ntilde;enco bl&auml;tterte also weitere 10 Millionen US-Dollar auf den Tisch, entlie&szlig; die PUC Chile aus ihren Verpflichtungen, aber auch hunderte Mitarbeiter aus ihren Jobs. Mit einem F&uuml;nfjahresvertrag &uuml;bertrugen die fernsehunkundigen Luksics allerdings den Senderbetrieb der spanischen Gruppe Secuoya.<\/p><p>Der Erwerb von zun&auml;chst einem Drittel der Aktien der Banco de Chile vor 20 Jahren sorgte allerdings f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.emol.com\/noticias\/economia\/2001\/01\/15\/43276\/aumenta-polemica-por-credito-del-banco-de-estado-a-grupo-luksic.html\">sehr ung&uuml;nstige Schlagzeilen<\/a>. Die christdemokratischen Abgeordneten Pablo Lorenzini und Jaime Jim&eacute;nez bezeichneten damals die Bewilligung eines 138-Millionen-Dollar-Kredits durch die staatliche Banco del Estado de Chile (BECH) an den bereits milliardenschweren und nicht kreditbed&uuml;rftigen Luksic-Clan als &bdquo;den schwersten Korruptionsfall der letzten zwanzig Jahre&rdquo;. Seitdem teilen sich Qui&ntilde;enco und das US-amerikanische, weltgr&ouml;&szlig;te Bankunternehmen <a href=\"https:\/\/pt.wikipedia.org\/wiki\/Citigroup\">Citigroup<\/a> &ndash; zu dessen wichtigsten Aktion&auml;ren der BlackRock-Konzern geh&ouml;rt &ndash; mit je 58 Prozent und 29 Prozent die Kontrolle der ehemals staatlichen chilenischen Bank, die 2017 Gewinne in H&ouml;he von 884 Millionen Dollar erzielte und 2018 Anlagen von rund 55 Milliarden US-Dollar verwaltete.<\/p><p>In den Chefetagen von Qui&ntilde;enco finden sich Namen zahlreicher ehemaliger Minister und Politiker, von der Pinochet-Diktatur bis zum ihr nachfolgenden, demokratischen Parteienb&uuml;ndnis <em>Concertaci&oacute;n<\/em>.<\/p><p>Der CEO Luksics im Vorstand der Banco de Chile ist der Christdemokrat Jorge Awad, nicht ganz zuf&auml;llig auch Pr&auml;sident des chilenischen Bankenverbandes. Chef von Ivexans ist der ebenfalls christdemokratische, ehemalige Wirtschaftsminister Alejandro Ferreiro. Der Sozialist Jaime Est&eacute;vez geh&ouml;rt ebenfalls zum Banco-de-Chile-Vorstand. Seine Berufung in die Chefetagen von Qui&ntilde;enco sind &bdquo;Zuf&auml;lle&ldquo;, die keine waren: Unter Salvador Allende diente Est&eacute;vez als Manager des staatlichen Kupferkonzerns Codelco und w&auml;hrend der Regierung des Sozialisten Ricardo Lagos (2000-2006) bekleidete Est&eacute;vez die Direktion von Banco del Estado de Chile (BECH), heute als BancoEstado bekannt; &bdquo;zuf&auml;lligerweise&ldquo; die gleiche Bank, die Luksic den Kredit zum Erwerb der Banco de Chile gab. Auf exemplarische Weise veranschaulicht Est&eacute;vez selbst f&uuml;r wirtschaftspolitisch und kriminalistisch weniger bewanderte Leser den Modus Operandi des Luksic-Clans: die massive Einstellung ehemaliger Regierungsmitglieder mit dem Ziel der Aneignung von strategischem Insider-Wissen f&uuml;r interne Unternehmensentscheidungen. Dies war auch der Fall bei der Nominierung des Christdemokraten, dreifachen ehemaligen Ministers (Wirtschaft, Energie und Bergbau) und Pr&auml;sidenten der Zentralbank (2007-2011) der <em>Concertaci&oacute;n<\/em>, Jos&eacute; de Gregorio, und des rechtsextremen Oscar H&aacute;sbun in den Vorstand der Schifffahrtsgesellschaft CSAV und von HapagLloyd.<\/p><p><strong>Der Israel-Lobbyist<\/strong><\/p><p>Wenngleich Christdemokraten und Sozialisten mehrere Vorstands&auml;mter bekleiden, haben zwei Rechtsradikale das Sagen bei Qui&ntilde;enco: als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der ehemalige Finanzminister der Pinochet-Diktatur, Hern&aacute;n B&uuml;chi, und als Generaldirektor Rodrigo Hinzpeter.