{"id":58407,"date":"2020-02-12T10:44:14","date_gmt":"2020-02-12T09:44:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58407"},"modified":"2020-02-28T08:44:14","modified_gmt":"2020-02-28T07:44:14","slug":"kulturzeit-in-3sat-instrument-neoliberaler-meinungsmache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58407","title":{"rendered":"\u201eKulturzeit\u201c in 3sat: Instrument neoliberaler Meinungsmache"},"content":{"rendered":"<p>Auch Berichte &uuml;ber Kultur sind wichtige Transportmittel der Meinungsmache. Zus&auml;tzlich zur Verbreitung verzerrender Darstellungen ist dabei zu kritisieren, dass die propagandistische Intention teils hinter &bdquo;unschuldigen&ldquo; Themen versteckt werden soll. Beispiele f&uuml;r mutma&szlig;liche Manipulationen&nbsp; lieferte wohl auch das Format &bdquo;Kulturzeit&ldquo; des Senders 3sat. <strong>Frank Blenz<\/strong>&nbsp;hat &bdquo;Kulturzeit&ldquo;-Produktionen zu den Themen &bdquo;Russland&ldquo; und &bdquo;Julian Assange&ldquo; untersucht &ndash; wir drucken seinen Beitrag hier ab. Von <strong>Redaktion<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2501\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-58407-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200212_Kulturzeit_in_3sat_Instrument_neoliberaler_Meinungsmache_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200212_Kulturzeit_in_3sat_Instrument_neoliberaler_Meinungsmache_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200212_Kulturzeit_in_3sat_Instrument_neoliberaler_Meinungsmache_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200212_Kulturzeit_in_3sat_Instrument_neoliberaler_Meinungsmache_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=58407-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200212_Kulturzeit_in_3sat_Instrument_neoliberaler_Meinungsmache_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200212_Kulturzeit_in_3sat_Instrument_neoliberaler_Meinungsmache_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Kulturzeit &ndash; Instrument einer neoliberalen Meinungsmache &ndash; Zwei Beispiele<\/strong><\/p><p>Wer eine ausgewogene, interessante, vielf&auml;ltige Fernsehsendung in Sachen Kultur, Kunst, Politik und Gesellschaft sehen will, findet sie, so die naive Annahme, in der &bdquo;Kulturzeit&ldquo;, l&auml;nder&uuml;bergreifend von 3sat in Deutschland, der Schweiz und &Ouml;sterreich produziert. Dass die Sendung indes als Instrument von Meinungsmache und Deutungshoheit neoliberaler Ideologie und Lebensart benutzt wird, ist wiederkehrend zu beobachten, k&uuml;rzlich in zwei F&auml;llen, Stichworte &bdquo;Russland&ldquo; und &bdquo;Assange&ldquo;. Von Frank Blenz.<\/p><p>Russland. Die Sendung <a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/kultur\/kulturzeit\/sendung-vom-4-februar-2020-100.html\">&bdquo;Kulturzeit&ldquo; von 3sat vom 4. Februar<\/a> geriet zu einem antirussischen Schmierenst&uuml;ck. Der Tenor lautete, dass 1. Russland aktuell ein Land mit gro&szlig;er Armut in der Welt der Globalisierung sei, dass 2. die Sowjetunion auseinanderbrach und schwere Verwerfungen erzeugte (und das aus sich heraus) &ndash;  und dass das bis heute so sei, was 3. eine wei&szlig;russische Nobelpreistr&auml;gerin f&uuml;r Literatur dann im folgenden Interview entsprechend mit ihren Aussagen best&auml;tigen sollte.<\/p><p>Die Redaktion brachte es fertig, ein Konstrukt mittels des Themas Armut zusammenzuzimmern, welches schlicht dazu gebraucht wurde, das heutige Russland anzuschw&auml;rzen. Die Autoren der Sendung boten einen Beitrag &uuml;ber die Armutsforscher Esther Duflo und Abhijit Banarjee, beide Tr&auml;ger des Nobelpreises f&uuml;r Wirtschaft 2019, zum Thema Armut. Danach leitete der Moderator zu zwei Beitr&auml;gen &uuml;ber: Die Oper &ldquo;Boris Godunow&rdquo; und der Zerfall der Sowjetunion wurden in einen Kontext gebracht. Das wurde besprochen mit Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch, einer Schriftstellerin aus Wei&szlig;russland. 