<\/p><p>Der von ultrakonservativen j&uuml;dischen Einwanderern abstammende Hinzpeter ist in Chile eine mehrfach umstrittene Person. Als ehemaliger Innenminister in der ersten Regierung Sebast&iacute;&aacute;n Pi&ntilde;era (2010-2012) lie&szlig; er Sch&uuml;ler- und Studenten-Demonstrationen erbarmungslos niederkn&uuml;ppeln. Als ehemaliger Verteidigungsminister (2012-2014) arbeitete er am Ausbau der Beziehung zu Israel und als einer der ersten Lateinamerikaner verbreitete er im israelischen Verteidigungsministerium unter Moshe Ya&rsquo;alon die Verschw&ouml;rungstheorie von einer <a href=\"https:\/\/verdadahora.cl\/la_hermetica_visita_de_hinzpeter_a_israel_discutio_influencia_irani_en_america_latina.html\">&bdquo;Bedrohung Lateinamerikas durch den Iran&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Als Lobbyist des israelischen Waffenherstellers Elbit Systems spielte wiederum Ya&rsquo;alon die zentrale Rolle beim nachfolgenden Verkauf von Drohnen (UAVs) an Chile f&uuml;r den <a href=\"https:\/\/www.elmostrador.cl\/noticias\/pais\/2011\/10\/05\/chile-compra-aviones-no-tripulados-a-empresa-israeli\/\">Einsatz an der Grenze zu Peru und Bolivien<\/a>. Seinerseits soll Hinzpeter nicht nur seinen Wehrdienst in Israel abgeleistet haben, sondern mehrfach als Sprecher des American Jewish Committe (AJC) &ndash; einer ultrakonservativen Lobby-Organisation, die systematisch die US-Au&szlig;enpolitik zugunsten Israels beeinflusst &ndash; aufgetreten sein, wie der chilenische Journalist <a href=\"https:\/\/www.elciudadano.com\/columnas\/chile-en-la-guerra-contra-el-terrorismo\/07\/19\/\">Alejandro Kirk berichtete<\/a>.<\/p><p><strong>Lobbyismus, Schmierung, Rechtsdispute: Die Herausforderungen der internationalen Legalit&auml;t des Luksic-Imperiums<\/strong><\/p><p>Das Vorgehen im &bdquo;Spinnengewebe&ldquo; &ndash; wie einzelne Medien das Einfluss-Spektrum des Luksic-Clans bezeichnen &ndash; sorgte allerdings in einem Fall nicht nur f&uuml;r Schlagzeilen, sondern f&uuml;r untilgbare, schmutzige Flecken auf der wei&szlig;en Weste von Konzernchef Andr&oacute;nico Luksic Craig.<\/p><p><strong>Der Fall Caval<\/strong><\/p><p>Der politische Skandal und chilenische Kriminalfall um die Firma Caval involvierte Sebasti&aacute;n D&aacute;valos &ndash; Sohn der ehemaligen Pr&auml;sidentin Michelle Bachelet (2014-2018) &ndash; seine Ehefrau Natalia Compagnon und Andr&oacute;nico Luksic Craig als Eigent&uuml;mer der Banco de Chile.<\/p><p>Nach mehrfach von der Bank abgelehnten Antr&auml;gen Compagnons gelang es D&aacute;valos als Direktor des soziokulturellen Bereichs des Regierungssitzes La Moneda in der Zeit zwischen 2014 und 2015, Luksic Craig von der N&uuml;tzlichkeit eines 10-Millionen-US-Dollar-Kredits zu &uuml;berzeugen, den Compagnon in geplante Landk&auml;ufe investieren wollte. Der springende Punkt war, Luksic Craig bewilligte das Darlehen erst dann, als D&aacute;valos Mutter, Michelle Bachelet, zu ihrer zweiten Amtszeit als Staatspr&auml;sidentin gew&auml;hlt worden war. Nach Bewertung von Justiz und Medien erhoffte sich der Konzernchef damit zuk&uuml;nftige Vorteile vom Kabinett Bachelet. Dass die Strategie lange vorbereitet worden war, belegten die Aussagen Compagnons und Luksics, sich mindestens <a href=\"https:\/\/www.elmostrador.cl\/noticias\/pais\/2015\/07\/01\/caso-caval-luksic-sostuvo-ocho-reuniones-con-compagnon\/\">achtmal privat getroffen<\/a> zu haben. Bei einem dieser Treffen soll nach Aussagen Luksics die Schwiegertochter Bachelets Baus&auml;tze f&uuml;r den Bergbau in Extremh&ouml;hen beziehungsweise ihre internationalen Kontakte f&uuml;r den Import von Treibstoff nach Chile angeboten haben.