2015 erhielt sie den Nobelpreis f&uuml;r Literatur. Vor allem die An-Moderation nach dem Beitrag &uuml;ber Duflo und Banarjee lie&szlig; einen den Kopf sch&uuml;tteln (ab 1:15 min.).:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander &ndash; besonders krass ist der Unterschied in Russland, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion1991 haben die meisten Menschen nicht mehr genug zum Leben gehabt und bis heute ist die Armut hoch.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Kulturzeitredaktion unterlie&szlig; es, die Ursachen f&uuml;r die sozialen, politischen und &ouml;konomischen Verwerfungen in der Sowjetunion und im nachfolgenden Russland zu besprechen. Sie unterlie&szlig; es, die Ver&auml;nderungen und Anstrengungen des Landes zu besprechen, die Menschen in Russland seit 1991 in eine bessere Lage zu bringen. Es steht au&szlig;er Frage, das ist statistisch zu belegen, dass dies gelang. Das Interview mit der Schriftstellerin war eine Abrechnung mit Russland (wieder einmal), visuell platt und geradezu propagandistisch: In der Mitte stand der Moderator, links im zugeschalteten Bild war die Schriftstellerin zu sehen, dann erschien mit einem Mal rechts auf dem zweiten Bildschirm ein gro&szlig;es Foto, bedrohlich wirkend. Wer war zu sehen? Klar: Wladimir Putin. <\/p><p>Warum gab es den &bdquo;Zerfall der Sowjetunion&ldquo;, warum hat Russland nach diesem &bdquo;Zerfall&ldquo; eine solche Krise erlebt? Keine Antwort. Die Sowjetunion wird vom Sprecher des Beitrages ein Mal gar s&uuml;ffisant-zynisch &bdquo;der erste Arbeiter- und Bauernstaat&ldquo; genannt. Nichts ist zu h&ouml;ren &uuml;ber Boris Jelzin. Nichts vom gierigen Hufescharren aus dem Westen, den gro&szlig;en Kuchen Russland unter sich aufzuteilen. Kein Wort, wie dann Putin gegensteuerte und den Ausverkauf Russlands verhinderte.  Im Folgenden wird davon gesprochen, was danach geschah. Im Beitrag, im Anrei&szlig;er vor dem Interview h&ouml;rt sich das so an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Statt Wirtschaftswunder folgt eine der schlimmsten postsowjetischen Wirtschaftskrisen. Sozialleistungen sinken unter das Existenzminimum.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es wird seitens Kulturzeit geh&ouml;hnt: F&uuml;r Putin sei der Verlust der Sowjetunion ein Trauma. 69 Jahre nach Ende der Sowjetunion w&uuml;rde nun das Scheitern alter imperialer Anspr&uuml;che erfolgen. Dass das heutige Russland aber solche imperialen Anspr&uuml;che aus der Sowjetunion abgeleitet haben soll &ndash; daf&uuml;r wird kein Beweis geliefert und es gibt auch keinen O-Ton einer Opposition zu solch einer drastischen Aussage.   <\/p><p>Kulturzeit bietet summa summarum eine &bdquo;Meisterleistung&ldquo; eines Russland-Bashings an. Im Beitrag spricht der Moderator die Wei&szlig;russin darauf an, dass Russland ihrer Heimat den &Ouml;lhahn zugedreht hat&hellip; Doch genug: Die Sendung ist ein Desaster.<\/p><p>Diese Arbeit ist keine Einzelleistung, kein Einzelfall, kann ich als Stammseher sagen. Es gibt zahlreiche Beitr&auml;ge, die Putin, Russland, die Menschen dort und die Kultur in dem Land besch&auml;digen.<\/p><p><strong>Die Macht interessengebundener Medien<\/strong><\/p><p>Julian Assange. Die Kulturzeit sagt <a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/kultur\/kulturzeit\/sendung-vom-6-februar-2020-102.html\">in der Sendung vom 6. Februar<\/a>: &bdquo;Wir haben in den vergangenen Jahren h&auml;ufig &uuml;ber Julian Assange berichtet.&ldquo; Und weiter: &bdquo;Jetzt stellt sich heraus, die Vorw&uuml;rfe gegen ihn sind konstruiert gewesen.