<\/p><p>Ein klarer Fall: D&aacute;valos, Ehefrau und Luksic Craig handelten im erwiesenen Interessenkonflikt. Pr&auml;sidentin Bachelet &ndash; die mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit kaum etwas von dem Deal gewusst hatte &ndash; badete den Skandal mit einem ruin&ouml;sen <a href=\"http:\/\/retailchile.blogspot.com\/2015\/02\/bachelet-pierde-popularidad-por.html\">Absturz ihrer Popularit&auml;t<\/a> aus und brach die Beziehungen zu Sohn und Schwiegertochter ab.<\/p><p><strong>Der Fall Minnesota und die finanzielle Umwerbung Donald Trumps<\/strong><\/p><p>Ein noch gewagterer Fall von Lobbyismus und Einflussnahme trug sich im US-Staat Minnesota zu und verstrickt darin die US-amerikanische Antofagasta-Tochter Twin Metals, die im Besitz der Luksics sind.<\/p><p>Unter dem massiven Druck der &ouml;rtlichen Bev&ouml;lkerung hatte die Regierung Barack Obama eine geplante Mine von Twin Metals mitten im Naturschutzgebiet Boundary Waters verboten; ein Vorhaben, das Seen und W&auml;lder entlang der Grenze zu Kanada bedrohte. Kaum war jedoch Donald Trump in das Wei&szlig;e Haus eingezogen &ndash; so <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/06\/25\/climate\/trump-minnesota-mine.html\">berichtete die New York Times<\/a> im Juni 2019 &ndash; soll nach Angaben von Informanten der US-Regierung Twin Metals Minnesota ihre Lobbyarbeit in Washington erheblich ausgebaut und 900.000 US-Dollar f&uuml;r Trumps politische Basis gespendet haben.<\/p><p>Mehr noch. Kurz bevor Trump sein Amt antrat, erwarb der Milliard&auml;r ein 5,5-Millionen-US-Dollar-Haus in Washington. Nach Angaben Rodrigo Terr&eacute;s, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Familien-Investitionsfonds der Luksics, sei das Haus mit der Absicht gekauft worden, um es an einen &bdquo;wohlhabenden Neuank&ouml;mmling&ldquo; zu vermieten. Dass der Kauf ein abgekartetes Spiel war, ging erst auf, als Trump-Tochter Ivanka mit Ehemann Jared Kushner in das Haus einzog und eine lautstarke Debatte im Kongress ausl&ouml;ste.<\/p><p>Gesundheitssch&auml;digungen und Naturzerst&ouml;rung sind, jedenfalls in Chile, mediale Dauerbrenner im Zusammenhang mit Luksic-Investitionen. Die Belange der Menschen um ihre Gesundheit und den Schutz der Umwelt haben bisher jedoch die Matriarchin Iris Fontbona und Clan-Vize Luksic Craig kalt gelassen, sie werden als unumg&auml;ngliche Kollateralsch&auml;den verstanden.<\/p><p><strong>Die Umweltdesaster Antofagasta, Los Pelambres und Alto Maipo<\/strong><\/p><p>Ein Handlungsort seit Jahren anhaltender, dramatischer Luft- und Wasser-Vergiftung ist die Hafenstadt Antofagasta. In einem im Jahr 2015 der chilenischen Abgeordnetenkammer zugeleiteten Bericht alarmierte bereits die chilenische &Auml;rztekammer die rasante Zunahme von Todesf&auml;llen wegen Lungenkrebs. Die &Auml;rzte ermittelten, dass Wasser und Luft rund um den Hafen Antofagastas, dessen gr&ouml;&szlig;ter Anteilseigner die Luksic-Gruppe ist, wegen Kupfer-Verarbeitung und -Verladung hochgradig mit Schwermetallkonzentraten &ndash; insbesondere mit Arsen &ndash; <a href=\"https:\/\/ciperchile.cl\/2018\/06\/18\/puerto-de-antofagasta-un-dispositivo-urbano-que-intoxica\/\">vergiftet waren<\/a>. Die gesundheitliche Sch&auml;digung hatte katastrophale Folgen: Zwischen den Jahren 2000 und 2015 nahm die Zahl der t&ouml;dlichen Krebstoten um 42 Prozent zu; vergleichsweise mehr als das Doppelte der 20-prozentigen Krebszunahme im Anrainergebiet von Tschernobyl.<\/p><p>&Ouml;ffentlich scharf kritisiert, reagierte Luksic Craig mit <a href=\"https:\/\/twitter.com\/aluksicc\/status\/847955989466841089\">aggressivem Abwimmeln<\/a> auf Twitter: &bdquo;Ich habe es bereits gesagt, die Verschmutzung in Antofagasta ist ein historisches Problem. Wenn Sie (deshalb) den Hafen auslagern wollen, m&uuml;ssen Sie mit dem Staat reden, nicht mit mir&ldquo;.<\/p><p>Zur gleichen Zeit wurde Luksics Bergbauunternehmen Los Pelambres vom schweizerischen Konkurrenzunternehmen Glencore vor Gericht verklagt. Der Fall eskalierte 2015 so weit, dass er die Beziehungen zwischen Chile und Argentinien belastete. Und zwar aus einem einfachen Grund. Weil n&auml;mlich Luksics Pelambres-Mine, im Grenzgebiet zu Argentinien gelegen, 50 Millionen Tonnen giftiger Tagebau-R&uuml;ckst&auml;nde einfach &uuml;ber den Andenkamm auf der &bdquo;anderen Seite&ldquo; entsorgte. Doch das war argentinisches Territorium und da war Glencore t&auml;tig. Trotz massiver Gegenwerbung und Behauptung falscher Tatsachen verlor Luksics Pelambres den Prozess und musste Glencore samt Argentinien mit <a href=\"https:\/\/www.elmostrador.cl\/mercados\/2015\/07\/20\/reves-para-minera-de-grupo-luksic-en-disputa-con-glencore-sernageomin-dice-que-no-encargaron-ni-validaron-estudio-de-sgs\/\">200 Millionen Dollar entsch&auml;digen<\/a>.<\/p><p>Kurze Zeit sp&auml;ter verfing sich der Luksic-Clan wieder in negativen Schlagzeilen. Diesmal im Fall <strong>Alto Maipo<\/strong>, einem <a href=\"https:\/\/www.elmostrador.cl\/noticias\/opinion\/2017\/07\/16\/alto-maipo-y-sus-conflictos-ambientales\/\">gemeinsamen Staudamm-Projekt<\/a> der US-Firma Aes Gener und  Luksics Bergbau-Unternehmen Los Pelambres in den Andenbergen oberhalb der Hauptstadt Santiago. Jahrelang rieten Geologen davon ab und k&auml;mpften soziale Bewegungen gegen den Bau des 70 Kilometer langen Tunnels, der das Naturschutzgebiet El Morado, die Gletscher San Francisco und Morado sowie die wichtigste Trinkwasser-Versorgung der 7-Millionen-Metropole Santiago bedrohte. Im Jahr 2017, nachdem erst 40 Prozent des Projekts fertiggestellt waren, stieg Luksics Los Pelambres aus Alto Maipo aus; doch nur wegen der immens <a href=\"https:\/\/www.biobiochile.cl\/noticias\/nacional\/chile\/2017\/01\/19\/aseguran-que-minera-de-grupo-luksic-dejara-proyecto-alto-maipo.shtml\">angestiegenen Kosten und den angeblichen Verlusten<\/a>.<\/p><p><strong>Von der Folter-Reederei zur geheimdienstlichen Operation<\/strong><\/p><p>In der Zeit zwischen Anfang 2017 und Ende 2019 stand die Beteiligung der Gruppe Luksic an der deutschen Reederei Hapag Lloyd im Mittelpunkt der Konzern-Berichterstattung. Der Fokus &auml;nderte sich pl&ouml;tzlich, als Andr&oacute;nico Luksic Craig bei Ausbruch der sozialen Revolte in Santiago am 22. Oktober 2019 Pr&auml;sident Pi&ntilde;eras Angebot einer minimalen Erh&ouml;hung des Mindestlohns von 300.000 auf 350.000 Pesos mit der <a href=\"https:\/\/twitter.com\/aluksicc\/status\/1186750362084085766\">bombastischen Ank&uuml;ndigung<\/a> die Show und die Kasse stahl, in seinen Betrieben werde ab 1. Januar 2020 niemand unter 500.000 Pesos verdienen.<\/p><p>Doch im Januar geriet Luksic Craig mit Pi&ntilde;era in die Schlagzeilen, und zwar in keine guten. Jeder erinnerte sich an den finsteren Fernsehauftritt des Pr&auml;sidenten, der am Abend des 21. Oktober &ndash; einen Tag vor Luksics gro&szlig;z&uuml;giger Grundgehaltserh&ouml;hung &ndash; seine Landsleute <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56546\">mit dem Satz<\/a> erschrocken hatte, &bdquo;Wir befinden uns im Kriegszustand gegen einen m&auml;chtigen Feind!