&ldquo; Es folgt ein rei&szlig;erischer Beitrag, der dem Zuschauer den Atem stocken l&auml;sst &ndash; viele Fakten, alle f&uuml;r Julian Assange sprechend. Man schaut es an, man sitzt danach da und es bleibt einem die Spucke weg, in einem steigt die Wut hoch. Und es kommen Fragen auf: Ist dem so, dass so &bdquo;oft berichtet&ldquo; wurde, vor allem in den f&uuml;r Assange so bedrohlichen vergangenen Wochen und Monaten? (Anwort: Nein.) Warum, wenn &bdquo;Kulturzeit&ldquo; so oft von &bdquo;Assange in den vergangenen Jahren berichtet hat&ldquo;, fehlte es an derlei Fakten oder wenigstens Fragen? Und warum kommt &ldquo;Kulturzeit&rdquo; nicht der Aufgabe nach, die der Redaktion als Teil der so genannten &bdquo;Vierten Gewalt&ldquo; im Staat obliegt?  Man bedenke: Die TV-Sendung Kulturzeit auf 3sat gilt als seri&ouml;se, anerkannte kulturpolitische Produktion, die montags bis freitags ab 19.20 Uhr zu sehen ist, dar&uuml;ber hinaus &bdquo;jederzeit im Internet via Mediathek&ldquo;.   <\/p><p>An meiner Universit&auml;t wurde einst gelehrt, dass die &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien, der Rundfunk, das Fernsehen sowie die Privatmedien eine so genannte &bdquo;Vierte Gewalt&ldquo; aus&uuml;ben sollen. &bdquo;Vierte Gewalt&ldquo; bedeutet in dieser Wortwahl, dass es in dem gesellschaftlichen System der &bdquo;Gewaltenteilung&ldquo; im Land eine vierte, virtuelle S&auml;ule gibt. Neben Exekutive, Legislative und Judikative gibt es also die Medien, die durch ihre Arbeit, die Berichterstattung, die Meinungs&auml;u&szlig;erung und die &ouml;ffentliche Diskussion das politische Geschehen beeinflussen k&ouml;nnen und sollen. <\/p><p>Wohl haben Medien eigentlich (offiziell und theoretisch) nicht die Macht wie Exekutive, Legislative und Judikative, eine &Auml;nderung der Politik oder eine Ahndung von Machtmissbrauch per Beschluss zu erwirken &ndash; m&auml;chtig ist die Vierte Gewalt indes schon. Und tagt&auml;glich erleben Mediennutzer diese Macht, weil diese Gewalt in der Mehrheit eben nicht unabh&auml;ngig und frei agiert, sondern interessengebunden. Wie anders ist zu erkl&auml;ren, dass es scheint, als w&uuml;rde eine TV-Sendung wie Kulturzeit &ndash; selbsternannt und verstehend, vielf&auml;ltig und unabh&auml;ngig &ndash; doch immer wiederkehrend als Sprachrohr f&uuml;r gewisse Str&ouml;mungen auftreten, die helfen, den Status Quo gegenw&auml;rtiger Verh&auml;ltnisse inklusive der Pflege derer Feindbilder aufrechtzuerhalten?<\/p><p>Die Beispiele &ldquo;Armut Russland&rdquo;, &ldquo;Assange&rdquo; zeigen, dass Kulturzeit kein Bestandteil der Vierten Gewalt darstellt.<\/p><p>Titelbild: Mopic \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch Berichte &uuml;ber Kultur sind wichtige Transportmittel der Meinungsmache. Zus&auml;tzlich zur Verbreitung verzerrender Darstellungen ist dabei zu kritisieren, dass die propagandistische Intention teils hinter &bdquo;unschuldigen&ldquo; Themen versteckt werden soll. Beispiele f&uuml;r mutma&szlig;liche Manipulationen&nbsp; lieferte wohl auch das Format &bdquo;Kulturzeit&ldquo; des Senders 3sat. <strong>Frank Blenz<\/strong>&nbsp;hat &bdquo;Kulturzeit&ldquo;-Produktionen zu den Themen &bdquo;Russland&ldquo; und &bdquo;Julian Assange&ldquo; untersucht &ndash; wir<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58407\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":58408,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,183,11],"tags":[619,881,681,1919,915,259,2147,244],"class_list":["post-58407","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-3sat","tag-armut","tag-assange-julian","tag-lueckenpresse","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-sowjetunion","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/shutterstock_155783186.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58407"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58407\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58421,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58407\/revisions\/58421"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/58408"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}