&ldquo;.<\/p><p>Der Kriegsbeschw&ouml;rung folgte eine mehrmonatige Medienkampagne Pi&ntilde;eras, der zufolge der soziale und politische Massenaufstand von &bdquo;ausl&auml;ndischen Agenten&ldquo; gesteuert worden sei. Bis ein gewisser Geheimbericht mit dem Titel &bdquo;Big Data&ldquo; durchsickerte. Doch die erste Reaktion auf die Erkenntnisse des Berichts war ein massenhaftes Gel&auml;chter im Parlament, in den Medien und sozialen Netzwerken. Die Geheimdienstler hatten anstelle mutma&szlig;licher Agenten aus Kuba, Russland und Venezuela tats&auml;chlich die chilenische S&auml;ngerin Mon Laferte, die kitschige s&uuml;dkoreanische K-Pop-Band und einzelne Spieler der Fu&szlig;ball-Nationalliga als jene &bdquo;internationalen Agitatoren&ldquo; ausgemacht.<\/p><p>Niemand in der peinlichst ber&uuml;hrten Regierung Pi&ntilde;era wollte die Verantwortung f&uuml;r den Bericht und dessen mysteri&ouml;se Autorenschaft &uuml;bernehmen. Doch dann r&uuml;ckte ein Whistleblower mit einem Teil der Wahrheit heraus: Die Anfertigung des Berichts sei in einer Besprechung der Regierung, des Geheimdienstes, des Luksic-Konzerns Qui&ntilde;enco und der spanischen Firma Alto Data Analytics beschlossen worden. Die ganze Wahrheit erfuhr Chile erst, als Mitte Januar 2020 herauskam, dass Qui&ntilde;enco <a href=\"https:\/\/www.adnradio.cl\/nacional\/2020\/01\/14\/aseguran-que-quinenco-ordeno-informe-big-data-y-lo-entrego-al-gobierno-a-traves-de-hinzpeter-4002297.html\">den Geheimbericht bestellt<\/a> und Generaldirektor Rodrigo Hinzpeter ihn der Regierung Pi&ntilde;era als Quintessenz geheimdienstlicher Ermittlungen ausgeh&auml;ndigt hatte.<\/p><p>Auf den Skandal auf Twitter angesprochen, wo er sich einer halben Million Follower erfreut, von denen er regelm&auml;&szlig;ig eine Minderheit mit Buchgeschenken, Stipendienvergaben und schein-philanthropischem Firlefanz versorgt, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/aluksicc\/status\/1219760004867264514\">antwortete Luksic Craig<\/a> am 21. Januar mit gewohntem Zynismus: &bdquo;Ich habe keinen Bericht gesehen. Sie, ja? Wenn Sie ihn gesehen haben, bitte ich Sie, ihn &ouml;ffentlich zu machen&ldquo;.<\/p><p>Luksic Craig ist ein Meister des Gaukelspiels und der Verstellung. Im Dezember 2016 hatte der Konzern-Vize Reporter f&uuml;hrender deutscher Mainstream-Tageszeitungen zu sich nach Chile eingeladen, auf seinem Weingut bewirtet und sich im Hafen von Valpara&iacute;so vor einem Hapag-Lloyd-Containerschiff fotografieren lassen. Es ging um den Einstieg des chilenischen Mammut-Konzerns bei der Reederei Hapag-Lloyd. Wonach in der FAZ ein mehrseitiger Artikel in bem&uuml;ht camoufliertem Ton der Hofberichterstattung mit  dem Titel <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/besuch-bei-der-industriellenfamilie-luksic-der-hapag-lloyd-gehoert-14568607.html\">&bdquo;Der Clan, der Deutschlands Schiffe lenkt&ldquo;<\/a> zu lesen war.<\/p><p>Autor Marc Felix Serrao traute dem Zeremoniell nicht ganz und schrieb im FAZ-Artikel, &bdquo;ein wenig f&uuml;hlt man sich an die Kommandozentrale eines Bond-B&ouml;sewichts erinnert. Aber das k&ouml;nnte auch am Wein liegen&ldquo;. Serrao tippte richtig, doch seine Intuition war nicht vom Wein erzeugt. H&auml;tte er ein wenig &uuml;ber den Lucsic-Clan recherchiert &ndash; wie ich es dem Manager-Magazin-Chefredakteur Steffen Klusmann vorgeschlagen hatte, der bei mir ein zun&auml;chst best&auml;tigtes, doch dann von Luksic Craig ausgeschlagenes Interview bestellte hatte &ndash; w&auml;re er auf einige der in dieser langen Chronik zitierten und zum Kopfsch&uuml;tteln animierenden Episoden gesto&szlig;en. Aber davon wollte auch Klusmann nichts wissen. Doch eventuell wundert es heute die Stadt Hamburg und Klaus-Michael K&uuml;hne als Hapag-Lloyd-Aktion&auml;re, in wessen Boot sie sich buchst&auml;blich bei der &ldquo;Fusionierung&rdquo; mit Luksics hauseigener Reederei CSAV gesetzt haben.<\/p><p>Mit Sitz an der Plaza de Sotomayor Nr. 50 in Valparaiso stellte die Reederei nach dem blutigen Milit&auml;rputsch vom 11. September 1973 der chilenischen Marine <a href=\"https:\/\/www.memoriaviva.com\/empresas\/Compania_Sudamericana_Vapores.htm\">ihre s&auml;mtlichen Einrichtungen zur Verf&uuml;gung<\/a>, darunter ihre Schiffe &ldquo;Maipo&rdquo; und &ldquo;Lebu&rdquo;. Beide dienten als schwimmende Gef&auml;ngnisse f&uuml;r politische Oppositionelle von General Augusto Pinochet; das Schiff &ldquo;Lebu&rdquo; gar als <a href=\"http:\/\/www.memoriaviva.com\/Centros\/05Region\/buque_lebu.htm\">schwimmendes Folterzentrum<\/a>. Das Schiff &ldquo;Maipo&rdquo; wiederum &uuml;berstellte 380 H&auml;ftlinge aus Valpara&iacute;so in das Konzentrationslager &ldquo;Pisagua&rdquo; in der Atacama-W&uuml;ste, wo 500 inhaftierte Frauen und M&auml;nner bestialisch weiter gefoltert, vergewaltigt und mindestens 20 H&auml;ftlinge ermordet wurden. Die Luksics waren niemals in diese Horrorgeschichte involviert, doch anstatt sie zu verurteilen und sich davon zu distanzieren, w&auml;hlten sie den Weg der Verheimlichung.<\/p><p>Luksic Craig scheint hingegen von seinem Einfluss und der Macht seiner Familie &uuml;ber Chile benommen zu sein. Auf die Bedrohungen f&uuml;r Menschen und Umwelt durch jenes Staudamm-Projekt am Alto Maipo angesprochen, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HsswGB4S29g\">reagierte er im April 2016<\/a> mit der Freud&rsquo;schen Fehlleistung: &bdquo;Ich bin ein machtvoller Mensch, ich &uuml;be nat&uuml;rlich viel Macht aus, aber ich kann aber nicht bestimmen, wann es in Santiago regnen soll&rdquo;.<\/p><p>Titelbild: Gamba.cl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kroatische Emigranten die politische und wirtschaftliche Landschaft der Anden verwandelten &ndash; Teil 2<\/p>\n<p>&bdquo;Stille Wasser tragen Berge ab.&ldquo; Wenn das gefl&uuml;gelte Wort kroatischen Ursprungs einen Sinn macht, dann in Bolivien als Allegorie der faschistischen Pionierrolle kroatischer Emigranten und in Chile als Metapher r&uuml;cksichtsloser Vernichtung der Anden und der Wasserverknappung durch den internationalen Bergbau, in dem<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58321\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,127,132],"tags":[1344,2098,2760,2186,669,2357,1599,2244,1963,1800,2061],"class_list":["post-58321","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-allende-salvador","tag-bachelet-michelle","tag-bodenschaetze","tag-bolivien","tag-chile","tag-diaspora","tag-kroatien","tag-pinera-sebastian","tag-pinochet-augusto","tag-trump-donald","tag-umweltverschmutzung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58321"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58326,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58321\/revisions\/58326"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}